Indiana Tribüne, Volume 24, Number 151, Indianapolis, Marion County, 17 February 1901 — Page 2
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Roman ö11 laud die Mcirrt ammerfest auf den .usgelauftnen Brigcy:jtlüitc von Spitzbergen ,jrrt Eingenähte, gut verüchse, dle von ver zum cheit, Archipel gehörenden le-usel mit tem Treibeis un- ,; ci cn den Fundort gelangt iese Büchse ist das nachstehend veröffentlichte Bekenntniß des zulegt gestorbenen Mitglieds ein Polarexpedition entnommen worden Für mich, den letzten Ueberlebenden der auf Ö2er Insel im Eismeer Gestrandeten, gibt es keine mündliche Aussprache mehr, und so will ich denn das, was zu bekennen mein Gewissen sich drängt, dem Papier anvertrauen, ehe es zu spät wird. Lange werde ich meine seelischen .und körperlichen Leiden ja nicht mehr zu tragen haben. In wilder Wuth umrast der Schneestürm die erbärmliche Hütte. Nur ine Kiste Zwiewck .noch und eitt Dutzend Conseroenbüchsen; auch das Material zum Unterhalten des Wärme spendenden Feuers geht zur Neige. Eine Woche noch, vielleicht auch zwei dann wird's überstanden sein. Die Gedanken wirbeln in meinem Kopfe durcheinander, aber ich will's versuchen, bruchstückweise niederzuschreiben, wie es kam. Seit einem Jahre waren Ellen und ich verlobt. Sie lebte mit ihren Eltern in dem Städtchen, wo .mein älterer Bruder als Pfarrer angestellt war, und in dem ich selbst, nach Beendigung rneiner Studien, als Arzt mich nieoergelassen hatte. Doch mit .der Praxis wollte es neben einem College, .der schon etliche zwanzig Jahre in allen Familien Zutritt hatte, nicht .recht vorwärtsgehen, und als mir eine Stelle in einem Londoner Hospital angeboten wurde, nahm ich sie an. -5)ie Trennung von Braut und Bruder fiel mir schwer, aber ich mußte die Grundlage schaffen zum Aufbau eines Hausstandes; in materielle Abhängigkeit Jbon , Ellen's Eltern wollte ich nicht gerathen. In London erhielt ich von Ellen fast täglich einen Brief, aber nach .wenigen Monaten schon vermißte ich den alten herzlichen Ton, und die Pausen zwi',TL den Briefen wurden .länger und r. Fragen nach der Ursache ihrer Iscnkundigen Verstimmung beant- ' wortete meine Braut ausweichend. Schließlich wandte ich mich an meinen Bruder, und der theilte mir, so schonend wi?. möglich mit, er fürchte, Ellen sei füc mich verloren.- Es sei da vor einem Vierteljahr ein junger Mann isn bestechendem Aeußeren und einnehmenden Manieren in den Ort gekommen? dieser verkehre in den besten Gesellchaftskreisen und sei auch im Hause Ellen's Eltern ein häufiger und 1 , ..rfehenerÄast. " , Am folgenden Tage schon hie.lt ich von Ellen ein paar Zeilen, die .meines Aruders Befürchtung bestätigten. Treue schwesterliche Anhänglichkeit, schrieb sie, werde sie dem Jugendgespielen stets bewahren, in ihrem Herzen sei ber jetzt erst eine Liebe erwacht, die sie bisher nicht gekannt habe. Ich möchte
ihr verzeihen, sie tonne nicht anders, tonne mein Weib nicht werden. . Verzeihen konnte ich ihr damals nicht, die Liebe ,zu ihr ns meinem Herzen reißen. daZ tonnte ich auch nicht. Fort! nur fort! schrie es in mir, womöglich in tin mit Aufregung und Gefahren verbnndenes Leben hinein. Der Zufall tsm nur zn Hülfe. Kurz vor dem Auslaufen der Albatroß" auf faic Polarfahrt verlor der für die Reije angestellte Schiffsarzt bei einem Eisenbahnunfall dos Leben. Man suchte Ersatz, ich meldete mich, erhielt den Posten und schwamm vierzehn Tage nach Auflosung meiner Verlobung schon auf hoher See, ohne vorher noch weitere Nachrichten von daheim erhalten zu haben; ich wollte nichts rühr wissen von dort. Zu den Mitgliedern der kleinen cta jütengesellschaft gehörte ein junger Mann in meinem Alter, der, wie er erklärte, der Expedition in's Eismeer hauptsächlich deshalb sich angeschlossen te, um sein durch einen längeren Auferrhalt im tropischen Australien erhitztes BIut abzukühlen. Fred Spen-
j zer war ein stattlicher, ein schöner ( jSßlzrm mb ein unterhaltender Gesell fi. chafter. lEr besaß eine umfassende ; ; f Verstandzfbildung. aber seine unver3':. friiTIt (?Tsrirrf. f?rt irnä rrf nenüht r
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' demAuslcn der Albatroß" saßen rovi im vierts auf dem Achterdeck und V plauderten. Die Rede kam auf Austra-
Vl;.V und das veranlaßte Spenzer.
über Queensla.id zu berichten, wo er ein paar Jahre gelebt hatte. Ganz besonderes Vergnügen, erklärte er. habe ihm das Versprengen der Eingeborenen gemacht; das sei ein lustige: Sport. Ich will Ihnen 'mal," sagte er mit selbstgefälligem Lächeln, in ah ler Kürze eine' solche Versprengung schildern, die als typisch gelter, kann. Meldet da einei- schönen Tages der Oberaufseher derPlantage, eine Bande Scbwarzer habe kick auf unserem Territorium am Ufer des Warumidgi alagert. Schleunigst steigen wir zu Pferde und brechen nach der bezeichneri Geqend auf. Das Pack hat die
"sel besetzt, die durch Verein:nesNebenslusses des Warumid
diezem gebildet wird, und da . der Grundlinie ves Dreiecks
, haben wir das e in einem Sack.
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Ha! ha! ha! Sie hätten sehen teilen, wie sie durch's hohe Gras sprangen. Alte und Junge durcheinander, und wir im Galop hinterher, mit unseren Sauspießen niederstechend, was wir erreichen konnten. Nach halbstündiger Hatz wurde das dürre Gras in Brand gesteckt und die Halbinsel in ein Flammenmeer verwandelt. Uns. die wir, so ein halbes Dutzend auf jeder Seite, die Pferde in's seichte Wasser gelenlt hatten, boten sich jetzt die schönsten Aussichten .für Revolverprazis. Gute Taucher diese Qucenslänoer, aber, zum Donnerwetter, wir paßten auf, und nur selten verfehlten unsere Kugeln einen der da und dort über Wasser sichtbar werdendenKöpfe. Das, meine Herren, verstehen wir Australier unter dem Versprengen der Eingeborenen." Spenzer machte eme Pause und zündete sich eine Cigarre an, wobei er sein tadelloses, leuchtendes Gebiß zeigte, das mich immer an das eines Äaubthiers erinnerte. Wir da draußen," fuhr er fort, .begrüßen solche gelegentlichen Treib.jagden auf Schwarze als anregende Abwechslungen in der oft recht drückenden Langweile des Colonistenlebens. Es ist ja auch selbstverständlich, daß man das Einnisten so einer diebischen Gesellschaft in der Nachbarschaft der Plantagen nicht dulden darf." Zugegeben", warf ich ein, aber was Sie Versprengen nennen, dünkt .mich in der von Ihnen geschilderten Weise eine Abscheulichkeit." O, ihr gefühlsseligen Gemüther!" 'höhnte lachend Spenzer. Die Civilisation möchtet ihr ausgebreitet sehen, entlegene Wildnisse sollen colonisirt werden, aber vor einem gründlichen Verfahren dabei scheut ihr zurück. Der Schwarze in Australien läßt sich nicht civilisiren, er muß verschwinden, und die weißen Ansiedler sehen ihren Vortheil darin, daß dies möglichst bald geschieht. Sie nennen das Versprengen eine Abscheulichkeit, ich nenne es Eulturarbeit." Wir anderen bekundeten ziemlich lebhaft unsere Mißbilligung der Spcnzer'schen Anschauungen, aber gerade das gefiel ihm; keine sich bietende Gelegenheit. unsere Gefühle zu verletzen, ließ er unbenutzt vorübergehen. Daneben konnte er, wenn er wollte, so liebenswürdig sein, daß man durch sein Wesen wirklich bezaubert wurde. Manchmal that er groß mit seinem 'Glück bei den Frauen, ohne Zweifel mit guter Berechtigung, denn er war ganz der Mann dazu, Weiber zu berücken. Als Spenzer einmal mit mir auf Deck die mit dem Schleppnetz gemachte Beute durchmusterte, entschlüpfte ihm beim Bücken ein Medaillon, das au einem um den Hals hängenden Bändchen befestigt war und auf der mir zugekehren Seite unter Glas eine Haarlocke zeigte. Spenzer schob das Medaillon wieder an seinen Platz nnd bemerUe leichthin: Ein Andenken von meinem Liebchen." Er hatte also ein Liebchen, eine Braut vielleicht. Die Aermste. dachte ich, die einen so gefühllosen Menschen zum Gatten bekommt. Laut sagte ich: Wenn Sie mit einer jungen Dame glücklich verlobt sind, dann begreife ich nicht, daß Sie freiwillig dieser Polarfahrt sich angeschlossen haben." Er setzte ruhig seine Arbeit mit den kleinen Meerthieren fort und erwiderte in gleichgütligem Tnn: Ja, sehen Sie, Doctor, die Sache liegt einfach so. Wir. die Kleine und ich, sollten auf Wunsch meines Herrn Schwiegerpapa in pe weiß der Teufel, warum er darauf beharrte erst im kommenden Sommer in den Hafen der Ehe einlaufen. Da hatte ich nun schon drei Monate lang den schmachtenden Liebhaber gespielt, und je mehr ich schmachtete, und je langweiliger mir die Geschichte nachgerade wurde, desto mehr Schwärmerei wurde von mir erwartet. Item, ich konnte es schließlich nicht länger aushalten und sah mich nach einer Gelegenheit um. auf glaubhafte Weise eine Aenderung herbeizuführen, ohne die Verbindung endgültig lösen zu müssen. Der Käfer ist nämlich wirklich ganznett und wiegt ziemlich schnxr gewichtige, solide Papiere Sie verstehen? In diesem Dilemma kam mir die Kunde von der Ausrüstung diese? famosen Erpedition sehr erwünscht. Ich schrieb, bot meine Dienste an und wurde angenommen. Meinem Schatz und dessen Familie erklärte ich. daß an mich, als Reserveofficier der Manne, eine Aufforderung ergangen sei. die Polarreise mitzumachen. 'und daß ich ehrenhalber nicht gut absagen konnte. Jetzt bin ich aller platonischen Courmacherei entho den und erfreue mich noch des weiteren Vortheils. Liebesbriefe weder schreiben noch lesen zu müssen." Mitte September wurden wir vom Packeis eingeschlossen, und Anfang October mußten wir die Albatroß" verlassen, ' da ihre Seiten eingedrückt waren. Materialien zum Hüttenbau. Waffen, Werkzeug. Instrumente, eins der Boote und Mundvorratb konnten Alücklich nach der nicht fernen Lzachow Insel geschafft werden, ehe das Schiff gänzlich zertrümmert wurde. Die lange Polarnacht ging vorüber, vhne daß Jemand ernstlich krank geworden wäre. Im März aber wurde Spenzer rom Flecktyphus befallen und aus der gemeinschaftlichen Wohnbaracke nach der kleinen Hütte gebracht, die wir alsLazareth eingerichtet hatten. Als ich dort den Kranken möglichst
; bequem zu betten versuchte, kam mir ; das Medaillon in die Hände, das 'ihm ! damals beim Leeren des Schleppnetzes ' entschlüpft war. Auf der Jer Haar locke entgegengesetzten Seite umschloß ,' es eine Photographie. , Die Thran-
j lampe verbreitete nur schwaches Lichts
dem Bild' erkennen zu lassen. Ich taumelte zurück. Ellen ! Seine Kleine, von der er so gleichgültig gesprochen hatte, die er getäuscht und doch noch zu seinem Weibe machen wollte, war meine einstige Braut. Hatte ich schon he ich wußte, wer sie war das Mädchen bedauert, das Spenzer gehören sollte, um wie v'.el stürmischer wallte es jetzt auf in meinem Herzen. Krampfhaft umspannte ich das Medaillon und hielt - es dem halb Schlummernden dicht vor die Augen. Ist das die Dame, die Sie heirathen' wollen?" fragte ich mit bebender Stimme. Spenzer wurde munter und übersah den Sachverhalt sofort. Das ist sie," gab er ohne Zaudern zur Antwort in seiner nachlässigen, nicht nach Gott und Teufel fragenden Manier. Nun iommt's mir auch in den Sinn," fuhr er fort, daß mir erzählt wurde, der Mann, mit dem Ellen verlobt war, ehe sie mich kennen lernte, sei ein Arzt gewesen, der Bruder des Ortspfarrers. Mit dem Geistlichen habe ich nicht verkehrt. Hm. Sie also sind der Mann, der mir weichen mußte. Na, da bietet sich Ihnen ja jetzt die schönste Gelegenhcit, den siegreichen Rivalen über den Stvr zu befördern." Es 'kochte in mir, aber ich hielt an mich und schwieg. Ich behandelte und pflegte Spenzer, so gut es unter den Umständen möglich war; im Grunde meinerSeele aber regte sich der Wunsch, tr möchte nimmer genesen. Eine Weile hing sein Leben nur noch an einem Fa den, er überstand jedoch die Krisis und begann sich zu erholen. Es war also immer noch möglich, daß er zurückkehren und Ellen zu seinem Weibe machen würde. 'Dieser Gedanke erregte meine Nerven in solchem Grade, daß sich auch bei mir Anzeichen von Fieber einstellten. Der Capitän, dem das nicht entging, fürchtete den Ausbruch einer ansieckenden Krankheit, und er verfügte, ich sollte mich möglichst von den anderen fern halten und in der Lazarethhüite mein Lager aufschlagen. Das Zusammenleben mit Spenzer allein war für mich eine Qual, aber sie mußte ertragen werden. ' i Allabendlich pflegte ich der Medizin liste ein paar Chininpulver zu entnehmen und für unseren Nachtgebrauch zurechtzulegen. In der Nacht vom siebenten auf den achten April das verhängnißvoll: Datum haftet fest in meinem Gedäch!niß erwachte ich aus unruhigen: Schlaf und gewahrte, noch halb träumbefangen, daß Spenzer sich in der Hütte umherbewegte. Ich raffte mich auf und rief ihm zu, er solle sich niederlegen, er sei noch zu schwach, um sich selber zu helfen. Seien Sie unbesorgt," erwiderte Spenzer in einem herzlicheren Tone, als ich ihn je hatte anschlagen hören, ich fühle mich stark genug und wollte nur sehen, ob Sie sich etwa aufgedeckt hätten. Ich hörte, daß Sie sich auf Ihrem Lager hin und her warfen." Sonderbar! Sollte meine gewissenhafte Pflege ein Gefühl der Dankbarkeit in ihm geweckt haben? Abgespannt wie ich war, dämmerte ich wieder ein, hörte aber nach einer Weile abermals Geräusch. Diesmal regte ich mich nicht und blinzelte nur zwischen den halbgeöffneten Lidern durch. Spenzer kramte vorsichtig in der Medizinkiste herum. Vielleicht will er noch eine Eztradosis Chinin holen, dachte ich. war aber zu schlafsüchtig, um ihn zu fragen. t Gegen vier Uhr Morgens erwachte ich wie gewohnt und schickte mich an. mein Pulver zu nehmen. Merkwürdig! Ter Stoff fühlte sich grobkörnig an. Ich nahm eine kleine Prise zwischen die Finger und brachte sie auf die Zungenspitze, Anstatt, des bitteren ein fader Geschmack. , Sollte ich aus Versehen falsche Pulver zurechtgemacht haben? Mich überlief es siedend heiß. Spenzer hatte vielleicht schon eingenommen. Wenn es Gift gewesen wäre! Ich warf einen raschen Blick zu ihm hinüber.. Er schlief dem Anschein nach ruhig, doch wollte es mich bedünken. daß er mich mit halbgeschlossenen Augen beobachte. Da plötzlich schoß mir der Gedanke durch den Kopf: Spenzer will dich vergiften! Gehaßt hatte er mich immer; seit er aber erfahren hatte, daß ich Ellen's Verlobter gewesen war, haßte er mich erst recht. Seine Blicke ruhten auf mir, daran zweifelte ich nicht länaer. und ich beschloß, ihn zu täuschen. Ich wandte mich um, tchat so, als ob ich den Inhalt des Papiers verschluckte, und streckte mich, anscheinend ahnungslos, wieder aus. Munter zu bleiben, wurde mir nicht schwer. Ich sah. wie Spenzer sich umdrehte, und eine Viertelstunde später verrieth sein gleichmäßiges Athmen, daß er fest eingeschlafen sei. Jetzt schüttete ich das zweifelhafte Pulver auf den glatten Deckel eines zur Hand liegenden Buches und untersuchte ge nau die leere Hülle. In den Falten haftete eine feinere Substanz. Ich tupfte darauf mit genetztem Finger und kostete: bitter! Die Sach: verhielt sich, wie ich vermuthet hatte; das Chinin war von Spenzer ausgeleert und durch Arsenik ersetzt worden. Ich überlegte nicht lange. Dcr Elende hat das Gift für dich bestimmt, scptc ich mir, nun soll er es selber einnehm:n. Leise stand ich auf und schlich an Spenzer's Bett; im guten Glauben, sein Mordanschlag sei geglückt, schlief er den festen Schlaf des Gerechten. Ich machte das Arsenikpulver wieder zu-
,recht und wechselte 5 gegen das neben
Spenzer s Ztopfkissen liegende ChinmPulver aus. Dann legte ich mich, hin und wartete in unbeschreiblichem SeeIcnzustande. Endlich, endlich begann
Spenzer sich zu regen, er erwachte und
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i.-. ' eber doch genug, mich das Gesicht auf ' schaute zu mir berüber,
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Hallo, Doctor!" rief er jovial. Wie geht es Ihnen diesen Morgen? Hoffentlich besser, he?" Ich log ihm vor, daß ich heftige Magenschmerzen hätte, und heuchelte Krämpfe. Er schien von meinem Bescheid sehr erbaut zu sein und lachte. O, das hat weiter nichts zu bedeuten," tröstete er, .im Gegentheil, 's ist ein gutes Zeichen. Ehe bei mir die Wendung zum Vesseren eintrat, habe ich die gleichen Schmerzen überwinden müssen." Er setzte sich auf, nahm den bereit liegenden Löffel vollSyrup und streute das tödtliche Pulver mitten darauf. Mich packte ein Fieberschauer. Ich sah noch. wieSpenzer die Dosis hinunterschluckte, dann sank ich ohnmächtig auf mein Lager zurück. Als ich wieder zumBewußtsein kam, hörte ich Spenzer stöhnen. Nachgerade mochte ihm eine Ahnung von der Sachläge aufdämmern, und plötzlich rief er: Doctor. Doctor!,. Nasch, rasch! Ein Gegengift! Es muß da ein Versehen mit den Pulvern vorgekommen sein. Ich glaube, ich habe Arsenik anstatt Chinin eingenommen." ' Das kanu nicht wohl sein." erwiderte ich, ich habe Ihnen ja eins meiner eigenen Pulver, die hier bei meinem Kopfpolster lagen, 'hinübergebracht." Er schnellte in die Höhe und keuchte: Das das das war Arsenik!" Er gab keine weitere Erklärung. Ich brauchte auch keine, ich wußte Bescheid und richtete keine Frage an ihn. Ich behandeltib don Mue gefoltert, nach bestem Mgen Arsenikvergiftung. aber das Gift hatte schon zu lange Zeit gewirkt, und gegen Abend hauchte Spenzer nach schrecklichem Todeskampf den Geist aus. Ein heftiger Nückfall, berichtete ich. Ich kann kaum noch schreiben, ich bin so schwach und elend. Im Juni hatten wir knmer noch kein offenes Wasser, und die Hoffnung 'auf Rettung schwand mehr und mehr. Der Skorbut und andere Krankheiten stellten sich ein, und die Vorräthe begannen bedenklich zu schwinden. Bald hatte ich alle meine Genossen unter Behandlung, aber da war nicht mehr zu helfen. Sie starben einer nach dem anderen, und nur ich lebe noch, der einzige Mensch in dieser trostlosen Einöde." Die Schrift auf den beiden letzten Seiten des Manuskripts ist ganz unleserlich; was der Unglückliche da noch niedergeschrieben hat, läßt sich nicht er-kennen.
Sein Pferd. Humoreske von Ll. Stoffe. Anton, Tu mußt gleich mit mir nach Königsberg fahren, ich will mir das Pferd abholen, welches ich m der Lotterie gewonnen habe. Na, mach nur schnell, mit Deinem Principal habe ich schon gesprochen.''der Wagen hält drüben am Markt beim Goldenen Hirsch". Also ich verlasse mich darauf, daß Du gleich rüberkommst." Uud ehe ich ein Wort der Widerrede finden konnte, war mein Freund Ottokar aus der Apotheke hinaus und stürzte mit aller Schnelligkeit, die ihm infolge seiner langen, hageren Beine zu Gebote stand, zum Goldenen Hirsch" hinüber. Ich conditionirte damals seit bereits zwei Jahren als Provisor in der klelnen ostpreußischen Landstadt G., sechs Meilen von Königsberg entfernt. Zu den wenigen jüngeren Honoratioren des'Oertchens, mit denen mir die Möglichkeit eines Verkehrs geboten war, gehörte Ottokar Hempel. der städtische Rendant, der ungefähr im gleichen Alter mit mir stand. Wir wurden bald befreundet, und der lustige, junge Mann trug viel zu meiner Erheiterung in dcr kleinen, stillen Stadt bei. Er hatte nur eine einzige Passion, das war seine Leidenschaft für Pferde. So viel Ersparnisse warf freilich sein Gehalt nicht ab, daß er sich den Luxus eines eigenen Pferdes gestatten konnte. Und so begnügte er sich, seinen equestrischen Neigungen derart nachzukommen, daß er sich der Reihe nach sämmtliche irgend reitbaren Pferde von den Ackerbürgern des Städtchens gegen geringes Entgeld auslieh. Es gab nichts Schöneres für ihn, als hoch zu Roß durch die holperigen Straßen hindurchzutriumphiren. Und nun war ihm der große Wurf gelungen, er hatte das Pferd, das lang ersehnte Ziel seiner Träume, geWonnen. Ich konnte dem braven Kerl so ganz sein Glück nachfühlen. In wenigen Minuten war ich zur Ncisc angelleidet und ging nach dem Hirsch" hinüber, wo ich den Wagen bereits haltend fand und Ottolar schon auf dem Sitz, ungeduldig nach mir ausspähend. ' Auf dem Rücksitze lag eine vollständige Ausrüstung für ein Reitpferd, der Sattel so weit überstehend, daß man bei der Eng: des Gefährts stets mit seinen Schienbeiucn in sehr unfreundlich: Berührung mit demselben kommen mußte. Einen Stall so erzählte cr mir Isc.iit er sich auch schon gemiethet, kurz, alles wäre in bester Ordnung, um ein slnes. schneidiges Reiterleden nach den lnglrciligün Vurcaustunden führen zu lohnen. kjIzq einer scharfen Fahrt langten i: in Nug55crg an. Als rir in St:dt einbogen und an unserem c:.-ö;;nlil?en Absteigequartier angclangi wrcn. schlug er mir vor. ich .sollt absteigen und ein recht feines Esscn und ordentlichen Wein bestellen, während er direct zum AussteÜungsplaz fahren und das Pferd abholn föCiliZ 'Wenn Du zufällig Bekannte triffst, lebe sie nur ein, die Kerle sollen platzen vor Neid." Den Wunsch konnte ich ihm erfin. Tsä wurde bei meinem Eintritt in da
Gastzimmer, von zwei bekannten Guts Pächtern mit Halloh begrüßt, die meiner Einladung mit dem größten Vergnllgen Folge leisteten. In Erwartung des Festessens' das ganz den Intentionen meines Freundes Ottokar gemäß aus den feinsten Delicatessen der Saison zusammengefetzt sein sollte, ließen wir uns den vortrefflichen Rcthwein des Grünen Vaum" - Wirthes bestens munden und waren schon bei der sechsten Flasche angelangt, als man das Rollen eines Wagens vernahm, der in die Hofeinfahrt einbog, und gleich darauf Ottokar in das Zimmer stürzte. Man sah an seinen erregten Zügen, daß etwas passirt sei, und zwar nichts Gutes. Stumm nickte er uns zu, ließ sich auf einen Stuhl rliedersinken und stürzte hastig ein Glas Rothwein hinunter, um dann mit einem aufathmcnden: Ha, das thut wohl," endlich die Sprache wiederzugewinen. Aber. Ottokar, was ist denn eigentlich los?" Es ist eine Gemeinheit, Leute derart zum Narren zu haben. Da, schau einmal her!" Damit zog er eine Gewinnliste aus der Tasche. Hier ist meine Nummer, was steht daneben." Ich las: Gewinn: Ein Pferd." Aber es steht noch etwas dabei, und das' habe ich übersehen. Das ist das kleine Sternchen an dem Worte Pferd." Und nun sieh hier am Schlüsse: Die mit einem bezeichneten Gewinne sind künstlerisch in Bronze ausgeführte Nachbildungen der preisgekrönten Statuette des berühmten Derbysiegers Grecnwater". Ist das nicht zum Verrücktwerden?" Wir sahen uns einen Augenblick sprachlos an- und brachen dann in ein .schallendes Gelächter aus. in das schließlich Ottokar, als guter Kerl, der er war, ich einigen weiteren beruhigenden Gläsern Rothwein einstimmte. Als er sich dann zwei Stunden später schwankenden Fußes zum Wagen begab, um die Heimreise anzutreten, lallte er mir ganz getröstet zu: Wie gut, faß wir das Vieh im Wagenkasten mitnehmen können. Denke Dir. wenn ich es jetzt nach Hause reiten müßte!
Der Scschcitcre. Lumores!e von Arthur Achleitner. Tief drinnen in der Lergwildniß hatte eine Fürstlichkeit eine Jagd und zu deren Beaufsichtigung einen gründehrlichen, aber sackgroben Förster, d?r als eine Ausnahme in der lateinischen" grünen Gilde gelten konn'.e, denn besagter FörUer log nickt. Tafür war er berüchtigt wegen der stets rücksichtlos ausgesprochenen Meinung. Der Fürst wußte von seinen Eigenschaften lange Zeit nickts; seine Um gebung, die Kavaliere hüteten sich, in Gegenwart des hohen Herrn den För-' ster irgendwie zu apostrophiren, und zu einem direkten Verkehr des Fürsten mit dem Graubart war es bislang nie
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ein infamer Landregen die geplante Treibjagd, es mußte abgesagt, die Treiber entlassen werden. Mißmuthig saßen die Kavaliere beim Frühstück, das sich aus Langeweile in die Länge zog. Der Gebieter blieb unsichtbar ; es hieß, er werde überhaupt nicht erscheinen. Thatsächlich aber hatte der Fürst trotz des Regens einen bewaffneten" Spaziergang in den nahen Hochwald unternommen und unvermuthet stieß er auf den Förster, der unter einer Schirmfichte saß und aus seiner Tabakspfeife entsetzlich qualmte. Der Fürst sprach den Graubart, der ehr?rbietig sich erhob, sogleich an: Ah! Ist Er nicht mein Förster?" Wenn D' es verlaubst. gn'ä' Herr, waar i 's (würde ich es sein)!" Wenig vertraut mit den Eigenthümlichkeiten der Gebirglersprache stutzte der Fürst, doch reagierte er auf den seltsamen Ausdruck nicht weiter und fragte, weshalb der Förster denn hier im Wald faullenze. G'faullenzt werd nitt. i han alle Händ voll Arbeit!" So? Wie denn?" I wart' auf's besser' Wetter! Eine beschwerliche Arbeit das! Aber waS meint - Er. wie wird das Wetter sich gestalten?" Js dös aber dumm g'fragt!" Na. übermäßig höflich ist Er nicht!" - Kimmt nix außer mit seller Höflichkeit. Wenn D' a Maß zahlst, gnä' 5err, kann's sein, es werd s' Wetter anderscht! Der Fürst schenkte dem höflichen" Förster eine Cigarre und erzielte "dadurch den Trost, daß in einer Stunde besseres Wetter eintreten würde, vorausgesetzt, daß keiner der Gawlicre" (Kavaliere) dazu käme, denn diese verscheuchen jeglichen Sonnenschein. Ein Zufall fügte eö. daß der Regen aufhörte. Fast schien der Gebieter geneigt, an die Richtigkeit der Prophezeihung zu glauben, und so kam denn die Frage, ob der Förster seinen Jagdherrn an Gemsen bringen könne. Sell schon! Aber 's Schießen is a andere Sach'! Dös hängt vom Wind ab!" Haben wir weit zu gehen?" A na! Hinein a Stünde!, astn (hernach) drei auffi! Kann sein, daß mer a starka Rudel angehen! In der Kinderstub" wurlt 's grad so!" Kinderstub'? Kenn' ich gar nicht!" Dös glaubst!' So dumm san mer nöt. gnä' Herr! In die Kinderstub" von die Gams werd' koa' Gawlier nöt g'führt. für die fc' 's Grasfel gu.t
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Aber ich. der Jagdherr?" Di derfst eini. gnä' Herr! Du schon! Aber nur Du alloan und mit mir!" ? Den Gebieter erfaßte jetzt derGamZHunger, der Jagdherr wurde hitzig und drängelte auf sofortigen Aufbruch. In der Hast bemerkte er den spöttelnden Gesichtsausdruck seines Försters nicht. Beide marschirten ab. Nach einer Stunde war man in idealster Bergwildniß angelangt, in der schattseitigen Höhe konnte ' man mit freiem Auge Gemsen erblicken. Hinauf, hinauf!" drängelte der junge Jagdherr und strebte einem Pfad zu, der schwindelerregend unter einer Prallwand und' hart neben einer furchtbaren Steilschlucht emZ-Os-zog. JDitt wenigen Sprüngen eilte der Förster seinem Herrn nach und riß ihn am Joppenflügel vom lebensgefährllchen Pfad zurück. Da. -Ferscht, da steigt ma' nöt auffi!" Der Gebieter wollte seinen Willen erzwingen, doch der Förster ließ den Aufstieg an dieser Stelle nicht zu. Aber warum denn nicht?" Du bist zu dumm dazua!" Kerl, was erfrecht Er sich? Ich werd' ihn mit Schimpf, und Schande davon jagen!" Sell kannst wie D' magst! ' Aber erst, wenn mer dahoam san. Da steigst mer nöt auffi!" Dabei blieb er.' Zur Abkühlung des Gamsfiebers führte der grobe Förster den Gebieter stundenlang auf miserablen Steigen im weiten Bogen um den Berg herum. Mählich mit Zunähme körperlicher Ermüdung ward der Gebieter ruhiger; er ergab sich dem vom Förster gelenkten Schicksal! So. gnä' Herr! Jetzt g'fallst mer. jetzt bist brav und j:tzt derfst au in die Kinderstub'!" Hol Dich der Teusel!" brummte der geärgerte Fürst. Wieder ward angestiegen und nach einer Stunde tüchtiger Lungen- und Kniearbeit war die Kinderstub" crreicht, wo der erfreute Jagdherr alsbald einige kapitale Böcke ansprechen" konnte. Die Tüchtigkeit des FLr'ters al Jadgführer und -Leiter zeigte sich iu'. schönsten Licht. Unter Ausnutzung guten Windes brachte der Grobian sei nen 5crrn in schußbare Gemsennähe, doch ließ er den Gebieter nicht abdrücken. Im Geaentheil flüsterte er ihm ins ütx: Not schießen'. Bist no' z' hitzig!"' Diese Bevormundung! Ekelhzft!" brummte der gründlich geärgert: Herr. Und wieder flüsterte der Grobian zärtlich: Maul halten! Ganz ruhig!" Ter Fürst war einfach perplex und infolge dieses Zustandes sratuknhaft ruhig. Inzwischen hatte der kapitale Bock sich schön breit gestellt. Aufzieben. langsam, von unten Haar fassen. Blatt halten! Schieß!" wisperte der alte Praktikus. Rubig befolgte der Fürst diesen Befehl und drückte ab. Im selben Augenblick fühlte sich der Gebieter von sehnigen Armen umschlungen und platt in das Kar niedergedrückt. Aechzend wollte der Ueberraschte sich befreien und aufrichten, da zischte ihm der Förster zu: Still halten! Ganz stad damischer Kerl!" und hielt den Fürsten am Boden fest. In Gedanken beschloß der' Ueberwältigte, dieses Monstrum von Förster zum mindesten füsilieren zulassen, aber der Fürst blieb regungslos liegen, bis der Grobian die Umklammerung löste und . wisperte: Langsam halb aufrichten, links oben steht a Fetzenbock, gut zielen, schieß!" Wieder quittirte die Gams die Kugel mit schlagenden Läufen. Der erhaltenen Lehre eingedenk duckte der Jagdherr nach aogegebenem Schuß nieder. Doch jetzt lachte der Förster hellauf und sprach zum verblüfften Gebieter: Na, Freunder!! Zwoa Böck' sein gnuaz! In der Kinderstuben" derf nöt mehr g'schossen werden! Sell verlaub' i net!" Unerhört!" Mehr brachte der Fürst nicht über die Lippen; das Staunen war zu groß. Wie der Förster dann aber die zwei kapitalen Böcke herabgcholt und dem Gebieter vor die Füße gelegt hatte.war olles andere vergessen, das Jägerherz schwelgte in Seligkeit. Willig ließ sich der Jagdherr ?uf sicheren, wenn auch weiten Wegen zu Thal führen; die Böcke mußten zwei dcr Aufseher herabtragen. Nachdem sich im Jagdhause die Aufregung und Ueberraschung gelegt hatte. die Kavaliere waren ganz auseinander über den programmwidrigen Pirschgang des Gebieters wurden die Böcke zur Strecke" und Besichtigung ausgelegt. Stolzer denn ein König kam der Förster. an der vom Fürsten erhaltenen Cigarre saugend und' ob des noblen Trinkgeldes hochvergnüqt b.?rbei und
huldvoll klopfte dcr klassische Grobian dem Gebieter, der ganz selige Augenweide an seinen zwei Gamsböcken hielt, auf die Achsel und sprach: Gnä' Herr! Wennst auf sellem grcden Steig, seller ho?ßt die gache Katzenloater. a'gfall'n woarst. Jessas. was die Leu!' da g'sagt hätten!" So? Nun. was würden die Leute über m:inen Absturz wohl gesagt ha ben?" meinte lächelnd der vergnügte Fürst. So! Die Leut' sageten: demFerschten siecht es gleich, aber der Ferschter hätt' dcr 'scheitere sein sollen!" Die Kavaliere erstarrten; der Fürst aber lachte hellauf: Ganz richtig! Du bist nicht bloß der Gröb:re von 'uns. sondern thatsächlich auch der Gescheitere!" '
Römische Vtilitärauögaben.
Professor Dr. Hugo Blümer-Zurich veröffentlicht einen Auszug aus einem kürzlich von den Gelehrten Jules Nicole vnd Charles Morel herausgegebenen Papyrus, der werthvolle Leiträge zur Kenntniß des römischen Heerwesens liefert. Dcr Papyrus von Professor Ed. Naville-Genf in Jayum erworben worden und besteht aus zwei der Länge nach aneinander geklebten, auf beiden Seiten beschriebenen Blättern; sein Inhalt bezieht sich durchweg auf militärische Dinge.- Die Vorderseite des einen Blattes zeigt die amtliche Buchführung zweier . Soldaten. Prvulus 'und Germanus, für daö drÄe Regierungsjahr Tomitians 83s84. Die beiden Soldaten haben ihre regelmäßigen Einnahmen und Ausgaben aus drei Jahrestermine vertheilt, wie sie den Sold zu beziehen pflegten. Dieser beträgt für das Jahresdrittel 248 Denare. Die Ausgaben sind bei beiden Soldaten der Verwendung nach gleich. Regelmäßig dreimal im Jahre wiederkehrende Ausgaben sind iaenaria. d. h. die 5zeurationen für die Pferde, nämlich 10 Denare, für Beköstigung (in vic turn) sind 80 Denare, also Denare für den Tag. für Schuhe und Bein-. binden, die die Stelle der Strümpfe vertraten, 12 Denare angemerkt. Dazu kommen in der ersten und dritten Jahresrechnung ein Posten für Kleidung, ferner einer für die Sparkasse (ad sisna). Jeder römische Soldat war nämlich verpflichtet, von den von Zeit zu Zeit dem Heere zugehenden Gratifikationen die Hälfte an eine Sparkasse, die apud signa war, abzuführen. Jede der zehn Eohorten einer Legion hatte eine solche Kasse, die man follis oder saccus nannte, weil das Geld wohl ursprünglich in einem Lederbeutel aufbewahrt wurde. Dc.zu kam noch ein elfter Saccus, zu dem die ganze Legion einen kleinen Beitrag gab und der dazu diente, die Begrädnißkosten zu bestreiten. Diese Regimentssparkasse war es wohl auch, die die erwähnte Jahresrechnung für die beiden Soldaten ausgestellt hgt. Die andern Blätter des Papyrus, die nichr minder interessant sind, enthalten Angaben über die dienstliche Verwendung von mehrern Soldaten. Im römischen Heere war es üblich, in Friedenszeiten die Soldaten zu allerlei militäriscben und auch nichtmilitärischen Arbeiten zu beschäftigen. Hierher gehörten außer dem Festungs- und Straßenbau Hafenarbeiten, Baggerarbeiten, Eou-rier-und Polizistendienste u. a. In dem hier besprochenen Papyrus ist ein Soldat in eine kaiserliche Papyrusfabrik abcommandirt ad cliatam conficiendam." Zev lleverw.rky.
ES war. einmal ein Uebermensch;der ging allein auf die, höchsten Berge der Schweiz. Er war stark und hatte Uebernerven. Und als er vom Finsteraarhorn herabgestiegen war, trieb ihn der Hunger in ein Berghotel. Schaaren von kurzathmigen Pygmäen hatte dcr Dampf dorthinauf geschoben. Die saßen nun auf der Terrasse und in der Beranda und wunderten sich darüber, daß auf den hoh:n Bcrg?n noch Schnee läge, obwohl doch die Sonne so warm schiene. Draußen war nur ein Tisch noch unbesetzt, ein Tisch an der Hauseck:; an den setzte sich der Uebermensch und aß. ' Weil er aber erhitzt war. dünkte ihm der Luftzug unerträglich. Darum befahl er dem Piccolo. ihm einen Platz in der Veranda zu schaffen. Dcr ab:r zuckte mit den Achseln, denn die Veranda war von dicken Menschen dich! gefüllt. Da ergrimmte der Ueb:rmensch, ging hin. hob die Thüre aus den Angeln und stellte sie zum Schutze neben sich. So saß er behaglich und wurde wieder heiter. Als ihm aber der befrackte Knae die Rechnung brachte, da las er am Schlüsse: ..Eine Thüre mit geöltem Schloß und Schlüsscl 80 Frcs." Dem Piccolo verging das Grinsen, so schrecklich war der Uebermensch anzuschauen in seinem Zorne. Fast hätte er sich an dem Knaben vergriffen. Doch er bezwäng sich und schleuderte nur die Thüre in den Abgrund. Man hört: sie mehrmals auf den Felsen aufschlagen und endlich zersckellen. Dann warf er das Geld auf den Tisch. Und zu dem Hotelbesitzer, der eilig herbeikam, sagte er warnend: Hüten Sie sich, einen Uebcrme'nschen zu reizen! In meinem Zorne hätte ich fast 'den Piccolo da hinuntergeworfen." Doch ohne Besinnen versetzte der UeberWirt schmunzelnd: Dann, mein Herr, hätte ich ihn auf die Rechnung zesetzt." Da erschrak der Uebermensch und schritt schnell ins Thal hinab.
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B o s h a s !. Studentin:
unser Studentinnen-Verein hat sogar
seine Couleurdienerin." .Herr: Hilft Vie beim Schminken?" E ine lehr wichtsge Frage. Ist es wahr, daß der Herr Gscheidle eine Doctorarbeit unter der Feder hat? Ueber was schreibt er denn?" Ueber waö er. schreibt? Ueber die sehr wichtige Frage, ob die Schafe bei den alten Griechen Bäh!" oder .Mäh!" geschrieen haben!" FauleAusrede. Miether (Schneidermeister, in Gesicht und Stimme einem Schafe ähnelnd, zum Hausherrn): Ich muß mich ernstlich des?er:n über Ihren Jungen, wenn iri) meiner Frau etwas zurufe, dann äfft er mir nach." .Hausherr: O, Herr Fips, das dürfen Sie dem SÄorschel nicht übel nehmen, dos thut er blos zu seiner Uebung; wissen Sie.
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