Indiana Tribüne, Volume 24, Number 148, Indianapolis, Marion County, 14 February 1901 — Page 1

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tfirsdjctttx joden ilnd) mittag imt Sonntag Morgen.

Jahrgang 24.

Indianapolis, .Ind., Donnerstag, den 14. Februar 1901.

No. 148

Ale Lage in Spanien! . i Gestaltet sich immer dro-!

h end er.

Unruhen finden überall statt.

Die Studenten Unruhen in Nlch land.

Unterhandlungkn mit China. Die Frage betreffs der Bestrafung der Schuldigen noch lange nicht erledigt.

Die Mächte bestehen auf der Voll strcckung der Todesstrafe.

Die Unruhen in Spanien. Madrid, 14. Febr. Am Dienstag Abend haben in Santander sehr ernste Unruhen stattgefunden. Tausende von Krawallisten griffen mehrere Klöster, den bischöflichen Palast und 'die Jesuiten-Kollegien an. Sie drangen auch in das Karmeliter - Kloster ein, das sie ausplünderten und in Brand steckten. Die Gensdarmen kamen noch zeitig genug an, um die Flammen löschen zu können, ehe sie großen Schaden angerichtet hatten. Es wurden auf beiden Seiten eine Anzahl Personen verletzt. Madrid. 13. Febr. Als heutiges Programm in Verbindung mit den Festlichkeiten zu Ehren der Äermählunq der Prinzessin von Asturien mit dem Prinzen Karl von Bourbon waren Militärkonzerten auf den öffentlichen Plätzen angekündigt worden; auch sollte die Stadt regelrecht Feiertag machen. Dies wurde aber alles in Folge des feindseligen Verhaltens der Bevölkerung aufgegeben. Am Abend sargen in verschiedenen Theilen der Stdt Unruhen statt, an dereit sich hauptsächlich die Studenten betheiligten. Von den Balkönen der Häuser wurden Blumentöpfe und ante Wurfgeschosse auf die Polizisten herabgeworfen, von denen viele verletzt wurden. Unzefähr dreißig Verhaftunwurden während des Tages vorgenommen. König Alexander verHerrlicht seinen Vater. B e l g r a d. 14. Februar. In einer Proklamation an das serbische Volk weist der König Alexander auf die wichtigen Ereignisse hin, die sich unter der Regierung seines Vaters, des früheren Königs Milan, zugetragen; Ereignisse, die einen hervorragenden Platz in der Geschichte einnehmen wllrden. Des Weiteren heißt es darin, daß die Serben dem König Milan stets für die Erlangung ihrer Unabhängigseit und für die Vergrößerung des Staatsgebiets dankbar sein würden. Zum Schluß giebt der König der Ueberzeugung Ausdruck, daß die serbische Nation seinen tiefen Kammer thei-' len werde. . Die Armee hat Befehl erhalten, für drei Monate Trauer anzulegen und die Theater sind geschlossen. Wien, 14. Febr. Der hier verstorbene Ef-König Milan hat ausdrücklich bestimmt, nicht in serbischer Erde bestattet zu weroen. Er wird im Kruschedol-Kloster. im südlichen Ungärn, seine letzte Ruhe finden. Der Kaiser von Oesterreich soll beabsichtigen .die Kosten des Begräbnisses zu bezahlen, da Milan auch an seinem Todestage. wie immer, keinen Kreuzer Baargeld besaß. Im Schuldenmachen übertraf Milan alle seine Zeitgenossen, sogar den Grafen Castellane. Sein Palast in Belgrad war oft eine SpielHölle. Wer sich bei Hofe sehen ließ, ob fremd oder einheimisch, wurde angepumpt. Einmal irnportirte Milan eine gant Truppe schöner Ungarinnen, ein andermal ein Wiener Damen-Theater. Seine Gemahlin, die schöne Natalie, Tochter eines russischen Obersten, brachte ihm ein Vermögen von 6 Millionen mit in die Ehe. Als es der König zu toll trieb und ihr Vermögen verschleudert hatte, verließ sie ihn. Serbien zahlte dem verbannten MiTan später eine schöne Summe, nicht us Aengstlichkeit, sondern damit er sicher im Ausland bleibe. Er brachte denn auch Alles redlich durch und als letztes Mittel versuchte er seine bronil?irten Verhältnisse durch eine reiche Heirath zu verbessern. Aus dem deutschen Reich. Berlin. 14. Febr. Der Reichstag nahm am Mittwoch in zweite? Lesung die China-Vorlage und die ihr angehängte Finanzvorlage an, in der das Geld für die Expedition bewilligt wird. Ein Paragraph verfügt, daß die Truppenkörper, die sich jetzt in China befinden, aufgelöst werden sollen, so ,

daw der Zweck der Expedition erreicht

ist. Zu dem Besuch des Kaisers m England enthalten noch die meisten Blätter mehr oder weniger günstige Kommentare. Die Rheinische Westphalische Zeitung schreibt : Der Kaiser, war

über die Haltung Rußlands, Frankreichs und der Vereinigten Staaten bc-

zuglrch des Oberkommandos in China sehr ausgebracht. Nachdem von diesen Staaten das Oberkommando des Grafen Waldersee acceptirt worden war, ' legten sie demselben Einschränkungen i auf, welche die ganze Stellung des Höchstkommandirenden illusorisch machien. Nur die britischen Truppen leiste- . ten auf Salisbury's Befeh! den Anördnungen Walderfte's unbedingt Folg: und ersparten Deutschland dadurch die

Demüthigung einer vollständigen Jsolirung. Hierfür wollte der Kaiser den

Engländern seine Dankbarkeit beweisen. I Im Unterhaus des preußischen Landtages nahm am Mittwoch der i Minister des Innern. Baron von Rheinbaben, Bezug auf den Angriff, den Dr. Müller im Reichstag betreffs der Theater-Zensur auf ihn gemacht hatte, und in dem Dr. Müller seinen preußischen Partikularismus" getadelt hatte. Er sagte: Es ist uns nicht bekannt, daß es einen preußischen Partikularismus" giebt; nicht in dem Sinne, daß wir uns Rechte anmaßen, die uns nicht gehören. Wir werden aber auf jeden Fall dem Versuch gewisser Reichstagsmitglieder uns widersetzen, über uns zu Gericht zu sitzen und uns Regeln über Dinge vorzuschreiben, die nur den Staat und nicht das Reich etwas angehen." Die nationalliberale Börsenzeitung" zieht bei der Besprechung der Beziehungen zwischen Deutschland und England eine sarkastische Parallele zwischen dem König Edward und dein früheren König Milan von Serbien. Das Blatt sagt: Der Serbe hatte im-me-r Unglück im Krieg und Glück im Spiel: der Brite hatte aber Unglück im Spiel und ging wohlweislich den Loeren aus dem Wege." In Straßburg. West-Preußen. hat die Polizei ein Bild beschlagnahmt, das Christus darstellt, die Polonia. mit einer zerrissenen Fahne in der Hand, segnend. Die Fahne enthält die Daten der Theilung Polens und auch der

oier großen Erhebungen. Folgen des Krieges. London. 14. Febr. In Erwar tung einer baldigen Erhöhung der Zölle nach dem Zusammentritt des Parlamenrs werden täglich ungeheure Quantitäten von Thee. Spiritussen und Tabak aus den Zollmagazinen entfernt. Die Zolleinnahmen für Thee allein sollen sich in den letzten Tagen auf $72. 000 täglich belaufen haben. K a p st a d t. 13. Febr. Im Jahre 1900 hat die Einfuhr nach Kapstadt um 500,000 zugenommen, die Ausfuhr erreichte aber nur eine Höhe von 8,147.670 gegen 525.247.253 im Jahre 1899. Die Ausfuhr von Gold hat um 516.478.883 abgenommen und diesenige von Diamanten um 5701.751. Von den Philippinen. San Fernando. Prov. Pampanga. Luzon. 14. Februar. In Bacalos wurde am Mittwoch in Gegenwart von Repräsentanten aus 20 Städten von Pampanga die Etablirung einer Provinzialregierung proklamirt und gleich darauf wurden die Beamten für die Provinz ernannt. Es sind dies: Sekrima Joven, Gouvcrneur. bis nach einem Jahr sein Nachfolger formell erwählt werden kann; Sekretär, Mariano Cuanan; Schatzmeister, Leutnant Wm. A. Goodale, vom 41. Regiment; Supervisor, Leutnant Lawrence Butler. vom 41. Regiment. Die Dienstzeit der beiden Ossiziere in de? Armee läuft im Juli ab. Zum Fiskal wurde Juan Garcia ernannt. Die Höhe der Saläre wurde auf die Rathschläge der Eingeborenen hin bestimmt. Es ist dies die erste Provinzialregierung, die von den Amerikanern etablirt worden ist. Aus China. T i e n T s i n . 14. Febr. Ungefähr einen Monat nach der Einnahme von Tien Tsin seitens der Verbündeten hißten der russische und französische Konsul ihre resp. Flaggen über den Salzvorräthen auf. die den Kaufleuten der Salz-Gilde gehörten, und sie haben seitdem den Eigentühmern die Erlaubnik verweigert, sich ihrem Besitz-

thum zu nähern. Die beiden Konsuln haben sich aber erboten, den Kaufleuten . das Salz zu dreiviertel des Marktwer-' thes. der sich auf Millionen beläuft, zu-. rllckzuverkaufen. In einer am Dienstag abgehaltenen ; Versammlung kamen die Kaufleute zu ' der Ueberzeugung, daß ein so unver-, schämte? Raub von Privateigenthum i niemals in Pars und.St. Vtersbura ,

gurgeyeiM' werden rönne, und es wurde dann beschlossen, gleichlautende Denkschriften an den Czaren und den Präsidenten Loubet zu schicken, in denen die Beschwerden der Kaufleute enthalten sind. Die Wichtigkeit der Entscheidunaen der beiden Regierungen und ihres Einflusses auf die politische Situation kann kaum überschätzt werden. Die ganze Handelswelt in China ist begierig, zu erfahren, ob die Boxer oder die Verbündeten ihren Interessen am gefährlichsten sind. London. 14. Febr. Eine Spezialdepesche aus Shan Hai Kwan, vom 11. Februar datirt. sagt, daß die Russen in dem Gefecht bei Kaon Chiao 40 Mann an Todten verloren haben, daß sie aber die Hilfe der Verbündeten zurückgewiesen hatten. Peking, 14. Febr. Der Gouverneur der Provinz Shen Si hat einen Aufruf um Hilfe für 4.000.000 hungernde Menschen in seinem Distrikt erlassen. Peking, 14. Febr. Wenigstens drei der Beamten, welchen vom Kaiser Kwang Su, auf das Verlangen der Mächte nach Bestrafung der Schuld!zen, die Aufforderung zugeschickt wurde, Selbstmord zu begehen, haben sich geweigert, dies zu thun, und der Kaiser hat die an sie gerichtete Aufforderung zurückgezogen. Der Kaiser telegraphirt jetzt an Prinz Ching. daß nach dem Wortlaut der Kollektiv-Note nur solche Strafen oerhängt werden sollten, welche dem Verbrechen angemessen seien, und wenn für die schwersten Verbrechen die Todesstrafe festzusetzen sei. so sollte für leichtere Verbrechen Verbannung genügen. Die Vertreter der Machte behaupten aber, daß selbst die am Wenigsten inkriminirten Beamten wegen ihren Vergehen doch noch die Todesstrafe verdienen. Da cs keine schwerere Strafe giebt, so könnten auch die Schuldigsten nicht härter bestraft werden ' und es müßten daher alle die Todesstrafe erleiden. Doch bleib: es der chinesischen Regierung unbenommen, gegen die Hauptschuldigen die in China übliche verschärfte Todesstrafe im Viertheilen etc. zu verhängen. Falls der chinesische Hof sich dieser Ansicht nicht anschließt, werden die Verhandlungen vorläufig ins Stocken gerathen. Arbeiter - Krawalle. B u d a p e st . 14. Feör. Zwischen arbeitslosen Männern und der Polizei kam es am Mittwoch hier zu ernstlichen Kämpfen. Ungefähr 1200 Arbeitslose griffen das Arbeits-Bureau an.' schlugen die Fenster ein und attackirten die Polizei, die die Leute auseinandertreiben wollte. Die Polizei griff mit blanker Waffe an und nahm dreißig VerHaftungen vor. Die Ruhe wurde aber erst wieder hergestellt, als eine Abtheilung Kavallerie aus dem Platz erschien. Studenten - Unruhen in Rußland. S t. P e t e r s b u r g . 14. Februar. In Moskau haben 308 Studenten der dortigen Universität in einerVersammlung beschlouen. bis auf Weiteres alle Lorlesungen zu verhindern, als Protest gegen die Verurteilung der Studenten von Kiew. Die Behörden haben die Studenten in den Zeitungen aufgefordert. ihre Studien wieder aufzunehmen und sie vor den Folgen ihres B:-' nehmens gewarnt. Am Montag hielten 352 Studenten der hiesigen Bergbau-Akademie eine Versammlung ab, in der 190 beschloss sen. ihre Studien aufzugeben, wäh rend 140 beschlossen, weiterzustudiren; 22 enthielten sich der Abstimmung. Es wurde kein definitiver Beschluß gefaßt. Die Regierung ergreift drastische Maßregeln, um den Studenten-Unru-hen ein Ende zu machen. Am Sonntag wurden achtzehn Studenten der hiesigen Universität na cheiner PolizeiStation citirt. wo sie verhaftet und ohne Weiteres von einem Gerichtshof unter dem Präsidium des Kurators Sonin von dem St. Petersburger Lehr-Distrikt prozessirt wurden. Sie bestritten, .den Unterricht gestört zu haben, verlangten aber die Annullirung der über die Kiewer Und St. Petersburger Studenten verhängten Urtheile. Sie gaben auch zu. die Führer eines friedlichen Streiks zu sein, der dauern würde, bis ihre Forderungen bewilligt würden. Sie werden wahrscheinlich die Märtnrerkrone in der Form von mehrjährigem Militärdienst erhalten. Sieben andere Studenten wurden vor die politische Polizei geladen und gewarnt, daß sie verhaftet werden würden, wenn sie sich je wieder den Universitätsgebäuden nähern sollten. In der Universität zu Kiew haben die Vorlesungen fast ganz ausgehört, und es befinden sich nur mehr wenige Studenten in de? Stadt. Von den zum Militärdienst verurtheiltenStudenten sind 180 nach verschiedenen Garnisonen geschickt worden, aber.nicht weiter als bis rtajä Transkaukasien.

Aus dprBttttdcslilNlPtstade : 50. .Koiiflnfj. Zueile Session. Der Exira-Zoll auf rufstfchen Zucker. GMeUeMilmlg der Elektornl Stimmen.

Wm. McKinley und Theodore Noosevelt Formell für erwählt erklärt.

Frau Carric Nation in Chicago. . Enttäuscht kehrt sie nach Topeka zurück.

Die Wirthe kamen nicht, um sich von ihr abkauzcln zu lassen.

Repräsentantenhaus. Washington, D. C.. 14. Febr. Das Haus beschäftigte sich am Mittwoch, mit Ausnahme während eines Zeitraums von anderthalb Stunden, in dem das Elektoral-Votum für die Präsidentschafts - Kandidaten gezählt wurde. mit der Erwägung der vermischten Civil-Etats. Die allgemeine Debatte über die Vorlage erreichte ein Ende, im Uebrigen wurde aber nur wenig Fortschritt gemacht. Während der Debatte wurde den Republikanern übermäßige Extravaganz vorgeworfen, nämlich von den Repr. Bell von Colorado. Richardson von Tennessee und Cochran von Missouri. )ie Repr. Cannon von Jlls. und Moody. Miss., vertheidigten den Konareß. Nur 15 von den 134 Seiten d:r Verlage wurden erledigt. Senat. Der Senat brachte den größten Theil des Tages in Exekutiv - Sitzungen zu, in denen alle neue Ernennungen zu Brigade - Generälen und General-Majors bestätigt wurden. AmRachmittag wurde die Bewilligungs - Bill für das Ackerbau - Departement wieder aufgenommcn. es wurde aber nur wenig Fortschritt gemacht. Es fand auch eine Abendsitzung statt, in der die Verwilligunzsvorlage für den Distrikt Columbia zur Lesung ge-

j langte.

Da Zählen des Elekt oral Votums. Die Ceremonie des Zählens de? in

! der letzten Wahl abgegebenen Elekto-

?alstlmmen su? Präsident und VizePräsident der Ver. Staaten fand am Nachmittag um ein Uhr' in gemeinschaftliche? Sitzung beide? Zweige des Kongeesses im Saal des Repräsentantenhauses statt. Die Methode des Zählens ist vom Gesetz genau vorgeschrieben und wurde auch dem Buchstaben nach befolgt. Um viertel vor ein Uhr wurden die Geschäfte im Haus suspendirt. und die ersten fünf Sitzreihen wurden für die Senatoren reservirt. die pünktlich um ein Uhr erschienen. Senator Freye, der Präsident des Senats, bestieg das Rostrum und nahm neben dem Sprecher Henderson Platz, um den Vorsitz über die gemeinschaftliche Sitzung zu führen. Die Kasten, welche die Certifikate enthielten .wurden dann geöffnet und die Wahl-Certifikate, mit demjenigen von Alabama anfangend, verlesen. Nachdem alle verlesen worden, was beinahe eine und eine halbe Stunde in Anspruch nahm, kündigte Senator Chandle? an. daß im Ganzen 447 Stimmen abgegeben worden seien, von welchen William McKinley, von Ohio. für Präsident 292 erhielt und William Jennings Bryan. von Nebraska, 155; Theodore Roosevelt. von New Jork, für Vice-Präsident 292 und Adlai E. Stevenson, von Illinois. 155. Senator Frye kündigte darauf an, daß William McKinley von Ohio zum Präsidenten, und Theodore Roosevelt, von New York, zum Vice-Präsidenten der Ver. Staaten erwählt worden seien, für den am 4. März 1901 beginnenden Termin. Ein riesige? Beifallsstürm folgte diesen Worten und die Senatoren verließen dann wieder den Saal. Will nicht Generalanwalt werden. Der Präsident McKinley hat sein Kabinet unoffiziell benachrichtigt, daß der Botschafter Choate abgelehnt habe, das Amt des Generalanwalts zu übernehmen. Der Präsident hatte Herrn Choate

den Kabinetsposten schon vor mehreren Wochen angeboten, Choate wünscht aber seinen Botschafterposten in London zu behalten, wenn der Präsident damit einverstanden ist, und es ist wahrscheinlich, daß der Präsident nach Antritt seines zweiten Te?mins. ihn nicht abberufen wird.

De? Ext?azoll aus rufst sehen Zucker. Im Staats- wie im Schatzamtsdepartement laufen eine große Anzahl von Depeschen ein. in denen bedeutende Geschäfts-Jnteressen gegen die E?hebung eines Ertrazolls auf von Ruhland importirten Zucker Protestiren. In den meisten dieser Depeschen wird erklärt, daß dieses Vorgehen de? Regie?ung sich dem E?po?thandel de? Ve?. Staten mit Rußland als im höchsten G?ade schädlich e?weisen würde. Nachfragen in den beiden Departe zients haben ergeben, daß der Schatz lmtssekretär den Schritt nur ungern zethan hat und erst nachdem die Angeiegenheit sehr eingehend untersucht ivorden war. Man war sich wohl bewußt, daß di Erhebung von Differentialzöllen den amerikanischen Handel ungünstig beeinflussen wü?de, nalnentlich die Ausfuhr von Ackerbaugecäthschaften. Maschinen. EisenbahnNaterial und anderen Dingen. DaZ Departement kam aber zu de? Einsicht, daß ihm nichts Anderes übrig blieb, da der Sekretär sich der Behauptung Rußlands, es bezahle de facto" keine Ausfuhrprämie, nicht anschließen kön.ie. Sekretär Gage, der die Wichtigkeit der Entscheioung einsah, wollte nicht aus eigenem Antrieb handeln und unterbreitete die Angelegenheit dem Geaeralanwalt. und diese? entschied, daß die russische Regierung thatsächlich eine Zlusfuhr-Prämie für raffinirten Zucker öezahle. Daraufhin wurde der Befehl gegeben, den Differential-Zoll, der etlvas weniger als einen Cent das Pfund beträgt, zu erheben. Die russische Regierung hat geantwartet, daß wenn dieser Extrazoll erhoben wi?d, es damit antworten we?de, daß es fü? alle aus den Ve?. Staaten impo?ti?tenWaaren die Maximal-Zölle erheben werde. Jetzt werden die Mi-nimal-Zölle berechnet, und in vielen Fällen würde eine Erhebung der Maximalzölle die Ausfuhr aus den Ver. Staaten ganz unmöglich machen. Im Staatsdepartement wird erklärt, daß dies heute dit Situation ist und man vorläufig nichts weiter thun könne, als abzuwarten, was Rußland zunächst thun werde. Das Einzige, was im Stande sein würde, eine Aenderung in die Lage zu bringen, würde, eine .Enteidung de? Lundesge?ichte sein, daßörüvland thatfächlich keine Ausfuhrprämie bezahl und es wird versichert, daß das Schatz-, amtsdepartement eine Gelegenheit geben wird, diese Frage sobald wie möglich in den Bundesgerichten zur Entscheidung zu bringen, indem die erste Ladung ?ussischen Zuckers, die ankommt, für einen Probe-Prozeß benutzt wird.

Frau Nation in Chicago. Chicago. Jlls.. 14. Febr. Frau Carrie Nation kehrte mit dem Nachtzuge von Chicago nach Topeka, Kans., zurück, wo sie am Donnerstag wegen Sachbeschädigung im Gerichte zu erscheinen hat. Sie versprach, nach Chieago zurückzukommen, sobald sie in Topeka ..reine Bahn gemacht habe" und wenn die Behörden in Chicago ihre Schuldigkeit nicht thäten, so würde sie das Gesetz in ihre eigene Hand nehmen und den Chicagoern ein Andenken hinterlassen". Die Versammlung von Wirthen, die sie einberufen wollte, kam allerdings nicht zu Stande, dafür begab sich Frail Nation aber nach der Wirthschaft No. 290 State Straße, wo ihr Großsohn Geschäftsführer ist und redete die dort befindlichen Gäste an. Sie suchte den selben in einer viertelstündigen Rede über die Schädlichkeit des Spiritussen genusses aufzuklären und erging sich in den unmäßigsten Ausdrücken über die Schnapst?inke? und -Verkäufer. Als sie den Platz verließ, stieß sie auf ein Frauenzimmer, das ein blaues Auge hatte. Als Frau Nation sie frug, wer ihr das blaue Auge geschlagen habe, erwiderte das Weibsbild : Na, da fragen Sie nur Ihren Enkel, der mich gestern in die Augen geschlagen hat. Er kann Ihnen den ganzen Vorfall erzäh-, len." . Hierauf antwortete Frau Nation nichts, sondern fuhr in ihrem Wagen davon. ' Vorher hatte sie noch eine Wirthschaft in No. 56 State Straße besuch!, deren Besitzer sich H. D. Dreyfus nennt und ein Verwandter des Hauptmanns Dreyfus zu sein vorgiebt. Was meinen Sie, würde er sagen, wenn er Sie in diesem Geschäfte sähe." fragte die Nation, worauf Dreyfus antwortete, daß er sich auf anständige Weise ernähre. Hierauf legte das Weibsbild aber los, nannte ihn einen ZNörder und zog schließlich wüthend ab. Die Versammlung in Willards Halle, welche vor 'den Besuchen der Wirthschaften stattfand, war nur von einigen 300 Personen besucht. Frau Nation sagte, daß sie versuchen würde. die Wirthschaften auf friedlichem Wege Lubefeitigen. wL das aber niöt

anginge, wurlze ste'zu Gewaltmaszregeln greifen. Mysteriöse? Leichenfund. C o l u m b u s , O.. 13. Febr. Um halb zwei Uhr am Mittwoch Morgen wurde von Latrinen-Reinigern in dem Abort hinter Charles Henson's Wirthschaft an South High Str. die kopflose Leiche eines Mannes gefunden. Sp'äte? wu?de auch de? Kopf in dem Abort gefunden, und die Theorie, daß es sich hie?bei um nen Mord handele, wird dadurch zu.?. Theil hinfällig. Die Leiche war schon sehr stark in Verwesung übergegangen und es ist möglich, daß sich der Kopf auf natürlichemWege abgelöst hat. Ob ein Verbrechen vorliegt, ode? ob de? Mann verunglückt ist, wird vielleicht niemals festgestellt we?den. wenn es nicht vielleicht doch noch gelingt, die Leiche zu identifiziren. Anarchie in Kansas. W i n f i e l d. Kan.. 14. Feb?. Ein Haufen von Männe?n. Frauen unt Knaben zerstörten am Mittwoch in hie siger Stadt eine Wirthschaft. Dit Knaben waren meistens Studenten des Methodisten-Collegs in Winfield. Die Wirthschaft wurde gänzlich zerstört. In dem Durcheinander wurden auf bei den Seiten mehrere Schüsse abgefeuert, Frl. Emma Dennig fuhr eine Kugel oder ein Stück Glas in den Mund; eö konnte noch nicht bestimmt festgestellt werden. Charles und Henry Schmidt, die Eigenthümer der Wirthschaft, fetz ten sich zur Wehre. Charles zog eine Revolver und wurde mit einem Beil. wie er sagt, von Rev. Frank Lowther. im Gesicht verletzt. Es herrschte die größte Aufregung und es haben seitdem mehrere Prüge, leien auf der Straße stattgefunden Die Lage ist eine ernste und der Mayoi Albright hat sich veranlaßt gesehen, de? Stadtrath zu eine? Ertraversammlunz einzuberufen, um Maßregeln zur VerHinderung weiterer Unruhen zu ergrei fen. Kessel - Explosion. C e l i n a, O.. 14. Februar. De, Dampfkessel in C. Bondells Säge, mühle in Chickasaw. südlich von hier, erplodirte am Mittwoch Morgen, wobei

l ein Mann getödtet und drei ändert ! wahrscheinlich tödtlich verletzt wurden

John Desh. der die Sägemühle gepach tet hatte, wurde von fliegenden Eisenstücken an den Kopf getroffen und starl fast augenblicklich. Die drei Anderen waren lauter Söhne des Getödteten. Jacob. August und John Desh. Jr. Verwegener Raubanfall. New York, 14. Februar. Frau Louise A. Pryor. die Frau von Dr. W. R. Pryor. wurde von einem verwegenen Räuber auf offener Straße angefallen. Frau Pryor war ausgegangen, um Einkäufe zu besorgen und benutzte zur Heimfahrt eine Car der Madison Ave. Linie. Sie verließ die Car an der 33. Straße, wo sich eine Treppe befindet, welche Frau Pryor erstieg. Ungefähr auf der Mitte derselben wurde sie von einem Mann, der ihr aus der Car gefolgt war. mit einer Bleiröhre auf den Kopf geschlagen. Frau Pryor war von dem Schlage halb betäubt, behielt aber noch Vesinnug genug, dem Räuber, tvelcher ausglitt, einen Stoß zu geben, daß er die Trevve binunterkiel. worauf

er schleunigst die Flucht crariff. Der

Räuber hatte es offenbar auf ihre , Geldtasche und Juwelen abgesehen, doch I wurde er durch die Geistesgegenwart der

Dame verhindert, den Raub auszusuhren. Er entfloh so schnell er konnte, fiel jedoch bald der Polizei in die Hände, welche in ihm einen gewissen Patrick Hynes erkannte. Frau T. G. Platt gestorben. N e w Y o r k. 14. Feb. Frau Platt, die Gattin des Ver. St. Senators Thomas C. Platt, ist hier nach langer Krankheit im Fifth Ave. Hotel gestorben. Wahrscheinlich ein Raubm o r d. Princeton. Ind.. 14. Febr. -I. C. Lomiller wurde am Mittwoch ii der Nähe des Friedhofes von Hazleton. Ind.. todt aufgefunden. Ein Revol. ver mit eine? abgeschossenen Pat?om lag neben ihm. Lomille? wa? aus Hazleton. kan abe? kü?zlich aus Oklahoma zu?ück. w er ein Vermögen erworben hatte. Ei hatte eine große Summe Geldes bei sich, als er am Dienstag Abend vor Princeton nach Hazleton fuhr. Dei Mann, der stockblind wa?. ist wah?. scheinlich e?mo?det und be?aubt wo? den. F e u e ?. A p p l e t o n. Wis.. 13. Febr. Dv Kimberley Papierfabrik der KimberZe Clorke Co.. vier Meilen von hiesiges. Stadt gelegen, ist nach Mitternacht zur? größten Theil du?ch Feue? ze?stö?i worden. Der Schaden beläuft sich auj ungefäh? $500,000. Weitere Depeschen aus Seite 5.

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