Indiana Tribüne, Volume 24, Number 146, Indianapolis, Marion County, 12 February 1901 — Page 7

Jndiana Tribune, IS. FebruarZlUUl,

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(Dfym Frieden.

Roman von Alcrandcr Cfeiet.

(Fortsetzung.) 'Er maß seine Höflichkeiten sehr xfy tig ab. berechnete sein Entgegenkommen und gab seine Liebenswürdigkeit als Münze aus. für die anderes einzutau schen war. Er yalt in den obersten Kreisen als ein sehr fähiger junger Mann. Wenn er spät seine Carriere geinacht hatte, so war sie dasür rasch gegangen, und über den Grund dieser Thatsachen liefen allerlei sagenhafte Gerüchte um, die dazu beitrugen, ihn zu einer interessanten Figur zu machen. Solche oUkopse. die sich erst ausrasen und ihrein Temperament genügen müssen, wnden fi die Tüchtigsten. Ausgegobrene: Most gibt klaren Wein. Temperament konnte er freilich in seinem jeyigen Leben nicht bethätigen. Seine Excellenz gab ihm heut unter der .Form dieses gesellschaftlichen Gesplächs wieder verschiedene Andeutunacn und Arbeit für die wlbe Nacht. Menneute Abend noch eine wichtige Po.ft einging, die gesichtet werden mußtc. die Vortrage für Morgen ausgear leitet, die Winke für die Negierungsblätier erpedirt. die Akten verglichen den Rummel kannte . da mochte ier Morgen ins Fenster blicken, und r saß noch im ministeriellen Bureau. Aber seine Miene verrieth nichts ycn seinen Gedanken, so bunt sie auch 'durcheinander wirbelten. Tenn äugenblicklich war der Äoden unter seinen nüfcn mehr denn je ein Vulkan, und uch bei dieser; Eröffnungen Seiner (5?cell?7:z neueren Datums fühlte er deutlich daö Srcteki .uno Zittern untcr seinen Srllsn, Fiel die eingebracht Vorlage, so siel Excellenz mit. und er. der treue Gesinnungsgenosse. ebenfalls, und dabei nun. er kam freilich kaum dazu, seine eigene Meinung $u Gefragen hing seine Seele gar nicht an dem Erfolg oder Mißerfolg der Sache selbst. Inuerhalb der gegebenen Äerhältnizie mußte sie seine Sache sein, daran ließ sich ja gar nicht rütteln. Es galt nun, nur alle .Hilfstruppen heranzuziehen. damit ein Sieg erkämpft werde. Zu dieser Aufgabe gehörte or:ch unter andern. 1?aß Robert an denTisch der Freisinnigen fetzt herantrat; er begrüßte Busch mit anscheinender Herzlichkeit wie emen lieben alten Freund und entfaltete dessen Freunden gegen--über all den Zauber seiner bestrickenden Liebenswürdigkeit, galt es doch, auch diese starre Gegner der Re?.ie-'

rung zu versöhnen und der Vorl2ge l

geneigter zu macbcn. Als Robert schändlich erhob, schürteltcn sie sich die. Hände wie alte, gute Freunde. Von jener ulten.Zeit hatten sie nicht geredet, auch Busch hatte seine lost Zunge gezügelt. aber als Robert in ftinen Wagen stieg und in seine Wehnung fuhr, um sich umzukleiden, verfolgten ihn die -Silber jener 2acx. Dieser Mann, .den er im Innersten seiner Seele haßte, und dem er doch mit so ausgesuchter Freundlichkeit cni gegenzukommm gezwungen war, hatte sie ihm zu grell aufgefrischt. Der Diener emdfing ihn im Flur und meldete, tie gnädige Frau sei drinnen und waite schon eine kleine Weile. Er ließ sich rasch den Mantel abnehmen und trat in den mit raffinirtern Luxus und Geschmack eingerichtet ten Salon. Es brannte nur eine mit rothem Schirm versehene Ampel darin, welche ein dämmerndes Licht warf. Die Bilder an den Wänden, die Möbel, die schimmernden SeidenPolster hoben sich schattenhaft aus dem Halbdunkel ; das Auge fiel zunächst auf ein Leopardenfell, das über einem Sessel hing, und daneben auf die gel.Im Federn und den Brillantstern im !Haar der Dame, welche auf der Causeuse faß. Die gnädige Frau war Roberts Schwester, Gertrud, welche häufiger bei ihm vorfuhr, wenn sie Intimes zu besprechen hatte. Sie war in großer Toilette, im Begriff in die Oper zu fahren und von dort zu einer Soircc bei einer Finanzgröße. Sie schlug ungeduldig mit der Spitze des kleinen Fußes den weichen Smyrnateppich. Jetzt erhob sie sich hastiq. das mattgraue Sammetkleid mit dem reichen Besatz von gelblichen Spitzen legte sich in weichen Falten um ihre stattliche Gestalt und wallte lang nach auf dfm dunkelrothen Teppich. Der Diener brachte jetzt die große Lampe, und eine strahlendeHclle durchfluthete plötzlich den Raum. Frau von 5)ochstetter war eine blendende Erscheinung mit dem stolz getraflenn Haupt, dem schneeigen Hals und den blendend weißen Armen, an denen die blitzenden Steine funkelten. Es war ihre höchste Befriedigung, diesen selten werthvollen, von der Schwiegermutter ererbten Schmuck, den einzigen Schatz, den ihr Gemahl ihr hatte zubringen können bei jeder festlichen Gelegenheit zu zeigen. 3ede einzelne an dieser Toilette war studirt, mit Geschmack und ohne Rücksicht auf die Kosten zusammengestellt. ... .We...spät kommst du?faate sie

unu tciajic !ym ri sein oeyanoicnuyie .Hand; ich warZ? hier schon seit einer Viertelstunde. So lange pflegt solch ein parlamentarisches Diner sich doch sonst nicht auszudehnen; gab es denn heute etwaö Besonderes?" Robert begrüßte sie etwas zerstreut. Q ja, es gab. wie immer, allerlei Besonderes uff! Diese Abfütte?'.' gen mit den diplomatischen Jntermezzos sind etwas Schreckliches, aber was führt dich her? Da du gewartet hast und die Oper bisher versäumtest, so nehme ich an hm, es ist nach neun Uhr." Ich komme noch rechtzeitig zum dritten Akt. ich kam in der Hoffnung. d?ch mit zu entführen." 23cium läßt du dich nicht von bei ne:n Manne begleiten?" ..Bah! Wie kannst du so reden. Egon sitzt über seinen Karten untei uns. ich sürchte, er arbeitet furchtbar langsam, und mich packt oft eine Angst doch davon später; was würde es mir nutzen, wenn er auch mitginge. Bei den Klängen des Hochzeitsmarsches machte er'wohl seine mathematischen Berechnungen und säße da zum Ergötzen der Zuschauer wie der steinerne Gast. Aber du du fährst jetzt mit nur. Melanie Adlerkron ist in der Loqe. und mir liegt viel daran, daß du ihr zeigst, wie du jede Gelegenheit ercireifst " Robert unterbrach sie durch eine sinstere Gebärde. Bitte, laß mich heut Abend mit dergleichen in Ruh. ES ist unmöglich, ich muß noch ins Bur?au, nach den Andeutungen Seiner Excelicn giebt's dort Arbeit für die halbe Nacht." .Robert !- Der Ton Frau Gertruds wucde leidenschaftlich. Dein: Ausflüchte und Zögerungen in dieser Anqe!?qen!?cit sind mir ganz unbegreiflich. Mein Gott. Mensch! So wie die Dinge liegen wir. die wir hier auf diesem Boden leben, wissen doch wahrhastig, worum es sich handelt. Und ich sage it dir. sie hat ein Interesse für dich, du bist der einzige. d:r ihr Herz noch wieder schneller schlagen macht. Ihre glühende Freundschaft für mich, meinst du. daß ich sie nicht zu 'würdigen wüßte? Ein paar aeschickte Manöver von deiner Seite, eine günstige Gelegenheit, und Yxt Verlobung ist fertig." Robert hatte sich in einen Sessel geworfen und den Ehapeau claque auf dcn Tisch gelegt. Er streifte .langsam Vit Handschuhe von den Fingern und lächelte kühl ironisch. ..So ja. du bist ungemein spelulativ und ungemein klug. Gertrud, deine zarten Fingerchen spinnen rastlos am Schicksalsgewebe, an deinem eiaencn und auch an dem meinen. Ich erkenne das gebührend an. Aber du mußt mir erlauben, auch mit meinen eigenen Augen zu sehen. Freiin von Adlerkrons glühende Freundschaft für dich Kind, drehen "wir den Satz lieber um deine glühende Freundschaft für sie. so mag es stimmen. Und ich. nun, wie ich dir schon lein paarmal gesagt habe, sie läßt mich völlig ialt." Frau von Hochstetter guckte die Achseln in unsäglicherGermgschätzung. Wolltest du r.och einmal eine Liebeschcirath machen?" sagte sie sckarf. Er musterte sie mit einem xjrimmi ?en, beinahe haßerfüllten Seitenblick. Sie erlaubte sich selten solche Anspielungen. sie wußte, daß es gefährlich war. In diesem Moment rissen ihr Äerger und ihr Temperament 'sie hin. Sie wußte kaum etwas Genaueres -über jene Katastrophe, welche 'den Brufce? damals frei machte. Die Frau 'war todt, durch einen Zufall werunglückt, unerwartet hatte das Schicksal einmal ein Einsehen gehabt -und eine sebrr schwierige Frage glatt gelöst. Da brauchte nicht mehr viel darüber geredet ,zu werden. Und nun es war doch worsi undenkbar, daß Robert der Jugcndthar heit noch nachtrauerte. Sie nahm .das auch incht an, sie zweifelte keinen Äugenblick. daß er diese zu seinem EmPorkommen nothwendige Handhabe -er-greifen, und sich zu dieser Heirath fe bequemen werde.die ihmungeheureVortheile bor. Liebe, die spielte in diesem Fall keine Rolle wo wurden denn noch Liedesheirathen geschlossen in ihren Kreisen, man kämpfte um seinen Platz in der Welt, das war alles. Und auch Melanie Adlerkron iha! das. Sie zahlte zwciunddreißig Iahre. ein bedenkliches Alter für eine Unvermählte. ihre Jugendträume, die hochfliegend genug gewesen waren, hatte sie langeschon ausgeträumt, aber sie hing noch an Aeußerem. sie war schönheitsdurstig. und Robert war ein schöner Mann und von unbezwinglicher Liebenswürdigkeit, wo er gefallen wollte. Gerade feine bisherige Kälte der jungen Dame gegenüber, nur zeitweilia unterbrochen von einem wärmeren Hauch, hatte bei ihr gewirkt, aber jetzt war es Zeit, daß die Sache vorwärts ging und zum Schluß kam. Kommst du denn auch später nicht zu Löwensteins?" fragte sie. Gertrud ! ich sagte dir schon, ich habe bis spät in die Nacht hinein zu arbeiten." Frau Gertrud stieß einen ungeduldiaen Ton aus. Das paßt schlecht ich nehme an. daß es kein Vorwand ist. Robert; bei euch Männern weiß man nie. ob man auf die volle Wahrheit rechnen darf ich bin eigentlich iAFiberwuteAbend,..Hast du dich

,?. cn lekit'u "iaaen um Die otienw

richte gekümmert? Die Gerüchte über j Smith Brothers du weißt, ich bin j ftnrf in Differenpapieren engagirt ; !

ich muß heut Abend meinen Finanzbaron aushorchen, meine Sache bei ihm führen. er ist mein großer Verehrer. und ich verdanke ihm manchen wichtigen Wink, diesem edeln Herrn aus udas Stamm ah!" sie erhob sich, warf den Kopf mit einer unnachahmlichen Gebärde in den Racken, und das Ah! klang wie ein Stöhnen. Robert. der Rosenpfad, auf dem wir wandeln, bietet nicht nur Dornen, die uns blutig ritzen, auch einige unsaubere Stellen puh! wenn du wüßtest, wie. -s rnjcf) mitunter ekelt." Robert sah sie finster an. as fühlst du und doch. Gertrud dieses verwegene Börsenspiel solltest du wenigstens lassen." Sie wandte ihm jählings ihr Gesicht zu. Die Augen darin blitzten in einem unheimlichen Feuer. So meinst du? Und für wen spiele ich ? itüx mich allein? Für euch Männer, für dich und Egon, die ihr so bequem die labyrinthisch verschlungenen Fäden und die ganze Verantwortung in meine Hände legtet. Aber bisher, wenn die Operationen geschickt verliefen und erfreuliche Resultate brachten, erhobt ihr nie einen Einspruch. Ach! man spricht so viel vom Muth bei euchMänncrn. und ihr nehmt einen Zweifel daran als den schlimmsten Flecken auf eurer Ehre, und euer Muth besteht nur in einem kaltblütigen Kreuzen der Waffen. Uns Frauen aber stellt ihr weit schwerere Aufgaben, unsere zarten Hände, die keine Waffen führen sollen oder können, sind hübsch tauglich zum Spinnen dieser feinen Gewebe, die jeder Zufall zerstören kann. Lautlos. ohne Sang und Klang, fallen wir dann, umstrickt von den unheilvollen Maschen, und ihr, die ihr die guten Früchte in guten Zeiten fröhlich miterntet, habt dann nur ein Achselzucken für die Untergegangene, spurlos von der Bildfläche Verschwundene." Sie sprach leidenschaftlich, ihre fei nen Nasenflügel zitterten, während sie den schwanbesetztenMantel emporrafste und um ihre Schüttern zog. t Auch Robert erhob sich. Ich habe dich nicht zu diesen gewagten Spekulationen aufgefordert oder ermuthigt". sagte er düster; ..du stecktest schon tief darin, als wir uns wiederfanden, und wenn ich mich betheiligte nun ja, ich habe ein gewisses Vertrauen zu deinem spekulativen Talent und deinem scharfen Blick für die wechselnden Unter.strömungen, aber oft gedenke ich mit Schrecken daran, auf welch vulkanifchem Boden wir uns bewegen. Tu kommst auch nicht zur Ruhe dabei." Ruhe? das ist ein zweifelhafter Begriff. Robert. Ruhe ist Tod meinem Leben ist sie fremd, freilich ich ich möchte sie nicht, ich könnte sie nicht brauchen." Sie blickte starr vor sich hinaus, und Robert erschrak vor dem Ausdruck ihrer Züge. Konnte man sie eine Glückliche nennen? Es überlief ihn wie ein Schauder. Sie schritt zur Thür, wandte sich aber noch einmal zurück. Was soll ich M.'larne sagen? Daß du untröstlich seiest, ein unglücklicher Sklave deines Berufs, der an den Rädern der Slaatsmaschine zu drehen hat. während sein Herz sich in Sehn sucht nach dem Glück und der Schönheit verzehrt?" Sie lachte, und ihr Antlitz trug wieder die Miene, welche die Welt kannte. Er warf den Kopf zurück. Herz Glück mache dich und mich nicht lächerlich, Gertrud übrigens.was du ihr fagen willst, .ist mir völlig gleichgültig leider?" Sie trat mit einer raschenBewegung noch einmal dicht Dor ihn hin. Und wenn ich heute Abend schlimme Nachrichten von Baron Löwenstein heimbringe", zischelte sie leise, toenn diese Gerüchte von einem großen Krach, den Smith Brothers Fall nach sich ziehen muß, sich bewahrheiten, dann dann, Robert, bleibt dir gar ckeine Wahl, du bist sehr stark engagirt.'" Er schüttelte sich irni stöhnte. Laß mich heut Abend w Ruh'." rief er, .warten wir's ab. Gertrud". Sie rauschte hinaus, irnb er geleiitk sie bis zur Treppe, mährend sein

Diener voranlief, ihr den Wagenschlag 5U öffnen. Langsam schritt er durch das Vorgemach in den Salon zurück. Ja, er lebte auf großem Fuß, weit überfeine Mittel, wie es Gertrud that und Hunderte um ihn herum. Wohin das zuletzt führen mußte er hatte ja in seinem Leben nie viel an das Ende gedacht. Gertrud drängte ihn zu einer Heirath, sie hielt ihn für einen freien Mann. Es blieb alle diese langen Jahre hindurch unaufgeklärt, ob Hedwig damals doch verunglückt war, oder ob sie lebte. Er war stets von dem letzteren überzeugt gewesen. Aber nie kam eine Kunde von ihr zu ihm, er hatte auch nie nack ihr ge forscht Er saß eine Weile in tiefes Sinnen verloren. Ihr Andenken war nicht erloschen in seinem Herzen, unter all der Unruhe und den bunt wie in einem Kaleidoskop sich mischenden Bildern tauchte das ihre empor eine füße, schmerzumwobene Gestalt; ja allmalig war sie ihm emporgewachsen zu einer Heldln der Selbstopferung und der Selbstlosigkeit. Sein künstlicher Zorn war lange verraucht: sie war damals

gegangen, um ihn frei zu macnen. uno was es für sie. die Liebende, Zärtliche, im rauhen Leben so Unerfahrene bedeutete, allein in die Fremde hinauszugehen, das konnte keiner besser ermessen als er. Er hatte immer angenommen, daß sie sich zu Elsbeth Sahlmann geflüchtet habe, und bei weiterem Nachdenken beurtheilte er jenes Mädchen auch so, dß sie über das Geheimniß einer Fremden zu jedermann, auch zu ihrer Schwester schweigen konnte, wenn sie es für nothwendig hielt. Was war aus Hedwig geworden unter ihrer Füh rung? Eine Arbeiterin? War sie in eincSphäre übergetreten, die sie gründlich von ihm schied? Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn, die quälenden Gedanken zu verscheuchen. Sie waren ja lange geschieden, wenn auch nicht vor der richterlichen Instanz. An eine WiederVereinigung war ja nie zu denken, vielleicht war sie todt. Er wehrte sich, so gut er es vermochte, gegen die Geister. die bei solchen Gelegenheiten in ihm heraufstiegen. Sie stürzten ihn von dem Piedestal seiner SelbstHerrlichkeit grausig herab, aber, so viel er sich auch wehrte, ganz wurde er den Gcwissenswurm in seiner Seele nie los. Delius hatte bald nach jener Katastrophe die Gegend verlassen, man hörte nie von ihm. Er war ein unscheinbarer Mensch, der sich leicht in der Menge verlor, und daß seines Bleibens auf dem Postn in dem kleinen Städtchen nicht allzulange sein werde, hatte man immer angenommen. Wbn dennoch kam Robert zuweilen der Gedanke: .Hat Delius sie gesucht und gesunden? Ist er bei ihr? Auch heute noch regte sich keine Eifersucht in ihm; in Delius sah er nur den schüchternen, platonischen Liebhaber. der nie Erhörung fand. Bei seineraugenölicklichen Lage, wo er selbst sich die Vortheile einer Verbindung mit der Freiin von Adlerkron nicht verhehlen konnte, und Gertruds Drängen mehr Kälte und Gleichgültigkeit entgegensetzte, als er in Wirklichkeit empfand, hatte er schon mehrfach den Plan erwogen, sich mit einem Rechtsanwalt zu besprechen wegen der nöthigen Schritte zu einer gerichtlichen Scheidung seinerEhe mit der Verschollenen. Er hoffte es zu erreichen, daß die ungewöhnliche Angelegenheit in alle, Stille geordnet werde. Gertrud ahnte ja nicht, daß diese Nothwendigkeit noch vorlag. Es wiverstrebte ihm durchaus, über Hedwig. üer jene Zeit mit Gertrud oder mit sonst irgend jemand zu reden. Heut Abend aber faßte er den Entschluß, in den nächsten Tagen die ersten einleitcnden Schritte zurOrdnung der schweren Sache zu thun. Bei Frau Gertrud von Hochstetter war kleine Soiree,, eine erlesene Gesellschaft. Die schöne Frau verstand es, ihre Gäste zu unterhalten und ihren Salon anziehend zu machen. Man fand da interessante Persönlichleiten aus den verschiedensten Kreisen, Hochgeborene. Künstler. Gelehrte. Die Wirthin galt für eine bedeutende Frau, und sie war es auch in grwisseu. Swne. Die Beweglichkeit ihres Temperaments und die Vielseitigkeit ihrer Interessen hatten sie eine Menge von Kenntnissen erwerben lassen, 'welehe ffie in einer blendendenEonverZation

zur Geltung zu brmgen verstand. Sie .dilettirte auch in allerlei schönen Pl ff P I w

Hunnen, ju.mustznle. malte imge

behafteten, daß sie auch dichte. In die Oeffentkichkeit lieferte sie keim Er-

Zeugnisse, aber zu reden wußte sie über

olles wre em Fachmann. Junge ngeInende Künstler schwärmten für sie und erbofften Aon ihr Förderung und AnZnüfung werthvoller Beziehungen. Den berühmten wußte sie so viel Gescheites imi) Schmeichelhaftes zu fagen, daß sie Fern mit ihr plauderten, und im übrigen fand man bei ihr eine Menge Leute, unter denen hie und da einer von Nutzen war. Sie war also selbst in der Reichsbauptstadt eine vielgekannte, aus dem Gewimmel der Emporstrebenden chervorragende Persönlichkeit. Robert kam spät. Gertrud saß mit ihrer geliebten Melanie auf einer Causeuse unter zwei großen Palmen, an ihrer andern Seite Legationsrath von Loewen. der Mann, der noch immer ihr Herz schneller schlagen ließ und ihr den Stachel in die Seele grub, welch' eine Rolle sie an seiner Seite hätte spielen können, und wie viel lcichter und glanzvoller ihr Weg dann geWesen wäre. Er war lange verheirathet, seine kränkliche Gemahlin weilte jeden Winter im Süden, den Sommer in Bädern. Man sah die zwei fast nie miteinander. Und sie traf den ehemaligen Courmacher in allen Zirkeln, und seine alte Neigung führte ihn überall an ihre Seite. Der feine narkotische, giftige Hauch einer unerlaubten Leidenfchaft durch die Schranken, die ihr ehrgeiziger Stolz austhürmte, eingedämmt und in Schach gehalten schwebte zwischen ihnen ein aufreibender, friederaubender Reiz. Man discutirte lebhaft über das I Theater, über die neuesten Aufführunaen der Werke der Modernen. Die Köpfe erhitzten sich theilweise bei dem Thema. Gertrud hatte den Bruder,! der verschiedene Bekannte begrüßte, zu sich herangewinkt, und er saß jetzt ne-1 bcn der schönen Melanie vnd redete zu ibr in seinem, weichstzn Tone.

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zsrenn'Ävierkron al) eör vorteeti Haft aus Heute Abend, sie war ganz in Weiß gekleidet, ein klares, seidenschim merndes Gewebe mit viel Spikengeriesel um Schulter und Aermel. In dem glänzenden schwarzen Haar steckte ein silberner Pfeil, sonst trug sie keinen Schmuck, nur einen Tuff Nelken im Gürtel. Sie war eine voll erblühte Rose; eine bewegte Vergangenheit hatte Spu ,en in ihren Zügen zurückgelaffen, alle? Raffinement der Toilettenkunst konnte dieselben einem Kenner von nrauenschönheit nicht verhüllen. In ihrem Gesicht mit der starken Nase und den vollen Lippen lag ein Herrschsüchte ger Zug, und niemand rühmte ihr gewinnende Liebenswürdigkeit nach. Es hieß im Gegentheil, daß sie geschickl sei, mit boshaften Worten zu verletzen, und daß man gut thue, vor ihr auf der Hut zu fein. Wenn man das wußte, mußte man zugeben, daß Robert wohl Chancen habe, denn in seiner Nähe belebten sich ihre Mienen, ihr Mund lächelte ihm freundlicher zu als irgend einem andern. Robert hatte selbst den Eindruck, daß sie sich eine Verbindung -mit ihm überlegt habe und dazu entschlössen sei. Daß auch bei ihr nur Verstandeserwägungen den Ausschlag gaben, verhehlte er sich keinen Augenblick. Um sie her schwirrte die Unterhaltunq weiter. Das von der Zensur anfangs bean standete Stück: Die Enterbten", das nun nach einigen Aenderungen des Verfassers zur Aufführung freigegeben war und gestern im Deutschen Theater seine Premiere erlebt hatte vor ausverlaustem Haufe, bildete den Hauptgegenstand des Gesprächs. Es waren schon früher Werke desselben Autors, die ungewöhnliches Talent verriethen, aufgeführt worden, sie hatten dem Unbekannten schon eine Anhängerschaar erworben. Doch hatte der durchschlagende Erfolg gefehlt, den man jetzt den Enterbten" zuerkennen mußte. Was aber die Gemüther am meisten dabei beschäftigte, war der Umstand, daß dieser Verfasser, der nun so viel von sich reden machte, bis dahin ein Anonymus war und auch nach dem gestrigen Erfolge noch nicht hervortrat. Ein Freund von ihm, ein bekannter Kritiker und Journalist, hatte die Erstlingswerke wie es hieß, ohne Zuthun des Autors und beinahe wider dessen Willen an's Tageslicht gebracht und die erste Aufführung der Morgendämmerung vor drei Jahren auf der Freien Bühne ermög licht. (Fortsetzung folgt.) Jefferson Haus, 115 HO Cft Touth Strafte, ist eine Herberge nach deutscher Art. Ter

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