Indiana Tribüne, Volume 24, Number 146, Indianapolis, Marion County, 12 February 1901 — Page 1
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Erscheint joden Zlcrcittntttg und Sonntag Morgens.
Jahrgang 24
Indianapolis, Ind., Dienstag, den 12. Februar 1901.
No. 14
König Milan von Serbien
Üm Jlioiiliii in lüicii gcjloröcn.
Das Ende eines bewegten Lebens.
Die Anti jilcriknlcu Zlnruhen in Spanien.
Krawalle in vielen Städten des Lau . . . des.
Die Regierung fängt an, besorgt zu werden.
Hungersnoth in Rußland. Verschiedenes aus dem deutschen Reih.
Die sürstlicheu Gäste verlasse London.
Ex - König Milan von Set b i e n g e st o r b e n. W i e n , 12. Febr. Der frühere Köniz Milan von Serbien ist hier am Montag nach kurzer Krankheit gestor6en. Am Sonntag Abend empfing Milan noch den Adjutanten Povovt:, den der König Alezander zu ihm geschickt hatte. Die Unterredung erregte den Schwerkranken etwas, er war aber noch im Stande, mit dem Adjutanten zu sprechen. Seine Kräfte ließen dann aber schnell nach und die Athmungsbeschweroen machten jede weitere Konversation anmöglich. Am Montag Mittag empfing der König nochmals den Adjutanten. Er befand sich dan.i bei voller Besinnung und schien keine Ahnung davon zu haöen, daß sein Leben in Gefahr sei. Er war bis auf eine Viertelstunde vor dem Tod bei Besinnung. Am Sterbebett -befanden sich außer den Aerzten der Oberst Eonstantinevics. ein Onkel Mi(ans, und dessen Freund. Graf Zichy. Milan (Obrenowith IV.) Graf von Takowa, wurde am 22. August 1854 geboren und war ein Sohn des Fürsten Michael Jephremowitsch, Neffe des Fürsten Milosch, und der Marie Eatargi, der späteren Geliebten des Fürsten Alexander Eusa von Rumänien. 5r wurde in Paris erzogen und am 2. Juli 1868, nach der Ermordung des Fürsten Michael, als Milan Obrenowitsch IV. zum Fürsten protlamirt, am 22. August 1872 für großjährig erklärt .und vermählte sich am 17. Oktober 1875 mit Natalie Keschko, der Tochter :ines russischen Obersten, die ihm am 14. August 1876 den Prinzen Alexander (jetzigen König von Serbien) gebar. Bon Rußland angestachelt und unterstützt, begann er im Juli 1876, gleichzeitig mit Montenegro, ohne allen Irund Krieg gegen die Türkei, der jezoch die vorher verkündeten Erfolge, glänzende Siege und Eroberung von Bosnien, keineswegs hatte. Milan, der die Führung des Heeres dem Russen Tschernajew überließ, mußte die ihm ?on den Truppen angetragene Königslrone ablehnen und. nachdem Ende Ökwber bei Alezinatz sein Heer vernichtet und er von Rußland im Stiche gelassen worden war, die Vermittelung Englands für einen Frieden anrufen, der im Anfang März 1877 auch von der Türkei unter den Bedingungen wie vor )em Kriege bewilligt wurde. Gleichwohl begann er Ende Dezember 1877 von Jeeuem den Krieg und erlangte auf dem Berliner Kongreß nicht nur eine becrächtliche Gebietsvergrößerung. sondern auch die Souveränität und den Titel Hoheit. Mit Zustimmung der Mächte nahm er am 6. März 1882 den Königstitel an. Klug und gewandt, ein vortrefflicher Redner, aber unzuoerlässig und wankelmüthig, erwarb Milan sich keine Anhänglichkeit beim Volke und kein rechtes Vertrauen bei oen Mächten, auch bei Oesterreich nicht, zu dem er sonst hielt, so daß seine Herrschaft einer festen Stütze entbehrte. Als er 1886 den unüberlegten und Unglücklichen Krieg gegen Bulgarien unternahm, rettete ihn nur Oesrreichs Einschreiten, und im Innern mußte er sich schließlich auf die Radikalen stützen, deren Erhebung er 1883 mit großer Strenge unterdrückt hatte. Regierungsmüde, dankte er am 6. März 1889 ab, nachdem er eine neue Verfassung mit der Skupschtina vereinbart hatte, und setzte für seinen unmündigen Sohn eine Regentschaft ein. Er begab -sich nach Paris, wo er so verschwenderisch lebte, daß er bald die Hilfe der Regentschaft in Anspruch nehmen mußte obwohl er die Hälfte der Zivilliste erhielt. Ja, um sich aus seinen finanziellen Nöt.hen .zu befreien, verzicktete er am 30.
Teplkmver 1891 auf alle seine Staatsrechte und die serbische Staatsbürgerschaft gegen die Zahlung hoher Geldsummen (3 Millionen) und versprach euch, nicht nach Serbien zurückzuiehren. Im Jahre 1883 hatte er sich von seiner Gemahlin scheiden lassen, versöhnte sich aber im März 1893 wieder mit ihr. worauf die Scheidung 1894 aufgehoben wurde. Als auch sein Sohn Alexander I.. seit dem 13. April 1893 majorenn, mit den Radikalen nicht sei t!g werden konnte, kehrte Milan 1894 nach Serbien zurück, wo er in alle Rechte als Mitglied des KönigshauseS wieder eingesetzt wurde, aber beim Vol ke kein Vertrauen genoß und sich durch seine Ränke bald wieder unmöglich machte. Er kehrte 1895 nach Paris zurück, wo er seitdem seine meiste Zeit verbrachte und sein früheres verschwen-
densches Leben fortsetzte. Roch vor Kurzem hieß es, daß er eine reiche rufsische Fürstin, die meistens in Wien lebt, heirathen werde, und der Um stand, daß er in Wien starb, scheint anzudeuten, daß etwas Wahres an dem Gerücht war. Die Leiche wird in Kronchol. einem Der vielen für heilig gehaltenen Klöster der griechisch-katholischen Mönche skrbischer Nationalität im Komitat Syrmien. Kroatien, mit dem einem Mitzlied einer regierenden Dynastie zukommenden Ehren beigesetzt werden. Belgrad, Serbien. 12. Febr. Der König Alexander befand sich in irisch, als die Nachricht von dem Tode seines Vaters eintraf. Er ließ die Mitglieder des Kabinets sofort nach Konyk kommen, wo er sie offiziell von dem Tode des früheren Königs in Kenntniß setzte. Am Abend reisten der König und' die Königin nach Belgrad 3 b. In der Skuptschina kündigte der Premier Novannovitch das Ableben des früheren Königs an und er wies bei der Gelegenheit darauf hin, daß Serbien seine Gebietsvergrößerung und größere Unabhängigkeit dem Verstorbenen verdanke, und er fügte hinzu, daß das Land diese Dienste nicht vergessen werde. wenn auch politische Verhältnisse Milan veranlaßt hätten, in letzterer Zeit fern von Serbien zu leben. Die Mitglieder der Kammer hörten, stehend der Rede des Premiers zu. Nachdem noch beschlossen worden war, daß die Mitglieder des Hauses dem Begräbniß in corpore beiwohnen soll ten. wurde die Session laut königlichem Dekret für geschlossen erklärt. Scharfe Kritik. London. 12. Februar. Sli Edward Clark, der frühere Generalanwalt, hat in einem Brief an einen Freund die Handlungsweise Lord Roberts scharf kritisirt. Er sagt, daß im Juni 1900 nach einer Konferenz mit Thristian Botha ein Vergleich mit den Boeren möglich gewesen wäre, wenn Lord Roberts nicht auf unbedingte Uebergabe bestanden hätte, wobei Straflosigkeit nur den g-wöhnlichen Soldaten, nicht aber den Kommandanten und sonstigen Führern der Loeren zugesichert war. Dies habe allen Verhandlungen ' ein jähes Ende bereitet. Seit Juni habe nun die englische Armee folgende Verluste gehabt: An Todten im Gefecht und an Wunden gestorben, 124 Offiziere und 1454 Mann, an Krankheiten gestorben 63 , Offiziere und 3620 Mann. Im selben Zeitraum wurden als Invaliden 959 Offiziere und 22,335 Mann heimgeschickt. England habe außerdem seit jener Zeit 60 bis iO Millionen Pfund Sterling ausgezeben, um ein Land zu vernichten, das is zu annektren beabsichtigte. Sir Edjvard Clark räth dringend, den Boeren annehmbare Friedensbedingungen zu gewähren. Frau Maybrick nicht beg n a d i g t. London. 12. Feb. Die Beamten im Ministerium des Innern erklären, daß das Gerücht, Frau Floren Maybrick sei begnadigt worden, gänzlich aus der Luft gegriffen sei und der Fall der Frau Maybrick seit der Thronbesteigung des Königs Edward in keine: Weise erwähnt worden sei. Amerikanische Industrie, j
London, 12. Febr. Die Ange- ! böte für 30 Brücken der Uganda-Bahn : wurden dem Parlamente übermittelt, I wobei sich ergab, daß die amerikanischen Firmen die Brücken in 45 Wochen herzustellen sich erboten, wäbrend keine englische Firma unter 60 Wochen dazu braucht. Die Amerikaner erboten sich ferner, das Material in irgend einen , britischen Hafen um 5 Guineen billiger zu liefern, wie der Durchschnittspreis der englischen Firmen für Ablieferung in London. Die amerikanischen Vtix .
men erboten sich ferner, die Brücken zu 18 Pfund per Tonne fertig herzustellen, was nur 2 fund 10 Schillinge mehr ist. als was die enalischen Firmen für
Ablieferung des Materials in London j
?eiuanaeil.
DieFiirsten v er u , , r n d o n. L o n d o n. 12. Februar. Der König Karl von Portugal ist am Montag Abend mit seinem Gefolge nach Lissa fort abgereist. Der König Edward begleitete ihn nach dem Bahnhof. Der Zarewitsch. Großfürst Michael von Rußland, war zwei Stunden früher abgereist. Der Prinz Karl von Dänemark hatte ihn nach dem Bahnhof begleitet. Es waren außergewöhnliche Vorsichtsmaßregeln zu seinem Schutz ergriffen worden. Der Großfürst schenkte vor seiner Abreise dem Inspektor Thorpe von Scotland )atd, der seinem Gefolge während seines Aufenthalts in England beigegeben war, einen prachtvollen Diamanten. Die Reiseroute des Zarewitsch von Vliessingen aus bis nach St. Petersbürg wird geheim gehalten. Der König von Griechenland wird am Dienstag abreisen. Hungersnoth in Rußland. St. Petersburg. 12. Feb. Der Minister des Innern hat endlich offiziell zugegeben, daß in einem gro ßen Theile des Landes in Folge Mißrathens der Ernte das größte Elend herrscht. In den Gouvernements Kherson. Tomsk und Smolensk ist die Ernte ganz mißrathen und die Hirn gersnoth ist dort im Zunehmen. 'Aehnliche Zustände herrschen in-einigen Distrikten von Bearabien, Kiew, Tobolsk. Taurida. Podolien und den Trans Baila-Territorien. Die Regierung hat bereits eine und eine halbe Million Rubel sür die Nothleidenden ausgegeben und sie glaubt, daß fünf Millionen kaum ausreichen werden, um der Noth abzuhelfen. Wohl eine Erfindung, des .. G a u l o i s P a r i s . 12. Febr. Der Gaulois" ttzählte beule seinen Lesern die folgende. allerdings nicht verbürgte Geschichte: Bei der kürzlichen Trauerfeier im Schlosse zu Windsor bemerkte der Kaifer Wilhelm in seiner Nähe eine Gruppe von Männern, die aus den Herren Pierre Paul Cambon, französischer Botschafter in London. Vize-Admiral Bienaime, der an der Spitze der fvan zösischen Delegation stand, und dem General Dubois bestand. Der deutsche Kaiser wandte sich plötzlich mit den folzenden Worten an den Botschafter Cambon: Nun, Herr Cambon, werden Sie mich nicht begrüßen?", und als Herr Cambon sich dem Kaiser näherte, fuhr dieser fort: Ich wünsche, daß es wohlbekannt werde, daß ich Frankreich sehr gern habe, und niemals zugeben werde, daß es von irgend Jemandem angegriffen wird." Sire". soll darauf Herr Cambon geantwortet haben, ich danke Ew.Majesiät für das. was Sie so freundlich waren, soeben zu sagen. Frankreich ist ein friedliebendes Land, es ist aber im Stande, sich selbst zu vertheidigen, wenn es je angegriffen werden sollte." A u s , d e m Deutschen Reich. Berlin, 12. Febr. Die ..Deutsche Tageszeitung" räth ihren Lesern keine Kommentare, über die Handlungen des Kaisers Wilhelm in England zu machen.. Was der Kaiser dort gesagt hat," sagt die Zeitung, war seine rein persönliche Angelegenheit. Wenn die auswärtige Politik wirklich dadurch affizirt werden sollte, ist es noch immer Zeit, darüber zü sprechen." Die bayerische Regierung hat dem Professor Furtwanger,' Direktor der Glyptothek, eine große Summe für die Bornahme von Ausgrabungen 'auf der Insel Aegeria bewilligt, zu welchen die griechische Regierung ihre Zustimmung gegeben hat. Die deutsche Presse l dauert allgemein den Tod des Professors Max von Pettenkofer, der sich im Sonntag in einein Anfall von Trübsinn erschoß. Der Prinz-Regent Luitpold von Bayern war einer der Ersten, die der'Familie ihre Sympathie ausdrückten.' " Im Reichstag erklärte am. Montag Varvn von Thielmann, der Sekretär des Reichsschatzamts, daß er hoffe, binnen Kurzem im Stande zu sein, dem Bundesrath den Entwurf für den neuen Zolltarif unterbreiten zu können. Baron von Wangenheim, einer der Führer der Agrarier, hielt bei der jährlichen Versammlung des Bundes ver Landwirthe die Eröffnungsrede, worin er den Siea der aararischen Prinzipien m iicyere Aussicht stellte. Er vergltcy den Kampf der Agrarier mit dem Kampf der Boeren in Südafrika, weil beide gegen das überwuchernde Kapital" kämpften, welche Bemerkung donnernden Applaus der anwesenden, etwa 8000 Personen zählenden Mitglieder hervorrief. Dr. Röscke bemerkte, daß die' Land Wirthe einen schweren Kampf mit ihren Gegnern zu bestehen hätten. Wenn wir nicht genügend hohe Getreidezölle hA r.'i)iixi tirMltztzizia aa
Vin. ?o itt die deuttaze Lar.on):?:?schaft dem Verderben gewetui.' Der offizielle Bericht des Bundes ergab eine Mitgliederzahl von 232.000, oder 25.000 mehr wie im Vorjahre. Davon sind 110.000 Ost - Elbier und 122.000 West-Elbier. Großen Zuwachs erhielt der Bund im südlichen Theile des Reiches. 202.000 Mitglieder sind Bauern und kleine Besitzer. Es wurde eine Resolution angenommen, die Regierung zu ersuchen, die Landwirthschaft in so weit zu beschüden, daß dieselbe die Getreidepreise unabhängig von der Börsenspekulation fixiren könne, damit die Erträge sich für 'die Landwirthe ebenso hoch belaufen, wie in den Jahren 1870 bis 1890. .Unter keinen Umständen darf Deutschland", fuhr der Redner fort, denselben günstigen Tarif wieder solchen Ländern gewähren, welche DifferentialZölle gegen-Deutschland erheben, wie z. B. die Ver. Staaten.". Während der ganzen Woche werden Versammlungen lokaler agrarischer verbände im ganzen Reiche abgehalten loerden Gleichzeitig werden am nächsten Mittwoch in Berlin und Umgegend 26 sozialistische Versammlungen ftattfinden und zahlreiche andere in allen Theilen des Reiches, in welchen gegen Erhöhung der Getreidezölle nachdrücklich protestirt wird. In Frankfurt aM hat einer solche Protestversammlung bereits stattgefunden. Zlnti-klerikaleUnruhen in Spanien. Madrid. 12. Febr. Nicht nur in hiesiger Stadt, sondern auch in Valencia. Barcelona, Granada, Saragossa und anderen Städten fanden am Sonntag und Montag Demonstrationen statt, die in erster Linie gegen die Jesuiten gerichtet waren. In Valencia wurden die Demonstranten, die am Sonntag die Kutsche des'Prafekten mit Steinen bewarfen. oon dem Teputirten Jbanez angeführt. Der Pöbel schüttete Petroleum über das Mönchskloster Camillez aus. es gelang denGendarmen aber, eine Feuersbrunst zu verhindern. Die Unruhen dauerten den ganzen Tag. Das Seminar und mehrere Klöster wurden mit Steinen beworfen. Eine KirchenproZession, die stattfinden sollte, unterblieb in Folge des drohenden Verhaltens der Menge. Die Unruhen vom Sonntag Abend', die schlimmer waren, als an den vorhergehenden Tagen, haben in offiziellen Kreisen ein Gefühl der Unruhe verursacht. Der heutige Tag verging, obne daß sich etwas besonderes ereignet hatte, gegen Abend versammelte sich aber eine große Volksmenge auf der Puerta del Sol, einem großen Platz in der Mitte der Stadt, wo indeß berittene Zivilgarden die Ordnung aufrecht erhielten. Es kam während des Abends wiederholt zu Zusammenstößen, im Ganzen genommen waren dieser aber nicht sehr ernstlicher Art und die Volkshaufen, die sich zusammenrotteten, wurden immer schnell auseinander getrieben. Gran ada, 12. Febr. Ein großer Menschenhaufe zog am Montag durch die Straßen, Es lebe die Freiheit" und Nieder mit den Jesuiten" rufend. Eine große Menschenmasse sammelte sich vor dem Kloster an und. bald darauf wurden im Innern des Klosters mehrere Schüsse abgefeuert. Die Menge, die immer größer wurde, nahm dann eine sehr drohende Haltung an, worauf sich der Prafekt mit einer Anzahl Gen-
darmen an Ort und Stelle begab, wo sie mit Hohngeschrei empfangen wurden. Der Präfekt begab sich in das Kloster und als er wieder herauskam, erklärte er, daß die Schüsse von ein paar Gendarmen, die sich in dem Kloster befänden, abgefeuert worden seien, um Hilfe herbeizuschaffen, und daß nicht auf die Leute außerhalb des Klosters geschossen worden sei. Der Pöbel versuchte dann, in das Gebäude einzudringen. er wurde aber von den Gendarmen auseinander getrieben. Es herrscht noch immer die größte Aufregung. Saragossa, 12. Febr. Drei Mönche wurden am Montag hier auf der Straße mit Steinen beworfen und bis in ein Kloster gejagt, wo sie Zuflucht fanden. Später zog eine Volksmenge, eine re publikanische Fahne tragend, durch die Stadt, und als die Gendarmen sie auseinandertreiben wollte, kam es zu einer allgemeinen Schießerei. Ein Sergeant und mehrere Leute aus dem Volkshaufen wurden verwundet. Die Truppen sind jetzt in den Kafernen konsignirt. Der General-Kapi-tän Borrcaro wurde mit dem Ruf Es lebe die Republik" empfangen. Es hatte dies auf die republikanischen Antecedentien des General-Kcpitäns Bezug..
3ö.Zko!igrrjj. Meile 8eDn. , Eine klchafte Sitzung im Lepra sentantenliaus. 9 Die Echiffssubsidicn-Borlage vor dem Senat.
Eisenbahnunfall an derErie-Bahn bei Wrcn, Jnv.
o -n r ! ' T'le Schlffssubsidien-Vorlage wurde AUSocrBttttdcsliattPtstadt dann aufgenommen und während des I flrtnn fTrr.i2 Si?2fittfrf ITC.
I WiHH4t. tl. ViU' j fcry, von Louisiana, nahm mit seiner
Rede gegen die Vorlage die ganze Sitzung in Anspruch. Es sprach sechs Stunden lang und war noch nicht zu Ende, als Vertagung eintrat. Weitere Ernennungen. Der Präsident sandte am Monta
'dem Senat die Ernennungen von
James H. Wllson von Dclaware und Fitzhugh Lee von Virginia, jetzt Bri-gade-Generäle im Freiwilligen-Heer, zu Brigade-Generälen in der regulären Armee zu. p Die neuen Regimenter. Das Kriegsdepartement hat am Montag den Befehl zur Organisation von zehn neuen Regimentern, wie in dem Armee-Gesetz autorisirt, gegeben. Diese Regimenter werden demnach an den folgenden Plätzen organisirt werden : 11. Kavallerie, Fort M: Va. 12. Kavallerie. Fort Sam Houston, Texas. 13. Kavallerie. Fort Meade. S. D. 14. Kavallerie, Fort Leavenworth, Kansas. 15. Kavallerie. Presidio, San Francisco, Cal. 26. Jnfanter. Ft. McPherson. Ga 27. Infanterie, Plattsöurg. N. 28. Infanterie. Van Couver Barracks. Washington. 29. Infanterie, Fort Sheridan. JllS. 30. Infanterie. Ft. Logan.Colorado. Die beiden ersten Bataillone vom 26. und 27. Jnf.-Regiment sind bereits in San Francisco organisirt worden und werden am 16. Februar mit dem Transportdampfer Sheridan" nach Manila abgehen.
Wahl'KrawaU in St. Louis, Mo. 150 Schlisse abgefeuert nud rintimmkästen gestohlen. Ein Scitclistück zum Bosjchietcr Fall.
Die neuesten Tapeten bei Carl Moller, 152 N. Delaware Str.
Repräsentantenhaus. Washington. D. C.. 11. Feb. Der heutige Tag war der lebhafteste im Haus während dieser Session. Als Repr. Payne. vom Ausschuß für Mittel und Wege, eine Resolution unterbreitete. derzufolge das vom' Senat in Vorschlag gebrachte Substitut für die Kriegssteuer - Reduktionsvorlage vom Haus verworfen werden sollte, entspann sich eine sehr interessante Debatte über di: konstitutionelle Jegrenzung der Macht des Senats über Steuermaßregeln, die im Repräsentantenhaus ihren Ursprung haben. Repr. Towney. von Minnesota, bestand darauf, daß das Haus vor allen Dingen über die Steuer-Gesetzgebung zu verfügen habe, er unterließ es aber, eine Resolution einzureichen, daß die Vorläge mit der Erklärung an den Senat zurückgeschickt werden solle, daß der Senat seine Mcht überschritten habe, indem er eine ganz neue Maßregel für die Hau-oorlage substituirt habe. Die folgende Debatte zeizte. daß eine solche Resolution mit grofzer Mehrheit angenommen worden wäre. Da aber nur ein' Antrag gestellt worden war, das Senats-Substitut zurückzuweisen, was mit 233 gegen 33' SUnunen 'geschah, kam das Haus nicht in die. Lage, direkt über diese Angelegenheit abzustimmen, und eine vielleicht unangenehme Reibung mit dem Senat wurde dadurch hprrntpVif7T .
vw ! Später, als bei der Erwäauna des
diplomatischen Etats dec Repr. Sulzer (N. Y.) eine leidenschaftliche Pro-Aoeren-Rede hielt, sah sich der Repr. Mahon (Pa.) veranlaßt, auf das Sammeln von Geldern für die Mitwen und Waisen von Boeren in einer Versammlung anzuspielen, über welche der Repr. Sulzer den Vorsitz führte. Herr Mahon sagte, daß damals $1200 aufgebracht wurden, aber, nachdem den Terrapins und dem Champagner" gehuldigt wurden, nur $18 für die Wittwen und Waisen der Boeren. übrig geblieben seien. Dies veranlaßte Herrn Sulzer mit einer langen Rede zu antworten. Er sagte, daß er mit der Verwendung des Geldes nichts zu thun gehabt und selbst $175 beigesteuert habe. Es kam dann zu einem lebhaften Wortwechsel, der damit endete, daß Herr Sulzer einen anonymen Brief verlesen ließ, in dem ein sensationeller persönlicher Angriff auf Herrn Perry S. Heath. den früheren Hilfs-General-Vostmcister. gemacht wurde, der während der letzten Kampagne Sekretär des republikanischen National - Kommittees war. Herr Heath wurde darin beschuldigt, daß er Neely ins Amt qebracht, dies aber in
' Abrede gestellt habe, nachdem Neely
verhaftet worden. Auch wurde, der Name des Herrn Heath in Verbindung mit gewissen Regierungsdcpositen in einer New Z)orker Bank in einer Weise genannt, die zu heftigen Protesten Veranlassung gab. Herr Sulzer erklärte, daß Herr Heath für die Geschichten verantwortlich sei, die übe? ihn in Verbindung mit den Boeren-Fonds in Umlauf seien. Repr. 5inox. oon Mass.. erklärte es für verächtlich, daß man einen Gentlcman in einem anonymen Brief angreife und er verlangte, daß alles, was auf diesen anonymen Brief Bezug habe, aus den Akten gestrichen werden solle. Als dieser Antrag debattirt wurde, erklärte Herr Sulzer. .daß er jedes Wort, das in der anonymen Kommunikation enthalten sei, unterstütze, und als Repräsentant wie individuell für dieselben einstehen werde. Die Demokraten flibusterten gegen den Antrag, das anonyme Schreiben aus den Akten zu streichen, und sie sehten schließlich eine Vertagung durch, was zur Folge bat. daß der Brief in dem offiziellen Record veröffentlicht werden darf. Senat. Der Senat nahm heute, bald nach seinem Zusammentritt, die Marinevorläse an. .
Ein Seiten st ückzum Vos schieter - Fall. New H a v e n, 12. Febr. Unter dem Einfluß irglnd eines Betäubunzsmittels, mit zerriisenen Kleidern, einm an vielen Stellen zerkrakten Gesicht und blutenden Körper stellte sich heute Früh Frl. Mabel Smith im Hause ihrer Eltern ein und erzählte eine Geschichte, wie sie etwa Jennit Bosschieter erzählt haben würde, wenn sie die Schandthaten überlebt hätte, welche de vier Wüstlinge von Paterson. die sctzt
mit langer KerZerb.'st äsur büßen, an 1 '
iyi y;:',"!'.cn. Mabel Smith." die Tochter des Herausgebers des Wesiville Herald", Lewellyn P. Smith, ein hübsches Mädchen von wenig mehr als 17 Jahren, beschuldigt Henry C. Sticknen. den Kutscher einer Wäscherei, sie betäubt und dann unsittlich angegriffen zu haben. Wie sie ' erzählt, traf sie Stickney vor dem Hause ihres Vaters. Er lud sie zu einer Schlittenfahrt ein. Sie antwortete ihm. sie käme mit. falls es ihr Vater erlaubm würde. Der Vapa cmb ihr zwei Stunden Urlaub. n Schlitten aaö
j ihr Stickney Candy. Nachdem sie denselben genossen, will sie bewußtlos ge-
worden und dann erst um b uyr cm nächsten Morgen in einem Bett im Stickney Hause neben Stickney erwacht fein. ,r Das ist die Anklage, auf Grund deren Stickney verbaftet worden ist. Dii gesammte Detektiv - Force von New Haven ist damit beschäftigt, den That bestand genauer festzustellen. Stickneq ist 26 Jahre alt und unverheirathet. Als er gegen Abend festgenommen w'orden war. versuchte der Vater des Mädchens. ihn körperlich zu züchtigen. Stick ney machte sich von den Polizisten, die ihn begleiteten, los und der beleidigte Vater zog den Kürzeren. Dr. Arthur Chency. der ins HauZ gerufen wurde, nachdem Frl. Mabel zurückgekehrt war, nachdem ihr Vater und ein. jüngerer Bruder die ganze Nacht vergeblich nach ihr geforscht unö gesucht hatten, erklärt, aus professio nellcr Etikette keine Aussage machen zu wollen, bis er vor Gerich! über den fund aussagen kann. Frl. Smith ist über ihr Alter hinaus entwickelt und kräftig. Ihr Vater schreibt das dem Umstände zu. daß sie rudert, radelt und auch sonst körperliche Kraftanstrengun gen seit ihrer frühesten Jugend ausge übt hat. Wenn das Schlimmste nicht geschehen ist, wie er nach dem Befunde des Arztes hofft, so schreibt er das der körperlichen Kraft der Tcchter zu, die sich ihres Angreifers schließlich d-ch noch zu erwehren gewußt hätte. Stran gulationszeichen am Halse und blutun terlaufcne Flecken an den Armen und anderen Körpertheilen des jungenMäd chens zeigen, daß sie in brutalster Weis angegriffen worden ist. sich aber doch noch zu vertheidigen wußte, wenn sie auch immer betäubt war. Das ist die Erklärung des Vaters, der die gerichtliche Verfolgung Stick ney's mit allen gesetzlichen Mitteln zu betreiben gedenkt. Stickney kann cven tuell auf zehn Jahr' ins Staatsgefang ni geschickt werden. Weitere Depeschen'auflScite 5.
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