Indiana Tribüne, Volume 24, Number 142, Indianapolis, Marion County, 8 February 1901 — Page 1

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y Q3rriicint jede tadjmlttan irnd Konntag Morgens. Jahrgang 24. Jlldianapolis, Ind..' Freitag, den 8. Februar 1901. No. 142

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Die jjodjjcil im jjaog. Die Vermählung der Königin Wilhclmine Mit dem Herzog Heinrich von Vecklenbnrg Zindct unter den yUnstigstettAN' spizien statt. Kaiser Wilhelm in Hamburg an, gekommen.

Ter Petrolcum-Brand in Baku.

Mehr als 500 Personen sollen dabei uns Leben gekommen lein. DU Vermählung der Königin Wilhelniine. Im Haag. 8. Feb. In grellem Kontrast zu der in Trauersarben gehüllten englischen Hauptstadt London steht heute die Feststadt der Niederlande, in deren Mauern die Vermählunz der Königin Wilhelmine mit dem Herzog Heinrich von Mecklenburg Schwerin stattfand. Die Trauung erfolgte im weihen Saale des JustizHalastes und hieran schloß sich die religiöse Ceremonie in demselben alten Kirchlein, worin Wilhelmine seit d:n Tagen ihrer Kindheit dem Gottesdienst an Sonn- und Festtagen anwohnte. Spezielle Wächter wurden heute in der Nähe des Palastes placirt; auch der Bahnhof wurde von Geheimen" scharf bewacht. Floggen und Kränze zieren die meisten Häuser und geben der Stadt ein sehr freundliches Aussehen. Banner und lebende Rosen decken in Massen die Gesandtschaften, die offentliehen Geöäude, die Hotels und Banken. Fürstliche und andere Hochzeitsg'aste sind aus allen Ecken und Winkeln Europas hier. Die meisten Gäste kamen aus Deutschland, mit denen Fürstenhäusern die königliche Familie vielfach verwandt ist. Frohgestimmte Volksmengen wogten durch die Straßen und aus allen Richtungen der Windmühlen" strömte die Landbevölkerung hier zusammen.

Die Prozesston nach dem JustizPalast kann nicht grogartig genannt werden. Fünfzig Husaren ritten voran, dann kamen ein Dutzend HofBeamte mit dem Qöer-Ceremonienmei-ster zu Pferde, darauf die schwerfällige, vergoldete Staatskarosse, ein Geschenk der Stadt Amsterdam, mit der Könizin Wilhelmine und dem Herzog Heinrich. In dem nächsten Wagen befanden sich die Mütter der Beiden und folgten die Militärbeamten des 'Schlosses, der Gouverneur der Stadt, zwei Adjutanten zu Pferde und den Schluß des Zuges bildeten fünfzig be--rittene Artilleristen. Die Prozesston bewegte sich nur 'langsam vorwärts, da der Zug häufig .anhalten mußte. Bei all dem furchtbaren Gedränge war aber eine solch -ordnungsmäßige, gutmüthig: Menschenmasse noch niemals gesehen woroen. Polizisten und Soldaten waren nur wenige zu sehen und an vielen Stellen mußte das Volk eben, so gut es ,zing. dem königlichen Zug Platz machen. Jedesmal, wenn es aber dabei zu einem ungewöhnlichen Gedränge kam, brachen die Leute in Hochrufe auf die Königin und Gelächter aus. Sie liegen sich das Gedränge mit der größten Zemüthsruhe gefallen und harte Worte hörte man niemals. Der Hochzeitszug kama um 11 Uhr aus dem Schloß. Das Erscheinen des königlichen Paares gab Anlaß zu Hochrufen, die man eine halbe Meile weit hören konnte. Die Königin Wilhelmine kam. am Arm des Herzogs Heinrich. der seit heute den Titel eines Prinzen der Niederlande trägt, und der glänzend uniformirt war. die Treppe herab, die lange Schleppe ihres weißen Hochzeitskleides hinter sich herziehend. Die Mutter der Königin war in Purpur gekleidet. Die Generäle und anderen Offiziere, in Gala, standen auf beiden Seiten des Portales, salutirend. während die Herrschaften einstiegen. Der Unterzeichnung des Ehekontrakts im weißen Saal des Justiz-Pa-lastes wohnten außer dem jungen Paar, die Königin-Mutter Emma, der Justizminisler, Dr. Van der Linden, und sechs hohe Beamten als Zeugen bei. Die sechs Zeugen waren die Präsidenten der beiden Häuser des Parlaments, der General-Adjutant. der OberstKammerherr. General Graf Mouceau. der Vizepräsident des Staatsrathes und der Präsident des obersten Gerichtshofs. Die Ceremonie in der Kirche war überaus brillant. Der ehrwürdige Geistliche, welcher die Trauung vollzog, wies darauf hin. daji den Brautleuten

trotz tyrer hohen Stellung bittere Le

benserfahrungen ebensowenig erspart bleiben würden wie Anderen. Die KL nigin sah reizend als Braut aus. Beim Ringwechsel gerieth sie in Verwirrung und erröthete. Doch war ihre Freude und der Stolz über den Enthusiasmus ihres Volkes auf ihrem Gesichte deutlich erkennbar. Nach der Ceremonie drückte Prinz Heinrich und die Königin dem Kaplan die Hand und der Zug verlies dann in derselben Ordnung die Kirche, in der er eingetreten war. Die Rückfahrt nach dcm Schloß ging ohne Störung von Statten. Die Königin und Prinz Heinrich fuhren am Nachmittag mit einem Spezialzug nach dem Schloß Loo. wo sie die Flitterwochen verbringen werden. Sie fuhren ganz im Geheimen nach dem Bahnhof und das Volk hatte keine Ahnung von der Abreise, bis es die Ad jutanten und Anderen zurückkehren sah. Um 8 Uhr Abends strömte Alles in hellen Haufen zum Halleoeld-Eingang nach dem Busch", wo ein großartiges Feuerwerk abgebrannt wurde. Ueberall fand man Transparente mit den Bildnissen der Königin und der königlichen Familie. Vemerkenswerth ist die Thatsache, daß weder die Hotels noch die Geschäftsinhaber die Preise irgendwie erhöht haben und die offenherzige Gastfreundschaft, welche allen Fremden entgegzngebrackit wird. Die holländischen Journalisten hatten die frühere österreichische Gesandtschaft gemiethet und darin ein Hauptquartier für die auswärtigen Korrespondenten eingerichtet. Die Verhaftung des Rev. A m e n t. Peking. 8. Feb. Di: Verhaftung des Rev. Äment vom amerikanischen Missionsstab hat viel Aufsehen erregt und scheint zu einem internationalen Zwischenfall sich auszureifen, obgleich der Missionär bereits wieder freigelassen worden ist. Herr Backhaus?, ein Engländer, der mit Ament festgenommen und wieder freigelassen worden war. hat dem amerikanischen Gesandten Conger mitgetheilt, daß er selbst. Ament und ein anderer Engländer Namens Peach am letzten Mittwoch Peking verlassen hätten. Sie nahmen geschäftliche,? Aufenthalt in einer Stadt, die im Bereiche von Herrn Ament's Thätigkeit als Missionar gelegen ist. Am Freitag kamen 50 französische und deutsche Soldaten unter Führung eines JesuitenPriesters nach dem Hause, drangen mit gefällten Bayonetten ein und verhafteten die Drei. Die Festnahme geschah unter der Beschuldigung, daß Ament und seine Begleiter die Führer einer großen Anzahl chinesischer Christen seien, welche aus den umliegenden Ortschaften 80.000 Taels erpreßt hätten. Die Erpressungen sind erwiesene Thatsachen. Chinesische Christen haben die Dörfer und Städte von Chili heimgesucht und als Entschädigung für die erlittene Unbill seitens der Borer" die Bevölkerung einfach zum Zahlen gezwungen. Man schätzt, daß allein in Chouchou auf diese Weise 80.000 Taels zusammenkamen. Es wurde da kein Unterschied gemacht zwischen Arm und Reich, zwischen Boxer- oder Nicht-öoxer-Familien. Die Bewohner in der ganzen Provinz wollen deshalb von abendländischer Kultur und Religion nichts mehr wissen. Was man Herrn Ament im Speziellen zur Last legt, wird klar, wenn man die vor einigen Wochen über seine Praktiken nach Amecika gekabelten Meldungen nochmals Revue passiren läßt. Es hieß damals unter Anderem:

Rev. Mr. Ament. vom amerikan! schen Board für auswärtige Missionen, ist von einer Reise zurückgekehrt, die er

zum Zweck der Etntretdung von Entschädigungen unternahm. Wo er ging und stand, zwang er die Chinesen, für den von den Borers" angerichteten Schaden zu zahlen. Er sagte be' 'tu ner Rückkehr, daß für alle seine iekehrten Chinesen nun gesorgt sei. Er hatte 700 derselben und 300 wurden von den Boxers" getödtet. Dr. , Ament kollektirte 300 Taels für jeden einzelnen Mord und verlangte volle ' Zahlung für zerstörtes, den Christen

gehörendes Eigenthum. Ferner verhängte er Strafen, die den 13fachen Werth der Entschädigungen repräsentirten. Dies Geld wird für die weitere Ausbreitung des Christenthums verwendet." Paris, 8. Febr. Eine Depesche der Havas - Agentur aus Slanghai sagt, daß Prinz Ching und Li Hung Chang den Gesandten die folgenden Vorschläge betreffs der Bestrafung der schuldigen Chinesen gemacht haben : Prinz Tuan soll nach dem chinesischen Turkestan verbannt werden ; Her-

j zog Lan soll degradirt und nach der

Mandschure! verbannt werden ; Yu-

Lu. der frühere Vizeksnkg von Ltji Xit. wird, entöguvtet : Vrinz Chnxna cr-

nai: Be?Ly:, - znu Nien soll zum Tode verurtheilt, das Urtheil aber in lebenslänglickie Haft umgewandelt werden ; Chao Tu Thia, Iu Hsien und sein Sohn. Sin 2ong, sollen degradirt werden, während Sing Tong. Li Ping Heng und Kang die todt sind, noch nachträglich zum Tod verurtheilt werden sollen. AusSüdafrika. I o h an n e s b u r g, 8. Febr. Der Gouverneur hat eine Proklamation erlassen, in der angekündigt wird, daß bei dem Ertönen eines Alarm-Signals (dreimaliges Ertönen der Dampfpfeife irgend einer Mine) alle Civilisten sich augenblicklich in ihre Wohnungen begcben und darin verbleiben müssen, bis sie Erlaubniß erhalten, wieder herauszukommen. In der Proklamation wird erklärt, daß Diejenigen, die nicht Folge

leisten. Gefahr laufen, erschossen zu werden. London, 8. Febr. Aus der letzten Verlustliste ist ersichtlich, daß abermals ein Angriff auf Modderfontin gemacht wurde, der bisher noch nicht von Süd-Afrika gemeldet wurde. TZ: ser Angriff fand am 2. Februar statt. und die Briten verloren o.;6ei neun Mann an Todten und 31 an Verwundeten. Der frühere Angriff, bei dem die Boeren 200 Gefangene machten, fand

j am 30. Januar statt, j K a p st a d t . 8. Febr. Herr Albert ! Cartwright. Gatte der Schriftstellerin ! Olive Schreiner-Cartwrigkt und Rei dakteur der South African Rews''. ist ' wegen kriminellen und aufrührerischen l Libels" verhaftet worden, weil er unter : dem Nom de plume British Officer" in einem Schreiben erklärt hatte, Lord i Kitchener habe im Geheimen seine

! Truppen instruirt, keine Gefangenen zu

macken. Die Briten beabsichtigen, die Boeren gegen die Kapkolonie zu drängen und

' alle mobilen Truppen dabei zu verwenden. Vom Süden her werden dann'die ; neuen Truppen abgeschickt und Lord j Kitchener hofft auf diese Weise die ! Boeren fangen zu können. ;

Aus dem deutschen Re i ch. Berlin. 7 Febr. In der' heatioen Sitzung des deutschen landwirth schaftlichen Rathes bielt der Relchskanzler, Graf von Bülow, eine Rede in welcher er auf die große Wichtigkeit der Unterstützung der deutschen Landwirthschaft seitens der Regierung hinwies. Er sagte, daß er im Interesse der Landwirthschaft wirken würde; nicht nur weil es seine Pflicht als Kanzler sei, dies zu thun, sondern auch weil er sich dieses zu einer persönlichen Aufgabe mache, und mit Herz und Seele sich ihr widme. Hierfür verbürg: m mich mit meinem Namen", fügte er hinzu, einem Namen, dessen Träger jahrhunderte-

i lang deutschen Boden bearbeitet ha-

ben." Der Kaiser Wilhelm kam am Donnerstag Morgen um acht Uhr in Homv . . V jC

. ourg an, uno oer orronplttlz ;yziKuwi) Z Wilhelm um halb neun Uhr Morgens ! in Potsdam.

Graf von Vulow reiste am Morgen nach Homburg ab. um dort mit dem Kaiser zu konferiren. Im Landtag wurde am Donnerstag die erste Lesung der Kanalvorlage vollendet. Der Handelsminister. Herr

. Brefeld. sagte während der Diskussion,

daß die Kohlenlager im Westen Deutschlands so ausgedehnt seien, daß Deutschland noch lange, nachdem die Kohlenvorräthe von Frankreich' und Belgien erschöpft seien, im Stande sein würde, die Welt mit Kohlen zu Versehen. Die Kanalvorlaze wurde dann an einen aus 23 Mitgliedern bestehenden Ausschuß überwiesen. Japanische Finanzen. N o k o h a m a. Japan. 8. Febr. Der japanische Finanzminister schätzt das Defizit für das laufende Etatsjahr auf 99,000,000 Jen ab. ; D i e Feuersbrunst beiBaku. S i. Petersburg, 8. Febr. Eine Depesche der Rowja" aus Baku sagt, daß 500 .Personen bei der dortigen Feuersbrunst ums Leben gekommen seien. Das Feuer ist auf's Neue ausgebrochen und die abkommandirten Truppen sind nicht im Stande, es zu bewältigen. Die Depesche der Rowja" fügt hinzu. daß 5000.000 Tonnen Petroleum. 3M.000 Tonnen Naphta und die sämmtlichen Reservoirs des Nothschild Syndikats zerstört worden seien. Die Bevölkerung Wien'S. Wien, 8. Febr. Der neuen Tensus - Aufnahme zufolge, hat Wien jetzt eine Bevölkerung von 1,635,647 Seelen. Es ist dies eine Zunahire von 293,710 in den letzten zehn Jahren.

M)mm (fisniOasjii Jlnsafl. , Ein Zug bei Greenville, Prt., verunglückt. Wenigstens fünf Personen ge tödtet und viele ver letzt. AnHanger Dowle's

Begeben sich aus den Kriegspsad - Und zerstören in Chicago fünf Apo thckcn, Weil Medizinen Teufelszeug" seien.

Raubmord in Clcvclaud.

Die neuesten Tapeten bei Carl Möller, 152 N. Delap'a Str.

Eisenbahn - Unglück. Greenville. Pa.. 8. Februar. Zug No. 5 der New Jork u. Chicago Limited der Erie Bahn verunglückte zur frühen Morgenstunde innerhalb der Grenzen dieser Stadt. Fünf Passa-" giere wurden getödtet, mehrere werden vermißt und eine ganze Anzahl sind mehr oder minder schwer verletzt. Die Getödteten sind : Sergeant Major Harry A. Hart. Fort Wood, New York. George F. Patterson, Philadelphia, Gemeiner vom 10. Infanterie - Regtment. Peter I. Curry. Caboco. N. , Gemeiner vom 10. Infanterie - Regiment und zwei Unbekannte. Verletzt wurden: Wm. D. Moore, Brooklyn. Bein gebrochen und KopfVerletzungen; B. A. Marsden. Philadelphia, Körperletzungen; Ivan Lest Smith. Canisteo. Quetschungen; Jos. Kennedy. Brookfield. Mass.. Bein gebrochen und Quetschungen; Gemeiner vom 10. Jnfanterie-Regiment. William F. MacGinnitie. Anwalt. Portland, Ind., Hüfte verletzt; C. 5). Simons, Kent, O.. Bremser, doppelter Bruch des rechten Beines; C. I. Henrv. Meadville. Gepäckagent. Beinbruch; S. Aiken, Verkäufer. New York, geringe Verletzungen, und 'mehrere Andere. wurden leicht verletzt. , r Fast jeder Passagier wurde mehr oder weniger schwer verletzt. Der Zug bestand nur aus Vestibul-Pullman-Waz-gons, drei Schlafwaggons, einem gew'öhnlichen Waggon und einen kombinirten Rauch- und Gepäckwaggon und wurde von einer Lokomotive vom Atlantic" Typus gezogen. Im RauchWaggon war die Kollision am furchtbarsten und jeder der Insassen wurde entweder getödtet oder verletzt. Der Schauplatz des Unglücksfalles ist eine scharfe Kurve. Auf einer Seite fließt derShenango Fluß, auf der anderen ist kine steile Böschung. Die Maschine entgleiste und fiel die steile Böschung hinab, überschlug sich und begrub sich tief im Sande. Der Zug war etwa zwei Stunden verspätet und der Unfall ereignete sich kurz nach 7 Uhr, als die meisten Infassen der Schlafwagen sich eben angezogen hatten. Nach der Katastrophe bemühten sich die unverletzten Passagiere, den Verletzten zu Hilfe zu kommen. Letztere wurden vermittelst eines Spezialzuges nach dem Spencer Hospital in Meadville gebracht. Vom Inhalt des Gepäckwagens und des Efpreßwaggons wurde nur wenig gerettet. Das Meiste wurde in der Eile, die Trümmer wegzuräumen und den Verwundeten zu Hilfe zu kommen, in den Fluß geworfen. Sobald die Beamten der Pittsburg, Bessemer und Lake Erie Bahn von dem Unglück hörten, schickten sie vierzig Mann aus den hiesigen Werkstätten nach dem Schauplatz des Unglücks ab und' dieselben leisteten beträchtliche Hilfe, ehe die Hilfsmannschaften der Erie Bahn eintrafen. Der Verkehr war zwölf Stunden lang unterbrochen. Der Wahnsinn, verbreitet sich. Chicago, Jlls., 8. Febr. Mit der Behauptung, daß Arzneimittel Dinge seien, die der Teufel auf die Erde geschickt, um die Menschheit zu verderben. griffen am Mittwoch Abend ein halbes Dutzend Frauen. Anhänger des Glaubensheilkünstlers .iowie. eine Anzahl Apotheken auf der Westseite an, mit denen sie genau in derselben Weise verfuhren, wie Frau Carrie Nation, die Wasserhexe, mit den Wirthschaften in KansaS. In einigen Fällen kam es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den Apothekern und den Fanatikerinnen. Die Frauen trugen lange Mäntel, unter denen sie Schirme. Stöcke und andere Waffen verborgen hatten, und da sie in den Apotheken in der Regel höchstens zwei Personen vorfanden, gingen sie aus beinahe allen Kämpfen ÜeLttich..bervyr..

' 'j5t tauen waren alle gut gekiekoer und mittleren Alters. Beim Verlassen der Apotheken sangen sie jedes Mal Praise be the Lord" und Zion forcoer". Mehrere Polizisten sahen die Frauen, sie leglen ihrem Gebühren aber keine Wichtigkeit bei und es wurden keine Verhaftungen vorgekommen. Die erste Apotheke, die den Besuch be? Weiber erhielt, war diejenige von Chas. G. Foncek. an 13. Straße und Center Avenue. Foncek wurde nach dem vorderen Theil der Apotheke gerufen und dort machten ihm die Frauen Vorwürfe darüber, daß er Teufels - Waaren verkaufe. Die Anführerin der Bande frug dann Herrn Foncek, ob er nicht wisse, daß alle Leiden der Menschheit mit Gebeten geheilt werden könnten. Der Apotheker antwortete ihnen, daß ihm das in der That nicht bekannt sei. Hurrah für Dowie schrie dann die Frau. Dies war das Signal für einen allgemeinen Angriff. Die Wei-

der holten ihre Schtrme und Stocke rnt ter den langen Mänteln hervor und begannen damit den Kopf des Apothekers zu bearbeiten, der sich schließlich in die entfernteste Ecke des Raumes flüchtete. Die Weiber schlugen dann auf die Schaukästen und die Flaschen los, die aus den Regalen standen, bis schließlich Foncek. von seinem Clerk unterstützt, ganze Eimer voll eiskalten Wassers auf die Frauen ausgob. was die letzteren in Die Flucht trieb. Vier andere Apotheken in derselben Nachbarschaft. B. Löwenthal. L. L. Mrazek- Heim. Limerman und O. Shapiro' gehörend, wurden ebenfalls zum Theil von den fanatischen Weibern zerstört, die schließlich auseinander gingen, als einer, der angegriffenen Apotheker drohte, sie erschießen zu wollen. New Y o r k. 8. Februar. .Fünfhundert Christliche Scientisten wandten sich heute zum zweiten Mal an das Kommittee der Legislatur, das die Vell-Vorlaze in Händen hat. mit der Aufforderung, die Vorlage, die Hauptsächlich gegen die christlichen Heiljünger gerichtet ist, mit ungünstiger Empfehlung an das Unterhaus der Legislatur zurückzuberichten In dem Verhör sagte u. A. Dr. Van' Fleet .von. New York: Niemand glaubt heute mehr daran daß Christus wirklich die Wunder that, die ihm in der heiligen Schrift zugeschrieben werden: Sie sollten uns illustriren, was der Glaube zu vollbringen im Stande sei. wenn er stark genug ist." Die Bibelgeschichte von den sögenannten Wunderkuren." sagte er weiter. ist nur eine Serie von Parabeln." Christliche Scientisten. die behaupten, einen Mann, der an den Pocken leidet, mit Gebeten heilen zu können und sagen, daß Christus dasselbe gethan habe, sind Religionsschänder Frau Laura Lathrop. von New Fork, eine der bekanntesten christlichen Scientisten. antwortete darauf : Es geschehen heutzutage Wunder aller Art. wie Sie sich überzeugen können, wenn Sie nur um sich blicken. Ich weiß einen Fall, in dem ein Mann, der ganz kahlköpfig war. durch bloses Beten seinen ganzen Haarwuchs wiederbekam. Den christlichen Scientisten ist nichts unmöglich." Meuterei an Bord eines Petroleum-Schiffes. New Y o r k . 8. Febr. Das große, der Standard Oil Company gehörige Segelschiff Astral", das am Sonntag nach Shanghai abging, liegt immer noch vor Sandy Hook vor Anker. Die Mannsckaft bat aemeutert und die 26

Matrosen weigern sich zu arbeiten. Der Zollkutter Gresham" liegt jetzt in der Nähe der Astral" und ein Offizier hat sich mit neun Mann, nach mehrfachen vergeblichen Versuchen in Folge des hohen Seeganges, an Bord begeben. Die Mannschaft hat sich zu arbeiten geweigert, weil die Mehrzahl der in New York an Bord geschickten Leute gar keine Matrosen sind, die Arbeit nicht verstehen, und das Schiff dadurch im höchsten Grade gefährdet wird. Raubmord. C l e v e l a n d , O., 8. Fl'br. Frank Johnston, 60 Jahre alt. ein Bahnwärter dr Cleveland u. Pittsburg Eisenbahn, der eine Kreuzung zu bewachen hat, wurde am Donnerstag Morgen in seinem Thurme in sterbendem Zustand aufgefunden. In den wenigen lichten Augenblicken, die er hatte, sagte er, daö er am Mittwoch Abend seinen Lohn entgegengenommen habe, und am Donnerstag Morgen zu früher Stunde ein Mann in seinen Thurm aeklettert sei und ihn mit einem Kuppelbolzen angegriffen habe. Nach heftigem Kampf wurde Johnston der Schädel eingeschlagen und der Räuber entkam mit einem Theil des Geldes seines Opfers. Johnston starb auf dem Transport nach dem Hospital. Die Identität des Mörders ist nicht bekannt. ' . v

AllsdcrBttudcslilNlp!s5a)5 50 Jfoiigrf ß. luicilc Srflio;i. Repräsentantenhaus. Washington, 2). 6., 7. Febr. Der Post-Etat, der während der gan zen Woche in Berathung war. wurde am Donnerstag definitiv angenommen. Die Debatte drehte sich um drei Hauptpunkte: den pneumatischen Röhrenderkehr, die Bezahlung an die Eisenbahnen für die Beförderung von Postsachen und die besonderen Post-Facilitäten, es wurde aber nichts damit erzielt. Das Amendement. daß die Bezahlung an die Eisenbahnen reduzirt werden solle, wurde für außer Ordnung erklärt; das Amendement. daß der pneumatische Röhrendienst in New ?)ork. Boston und Vbiladelvbia fortaesekt werden sollte.

wurde aufgegeben, da der Kampf im Interesse des pneumatischen Röhrendienstes im Senat geführt werden soll; und der Antrag, daß die Verwilligungen für spezielle Post-Facilitäten aus der Vorlage gestrichen werden sollen, wurde verworfen. Senat. Der Senat hatte während des gan zen Tages und auch in der Abendsitzung die Schiffssubsidien-Vorlage in Erwägung. Die Reden wurden Hauptsächlich von den Gegnern der Vorlage gehalten. Während der Debatte erklärte auf Befragen der Senator Allison, der Vorsitzer des Verwilligungsausfchusses vom Senat, daß sich die Verwilligungen in dieser Session ungefähr auf Z760.000.000 belaufen würden, mit weiteren Verpflichtungen von $60.000,. 000 für spätere Senioncn. W i l l S e n. S u l l i v a n verhaf, ten lassen. Mae Luay Leeton. die junge Frau, welche den Senator Sullivan von Mississippi wegen Bruchs des Eheverspre chcns auf 550.000 verklagt hat. stellte heute im Gericht den Antrag auf VerHaftung des Senators wegen thätlichen Angriffs. Die Leeton behauptet, daß d: Senator sie am Samsta8Uhr Abend geohrfeigt habe. Da einBu,ndessenator nur' wegen Hochverraths. Verhrcchens oder Friedensbruchs verhaftet werden darf, hat der Distriktsanwalt den Fall jetzt unter Berathung. Ein Beamter ist mit der Aufgabe betraut worden, ob die Klage der Leeton ein Vergehen invol virt. auf Grund dessen ein Senator in Haft genommen werden kann. m m i FrauNation wieder freigesprochen. To pe ka, Kas.. 8. Februar. Der Fall gegen Frau Carrie Nation, die angeklagt war, die Senate" Wirthschaft zerstört zu haben, wurde am Morgen im Polizeigericht aufgerufen. Ungefähr 100 Anhänger der Frau Nation waren im Gerichtszimmer anwesend. Aus Antrag des Hilfs - Stadtanwalts, wurde die Klage gegen Frau Nation ab gewiesen und die im Gerichtszimmer anwesenden Frauen sangen dann : Nearer my God to Thee". Der Polizeirichter Magow verlangte, daß das Singen aufhöre, der Polizei chef weigerte sich aber sich einzumischen. Das Geschäft des Wirthshaus-Zer-störens scheint sich übrigens für Frau Nation seh? gut zu bezahlen, denn die Frau hat selbst erklärt, daß sie jetzt durch die Post durchschnittlich 5600 die Woche von Bewunderern für die gute Sache" zugeschickt erhält. Mit einem Faust schlag ge tödtet. Washington C. H.. Ohio. 8. Febr. Mack Smith hatte am Mittwoch in seiner Wohnung bei Rock Mills, in diesem County. Streit mit seinem Bru der William, dem er einen Fuustschlag

mit solcher Wucht versetzte, daß der Mann am Donnerstag an den Folgen starb. William war vor Kurzem vom Westen zurückgekehrt, um einige Gelds angelegenheiten zu ordnen, und die führte zu dem Streit. Wahrscheinlich Selbstmord! K e n t o n . O.. 8. Febr. Nellit Sutermeister, 12 Jahre alt, wurde am Donnerstag Abend in ihrer elterlichen Wohnung mit einer Schußwunde übe, dem Herzen todt aufgefunden. Dez Revolver lag neben ihr. Das Mädchen war am Nachmittag allein im HauS ge lassen worden. Es scheint sich um eine Selbstmord zu handeln. 3latiitga9c;:;:!)n. C a n t o n , O., 8. Febr. Theodore Rosenbluh, seine Frau und vier Kinder wurden am Montag mehr oder.weniger schwer in Folge einer Naturgas - Explosion verletzt, nach dem Aultman Hospital gebracht, wo die Frau später starb. Die anderen Mitglieder der Familie werden mit dem Leben davonkom men. Das Gas war einem kleinen Heiz ofen entströmt. Weitere Depeschen auf Seite 5.