Indiana Tribüne, Volume 24, Number 141, Indianapolis, Marion County, 7 February 1901 — Page 7
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Jndiana Tribüne, 7. Februar 1901.
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Ohne Frieden.
Roman von Sllcronbcr Römer.
(Forlsctzung.) Graf Hchenheiin blieb, und d'.e Trei saßen sich etwas beklommen gegenüber. Hohenheini. der Gewandtere. Ehielt ei) für gerathen, alle peinlichen Dinge nnerörtert zu lassen. Er redete in einem schonenden, vorsichtigen Ton. wie zu einem Kranken, das entfernt Liegende streifend.um nur das zunächst Siegende nicht zu berühren. Siegwart schwieg, sichtlich bewegt. Robert erzwäng eine unbefangene Haltung. Sein Auge blickte stolz und kühl. Er durchbrach, den Bann und lenkt: die geschrobene Unterhaltung selbst auf sein Ergehen. Ich weiß ja zu gut. was ihr über rnich denkt," sagte er lachend, aber mir geht es wirklich ganz gut. Ich t,alt nun einmcü den Muth gehabt, mir mein Glück abseits von der großen Heerstraße zu suchen. Aber freilich, Ihr könnt das nicht verstehen. Hier gilt es ja schon für ein Verbrechen und ist ein Zeichen tiefen Verfalls, wenn man es sich einfallen lassen wollte, einmal anderswo als bei Dressel oder Hiller zu steifen. Also Eure Kreise habe ich verlassen, aber ich sterbe nicht daran. Wieder entstand eine kurze, peinliche Pause, die Graf Hohenheiin durch eine Bemerkung über Vorübergehende unterbrach. Er führte die Eonversation noch eine Weile in leicktem Ton weiter, unter Vermeidung jeglichen Eingehens auf Roberts vorherige Rede, und sah dann nach der Uhr. Es war Zeit für ihn. aufzubrechen, da er noch in die Oper wollte. Robert sah ihm mit einem verächtlichen Lächeln nach, während Siegwart seine Hand ergriff und kräftig drückte. Thut der Patron doch wahrhaftig, als ob ein Flecken auf meiner Ehre hafte, weil ick, mir eine bescheidene Lebensftellung erwählt babe." stieß Robert zwischen den Zähnen hervor. Und Du.Siegwart. genire Dich nicht. Vielleicht ziemt sich's auch für d?n Herrn Landrath nicht, mit den: simplcn Agenten beim Schoppen zu fien." Laß Dich's nicht anfechten. Robert." entgegnete dieser weich. ..komm, wir bleiben diesen Abend zusammen, ich hoffe, Dich bindet nichts, und ich finde kein? Ruhe, bis ich Näheres über Dich und Dein Schicksal weiß. Mensch! rolle Streiche macht jeder einmal, aber der Deine, fürchte ich. war der tollsten einer. Hier ist es zu voll, laß uns ein anderes Plätzchen suchen, wo wir uns ungestört sprechen können.Der alte, warme Ton des ebemaligen Commilitonen that Robert wohl, mehr, als er sich's eingestehen wollte, wie er es sich auch nicht eingestand, daß ihn das Benehmen des anderen tief getroffen. Sie gingen miteinander die Linden ntlang, in ein einfacbes Lokal, wo Niemand sie kannte. Sie saßen da bis spät in die Nacht. Dem gutmüthigen Siegwart, der seine Bewegung kaum zu bemeistern vermochte, gelang es.Robert aufthauen zu machen. Er erfuhr nach und nach den ganzen Zusammenhang. Wiederholt wiegte und schüttelte er den Kopf. Du toller Mensch." sagte er. also ein so liebes, süßes Weibchen hast Du. und einen Sohn, einen prächtigenKnaden hm gewiß, das ist Glück. Was hat denn unsereins! Sieh, ich bin ja ein alter Knabe im Vergleich zu Dir Du warst jüngster Fuchs, als ich schon an's Examen denken mußte, ich zahle jetzt zweiunddreißig . und es ist wahr, in den Jahren, wo der göttliche Leichtsinn die Seelen beschwingt und das Herz ein rasch entzündeter Gluthofen ist. da gehören Heirathsgedanken zu den verbotenen Dingen, und man sucht sich zu trösten mit dem. was zu haben ist. Mein Iunggesellenheim ist ein üppiges Schinuckkästlein geworden, mein Hausdrache. Frau Köster. eine Pocken-narbig-Wittib von einigen fünfzig, hält alles blitzsauber und kocht perfekt. Ich gebe meine Diners und Soupers. .Herren- und Damengesellschaften, und entbehre in der Richtung rein gar nichts. Nur da? Herz, das ist öde geworden, ein abgestumpfter Muskel, ein verkümmertes Glied. Die jungen Danun sind sämmtlich ein Gegenstand meiner ausgesuchtesten Huldigungen, nur begehre ich keine mehr von ihr.5n. Hm ich begreife es wohl, wie ,-nnig es sein mag, hm hm solch ein geliebtes Wesen aber dennoch Mensch! Diese? Sprung, ccn ju da gemacht hast, so blind, so ohne Ukbcrlegung. Du mit Deinen Gaben es ist ein heilloses Stück. Wir Männer haben doch unsern SchwerPunkt in unserm öffentlichen Beruf, auch in der Lebensstellung, für die wir herangebildet wurden. Die Deü'e kann Dich auf die Dauer nicht befriedigen. Giebt es denn keine Möglichkeit. Dich noch in eine andere Bahn zu bringen?" Er stützte nachsinnend den Kopf in die Hand. Robert saß da und starrte vor sich hinaus, es war spät, das Lokal hatte sich nach und nach geleert, die Gasflamme beleuchtete sein finster gewordenes Gesicht. Meinst Du denn, daß ich das nicht versucht habe in diesen zweieinhalb Jahren?!" rief er. Ich habe mir nur eine Kette von Aufregungen und Ent jäuschunaen bereitet. . Ueberfüllima in
allen Fächern und ein Maun.' der seine Carriere verfehlt, überdies schon Frau und Kind hat die Mienen werden abweisend, sowie das erwähnt wird. Und darin hast Du recht, dieser in der Noth ergriffene Erwerbszweig ist ein erbärmlicher für einen Menschen mit meiner Vergangenheit. O, die Gesellschaft ist mit mir zufrieden.meine Persönlichkeit schützt mich in vielen Fällen vor schroffen Abweisungen und einem gelegentlichen Hinauswurf, wie er manchem meiner Collegen passirt: die Leute geniren sich vor dem Herrn aus gutem Hause mit den guten Manieren und zeichnen lieber widerwillig. So mehren sich meine Tanticmen. und mit dem bescheidenen Gehalt und den Reiscdiäten reicht's eben zum kargen Auskommen." Des genossenen Weines Geister machten ihn mittheilsamer, schlössen ihm das gepreßte Herz auf. Er fühlte des anderen herzliche Theilnahme und fuhr fort in knirschendem Ton: Kannst Du es ermessen, was ich mitunter empfinde, wenn ich diesen Protzen und Pfahlbürgern da auf die Stube rücken, ibnen nach dem Munde reden, mich in ihre Angelegenheiten mischen muß. um sie zu einer Versicherung zü pressen, an die sie vorher gar nicht gedacht hatten? Denk Dir's nach, was dabei für Situationen heraus-
kommen freilich mein Familien
glück kommt mich theuer zu sieben. Siegwari sah ihn beklommen an. Ein Gedanke an die arme junge Frau, welche Robert vorher so lieblich geschildert hatte, flog dem Weichherzigen durch den Kovf. ..Was hast Du denn versucht?" fragte er. Ich dachte an die Journaliftcncarriere. auch eine mühe- und leidvolle, ich weiß, aber anregend für den Geist, anständig. Ich habe da einige Zcitungsartikel geschrieben, die Aufsehen machten, auch eine Broschüre über das Socialistengesetz erschienen ist sie im Selbstverlag die Regierung hat Notiz von ihr genommen, man hat dem anonymen Verfasser nachgeforscht, aber als man erfuhr, ein verunglückter Jurist, ein Agent da hinten im Winkel mit Frau und Kind da zuckte man die Achseln. Von solch einem flügellahmen Menschen kann man nichts Großes mehr erwarten, vorbei! Hinter ihm steht noch eine breite Schaar zur Auswabl. Nein, mein guter Siegwart, es ist verspielt, ich lebe und sterbe im Winkel." Siegwart seufzte. Nun. nun. nur nicht verzagen. Du priesest mir vorhin Dein Glück, das liegt bei Dir in Deiner Familie; Du mußt Dich einstweilen daran halten, man weiß ja nh, was noch kommt." Robert erhob sich. Ja, gewiß.mein Glück na. es überkommt einen manchmal bei so besonderen Anlässen, wie unser Wiedersehen, und wenn man diese Atmosphäre der Weltstadt athmet und den Geist spürt, der hier webt. d:n harten, kalten, rücksichtslosen Geist. Aber es ist spät, und wir müssen scheiden für immer. Täuschen wir uns nicht. Siegwart, Du bist ein rührend guter Mensch, dessen 5zerzmus!e! noch nicht ganz abgestumpft ist. er zappelt noch zuweilen bis hart an die Grenze, wo ihm sein Strick gezogen ist. Das hast Tu mir heute Abend bewiesen.und ich danke Dir. Jede Wiederholung würde die Kluft die uns trennt, die häßliche Wirklichkeit grell beleuchten, warum sollen wir uns das ünerquickliche Schauspiel bereiten. Also leb wohl, mein Guter, möge der freundUchste Stern über Deiner Bahn kuchtm!" Und über der Deinen." gab Siegwart zurück, ich hoffe bestimmt, noch von Dir zu hören." Sie schieden, ihre Wege trennten sich weit. In RobertsSeele wühlte und gährte es, als er sein Quartier aufsuchte. Es war ein nobles Hotel, er war noch zu sehr Sklave der alten Gewohnheiten, er verzehrte seine reichlich bemessenen Diäten meist auf seinen Reisen. Hedi richtete sich zu Hause mit sehr wenigem ein. Hedi! Mochte ihr nie eine Ahnung aufsteigen, welch eine Fessel sie ihm war? Hätte er sie denn missen mögen, sie und das Kind? Gewiß ni6?t aber wie ein schwere? Druck lag es auf ihm, heute Abend und im Grunde immer, er scheute sich nu. seine GeniM? zuzerqliedern. Am nächsten Tage
konnte er mit seinen Geschäften fertig i
sein und Berlin verlassen, er seknte sitf danach. Aber der Zufall trieb noch einmal sein wunderliches Spiel Als Robert um die Mittagsstunde in der Königgrätzerstraße im Begriff war, eine Droschke zu nehmen er haßte die Pferdebahn , eilte ein Offizier, der eine Dame geleitete, ihm zuvor und beschlagnahmte rasch die einzige erster Güte, die auf dem' Platz vorhanden war. Die Dame in dem einfachen, aber sehr chic aussehenden Promenaden-
kostüm, einen mit echten Straußfedern ! reich garnirtcn Hut auf dem blonden ' Scheitel, verabschiedete sich von dem Officier. der ihr den Schlag öffnete, und blickte dann zu dem Herrn um. der , fast zu gleicher Zeit neben dem Gefährt ' stand, und erbleichte jählings. I Robert überrieselte es bis in die. Fußspitzen: Seine Schwester Gertrud! Sie stieß einen Ruf aus: Robert!" Was zitterte nicht in dem leisen Klang ihrer ersterbenden Stimme! Er stand eine halbe Secunde lang wie ein Marmorbild, keine Wimper zuckte, und sein Gesicht war finster wie die Nackt. Dann lüftete er böflick d.n
Vut und ging, oyne ein on, vorüber? Verwundert beobachtete der Officier die unerwartete Scene, und sein Auge ruhte fragend auf der bleichen jungen Frau, welche auf den Sitz im Wagen niedergesunken war und dem langsam Dahinschreitrnden nachstarrte.als habe sie ein Gespenst gesehen. Gnädige Frau!" Sie fuhr zusammen, ihre blutleeren Lippen öffneten sich, es kam aber kein Ton heraus. Sie kannten den Herrn? Gnädige Frau, soll ich Sie nach Hause geleiten. Sie sehen nicht wohl aus." Nein. nein, ich danke. Herr Oberst, es war ja. es war eine unerwartete Begegnung ein Verschollener aber vielleicht irrte ich mich auch, es gibt gewisse seltsame Ähnlichkeiten." Sie hatte ihre Fassung zurück erlangt, ein Lächeln schwebt? um ihren Mund, und die Farbe kehrt; in ihre Wangen zurück. Sie verbeugte sich verbindlich, der Schlag wurde geschlössen, das Gefährt rollte mit ihr davon. Sie aber lehnte sich, als sie allein und außer Sehweite ihres Begleiters war. in die Kissen zurück, und es schwamm vor ihren Augen. Robert, ihr Bruder! Er hatte schön und stattlich ausgesehen o. unter all dem Wirbel und Strudel, in dem ihr Leben verfloß, tauchte allmälig sein Bild in ihr auf. das Bild des einst sz heiß geliebten Bruders, und eine unbequeme Stimme flüsterte ihr zu: Du has: ihn damals fortgetrieben aus seinem Vaterhaus. Du warst eigensüchtig und lieblos. Du hast ihm nicht beigestanden. als er sich in Wirrsale verstrickte.
Du fördertest nur 2:nc eigenen Zwecke. Jetzt hatte sie ihn gesehen, ihn angerufen, und er war finster vorübergegangen. Sie schauerte zusammen welch eine Verachtung b'ite sein Blick ausgedrückt. Dann richtete sie sich auf. Sie war vor ihrer Wohnung angclangt in der Regentenstraße, ein sehr nobles Quartier. Sie arbeitete und rang unab lässig für ihre Lebensstellung, sie spornte den ungeliebten Gemahl, dessen alter Name ausgenutzt werden mußte, wenn seine Persönlichkeit nicht ausreichte, sie wob Masche um Masche, flocht Faden um Faden zu einem Gewebe, das stark genug werden sollte.um ihn in die Höhe zu tragen. Ihre Züge waren scharf geworden über dieser Arbeit. und mit Schrecken entdeckte sie schon kleine Fältchen an den Schläfen. Früh kam ihr die Reife, früh das Alter, und er, der Tolle, der sie hätte stützen sollen, verkaufte seine Zukunft für einen Liekesrausch. Wie verächtlich hatten sich schon damals ihre Lippen gekräuselt, wie weit lag schon vor zwei Jahren jedes Herzensbedürfniß hinter ibr. Ihr Glücksträum hatte eine andere Gestalt Ruhm. Erfolg, eine Stellung in der Welt. Sie stieg langsam die breiten, teppichbelegten Treppen zu ihrerWohnung hinan und ließ sic? von dem Diener das Mantelet von den Schulkern nebmen. Sie mußte die Gedanken, die sie peinigten, abschütteln, . des Bruders Bild wieder in die Vertiefung gleiten lassen, in der es nur noch seinen Platz haben konnte Robert hatte sich selbst ausgeschieden, er war todt für sie. In dem kleinen Vorgärtchen vor ihrer Wohnung saß Frau Hedwig. das Wägelchen, in dem ihr Knabe schlief, neben sich.und nähte eifrig. Das Haus, welches sich ein wohlhabend gewordener Tischlermeister aufgebaut hatte, lag nicht an der Hauptstraße, sondern am Ende des Städtchens, da, wo Wiesenund Weideland es umgrenzten. Auf seiner Rückseite floß der Fluß vorbei. Sein eintöniges Rauschen wiegte allabendlich Mutter und Kind in den Schlaf. Neben der jungen Frau faß Delius, Zn seiner Nankingjoppe, die er stets in Sommertagen trug, barhäuptig, die durch das Fliedergebüsch sich stehlenden Sonnenlichter spielten auf seinem rothgoldenen Haar. Er las aus einem eng beschriebenen Heft, heute keine Verse, sondern ein Drama, das erste unter den zahllosen Ansätzen und Entwürfen, dir seit Jahr und Tag in seinem sonderbaren Gt Hirn gespukt und rumort hatten, welches Gestalt und wirkliches Leben geWonnen. Ihr las er es vor. Akt für Akt. d:r einzigen, die ihn verstand und der er die scheue Seele aufschloß. Er war kein Reflektirender und kein Grübler, logische Erwägungen waren nicht seine Sache, er forschte nicht Ursache und Wirkung nach. Die Gebilde seines Gehirns stammten aus anderen Welten, und wenn er hier zum ersten Mal in packender Wahrheit Menschenschicksal gezeichnet, Menschenleid, Schuld und Sühne, so war das für ihn selbst Offenbarung. Er wußte nicht, woher es ihm gekommen, was ihm die Gestaltungskraft verliehen hatte, er wußte es nicht, daß sie feine Muse geworden war, die ihm den lebendigen Odem erst eingehaucht. Es war lauschig still um sie her. Das Kind schlief, nur die Vögel zwitscherten und sangen in ' den Zweigen über ihncn, und die Mücken summten und tanzten im Sonnenschein. Es war ein köstlicher Maientag feine Stimme klang wie Gesang. Sie lauschte gespannt.' Mitunter ruhten die fleißigen Hände, die Arbeit sank in den Schooß, und ihre Augen nicht r"" di? rnelonckuzlischeil. s&tnärjTrri
schen Augen des Mädchens ernste. aufmerkende, wachsame Augen einer gereiften Frau und Mutter.die des Lebens herbe Schwere erkannt, blickten sinnend vor sich hinaus. Sie beugte sich dann wohl über die Kissen und rückte an der Gardine) damit kein blendender Sonnenstrahl das Antlitz ihres holden Schläfers treffe und ihn vorzeitig wecke. Jetzt legte sie ihre Hand plötzlich auf den Arm des Lesers. Er fuhr zusammen; sie lächelte ihm zu und machte eine Bemerkung. Das. was er da eben las. gefiel ihr nicht, das war zu überschwenglich, da litt die Naturwahrheit, es fiel auch heraus aus dem Rahmen des Ganzen, das sich fo hübsch auf folidem. realistischem Fundament stützte. Sie sprach in einem herzlichen, vertraulichen Ton, aber als sei sie die Aeltere, Erfahrenere. Mütterliche. Sie war fchon geübt in der Kritik, und da er ihr das Recht dazu unumschränkt einräumte, und sie mit ihrer ganzen Seele bei der Sache war. so hatte sie sich auch gewöhnt, ihrem Urtheil zu vertrauen. Sie stand mehr auf dem Boden der Wirklichkeit als er. sie hatte in diesen dritthalb Jahren ihrer Ehe das Leben und seine Anforderungen kennen gelernt, sie fühlte sich leid- und welterfahren. Da ihr Robert oft abwesend sein mußte seine Geschäftsreisen waren ihm wahrlich kein Vergnügen , so blieb sie viel allein, und wäre nicht Delius gewesen, der brüderlicbe Freund, der Kindskopf, für den sie in hundert kleinen Dingej?' mit sorgen mußte, und der dafür die Poesie in ihr Leben trug, sie wäre vielleicht untergegangen in der Prosa. Robert war nicht im Stande gewe sen. ihr die Hände unter die Füße zu breiten", sie auf Sammetpolster zu betten und ihr jeden rauhen Hauch fernzuhalten. So wie die Verhältnisse sich gestaltet hatten, galt es zu sparen und sich auf das allerbescheidenste einzurichtcn. Frau Grete hatte ihr diese Nothwendigkeit damals auf das eindringlichste vorgestellt, und sie hatte es in jenen schweren Tagen, als manche Schleier von ihren Augen fielen, richtig verstanden. Wohl war sie noch mit einem großen Ballast von Illusionen in die Ehe getreten, von denen manche nach und nach unter Schmerzen erloschen, aber ein fester Ernst war in ihrer Seele erwacht, und sie ging tapfer ihren Weg. Sie hielt kein Dienstmädchen und besorgte den kleinen Haushalt vom ersten Tage an allein. Es war ihr erster Kampf mit Robert, der zu Anfang noch recht große Ansichten hatte und solche Einrichtung unwürdig fand. Später hatte er geschwiegen und seine Augen vielleicht unter fehr bitteren Empfindungen dem Anblick verfchlossen. wenn feine junge Frau auch anstrengende Hauskaltsverrichtungen bei gelegentlichen Wäschen und Reinigungstagen ohne Klage verrichtete. So viel es anging, räumte sie ihm derlei Eindrücke aus dem Wege und plackte sich doppelt, wenn er fern war. Sie fah ja jedesmal die finstere Falte zwischen seinen Brauen und den gequälten. knirschenden Ausdruck in seinem Gesicht, sie kannte und studirte instinktiv jede Regung seiner Seele. Auf die Dauer zu fehr zu ihrem Unglück. Zu Anfang o, da war noch Alles licht und leicht, das Glück war noch da. das Glück, das ihnen gegenseitig !2r Besitz gab. Auch ihn hob es über vieles hinweg. Dann kroch langsam, allmählich die Prosa der Alltäglichkeit eran; auch ihr wurde ja das neue Leden nicht leicht. Wenn Frau Grete nicht öfter hilfreich eingesprungen, nicht immer mit Rath und Thal und wirksamem Trostspruch ihr zur Seite gestanden wäre, so hätte sie es kaum durchgeführt, denn innerlich kam der nagende Wurm dazu: er ist nicht glücklich. Jetzt hatte sie ihr kleines Reich beherrschen gelernt, der lästige Ballast des anerzogenen Hschmuths war gründlich über Bord geworfen; seit das Kind da war. hatte das Leben einen neuen Inhalt gewonnen, einen neuen Werth. O, das Kind, der süße Knabe! Nun konnte nichts mehr kommen, was nicht zu tragen war; nun mußte auch Robert die eignen, bren nenden Wünsche drangeben und nur des 5lnaben Zukunft im Auge haben. Ihre Aufgabe war, gemeinsam zu arVeiten und zu sparen für den. So meinte sie damals, als auch er bewegt und weich an der Wiege des 5tindes stand, als er noch um ihr Leben und ihre Gesundheit bangte und ganz den alten, zärtlichen Ton in seiner Stimme hatte. Aber auch das dauerte nicht lange. Der kleine Robert zählte schon neun Monate, und des Vaters Stirn war wieder umdüstert. Er plante rastlos Neues, er strebte nach Unerreichbarem, er arbeitete ohne festes Ziel, er brach zusammen unter den sich stetig wiederholenden Enttäuschungen. Die Mannesnatur ist anders als die des Weides; sie fand sich in die Beschränkung, er nicht. Sie sorgte so viel als möglich dafür, daß er seine Gewohnheiten behielt, sie bereitete ihm gute, kräftige Kost, wenn er daheim war, und lebte selbst auf'S kärglichste, wenn er es nicht sah. Sie führte nach Frau Grete's Anweisung Buch über jeden verausgabten Groschen, und das kleine Kapital es waren nur sechstausend Mark , das ihr noch als Erbtheil ausgezahlt war, hatte Frau Grete. die ein svekulcläiveö
Wornen as Well as Men Are Made Miserable by Kidney Trouble.
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Kidr.ey trouble preys uppn the rnind. dis:ourages and lessens arntttion; beauty, vigor
ana cneerlulness soen dissnpear when the kidney.are out of order or d seased. Kidney trouble has beceme so prevalent that it is not uneommen fer a child to be born afflicted with weak kidneys. If the child urinates too often, if the
urine scalds the flesh or if, when the child reaches an age when it should be able to control the passage. it is yet afflicted with bed-vetting, depend upon it. the cause of the difficulty is kidney trouble, and the first step should be towards the treatment of fhese important organs. Th:s unplea:ant trouble is cue to a diseased conditien cf the kidneys and bladder and not to a habit as most pecple suppose. Wcmcn as well as men are made miserable with kidney and bladdsr trouble, and beth r.eed the same great remedy. The mild and the immediate effect of Swamp-Root is soen realized. It is sold
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Bome cf Swatup-Koot.
Genie besass mit Bewilligung Robert's in Staatspapieren ungemein Vortheilhaft angelegt, wo es reichliche Zinsen trug. Kürzlich hatte sie einen VortheilhaftenUmtausch damit Vornehmen tönnen, der das Kapitälchen beträchtlich vergrößerte, dos hatte selbst Robert ein Lächeln entloät, der sonst jede Rede über Geldgeschäfte haßte und sich, wohl mit Recht, gar kein Glück darin zutraute. Ihr brachten diese kleinen Dinge noch Freuden, und ihr war die Arbeit, ihr täglich anstrengendes Tagewerk lieb. Sie wäre glücklich gewesen, wenn nicht die Sorge um den Gatten ihr jede fröhliche Regung getrübt hätte. Heut Abend erwartete sie ihn von Berlin zurück, und ihr Auge wurde schon unruhig und ihr Sinn zerstreut, während Delius den letzten Akt seines Stückes las. O. über dieses zerspaltene Leben! Sie hatte sich in des Freundes Dichtung tief hineingedacht, in die Seele seiner handelnden Personen. Die Heldin da ging zu Grunde an einem großen Verrath, das heißt sie starb und war denn der Tod das Schlimmste? War denn Tod Unteroano?.. (Fortsetzung folgt.)
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