Indiana Tribüne, Volume 24, Number 141, Indianapolis, Marion County, 7 February 1901 — Page 1
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Jahrgang 24.
Scr Krieg in Süd-ilfrism.
Indianapolis, Ind., Donnerstag, den 7. Februar 1901.
No. 141
England will weitere 30,000 Mann Truppen, Lauter Buittene, nach Südafrika schicken.
Die Delagoa ZZai Eisenbakin,
53 Kilometer von Lourcnzo Mar. ques entfernt, von den Boeren zerstört.
Die Lage in China.
Ein geheimes kaiserliches Edikt.
Riesiges Pettoleum-Feucr in Baka.
Der Kr i e g in Südafrika. London, 7. Februar. Eine Defesche von General Kitchener, Pretoria, 5. Februar, datirt. lautet wie folgt : Smith Dorien hat Lake Charisse besetzt und treibt den Feind gegen Ainsterdam zurück. DeWet befindet sieh mit seinen Truppen noch nördlich von Thaba N'Cbu. Er hat heute Morgen bei PompeyZ Siding einen Transportzug theilweise zerstört." Bl o e m f o n t e i n, 5. Februar. Die Post" vom Dienstag enthält einen leidenschaftlichen Appell von Piet DeWet. Vorsitzer der Friedenskommission der Voeren. in dem er seinen Vruder auffordert, sich zu ergeben. Lourenzo M a r q u e z. 7. Febr. Die Eisenbahn ist von den Aoeren 33 Kilometer von hier entfernt zerstört worden. Die Führer des Afrikander-BundeZ rathen den Boeren. sich unter folgenden Bedingungen den Briten zu ergeben: Freie Rückkehr nach Hause nach Ablieferung der Waffen und Straflosigkeit der aufständischen Eap-Boeren. London,?. Febr. Folgende An kündigung ist vom Kriegsamt veröffentlicht worden: Angesichts der aggressiven Thätigkeit der Boeren hat die Regierung beschlössen, zu den in Afrika stehenden Truppen noch 30.000 berittene Truppen nach dem Kriegsschauplatze zu senden. Die Rekrutirung für die kaiserkiche Aeomanry, macht solch gute Fortschritte, daß binnen Kurzem 10.000 Mann zur Versendung bereit sein werden. Die südafrikanische berittene Gendarmerie wird einschließlich der in der Kapkolonie rekrutirten etwa 8000 Mann betragen und die neuen Kontingente von den Kolonien an Stelle zer zurückgezogenen werden ebenfalls 5000 Mann betragen. Der Rest der 30.000 Mann wird aus den Ka-allerie-und den berittenen Jnfante-:ie-Formationen in England genommm werden. Die Rekrutirung von Freiwilligen an Stelle Derer, welche ein Jahr in Südafrika gedient haben, wird mit zufriedenstellendem Resultat fortgesetzt. Für (Zquipirung und prompte Beförderung der Truppen sind umfassende Maßregeln getroffen. Kaiser Wilhelm auf der Heimreise. Vliessingen. 7. Feb. Die Yacht Hohenzollern". mit dem Kaiser Wilhelm und dem deutschen Kronprinzen an Bord, kam am Mittwoch hier
an. Der Kaiser wurde von dem Admiral Van Waning als Repräsentanten der holländischen Regierung bei der Landung empfangen. Der Kaiser reiste um 5.15 Abends mit seinem Spezial znz weiter. Arretirte .Verräther. Manila, 7. Febr. Theodorio Carranza, ein reicher spanischer HändUz wurde hier wegen Lieferung von Provisionen an die Insurgenten verhaftet. Carranza ist noch Geschäftstheilhaber von D. M. Carmen, einem amerikanischen Bürger, welcher große Transport-Kontrakte für dieRegierung ausführt. Andere Verhaftunzen werden voraussichtlich bald folgen. Carmen wurde später arretirt und auf der Polizeistation internirt. Die Anklage gegen du: beiden Verhafteten lautet, daß sie von dem Rebellen-Pr'äsi-denten in Pagsengan, im östlichsten Theile von Laguna de Ray Eopra. gekauft und auch Gelder für die Sache der Insurgenten beigesteuert hätten. Als Beweismaterial dienten große Bestände gestreiften Tuches, welche in dem Geschäfte der Verhafteten gefunden wurden. Aus diesem Tuche werden die Uniformen der Insurgenten hergestellt. Zerner sind beide Rebellen-Präsidenten, Ed$ mij.?rrarua und Cqrmen Ge-
scyasie gemacht yaben wollen, tn Makiila in Haft. Einer derselben. Fabella, fürchtet, erschossen zu werden, da er bereits den Treueid an die Vereinigten Staaten geleistet hatte. Er machte sehr grvirende Aussagen gegen Carmen und Carranza. Diese werden durch den Präsidenten Reyes. den Nachfolger von Fabella nach Arretirung des Letzteren, bestätigt. Nach den vorgefundenen Papieren und beide Rebellen - Präsidenten strafbare Insurgenten. Carranza und Carmcn geben zu. Handelsgeschäfte mit den Insurgenten gemacht zu haben, stellen aber entschieden in Al-rede. dieselben durch Geldmittel oder sonstwie unterstützt zu haben. Carmen ist einer der bestbekanntesten Amerikaner in Manila. Er hatte für den Transportdienst zwischen den eingelaufenen Schiffen und dem Zollamt ein Monopol und hat viel Geld verdient. Er genoß das volle Vertrauen des Generals Otis. Schlechtes Wetter. Cherbourg. 7. Februar. An der Nordküste Frankreichs ist es immer noch außerordentlich stürmisch und am Mittwoch sind in der Nähe hiesigen Hafens mehrere kleine Fahrzeuge gestrandet. In ganz Belgien ist der Eisenbahnwie auch der Tclegraphen-Verkehr in Folge ungewöhnlich starken Schneefalls allgemein unterbrochen. Zwischen Lü'ttich und Löwen steckten vier Züge im Schnee. Die Königin von Schwe den gefährlich er-. krankt. Stockholm. 7. Februar. Die Königin Sophie von Schweden muß schon seit einigen Tagen in Folge einer gefäbrlich:n Halsentzündung das Bett hüten. Die Kräfte der Königin nehmen allmählig ab. Der Kaiser will wieder kommen. London. 7. Februar. Der
Kaiser Wilhelm soll vor seiner Abreise dem König Edward das Versprechen gegeben haben, ihn im Herbst in Balmoral zu besuchen, wenn die Staatsgeschäfte dies erlauben sollten. Es wicd auch behauptet, daß im nächsten Herbst der Kaiser Wilhelm und der Zar in hiesig:? Stadt zusammentrefsen würden. Mehr als 3000 Kränze, im Werthe von 5100.000 sind zum Begräbniß der Königin nach Windsor geschickt worden. Der Zustand des Herzogs von Cornwall und York bessert sich so schnell, daß er wahrscheinlich am 9. Februar Osborne wird verlassen können. Verschwörung der Mace d o n i e r. Konstantin opel, 7. Februar. Die türkischen Behörden haben eine Proklamation in Neskub beschlagnahmt, die zu einer großen Nebellion in Macedonien aufforderte. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. St. Petersburger Bevölk e r u n g. St. P e t e r s b u r g. 7. Februar. Der soeben beendete Census giebt die Anzahl der hiesigen Bewohner auf 1, 439,000 an. Das ist eine Vermehrung von 400.000 seit der letzten Zählung. Krieg mit den Atchinesen. A m st e r d a m. 7. Feb. Nachrichten aus Batavia zufolge hat die gegen Sainalanga. auf der Insel Sumatra, abgeschickte Expedition das atchinesische Fort Batsrilit eingenommen. Der Verlust der Holländer belief sich auf sechs Todte und vierzig Verwundete. Die Atchinesen verloren siebzig Mann. Die Unterhandlungen in China. Peking. 7. Feb. Die Gesandten haben in einer dritten Versammlung definitiv beschlossen, auf der Vollstckung der Todesstrafe an den sämmtlichen zwölf chinesischen Beamten zu bestehen, deren Namen den chinesischen Bevollmächtigten bereits . unterbreitet worden sind. Darin sind auch Kang Yi und Yu Hsicn eingeschlossen, die bereits Selbstmord begangen haben, wegen des moralischen Einflusses, den dies auf die Chinesen hat. An den Lebenden müssen die Todesstrafen vollstreckt werden, ausgenommen in dem Falle des Prinzen Tuan
und des Herzogs Lan. welche der ctat ser in Verbannung nach Thibet umwandeln kann. Peking. 7. Feb. Die Hungersnoth ist in einzelnen Theilen von China eine ganz schreckliche, namentlich in den Provinzen Sze Chuen, Shen Si und ShanLi. Inder letzteren Provinz liegt die Stadt Sian Fu, wo sich jetzt der Hof aufhält, in einer von der Hungersnoth am schlimmsten heimgesuchten
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oegeno. ' ;jn san u oefinoen ncq zur Zeit 51)00 Beamte und 20,00p Soldaten, die all: Lebensmittel, im weiten Umkreis zusammengeschleppt haben und sie wie gierige Wölfe vor jedem Ansturm vertheidigen. Die. Regierung kann natürlich absolut nichts thun. Wenn die Schaaren der Ausgehungerten. zitternd vor Kälte, . sich nähern, werden sie von den Soldaten erbarmungslos zur Stadt hinausgepeitscht. Trotzdem kommen täglich neue Massen, weil aus den centralen Provinzen von Zeit zu Zeit ansehnliche Le bensmittelvorräthe nach Sian Fu gesandt werden doch nur für den Hof und seine Umgebung. Die Ursachen des gräßlichen Nothstandes sind darin zu suchen, daß seit drei Jahren die Ernten in den genannten Provinzen mißrathen sind. Schon in den letzten Wintern herrschte ungersnoth. doch erst jetzt, wo die Mächte weiter Schrecken und Unheil in das Reich der Mitte getragen haben, ist tl zu Menschenfresserei gekommen. Die blutleeren Gestalten stürzen sich auf Alles, was irgendwie nähren kann. Der, Hunger hat ihre Gesichter ge schwärzt. Meist tragen sie elende Lum pen auf dem Leibe. Oft setzt es erbit leite Kampfe zwischen Hungernden und Rudeln von Wölfen ab die siegende Partei fällt dann gierig über die unterlegene her. Und meistens siegen die Wölfe. Peking. 7. Februar. Die fremden Gesandten veröffentlichten am Mittwoch einen kaiserlichen Geheim.Erlaß, der ihnen von den chinesischen! Bevollmächtigten übermittelt worden war und worin um Gnade für Tunz Fu Siang. den Höchstkommandirenden der Armee, gebeten wird. Der Erlaß betont, daß die Bewohne: der unruhigen Provinzen Sbensi und Kansu ihm sehr ergeben seien und daß seine Hinrichtung zu Unruhen und Aufständen führen würde. Der Kaiser, beiß! es weiter, hatte selbst bei Bestrafung kaiserlicher Prinzen sich nicht von seinen Gefühlen für ihre Beschützung leiten lassen. Warum sollte er es also m diesem Fall: thun, wenn er keine schlimmen Folgen fürchtete. Sein: Armee wird auf 5000 Mann herabgesetzt, um sein: Macht zu brechen und seine Bestrafung zu erm'öglichen. welche in einem Erlasse bekannt gegeben werden soll. Nach Entziehung seines Ranges wird ihm außerdem noch eine schwere Freiheits- oder Ver-bannungs-Strafe zudiktirt werden. Riesiges Pctroleu m-F euer. Baku. TranZ-Kaukasien. 7. Febr. In den Magazinen der Caspian. ck Black Sea Company, die sechs Millionen Pud Petroleum enthielten, brach am Dienstag Feuer aus. das riesigen Schaden anrichtete. Die Flammen ergriffen nach kurzer Zeit auch andere Magazine, in denen sich 12.000.000 Pud Naphta befanden, das sich wie ein Strom glühender Lava über den von den Arbeitern bewohnten Theil de? Stadt ergoß. Das ganze Arbeiterquartier brannte nieder und eine große Anzahl Menschen kamen in den Flammen um. Zwanzig verbrannte Leichen sind bereits gefunden worden und mehr als fünfzig Personen 5nd schrecklich verbrannt. Vierhundert Familien haben ihre ganze Habe verloren. Die Magazine brennen noch und die anderen in der Nähe befindlichen Reservoirs sieben in größter Gefahr, ebenfalls in Brand zu gerathen. Acht Naphta-Quellen geriethen am 3. Februar in Brand. Aus dem deutschen Reich. Berlin. 7. Februar. Der Centralverband deutscher Fabrikanten hat mit allen Stimmen gegen eine eine Re solution. angenommen, in der erklärt wird, daß für lange Zeit abgeschlossene Handelsverträge für das wirthschaftli che Woblergehen Deutschlands unbedingt nöthig seien. Auch wird in der Resolution eine genügende Erhöhung der Getrei'oezölle zum Schutz der deut schen Landwirthschaft befürwortet. Die Versammlung erklärte sich auch zu Gunsten der Kcnalvorlage aber mit kleiner Majorität. Berlin,?. Februar. Zahlreiche jüdische Handelsrichter beabsichtigen, ihr Ehrenamt niederzulegen, weil der Justizminister von Schönstädt kürzlich öffentlich erklärte, daß Juden im staatlichen Justizdienst nur auSnahmsweise Verwendung finden könnten. Die unverantwortliche Bemerkung wirbelt viel Staub auf, und die un abhängige Presse ist sich einig darüber, daß ein solch parteiischer Justizminister kein passender Mann für das höchste Amt der Gerechtigkeitspflege sei. Die Berliner Neuesten Nachrichten sagen über das freundschaftliche Ver-. halten der englischen Presse und des englischen Volkes dem Kaiser gegenüber: Zu anderer Zeit würde. dieS vielleicht in Deutschland ein sympatht-
sche cho erwecken, solange aver ver gottlose und ungerechte Boerenkrieg im Gange ist. ist die öffentliche Meinung in Deutschland und England durch eine hohe Scheidewand getrennt. eineMauer. die England allein aus dem Wege schaffen kann. England sollte dem Krieg ein Ende machen und den Boeren annehmbare und ehrbare Bedingungen anbieten, wodurch es mehr Ruhm erwerben würde, als durch die Ausrottung des Feindes nach den Ideen LordKitcheners. Die Zeitung nimmt dann Bezug auf di Besitzergreifung der Blonde- und Eliot - Inseln im Gelben Meer seitens Rußlands und fügt hinzu: England muß jetzt gezwungenermaßen die Wahrheit des Anspruchs Gewalt geht vor Recht", den es bisher den Boeren gegenüber geltend gemacht hat an sich selbst erfahren. : Die konservative Tägliche Rundschau" veröffentlicht ein Schreiben, in dem der . Verfasser erklärt. Herr von Besenberg, der bisherige deutsche Konsul in Sansibar, sei nach einem kleinen Konsulat in Rußland versetzt worden, weil er dagegen protestirt habe, daß britische yffizicre Neger, die unter deutscher, Konsular-Jurisdiktion standen, für den Aschanti-Krieg in.Dienst gepreßt hatten. Die Kreuzzeitung" veröffentlicht ein Schreiben von ihrem Spezial-Kor-respondenten am Stäbe des Grafen von Waldersee. einem ehemaligen Offizier, in dem der letztere die verschiedenen internationalen Truppen beschreibt. Die Amerikaner." schreibt er, sind fast alle groß und schlank, und ihre .Uniform ist sehr einfach, aber geschmackvoll. Ihre Hauptfreude ist das handeln, und sie sind immer bereit. Alks zu verkaufen, von einem Sattel bis zu einem völlig gezäunten Pferd. Die Südländer haben den meisten militärischen Geist. Die amerikanischen Ossiziere werden von ihren europäischen Kameraden als gesellschaftlich unmöglich" bezeichnet. . Angesichts der vielen widersprechenden Nachrichten über das Befinden der Kaiserin Friedrich hat die britische Botschaft am Mittwoch, angekündigt, oaß keine Aenderung in dem. Zustand Vet hohen Patientin eingetreten sei. ' Aus Homburg wird berichtet, daß Lorbereitungen für einen längeren Aufenthalt des Kaisers im dortigen Schloß getroffen wurden. Die Hofkirche ist von Berlin nach Homburg transferirt worden. -3 in, interessanter Prozeß. M a d r i d. 7. Febr. Die jesuiten-
feindliche Stimmung, die bei der Aufführung des antiklerikalen Schauspiels Electra" zum Durchbruch gekommen ist erhöht das Interesse an einem Fall, der am Donnerstag im Ober - Staatsgericht zur Verhandlung kommt. Es handelt sich um das Gesuch einer reichen Dame, Senora Ubao, daß ihr ihre Tochter zurückgegeben werden solle, die von ihrem jesuitischen Beichtvater veranlaßt worden sein soll, während der Krankhnt ihrer Mutter ihr Heim zu verlassen und in ein Kloster einzutreten. Die Mutter erklärt, daß die JesuitenPatres dem Mädchen im Geheimen Briefe geschickt hätten, in denen sie es aufforderten, den Schleier zu nehmen. Sie behauptet, daß ihre Tochter ganz unter der Gewalt ihres Beichtvaters' stehe. , In einem Schreiben an ihren Verlobten, einen jungen und eifrigen Katholiken. schrieb die Tochter vor Kurzem: Mein Beichtvater versichert mich, oaß er meine Seele nicht retten kann, wenn ich mich mit Dir vereinige, trotz unserer gegenseitigen Liebe, und ich muß zu Gott gehen, der mich ruft." Die Mutter erklärt, daß das Gericht ihr die Tochter zurückgeben könne, da sie noch nicht den Schleier genommen habe. Die Beulenpest. Hull. England, 7. Februar. Sin Steward des britischen Dampfers Finary". der vor einiger Zeit, mit der Beulenpest an Bord, hier ankam, ist am Mittwoch der Seuche erlegen. Soweit sind jetzt sieben Mann von der Besatzung des Dampfers gestorben. Es sind jetzt keine weiteren Fälle mehr unter Beobachtung. S t o ck h o l m , 7. Febr. Als Vorsichtsmaßregel gegen die Einschleppung der Beulenpest haben di: Behörden eine Prämie von 10 Oere (ungefähr 2z
Cents) für jede getodtete Ratte ausgesetzt. Ministerkrisis ln JtaNen. R o m, 7. Febr. Die Regierung erlitt am Mittwoch in der Deputirtenkammer eine Niederlage, als die Debatte über die Auflösung der ArbeiterBörse in Genua zum Abschluß kam. Die Kammer gab ein Mißtrauensvotum von 313 gegen 102 gegen die Regieruna ab. Es ist wahrscheinlich, daß dgtz Ministerium resigniren wird..
We Amllosse üöer die Ui iifflie ll'ö. In die Hände eines Syn dikats von Bankiers gelangt
An dessen Spitze I. P. Morgau & Co. stehen. m 6s handelt fldj dabei um ljun dertc von Millionen.
Der Teniperenz-Unfng in KausaS.
Henry Joutscu
Im Zuchthaus zu Frankfurt, Ky., eingeliefert. . Er ist der erste der Berurtheilten, de die ZuchthauSmaueru aufnehmen.
Eine riefiae Transaktion.
I New York. 7. Februar. Die Mail & Erpreß" sagt: Die Kontrolle über die Carnegie Steel Company. limited. ist in den Besitz eines Syndikats von Bankiers übergcgangen. an dessen Spitze I. P. Morgan & , Co. stehen, inoem das Syndikat die ' Aktien und Bonds des Herrn Andrew Carnegie angekauft hat. Herr .arnegie wird sich wahrscheinlich in's Privatleben zurückziehen. . Die Bedmgungen, unter welchen die Transaktion . abgeschlossen wurde, sind nicht bekannt, daß die Uebertragung aber thatsächlich
stattgefunden bat.' ist am Mittag haldoffiziell angekündigt worden. Das Aktienkapital der Carnegie Company beträgt 160.000.000 und es
stehen Bonds im gleichen Betrage aus. ! Es galt allgemein als ausgemacht, daß l r. fr . . 4 v,.. ,A,i ftsft;.
JjClt ViUllicU O-t piuciii und auch der Bonds besaß." Der Temperenz - Kreuzzug im Westen. K a n s a Z City, Mo., 7. Februar.
. Ueberall in hiesiger Stadt sind große
Plakate angeschlagen, auf denen angekündigt wird, daß Frau Carrie Nation sich mit ihrer Bande von Wirthschaften zerstörenden Kriegerinnen" auf dem Wege nach Chicago befinde und am Freitag, den 8. Februar, Abends, in der
Mustk-Akademie eine Rede hatten würde. Was Frau Nation in Kansas City und Chicago zu thun gedenkt, abgesehen von den Reden, die sie halten will, ist nicht klar, sie hat aber früher einmal erklärt, daß sie Wirthschaften zerstören werde, wo immer sie dieselben antreffe. Der Polizeichef Hayes hat erklärt, daß er Frau Nation prompt verhaften lassen würde, wenn sie versuchen sollte, ihre Kansas'er Methoden hier in Anwendung zu bringen. Auf der anderen Seite hat der hiesige Pro- ! hibitions-Klub beschlossen. Frau Nation alle mögliche Hilfe zutheil werden zu lassen, wenn sie hier gegen dieWirthe losgehen wolle. ' T o p e k a . Kas.. 7. Febr. Die Wirthschaften waren am Mittwoch allgemein in Topeka geschlossen und nur bei einigen wenigen waren die Seitenthüren offen. Auch haben die meisten Wirthe den städtischen und CountybeHorden versprochen, ihre Vorräthe an Spiritussen nach auswärts zu verkaufen. Der Sheriff Cook ging am Dienstag Abend von Platz zu Platz und warnte die Wirthe, daß sie ihre Lokale schließen und auch fernerhin geschlossen halten müßten, und Alle gaben ihm das Versprechen, keine Spirituosen mehr verkaufen zu wollen.
Poplar Bluff. Mo.. 7. Febr. ! In Dalton. Ark., einem kleinen Ort in Arkansas, gerade jenseits der Grenze, zerstörten am Mittwoch fünf Mitgkieder der W. C. T. U. zwei Wirthschaften. Alle Flaschen, die Spiritussen enthielten, wurden zerschlagen, der Inhalt de? Fässer wurde cuf die Straße geschüttet und di: Einrichtung', wur-
den zerstört. W i ch i t a , Kas.. 7. Febr. Mehrere Frauen kauften während des Tages Beile in hiesigenLäden und man glaubt, daß am Donnerstag Morgen wieder ein Versuch gemacht werden wird, Wirthschaften zu zerstören. Dreißig Wach ter, die zu Hilfssheriffs ernannt worden sind, bewachen während der Nacht die Wirthschaften. Concordia, Kas.. 7. Februar. Hiesige Stadt ist wieder einmal trocken". Die sechs Wirthe, die monatlich eine Strafe" von je 5100 in denStadtschätz bezahlt hatten, haben sich heute geweigert, zu bezahlen, und ihre Wirthschaften geschlossen. Brutale Räuber. Chicago. Jlls., 7. Febr. Nicho(ai MiSaelö. ein alter Wirth, iwd sei
ne Frau wurden am 'I'iitiwoch Morgen
zu sruyer Stunde in Michaels Wirthfchaft von drei maskirten Männern
überfallen, in der brutalsten Weise miß-
handelt und um $300 in Vaar und $2X) in Checks und Noten beraubt. Der Frau wurden auch die Ninae vom
Finger gerissen, wobei ihre Hand er-
dcbltf verletzt wurde. Die Rauber
sperrten das alte Paar schließlich in
inen üi5 ajrani und entkamen, öln
Kostgänger befreite das Paar schließ-
lich aus seinem kalten Gefanznlß. Leide sind ernstlich verletzt. Toledo, O., 7. Febr. Einbrecher banden und knebelten am Mittwoch Morgen um drei Uhr die Postmeisterin von Roßford, einer Vorstadt von Toledo. und stählen Briefmarken im Werth von $150 und $5 in Baar. Später stellte es sich heraus, daß die Räuber die Postmeisterin in grausamer Weise gemartert hatten. Es wurde zuerst ein Versuch gemacht, die Kunde hiervon zu unterdrücken. Die Postmeisterin hatte sich zuerst geweigert, zu sagen. wo sie das Geld und die Briefmarken aufbewahrt habe, und die Folge war. daß sie in brutaler Weise in di: Seite getreten, mit einem Prügel über den Kopf geschlagen wurde und ihr brennendeStreichhölzer unter die Fußsohlen gehalten wurden. Am Mittag wurde die Frau vor Schmerzen besinnungslos und man glaubt jetzt, daß sie nicht mit dem Leben davonkommen wird. Einhaltsbefehl gegen den Cereal-Trust. A k r o n , O.. 7. Febr. Ein perma nenter Einhaltsbefehl gegen eine Kom bination der Cereal-Kompagnien ist am Mittwoch hier erlassen worden. Vor zwei Jahren hatte die American Cereal Company versucht, ihr Alticnkapital von $3,500.000 aus $36.000. 000 zu erhöhen. Es war damals dii Absicht, eine Kombination zu bilden. die 95 Prozent aller Mühlen des Lan des einschließen sollte. Frau Nellie L. Hower. eine Aktionärin. erwirkte dann aber einen temporären Einhaltsbefehl .aujden'lörund hin, daß es sich hierbei um einen Plan handlo. izie kleinen, tionare auszufrierett".' und auch weil
7-die beabsichtige Kombination eine 2er
lctzung des Ohroer Anti-Trust-GesetzeA sein würde. Der Einhaltsbefehl wur de heute permanent gemacht. Cigarren -Fabrikation ira größten Maßstab. B i n g h a m p k e tt . N. I.. 7. Febr Heute wurde mit den Vorarbeiten lUV Etablirung der größten Cigarrensabrij der Welt begonnen. Dieselbe wird vo der American Cigar Company of NeNi York. Aktienkapital zwei Millionen Dollars, einem Zweig des Tabak Trusts, betrieben werden. Die 23 Fabriken, die jetzt unter de, Kontrolle des Trusts stehen, sind nichi im Stande, die einlaufenden Order! auszuführen, und eine weitere großt Fabrikanlage, durch die vielleicht du anderen Fabriken konsolidirt werder könnten, wurde deshalb geplant. Hie sigen Kapitalisten gelang es. den Truf für Vinahampton'zu interessiren. m nach einem Besuch seitens der Beamte? des Trusts beschloß der letztere, hie, Eigenthum für den Zweck zu erwerben Im Ganzen wurden fünf große Fa brikgebäude gepachtet und mit der Auf stellung der Maschinerie heute begon nen. Ende des Monats soll bereit! mit der Fabrikation von Cigarren be gönnen werden. Zunächst werde 3000, später 5000 Arbeiter Anstellung finden. . Das wird Binghampton zm größten Fabrikstadt für Ciaarrcn ii der Welt machen. Der Trust hat eirg Schule eingerichtet, worin Neulingai die Kunst des CigarrenmacheuS beigt, bracht wird; Vorleute müssen ein Ertra-Kursus durchmachen. Aus dem Gefängniß en flohen. H u n t i n g t o n, W. Va.. 7. Feh Sieben Gefangene sind in der Nss zum Mittwoch aus dem Sesänen von Cabell County ausgebrocheu, d unter befinden sich Pearl Newman, dq Mörder des Philadelphiaer Scheid spielers Wm. I. McCaully. und Be Higginbotham. ein Mitschuldign der Ermordung des Mayors MlU Dupriest von Culloden. Im Zuchthause. F r a n k f o r t, Kq.. 7. Feb. Hy y)outsev. welcher am Dienitaa zu
benslänglicher Zuchthausstrafe verur, theilt worden war. traf am Mittwots im hiesigen Staatszuchthause t!tt Seine Frau begleitete ihn bis zuvl Thore des Zuchthauses. Später bei suchte sie ihn und wurde beinahe ohn mächtig, als sie ihn in der Gefängniß. Kleidung sah. Dem Superintendenter gegenüber äußerte Foutsey: Ich sollt, nicht hier sein, so lange ich aber hiei bin. will ich ein guter Gefangene feb." Weitere Depesche aus Seite 5.
