Indiana Tribüne, Volume 24, Number 139, Indianapolis, Marion County, 5 February 1901 — Page 7
Judlana Tribüne, 51 Februar 19 OK
Ohne Frieden.
Roman von Alcrznder Römer.
(Fortsetzung.) " Nach dem Abendbrot das Wetter war unfreundlich geworden und sie blieben im Zimmer lenkte sie sehr geschickt und unbefangen das Gespräch auf Hedwig Rüdiger. Sie sprach sich theilnehmend und freundlich für das junge Mädchen aus. die ja sicher bei diesen, ihren einzigen Verwandten, nicht am richtigen Platze sei. Aber da sie für den Augenblick keine andre Zuflucht habe, so müsse sie da aushalten. Es wird ihr sehr schwer," fügte si: hinzu, weil sie durch eine zärtlich; Mutter und bequeme Verhältnisse derwöhnt ist. und solche Mädchen sind vielen Gefahren ausgesetzt. Frau Fi scher müßte das arme Kind ja ganz anders behandeln und hüten. So ist die Gefahr doppelt groß, daß sie in ihrem Gemüthszustande aus jede Thorheit hineinfällt vielleicht auf eine, die ihr Lebensglück auf immer vernichtet." Robert war unruhig geworden und aufgestanden. Er verstand die Frau, die Rede war ja auch deutlich genug.
dabei fühlte er in seinem Herzen, das; sie es gut meinte. Aber doch rebellirte alles in ihm dagegen. Ja. was nennen Sie Thorheit." sagte er spöttisch; die Begriffe von dergleichen sind oft sehr verschieden. Nach Ihrer Ansicht soll sie sich da in das Jammerlebcn schicken und ihr Glück darin finden, oder wie Sie früher einmal andeuteten, versuchen. Arbeiterin zu werden, aus ihrem Stande heraustreten, um Hungerlohn sich zu quälen, bis Jugend und Schönheit verwelkt sind. Das wäre dann ein ungemein vernünftiges Handeln und keine Thohrbeit, aber ich fürchte, daß sie dazu eine Kraft brauchen würde, die sie nicht besitzt und und " er redete sich in immer größere Erregung hinein wie jemand, der es gut mit ihr meint, so etwas für dies zarte, vornehme Wesen in Aussicht nehmen kann " Er brach ab; seine Empfindungen und allerlei Erwägungen, die ihm sagten, daß er sich verrieth, schnürten ihm die Kehle zusammen. Auch Franz Brömel blickte jetzt verwundert auf. und seine Frau gab ihm einen raschen Wink. Wi beiden. Elsbeih ued ich. haben das Schicksal dieser Waise, die in unsern kleinen Kreis gerieth und unser Herz beim ersten Sehen gewann, viel bin und her erwoaen." erwiderte Frau Grete ruhig und warm. .Ich kenne Frau Fischer, und ich würve Fräulein Herwig zum Ausharren in ihrem Hause nicht gerathen haben, wenn ich irgend einen andern Ausweg für sie gesehen hätte. Sie ist zu hübsch, zu unerfahren und haltlos, um sich auf eigene Füße stellen zu können, sie müßte dazu erst viel Anerzogenes über Bord werfen, viel Neues lernen. Elsbeth steht lange schon allein in der Welt, sie ist eine andre. Wir sind nüchtern erzogen und hart, unsre Au gen haben früh schon Elend, Unglück, auch die Sünde und Unreinheit gesehen das System unserer Eltern war, uns sehend in die Welt zu entlassen,
aber mit festen Grundsätzen ausgerüstet und ohne diesen Ballast des Hochmuths der Töchter aus guter Familie. Elsbeth so hoffte ich sollte spä. ter dieser Waise eine Stütze werden und ihr zur Selstständigkeit helfen." Na. und nun will Fräulein Rudiger sich noch immer nicht, zu dem Gedanken aufschwingen, Putzmacherin gu werden," sagte Robert schneidend unb drehte sich xlcnlich um. Nein, ich fürchte, solche Gedanken finden jetzt weniger denn je Platz in ihrem Kopf." entgegnete sie traurig, ohne eine Empfindlichkeit über seine spöttischen Reden zu verrathen. Robert machte seinen Diener und bot gute Nacht, er wünschte dies Ge. sprach nicht fortzusetzen. Was bedeutet das, Grete?" fragte Franz. ibm nachstarrend. Frau Grete hatte sich erhoben und kramte ihr Nähzeug zusammen. Sie seufzte. Das bedeutet, daß es gekommen ist. wie ich fürchtete, und meine
schwachen Versuche, es zu hindern, haben nichts genützt." sagte sie dumpf. Die arme, kleine Hedwig!" 5!anu. Grete. woher weißt du denn etwas?" Freilich, du bist so klug, daß du durch ein Vrett siehst." Ich sehe mit meinen offenen Augen, mein guter Franz und dies wird ein Trauerspiel." Oben saß Robert an s:inem Fenster und starrte in die dunkle Nacht hinaus. Ihm war schlecht zu Muth. Die einfache Frau hatte ihm das Gewissen gerührt. Er nagte an seiner Unterlippe und grübelte unablässig. Sie hatte recht, was sollte werden? Wenn sein Alter ahnte, was hier vorging, er führe aus der Haut, und er war ja noch für lange Jahre abhängig von seinem Alten. Die Verhältnisse lagen klar genug, er konnte sich keinen Moment darüber iain.'::;. "i.d das arme, süße Silr.b iin Schmerz faßte ihn tv&, lei m 'S' duselt an sie. Was leer 057": .u reichen? Entsagen? ten.c; y-.'y. .Zugend das Wort. '!?f:ic n - morgen gleich saWir rraien unsinnig icfr'wCI
icn oars oiH mcni an meine iinncne Zukunft ketten, dich nicht binden auf so lange Jahre hinaus, dich in Heimlichkeit verstricken und deinen Ruf gefährden. Was für ein Gesicht würde sie dazu machen, und wie verzweifelt würde sie sein! Und wenn er es nicht that und die Dinge so weiter gehen ließ, auch er schleppte eine Kette am Fuß, er, der die äußerste Freiheit brauchte, um vorwärts zu - kommen. Schauderhafte .Lage. Und mit beklemmender Angst sah er die lange Perspektive dieser Wartejahre vor sich. Würde er ewig unwandelbar empfinden wie heut' ? Auch wenn er diesen Winkel, diesen engen Kreis, in dem er sie gefunden und in dem sie wie eine Wunderblume unter all' dem Prosaischen und Gewöhnlichen hervorleuchtete, wieder verließ? Er suchte spät sein Lager, und der Scnlaf, den er bisher auch in den erregtesten Stimmungen immer noch gefunden, wollte nicht kommen. Am andern Tage wanderte er gen Oebsfelde. noch ringend mit ungeklärten Entschlüssen. Reden wollte er mit Hedwig. reden ja auf seiner Brust lag ein Alp. Hedi begegnete ihm schon im Walde. Sie sah strahlend glücklich aus. das arme Kind. Er fand nicht den Muth.
zu sagen, was sein Gewissen ihm vorschrieb, er war nur etwas ernster als gewöhnlich und führte sie zu ihrerLieb-
linasbank. Sie plauderte unbefangen und war so hoffnungsreich. Er preßte sie an sich, er küßte ihr Augen und Haar . . . Eine höhniscbe Lache gellte in ihre Ohren, sie fuhren entsetzt auseinander. Da stand die Tante Fischer; ihre kleinen Augen funkelten grünlich, ihre Nase war spitz wie eine Nadel. Ein nettes Früchtchen!" rief sie. ob ich's mir nicht gedacht habe. Ja. diese Madonnengesichter mit den Taubenaugen und züchtigen Mienen, die haben es faustdick hinter den Ohren. Schämst du dich nicht. Hedwig nein, so etwas zu erleben an einem Mädchen aus guter Familie wirft sich dein ersten besten jungen Herrn in die Arme . . ." Die beiden waren so erstarrt uro entsetzt, daß diese Schmähworte. die gleich wuchtigen Hieben niederfielen, sie ganz wehrlos trafen; sie vermochten im ersten Schreck kaum ein Glied zu rühren. Jetzt endlich schwoll die Zornader auf Roberts Stirn mächtig auf; er trat auf die schreckliche Frau zu und donnerte ihr ein: Wie wogen Sie es. meine Braut zu beschimpfen!" entgegen. Er gewahrte nun auch, daß eine der Mägde mit einem Korbe am Arm hinter ihrer Herrin stand und kichernd und grinsend der Scene beiwohnte. Rothe Funken stoben vor seinen Augen, wie ein Blitzstrahl schlug ihm d'e grelle Erkenntniß auf. wie sehr Hedwig compromittirt war. ..Ihre Braut?" höhnte Frau Fischer und sah ibn mit einem unbeschrcibli chcn Blick an. mein Herr Studcni. was wollen Sie damit sagen? Wollen Sie das Mädel da mit auf die Ut vcrsität nehmen, oder was wollen Sie? Sie Herr Habenichts und Jstnichts. der feine Carriere verpfuscht hat und hierher geschickt wurvc, um zahm zu werden, dafür aber eine Liebschaft an, fängt und Skandal in ehrbare Häuser trägt." Tante! ich flehe dich an..." Hedwig schrie auf in wilder Verzweiflung, als der Geliebte angegriffen wurde. Alles Blut war aus ihrem Gesicht gewichen, sie wankte und hielt sich an dem Baumstamm. Ueber Robert war eine starre, eisige Ruhe gekommen, er faßte Hedwigs Hand und stützte sie. Als die Tante wuthschnaubend dazwischen treten und die Nichte zu sich hinüberreißen wollte, wehrte er ihr energisch. Einer Megäre überantworte ich meine Braut nicht." sagte er heiser. Sie haben Ihre Rechte an das Mädchen durch diese unerhörten Beleidigungen verscherzt. Hedwig kehrt in Ihr Haus nicht mehr zurück." Hedwig sah angstvoll ungläubig zu ihm empor, sie war keines Wories mächtig.
Frau Fischer rief schrill: Um so besser, so eine kann ich in meinem anständigen Hause auch nicht brauchen, aber mein Mann wird noch mit Ihnen
reden, verlassen Sie sich darauf." Robert war zu Sinn wie einem über dessen Kopf die Wellen zusam
I menschlagen, er hörte gar nicht meh. , ' was die Frau sagte. Hedwig hirg j schwer an seinem Arm, ihre Füße tra- ! gen sie Zaum, sie sah vor sich nur eir :n Abgrund.
Roberts Brust arbeitete, aber er sprach nicht, schweigend gingen sie i orwärts, mechanisch der Stadt zu. Als sie in das Brömel'sche Haus traten, schob Robert seine Braut denn als solche mußte er sie jetzt vor der Welt anerkennen, voran und flüsterte ihr zu: Tritt hier ein. in das Zimmer rechts, es wird niemand di innen sein, und warte, ich muß mit Frau Brömel sprechen." Hedwig that, wie ihr geheißen, sie trat in das beste Zimmer, welches sür gewöhnlich nicht benutzt wurde, die Borhange waren herabgelassen, sie sank auf das Sofa, und ihr war, als müsse die Erde sie verschlingen, als könne sie nie wieder einem Menschen frei in's Gesicht blicken. Robert trat in das Wohnzimmer, gottlob! da saß Frau Grete. und alleis. Ein schrecklicher Verdacht war
unierwegs m iym ausqeltteg?n: Collie diese Frau, die ihm da gejiern eine verblümte Strafpredigt gehalten hatte, sie an die Megäre verrathen haben? Er fizirte die Erstaunte finster und durchdringend. Frau Grete hatte Herzkwpfen, seit sie die beiden da eben du?ch die Gartenpforte eintreten gesehen. Er sah so verstört und entstellt c.us. daß sie sofort begriff, es sei etwas Verhängnißvolles vorgefallen. Aber sie begegnete offen mit banger Frage seinem forschenden Blick. Frau Brömel Laven Sie uns an Frau Fischer verrathen?" Er stieß die Anklage unvermittelt hervor, sie wich einen Schritt zurück. Ich? Sie kennen mich nicht, Herr Preuß, sonst thäten Sie solche Frage nicht." Er stöhnte laut auf, legte seinen Hut ungestüm auf den Tisch und warf sich in einen Stuhl. Er glaubte ihr, ihr Schreck war ?.u ehrlich, sie war schuldlos. Stammelnd, in heiserer, verstörter Rede, berichtete er das Geschehene. Helfen Sie uns," sagte er slehend. sie ist compromittirt. die Frau griff sie in Gegenwart der Dienstmagd an, sie kann nicht zu der Schrecklichen zurück.' wohin fyll sie? Geben Sie ihr einstweilen ein Asyl." Frau Grete war bleich und wortlos. Eine peinliche Pause entstand, eine Todtenstille, in der man eine Nadel hätte fallen hören mögen. Ich weiß auch keinen andern Ausweg. ich nuß die junge Dame aufnehmen." soate sie langsam, aber dann
müyen Sie unser Haus verlassen zusammen das werden Sie einsehen ..." Er schlug die Hände vor das Gesicht. Es ist so über mich gekommen." sagtk er verzweifelt; was soll werden'" Wieder schwieg sie. Dann meinte sie nach einer Weile: Lassen Sie uns mit Franz berathen, ich kann nichts vhne seine Zustimmung thun. Das beste wäre. Fräulein Hedwig ginge fort, es fände sich vielleicht eine Stelle für sie. wenn sie sehr bescheidene Ansprüche macht; damit würde das Gerede am raschesten erstickt hier in unserm kleinen Winkel ist es ohnehin nicht von Belang." Er nahm die Hände vom Gesicht. Eine Stelle, Frau Grete, wo? und als was? Als Bonne, Kindsmagd nein, nein! Fordern Sie nicht das ich liebe sie ja, sie soll ja mein Weib werden, bedenken Sie doch . . ." (Zr war so fassungslos, daß es sie jammerte. Sie trat zu ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter. Lassen Sie uns ruhig werden und besinnen. Wenn Sie so denken und sest die Treue halten wollen, da wollen wir überlegen. Sollten die Ihren Sie haben noch eine Schwester, ine Tante im Vaterhause Ihre Braut, nicht bei sich aufnehmen? 12 3 wahrt lange, bis Sie eine Familie gründen können " Robert war aufgesprungen und maß das Zimmer nun mit raschen Schritten. Sagen Sie mir rridjt das," rief er stöhnend, ich weiß eö. weiß es nur zu gut. Franz sprach neulich von der Agentur, nannte sie eine Brotstelle
in vieler '.'cothtage mein Gott ! was bleibt mir schließlich übrig." Frau Grete schüttelte den Kopf. Nichts übereilen," murmelte sie, Sie sind nicht der Mensch, der sich in einer bescheidenen Lebensstellung glücklich fühlt. Leuchtet Ihnen mein Vorschlag nicht besser ein glauben Sie nicht an den guten Willen zum Helfen bei den Ihren? Können Sie sich nicht sn das Gemüth Ihrer Schwester wenden? Nur erst Zeit gewinnen, später ordnen sich dann die Dinge." Robert warf die Arme in die Luft. Ja, das Gemüth meine? Schwester Trude ja. meine Trude von ehemals noch vor einem Jahr. Frau Grete, hätte ich auf meiner Schwester Bereitwilligkeit, wenn auch unter Opfern ihrerseits, zu meinem Glück zu helfen, geschworen seitdem machte ich meine Erfahrungen. Wir stammen aus wohlhabendem, wenn nicht reichem Hause, und brauchten viel zum Leben. Dabei geht alles d'rauf, Geld. Herz
und Gemüth." Sie senkte traurig den Kopf und wandte sich zur Thür, durch die ihr Mann eben eintrat. Sie unterrichtete ihn rasch mit halblauten Worten von der Laze der Dinge. Sein gutmüthig:s Gesicht wurde lang. Na, Robert, das war nun nicht gerade nöthig," meinte er kopfschüttelnd. da weiß ich auch schwer Rath. Die Fischers werden es uns nicht Dank wissen, wenn wir die ihnen weggelaufene Nichte Herbergen, und Grete hat recht, dann müßtest du fort." Wohin?" frante Robert dumvf.
Brömel trommelte ärgerlich mit den
Fingern aus dem Tisch. Hm. ehrlich meinst du es doch sonst sonst hättest du sie wohl nicht hierher ae-
bracht was zum Henker dann
sei'cin Mann von Entschluß, häng den Ehrgeiz an den Haken und heirathe dein Mädchen. Die Agentur will ich dir verschaffen, ich weiß es bestimmt. Haverland giebt sie ab, und einen an
dern yaoen sie noch nicht. Bescheiden , leben könnt ihr von der Einnahme." j Frau Grete murmelte Unverständliches.
Entdecken Sie sich Ihrem Vater." rieth sie; ehe er den Sohn seine Carriere hinwerfen läßt, wird er andre Opfer bringen. Schildern Sie ihm das Mädchen . . Tohert.. fatlcn feine Schläfen.
Weicht ein iSilb! Der Vater, rude bei solchen Nachrichten. Und doch mußte es jetzt, da die Wasser an die Kehle gingen, versucht werden. Das andre der große Sprung ein Zittern lief durch seinen 5iörper. dessen er sich nicht erwehren konnte. Er faßte sich gewaltsam. Er nahm Frau Gretes Hände in die seinen und bat: Nehmen Sie sich meiner armen Hedwig an, ich siedele heut' in daö Wirthshaus über und schreibe meinem Vater und meiner Schwester. Es muß versucht werden." Und dann überkam ihn plötzlich ein Gefühl davon, was er. der in diesem Hause des Friedens die rechte Bahn hatte wiederfinden wollen, da hinein trug. Unruhe. Sorge, Spaltung mit den Nachbarn.Makel und in denAugen dieser Frau, die sich und ihrem Gatten dieses Haus aufgebaut hatte, lag nur ein volles, warmes Mitgefühl, kein Vorwurf, kein Gedanke an das, was sie traf. Es überwältigte ihn. er beugte sich tief über die von Arbeit rauhe Hand und küßte sie ehrfurchtsvoll, als sei es
die einer Konigin. Die ganze Nacht verwandte er zu den Briefen an den Vater und die Schwester, er schrieb auch an Tante Minette. Er mußte versuchen, jeden zu rühren an der Stelle, wo er zu fassen war, er mußte seinen Worten eine überwältigendeKraft einhauchen, wenn der Plan ein günstiges Resultat liefern sollte. Zwanzigmal zerriß er. zwanzigmal schrieb er neu. grübelte über jeder
Wendung. Er bat, er flehte, er de-
muthigte sich dme Katastrophe
machte ihn zum Manne, der fortan erfüllen würde, was er versprach. Hilfe
nur noch dieses eine Mal, Hilfe in der großen Noth! Hedwig war ja aus
guter Familie, und solch' ein engelgleiches Geschöpf.
Schrieben das nicht alle Verlleoten? Eine Todeskälte durchrieselte ihn
jedesmal beim Durchlesen, eine völlige
Hoffnungslosigkeit. Die unwohnliche Wirthshausstube ekelte ihn an, es stach so traurig ab gegen Frau Gretes sauberen. freundlichen, blüthendurchdufteten Raum. Ihm war in dieser Nacht zu Muthe. als sei jetzt jedes Behagen, aller Glanz aus seinem Leben gewichen, und nur die öde Pflicht pochte mit hartem Finger an seine Thür. Hedwig lag fiebernd im Bett. Frau Grete hatte sie zur Ruhe gebracht und pflegte und tröstete sie wie eine Mutter. Die gewaltigen Aufregungen hatten den zarten Körper erschüttert, aber die Gedanken arbeiteten rastlos in
fcern Gehirn der Armen. Sie entwarf Plan auf Plan, alle unausführbar. Sie wollte dem Geliebten seine Fes sei sein, keine Last, sie mußte etwas beginnen, sich allein durchbringen. Womit? Zur Gouvernante war sie nicht genügend vorgebildet, zur Wirthscharlerin nicht trastig genug. Bonne, 5cindsmagd. vielgeplagte Stütze das allein blieb und wer nahm für solchen Posten ein so feines, verwöhntes Ding das waren auch Frau Gretes Reflexionen. Alles, was sie beginnen konnte, mußte erst gelernt werden, ehe es ihr Erwerb bot. ,Frau Grete predigte Ruhe, Muth, Geduld. Erst abwarten, überlegen, nichts übereilen, keine gewaltsamen Schritte. In ihrem Hause war die Rathlose ja einstweilen geborgen, mit liebevollem Takt betonte sie das stets der Zagenden. Die Liebenden hatten sich nicht toi: dergesehen, feit Robert in das Wirths Haus übergesiedelt war. Brömels fan
den beide, daß es so gut sei. Auf Frau Gretes Rath war Hedwig nichts von der Bitte Roberts an seinen Vater gesagt worden. &ian wollte erst die Antwort abwarten, ehe man sie in neue Aufregung versetzte. Es hieß nur. die Männer pflögen Berathungen wegen Roberts Zukunft. Vielleicht sei es für ihn das Rechte, der juristischen Carriere, für die er schon viel Zeit verloren habe, ganz zu entsagen. Er könne mit seinen Fähigkeiten auch auf andern Gebieten wirken und fände dann früher ein Amt, das ihn und eine Familie bescheiden nähre. Solche, so kurz wie möglich gegebene Andeutungen mußtenHedwig genügen, und sie lag mit den großen, fieberglänzenden Augen da und starrte angstvoll vor sich hinaus. Sie fühlte sich sehr schwach und elend, für den Augenblick war sie unsähig, etwas zu thun, sie schwieg. Wie hart sie sich selbst verurtheilte. wußte niemand. Herr Fischer von Oebsfelde war zu Robert gekommen und hatte ihn in Gesellschaft Brömels getroffen. Der gutmüthige, ruhige Mann verurtheilte das Benehmen seiner Frau, die er leider nur zu gut kannte. 'Die Weibsleut' hauen immer über die Stränge," sagte er, lassen Sie uns Männer verständig über die Sache reden. Daß jung Blut heiß ist und Jugend keine Tugend hat, weiß unsereins, aber höchst fatal ist die Geschichte, zumal da Sie, mein junger Herr, doch noch gar nichts an's Heirathen denken können. Ich würde ja das Mädchen, das kleine, herzige Ding, gern wieder in meinem Hause aufnehmen, aber ob das nach dem Vorgefallenen noch mit meiner Frau geht" er kratzte sich rathlos hinter den Ohren im übrigen bin ich doch verantwortlich für das Kind meiner Schwester." Die drei saßen schweigsam einander aeaenuv.
Wornen as Well as Men Are Made Miserable by Kidney Trouble.
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Kidney trcuble preys upen the rr.ind. dissourages and lessens amtition; beauty, vigor
and cheenulness soon cisjopear vhen the kid-
ney: are out of orcer Ms " . j j
vi ueeibeu. Kidney trouble has beceme so crevalent
( that it is not uncommon
for a child to be born I rrt: - j , , ! j
,mm c auucica wun weaK K'.cW'Hftf neys. If the child urin-
fc ates ton rf?in if h
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urine scalds the flesh or if, when the child reaches an age when it should be able to control the passage, it is yet afflicted with bed-wetting, depend upon it. the cause cf the difficulty is kidney trouble, and the first Step should be towards the treatment of t'hese important organs. This uncleasar.t trouble is due to a diseased condiiien cf the kidney s and bladder and not to a habit as mest people suppose. Wcmen as well as men are rnade miserable with kidney and bladdir trouble .nd both need the same great remedy. The mild and the immediate effect oi Swamp-Root issoen realized. It is seid
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Robert' wollte zu dem bremsen mm:
von seiner Bitte an den Vater sprechen, seine Hoffnung war zu gering. Brömel klappte den Deckel seines Bierkruges geräuschvoll zu. Ich bleibe dabei, du solltest die Juristerei aufstecken so 'nen langsamen Kram und dich für die Agentur melden, die der Haverland abgiebt, dann kannst du heirathen." Fischer fuhr empor. Donnerwetter! Das ist ein Vorschlag." Dem Guten ging in seiner peinlichen Wirrniß ein heller Stern auf. Da war ja dieMöglichkeit einer bequemen Lösung Er redete eifrig zu. Robert saß schweigend und nickte nur zuweilen. Ja, ein friedliches, äußerst bescheidenes Los. an der Seite derjenigen, die er liebte lockte ihn denn das nicht? Hatte er der Geliebten in diesen Wochen nicht tausendmal wiederholt, daß er sie auf seinen Händen tragen, sie hüten und schützen möchte vor jedem rauhen Hauch? Und nun bebte er vor dieser Aussicht zurück, die ihm die Möglichkeit bot, sein Wort zu erfüllen, nun empfand er diesen Entschluß als ein ungeheures Opfer. Wollte er sie lieber hinausstoßen in die feindliche Welt, allein und schützlos? Nur auf Momente klammerte er sich noch an die Hoffnung, daß sie Schutz fände bei den Seinen. Tage vergingen, es hätte schon eine Antwort da sein können überlegten sie? Und daher die Zögerung? Am Abend dieses zweiten Tages, als mit der letzten Post wieder kein Brief gekommen war, saß Robert unten in der Wirthsstube, einsam, über seiner Zeitung. Da trat Delius zu ihm. Er sah noch blasser aus als sonst, und seine Augen waren trübe. Robert sah ihn mißtrauisch an. Ich hörte," begann Delius stockend mit keuchendem Athem, aber Sie verlassen sie jetzt nicht." Wollen Sie mir etwa sagen, was ich zu thun habe?" fragte Robert mit finsterer Stirn. Ihr Antheil an
an meiner Braut lst etwas oesremv lich.Ach, lassen Sie. lassen Sie dasr Der Ton, in dem Delius sprach, war unnachahmlich, er hätte den Härtesten gerührt. Ich meine nur jetzt, und da es so gekommen ist Sie lieben sie ja und werden jedes Opfer bringen, nicht wahr? Sie Sie kommen gewiß durck es aiebt ia verschiedene Er-
wcrbsquefien, und Sie führen eine
gewandte Feder, die Artikel, die s trüber aeleaentlicb binwarfen. waren
sehr gut und pikant geschrieben. Ich
derke, ich konnte Jynen einigt or respondenzen verschaffen, Anerbietun gen. die mir gemacht wurden . . (Fortsetzung folgt.)
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