Indiana Tribüne, Volume 24, Number 137, Indianapolis, Marion County, 3 February 1901 — Page 2

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Fndiana Tvipsme, Sonntag, 3. Februar 1901.

Frack und GeschmaS. ' Der Fiack sann auf eint Qescfitcrjie

von anderthalb Jahrhunderten zurück blicken, und das ist für im Kleidungsstück, das noch heut im Salon eir? so Dornchme. unbestritten Stellung einnimmt, eine außerordentliche Thatsach?. Im Jahre 1750 machte ein Anbekannt gebliebener Kleiderkünstler die EntdeckMg. daß 'die vorderen Theile cn den langen Schößen nes Bürger--?ockes. 'die man des bequemen Aus schreitens wegen zurückknöpfte. ganz Tut fehlen könnten. Er schnitt sie deshalbeinfach ab und hatte damit das Uröud des Frackes erfunden, das sich allerdings zu dem heutigen Frack wie der Affe zum .Menschen .verhalten haben dürfte. Der Frack stand dumals also noch auf einer sehr niedrigen Stufe und roberte sich nur langsam die Gunst 'der Menschen. Qx war ein einfaches Alltagskleid, für welches die verschiedensten Stoffe und Farben verwendet Zvurden. .Fünfundzwanzig Jahre spärcr .trug man ihn mit Vorliebe klau und verzierte ihn mit vergoldeten Knöpfen. Es ist dies der Frack der Wertherzcit, .und -dies Opfer einer unglücklichen Liebe 'trug einen solchen bei seinem freiwilligen Tode, wie es uns Goethe, der .sich selbst so kleidete, so anschaulich, schildert. .Um diese Zeit. erhielt ' du .Frack ."auch seinen .Namen durch einen aus England stammenden Reitrock mit kurzen Schößen, der Frock" genannt wurde. An der.Form des .Rockes wurde )arnals . ebenso gemodelt wie 'heute. -Salb Zvarm die Schöße. lang und, schmal und setzten sich .mit .scharfer Ecke an die kurze Taille, unter der eine helle, oft zelbe Weste .breit hervarsah, bald schrägten jsie 'sich schon von .den Hüften ab wie die Flügeldecken eines Maikäfers. Die blaue Farbe des Frackes verwandelte sich unter der Zeit des Xi rectoriums zu einem schönen Braun, von dem sich die gelben, blitzblanken Metallknöpfe ebenfalls prächtig abhoben. Drr Kragen war sochoch, wie ihn unsere Modedamen heute tragen, aber grade und anliegend und ebenso breit sich zurückschlagend,,währcnd das Kinn r.c . tt r.fi:

lii ciiict uucuuuijiy lyjycu, uuiyci Eravatte ruhte. Wer kennt, sie nicht, die Jncroyables mit dem Zweispitz, den eine große Cocarde ziert, .der langgestiefelten Lorgnette und .dem breiten Uhrband. .Diese Gigerl aus dem fin de Siecle .des achtzehnten Jahrhunderts! .Dies Kleid. wurde auch bald so -allgemein, daß die echten Pariser Stuher und, Flaneure sich von. ihm abwenSeien und der .Redingote , sowie .dem Garrid" den Vorzug haben. Unter dem ersten Kaiserreich wurde der Frack jedoch, .obgleich er für die .bürgerliche Alltagskleidung bestehen blieb, wieder Repräsentations- und Galakleid, und ouch Napoleon ..findet man auf allen

Darstellungen mit dem Uniformfracl bekleidet.

" Den braunen Frack des Cwnstandes verdrängte jedoch allmählich Jo schwarze Frack,. und Jbic Kleidertünstler hatten sich. nur. noch mit den Abstufungen der Form,. nicht, aber mehr miter Farbe zu befassen. Das ging bis in die Jahre des Freiheitstaumels, wo .der blaue, mit blanken Knöpfen verzierte Frack noch einmal un die Oberfläche des ewig in sich selbst zurückfluthenden

Modestroms .geführt und als Symbol der Freiheit und des Umsturzes betrachtet wurde. .Trotzdem 'dominirtk er in der Verbindung mit gestickter Weste, seidenen Kniehosen, '.Seidenstrümpsen .und Escarpins .am Hofe der schönen Eugenie, bis er endlich, wie so viele andere von ihr begünstigte

Dlnge, vvmg -von mx Bildfläche ver schwand.

Vor einer Reihe von Jahren machte man abermals den Versuch, den schwarzen Frack 'durch einen farbigen zu verdrängen. Die Bewegung ging

von Wien aus, und obgleich eine be-

deutende PerjWkchle.t sich so dafür in

teressirte, daß sie .an Freunde und Bekannte, die von ihr eingeladen wurden, Coupons buntfarbigen Tuches zur 'Herstellung von Fracks verschentte, blieb der schwarze doch unangefochten

in seiner Herrschaft und erdrückt durch

ieme Ueberrnacht die schüchtern austre teuden, buntfarbigen Genossen.

.-Jst der schwarze Frack schön? Nun, lein Mensch Ivird mit gutem Gewissen darauf mit Ja" antworten Zönnen. Dr Frack ist häßlich und die Herren empfinden das wohl selber.

denn trotz seines kunstvollen Baues

versuchen sie den Frack durch das Ein stecken twz Blüthe auf der linken Site der Brust freundlich zu beleben.

Es nutzt nur nicht viel.

Es wäre traurig, wenn die Damen sich ebenso geschmacklos und in eine gleiche Livree kleideten, ttie die Herren. und unsere jetzt so reizvollen Ge r.rfTc - Ciar'jf. r. r. i . (f.niihii.

CUUU12UIC lUUßiCU ,IUUUU sammlungen gleichen, wenn die Da-

inen nicht Llcht, Farbe und Grazie hm eintrügen. , Gradation.

Manch Einer trinkt, so fang für ihn

Die Dinge günstig lausen; Und fängt das Glück an. ihn zu flieh'n So fängt er an zu saufen.

' Ihr anspruchsvoller

Gatte. Junge Frau (zu einem Bett-

'er: Nun. wie hat's Ihnen denn geschmeckt?" Bettler: Ach. wunder-

schon, gnädige f?rau. wirklich wunder

scbön!" 57rau: .Lieber Gott, weshalb

kann der nun nicht mein Mann sein

r

Der A e r l t e o t e. arvier:

.Wünschen Sie das Haar lang oder

iurz geschnitten?" Kunde (schüchtern)

Äch bitte, fragen Sie doch einmal de.

Ihr' Fräulein Tochter, wie ich ihr am'

besten gefalle r

Bis dat, qui cito dat. fcsrnorellc von Srciierrtt von ESNcht. Die oberstlose, die schreckliche Zeit

war vorüber. In dtm letzten Manöver hatte der Herr Regiments - Eommandeur es bei einem Angriff gegen

eine vom Feinde besetzte Stellung nicht

vermocht, die Zufriedenheit der Borge-

setzten zu erlangen. Er war in die

Wurst gekommen, wie man es nennt.

und hatte seinen Abschied eingereicht. Bevor aber ein Vorgesetzter für immer

5eht. geht er erst noch einigeWochen auf

Urlaub, und wahrend dieser Zeit yatte

der Herr Oberstlieutenawt das Regi-

-ment geführt und sich gewaltig als

Regimentsverfuhrer" aufgespielt: er

hatte einen Befehl nach dem anderen

erlanen. aber diese vielen Anordnungen. waren nicht im Stande gewesen, ihm das Vertrauen und die Liebe seiner Untergebenen zu erwerben. Im Gegentheil, es ist eine alte Geschichte, daß die Vorgesetzten die beliebtesten sind, die gar nichts befehlen leider gibt es diese Vorgesetzten nur gar nicht. Nun war Ux neue Herr Oberst da. man freute sich, daß tos Interregnum vorüber war und nahm ihn, natürlich nur bildlich gesprochen, mit offenen Armen auf. Und doch hatte nian keine, Ahnung, wes Geistes Kind der neue Commandeur war und welche Ge schafte man unter ihm machen wurde, man wußte nur, daß er verheirathet war. eine sehr hübsche zwanzigjährige Tochter besaß und als stehende Re-

densart bis das, qui cito dat" (dop

pelt gibt, wer schnell gibt) im Munde führte. Der neue Herr Oberst erfreute sich, ebenso wie seine Familie, in gesellschaftlicher Hinsicht großer Beliebtheit, aber dienstlich war nicht viel mit ihm los; xr hatte etwas nervös Unruhiges, etwas Fahriges in seinem Wesen, ihm fehlte die knappe, militärische Bestimmtheit in seinem Auftreten und in seinen Reden, er schien selbst nicht ganz genau zu wissen, was er manchmal wollte, und wenn er wie immer seine Ansprache an seine Offic'iere mit den Worten schloß: Nicht wahr, meine Herren, wir haben uns verstanden dat, qui cito dat," dann waren diese genau so klug wie zuvor. Und sie sollten doch klüger werden, nicht nur etwas, sondern sogar viel lernen. Das war auch die Ansicht Sr. Excellenz.

des Herrn Divisions - Commandeurs,

und so meldete der hohe Herr denn eines schönen Tages sein Kommen für den ersten des nächsten Monats an. er wollte sich durch eigenen Augenschein davon überzeugen, in welcher Verfassung sich das Regiment unter seinem neuen Oberst befände. Als Herr von Herrenbnrg auf seinem Bureau 1)as dienstliche Schreiben Sr. Excellenz, das dessen bevorstehende Ankunft anzeigte, in Händen hielt, fuhr er sich erschrocken mit beiden H'an-

den durch das Haar. Wh dat, qui cito dat," stöhnte er, Excellenz meint

es mcht nur gut, sondern zu gut mit mir, daß er jetzt schon kommt. Naturlich sreue ich mich sehr, den hohenHerrn hier ZU sehen, aber später peut-etre wäre mir lieber und am allerliebsten wäre mir, er käme gar nicht. Ein Unglück, so pflegt man zu sagen, kommt nie allein für e:nen Untergebenen, wie ich es in diesem Falle bin. obgleich ich in 'dieser kleinen Garnison sonst den Herrscher aller Reußen spiele, ist eine Excellenz immer ein Unglück schon eine civilistische Excellenz kann Schwierigkeiten und Unannehmlichkeiten beweiten, und nun erst eine militärische! Nun, fm x'ivr'A, verra wer die Schreckens künde überlebt, wird weiter sehen, begierig bin ich zu hören, was die Meinen dazu sagen." Iran von Herrenberg und ihre Tochter hätten mehr als unmilitärisch sein müssen, wenn nicht auch sie. erschrockcn zusammen gefahren wären, als der Gatte und Vater ihnen die

Neuigkeit mittheilte. In keinem anderen Berufe zittert die 'Familie so sehr sür die Carriere des Oberhauptes, wie beim Militär, hier geht es mit der

Verabschiedung zuweilen mehr als schnell, gar mancher ging schon mit

Dem Helm schlafen, um am nächsten

Morgen mit demCyllnder zu erwachen.

und für einen verabschiedeten Officier ist es mehr als schwer, einen anderen

Beruf zu ergreifen.

Bei der Herrin des Hauses war es

sofort beschlossene Sache, daß die Vor

stellung unter allen Umständen gut ausfallen müsse, fühlte sie sich doch in

der neuen Garnison sehr glücklich und hatte nicht die leiseste Lust, nach einem Jahr schon wieder, und dann sogar in die Pension umzuziehen. Sie gefiel sich in der Rolle der Commandeuse, als

wohlwollende, mütterliche und beste Freundin der ihr unterstellten Damen viel zu gut, als daß sie daran denken mochte, daß diese Periode ihres Lebens sich schon wieder dem Ende nähern

sollte.

Und nicht viel anders dachte Hilda,

das schwarzhaarige, dunkeläugige

Töchterlein, sie wollte für kein Geld.

wie sie sagte, schon wieder fort, es gefiel ihr hier ganz ausgezeichnet, und

wenn sie es auch den anderen nicht ver rieth, so gestand sie es sich selbst nicht mehr als gern ein: sie hatte ihr Herz nicht nur entdeckt, sondern sie hatte es verloren. Officierstöchter und nun erst Stabstöchter" pflegen sich selten in einen Lieutenant zu verlieben, für sie haen diese Herren nicht mehr den Neiz der Neuheit und nicht den sie in den Augen der anderen Damen umgefinden Nimbus, sie wissen e5 und seh:n es bei den Eltern, was es heißt, auf das Commißvermögen hin zu heirathen und sich durchzuauälen. Officierstöchter sind in verständigeren Grundsätzen erzogen. Auch Hilda hatte es sich ganz fest vorgenommen, sich nie in einen Officier zu verlieben. Zwar varen ihre Eltern seh? .wohlhabend

und sie brauchte keinen reichen Mann,

aber in ihren Augen war ein Lieutenant eben nur ein Lieutenant, und

früher als etatmäßige Tochter" und jetzt als Rcgimentstochter" hatte sie

vor dieier Charge keine allzu große Hochachtung im Stillen hatte sie dieselben sogar zuwcikn ..dumme Jun-

gens" genannt. Aber alles, was sie gegen die Lieutenants bisher auf dem Herzen gehabt hatte und noch hatte, sank in einNichts

zusammen, als Lieutenant von Schön-

born im Hause ihrer Eltern den ersten

Besuch machte. Der große Empfangs-

salon war voller Gaste gewesen, sie hatte kaum zehn Worte mit ihm ge-

wechselt, aber sie hatte bemerkt, daß er

kern Auge von ihr abwandte, daß er

jede ihrer Bewegungen beobachtete, und

als ihre Blicke sich zufällig trafen, als sie sah, daß aus seinen Mienen auf-

richtige Bewunderung für sie fprach.

daß er ihrer Schönheit eine stumme, aber doch beredte und keineswegs auf-

dringliche Hugdigung darbrachte, hatte

sie tief errathend den Blick zu Boden gesenkt. Als sie die Entdeckung machte.

daß sie den jungen Officier liebte, hätte

sie sich selbst auslachen wollen, aber es roar ihr nicht gelungen. Sie liebte

und sie war glücklich, so oft sich ihr Ge-

legenheit bot, Herrn von Schönborn zu sehen.

Du mußt bei der Besichtigung gut abschneiden und wenn Du Dir rechte Mühe gibst, wird es Dir auch sicher gelingen," beruhigte und tröstete die Commandeuse ihren s'hr erregten

Herrn Gemahl, außerdem denke da-

ran, daß Du zum erstenmal Dein Regiment vorführst, da kann und da wird Niemand verlangen, daß alles vollständig tadellos ist. Sieh nur zu, daß der Parademarsch gut ist, Du weißt, darauf wird immer noch ver größte. Werth gelegt." Frau von Herrenberg Stand" nicht umsonst seit zweiundzwanzig Jahren bei den Soldaten ihr ganzes Denken. Fühlen und Empfinden war militärisch, sie wußte Bescheid, wie es gemacht wird Er nickte ihr zustimmend zu: Du hast recht, wie immer, bis dat, qui cito dat hoffentlich wird aber Schönborn mir bis dahin wieder gesund. Ich sage Euch, wenn der vor dem ersten Zug der ersten Compagnie marschirr, ist es eine wahre Pracht die Götter im Himmel müssen sich freuen, wenn sie zur Erde niedersetzen und den Parademarsch erblicken. So was gibt's nicht wieder der reißt mir mit seiner Haltung, seinen Beinen und seinen tadellos korrekten Fußspitzen unter Umständen das ganze Regiment heraus, und nun hat er sich krank gemeldet." Aengstlich lauschte Hilda. sie hätte sich gar zu gern erkundigt, was dem Geliebten fehle,aber sie fürchtete, sich zu verrathen. Nun, deswegen würde ich mich nicht weiter beunruhigen." klang da die Stimme der Mutter, man weiß ja Gott sei Dank, was solche Krankmeldüngen zunger Officiere zu bedeuten haben, denen fehlt meistens noch weniger als gar nichts, wenn die Herren einmal absolut keine Lust mehr zum Dienst haben, melden sie sich auf ein paar Tage an Schnupfen oder einem anderen tödtlichen Leiden erkrankt. So etwas Aehnliches wird es wohl auch in diesem Falle sein!" Er meldet als Ursache der Krankheit Stiche in der Brust," gab der Oberst zur Antwort. DieCommandeuse lehnte sich würdevoll in ihren Stuhl zurück und sagte weiter nichts wie: Na ja, also!" Das hieß: ich Hab's ja gleich gewußt, über dergleichen Kleinigkeiten lohnt es sich gar nicht weiter zu reden. Hilda fand die Worte ihrer Mutter zum mindesten kalt und lieblos, sie fühlte sich verpflichtet, den Geliebten, der sich nicht vertheidigen konnte, in Schutz zu nehmen, und so sagte sie denn: Aber Mama, Herr von Schönborn kann doch wirklich krank sein, dieStiche in der Brust können doch den Anfang einer Lungenentzündung bedeuten." Frau von Herrenberg sah ihre Tochter etwas mitleidig lächelnd an. Kind'' sagte sie, was verstehst Du von dem Kranksein eines Lieutenants

ich kenne das, denn Dein Vater war

auch einmal Lieutenant.

Der Herr Oberst fuhr zusammen wie von der Tarantel gestochen: die unfehlbarenVorgesetzten mögen nicht gern von ihrer Höhe herabgestürzt und da-

ran erinnert werden, daß auch sie ein

mal sündhafte Untergebene waren, so klang seine Stimme denn geradezu

entrüstet, als er jetzt sagte:

Aber Klara, alles was recht ist.

bis dat, qui cito dat, aber ich versteh: cht, worauf Deine Worte an-

spielen.

Laß es nur gut sein, Otto," winkte

die Gattin ab, aber um auf Deinen kranken Lieutenant zurückzukommen, so wurde ich ihm dieselben Worte schreiben, die Dir einmal Dein Oberst

schrieb, als Du an emem schlimmen Fuß krank lagst und die da lauteten:

Herr Lieutenant, wenn Sie N'.cht m drei Tagen gesund sind, sperre ich Sie nach drei Tagen auf drei Tage ein.Entsinnst Du Dich dessen noch. Otto? Tu wolltest Dich damals beschweren, den Vorgesetzten auf Pistolen fordern. D von dem Oberstabsarzt einen

Todtenschein" ausstellen lassen, daß Dein Fuß wirklich krank sei, was wolltest Du nicht alles."

Und was that der Vater endlich?fragte Hilda belustigt. Er meldete sich ganz gehorsamst gesund. was denn sonst?- gab die Mutter zur Antwort. Der Herr Oberst war ärgerlich und zog zornig die langen Spitzen seines Schnurrbarts durch die Hände: Ich wiederhole, Klara, ich weiß nicht, was das soll, daß Du diese alte.

längst verjährte Geschichte wieder auf-

wärmst, und im Uebngen weiß ich allein, wie ich mich meinen Officieren gegenüber zu verhalten habe."

Er sah mcht den etwas gutmüthig

lächelnden Ausdruck im Gesicht seiner

Frau, sondern ging m sein Arbeits-

zimmer, um die dort seiner harrenden

Schriftstücke zu erledigen. Als erstes

aber schrieb er doch an den Lieutenant

von Schonborn, und zwar drohte er nicht mit Arrest, aber er gab der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß

der Herr Lieutenant sich noch vor der Ankunft Sr. Excellenz werde gesund

melden können. Je eher, je lieber

bis dat, qui cito dat, Sie wissen doch?"

Bei dem Schluß konnte man sich

allerlei denken, bei der etwas unklaren

Ausdrucksweise des Herrn Oberst

konnte er sogar eine versteckte Drohung enthalten, und so band sich denn Herr von Schönborn am nächsten Mittag seine Bauchbinde um den Magen, um sich wiederum dienst zu melden. Zuguterletzt hatte er noch einmal ordentlich ausgeschlafen, um sich für die bevorstehenden kriegerischen Zeiten zu stärken, und so erschien er denn auf dem Regimentsbureau zu spät: als er kam, war der Herr Oberst gerade fortgegangen. Sie' können sich auch hier in das Buch einschreiben," meinte der Adjutant. aber ich glaube, Bisdat freut sich sehr, wenn er Sie von Angesicht zu Angesicht sieht machen Sie ihm die Freude." Man soll Vorgesetzten gegenüber, besonders wenn sie eine hübsche Tochter haben, kein allzu schwieriger Untergebener sein," dachte Schönborn. So machte er sich denn auf den Weg und er hatte das Glück, daß Hilda, die im Begriff war, auszugehen, gerade in dem Augenblick die Etagenthür öffnete, als er die Glocke ziehen wollte. Einen Augenblick sah sie ihn verwundert, halb lachend an, dann sagte sie: - Also doch aber, bitte, wollen Sie nicht näher treten, die Eltern sind aus, müssen aber jeden Augenblick zurückkommen, wollen Sie so lange warten? Ich leiste Ihnen Gesellschaft, meine Besorgung eilt nicht." Einen Augenblick später saßen sie sich im Salon gegenüber und plauderten. auch heute wandte er keinen Blick von ihr ab und konnte sich an ihr nicht satt sehen. Sie wurde etwas verlegen und es entsprang ihrer inneren Unruhe, als sie nun zu ihm sagte: Wissen Sie wohl, daß Sie eigentlich ein schlechter Mensch sind? Ich hätte darauf geschworen, daß sie ernst

lich krank seien und habe sie den Eltern gegenüber in Schutz genommen. Nun

hat Papas. Brief doch genügt, um Sie

gesund zu machen.

Er sah sie etwas verwundert an und wurde befangen: es war ihm unange-

nehm, daß der Commandeur dienstliche

Angelegenheiten mit seinen Damen be

sprach, und daß diese über ihn unter-

richtet waren.

Sie scheinen zu wissen, gnädiges Fräulein, daß Ihr Herr Vater meinem Leiden keinen allzugroßen Glauben beimißt, nun ich war wirklich nicht ganz wohl, vielleicht hätte ich trotzdemDienst

tyun tonnen. Aoer ste wlen es ja auch, gnädiges Fräulein, wie es beim Militär geht; schont man sich nicht selbst etwas, andere schonen uns gewiß

nicht, ach. und es wird zu viel von un, verlangt." Und von Ihnen. Herr von Schön born, wohl ganz besonders viel?'

fragte sie, wenigstens sagte der Vater uns. daß Sie gewissermaßen bei dem bevorstehenden Besuch Seiner Excellenz

die Hauptperson

Sie brach mitten im Satze ab und schwieg, über und über erröthend. zu spät merkte sie, daß sie. wenn auch gerade keine Dummheit, so doch wenigstens etwas gesagt habe, das sie besser

für sich behalten hatte. Das kam da

von, warum sah er sie immer so an, so

prüfend und so forschend, da mußte

man ja schließlich verwirrt werden.

Bitte, gnädiges Fräulein, fahren Sie ruhig fort," bat er. als sie immer noch schwieg und verlegen den Blick zu

Boöen senkte. Sie haben mich neugie

rig gemacht! Ich soll irgendwie die Hauptperson sein? Wie käme ein

Lieutenant mit zwei Mark fünfzig

Pfennig Gehalt pro Tag zu dieser Auszeichnung. Gibt's ja gar nicht Doch, doch," widersprach sie ihm

lebhaft, mehr aber sage ich Ihnen

Nicht.

Er drang in sie, ihm alles anzuvertrauen und sie bat ihn. nicht allzu neugierig zu sein. Sie hatte das richtige Empfinden, als ob es der Stellung

ihres Vaters nicht entspräche, wenn sie

erzählte, daß nicht nur dieser selbst, sondern die ganze Familie vor der be-

vorstehenden Besichtigung zittere, das

durfte sie nicht zugeben, wenn die Au ior'.tät und die Disziplin nicht darun

ter im Regiment leiden sollten, auch

fürchtete sie. ihren Vater lächerlich zu

machen nein, sie durfte nicht sagen, daß Herr von Schönborn durch seinen

Pl?radi'marsch die Ehre des Regiments

retten sollte, aber sie sagte eö ihm schließlich doch. Es klang aus ihren

Worten etwas wie Angst um die Zu

selbst auf die Gefahr hin, daß es ctwaS anmaßend klingt, die Garantie."

Wirklich?" fragte sie freudig erregi, das wäre sehr, sehr lieb von Ihnen

und ich würde Ihnen von ganzen Her-

zen danken.

Er sah sie mit semen großen brau-

uen Augen erwartungsvoll an, wäh-

rcnd er fragte: Und darf ich wissen, worin dieser Dank bestehen wird? Nur in einem Wort?"

Sie verbarg nur schwer ihre Un-

ruhe, trotzdem bemühte sie sich, die Sache in das Lächerliche zu ziehen, um sich nicht zu verrath:n, und sie sagte scherzend: Wollen Sie lieber, daß ich Ihnen eine Handarbeit anfertige?" Aber, gnädiges Fräulein," sagte er vorwurfsvoll, wissen Sie es wirklich nicht oder wollen Sie es nicht wissen, was ich als Dank von Ihnen verlange? Mit einem kleinen Diamantring geschmückt ruht das. was ich erstrebe und ersehne, seit dem Tage, da ich ie zum erstenmal sah. augenblicklich in Ihrem Schooß nein, bitte, lassen Sie die Hand dort nur ruhig liegen wollen Sie mir die geben, wenn die Besicht!gung gut verläuft?" Er streckte ihr seine Rechte entgegen. Bitte, gnädiges Fräulein, bitte, schlagen Sie ein, geben Sie mir jetzt die Hand wenigstens zum Zeichen, daß Sie mir nicht zürnen und sich meine Worte überlegen wollen.bitte, bitte " I!i dat, qui cito dat," erklang da auf dem Corridor die scheltende Stimme des Herrn Oberst, wo steckt denn der Friedrich? Frie de rieh!" Erschrocken fuhren die beiden im Salon zusammen und Hilda sprang auf, um dem Vater entgegenzueilen. Bitte die Hand," sagte Schönborn mit flehender Stimme, Sie haben es ja eben gehört, gnädiges Fräulein bis dat, qui cito dat." Verwirrt und verlegen stand sie vor ihm, ihre mädchenhafte Scheu hielt sie zurück, dem Geliebten zu sagen: Ach, ich habe Dich ja so lieb." Noch zögerte sie da ergriff er ihre Rechte und drückte einen flammenden Kuß auf die Hand, und gleich darauf küßte er auch ihre Lippen. l!is dat " Aber weiter kam der Herr Oberst, der in das Zimmer getreten und die Umarmung der beiden mit angesehen hatte, vor Erstaunen nicht. So, nun heißt es frech sein." dachte Schönborn, dem Muthigen gehört die Welt, mehr als einsperren kann er mich ja schließlich nicht." Er ergriff den Helm, den er neben sich auf den Tisch gestellt hatte, nahm eine vorschriftsmäßige Haltung an und sagte: Ich melde mich ganz gehorsamst wieder gesund und bitte den Herrn Oberst gleichzeitig ganz gehorsamst um die Hand Ihrer Fräulein Tochter." Bitte. Vater, sag' ja," erklang da Hildas Stimme, und als der Oberst nicht sofort antwortete, fuhr er fort: Aber, Vater, wie kannst Du nur noch zögern Du sagst doch selbst immer bis dat, qui cito dat." Freust Dich denn gar nicht über mein Glück?"

Ja, er freute sich fchon, denn er liebte fein einziges Kind sehr, wenn nur die fcheußliche Besichtigung nicht in der Luft gelegen hätte. Was dann, wenn

die Sache schief ging und er nicht in Amt und Würden blieb? Der Gedanke beschäftigte ihn jetzt mehr als alles andere, wie konnte man da nur

Sinn für eme Verlobung haben?

begriff die Jugend nicht.

Da öffnete sich die Thür und der

Bursche erschien, um ein eiligesDienst

telegramm zu überreichen. Der Oberst

öffnete das Billet und fuhr dann er schrocken zusammen.

Um Gottes willen, ich werde ohnmächtig." rief er, in Abänderung sei-

ner Reisedispositionen trifft Excellenz bereits heute Mittag hier ein. um vier Uhr soll das Regiment auf dem Ezerzierplatz stehen. Das überlebe ich

nicht. Kommen Sie. Schönborn, wir

müssen sofort zur Kaserne."

Er wollte davoneilen, doch Hilda

hielt ihn zurück.

Vater." bat sie, geh' nicht so fort.

bitte, sage ia."

Erst laß ihn einen guten Parademarsch machen," lautete die Antwort, dann sehen wir weiter. Kommen

Sie. Schönborn."

Die beiden stürmten davon und we-

nige Stunden später marschlrte das

Regiment im Parademarsch vor Sr. Excellenz vorbei. Der Parade folaten das Exerzieren und. ein Gefecht und dann kam eine lange Kritik. Meine Herren." sagte Excellenz, was ich gesehen habe, hat mich sehr befriedigt, nur eins hätte nach meiner Meinung etwas besser sein können, der Parademarsch, und zwar hat er mir bei dem ersten Zug der ersten Compagnie am allerwenigsten gefallen. Ich will anerkennen, Herr Lieutenant von Schönborn, daß Sie sich große Mühe gaben, aber ich glaube, Sie geben sich zu viel Mühe dadurch wird Ihr Marsch steif und gezwungen, ich bin sonst bessere Leistungen von Ihnen ge-

wohnt. Es ist zum Verzagen dachte

Schönborn, wann kann man es einem Vorgesetzten recht machen? Gibt man

kunst. zugleich aber auch die ooffnung.l keine Mühe, wird man ausgevfif

st t m i '

lyr negenuver leine acye crjr gu: ' fen. und gibt m

daß

machen würde.

man sich Mühe, dann ge-

lingt es einem armen Lieutenant auch

Mit wachsendem Erstaunen hatte nicht, sich die höchste Zufriedenheil gU

j. Herr von Schönborn ihrem Vortrag i gelauscht, nun sagte er, halb ernsthast.

halb belustigt: Verlassen Sie sich auf mich, gnädiges Fräulein, was gemacht werden kann, wird gemacht. Ich will meinem Zuge mit solcher Eleganz und Vehe-

menz voranmarschlren, daß die Leute,

erwerben

Heimlich sah er nach dem Oberst, der warf ihm einen Blick zu, der zu sagen schien: Mein Sohn, gib Dir keine Mühe, meine Tochter bekommst Du jetzt nicht die Hoffnung gib nur auf.

Aber Herr von Schönborn bekam

die hinter mir gehen, meinem Beispiel seine 5)ilda dock, denn der Oberst ern-

folgen und durch ihr Thun auch wieder iete im weiteren Verlauf der Kritik so andere zur Nacheiferung anspornen. Lob. daß der geringe Tadel gar Für einen tadellosen Parademarsch des ickt in Frage kam. Und schließlick Regiments übernehme ich hiermit,' war der Herr Oberst, wie Hilda ihrem

Vater klar bewies, an dem schlechten !

Parademarsch ganz allein selbst schuld warum hatt: er darauf bestanden,

daß Schönborn sich gesund melden sollte? ' Auch die Mutt:r. die in ihrer Eigenschaft als Commandeuse nicht in jeder Hinsicht mit Herrn von Schönborn zufrieden war. begriff dies plötzlich nicht mehr, aba schließlich gab auch sie ihren Segen, nachdem ihr zu-

künftiger Schwiegersohn ihr versprochen hatte, das nächste Mal Seine Ex-

cellenz durch eine wirklich gute Leistung im Parademarsch zu befriedigen und den schlechten Eindruck, den er heute hinterlassen hatte, zu verwischen.

m . Zvcililiche Dandarbcitcu. Humoril'.ilü Tlauvcrci von Wilhelm ftmlma. E5 ist fast unglaublich, wie weit

e'ltzutage die Damenwelt fortgeschrit-

ten ist in alledem. was man mit oem bescheidenen Namen weibliche Handarbeiten" zusammenzufassen pflegt. Zur Zeit unserer Mütter und Groß-

mutter war das ganz anders. Gro-

Mütterchen hantirte noch mit Spinnrad

und Haspel, und die gute sleitzigMut-

ter meinte, wenn sie mit !rumps,lriöcn, Stopfen. Flicken, auch wohl einer gelegentlichen Häkelarbeit oder Stickerei den Bedürfnissen des Haushaltes entsprochen hatte, sie habe dadurch alle berechtigten Anforderungen im Punkte der weiblichen Handarbeit erfüllt. Wie kurzsichtig war man doch damals! Die Damen von heute haben für die eben erwähnten altmodischen Zweige der Frauenbeschäftigung nur ein mitleidiges Lächeln. Ganz andere Aufgaben haben sie sich gestellt, ganz andere Gebiete ihrer Thätigkeit erschlössen. Als Junggeselle in durchaus hoffnungslosem Alter muß ich aufrichtig beklagen, nicht eins dieser vielseitig ausgebildeten Wesen an meine Seite fesseln zu können, eine jener modernen Frauen, die das Leben zu einer ununterbrochenen Annehmlichkeit und das Heim zu einem Museum gestalten. Von Weitem nur, ohne eigenen Nutzen, staune ich neidvoll die Herrlichkeiten an, die von den weiblichen Mitgliedern der verschiedenen Familienkreise meinerLekanntschaft hervorgebracht werden.

Als leuchtendes Muster, abcr gewiß nur als ein Beispiel unter tausenden steht mir da der Haushalt meines guten Bekannten, des pensionirtenHaupt-

kassenrendanten Müller vor Augen.

Der Mann hat zwei erwachiene Toch-

ter im Hause, die mit der Mutter im

Bunde dem Hausherrn das Leben ge

radcwegs zu einem Vorgeschmack des

Himmels gestalten. Was die Alles ge-

lernt haben und fertig bringen, das ist

wirklich erstaunlich. Jedesmal, wenn ich mein kümmerliches Junggesellendasein in diesem traulichen Familienkreis se ein Stündchen ausheitern darf, finde ich sie mit neuen Wunderdingen beschäftigt. Schon die Atmosphäre, die beim Eintritt in den Vorplatz mich umfängt.

ist interessant und durchaus verschieden

von der in meiner eigenen, höchsten

von Tabaksrauch erfüllten Klause.. Es

ist ein Parfüm, das etwa die Mitte

halt zwischen den Dusten einer Tro-

gucnhandlung. eines photographischen

Ateliers und dem Arbeitsraume eines Zahnarztes. Firniß. Lack, denaturirter Spiritus und was weiß ich. was

sonst noch, werben mit starkem Liedeö eifer um die Aufmerksamkeit meine

Geruchsorgans. Ich möchte es den

5)auch des concentrmen Kunstgewerdes nennen, was mich in diesenDüften um-

fluthet und mein ganzes Wesen in

Spannung versetzt.

Da ich zu den Freunden des Hauses

gezählt werde, so führt mich der HausHerr, der mir meistens in eigener Person die Vorplatzthür ösfnet. in der Regel in das Allerheiligste des Familienzimmers. wo an den drei Fenstern die drei weiblichen Mitglieder der Familie ihre Arbeitsplätze eingerichtet haben. Das Zimmer gleicht dadurch einerUniversalwerkstatt. Die älteste Tochter malt eben cn einer Fruchtschale von Porzellan. Wunderbare Blumengestalten, die kein L:nrn in irgend eine Klasse oder Familie der Pflanzenwelt unterzubringen wüßte, entstehen unter ihren geübten H'änden, und Farbentöne bringt sie dabei hervor, die man selbst auf der Palette

Makarts vergeblich suchen würde. Am zweiten Fenster, wo an derbem Werktische ein kleiner Schraubstock ange-bracht-ist, hämmert und biegt die Schwester aus Bandeisen eine kunstvolle und sehr umfangreiche Ampel, die demnächst am Plafond der besten Stube ihren Platz finden soll, und dieMutter hantirt hüstelnd mit einem Apparate zur Brandmalerei, mit dessen glühendem Stifte sie soeben dem Rücken und dem Stiele eines kleinen Tischbesens unvergängliche Linienverzierur.gen beibringt. Natürlich bitte ich die Damen, sich ja nicht stören zu lassen, und dafür zeigt mir der Gatte und Vater mit öcireisiichcm S'olze die neuesten Werke seiner Angehörigen. Wir gehen dabei im Zimmer von einem Gegenstande zum andern, und das ist mir angenehm; denn der kunstgewerblich behatt, dclte Stuhl, auf den ich zunächst genöthigt wurde, ist mit Kerbschnitzerei bedeckt, und deren harte Kanten im Vereine mit den hoch emporragenden Ziernägeln. mit denen auch der Sitz in stil vollem Muster bedacht ist. machen das an sich so nützliche Geräth allerdings sehr ansehnlich, aber nicht besonders bequem. W.r besehen also. Die Wände sind bedeckt mit einer Unzahl, von Börtchen und Eonsolen, meistens in Laubsägearbeit hergestellt, theils aber auch mit Plüsch, Fries und anderen Stoffen überzogen und, mit blanken Nägeln zierlich beschlagen. Alle

j diese Vorrichtungen sind gefüllt mit

5cu'nstwerken eigener Arbeit. Da grüst von einem Gesimse herab wie ein alter

Bekannter auf der Maskerade die Steinweinslasche, ein sogenannter

Bocksbeutel", etzt künstlerisch bemalt

und mit koketter rother Bandschleife versehen. Aus ihrem Halse und aus

unzähligen bemalten, beklebten, rcr-

coldeten, lacknten, geätzten und sonst verzierten Liebigbüchscn, Jngwcrtopftn

und Covservcnbuchsen nicken in Büschein und einzelnen Ranken gemach:: Blumen in allen Farben und Formen.

Schrankchcn, Kästchen, Tellerchen und

Schälchen haben conplicirteKerbschnit!-

Ornamente aufzuweisen, deren Wi?.

kung theilweise durch Ausmalung in

verschiedenen Farbentönen noch erhöht wird. Auch die Anrichte und der Nüch'.5schrank sind mit Kerbschnitt reich geschmückt, während die hölzernen Suchlöfsel, Quirle und Besenstiele ror.nicgend durch Brandmalerei die in diesem Haushalte unerläßliche crschön:runz erhalten haben. Die zuletzt erwähnten Gegenstände bemerkt: ich, als ich dcn Hausherrn zur Bereitung 'til gemütf; lichen Nachmittagskaffees in die Küche begleitete. Er mischte dazu mit eine? Geschicklichkeit' die auf sattsame U?bung schließen ließ, zur Hälft: nen. zur Halste Kathrciueis Kn:ipKaff:e. . Seine stolzeste Höhe erreicht der Tr:umph der weiblichen Handarbeiten jedoch erst in der besten Stube. Dicht vor dcr Eingansthür hängt ein Vogelbauer, mit der Laubsäge gearbenct. groß genug, um eine vi:lkcpfize Papageienhecke aufzunehmen, und tief ccnug, um mit seinen spitzen Ecken den Köpfen argloser Passanten Gefahr zu drohen. Malerei und Stoffklebcrei zicren die im Sopha und auf den Stürlen liegenden Kissen, die meistens mit Ledcr überzogen sind. Ein: Wand ist vollständig in eine Rosenlaube um.':wandelt, in deren Mitte eine reich ?e schnitzte Sitztruhe steht. Uebcrhupt ist jedes Geräth des Zimmers bemalt ode? geschnitzt, und auf der in gleicher Weise behandelten Platte eines originell geformten dreieckigen Tischten?, dessen Beine aus Garnrollen Zusammengesetzt sind, prangt ein in wunderbarer Vereinigung aller bekannten und überhaupt möglichen Techniken" et schnitzter. gebrannter, gemalter, gepunzter. vergoldeter und b:n2gcllc? Stiefelknecht, das letzte GeburtstJgsgeschenk für meinen beglückten Freund, woran sich die gesammte Kunstferligkeit der Familie bewährt hatte. Die prachtvolle Sinfonie leuchtende? Emaillefarben, mit denen das Zifferblatt der Wanduhr bemalt ist. läs-t mich darüber hinwegsehen, daß man die Stundenziffern nun nicht mehr crkennen kann, und daß auch die Zeige? sich nicht mit der für Uhren sonst wün schcnswerthen Teutlickkeit vcn Um bunten Hintergründe abheben. Große Mappen und Albums in Lcderschnitt liegen auf den Tischen und Etageren reichlich umher, auch mehrere Cigarrenetuis in derselben Au-füh-rung alles Geschenke für meinen Freund, obgleich er nicht einmal ein Raucher ist. Voll Entrüstung theilte cr mir kürzlich mit, daß eine besondere Ueberraschung. die seine Familie ihm zugedacht hatte, nämlich dieKerbschniltbehandlung sämmtlicher Thüren.ThürPfosten und Fensterbekleidungen der besten Stube, von dem unverständigen um nicht zu sagen: rohcn Sinne des Hauswirthes verhindert worden sei. Selbst vor dem sonst von den Müller'schen Damen mit ängstlicher Sck,cu gemiedenen Raume der Waschküche b-t ihre Kunst nicht Halt gemacht, vielmehr ist das Waschbrett mit Schnitz-

werk verziert, und die Wannen, Tubben und Eimer zeigen zierliche Muster und goldene Lehren, durch Holzbrand hergestellt. So las ich beispielsweise an der Waschwanne den wahrhaft pb'losophischen und doch auch so poetisch anmuthenden Sinnspruch: Waschen und Putzen ist immer von Nutzen". Daß die Kunst auf solche Weise einen bedeutenden erziehlichen Einfluß s.ewinnen muß. liegt auf der 5and.'und in der That hat diese Ausstattung itres H'indwerksgeräthes aus die Waschfrau, die alle vier Wochen auf drei Tage in's Haus kommt, um für die Reinlichkeit der Familie zu sorgen, eincn so tiefen Eindruck gemacht, daß sie unlängst sich zur Mitgliedschaft beim Kunstgewcrbcvcrein gemeldet haben soll. ' Man kann sich denken, mit welchem Stolze Herr Müller auf die Werke se'ner Frau und seiner talentvollen Töch ter sieht, und ich begreife vollkommen, daß er neulich nach einem Gespräche über dieses Thema vor Rührung kaum den Faden abbeißen konnte, mit dem cr sich eigenhändig einen Knopf an seinc:: Winterpaletot genäht hat.

Der Mühe Lohn.

Manch Dichterlein hat redlich sich Mit seinem Gedicht gesckunden. Doch lohnt' 's der Müh". Denn wirklich wird Es auch als Schund befunden.

Unsichtbar. Tu wolltest doch mit meinem Vater sprechen. AI phons?" Ja. aber seit er mich angepumpt hat, ist er sür mich unciusf.ndbar." Unbedacht. Wenn ick me:nem Vater hätte solche Dummheiten aufbinden wollen, so würde er mich hinter die Ohren geschlagen haben." cntgeoncte ein erzürnter Vater auf die Ausflüchte seines Sohnes. Run. da mußt Du aber auch einen schönen Vaier gehobt haben," meinte der kecke Sotjn. Wahrlich einen besseren als Du." rief der Alte im Zorn und prügelte seinen Sohn, wie es in der Ördvung rzr. '