Indiana Tribüne, Volume 24, Number 136, Indianapolis, Marion County, 2 February 1901 — Page 7

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Jndiana Tribüne, 3. Februar 1901,

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Ohne Frieden.

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; (Fortsetzung.) Robert hatte seine ton Senn eingetroffenen Bücher ausgepackt, all' die alten schweiusledernenBände, in denen er schlecht Bescheid wußt., und sie in feinern Giebelstübchen untergebracht. Er entsetzte sich heimlich, wie wenig geschrieben? Ccllegienhefte darunter waren. Auch Briefe von Bonn warin eingetroffen, von Hans Arnstedt. dem er die Ordnung seiner Angelegenheiten dort übertragen. Er überflog den In, halt und suchte zuerst nach dem. was ihm vor allem am Herzen lag. nach den Nachrichten über das Befinden feines Gegners, des jungen Reichsgrafen Or-tenftein-Bernbach. Er blickte jetzt fchon auf das von ihm provocirte Duell als auf eine große Thorheit zurück. Hans meldete, daß die Wunde heilte, nachdem man eine Zeitlanq ernstliche Besorgnisse gehegt. Ob der Arm dauernd unbrauchbar bleibe, sei noch nicht zu übersehen. Er soll in diesen Tagen nach Hause transportirt werden. und ich will mich freuen, wenn er fort ist," schrieb Hans. Dann wird das Gerede und die Parteihetzerei Hoffentlich aufhören; das Gräflein bat eine große Anhängerschaar. Offen hat man's ja nicht gewagt. Dich anzugreifen. wenigstens nicht in unsrer, der Deinen Gegenwart, aber wir wissen doch genau, wie die Stimmung ist, und die Wunder wirkende Macht deine? Persönlichkeit fehlt." ?' 'Robertö Stirn war düster, während er las. Er wußte es nur zu gut. wie die Stimmung im Corps sich in letzter Zeit gegen ihn gewendet hatte. Vorbei. vorbei, ein dicker Strich lag zwischen dem Leben von ehemals und vn heut. Im übrigen war alles ziemlich günstig geordnet. Seine elegante Einitcötunq hatte ein Ncuimmatrikulirter. Graf B.. übernommen, zu einem anständigen Preis, der die lausenden Schulde.: deckte. Fräulein Dore schrieb selbst einen Begleitbrief zu den von ihr gepackten und beförderten Kisten, einen thränenreichen Abschiedsgcuß auf rosafarbenem. mit einem Bergißmeinnicht beklebten Papier. Die neue Adresse erregte ihr Kopfzerbrechen. Malchow sie wußte nicht, wo das lag, und es klang beinahe, als ob sie unter dem vulgären Namen eine Degradation wittere. Wochen vergingen. Robert arbeitete wie ein Nilpferd, nach Brömels Ausdruck. Karl Busch repetirte mii ihm. kramte seine unendliche Weisheit aus und krähte dann in seinem unleidlichen Jargon: Je. Freundchen. Freundchen, da ist viel los und wenig fest." Mit jedem Tag erkannte Robert tiefer, daß sich daö Versäumte nicht in einer so kurzen Spanne Zeit nachholen ließ Von Hause kamen spärlich Briefe. Eingehend schrieb nur die gute Tante Minette. Der Vater hatte keine Zeit für Privatcoriefpondenz übrig, und sie hatten sich such augenblicklich kaum etwas zu sagen. Schwester Gertlud ließ sich zu einem Bersöhnungsbrief herbei. Es sollte der die Ton sein, dieses lose, heitere Scherzgeplänkel. wie es in den guten Tagen zwischen ihnen Mode gewesen war, aber es war der alte Ton nicht mehr, und Ixt guten Tage waren vorüber. Jetzt berührte diese Ait störend, ols wenn man kaltes Wasser auf eine empfindlich heiße Haut spritzt. Die kleinen Witzchcn übe: Roberts selbstgewählte Verbannung, über die Menschen, die er in dem Nest gefunden haben machte, die Neugier. Näheres von ihnen zu hören, in der Hoffnung. Stoff zu köstlicker Belustigung damit zu erwerben, mutheten den Leser we mg an. Du warst maßlos empfindlich, als Du hier warst, Bob." hieß es, hosfentlich bist Du jetzt wieder normal. Ihr Herren der Schöpfung seid ein riesig verwöhntes Geschlecht! Man spricht immer von weiblicher Eitelkeit, und die der Männer üb-ersieigt jedes Maß. Wir erwarten nun ein glänzendes Resultat von der Langeweile da, und daß mein mit dem cuui laude gekrönter Bruder in gewohnter Sieghaftigkeit als neugebackener RegierungSreferendar Ende October aus memer Hochzeit tanzt. Ich gehe dann mit meinem jungen Gemahl nach Berlin, wo er die Kriegsakademie besuchen wird, um sich demnächst die Generalstabscarriere zu eröffnen." Robert faltete achselzuckend den Trief zusammen, er baute ihm die zerbrochene Brücke nicht wieder auf. 2)a2 Bild seiner geliebten Trude von ehemals wuchs ihm nicht wieder empor, er sah immer nur das scharfe Gesicht, auf dem der Kampf um die Geld- und Jnteressenfrage in häßlichen Zeichen geschrieben stand. Also nach Berlin zur Kriegsakademie. Sie spornte den Verlobten vorwärts, der bisher aus eigener Jnitiative dergleichen Gedanken nicht gehegt. Konnte man sie darum tadeln? Vor einem Jahr noch hätte er es nicht gethan, ja sie darum bewundert, heut berührte es ihn unangenehm. Und ihre Neugier, von den Menchen hier zu erfahren die waren hm alle gut, um sie ihrem Spotte preiszugeben. . . -

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nervös, wie ruhelos. :n usittürz und Toilettensragen aufgcyeno. vk Schwester im Hause war. Der Vater mürrisch und reizbar, tägliche Nörgeleien wegen der Ausgaben, da Gertrud ihr für die Aussteuer überwiesencs Budget rücksichtslos überschritt. In sein Elternhaus sehnte sich Robert nicht zurück. Im Gegentheil, in seinem Gemüthszustand sagten ihm die Stille und der ganze Charakter diefer Umgebung mebr und mehr zu. Ende October Referendar auf Trudes Hochzeit seine Lippen kräuselten sich bitter, er wußte, daß es unmöglich war. und ihm bangte nur vor dem Sturm, wenn er den Vater um ver längerte Frist angehen mußte. Delius, den sonderbaren Menschen, hatte er ein paarmal in seinem düstein, nach dem Hof gelegenen Redaktionszimmer aufgesucht, wo er auf sei nem Dreibein zu hocken Pflegte und mühsam und widerwillig seine ledernen" Artikel schmierte, die dünne Alltagsbrühe, aus fremden Schüsseln zufammengesucht. und für das Publikum amÄrt zurechtgewürzt. Freilich, die verriethen keinen hervorragenden Geist. Aber daneben lagen kreuz und quer bekritzelte Bogen auf dem Pult, mit für jeden, außer dem Schreiber selbst, unlesbaren Schriftzügen, die Roberts Neugier erregten. Delius lachte bei seinen Fragen, schob sie ihm gutmüthig hin. aber einen Einblick gewann Robert dadurch nicht. Ein paarmal hatte er in über-

müthiger Laune sich selbst auf den

Dreibein gesetzt und einen fulminanjen. regierungsfeindlichen Artikel auf das Papier geworfen, aus seiner rebellischen Stimmung heraus, die sich gegen alles Bestehende kehrte und am liebsten jetzt Revolution predigte. (Fortsetzung folgt.) N i ch t n ö t h i g. Herr: Was studir: denn Ihr Sohn auf der Universität?" Protz: Studirt? Wozu? Nix'." Viele Frauen behandeln ein G?löbniß wie cm Kleid, sie beachten i kaum, wenn sie eS abgelegt haben. DeliuZ hatte 'diese Ergüsse geleM' und ihn dabei verwundert und mißtrauisch angeblickt. Ist das Ihre Meinung?" fragte er ihn aber nein, das sind Aufwallungen, keine Ueberzeugungen, und so ich sehe die Dinge anders freilich, wie ich sie sehe, sieht sie vielleicht keiner. Das da, das könnten Sie an den Vorwärts" schicken oder sonst an ein revolutionäres Blatt, und das würde Ihnen doch schaden." Robert hatte aufgelacht bei der verlegenen. ernsthaften Miene des andern. Seine Feder im Dienste des socialdemokratischen Blattes! Er sah seines Vaters Gesicht vor sich, und er schüttelte den Kopf. Rasch zer.'iß er die geschriebenen Blätter in einer Regung von Scham und halber Furcht. Unsinn! es packt einen nur mitunter so, man möchte sich Luft machen," und er schüttelte dem Verwunderten die Hände und ging. Hedwig war er ausgewichen, sein Gewissen sagte ihm. daß er das unerfahrene Kind nicht an sich ziehen dürfe, aber es wurde ihm schwer, denn er dachte unablässig an sie. In dieser freiwilligen Kasteiung und Entsagung lag wieder ein eigner Reiz, der ihm die Einförmigkeit des Lebens verschönte. Er haschte nach jedem Wort, das über sie fiel; Elsbeth. Frau Gretes Schwester, redete gelegentlich von ihr und schien häufig mit ihr zusammen zu sein. Seitdem beachtete Robert auch diese Eisbeth. Ein frisches, kerngesundes Mädchen, thatkräftig und unternehmend. Sie hatte keine Schwärmereien im Kopf und nahm das Leben nüchtern. Die Stelle, welche sie in einem grvßen Mode- und Putzgeschäft in New Iork bekleiden sollte, nährte sie reichlich. sie gedachte sich mit der Zeit selbständig zu machen, dann auch andern helfen zu können. Fräulein Rüdiger, äußerte sie. sehne sich natürlich auch danach, auf eignen Füßen zu stehen, aber für sie war das schwerer, weil sie anders erzogen war und nicht in folche Verhältnisse taugte. Die muß heirathen," sagte Elsbeth beinahe verächtlich, solcher Arbeit ums tägliche Brot mit all' den rauhen Ecken und Anfechtungen d'rum und d'ran ist sie nicht gewachsen. Ihr Sinn ist auch zu hochmüthig dazu." Um Gottes willen," brach es über Roberts Lippen, hochmüthig nennen Sie das? Haben Sie für Fräulein Rüdiger je an so etwas gedacht?" Sein Ausruf war wenig höflich in Gegenwart des Mädchens, welches diefes Los ohne Äedenken für sich gewählt hatte, aht daran dachte Robert in diesem Augenblick nicht. Frau Grete sah ihn mit einem sonderbaren Blick an. Das bleibt immerhin fraglich, ob sich eine passende und vortheNhafte Partie für Fräulein Hedwig findet," meinte sie ruhig; rfie ist mittellos, und arme Mädchen ihrer Sorte werden heutzutage wenig geheirathet. Aber ick hoffe, sie lernt hier in ihrer schwierigen Lage Selbstbeherrfchung und noch allerlei, was ihr fehlt. Da wird sie sich schon später, wenn man ihr in die rechte Bahn hilft, sich ihre Zukunft selbst gestalten können. Man muh sie nur jetzt, wo sie so schwer mit sich und ihrem veränderten Leben zu ringen hat, zufrieden lassen." Sie betonte die letzten Worte besonderö, und Robert sah sie scheu und mißtrauisch von der Seite an. Hatte kleines Verdacht?, Aber unmöglich.

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unvorsichtigen Aeußerung gehütet. Das Gespräch aber wollte ihm gar nicht aus dem Kopf. Hedi! Putzmacherin, oder irgend eine Arbeiterin oder Gewerbtreibende? Ein Gedanke zum Tollwerden. War ihm denn das Mädchen schon so cn's Herz gewachsen, daß ihr Los ihn wie sein eigenes beschäftigte? Du lieber Gott! war denn das gar Liebe die echte, die große und was sollte er mit dr anfangen! Hedwig kam nie in das Brömel'sche Haus, obgleich sie Robert gesagt, daß sie zu Frau Grete Vertrauen gefaßt, da war es doch natürlich, daß sie wohl mitunter Trost und Rath bei ihr gesucht hätte. Vermied sie es aus eignem Wollen oder war es ihr verboten worden? Im Grunde war diese Ungewißheit über sie, ihr Denken und ihr Ergehen ganz unerträglich. Er ertappte sich schon öfter darauf, daß er unwillkürlich bei seinen Spaziergängen seine Schritte gen Oebsfelde lenkte, in der stillen Hoffnung, ihr zu begegnen. Aber sie wich ihm aus. sicher,' sie wich ihm aus. Handelte sie unter einem Druck, einem unerträglichen Zwang? Bei dem Gedanken begann sein Blut zu sieden, und alle Vernunft gründe, alle Vorsätze schwanden unter seinem Zorn. Es war ein schöner Nachmittag zu Anfanq des August. Er war seit jenem Sonntag, da er seinen ersten Besuch dort gemacht, nicht wieder auf der Domäne gewesen. Heut' schritt er im Sturmtemro ßnrvnnl, oemilüalde zu. in dem er sie damals getroffen. Er war hier freilich schon öfter gewesen, ohne einen Schimmer von ihr zu erblicken, aber heute beschloß er, nvite? vorzudringen, im Nothfall auf der Domäne selbst vorzusprechen, wo er nebenbei, höflichkeitshalber,- durckauS iUxtn Besuch machen mußte. Heute wollte er Hedwig sehen, sie auch sprechen. allein.. Das arme Kind! vielleicht hatte sie auf ihn gewartet, und zu all' ihrer Qual schuf er ihr noch eine neue. Er drang auf bekannten Wegen im Walde vor bis zu der Bank, wo er sie an jenem Abend gefunden hatte. Er hörte eine Stimme, jenen feltsam klingenden Ton, als ob Delius seine Verse spräche. Da lag der Träumer aus dem Rasen unter der knorrigen Eiche, starrte in den grünen Wipfel, durch den der blaue Himmel leuchtete, und deklamirte laut. Waren das Jmprovisationen? Eine ringende, seufzende Seele, von der Ahnung höherer Harmonien erfaßt, die sich hier im Zwiespalt des Ungelösten und Unlösbaren wand, voll Sehnsucht nach einem großen, unbekannten und unfaßbaren Glück. Robert war steben geblieben und betrachtete, hinter dem Gebüsch verborgen, den Sprecher. Dann siel fern Blick zur Seite auf die Bank, und sein Herz that ein paar schnelle Schläge. Da saß Hedi, die Hände im Schoß gefaltet, die Augen geradeaus in's Leere gerichtet, in der Stellung einer Lauschenden. Verzückten, aber um den Mund lag der bitter schmerzliche Zug. Es überrieselte ihn förmlich, sie glich wahrhaftig .ttx Defreggerschen Madonna. Sie saß ia aber nicht allein, rieben rhr war Elsbeth mit einer Häkelei be--fchäftigt. an der ihre Finge? mit rastloser Geschwindigkeit arbeiteten. Der Deklamirende schwieg, ein 'Heinzx Fink schmetterte keck sein Tütterü tü" dazwischen, und aus Hedwigs Trust stieg ein hörbarer Seufzer. Delius lag regungslos im Grase rb er überhaupt wußte, daß er ein Anriitorium hatte? ElÄbeth schlug jetzt eine frische, riaturwüchsige Lache auf. Mit -wieviel Weltschmerz quälen Sie sich ab, Herr Delius," rief sie. .Du lieber Himmel! wenn man das so hört, könnte rnan ganz melancholisch werden. Dcrzu aber hat man heuer gar keine Zeit, dichten Sie doch einmal etwas andres, etwas Lustiges. , Ihnen fließen ja die Verse wie Wasser. Sie sollten sehen, etwas Lustiges brächten Sie an und machten Geld damit, und würden vielleicht berühmt ich denk' mir oft, wer weiß, was aus Ihnen noch wird Sie sind doch so ganz anders als alle andern Menschen." Sie häkelte dabei ohne Aufhören und blickte nur flüchtig neckend zu dem Faulen da im Grase, der sich jetzt halb aufgerichtet hatte, die Ellbogen aufstützte und erstaunt um sich sah. Ihre nüchrerne Rede zerriß den Zauber, der sich da heimlich gewoben. Hedwig war zusammengefahren, und ihre zitterndenHände hatten mechanisch nach der Näharbeit gegriffen, die ungefördert in Vycim Schoße lag. Da machte Robert eine Bewegung und trat vor. Hedi blickte auf, und dunkle Purpurgluth übergoß ihr Antlitz. Eien Moment trafen Roberts Augen in die ihren, sie hatten wohl viel verrathen, denn in unsagbarer Verwirrung senkte sie die Lider, und er sah es. wie ihr ganzer zarter Korper zitterte. In ihm lohte die Flamme der Leidenschaft empor trotz aller vernünftigen Vorsätze. Seine Stimme klang fremd, als er die Gesellschaft anredete, so daß sogar Delius fein Helles Gesicht verwundert erhob und ihn fragend musterte. Elsbeth nickte kalt, fah verstimmt auö und häkelte noch eifriger. Guten Abend, Fräulein Rüdiger, wir sahen uns lange nicht Das arme Kind war gar nicht im tan.de. zu antworten, die Beaeanmlg

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Wort in der Kehle. Sie wehrte ihm nicht, als er ihre Hand nahm und ehrerbietig küßte. Elsbeth sah spöttisch und geringschätzig dem Vorgang zu. Wie bringe ich dieses unleidliche Mädchen fort, dachte Robert bei sich und warf ihr einen ingrimmigen Seitenblick zu. Elsbeth mit ihren hellen, fcharf aufmerkenden Augen gewahrte denselben und verstand ihn auch, aber sie rührte sich nicht. Delius hätte Robert weit weniger gestört, der war in seinem Wolkenkuckucksheim und achtete auf nichts. Aber diese Elsbeth war das reine Pechpflaster, eine Spionin. Robert haßte sie in diesem Augenblick. Aber er saß auf einem Baumstumpf an Hedis Seite und redete sehr ehrbar und gewandt und verbindlich. Jetzt packte Elsbeth ihre Arbeit zusammen, gottlob! und erhob sich. Es wirdZeit." sagte sie ohne irgend welche Verlegenheit, wir müssen nach Hause, Hedwig. komm, ich begleite dich auf die Domäne, will doch Frau Fifcher noch etwas bestellen." Robert kochte innerlich die Freche, und du nannte sie Hedwig und that fo vertraulich, als stammten sie aus einem Nest. Warum wollen Sie sich den Umweg machen. Fräulein Sahlmann." sagte er kalt und ironisch, ich war ohnehin auf dem Wege zu Herrn Fischer und werde Fräulein Rüdiger sicher da abliefern, auch gern Ihre Besttllung ausrichten." Elsbeth verwahrte umständlich den breiten Spitzenballen fammt Garn nnd Häkelnadel in ihr Körbchen und schaut sich dann nach ihm um. Das Mädchen lachte ihm hell in's Ange-. ficht, es war ja rein toll, ihr zuckte der Sckelm aus den Augen und aus den Grübchen in Wangen und Kinn. Sie sind sehr gütiq. aber ich muß den Umweg auf alle Fälle machen ; wenn es Ihnen recht ist. nehme ich sp'ate: Ihre Begleitung auf dem Rückwege an, denn da fängt's vielleicht schon an zu dunkeln." Er verbeugte sich steif mit grimmigster Miene, er wäre am liebsten grob geworden. Das schlaue Ding überlistete ihn richtig. Hedwig war unterdes zu Delius getreten, der aufgestanden war und sich die Grashalme vom Sommerrock ablas. Sie redete halblaut mit dem Einsilbigen, lauschte aber daneben athemlos auf das Zwiegespräch der beiden andern. Delius verabschiedete sich und schlug sich in die Büsche, auf ungebahnten Wegen, in der Richtung der Landstraße. Robert geleitete die beiden Mädchen. Wie kochte die Wuth in ihm. O! er wollte es ihnen eintränken, wenn sie meinten, ihn hänseln zu können. ihm und ihr Fesseln anzulegen. Diese Krämerseelen, diese Pfahlbürger na, es war gut, daß nicht alle die hübschen Titulaturen, die da heraufkamen, laut wurden. Einstweilen war er der hofliche Mann der guten Gesellschaft, der sich zu beherrschen versteht. Er ging an Hedis Seite, nnd seine Worte ließen oft eine doppelte Deutung zu. eine Deutung, die in ihrem kleinen, lichterloh brennendenHerzen einen Widerhall fand. Und er wußte es fo genau, als ob sie es ihm gesagt hätte, daß dieses kleine, fehnsüchtig darbende Herz rhm zujauchzte, sich an ihn klammerte, und daß er sie aus der Tiefe des Jammers in schwindelnde Höhen des Glückes reißen könne; so wie er war und was er war. Aber wer fragt denn in folchen Momenten des über alle Erdennoth Entrücktseins nach dergleichen fönst im Leben zu bedenkenden Dingen. Er hatte in dieser Stunde nur den einen Gedanken, er wollte sie an sein Herz nehmen, ihr sein ganzes Leben widmen, all' seine Kraft für sie einsetzen, die Kraft eines Dreiundzwanzigjährigen. Gesunden, Begabten Donnerwetter noch einmal! nnd die sollte ihm nicht sein Glück schassen?! Sie trennten sich drinnen im Hause auf der Diele. Herr Fischer war noch auf dem Felde, Robert gab seine Karte ab, er spürte keine Lust, der Hausfrau seine Aufwartung zu machen. Fräulein Elsbeth fragte er sehr kühl, ob ihre Bestellung sie lange aufhalten werde, er gehe ein Weilchen voran. Sie aber lehnte jetzt seine Begleitung ab, wieder mit dem verschmitzten Lächeln, das ihn so reizte, und meinte, sie bliebe doch wohl noch etwas länger, und dunkel sei es ja auch noch nicht. Er drängte sich ihr nicht auf, und nachdem er Hedwig einen flammenden Blick, beinahe des schon besiegeltenEinVerständnisses, zugeworfen und feine heißen Lippen inbrünstig auf ihre Hand gedrückt, schritt er rasch, unter

wirbelnden, unklaren, wild durchein- ; ander tobenden Gedanken, nach Hause.

Nach dem Abendbrot saßen er und Franz Brömel bei einem Spätschoppen in der Laube. Nach einer kleinen Weile erschien auch Karl Busch. Er war in geschäftlichen Angelegenheiten in Berlin gewesen und heute Nachmittag erst zurückgekommen. Jetzt brannte er, von seinen Erlebnissen zu berichten. - Ja. das war ein Leben und Treiben, uff! wie gerädert fühlte sich solch' ein armer Mensch, der da ungeübt hineinschreite. Aber da war etwas zu machen für den, der es verstand. Hm, diese Kerls da in der Tretmühle, diese Herren Staatsdiener, vom Kleinsten bis zum Größten; na, die beneidete er wahrlich nicht. Koarl! sünd de Drüben ook woll suer?" warf Franz Brömel, Hemächlich seine Pfeife schmauchend, ein. Mbert lackte laut auf.

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' "j&h! keine faulen Witze, wenn ich bitten darf." entgegnete Busch würdevoll, du alte ehrliche Haut bist überall zufrieden, und dir rathe ich auch gewiß. zu bleiben, wo du bist. Aber fönst, allen Witz beiseite, die Plackerei da oben, gerade in den höhern Stellen, die is nich ohne. Ich hab' da so meine Beziehungen, meine ganz sichern Quellen, war auch im Reichstagsgebäude, hörte ein paar Debatten, verkehrte viel mit den Journalisten. Die Presse. ja die Presse, die hat die Macht in Händen, und wer sich da hinein arbeitet und die Macht kennt, na, der hat das Heft in der Hand.Koarl! dazu wärst du ja denn der Mann." Ich? Na, ich denke schon daran, wie ich dir immer sage, meine Zeit kommt; Geduld, nur Geduld muß man haben. Aber ich hab' allerlei erfahren, was mich interessirt. und Sie wohl auch. Herr Preuß. Der Rothart. Sie erinnern sich feiner gewiß, war ja damals in Tübingen, der sitzt im Auswärtigen Amt; diplomatische Carriere, großer Streber, schlangelt sich wie ein Aal immer an die Höhern. bis zu den Höchsten, macht da so tiefe Kratzfüße, ich fah ihn. fein Buckel war fchon ganz krumm. Aber die Nase, die trug er so hoch, in elegantem Gespann die Linden entlang in seine Wilhelmsstraße. Und als ich ihm da , zufällig in den Weg laufe, setzt er den Kneifer auf. das drillante Gedächtniß wird plötzlich schwach: Ah!" knarrt er wie ein Hahn, ah! Busch, jawohl, jawohl, wie geht es Ihnen. zieht aber schon die Uhr. Na, ich belästige ihn nicht -weiter. Guten Morgen, mein Herr, guten Morgen." Gelb fah er aus. wie eine Citrone, fage ich euch, dergrätzt und verärgert, und die Auen flacker ten ihm so unsicher im Kopf wie bei

den Menschen, die ihre Meinung alle Tage nach dem Winde drehen müssen. Aber fähiger junger Mann, gut angeschrieben oben," hieß es bei meinen Gewährsmännern. Na, die Kanzlerkrisis, da haben sie heißen Boden jetzt. Um Gottes willen hier ein Wortlein, das doch eine Meinung verrathen soll, man will ja bei Leibe keinen Ge sinnungslosen und dann wieder, Mund feste zu! der Untergebene hat zu schweigen wagt der Mensch auch nur mit einer Miene eine Meinung zu haben? Hol' der Henker solche höllische Klemmen!" Ja. Koarl. doa wärst du ook to dick to, in 'ne Klemm, doa kannst du nich rinner." Robert lachte nicht mehr über die trockenen Unterbrechungen des Gemüthlichen. den focht nichts mehr an in feinem köstlichen Gleichmuth, der hatte kein Wünschen, kein Streben mehr in der Seele, der war ein in weifer, glücklicher Beschränkung Genießender. Ihn regten diese Reden noch auf. Rothart war nicht viel älter als er, er mochte zwei Jahre voraus haben, der stand schon halb auf der Staffel, welch' ein Stück Wegs war er noch von der untersten Sprosse entfernt. Er faß hier im Winkel und büffelte über trockenemMaterial, während fein Geist doch auch nach der Höhe trcht?te. Die Schilderul'gen dieses Renommirhelden waren gefärbt, natürlich, aber der Mensch hatte scharfen Verstand, ihm fehlte nur der feine Takt des Gentleman. Busch erzählte weiter, nannte noch andre bekannte Namen, entwarf ein, wenn auch durch seine Brille gesehenes, aber anschauliches Bild des Treibens in der Kaiserstadt, der Fäden, welche dort die Marionettenpuppen regierten, der Geister, die da herrschten und die' andern nach ihrer Pfeife tanzen ließen; dieser athemlosen, rücksichtslosen, vorwärts stürmenden und unter ihren Füßen zermalmenden Welt, in der keine Ruhe und kein Friede war; Fieberparoxismm ihre Genüsse, flüchtiger Schaum ihre Erfolge, wetterwendisch Sviel ibre Gewinne. (Forlsejung solgt.)

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