Indiana Tribüne, Volume 24, Number 135, Indianapolis, Marion County, 1 February 1901 — Page 7

Jndiana Tribüne, I. Februar 1901

7

Ohne Frieden.

i V Sk SW f V CA .t

viumuii vt-u ticiuuuci viuiati.

(Fortsetzung.) Es brach im heraus aus ver Dollen Seele, all sein Mitleid für sie. aber auch seine Freude, sie gerade sie zu finden, wo ihm selber ach! ihr Geschick hatte ja Aehnlichkeät. und wie Viel hatte er ihrer gedacht, als er Bonn verließ. Stille Thränen fielen ungehemmt i ihren Schooß. und ihr Köpfchen ruhte fast auf feiner Schulter. Dann aber Zprang sie auf. sie fühlte das Unpassende der Situation und besann sh. 53t? Tante wird mich suchen, ich muß ja nach Hause." rief sie. Aber v! welch ein Trost, daß Sie hier sind und hier bleiben." Sie war zu kindlich und zu einsam und unglücklich, um das nicht zu derrathen. Er war ebenfalls aufgestanden und ging jetzt ehrbar neben ihr, aber ihre Schritte wurden häufig langsamer, und öfter standen sie ganz still. Hedwigs kleiner Mund konnte jetzt reden. Sie hatte gar keine anderm Blutsverwandten, als diesen nUl Fischer; dieses Haus war ihre einzige Zuflucht gewesen. .Der Onkel war ein guter Mann, aber in den innern Angelegenheiten führte die Tante das Regiment, und der Tante war sie eine Last, und keine Spur von Sympathie wuchs zwischen ihnen auf. ), wäre ich doch für irgend einen Beruf ausgebildet." sagte sie in dem immer leidenschaftlicher werdenden Tonfall, o, könnte ich mir mein Brot verdienen! Womit nur? In einenLand. Haushalt tauge ich schlecht, ich bin nicht kräftig genug. Als ich um vier Uhr Morgens hier aufstehen und die Mägde beim Melken und Milchaufsieden beaufsichtigen sollte, da wollte mein Körper das auf die Dauer nicht leisten. Es ist schrecklich, daß ich solch ein gebrechliches Ding bin. Ja. wäre ich wie Frau Grete Brömel und ihre Schwester Elsbeth " Wie können Sie sich mit denen vergleichen," stieß Robert grimmig zwischen den Zähnen hervor unerhört. Ihnen Dinge, die weit über Ihre Kräfte gehen, zuzumuthen. Sie sind doch für eine andere Sphäre erzogen." Ja. daö ist es eben," entgegncte sie chselzuckend, aber ein armes Mäden hat gar keine Sphäre, in die sie gehört, die muß sich schiebe?: lassen, dahin, wo Platz für sie ist. Was soll eigentlich mit mir werden auf die Dauer, hier bleiben kann ich gar nicht." Was haben Si für Ideen in Jhrem Köpfchen," sagte Robert, ernster werdend, wohin wollten und könnten Sie sich flüchten, Sie armes Kind. Die Verwandten sind doch Ihre natürlichen Schützer." Dasselbe sagt mir Frau Grete, die einzige, zu der ich hier Vertrauen gefaßt habe. Sie redet mir zu, mich gut mit der Tante zu stellen, aber, du lieber Gott! sie weiß doch nicht, wie schwer das für mich ist, gerade, weil ich zu nichts brauchbar bin. Hätte ich nur das Putzgeschäft erlernt wie Elsbeth " Robert lachte laut. Welch ein vermessener Wunsch!" rief er übermüthig.

Ach, lachen Sie nicht. Elsbeth bekommt in New Jork einen reichlichen Gehalt als Directrice. eine Summe, die mir schwindelnd hoch vorkommt, und ich wäre vielleicht nicht so ungeschickt in dem Fach, ich habe mir zu Hause meine Kleider und Hüte schon selbst gefertigt. Mamas Pension war klein, aber ich habe freilich nie daran gedacht. Putzmacherin zu werden Er lachte wieder. Sie sah ihn plötzlich mißtrauisch an. Nein, nein. seienSie mir nicht böse, mir ist im Grunde gar nicht lächerlich zu Muth." rief er. Es klingt nur zu komisch, wenn Sie von solchen Dingen sprechen, Sie, der man alle Schätze Indiens zu Füßen legen möchte." Wenn man sie hätte", meinte sie, nun auch in fein Lachen einstimmend. Die Jugend und der natürliche Frohsinn, der ihr Vorrecht ist, machten sich geltend. Ja. wenn man sie hätte!" wiederholte er feurig. Und zum erstenmal packte es ihn ernstlich, die Reue üb:r Versäumtes. Sie haben mir noch wenig von sich gesagt," begann sie, das Tbema wechsclnd. und ich ahne es. Ihr Hiersein hat auch keine fröhlichen Gründe." Nein. Fräulein Hedwig. aber ich trage selbst, wenigsten, zum größten 'ü, die Schuld dc .an " Xti Groll : s Vaters u -3 : .i Schwester r?ca w herauf und c-i-tu. . ' Einschaltung. 0. ! u haben Ihr .: : ' -' sie sehn süchtig. mJ '.vlt offen. Sie sind fr Hm, t-:. . uch ein Wenig andtr-,' : 'ichkeit ist," entgegnete '.- 3,js , lückgedrängte, aJ i ' . ':elte Bitterkeit brach ihr g r ''s, auch die Anklagen, die ' selbst erhob. Sie erschier ' . traut, er fühlte sich ihr . - . '" wußte, dah er von ihr ver,' : ' :v ": :

tt, und das, was er lorn '

gebeichtet hätte, kam jetzt . ' 1Lippen. Sie horte ihn athemloS an, : : cjn hingen an seinem Munde.

U i

versiano aues. uno ste giauo:e an ion. an seinen Stern, an sein Glück, an seine Zukunft. Das geht ja alles vorüber." sagte sie. lieblich lächelnd. Sie sind ein -so bedeutender Mensch. Sie überragen alle andern weit ich spreche nicht von diesen Menschen hier" schaltete sie ein. nein, auch dort in Bonn thaten Sie es. sobald Sie nur wollen, thun Sie es allen zuvor." Das war kein Schmeicheln, das war ihre ehrliche Ueberzeugung. Sie kennen das nicht. Fräulein Hedi. die großen Lücken lassen sich nicht so rasch füllen, mit der Zeit, ja, natürlich " Na. fehen Sie wohl, mit der Zeit ach! und der liebe Herrgott hat Sie ganz gewiß mir zum Trost und zur Ausrichtung hierher geführt, ich tch war so verzweifelt " Waren Sie es. kleine Hedi? Und ich. ich kann Ihnen wirklich etwas fein?" Er beugte sich tief zu ihr herab, und sein Ton war sehr zärtlich. Sie erschrak, sie war unerhört unvorsichtig, wie konnte sie dergleichen zu einem jungen Herrn sagen, wenn es auch tausendmal wahr war. Es war ihr so herausgeplatzt, und die Tanle, auch Frau Grete. hatten wohl recht, sie paßte gar nicht dazu, allein zu stehen in der Welt, sie verstand nicht einmal, sich richtig zu benehmen. Sie versuchte die unpassende Rede zu verbessern. Na. nur so lange Sie hier sind, meinte ich natürlich, wenn man das Heimweh hat umer lauter fremden Menschen, ist ein bekanntes Gesicht ein großer Trost, später, da gehen ja unsere Wege weit auseinander." Warum wollen Sie zurücknehmen, was mich so glücklich gemacht?" sagte er leise. Ich verstehe Sie. aber lassen Sie doch diese Formen, diese Rücksicht auf die sogenannte gute Sitte; wir sind hier allein, und ein paar verwehte Menschenkinder, auf dieselbeSandbank

getrieben, wir dürfen woyl lagen, wie es uns ums Herz ist. Ja. stände ich jetzt anders, wäre ich weiter; aber arbeiten werde ich fortan, büffeln die halben Nächte hindurch" Sie beschleunigte ihre Schritte, es dämmerte schon. Eine Angst vor der Tante, vor sich selbst, ja vor ihm stieg ihr herauf, sie mußte diesem einsamen Beisammensein ein Ende machen. Sie lief mehr, als sie ging, und er folgte ihr in demselben Tempo. Am Waldrand wendete sie sich scheu um, sie glühte wie eine Purpurrose. Lassen Sie mich lieber allein vorangeben," bat sie; wenn man uns zusammen sieht" Er nickte, haschte nur noch einmal uach ihre? kleinen Hand, ans die er einen heißen Kuß drückte, dann flog sie in leichtem, schwebendem Schritt über den Feldpfad dem Hause zu. Skine Blicke folgten ihr, und sein Herz schlug schnell. Er athmete tief auf. Welch ein süßes Geschöpf !" murmelte er, und da steht man nun wie ein Klotz, kann nichts, nichts sür sie thun " er stöhnte laut und daran denkt man nicht, wmn man so tollt und rast, ohne Sorge und Gedanken für den nächsten Tag." Hedi huschte durch die kleine SeitenPforte und die Hinterthür, von wo sie unbemerkt hinauf in ihr Dachzimmer kommen konnte. Sie hatte von ihren ererbten Sachen da hineingetragen, was sich in dem schrägen Raum unter-

bringen ließ. Das ubnge. au' die lieben gewohnten Möbel und Gegenstände, standen verpackt aus dem Boden, vier Onkel hatte die Verauktionirung verhindert und gemeint, die Einrichtung, wenn auch altmodisch, könne noch dereinst ihre Aussteuer bilden. Mit gefalteten Händen stand sie jetzt am Fenster und sah zum AbendHimmel auf, an dem schon die blasse Mondsichel schwebte. Er, der Herrlichste von allen" so hatte sie ihn ja W Bonn schon für sich genannt er trat ihr hier entgegen. Plötzlich, wie ein Wunder. Ihr Hcrzchen klopfte fo wild war denn das kein Traum? Seit jenem Ballabend in Bonn, wo sie ihn zuerst gesehen, dem seligsten Abend ihres jungen Lebens, hatte sie ja seiner unablässig gedacht. Noch vor wenig Stunden fühlte sie sich todtunglücklich, elend zum Sterben, und nun. war denn die Welt verwandelt? oder ihre Verhältnisse? Nein, aber er war da und blieb in ihrer Nähe und hatte zu ihr gesprochen wie wie ein Bruder nein, wie ein Geliebter. Ihre Wangen glühten, ihr Athem flog, nein, sie wollte nicht so etwas denken, sie schämte sich, aber er war da. er war da! Sie zwang sich zur Ruhe, zur Besonnenheit. sie lief hinunter in die Speisekammer, um beim Herrichten der Butterbrote sür die Abendmahlzeit zu helfen. Was aus dieser Liebe, die da ihr Herz mit wildem Jubel füllte, werden solle, daran dachte sie heut' Abend nicht, und die Tante fah sie fpitzig und verwundert von der Seite an, als sie mit glänzenden Augen und rosigen Wangen, viel frischer als sonst, zugriff und sich wirklich geschickt und anstellig erwies. Wo warst du denn wieder vorhin?" fragte sie in ihrem nörgelnden, säuerlichen Ton, ich habe im ganzen Hause nach dir gerufen." ES war so schön draußen, Tante, ich dachte, du brauchtest mich nicht, ich

i war in den Wald gegangen. Hast wohl wieder Romane gelesen," tgegnete Frau Fischer, ezaminirte , zUx gottlob nicht weiter, da ihr kein Ui Wahrheit nahe kommender Ver- ' h'yi ' aufstieg. Sie hatte ja den junj :! S rrn mit den andern auf's Feld . . r 1

Robert kehrte unterdessen langsam auf del Hauptwege und durch die Vorderthür in' Haus zurück und fand die Gesellschaft schon in des Hausherrn Stube beim Skat. Ein neuer, ihm noch Unbekannter, hatte sich als Gast eingefunden und ward ihm als Herr Delius vorgestellt, verantwortlicher Redakteur des Provinzialblatts. ' Ein blasser Mensch, mit auffallend hoher, gewölbter Stirn, um die sich rothes, goldig schimmerndes Gelock ringelte. Seine Hautfarbe war ungewöhnlich weiß, ein paar blaue, weltfremde Augen, eine etwas aufgeworfene Nase, und drunter ein feiner, schmaler Mund, die Oberlippe von rothem Schnurrbart beschattet, bilde ten zusammen eine auffällige PhYsiognomie. Man begrüßte Robert lachend und laut. Ob er sich auf Abenteuer begeben, oder wo er gesteckt habe; es sei schon die Rede davon gewesen, eine Expedition auszurüsten, um ihn zu suchen. Robert gab fröhlich Bescheid. Sein Aussehen war ein andres als vorher, er setzte sich in bester Stimmung zu den übrigen und erklärte lachend, daß er sich vorhin verlausen habe und erst auf Umwegen zu der gastlichen Stätte zurückgefunden. Die Neckereien über solche hervorragende Kundgebung von Ortssinn ertrug er mit liebenswürdiaster Miene. Der Hausherr k!?pfte ihm dieSchulter und meinte, so gefalle er ihm erst, jetzt werde er endlich gemüthlich, solche steise, unnahbareSeigneurs könnten sie hier nicht brauchen. Der blasse, rothhaarige Redakteur war passiver Zuschaue? und sagte nicht viel. Nur mitunter warf er ein humorisiisches. in die Situation platzendes Schlagwort dazwischen, und seine sonderbaren Augen gingen musternd und prüfend von einem zum andern ; bei Karl Buschs redseliger Großmäuligkeit flog zuweilen ein leises ironisches Lächeln um seinen Mund. Man spielte nicht gerade hoch, aber eifrig, bis die Hausfrau zu Tisch rief. Roberts Kopf war heiß geworden in der von Tabaksrauch beengten Atmosphäre. er freute sich der Pause und des Wiedersehens mit Hedwig. Auf dem Wege zum Eßzimmer richtete er eine halblaute Frage an Brömel wegen des Fremden. Der Delius? ja. ein sonderbarer Heiliger, fällt jedem auf. Mach dich nur 'ran an ihn, er ist ein Genie. Er dichter, aber sie sagen ja, feine Sachen sind nicht für die Modernen und nicht für das große Publikum; alles über den Wolken, weißt du, und dabei hat tz kaum das liebe Brot. Jetzt, wenn er hier aushält und seine Artikel schreibt, wie er sie schreiben soll, was sehr die Frage ist, denn er ist eigentlich Socialdemokrat, und den Armen möchte er das Himmelreich auf Erden erobern, kann er schon durchkommen, aber vorher hat ec buchstäblich gehungert. Das verschlägt ihm aber nichts, wie er mir mal sagte, und jedes Thierchen hat sein Pläsirchen. , Ich bin nun gerade nicht für das Hungern." Robert lachte. Das wußte er freilich, Franz brauchte ihm das nicht mehr zu sagen. Sie traten in's Eßzimmer, und da erfuhr Robert eine große Enttäuschung. Hedi fehlte beim Abendbrot. Zum Glück brauchte er nicht nach ihr zu fragen, das thaten die andern, Karl Busch, auch Delius, der hungernde Dichter. Sie hat Kopfweh," sagte Frau

Fischer in deutlich geringschätzigemTon ihr erschien diese Nachfrage der jungen Herren höchst überflüssig sie ist ein zartes, zimperliches Ding, die nichts verträgt." Robert nahm feinenPlatz neben dem Rothhaarigen und grübelte bei sich, ob Hedi freiwillig oder gezwungen diesem Wiedersehen auswich. Er ahnte nicht, daß in des jungen Kindes Seele der Stachel schon so tief saß, daß sie es nicht zu ertragen gemeint hatte, nach dieser köstlichen Stunde im Walde den Herrlichen" unbefangen unter den andern zu sehen und ihre Miene zu hüten vor den scharfen, gefährlichen Augen. Robert vermißte sie sehr und unter-

hielt sich nun zum Ersatz mit seinem Nachbar. Ja. in der That, ein curioser Gesell, mit den wunderlichsten Ansichten über Welt und Menschen. Die complicirte Maschinerie der Cultur staaten war ihm ein lächerlich Ding, er paßte in die Wildniß. In einem sonnigen Lande unter einem Baum liegen und in den blauen. Aether starren, das war ihm der Inbegriff von Daseinsfreude. Träumen, träumen der ganze Mensch sah aus wie die Personification eines Traumes. Wieder eine andre Sorte von Faulenzer, dachte Robert unwillkürlich, die Typen waren in Variation um ihn gruppirt. Franz Brömel. der Materielle, Bequeme. Karl Busch, der Maulheld, der es ja durchaus dahin bringen wollte, andre für sich arbeiten zu lassen, Freund Fischer, der es in dem allgemeinen Niedergang für das beste hielt, den lieben Gott allein sorgen zu lassen, und nach Brömels Aussage sich nicht mehr zur Führung seiner Rechnungsbücher aufschwang, und dieser bedürfnißlose Weltweise. Er aber ja wollte er denn allein noch sich placken und ringen, um die Sterne vom Himmel zu holen? Es wurde spät in der Nacht, bis die Gesellschaft sich zum Aufbruch und Nachhausegehen entschloß. Endlose Partien wurden gespielt, unzählige SchopW Geleert, und mit Ututu

vpsen iiolperle man endlich, von dröhnenden Abschiedsworten geleitet. Über die Schwelle. Eenmal lewt de Minsch man," sagte Freund Fischer, un nu fallt ook nich in den Graben." Dann fchaute er nachdenklich an den Himmel, an dem sich Wolken aufgethürmt hatten, und sehr flüchtig blitzte ein Gedanke an fein Heu, und ob er es morgen werde einfahren können, ob er nicht lieber den Sonntag Nachmittag hätte dafür opfern sollen, durch seinen wüsten Kopf. Robert aber suchte das Fenster, hin ter dem die süße Kleine schlummerte, und ihm war schwer zu Sinn. Diese späte, wüste Sitzung war nicht ganz das, was er brauchte, um in solide Bahnen sich zurückzufinden. Brömel und Busch waren noch sehr redselig, sie gingen voran, und die ganze Landstraße gehörte ihnen. Robert folgte schweigend an der Seite des Redakteurs. Dieser schien durchaus nüchtern und klar im Kopf zu fein, er schaute zu den Sternen auf, und sein helles Gesicht leuchtete merkwürdig in der lichten Sommernacht. Er schien es vergessen zu haben, daß jemand neben ihm ging. Singende Laute kamen über seine Lippen, Verse, halb Rede, halb Gesang. Sie waren weit hinter den andern zurückgeblieben. Robert horchte auf die Worte, die, in dem eigenartigen, gedämpften Tonfall vorgetragen, begleitet von dem Zirpen der Cikaden, eine wunderliche Wirkung ausübten. Ja. der schwebte freilich über den Wolken; seine Hymne richtete sich an die Unsichtbaren, an die Geister der Luft und der Tiefe, er schien mit ihnen zu schweben in einem andern Luftraum, und er klagte über die glücklosen, dem Schicksal verfallenen. in einsamer Sehnsucht dem Tod entgegenwallenden Menschen. Als er schwieg, weiterschreitend gleich einem Traumwandler, sprach Robert ihn an. Er fuhr zusammen. als wecke man ihn aus tiefem Schlaf. War das eigne Dichtung oder recitirten Sie Fremdes?" Delius starrte ihn an wie geistesabwesend. Ach so." sagte er dann, habe ich laut geredet? Ich weiß es oft nicht. Hören Sie nicht darauf, es ist Unsinn." Es schien mir kein Unsinn, ich würde es gern genauer und im Zufammenhang kennen." Delius antwortete nicht. Robert änderte das Thema. Sie sind schon länger hier am Ort. verkehren Sie öfter draußen aus der Domäne? Sie scheinen mir in die Gesellschaft kaum zu passen und rniif sen sich dort eigentlich langweilen." Ich passe in gar keine Gesellschaft, aber ich langweile mich nie." Kennen Sie Fräulein Hedwig SRii diger näher? Sie fragten nach ihr heute Abend." Delius schüttelte den Kopf. Robert fagte sich, daß aus dem sonderbaren Menschen, der ihn doch zu interessiren anfing, nichts herauszubringen sei, als dieser plötzlich unvermittelt fragte: Kennen Sie das Bild, die Madonna von Desregger? Man könnte glauben, Fräulein Rüdiger habe zu dem Bilde gesessen." Robert fuhr zusammen. Wie ein Blitz leuchtete es vor ihm auf. daß der Mensch recht habe. Hedwig. als er sie da vorhin im Walde traf, mit der schmerzlichen Falte zwischen den Brauen, dem heimlichen Zug des Leidens in ihrem süßen Gesicht, glich wirklich ienem Bilde. Aber der Vergleich

erweckte ihm eine unangenehme, qualvolle Empfindung, es war wie eine dunkle Vorbedeutuna für das Schick-

fal einer, die feinem Herzen schon theuer war. In den Büschen seitwärts flötete eine Nachtigall in langgezogenen TLnen ein verspätetes, sehnsuchtsvolles Liebeslied. Die Nebel aus seinem Kopfe wichen in der frischen Nachtluft, ein traumhaftes Sinnen umfing ihn. Ihm war. als fchwebe er, losgelöst von dem festen Boden seiner bisherigen Verhältnisse; alles bisher Gewohnte, Vertraute versank, ein neues, fremdes, dämmerndes Zukunftsbild hob sich aus dem Dunst heraus. Stille, Friede, Genügen, ein einfaches Lebenslos. ein liebes Weib an seiner Seite. Er seufzte tief auf. ein unsinniger Traum, er. der Ringende, der Versäumtes einzuholen, seine ganze frische Thatkraft einzusetzen hatte, wenn er vor sich selbst bestehen wollte wie ein Alp legte es sich auf seine Brust, daß er fortan das holde Kind zu meiden habe, daß er ihr einsam darbendes Herz nicht für sich gewinnen, fein Schiff nicht mit einer neuen Last befrachten dürfe. - Ihn beklemmte die Stille und Schwüle der Sommernacht, er mühte sich, ein Gespräch mit seinem Begleiter in Fluß zu bringen, er forschte nach dessen Lebensgang und dessen Zielen. Aber Delius blieb einsilbig. Es hatte freilich nicht den Anschein, als ob er etwas verbergen wolle oder zu verbergen hätte, aber die Rede ging ihm nur stockend vom Munde. Er stand allein in der Welt, ohne Eltern und Geschwister, und so viel blickte hervor, nie hatte er sich in die Schablone zwängen lassen, war nie die herkömmlichen Wege gegangen. Seine -Interessen lagen nicht auf der großen Heerstraße, für seine innere. Welt fand er keinen Genossen und bei niemand Lerständniß. Seine Zeitungsartikel schrieb er. um zu leben, sie waren, ledern" nach seiner eignen Aussage, und er machte sich mitunter Vorwürfe, ob er nicht ixinen Brotbenn .lim daö Brot be-

DO Y0U GET II? WITH A LAME BACK ?

. Ll3 j

arf

-fl sfcYVI

A W V

r in i 1 1 1 w

ttM

!i-&b.

KIdney Troulle Kakes You Mlseraole. Almost everybody who reads the newspapers is sure to kr-ow c l the wonderful

c;:res mace by Dr. yAmt i's Swamp-Root, the er trat kidney, liver

and Udder remedy. m It lt thft PTMt TTl(.r?

r cal tnumch of the nine-

teenth. Century; discovered alter years of scientific research by

Dr. Kilmer, the err.i- ' nent kidney and bladccr Specialist, and is

wonderfully successful in prompt !y curing larne back, kidney. bladder, uric acid troubles and Bright's Disease, which is the vorst form of kidney trouble. Dr. Kilmer's Swamp-Root is not reccmmended f or everything but if you have kidney, liver or bladder trouble It will be f ound just the remedy you need. lt has been tested in so many ways, in hospital work, in private practice, among the helplesstoo poor to pur chase relief and has proved so successful in every case that a special arrangement has been made by which all readers of this paper who have not already tried it, may have a sample bottle sent free by mail, also a book telling more about Swamp-Root and how to find out if you have kidney or bladder trouble. When writing mention reading this generous

otter in this paper and send your address to Dr. Kilmer & Co.,Binghamton, N. Y. The

regulär fiity cent and Home of s-anp-Root dollar sizes are sold by all good druggists.

trog, was oer inin gao. ADcr otelleicht vielleicht fand sich einmal etwas andres und die hellen blauen, weltfremden Augen fuchten wieder den sternbesäten Himmel da oben, und es Imschte wie einLeuchten über das weiße Gesickt. als gerade in dem Moment eine Sternschnuppe siel. Sie waren im Städtchen angelangt, Robert reichte ihm die Hand zum Abschied. Ich suche Sie bald einmal auf Ihrem Bureau heim und werde Ihre ledernen"Artttel studiren," sagte er lachend. An der Gartenpforte stand Franz Brömel wartend, er mahnte flüsternd zur Ruhe und drehte ganz sachte den Schlüssel im Schloß. Grete braucht ja nicht gerade zu wissen, wie spät, oder vielmehr, wie früh es ist.- raunte er lachend, s i, deine Stiefel knarren so eklig.Robert lächelte und kam den erhaltenen Weisungen rücksichtsvoll nach. (Fortsetzung folgt.)

!'-IHl äjjg.Tfti.8 Untf U 3

Deutsche Kirchen

-und-

Kirchliche Vereine.

Evangelische Kirchen. St. Johannes Kirche. N. W. Ecke Sanders und McKernan Str. Pastor Theodor Schory. Gottesdienste 1(4 Uhr Vorm. und 7 Uhr Abends. Sonntagsschule 9 Uhr Morgens. S t. Pauls Kirche. S. O. Ecke Columbia Ave. und 17. Str. Pa. stor Friedrich Rickifch. Gottesdienste 10$ Uhr Vorm. und 7 Uhr Abends. Sonntagsschule 9$ Uhr Morgens. Deutsche Evang. Zions kirche, Ro. 32 W. Ohio Str. I. C. Peters, Pastor. Gottesdienste jeden Sonntag Vormittag 10 Uhr 30 Min. und Abends 18 Uhr. Sonntagsschule Morgens 9 Uhr 20 Min. Bibelstunde und Vorbereitung sür die Sonntags schule jeden Dienstag Abend 8 Uhr. FraueN'Verein jeden dritten Donnerstag im Monat Nachmittags 2 Uhr. Jugend Verein, Bibelstunde jeden Sonntag Abend 7 Uhr. Geschäftsversammlung jeden dritten Freitag im Monat. Ge sangVerein, jeden Donnerstag Abend 8 Uhr. Vorsteher Versammlungen, jeden letzten Montag im Monat, Abends 8 Uhr. Gemeinde Versammlungen, jeden letzten Sonntag im März, Juni, September und Dezember. Evangelische Gemeinschaften. Erste Kirche. S.O.Ecke New York und East Str. Pastor Rausch. Gottesdienst 10z Vorm. und 1h Abends. Sonntagsschule 9 Uhr Morgens. Zweite Kirche. N. O. Ecke Wilkins und Church Str. Pastor I. Griesemer. Gottesdienste 10 Uhr Vorm. und 1 Uhr Abends. Sonmagöschule 2i Uhr Nachmittags. Baptisten Rirche. Deutsche Baptisten Kirche. N. W. Ecke North und Davidson Str. Pastor, Andrew H. ?ieitag. Gottes dicnste 10 Uhr Vorm. , d 7 Uhr Abends. Sonntagsschule 2 Uhr Nachmittag. lutherische Kirchen. St.JohannesKirche, Haugh ville, 716 N.Bismarck Ave. Pastor Daniel Philipp. Gottesdienste 10 Uhr Vorm. Sonntagsschule 11 Uhr Vorm. St. Paulus. N. O. Ecke New Jersey und McCarty Str. Pastor Fre derick C. G.Wambsgans. Gottesdienste 10 Uhr Vorm. und 7 Uhr Abends. Sonntag schule 3 Uhr Nachm. Ge meindeversammlung jeden ersten Sonn tag im Monat. Frauenverein alle zwei Wochen am Freitag. Männerchor probt

Mittwoch Abend. Gem. Chor Donner stag Abend. St. Peter. (Missouri Synode.) S. O. Ecke Broolside Ave. und Jupiter Str. Pastor Charles W. Gicse. Got tesdienste 10 Uhr Vorm. und 7 Uhr Abends. Sonntagschule 2 Uhr Nachm. Dreieinigkeitskirche (Mis. souri Synode). N.O.Ecke Ost und Ohio Str. Pastor Peter Seucl. Got tesdienste 10z Uhr Vorm. und 7$ Uhr Abends. Sonntagschule 9z Uhr Vorm. Gemischter Chor Mittwoch Abend. Ge. meindeversammlung 1. Sonntag im Monat Nachm. Frauenverein Don nerstag Nachmittags. 2Nethodisten Kirchen Erste Kirche.. S.W.Ecke New York und New Jersey Str. Pastor Frank A. Hamp. Gottesdienste 10z Uhr Vorm und ?z Uhr Abends. Sonn tagsschule 9 Uhr Vorm. NippertGedächtnißkirche. N. W. Ecke 10. Str. und Keystonc Are. Pastor John Claus. Gottesdienst 10z Uhr Vorm. und 7z Uhr Abends. Sonn tagsschule 9z Uhr Vorm. Zweite Kirche. N. O. Ecke Prospekt und Spruce Str. Pastor Charles E. Ploch. Gottesdienst 1)z Uhr Vorm. und ?z Uhr Abends. Sonn tagschule 9 Uhr Vorm. Dritte Kirche. Ecke Morris und Church Str. Gottesdienst loz Uhr

Vorm. und 7z Uhr Abends, 'sonntags schule 9 Uhr. Reformierte Kirchen. Erste Reformierte Kirche. Ecke Noble und Ohio Str. Sonntags, schule 9 Uhr Morgens. Gottesdienste Sonntag Vorm. zil Uhr und Abends z8 Uhr. Jeden letzten Sonntag im Monat, Abends, in englischer Sprache. Frauenverein jeden zweiten Donncrstaz im Monat zz Uhr Nachm. Jugendver ein, den ersten Mittwoch jeden Monats 8 Uhr Abends. W. B. Wittenberg Pastor. Evang. Ref. St. JohanniS Gemeinde. Ecke Alabama und Menill Str. Sonntagsschule 9.30 bis 10.30 Vorm. Gottesdienst 10.40 Uhr Vorm. C. E. Verein 6.30 Uhr Abends. Gottesdienst (Engl.) 7.30 Abends. Bibelstunde Donnerstags 7.30 Abends. Frauenverein jeden letzten Sonntag im Monat in der Kirche, 2.30 Nachm. Jungfrauen Missionsverein jeden ersten Dienstag im Monat, 7.30 Abends. H. W. Vitz, Pastor. Ev.Ref. I mm anu els Kirche. Ecke Prospect und S. New Jersey Str. Gottesdienste Sonntags 10.30 Uhr Vorm. und 7.30 Abends. Gottesdienst in englischer Sprache am ersten und dritten Sonntag Abend im Monat. Sonntagsschule 9 Uhr Vorm. Frauen verein jeden ersten Sonntag im Monath 2.30 Nachm. Jugendvcrcin Dienstag Abends 7.45. A. G. Gekcler, Pastor. Ref. St. Pauls Kirche. Nord Belmont Ave. Sonntagsschule 9 Uhr Vorm. Gottesdienst. 10.30 Vormittags. Frauenverein jeden 2. Sonntag im Mo nat, 2 Uhr Nachmittags. F. Kalbfleisch, Pastor. Ref. Hoffnungskirche. Ost 10. Str. Sonntagsschule 9.30 Uhr Vorm. Gottesdienst 10.30 Vorm. Frauenverein jeden 2. Donnerstag im Monat, Nachmittags 2 Uhr. Jugend verein jeden Mittwoch Abend um 8 Uhr. Julius Grauel, Pastor. Katholische Kirchen. Herz Jesu Kirche. Ecke Union und Palmer Stt. Pfarrer Fr. P. Haase. Messen 5z, 7z und 10 Uhr Vorm. Vesper z3 Uhr Nachm. Ver eine : I.St.Franciscus Unterstützungs Verein. John Ohleyer, Präsident. Ver sammlung jeden ersten Sonntag im Monat. 2. St. Cäcilien Verein. John Lauck, Präsident. Versammlung jeden 4. Sonntag im Monat. 3. St. Aloysius Jünglings Verein. Richard Obergfell, Präsident. Versammlung jeden 2. Sonntag im Monat. 4. St. Ludvigs Verein. Versammlung jeden 1. Sonntag im Monat. 6. St. Georgs Ritter Verein. George Miller, Präsident. Versammlung zweimal im Monat. 0.' St. Martinus Zweig No.80 der Kath. Ritter von Amerika. Zweimal Versammlung jeden Monat. Die ersten 4 Vereine versammeln sich Sonntags nach der Vesper, die letzteren Montag Abends 8 Uhr. Verein der christlichen Mütter. Versammlung jeden 2. Sonntag im Monat. Joscphine Fritz, Präsidentin. St. Clara Jung sraücn Sodalität. Miß Carry Ahldcrs, Präsidentin. Versammlung jeden 3. Sonntag im Monat. Versammlung beider Vereine nach der Vesper. St. Marien Kirche. Südseite der Maryland 'str., westlich von Dela wäre Str. Pfarrer Anthony Scheide ler; Priester Wm. Heuscr. Messen 6z. 7z und 10 Uhr Vorm. Christenlehre 2z Uhr Nachm. Vesper 3 Uhr Nachm Der Fraucnverein versammelt sich jeden ersten Sonntag im Monat nach der Vesper. Der Jungfrauenvcrein ver sammelt sich jeden 2. Sonntag nach der Vesper. Jünglingsvereine jeden 2. Dienstag im Monat. St. Josephs Unt. Verein jeden 2. Montag im Monat in der St. Marien Halle. Präsident, Ignatz Strack; Sekretär, Carl Bunagel. St.Bonifacius Unt. Verein jeden letzten Sonntag im Monat in der St. Marie Halle.