Indiana Tribüne, Volume 24, Number 132, Indianapolis, Marion County, 29 January 1901 — Page 1

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Grsltxcint jede ZlaU,,nitta,g nd Konntag Morgen.

Jahrgang 24.

Aus dein deutschen 'Reich.. - ZZutchtbare Schueestürme , Richten in ganz Deutschland bcdcw tcndcn Schaden an.

Judianapolis, Ind., Dienstag, den 29. Januar 1901.

Forderungen der Agrarier im Landtag.

Ter deutsche Kronprinz

Bon dem König Edward VI l. mit dem Hosenbaud-Orden deforirt.

Aus dem Deutschen Reich. Berlin. 29. Jan. Wenn auch entschieden in Abrede gestellt wird, daß der deutsche Kaiser seinem Unwillen darüber Ausdruck gegeben habe, daß sich der Reichstag nicht zu Ehren des Andenkens der Königin Victoria ver tagt hat. halten viee Mitglieder des Reichstags die Behauptung doch für wahr. Die Entscheidung des Reichstags tt?ar durch deutsche und britische Präcedenzfälle beeinflußt worden. Der Reichstag hatte sich auch nicht bei dem Tode des Kaisers Alexander II. von Rußland vertagt.- der ein Reffe Kaiser Wilhelm I. und stets ein Freund Deutschlands war. Auch vertagte sich das britische Parlament nicht beim Ableben des Kaisers Wilh.'lm I. Dieser Umstand übte einen bestimmenden Einfluß auf die Entscheidung des Reichstags aus. Es wird darauf hingewiesen, daß es eine ungewöhnliche Ehrenbezeugung gewesen sei. daß Graf von Bülow im Reichstag erschien, den Tod der Königin Victoria ankündigte und eine Gedächtnißrede zu Ehren der todten Kö N'.gin hielt. Die Mitglieder des Reichstags sind der Ansicht, daß sie Alles ge than haben, was unter den Umständen zu thun ihre Pflicht war. Der Landtag nahm am Montag eine von den Agrariern eingereichte Resolution'an, in welcher die Regierung ersucht wird, ein System zur Versicherunz von Schlachtvieh, das kondemnirt wird, zu inauguriren. Der Staat soll die Hälfte der Kosten bezahlen. Auch wird der Staat darin ersucht. Etablissements anzulegen, in denen das Fleisch und die anderen Theile der kondemnirten Thiere berwertbet werden können. In Görlitz sind die Bankiers Müll:?, Vater und Sohn, wegen betrügerisch? Vankerotts zu zehn Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. Der Teutsche Oekonomist" versichert. daß im letzten Jahr in Deutschland 261 Aktien - Kompanien mit einem Gesammt - Kapital von 340.000.')00 Mark gegründet worden seien, ze,en 34 Kompagnien mit 545.000,000 fcerk Kapital im Jahre 1899. In vielen Theilen Deutschlands wüth?n furchtbare Schneestürme, und der in den letzten 24 Stunden angerichtet: Schaden ist ein sehr bedeutender. Die Stadt Leer an der Küste von Ostfriesland hat bei einer Sturmfluth bedeuter.den Schaden gelitten. Aus Bremen, Frankfurt. Aachen und Dresoen werden Unglücksfälle in Folg: deZ starken Schneefalls gemeldet. Die Lahn ist aus den Ufern getreten und auch in Schlesien befürchtet man Überschwemmungen. Räth zur Freundschaft mit den Ver. Staaten. S t. P e t e r s b u r g . 29. Januar. Die Novoe Vremya" sagt in einem Leitartikel über die kllrzliche Erklärung des deutschen Agrariers Graf von Kanitz. daß die deutschen Agrarier mit Rußland Freundschaft zu halten wünschten, auf Unkosten der Ver.Staaten. indem sie Rußland niedrigere Zölle gewährten: Die Ver. Staaten und Rußland werden gut thun, wenn sie in ijer Getreidefrage Hand in Hand gehen, da eine Konkurrenz es nur den Ländern, die nicht genug Getreide ziehen. möglich machen würde, eine unbegrenzte Steuer auf's Brod zu legen." Die Politik der russischen Regierung, mit den Ver. Staaten die freundschaftlichsten Beziehungen zu pflegen, findet, der Novoe Vremya" zufolge, immer mehr Anklang in den einflußreichsten Kreisen Rußlands. Der Kronprinz dekorirt. C o w e s. 29. Jan. Dem deutschen Kronprinzen, Friedrich Wilhelm, wurde am Montag von dem König Edward VII., der Hosenband-Orden verliehen. Die Investitur fand in dem Rathsfaal des Schlosses zu Osborne statt und war eine brillante Affaire. Die anwesenden hohen Hofbeamten, Militärs und Civilbeamten und das Gefolge des Kaisers Wilhelm, darunter mehrere Offizkrre von der Hohenzollern, Lvohnten der Ceremonie in Gala-Uni-form hei.

Ms der Kronprinz vor dem onrz

niederkniete, um die Jnsignien des Ordens zu empfangen, sprach der König einige freundliche Worte zu ihm und, sich an den Kaiser Wilhelm wendend, dankte er diefem für seinen Besuch und wies auf die verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Bande hin, die England mit Deutschland verbinden. Es heißt, daß der Kaiser Wilhelm dem Prinzen Arthur von Connaught, Sohn des Herzogs von Connaught, das Vroßlreuz des rothen AdlerordenZ verleihen wird. Der Obersthofmarschall des Kaisers, Graf zu Eulenburg, befindet sich auf der Reise hierher, um sich dem Gefolge des Kaisers Wilhelm anzuschließen. Der Letztere machte am Montag einen längeren Spaziergang durch den Park von Osborne. Der Kaiser hat seinem Obersiallmeiste?. Graf v. Wedel. Befehl zugeschickt, sofort sechs der schönsten ReitPferde aus dem kaiserlichen Marstall nach London zu bringen. Der Kaiser und Kronprinz und ein Theil seines Gefolges werden bei der Beerdigung der Königin Victoria zu Pferde erscheinen. Angebliche d e u t s ch e S p i o n e W a r s ch a u. 29. Jan. Die russische Regierung hat acht Deutsche we gen angeblicher Spionage verhaften, Prozessiren und nach Sibirien deportiren lassen. Der deutsche Konsul ist von hier abberufen worden. Der Fall wird jedenfalls mit Rußlands summarischem Vorgehen keineswegs abgethan sein. Li Hung Chang gefährlich krank. S h a n g h a i . 29. Jan. Eine Depesche aus Peking sagt, daß Li Hung Chang am Fieber gefährlich krank darniederlieg? und wenig Hoffnung vorHanden iei. daß er wieder genesen werde. P e k i n g , 29. Jan. Li Hung Chang und Prinz Ching haben die Mächte ersucht.'Fu Sheng und Sho Fu zu den Friedensoerhandlungen zuzuziehen. Aus Südafrika. P r e t o r i a . 29. Jan. General Smith Dorien hat nach heftigem Wi dcrstand seitens der Boeren Carolina besetzt. Die Generäle De Wet und Peterson haben mit 500 Mann die Eisenbahn zwischen Ventersburg und Hal fontein überschritten. Die Revolution in Venez u e l a. Port of Spain, Trinidad, 29. Jan. Ueber die Kämpfe, die in letzter Woche in V".ezuela zwischen Guiria und Carupano stattgefunden haben, sind jetzt weitere Einz:!h:iten eingetrof fen. Die Insurgenten hatten sich zuerst der Stadt Carupano bemächtigt und dabei große Munitionsoorräthe erbeutet; und gleich darauf fielen ihnen auch Jrapa und Guiria in die Hände. Die Hauptkämpfe fanden bei Jrapa statt, wo sich 900 Insurgenten ' verschanzt hatten. Sie wurden in ihren Schan zen von 1100 Regierungstruppen wiederholt angegriffen, schlugen aber alle Angriffe erfolgreich ab. bis die Regierungstruppen eine Feloartillerie ins Gefecht brachten, unter deren Feuer die Insurgenten sich zurückziehen mußten. Ihr Verlust belief sich indeß auf nur acht Todte und 4 Verwundete, während die Regierungstruppen bei den wiederholten Angriffen auf die Schanzen 250 Mann an Todten und 27 an Verwundeten verloren haben sollen. Elf Frauen, die sich bei den Regierungstruppen befanden, wurden ebenfalls getödtet. Die bei dem Schauplatz der Unruhen angekommenen Leute erklären llbereinstimmend, daß die Regierungstruppen in Los Cenvas und Jrapa Scheußlichkeiten aller Art begangen und weder auf Nationalität noch auf Geschlecht Rücksicht genommen haben. S ch i f f b u r ch. Rotterdam, 29. Jan. Der Dampfer Holland", von London, ist aam Montag gestrandet, als er. bei dem heftigen Sturm, in Nieuwewaterweg. an der Maas-Mündung einlaufen wollte. Das Schiff wurde mit großer Gewalt gegen den Rord-Pier geschleudert und brach schon nach kurzer Zeit entzwei. Sechzehn Personen kamen um's Leben. m mm Feuer. M a r i e t t a . O.. 29. Jan. In Waterford, in diesem Counth. sind in der Nacht zum Montag die großen Ge bäude der Waterford Manufacturing Company. Fabrikanten von Pflügen, niedergebrannt. Die Gebäude waren nicht versichert und man glaubt, daß Brandstitung vorliegt. Eine große Anzahl von Arbeitern kommt dadurch außer Beschäftigung.

Tcmpcrenk-Zanatismus

in Kausas. Frau Partie Nation wieder auf dem Kriegspfad. , Cic beleidigt die höchsten Staatsbcamtcn in Topeka.. - Denn Eouverncur fing sie an. . Ter Brosschieter-Mord.

Die neuesten Tapeten bei Carl Möller. 152 N. Delaware Str.

Kcrr verzichtet auf einen Prozeß, . Nachdem die Mordanklage gegen ihn niedergeschlagen worden. TaS Urtheil gegen die Schuldigen wird bald gefällt werden. Crazy Snake," der rebellische CreekHäuptling, gefangen. FrauNation's Eskapaden. Topeka. Kas.. 29. Jan. Frau Carrie Nation begab sich am Montag in die Office des Gouverneurs Stanley im Kapital und machte ihm Vorwürfe, daß er die Wirthschaften nicht schlösse. Eine große Anzahl Berichterstatter begleitete das Weibsbild und sobald dasselbe des Gouverneurs ansichtig wurde, bat sie ihn um Unterstützung in ihrem Kreuzzuge gegen die Wirthschaften.' Sie entwickelte ein so unerschöpfliches Suade, daß der Gouverneur gar keine Gelegenheit erhielt, dem Weihe Vernunft einzureden. Als sie den Gou verneur fragte, ob er ihre Methode, die Wirthschaften zu unterdrücken, für die richtige hielte, antwortete - er kurz Nein". Wissen Sie eine bessere Methode. Herr Gouverneur? fragte Frau Nation darauf. Der Gouverneur blieb ihr darauf die Antwort schuldig und gab ihr nur zu verstehen, wie seine Machtbefugnisse begrenzt seien.'-. " Wenn nöthig, so sollten' Sie ' die Milizen aufbieten," erwiderte FrauNa tion. Sie können jede Wirthschaft in Kansas schließen, wenn Sie wollen, aber Sie wollen nicht. Sie vergessen Ihre eidlich übernommene Pflicht, die Gesetze des Staates vollstrecken zu wol len, und sind nicht nur ein Uebertreter des Gesetzes, sondern auch meineidig." Das Weibsbild redete sich in eine immer größere Wuth hinein und. fort während mit dem Finger auf den Gouverneur zeigend, wiederholte sie ihre Indiskretionen mit überraschender Schnelligkeit, bis dem Gouverneur die Sache zu bunt wurde und er sagte, erwürde sie hinauswerfen, wenn sie sich nicht eines anderes Tones bediente. ..Ich repräsentire die Mütter von Kansas." schrie Frau Nation. Sie thun nichts dergleichen," erwiderte der Gouverneur. Helfen Sie uns, Herr Gouverneur, die Wirthschaften zu unterdrücken." sagte Frau Nation darauf mit etwas ruhigerer Stimme, oder wenn Sie uns nicht helfen wollen, so gehn ich wieder herum und schlage alles kurz und klein. Der Teufel scheint hier mit den Männern im Bunde zu sein und sie festzuhalten, er bat aber keine Macht über Beile und Steine." Gehen Sie zu den Cour.ty-Anwäl-ten der einzelnen Counties, und wenn Wirthe auf deren Antrag verurtheilt werden, so werde ich sie nicht bcgnadi-gen."

Dieses Versprechen machte Frau Nation sofort wieder freundlich. Sie dankte dem Gouverneur und begab sich zur Office des General-Anwalts Gcddard. Letzterer war beschäftigt, aber sie verschaffte sich mit Gewalt Zutritt zu seinem Privatzimmer und sagte : Wir verlangen, daß sie diese Kneipen, diese Mördergruben schließen '!" Der Generalanwalt wies sie an den Countyanwalt und im Weggehen bemerkte sie: Der Gouverneur und der GeneralAnwalt Anwalt scheinen sich drücken zu wollen, aber vor meinem kleinen Beil: kann sich kein Kneipen-Spiegel oder Fenster drücken." Beim County-Anwalt wiederholte sie ihr Verlangen und verlangte schließlich einen Verhaftsbefehl für die Frau eines Wirthes, welche sie am Samstag mit einem Besenstiele geschlagen hatte. Dann machte sie sich auf den Weg zum Sheriff Porter. Dort fing sie wieder wie ein Rohrspatz an auf den Sheriff zu schimpfen, bis dem Letzteren die Galle überlief. Statt aber dem Frauenzimmer die Thür zu zeigen, griff er einen der Berichterstatter an. von dem er sich auZgelacht glaubte, packte ihn am Kragen und wollte auf ihn losschlagen, doch warfen sich sofort andere dazwischen und trennten die Beiden. Das Frauenzimmer lud den braven Sheriff höflichst ein. in seine Privatoffice zu kommen, um ihre Argumente ohne Zeugen fortAl,(Vhtt, , .-2.

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Opfer der Megräre sein, er halte sich aber aus dem Staube gemacht und seine Office war verschlossen. ' Max I. Lasar todtkrank. ! N e w Y o r k , 29. Jan., Eine De pesche von Buffalo meldet, daß Max I. Lasar, der König ' der Diamantenschmugaler. der im Arbeitshaus von

Erie County einen sechsmonatlichen Z"' 1 r 1 - . r r-1 i . ' -, r i -

itajicimm aonvl, vorausncylttcq. nicht mehr viele Wochen zu leben habe. Er ist todt krank und siecht längsam seinem Ende entgegen. . Jahrelang betrieb derMann, der jetzt sein ganzes bedeutendes Vermögen, seine Freiheit und seine Gesundheit verloren hat, den Diamantenschmuggel im Großen und mit vielem Erfolg. Sein Bureau befand sich in 24 MaidenLane. Die Beamten des Bundesgeheimdienpes wurden schließlich auf ihn aufmerksam und beschlagnahmten Edelsieine im Werthe von $62,000, die seine Schwägerin von Montreal über die Grenze geschmuggelt hatte. Die Diamanten waren futsch" und er mußte außerdem $38.000 Strafe bezahlen. Durch den Verlust der $100.000 ließ Lasar sich jedoch nicht abschrecken. Letzten Sommer brachte er wieder für $75,000 Diamanten über die canadische Grenze, indem er eine arglose junze Dame, die sich mit ihrem Gatten auf der Hochzeitsreise befand, als HelfersHelferin benutzte, ohne daß sie eine Ahnung davon hatte. Wieder fielen die Edelsteine den Geheimen" in die Hände. Lasar wurde in Lockport verhaftet und nach einem langen Prozeß zu 6 Monaten Arbeitshaus verurtheilt. Die Hauptzeugin gegen ihn war eine junge englische Lehrerin. Er hatte dieselbe auf einer seiner vielen Europarei sen kennen gelernt und ihr sofort eif rigst die Cour geschnitten. Er weihte sie in seine Gaunereien ein und bewog sie, ihm bei seinen Schmugglereien zu helfen. Sie brachte einmal für $100.Y00 Diamanten in ihrem Gürtel durch's Zollamt. Die Absicht Lasar's war. eine Schei dung von seiner Gattin zu erwirken und die hübsche britische Schoolma'm" zu heirathen. Seine Frau kam ihm jedzch zuvor und erwirkte eine gerichtliche Trennung von ihm. Als er seine Pläne vereitelt sah. schiate er die Geliebte fast mittellos nach der Heimath zurück und die Betrogene schwor ihm Rache. Nach seiner Verhaftung erklärte sie sich bereit, von England herüber zu kommen und als Zeugin gegen ihn aufzutreten. Ihr hat er seine Verurtheilung hauptsächlich zu verdanken. P. D. Armour's Testament. Chicago. Jll., 29. Jan. Das Testament des verstorbenen Packers P. D. Armour verfügt über einen Nachlaß von $15,000.000. Die Wittwe. Mal wina B. Armour. und I. Ogden Armour, der Sohn des Erblassers, sind als Testamentsvollstrecker genannt. Das Vermögen fallt an die Wittwe und I. Ogden Armour. .Die beiden Knaben des verstorbenen Sohnes des Erb lassers P. D. Armour. jr.. sollen, wenn sie 25 Jahre alt werden, je $1.000.000 erhalten, von welcher Summe die Großmutter. Malvine B. Armour, die Hälfte und ihr Onkel. I. Ogden Armour. die andere bezahlen soll. Und wenn sie das 30. Jahr erreichen, sollen sie weitere $1.000,000 jeder erhalten. In dem Testament heißt es weiter, daß

i den Enkeln nicht mehr vermacht wor-

den sei, weil lhr verstorbener Vater, P. D. Armour, jr., schon bei Lebzeiten den größten Theil des ihm zufallenden Vermögens erhalten habe. Für Wohlthätigkeitszwecke wurde nichts hinterlassen und die Erben erklären, daß dies aus dem Grunde geschehen sei. weil P. D. Armour bei Lebzeiten schon mehrere Millionen Dol lars für solche Zwecke hergegeben habe. Der Bosschieter - MordProzeß. yatersnn. N. I.. 29. Jan. George I. Kerr, der gemeinschaftlich mit McAllister, Campbell und Death in Verbindung mit dem Tode der Jennie Bosschieter der Nothzucht und der Mordes im ersten Grade angeklagt war, wurde am Montag unerwartet vor den Richter Dixon gebracht, wo er erklärte, auf eine Vertheidigung verzichten zu wollen. John M. Harding, der Anwalt' Kerr's hielt eine Ansprache an das Gericht, in der er erklärte, daß Kerr nicht zugegegen gewesen sei. als Jennie die Knockout"-Tropfen cingegeben wurden, und daß er sich auch nicht an der Schändung der Person des Mädchens betheiligt habe, als dieses an der Rock Road" aus der Kutsche gehoben wurde. Der Anwalt sprach die Hoffnung aus, daß dies bei der Verur theilung Kerr's in Betracht gezogen werden würde. Der Staatsanwalt Emley erklärte, daß er alle Vorbereitungen getroffen habe, um Kerr auf Grund der von den sircßgeschworenen erhobenen Anklage Zu Prozessiren, daß er aber die Erklärunaen des Anwalts in Bezug auf den

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Antheil, denerr an dem Vervrecyen genommen, für richtig halte, da sie von anderer Seite. .bestätigt worden seien, und er sich deshalb mit einer milderen Strafe' für Kerr einverstanden erkläre. .Richter Dixon sagte.- nachdem der Staatsanwalt geendet, daß er. wenn er derJury angehört hätte. dieMcAllister. Death und-Campbell schuldig sprach, für '.Mord im ersten Grade gestimmt haben würde. Was Kerr betreffe, so habe der Staatsanwalt keine Beweise dafür, daß der Angeklagte etwas mlt der Vergiftung zu thun gehabt habe. Die auf Mord .lautende Anklage sei deshalb gestrichen worden. Der Rich ter sagte weiter, das Sculthorpe. der Droschkenkutscher, mit den Anderen schuldig sei. daß er sich aber freiwillig gemeldet und offen und frei den ganzen Hergang erzählt habe. Aus diesem Grunde habe der Staatsanwalt Recht gethan, indem er sich geweigert. Anklagen gegen Sculthorpe zu erheben. Kerr wurde nachher nach dem Gefängniß zurückgebracht. Die höchste Strafe, die er jetzt erhalten kann, ist 15 Jahre Zuchthaus. Das Urtheil wird wahrscheinlich in den nächsten Tagen über alle vier Männer gefällt werden. Ein gefährlicher Wahnsin niger. C lar k s burg, W. Va.. 29. Jan. Im Staats Jrrenasyl zu Weston wurde am Sonntag Abend der Wärter Mi chael Wheelan von zwei Patienten. Mack Ware und Andrew Gooden angegriffen und nach heftiger Gegenwehr zu Boden geworfen. Die beiden Wahnsinnigen bohrten ihm dan mit ihren Fingern die Augen aus dem Kopf. Ware, der einer

, der gefährlichsten Patienten im Asyl ist,

griss vor einem Monat den Supermtendenten, Dr. Stathers, mit einem Knüppel an und er wurde damals nur mit vieler Mühe überwältigt. Vor einem Jahr hatte er einen der Wärter gestochen. Frecher, lt a u o. K a n s a s C i t y . Mo.. 29. Jan. Jr. der Offie d:r Standard Oi! Cs im südlichen Theile der Stadt, zwanz ein junge? Mann den Kassirer W. E. Irwin mit vorgehaltenem Revolver in ein Closet zu gehen, schloß ihn dort ein und suchte mit $30 bis $700 das Weite. Irwin machte gerade sein Geld für die Bank zurecht, als der Räub?r eintrat. Irwin war so überrascht, daß er an keinen Widerstand dachte und der Kerl sein Verbrechen erfolgreich ausführen konnte. Es dauerte geraume Zeit, ehe er durch Zurufe Leute herbeirufen konnte, die ihn aus seinem Gefängnisse befreiten. Am Abend arretirte die Polizei Ched Coverdale und Ralph Myer auf den Verdacht hin. den Raub begangen zu haben. Coverdale wurde vom Kassirer

No.133

ÄusderBnndeshauptstadt 56.3sojorcß. 3iücilc Srpn S e n a . Washington. D. C.. 28. Jan. Im Senat hielt am Montag Senator Towne von Minnesota eine drei Stun den lange Rede über die PhilippinenFrage, in der er verlangte, daß sofort die Feindseligkeiten auf den Philipp!nen eingestellt werden sollten. Senator Towne hat einen Ruf als guter Redner. und da die heutige Rede die erste und letzte war. die er Gelegenheit hatte, zu halten, wurde ihm die größte Aus merksamkeit geschenkt und er wurde thatsächlich einmal durch Beifall unter

brochen. Der Vorsitzer. Senator Frye verbot aber jede weitere Demonstration. Senator Towne war noch am Sprechen. als sein Nachfolger, Herr Moses E. Clapp, in den Saal trat, und Sen. Towne hatte kaum geendet, als Senator Nelson das Beglaubigungsschreiben des Herr Clapp einreichte und der neue Senator dann eingeschworen wurde. Auch die Beglaubigungsschreiben des Senators Bailey von Texas und Simmons von Nord-Carolina wurden eingereicht. Am Anfang der Sitzung ließ Sen Frye eine Kabeldepesche auL Manila verlesen, in welcher fünf Führer der Bundes-Partei melden, daß die Aussichten auf einen baldigen Frieden die besten seien, da Tausende von Filipinos in allen Theilen des Landes den Unterthanen-Eid leisteten und sich der Partei anschlössen, wie auch die Hal tung der bisher unversöhnlichen Presse und die öffentliche Meinung einen gänzlichen Umschwung erfahren haben. Zum Schluß wird in der Depesche er klärt, daß der Sache desFriedens außerordentlich gedient werden könne, wenn an Stelle der Militär - Gewalt eine Civil - Regierung mit höchster Gewalt eingesetzt würde, und der Kongreß wird dann gebeten, dem Präsidenten die Macht zu geben, eine solche Regierung zu etabliren, wenn er dies für gerathen halten sollte. Im Uebrizen beschäftigte sich der Senat noch mit dem Jndianer-Etat. ohne daß indeß' die Vorlage erledigt worden wäre. Repräsentantenhaus. Das Haus beschäftigte sich während des Tages hauptsächlich mit Geschäften, die den Distrikt von Columbia allein angehen. Außerdem wurde aber auch die Vorlage definitiv angenommen, derzufolge die Poftgesetze revidirt und in systematischer Weise zusammengestellt werden sollen. Es wurde auch ein Versuch gemacht, die Senats-Vorlage zur Abstimmung zu bringen, derzufolge eine Kommission

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7m w7sn r. n st ffira nnannt werden soll, welche die Schaflr t , ' Versatz - Ansprüche amerikanischer heiser. Dc Banditen hatten $174 la . ra, rSZ: w:. w'

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Helfer

ihrem Besitz.

Nette Zustände. ' S p r i n g f i e l d , O.. 29. Jan.

Eine kleine Sensation verursachte cl

Krieg gegen Spanien erwachsen sind, untersuchen und adjustiren soll, Ansprüche, welche die Ver. Staaten in dem Pariser Vertrag übernommen haben. Das Haus hatte in der letzten Session

am Montag, als im Polizeigericht dtt ' eine ähnliche Vorlage an den Ausschuß

Richter Miller befahl, daß alle im städ zurückverwiesen, mit der Instruktion, tischen. Gefängniß befindlichen Gefan ' eine Vorlage einzureichen, derzufolge g'enen freigelassen werden sollten. De? das Ansprüchegericht Jurisdiktion über Richter begründete seine Entscheidung solche Fälle erhalten soll, damit, daß die Zustände im Gefängniß Rcpr. Hangen, vm Kommittee für solcher Art seien, daß es besser sei. Kriegsansprüche. rief die Vorlage auf, wenn die Insassen frei herumliefen, i die in Uebereinstimmung mit diesen InAm Samstag sei ein Mnn entkom slruktionen vom Kommittee eingereicht men' ein anderer sei im Stande gewe . worden war. und als sie dem Haus vorsen. sich im Gefängniß zu betrinken und ' lag. beantragte er. daß die Vorlage niekeiner würde zur Arbeit angehalten. ! rcrgestimmt und an ihrer Stelle die

Fünf Gefanaene wurden demaenal Senatsvorlage angenommen werden sol

freigelassen. . U. Diese Prozedur erregte den UnwilGeorge Bowlus. der Vater deg lcn vieler Mitglieder, die Sache wurde

Mayors Bowlus. ist Verwalter desGe ober temporar erledigt, indem die Er

fängnisses.

Crazy Snake" im Gesangn i ß. H e n r i e t t a. I. T.. 29. Januar. Chitto Harjo vulgo Crazy Snake", der Führer der aufständischen Creeks, befindet sich hier als Gesängener der Bundesbehörden. Er ließ sich zu keiner Erklärung herbei, doch glaubt man, daß mit seiner Gefangennahme der Aufstand zu Ende ist. Die Nachricht von der Gefangennah me Harjo's traf in letzter Nacht in Henrietta ein. Harjo wurde zu Pferd von vitr Deputier nach dem Zelte des Leutnants Dixon gebracht, der ihm freundlich zuredete. Der Indianer saß mit stoischem Gleichmuth im Sattel. Sag ihn. daß ich ihm die Hand rei chen möchte," sagte Dixon zu dem Doll metscher. ' Hargo gab darauf nur eine unartikulirte Antwort und stieg ab. und begab sicb in das von den Soldaten sür ihn hergerichtete Zelt. Neapel. 28. Jan. Abgeg.: Fürst Bismarck". nach New York. Bremen, 28. Jan. Abgeg.: Königin Luise", nach New Vork.

wägung der Vorlage auf nächsten Mon tag verschoben wurde. Flotten - Rüstungen. Deutschland hat den Ausbau seiner Flotte, in Uebereinstimmung mit dem im Jahre 1899 angenommenen Flottenplan, mit solcher Energie in Angriff genommen, daß die sämmtlichenSchiffe. cnstatt im Jahre 1910. wie ursprünglich beabsichtigt wurde, schon im Jahre 190(5 dienstbereit sein werden. Diese wichtige Nachricht ist im Ma rine - Departement eingetroffen und von der Flotten - Kommission, an deren Svitze Admiral Dewey steht, in Errrägung gezogen worden. Wenn das jetzige Programm durchgeführt worden ist. wird die deutsche Flotte um 34 Li nienschiffe, 20 große und 48 kleine Kreuzer vermehrt worden sein, und mit den anderen, älteren Panzerschiffen, wird die deutsche Flotte dann eine Stärke von mehr als vierzig Linien schiffen haben. Die Eile, mit welcher der deutsche Kaiser den Flottenplan zur Durchfüh rung bringt, ist natürlich nur dem Wunsch zuzuschreiben, eine Flotte zu beüken. die im Stande ül eventuell! (Fortsetzung auf Seite ).

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