Indiana Tribüne, Volume 24, Number 131, Indianapolis, Marion County, 28 January 1901 — Page 7

Jndiana Tribüne, 28. Januar 19U1.

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Argttsaugen. Slcir.cm vcn Paul Oskar Höcker. (Schluß.) Hätte er unbemerkt seine Wv?nunq erreicht, so würde er alles Verdächtig: entfernt, sich in's Bett gelegt und sich verschlafen stellend die Wirtesfrau herbeigeklinqelt kzaben. damit diese hernach sein Alibi beweisen konnte. Aber es ginq auch so. Gemeinsam suchte er mit Kleist's das Haus des Argus" auf. Er betonte dabei, daß er keinen Hausschlüssel besitze und trug ihn doch noch in der Tasche, neben dem Portemonnaie, der Uhr. den Ringen des Erschlagenen. Auf der Treppe dann die seltsame Begegnung mit dem räthselvollen Fremden. Stanway witterte sofort ein Verbrechen sonderbarer Weise fuhr er dem Fremden, von dessen verbrechenschen Absichten er doch nicht so ohne Weiteres überzeugt sein konnte, an den Hals. Es kam zu einem wüthenden Ringkampf, wobei Hüttl sich seiner Haut wehrte, indem er den vermeintlichen Strolch von sich zurückschlug. Beim Ringen übertrugen sich ein paar Lockenhaare auf Stanway's Anzug; es waren ein paar von Fräulein Beyer's Haupt an die Schulter Hüttl's verirrte

Haare. Es hat sich ergeben, daß Hüttl beZ diesem Ringkampf an der rechten Hand VnilM Kl VnitvVa PC frtss ftrf fTf.fl

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I 1 I I V in der Hast die Wunde geschlagen haden. Das ist unmöglich denn dann

wäre doch anzunehmen, daß Huttl in seiner linken Hand die Waffe hielt. Auch das spricht für die Unrichtigkeit der Darstellung durch Stanway. Denn niemand, der nicht wie es volksthümlich heißt links" ist, vermag einen solchen Stoß mit der Linken austheilen, wie ihn der herzueilende Kleist erhalten hat. Ich will den Vorgang erklären, v meine Herren Geschworenen: Stiwa?. der Einzige, der wußte, wo das Stilett lag denn er selbst hatte es ja zwanzig Minuten vorher auf die fünfte Stufe geworfen bückte sich nach der Waffe und im Bestreben, sich selbst eine Wunde beizubringen, bis dann den ihm zur Zeit noch unbekannten Flüchtling noch mehr belastet hätte, traf er Hüttl's Hand und bei einem zweiten Stoß Kleist's Wange. Hüttl entfloh. Stanway warf die Waffe von sich und zitternd stand er vor der Thür, eine Sekunde lang Athem schöpfend, um sich auf die " furchtbare Komödie vorzubereiten, die er nun spielen mußte. Das Glück begünstigte ihn. Während Kleist zum Fenster eilte und es eufriß, öffnete Stanway die Thür. Unbemerkt warf er den Hausschlüssel, der doch bei Beyer vorgefunden werden mußte, auf das Ledersopha. Dann brach er in ein jämmerliches Geheul aus und weinte an der noch warmen Leiche bittere Thränen, wobei er so achtlos sich bei dem Körper des Erschlagen! niederwarf, daß ihn das Blut bespritzte.

Eine Minute vorher hatte der ..ewir ge Referendar" seinen letzten Athem- . .it nv.n t.ix.

zug geiyan. sjuiu qane oyne es zu ahnen den erlösenden Seufzer, das Röcheln des Sterbenden vernommen! Vortrefflich kam die räthselvolle Legegnung dem schlauen, in allen Criminalsachen geübten Stanway zu Statten.

Er war kein gewöhnlicher Verbrecher vielleicht hatte er in solchen Dingen schon viel Routine. So konnte er denn unsere vortreffliche Polizei. Staatsanwalt. Comminarien und Untersuchungsrichter täuschen und doch hätte in jener Stunde eine einzige Revision seiner Taschen genügt, um seine himmelschrciende. bodenlos niedrige, schnöder Gewinnsucht entsprossene Hinmordüng Beyer's. mit dem er vielleicht nur deshalb überhaupt in Verbindung getreten war. um ihn durch solch' blutige . Arbeit zu verkaufen, klar zu erweisen! Als findiger Detective wußte er aber auch in der Folgezeit feinen Vortheil wahrzunehmen, wo immer er ihn erkannte. So war er thätig, um Miß Worcester mit zu belasten; dieselbe BeA reitwilligkeit zeigte er. um Frau Hüttl. um ihren Gatten an seiner Statt büßen zu lassen. Die größte Schurkerei aber beging er. indem er durch seine schlau und tückisch combinirte Intrigue Frau FeHeia Hüttl in den Tod zu treiben gedachte. War ihr Mund auf ewig v stumm, so rettete nichts mehr den Unglücklichen, der da vor ihnen auf der Anklagebank sitzt. Aber Gott wollte die Hinopferung des unschuldigen Weibes nicht. Er ließ Frau Hüttl von ihrem schweren Leiden genesen und machte sie sehend. Ja, sefcenb sage ich. Argusaugen verlieh cr ihr, mit denen sie las tausendfältige Jntriguennetz zu durchdringen wußte, mit dem Stanway seine Opfer umgeben hatte! Wie Hohn klingt es, wenn .wir den großsprecherischen Namen Argus" tuf der Firma Stanway's lesen, der die Justiz auf solch' raffinirten Schleichwegen in die Irre zu führen V wußte. Und wir Eriminalisten müssen dem Weibe, das in der Angst um den Geliebten mit Argusaugen zu sehen gelernt hat. den Lorrairg einräu men, denn wir haben in der Ergrüniuria dieses Verbreckens und seiner

dunkeln Geheimnisse keinen imponiren

den Spaherbllck verrathen. Hut ab vor dem Anwalt des Angeklagten denn hier steht er vor Jhnen. unser Aller Meister Frau Felicia Hüttl!" Ein Beifallssturm brach los und es währte lange, bis der drohend aufgesprungenePräsident durch energisches Klingeln die der Würde des Ortes angemessene Haltung des Auditoriums durchgesetzt hatte. Dann kam Dr. Helm zum Schlüsse. Ich habe nickts mehr hinzuzusetzen, meine Herren Geschworenen, als dieses: Glauben Sie dem Anwalt des Angeklagten, der die Schuldigkeit betheuert. Dieser Anwalt steht mit aus gebreiteten Armen vor seinem Clienten und ruft Ihnen zu. wie es in jenem Hohenlied der Liebe heißt: Tödt' erst sein Weib!" Meine Herrrn Geschworenen, ich weiß: Sie werden sein Weib nicht todten denn Sie werden den Unglücklichen, der Ihnen im Bewußtsein seiner Unschuld mannhaft und stolz in'S Auge schaut, freisprechen!. . . Und nun, Gerechtigkeit, gehe Deinen Gang!" Eine halbstündige Pause trat nach der Rede des Vertheidigers ein. Von allen Seiten umringten den jungen Rechtsanwalt die Zeugen, ihm Glück wünschend, ihm dankend. Theo und Felicia waren, trotz alle: Ergriffenheit, doch zu feinfühlig, als daß sie jetzt noch einmal dem ausgeregt summenden, durcheinanderwogenden Publikum das Schauspiel einer G:fühlsäußerung gegönnt hätten. Sie sahen einander nur fest und in mg an siegesgewiß und voll glück-

seligen Gottvertrauens. Keine bange Furcht gab es m:hr fü: sie. während die Geschworenen im Nebenraum den Wahrspruch beriethen. Aber auch Theos Vater hatte seine Fassung wiedergefunden. Lange sprach er mitFelicia. die still, fast träumerisch lauschte, während ihr Antlitz mit einem verklärten Lächeln dem noch immer auf der Anklagebank festgehaltenen Gatten zugewandt blieb. Erst zum Schluß von des alten Mannes leiser, fast bittender Rede wandte sie sich nach Theos Vater um aber da hatte dieser schon sein schneeweißes Haupt 'tief herabgebeugt und ihre Hand geküßt. V!lltüb:rgossen stand sie da. Dann umhalste sie den tief erschüttertenGreis und küßte die Thränen von seinen Wangen. Lautlose Stille trat ein. als bald nach Beendigung der festgesetztenPause die Geschworenen, ihrem Obmann folgend. in den Sitzungssaal wieder eintraten. Ihr Wahrspruch lautete Richtschulbig! Selten hatte der ernste, feierliche Saal einen solchen Jubel gehört, wie er jetzt losbrach. Und der Präsident, der sofort dem Angeklagten ankündigte. daß er frei sei, drang trotz seines , lauten Klingelns nicht mehr durch. i Einige der .Geschworenen und der Richter beglückwünschten das Ehepaar, den Vater des Angeklagten, dessen Freunde; auch aus dem Publikum tra-! ten viele herzu, den Erlösten ihre Be-!

friedigung über die Wendung des Pro-

cesses mitzutheilen. Arm in Arn: verließ das junge Paar den Sitzungssaal. Auch draußen noch in den Gängen, vor dem Justizgebäude, umringte man die ernsten, jungen Leute, die eine so harte Prüfung hatten überstehen müssen. Bevor aber das freisprechende Urtheil aus dem düsteren Haus in's Freie gedrungen war, hatte schon der Telegraph der Londoner Criminalpolizei Anweisung zur Ergreifung de wahrm Thäters gegeben, dessen Fes:nähme jetzt mit Leichtigkeit bewerkstelligt werden konnte. Vier Monate später, als Hüttl und seine junge Frau sich gerade auf die Bahn setzten, um die zweite Hälfte des so jäh unterbrochenen Urlaubs gemeinsam mit dem Generalconsul in der herrlichen Alpenwelt zu verbringen, hörten sie von der Verurtheilung des endlich nach langem, hartnäckigem Leugnen geständigen - Häftlings. Man hatte ihn zum Tod verurtheilt, und es war wenig Aussicht vorhanden. daß das von ihm eingereichte Begnadigungsgesuch genehmigt weiden würde. Gerechtigkeit, gehe Deinen Gang!" jagte auch Hüttl. Dann aber preßte er innig den Arm des sich an ihn anschmiegenden Anwalts" Felicia. (End e.)

Ohne Frieden.

Roman von Alexander Römer.

Verblümte 1 1 1 i !. Direktor: Ich kann Ihr Stück für mein Theater leider nicht brauchen." Autor: Und warum nicht?" Director: Sie willen, wir haben nur eiuen einzigen Nothausgang!" Vergleich. Denken Sie sich, die Moeller, so ein altes Frauenzimmer. und pudert sich nocb." Mein Lieber alte Wobd sind' c: wohnlich bestaubt!"

Erkältung in einem Tage zu heilen. Nehmen Sie Laxative Bromo Quinine Tablets. Alle Apotheker statten das Geld zurück, Wenn Heilung fehlschlägt. E. 23. Grove's Unterschrift an jeder Schachtel. 25c. Die neuesten Tapeten bei Carl Möller. 152 N. Delaware Str.

(Fortsetzung.) Berghaus wuiy ano uu-rn richtete den Scheitel kunstgerecht bis in den Nacken. Die Wein- und Vierdünste verslogen, aber nicht die Gedanken im Gehirn des heuteMorgen sehrSchweigsamen. Der kleine Affenpinscher Schufterle hatten sie ihn getauft der im ganzen Corps heimisch war und sich abwechselnd zu diesem oder jenem Corpsburschen gesellte, nach freierWahl und Neigung seinerseits, legte jetzt .die Pfoten auf das Knie des Sinnenden und rieb die kalte, schwarze Schnauze an dessen Hand. Robert streickelte ihn gedankenlos. DaZ Thier war gestern Nacht mit ihm gekommen, ohne daß er dessen geachtet hatte. Sieh. Schufterle, wolltest wohl Abschied nehmen," sagte er und kraute

das zottige grue Fell tes keineswegs hübschen Thieres, aber er fyilts es ja seinerzeit aus dem Fluß gezogen und vor dem Ersaufen gerettet, seitdem war es der Corpshund geworden, von allen geduldet, ja verzogen. Ja, solch ein Vieh hat seine In. stincte, und du weißt übe? vieles genau Bescheid, Schufterle, du wußtest auch, was du thatest, als du gestern mit mir gingst." meinte er. Der Hund sah ihn treuherzig an und blaffte ein paarmal, Robert schob ihn jetzt zurück. Na. Meister Berghaus, wir sehen uns heut zuletzt ja. machen Sie nur

.kein solch verblüfftes Gesicht die Rech-

nung wollen Sie sagen, die vermaledeite Rechnung 'hat dieser stattliche Kopf" er machte seinem wohl frisirten Spiegelbild eine ironische Verbeugung ein Vermögen verschlungen? Doch, Bester, ohne Sorgen, mein Alter wird die Rechnung begleichen, ich freilich augenblicklich, da sehen Sie her! er öffnete lachend die Schubfächer des eleganten Schreiöpults im anstoßenden Gemach, welches luxuriös eingerichtet war, es gähnte eine bedenk liche Leere in allen Behältern, dann krempelte er die Taschen seiner Joppe und seiner Beinkleider um nichts und wieder nichts, und wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren." Das Gesicht des Friseurs war lang geworden und trug nicht mebr den beflissenen und verbindlichen Ausdruck von vorhin. Er kramte mit etwas zitternden Händen seine Geräthe zusammen und meinte gedehnt: O, ich weiß schon, der junge Herr spaßen einmal wieder! So Knall und Fall, nein, das glaube ich nicht, die Herren in Ihren Semester:. Pflegen dann erst das Examen zu machen " Halt! halt, mein Bester!" Robert klopfte ihm mit hochmüthiger Miene die Schulter seien Sie nicht allzuweise, kennen Sie dasSprichwort: Schuster, bleib bei deinemLeisten? also, dixi, zu Ihrem Geld sollen Sie schon kommen, nur ein bissel warten heißt es, na, das kennen Sie ja." Das gemüthliche Schulterklopfen

axttiz in eine so energische Vorwärts-

schiebebewegung aus. daß das windige Männchen sich cjs der Thür complimentirt fand, ehe er wußte, wie ihm

geschah. Zum Ueberfluß blaffte und zähnesletschte dies unausstehliche Vieh ihn noch an und zerrte mit seinen scharsen Zähnen an seinen Hosen,Berghaus, das ewig lächelnde, glatte Männchen war nahe daran, aus der Haut zu sahren; diese Herren Studenten, wußte

man je, wie man mit ihnen dran war? Heut Berghäuschen hier, Berghäuschen dort, auch mal unbesehens einen Goldfuchs oder zwei, dann wieder prosit! da gab's ein Nachsehen, diese Bestie war auch abgerichtet, sie verfolgte ihn bis auf die Straße, ihm wurden die Hacken kurz, er flog im Tänzelschritt über das Trottoir. Robert stand oben am Fenster und sah dem Eiligen nach, er lachte, der Kerl sah zu komisch aus, sonst, mit dem Lachen war es einstweilen vorbei. Er blickte, sich in dem Raum un, in dem er ja wie lange denn wahrhaftig sieben Semester gehaust hatt, seine Stirn umdüsterte sich merklich. Lauter Zeugen des frohen, freien Burschenschaftslebens, diese Pauk- und Kneipbilder dort an den Wänden, diese Porträts der Corpsbrüder, zum Sprechen ähnlich, da der wilde Salten, mit der struppigen Mähne, der Komiker, der kleine, dicke Amberg, Graf Hochheim, der gutmüthige Siegwart, der forsche Kienitz, ja. wo waren sie alle? Fort, in Amt und Würden schon einige. in der Tretmühle des Philisterthums, Siegwart schon Landrath in Vertretung mit Anwartschaft auf die Stelle, Graf Hochheim imAuswärtigen Amt beschäftigt, natürlich Verbindungen. Connexionen na, sein Alter hatte ja auch welche und rechnete darauf. Robert reckte die markigen Glieder und wanderte zwischen den eleganten Dvans und Sesseln umher, di er sich nach dem Muster der Einrichtung anderer im Corps nach und nach geleistet hatte. Es war ein buntes Gemisch von Gegenständen um ihn her, die eine Zimmerwand war ganz mit Schlägern und kostbaren alten Waffen verschiedenster Gattung decorirt, auf einer Etagere standen die Dedicationen der Commilitonen, Tassen, Theekannen, Pfeifenköpfe mit Porträts, Ansichten, Erinnerungsbildern bemalt, werthvolle Sachen, die große Summen gekostet hatten, Andenken an eine jetzt sckon entschwundene Äeit..

unu va aus oem cauiini ig der letzte Brief des Vaters, langsam griff seine Hand nach dem eröffneten ominösen Schreiben, doch wozu noch einmal lesen, was sich tief genug ihm eingeprägt hatte. Es war zu Ende, des Alten Geduld erschöpft, diese Gauner, der Eoldberger und Rosenstein, die er neulich im Ueberwallen seines Ekels hinausgeworfen, die Schufte hatten sich gerächt und dem Alten seine lausenden Wechsel präsentirt. Ein Vermögen hast du vergeudet," schrieb der Vater, ich weiß zurStunde noch nicht, wie es möglich ein wird, da reinen Tisch zu machen, ich verlange, daß du unverzüglich nach Hause kommst, hier reden wir dann weiter, ob und wie " Ja, ja Gedankenstriche, in seinem Kopf waren auch nur Gedankenstriche, er fühlte es selbst, seine Zeit war um, aber was nun? Er saß in sich zusammengesunken in dem plüschbezogenen Sessel und nagle an seiner Unterlippe. Neben demGefuhl für die Wahrheit der Situation knirschte es in ihm. Einpauker, wie der Vater meinte, solch ein ödes Gedrill,

unwürdig, demüthigend, hm. er war ein bißchen arg ins Bummeln geratben, er hatte eben auf seinen Kops vertrau!, in zwei Semestern meinte er zu be zwingen, worauf die cnde:?n Jahre drucksten. Ein Unglück nur, daß diese zwei Semester strenger Arbeit bis jetzt noch nicht gekommen waren. Und dieser schäbige Professor Weitbrecht, der ihm

das Abtestiren verweigerte, das hatte bei feinem Alten den ersten Ruck ggebcn. und der Weitbrecht saß als Hauptmatador in der Examencommissicn. da war ja hier gar nichts zu machen, so nicht, also nach Hause und ein Strich über das Gewesene. Was nur hatte er da gestern Ab?nd noch contrahirt? Er hatte den hochmüthigen, naseweisen Reichsunmittelbaren schwer beleidigt, seine Physiognomie war ihm fatal und im Wege, es zuckte und juckte ihn. ihm einen tüchtigen Schmiß in die Fratze zu werfen, aber er mußte sich wirklich erst besinnen der Knirps hatte die Sache ernsthafter genommen, es war auf Säbel contrahirt. heut Nachmittag, hm, hm, wenn der Ausgang nicht allzu blutig wurde, konnte er ja mit dem Nachtzug noch reisen. Es klopfte wieder. Jetzt schweifwedelte Schufterle unter freundlichem Knurren. Kommt nun der Rechte?Robert streichelte das Thier.. In der Thürspalte erschien Hans Arnstedt. das Cerevisläppchen auf dem dunkeln Lockenhaupt. Sie warten auf dich beim Frühschoppen." sagte er hastig, sein frisches junges Gesicht war lebhaft geröthet. seine hübschen blauen Augen sahen forschend und fragend auf seinen Leibburschen. Frühschoppen bah! ist vorbei damit, aber hilf mir einmal auf die Sprünge, mein Hirnkasten war gestern Abend etwas turbelig, die Sache mit dem Gräflein. dem Ortuistein - Bernbach. sie ist doch imReinen? DieSecundanten sind " Heldbero und Erbach. gewiß." siel Hans ein. um fünf Uhr im Fechtsaal, auf Säbel. Robert! Das hättest du nun nicht gerade nöthig gehabt, wenn ich mir solche Bemerkung erlauben darf. Dein Ruf als Schläger steht doch felsenfest." Hans war dunkelroth und sah traurig und beklommen auf den Berg'ötterten. Du darfst dir jetzt alles erlauben, mein Junge, denn heut Abend hört für mich die Burschenhcrrlichkeit auf. Uebrigens. dieser Handel ist mir gerade reckt, wird ein famoser Abgang, mich

ärgerte die Stulpnase des Edeln. was willst du. ich werde ihm zu guter Letzt noch einen Blutigen setzen, dem Bürschchen wird der Aderlaß gut thun, und es war meine Sache, ihm den noch zu appliziren. Er hat mich oft genug geärgert." Ja. er ist ein hochmüthiger Gesell", gab Hans kleinlaut zu. indeß " Robert hatte sich erhoben und legte seine Hand schwer auf die Schulter des Kleinen. Dir will ich es sagen. Hans, dir allein, im Corps regte sich Aufsässigkeit gegen meine Person, so im Alloemeinen. weißt du. es laa in der Luft.

man fühlte es, greifbar war nichts. Ich saß ihnen da zu lange als erster Chargirier na, Punktum! es ist Zeit, daß ich gehe." Aber nicht so. Robert, nicht so. erst hättest du das Examen machen sollen " Die Stimme des Jünglings zitterte, er nahm sich schrecklich viel heraus heute Morgen, aber sein Herz war centnerschwer um den andern. Dieser rügte die Insubordination nicht, ein bitterer, höhnischer Zug umspielte seine Lippen. So? damit der Herr Professor Weitbrecht mich so recht nach seinem Behagen mit einem glänzenden Durchfall beglückte. Das Vergnügen, weißt du, wollen wir ihm nun lieber nicht gönnen." Es war zu dumm aber sitzt Weitbrecht denn in der Examencommission?" .Robert nickte. Der Pedell hat's mir verrathen gegen klingenden Gruß." Hans sah verstört aus Was, was willst du denn nun beginnen?" Robert warf den Kopf in den Nack:n und lackte. Noch Hause gehen, als verlorener Sohn, in Sack und Asche Buße thun, das corpu juris wälzen, mit Hilfe eines Einpaukers, solange der Dickschädel es aushält, oder na, für einen forschen, freien Burschen ist als letzter Anlerjm unseren Colonien noch Vlak."

'Äpncn mczt 10. ooeri:

Na, Kleiner, rührselig und weich

i müthig wie ein altes Weib? Ist das f SS ftfiiTI m!nr n?ntfmrif 2 STOnrf

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Mir keine Schande. Leibsuchs! Also du kommst nicht zum Früh

schoppen? aber später zum Mittages-

sen?"

Ich glaub's schwerlich, Hans, ich

vom fahren, heute Abend gleich nach

der Paukerei, hab' noch zu packen, zu

ordnen Heute Abend willst du fahren? Ro bert, unmöglich wenn nun "

Du meinst, wenn das Gräflein mir

1 die Adern durchschlägt, oder ich ihm

so wert will ich's nicht treiben, und wenn seine Klinge vom Teufel gelenkt

würde, na, dann, Hans das wäre im Grunde der allerbeste Ausweg.

Doch Marsch mü dir, mein Junge, ich muß allein sein. Auf Wiedersehen nach der Paukerei!" Hans ging zögernd, mit schwerem

Herzen.

Robert trat ans Fenster. Drüben, seiner Wohnung gegenüber, hielt ein

eichenwagen. Im zweiten Stock, wo die. welche da zur letzten Ruhestätte ge

leitet werden sollte, gewobnt hatte, brannten hinter den herabgelassenen Stores die Kerzen. Ein kleines Ge. folge, Herren aus dem Beamtenstande, die noch Beziehungen zu der schon lange

rerwUtweten egierungsrathin Rudi

ger gehabt, stand in losen Gruppen auf

oem Trtto:?.

Robert blickte mit trüben Auoen au?

ras duftere Bild. Man trug den mit Kränzen überdeckten Sarg hinab m.d setzte ihn auf den Leichenwagen, der Gastliche im Ornat, noch einige nähere Leidtragende, ein Bruder, ein Vetter der Verstorbenen ordneten sich im Zuge dicht hinter der Leiche. Oben an den Fenstern huschten ein paar schwarze weibliche Gestalten, ein junges, süßes, Robert bekanntes Gzsichtchen drückte einen Moment die blasse Stirn gegen die Scheiben. Armes Kind!" sagte Robert für sich, und seine Züge wurden weich. Sie blieb allein, schuklos. mittellos zurück, die kleine Hedwig Rüdiger, die Waise, der Todten einziges Kind. Was wurde aus ihr? Vor ein paar Monaten, auf dem großen Ball der vereinigten Corps, hatte er sie zu seiner Hcrzensdame erkoren, den Tiichwalzer. den Cotillon mit getanzt, im Grunde Anna von Heidberg zum Trotz, die damals schon zur Retirade blies. Anna, die Treulose. Die kleine Hedwig war übrigens reizend, eine kaum erschlossene Knospe, ein süßes Madonnengesichtchen, mit allem Zauber und Liebreiz der ersten thaufrischen Jugend. Wie selig hatte er die Kleine an dem Abend gemacht. Wie stolz war sie in seinem Arm durch den Saal geschwebt, und ihre unschuldigen, noch keiner Versiellung fähigen Augen hatten es ihm deutlich verrathen, wie sehr er ihr kleines, unerfahrrnes Herz bezauberte. Seitdem hatten sie sich täglich gegrüßt, sie war ja sein Visavis, und wenn man woCt, gab es immer eine Gelegenheit, ein Eompliment anzubringen. Nun war auch da drüben alles u Ende, auch da ein großer schwarzer Strich über Gewesenes, und ihn ergriff im Augenblick die Gleichartigkeit ihrer Geschicke. Dann rief er mit Stentorstimme in den Eorridor hinaus nach seiner Wirthin. Augenblicklich öffnete sich unten eine Thür, und Fräulein Dore. der Wirthin Töchterlein, erschien auf den untersten Treppenstufen. Was bescylen der junge Herr?" Das Töchterlein war nun freilich keine ganz junge Hebe mehr, sie mochte schon ihre dreißiq Lenze hinter sich haben, litt an etwas zu üppiger Fülle, sie eilte jetzt, so rasch sie vermochte, die Stufen hinauf. Ihr rundes Gesicht strahlte in dienstbereiter Freundlichkeit, Meine Koffer. Fräulein Dore!" Koffer? Wollen Herr Preuß verreisen? auf lange?" Dores apfelxi es rothes Gesicht nahm einen verbi .,ften Ausdruck an. Roberts Miene war finster, er war

ins Zimmer zurückgetreten, wohin sie ihm folgte, er fing schon an die Bilder

von den Wanden zu rehmen, und sah sie gar nicht an. Dore klopfte das Herz. Was bedeu-

tete das? Er war doch sonst immer so nett. Nicht verreisen, abreisen will ich", sagte er jetzt und drehte sich nach ihr um. Ja. ja. ja. Dorchen. scheiden auf ewig, ach! Sie sehen ja ganz blaß aus; das steht Ihnen gut. Dorchen. kommen Sie her. wir wollen uns denAbschieds kuß geben, ich Pfeife und Sie heulen dazu, die richtige Abschiedsmusik, na " Er hatte sie richtig umgefaßt und herzhaft auf den rothen Mund geküßt, sie schrie quieksend auf und ei pfiff dazu. Aber Herr Preuß, mein Jemine, wie sind Sie doch mitunter, daß man angst und bange vor Ihnen werden kann, Sie spaßen einmal wieder, so lassen Sie doch die netten Bilder da au den Wänden." Kreuzschockschwerenoth! die Koffer, Dore! MachenSie mich nicht fuchswild, ich bin's ohnehin schon. Die Bude hier wird zugemacht, futsch! und für immer." Ihr dämmerte eine Abnung. daß es ernst sei. und es wirbelte ihr im Kopf. O! dieser reizende junge Mann, er wohnte so lange bei ihnen, länger, als sie je einen gehabt, und seine Miethe hatte er immer prompt bezahlt, war freigebig und nobel gewesen, o so no und nun fort. so. vlöfelicki sie

taümelle aus den Boden, um ven 07 fer zu holen. 1 Mit thränenllberströmtem Gesicht erschien sie wieder und zerrte den ge wichtigen Koffer hinter sich her. Lassen Sie doch nur. Herr Preutz, ' was käpeln Sie da alles durcheinander, wenn wenn Sie denn absolut wez müssen, so lassen Sie mich doch machen, ich packe Ihnen dorerst Jbre Wäsche und Garderobe hier hinein," die Sätze wurden durch ihr Schluchzen unterbrachen, und das andere das " Ja so, das können Sie mir nach, schicken, richtig, Dore. Sie sind ein praktisches Frauenzimmer, na Sie wissen ja Gott im Himmel, welch ein Brummschädel." , (Fortsetzung folgt.)

Wenn. Ja, gäb' es keine Lieder mehr. Die Ohr und Sinn entzücken. Unv war' die Welt von Weibein leer. Die Aug' und Herz berückn, Und gab's auch keinen Wein fortan. Zu letzen Geist und Jung: -Ha. meiner Treu, was wär' ich dann Für ein solider Junge!

Die

Jndiana

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Gegründet 1877.

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