Indiana Tribüne, Volume 24, Indianapolis, Marion County, 21 January 1901 — Page 1

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Jahrgang 24.

Indianapolis, Ind.. Montag, den 21. Januar 1901.

Ausland Depeschen Dem Tode nahe. Jas Ableben der Iiöiitojn Ute toria wird fliinölich er wartet.

Um 10 Uhr gestern Abend trat eine Wendung zum Schlimmeren ein.

Kaiser Wilhelm in London anges kommen und vom Prinzen von Wales empfangen.

'König Leopold von Belgien wird eben falls nach England reisen. Des Thronfolgers Gesundheit ist auch nicht die beste.

Die Nachrichten vom Zustande der ha hen Patientin

Haben überall große Aufregung uud Bestürznug verursacht.

Vrzs öc Lubersac wird vom Baron de Nothschild im Duell verletzt.

Nachrichten vom Sterbela g e r. Cowes, Insel Wight, 21. Jan., 2 Uhr Morgen. Die Königin Victoria ist bewustlos und inan glaubt, daß sie im Sterben liegt. 2 Uhr Morgens. Die Aerzte Ihrer Majestät frosten, das; sie sich bis 5 Uhr Mcntag Morgen etwas erholt hat. Thut sie das. so dürste sie noch den Tag durchleben, im anderen Falle muß alle Hoffnung aufgegeben werden. Als um 10 Uhr eine Verschlimmerung einirat, wurden der Prinz von Wales und Kaiser Wilhelm sofort ersucht, nach Osborne House abzufahren, aber Ersterern Gesundheitszusiand ließ dies Mtefct ZU. Die Königin ist sehr schwach und ist oft längere Zeit bewußtlos. Nahrung kann sie fast gar nicht zu sich nehmen. 3 Uhr Morgen. Das Schlimmste wird jeden Augenblick erwartet und die Mitglieder der königlichen Familie sind im Zimmer der hohen Patientin versammelt. 3 Uhr 45 Min. Die Königin lebt noch und in ihrem Befinden ist keine Aenderung eingetreten. 4 Uhr Morgens. Seit Mitternacht ist kein offizielles Bulletin betannt gegeben. Es werden Zweifel laut, daß der Prinz von Wales und der Kaiser Wilhelm noch früh genug ankommen können, um die Königin am Leben zu finden. Eine ungeheure Anzahl Zeitungsleute und anderer Personen zu Pferde, zu Wagen und mit Aicyclen versehen harrt am Eingang zu dem Park auf die jeden Augenblick erwartete Nachricht von dem Tode der hohen Patientin. 5 Uhr 15 Min. Die Mitglieder de? königlichen Familie sind in einem Zim mer. das an das Krankenzimmer anstößt, versammelt. Die Königin ist bewußtlos und ihr Ableben wird jeden Augenblick erwartet. Victoria, Alexandrine, Königin von Großbritannien und Irland, am 24. Mai 1819 im Kensingtonpalast in London als einziges Kind des Herzogs von Kent und der Prinzessin Maria Luise Victoria von Sachsen-Eoburg geboren, wurde nach dem Tode ihres Vaters von ihrer Mutter unter Oberleitung der Herzogin von Northcumöerland erzogen; in englisches Staatsrecht und Geschichte führte sie der whiggistische Lord Melbourne ein. Sie folgte am 20. Juni 1837 ihrem kinverlosen Oheim Wilhelm IV. auf dem Throne und wurde am 28. Juni 1833 gekrönt. Am 10. Februar 1840 vermahlte sie sich mit ihrem Vetter, dem Prinzen Albert von Sachsen-Eoburg-Gotha. Als Königin hielt sie sich bei ollen Wechseln ihrer Regierung stets streng an die konstitutionellen Formen. Ihre eigenen Ansichten waren anfangs whiggistisch, neigten aber später mehr 'den Tories zu. Besonders war sie der Politik Disraelis (Lord Beaconsfield) zugethan. Ihr persönlicher Einfluß aus die Entwicklung Englands in jener Epoche war verhältnißmäßig gering, obgleich sie besonders an der auswärtigen Politik eigenen Antheil nahm und z. B. die englische Einmischung in den deutsch-dänischen Konflikt 1843 hinderte. Die Annahme des indischen Kaisertitels 1876 ist auf ihren eigenen Wunsch zurückzuführen. Ihre Ehe und 'ihr Privatleben waren sehr glücklich, seit dem Tode ihres Gemahls, im Iahre 1861. hielt sich die Königin von der Gesellschaft und von der Oeffentlick-

1 leik aternli f?rn. V m 21 nrn 1837

" j w w "- - 9 wurde mit großen Festlichkeiten das L0jährige Jubiläum ihrer Thronbesteigung begangen und am 21. Juni das 60jährige Jubiläum, an dem sich die meisten Fürsten Europas betheiligten. Der Ehe mit dem Prinzen Albert sind neun Kinder entsprossen, nämlich 1) Prinzessin Victoria, Gemahlin des deutschen Kaisers Friedrich III; 2) Albert Eduard. Prinz von Wales; 3) Prmzessin Alice, Großherzogin von Hessen; 4) Alfred. Herzog von Edinburgh, Herzog von Sachsen-Ecburg-atha; 5) Prinzessin Helene, geb. 25.

Mai 1846. seit 1866 vermählt mit Prinz Christian von Schleswig - Hol stein - Sonderburg - Augustenburg; 6) Prinzessin Luise, geb. 13. März 1843. seit 1871 vermählt mit dem Marauis von Lorne, jetzt Herzog von Argyll; 7) Prinz Arthur. Herzog von Connaught; 8) Prinz Leopold, Herzog von Albany; 9) Prinzessin Beatrice, geboren 14. April 1857. seit 1833 vermählt mit dem verstorbenen Prin zen Heinrich von Battenberg. Davon sind drei, die Prinzessin Alice, der Herzog von Edinburgh, später Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha, und der Herzog von Albany gestorben. Das Ende naht. OsborneHsuse. Insel Wight. 21. Januar, 12 Uhr 15 Morgens. Das amtliche Bulletin, daZ um. Mitternacht ausgegeben wurde, besagt, daß der Zustand der Königin sich spät am Abend verschlimmert hat. Sie wurde zusehends schwächer und war kaum noch im Stande. Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Gegen 10 Uhr wurde das Schlimmste befürchtet. Schnell wurden Arrangements getroffen, um telephonische und telegra phische Verbindungen so weit als mög lich herzustellen. Einzelheiten sind nicht zu erfahren, es verlautet aber, daß die Aerzte kirnst liche Mittel anwenden, um das Leben Ihrer Majestät noch einige Zeit erhalten zu können. Die Associirte Pree hat in Erfahrung gebracht, daß die Königin auf einer Seite ilich gelahmt ist , und fast garnicht sprechen kann. Ihre Majestät war sich früh am Abend ihrer schlimmen Lage .wohl be. wußt und sie weigerte sich, außer den Wärterinnen und den Aerzten irgend Jemand zu sehen. Nur der Prinz von Wales bildet eine Ausnahme, aber auch seine Unterredung mit der Schwerkranken dauerte nur wenige Minuten. Es sind bereits mit einem hiesigen Lei chenbestatter Arrangements getroffen, damit derselbe im Nothfalle alles für die Beerdigung vorbereiten kann. London, 21. Jan. Im ganzen Königreich wußten Sonntag nur ganz wenige Personen, wie es eigentlich um das Befinden der Königin stand. Die Bulletins werfen nur sehr wenig Licht auf die Frage, die überall vernommen wurde : Ist das Ende nahe ?" Die Londoner Zeitungen erwähnten in ihren Extra - Ausgaben nichts von einem Schlaganfall. In der Nähe des Buckingham Palastes und des Marlborough House. wo die Bulletins angeschlagen wurden, bildeten sich immer wieder kleine Gruppen, aber eine eine großeVolksmenge erwartete den Kaiser Wilhelm. Seine Ankunft und die Nachricht, daß König Leopold sich ebenfalls zur Abreise rüste, erweckte bei Allen den Gedanken, daß der Tod nahe bevorstehe. Darauf bezügliche Gerüchte wurden dadurch widerlegt, daß der Vrinz von Wales um 4 Uhr von Osborne House auf der Victoria Station in London eintraf. Mehrere hundert Leute hatten sich eingefunden, aber sie sahen von jeglicher Demonstration ab und lüfteten nur ehrerbietig die Hüte. Der Earl von Clarendon und der Earl von Pembroke empfingen den Prinzen. Die Regierung hatte den Kreuzer Minerva" entsandt, um Kaiser Wilhelm abzuholen. Dieser aber hatte ein Packetboot bestiegen, ehe er von den Plänen der britischen Regierung in Kenntniß gesetzt werden konnie. Der Dampfer hatte eine ziemlich böse Fahrt. Die Kriegsschiffe, die bei Speerneß vor Anker lagen, ließen den Dampfer ohne jedwede Zeremonie vorbeifahren. Admiral Kennedy und Graf von Mirbach von der deutschen Gesandtschaft empfingen den Kaiser und begleiteten ihn zu einem Privat-Warte-zimmer. Die Ankunft des Kaisers Willelm. Schon mehrere Stunden vor der Ankunft des Kaisers war der Bahnhof und die Umgebung der Charing Croß Station mi Tausenden von Leuten dicht besetzt. Viel Polizei war nöthig, um die Ordnung ausrecht zu erhalten. Das Publikum bildete Spalier. Der Prinz von Wales, der Herzog von York. Prinz Christian. Prinz Albert von Schleswig-Holstein und Prinz Arthur von Connaught waren kurz nach 6 Uhr auf dem Bahnhof eingetroffen und wenige Minuten später hielt der

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Zug, oem oer aller enr.eg. zi irus einen Reiseanzug und vezrunie zuern den Prinzen von Wales, indem er dessen beide Backen küßte. Dann umarmte er den Herzog von Jork und reichte den übrigen Herren die Hand. Nachdem die hohen Herrschaften den Wagen bestiegen hatten, zogen die Zuschauer. die Hüte ab. aber kein Hurrah störte das Schweigen. Der Kaiser und der Prinz von Wales erwiderten, indem sie ebenfalls die Hüte abnahmen. Man fuhr zum Buckingham Palast, von wo auZ der Prinz von Wales um 10 Uhr Abends eine eine Stunde währende Unterredung per Telephon mit Osborne House hatte. Das Resultat derselben war, daß der Kaiser und der Prinz beschlössen, Montag früh nach Osborne House abzufahren und es wurde Befehl gegeben, eine königliche Jacht bereit zu halten, die die Herrschaften nach der Insel Wight bringen soll. Während des Tages trugen die MiS glieder des diplomatischen Corps und viele andere hochgestellte Personen ihre Namen im Fremdenbuche des Buckingham Palastes ein. Die Gerüchte. Laß der Marquis of Salisbury und ' der Erzbischof von Canterbury nach Osborne House be schieden seien, erwiesen sich als un richtig. L o n d o n . 21. Jan. Kaiser WilHelm und der Herzog von Connaught, dt Samstag Abend um 6 Uhr mit ih- ' -folgen Berlin verließen, kamen. M S Uhr 20 Min. in Flushing an. Ziuci bestiegen sie einen Spezizldampfer. der sie nach Port Victoria brachte. Der Kaiser und der Prinz of Wales werden im Buckingham - Palast die Nacht zubringen. London war ziemlich ruhig während des Sonntags. In der St. Paul's Kathedrale, in der Westminster Abtei und in allen anderen Kirchen wurde für die Herstellung der Königin gebetet. Berlin, 21. Jan. Der LokalAnzeiger sagt, die kaiserliche )acht Hohenzollern". der Kreuzer Nymphe"

no das Torpedoboot Slelpener hat

ten Befehl erhalten, sich reisefertig zu machen. Man glaubt, daß dies mit dem Gesundheilszustand der Königin Victoria zusammenhängt.

Dublin. 21. Januar Eine tiefe unv-misrrchrrZ?raucr folgte hier der Nachricht von dem gefährlichen Zustände der Köl.gin. Die Zeitungsoffices werden von einer erregten Menge belagert, welche gespannt auf weitere Nachrichten von Osborne wartet. Die Ueberraschung ist um so größer für das irische Volk, da die Kö nigin bei ihrer Anwesenheit in Irland in letztem Jahre eine wunderbare Lebenskraft darthat. Die Stadt gewährt den Ausdruck tiefer Trauer, wo zu das trübe Wetter eine passende Folie bildet. Selbst die irischen Nationalisten ma chen auch ihrer aufrichtigen Sympathie für die Königin kein Hehl. Auch die nationalistisch: Presse enthält sich aller politischen Anspielungen, mit Ausnahne des Dubliner Evening Telezramm". welches die Gelegenheit zu einem Angriff auf die südafrikanische Politik der Königin benutzte. London. 21. Jan. Sollte die Königin noch am Leben sein, wann die Metropole erwacht, so wird sich doch Jeder bewußt sein, daß das Ende nahe bevorsteht. Die M?rgenblätter geben sich keine Mühe mehr. die. Bevölkerung glauben zu machen daß noch irgend welche Hoffnung vorhanden ist. In dcn Spalten der Zeitungen wird berits von ihrer glorreichen Regierung gesprochen, als ob sie nicht mehr unter den Lebenden weilte und die ..Daily Mail" meint, es sei große Gefahr vor Handen, diejenige zu verlieren, die viele Jahre lang so großen Einfluß auf die euroväische Politik ausübte. , Die Daily News" erinnert daran, daß selbst Bismarck. der nichts für EinMischung der Frauen in. die Politik übrig hatte, der Konigin hohes Lob zollte und bemerkt dazu, daß das einer der größten Tribute war, die je einem großen Charakter gezollt wurde. Mit Bezug auf die Ankunft des, Kaisers Wilhelm sagt die Daily Mail": Jeder Engländer werde ihn deshalb lieb haben . weil er Alles im Stich ließ, um an das Sterbelager seiner Großmutter zu eilen. In ähnlicher Weise sprechen sich die Times" und der Standard" aus. L o n d o n , 21. Jan. Der Daily Chronicle" hat von Cowes die folgende Depesche erhalten: 12 Uhr 46 Minuten. Die Königin geht schnell der Auflösung entgegen. Der Rektor von Whippingham wurde um Mitternacht nach Osborne House beschicken und ist soeben in einem königlichen Wagen angekommen. Im Schlosse ist Alles auf den Beinen und die größte Besorgniß herrscht vor. Sollte die 5t'önigin bis Dienstag leben, so wird sie ihre Aerztß überraschen, die der Ansicht waren, daß sie nicht länger als 5 Uhr Montag früü le'n, könne. . . 5

Brüssel, 21. Jan. König Leopold ist zur Abreise nach Osborne house bereit. Die königliche Jacht liegt unter Dampf und ist zur Abfahrt fertig. Se. Majestät wird von dem Hofmarschall Grasen dOultremont und dem Zeremonienmeister Grafen d'Aische begleitet werden. .Paris, 21. Jan. Der Herzog von Cambridge, der hier Samstag auf der Reise nach der Riviera eintraf, erhielt ein Telegramm, in dem er ersucht wird, sofort zurück zu kehren. Sonntag erhielt er eine andere Depesche, in der ihm mitgetheilt wurde, die Aussichten auf Genesung 1er Königin seien besser und er beschloß, weitere Nachrichten abzuwarten. Kapstadt. 21. Jan. Die Nachricht von dm Zustand der Königin Victoria hat hier große Bestürzung hervorgerufen. Sir Alfred Milner und sein Stab besuchten den Gottesdienst, wo für die Königin gebetet wurde. Eine Gedacht nißfeier. Cowes. Insel Wight. 2L Jan. Die Prinzessin von Wales, die Prinzessin von Battenberg. Prinzessin Louise und andere hohe Herrschaften fuhren am Sonntag Morgen nach der eine kurze Strecke von der königlichen Residenz entfernten Kirche in Wippingham. um. wie alljährlich, einer Gedächtnißfeier für den Prinzen Heinrich von Battenberg beizuwohnen. Die Augen der im Schwarz gekleideten Damen waren vom Weinen geröthet. Kaiserin Friedrich niedergeschlagen. London. 21. Jan. Ein Telegramm von Cronberg im Taunus, wo sich die Kaiserin Friedrich aufhält, besagt, daß der Prinz und die Prinzessin Heinrich von Preußen und die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen sich dort eingefunden haben, um bei derKaiserinWittwe, die von den Nachrichten über die Krankheit ihrer Mutter sehr niedergeschlagen ist, zu bleiben. Auch der Thronfolger krank. L o n d o n , 21. Jan. Während die Königin im Sterben liegt, drängt sich leider auch Jedem der Gedanke auf, daß der Prinz von'Wales ebenfalls leidend ist. Sein Zustand am Sonntag Abend

war derartig, daß er der Aufforderung, sofort nach Osborn House abzufahren, nicht nachkommen konnte. Er ist m?t dem Kaiser Wilhelm im BuckinghamPalast und Aerzte sind zur Hand. Dem Daily Telegraph" zufolge, hat der Kaiser dem Wunsche Ausdruck gegeben, im Osborne House nicht als Monarch, sondcrn als Enkel empfangen zu werden. Bekanntlich ist die Kaiserin Friedrich, die Mutter des Kaisers, auch sehr leidend. Zu Ehren Victoria's. Lincoln. Neb.. 21. Jan. Dr. E. Benjamin Andrews, der Kanzler der Universität von Ncbraska, predigte am Sonntag in der ersten Baptisten-Kirche über das Leben der Königin Victoria, loobei er dem Wirken der greisen Monarchin einen hohen Tribut zollte. Er wies besonders darauf hin. was die Königin für die Frauenwelt der ganzen Erde gethan habe und wie das Ansehen vor den monarchischen Jnstitutionen. welche durch die Unfähigkeit und Unwürdigkeit mancher Monarchen stark gelitten hatte, durch die exemplarische Pflichttreue der Königin neu gestärkt worden sei. Trauer in Wien. Wien. 21. Januar. Die Nachricht

von der schlimmen Krankheit der Konigin Victoria hat in Wien große Bestürzung verursacht. Kaiser Franz Joseph erhält fortwährend Nachrichten von der österreichischen Gesandtschaft in London über den Verlauf der Krankhcit. Man glaubt, daß der große Hofball, der Montag stattfinden sollte, abgesagt tverden wird. Als der Kaiser Samstag die Nachricht erhielt, daß der Zustand der Königin Besorgniß erregend sei. verließ er sofort einen Kreis, der sich nach dem Bankett in der Hofbürg gebildet hatte. Die Zeitungen besprechen die Krankheit und die Neue Freie Presse" meint, es sei keine Frage, daß England an einem Wendepunkte siehe. Rußland werde ihm unangenekzm in Asien, Frankreich stehe ihm sehr feindlich gegenüber und das imperialistische Nord Amerika sei ein arger Rivale. Der Besuch des Kaisers Wilhelm würde indessen die Hoffnung erwecken, daß England Deutschland's Feindseligkeit nicht zu fürchten brauche. Des Papstes Theilnahme. Rom. 21. Jan. Der Papst hat Sonntag dem Kardinal Vaughan in London telegraphirt. der königlichen Familie das Gefühl der Trauer auszu-, sprechen, das die ganze Christenheit über die schwere Erkrankung der Königin empfinde. Er fügte hinzu : Die liberale Regierung der Königin, welche der katholischen Kirche gestattete, sich im Ver. Königreich noch weiter auszudeizn:n. wird in allen christlichen Herz eine unverlöscdlicbe Svur binrl

Inland Depeschen. Der Kongrcfz. Wichtige Arbeiten liegen dem Senat und dem Zlepriisen' tantenhullsc vor. Die Zvest Ikointcr Zlutersuchuttgs KommWon reist nnch Zvash ington zurück. Die Kadetten werden nicht für Booz's Tod verantwortlich gehalten.

Ju Washington, T. (., ersticken zwei Leute aus.Jndianl!.

In verschiedenen Kirchen des Landes wird für die Üöuigiu Victoria gebetet. A. Campbell, einer der Mörder der Icilnik Boöschicter, hatte Freisprechttng erwartet.

Ein griechischer Anarchist in New Jork erzählt von Berschwörungcn. m Arbeit für dcn K'ongreß. Washington. D. C.. 21. Jan. Der Senat wird Montag die Leisla tiv-, Exekutiv- und Justiz - Bewilligunzsöorlaze in Angriff nehmen und es scheint jetzt, als ob dieselben erst erle digt werden sollen, ehe die Schisfssuö sidien - Bill zur Abstimmung gelangt. Senator. Aldrich, der Vorsitzer des Fi nanz - Kommittees, wird in den nächsten Tszen die Vorlage einberichten, die sich mit ver Reduktion der Kriegssteuer befaßt und er will angeblich darauf be stehen, daß dieselbe sofort zur Sprache kommt. Die Demokraten werden jedenfalls versuchen, außer den vorgk schienen Reouzirungen noch andere zu erlangen, wenn sie aber einsehen, daß sie damit nicht durchdringen können, werden sie für die Maßnahme stimmen. Die Vorlagen bezüglich der Bewilli gungen für die Militär - Akademie und den Pensionsfond stehen ebenfalls aus dem Kalender. Senator Morgan hat sich noch nicht mit Bezug auf die Nica ragua Kanal - Bill erklärt, doch wird ten seinen Freunden behauptet, daß er zunächst abwarten will, was England mit den Zusätzen zu dem Hay-Paunce-fote - Vertrag machen wird. Montag cder Dienstag werden weitere Anstrengungen gemacht werden. I. S. Harlan als Generalanwalt für Porto Rico zu bestätigen. Auch wird versucht werden, den Vertrag zu ratifiziren. wonach Spanien die übrigen Inseln der Philippinen - Gruppe abtritt. Im Repräsentantenhause wird man sich fast ausschließlich mitBewilligungsVorlagen beschäftigen, doch wird der zu stehenve Ausschuß auch über die Armee Reorganisations-Vorlage berichten. Schießerei. L a V o r t e , Ind.. 21. Jan. Ells. worth E. Weir, ein prominenter Anwalt dieser Stadt, wurde Sonntag Sonntag Abend von Joseph W. Brill von Clcveland, O.. durch eine Kugel schwer verletzt. Arill soll angeblich er fahren haben, daß seine Frau Wcir cn gagirt hatte, um ihr die Scheidung von ihrem Manne zu sichern. Er kam nach hier, hatte eine Unterredung mit Weil und schoß ihm im Verlauf derselben eine Kugel in die Brust. Brill ist ein wohlhabender Minenbesitzer. Kein Fuchsprellen mehr. W e st P o i n t. N. Z.. 21. Jan. Ehe Sonntag das Kongrcßkommittee, bestehend aus General Dick von Ohio. Richter Smith von Iowa, dem Kongreßabzeordneten Winger von Pensylvar.ien urd dcn Herren Clay.'on und Driggs von Brooklyn, West Point verließen, wurde ihnen die erfreuliche Mittheilung, daß die Kadetten frciwil lig den Beschluß gefaßt hatten, in Zukunft vom Fuchsprellen Abstand zu nehmen. Es war beinahe Mitternacht, als Oberst A. L. Mills, der Superin.

tendent der Akademie, dem General Dick eine Kopie der Beschlüsse der Ka detten einhändigte und nachdem der Letztere seine Kollegen mit dem Inhalt vertraut gemacht hatte, beantragte Herr Driggs, daß Oberst Mills die Beschliis. se verlesen und diese später dem Protokoll einverleibt wurden. Die Kadet ten Aattison, Mahaffey, Gray und Atkins, die das Dokument im Namen ihrer Klassen unterzeichnet hatten, wurden vor das Kommittce bcschieden und General Dick sagte dann, daß das ganze Land sich über das Vorgehen der Kadetten freuen würde. Die Veschlüs se würden eine Epoche in der Geschichte von West Point und vielleicht in anderen Erziehungsanstalten des Landes bilden, denn", meinte er. wenn das uchsvrellen in West Point abaeschaskt

wird, dann weroen anoere rqrnnsi ten bald folgen. Der Kongreß wird das. was das Corps gethan hat. zum Gesetz erheben, aber wir gratuliren dem C,?ps. daß es freiwillig gethan hat. wa sonst vielleicht hätte mit Gewalt eingeführt werden müssen." Zum Schluß dankte Herr Dick dem Oberst Mills für feine Beihilfe bei der Unter, fuchung. Der Ausschuß wird Dienstag Morgen in Washington zusammentreten, um seinen Bericht auszuarbeiten. Wit Verlautet, werden die Herren berichten, daß das Fuchsprellen der Kadetten Booz und Breth nicht deren Tod herbei führte. Bekannter Erzieher gestor den. L e r i n g t o n . Ky.. - 20. Januar. Hier ist die Nachricht von dem in Pittsburg. Pa.. erfolgten Tode deS früheren Präsidenten der Kentucky'er Universität Dr. Robert Graham eingetroffen. Er erreichte ein Alter von 79 Jahren. Er war einer der bekanntesten Erzieher und Prediger des Südens. JohnLeisenring gestorben. Philadelphia. Pa.. 21. Jan. Der Achtb. John Leisenring. der bekannte Minenbesitzer und frühere Kongreßabgeordnete von Luzerne County, ist im Universitäts-Hospital einem langwierigen Lungen, und Nierenleiden erlegen. Er war erst 43 Jahre alt. Herr Leisenring hatte an vielen Minen und Kohlengruben Antheil. A n G a s e r st i ck t. Washington. D. C.. 21. Jan. Albert Miller., der vor einigen Jahren von Liberty. Union County, Ind., nach hier kam und als Kellner thätig war und sein Freund George Rose, der zu Besuch sich bei ihm aufhielt, wurden am Sonntag Morgen todt in ihrem Zimmer aufgefunden. Sie waren an GaS erstickt, das einem kleinen Of?n ent strömt war. Präsident McKinley wieder wohl. Wasbington. C.. 21. Jan. Das-Befinden deZ Präsidenten McKinley ist jetzt wieder ganz zufriedenfallend. Sonntag unternahm er .nit Frau McKinley ein: Spazierfahrt, die ihm gut bekam. Montag wird der Prä sident wieder einige Zeit in seiner Of(ice zubringen. Der Hay P a u n c e f o t e -'V e r trag. Washington. D. C.. 19. Jan. Man ist hier der Ansicht, daß die britische Regierung dcn amendirtcn Hay Pauncefote - Vertrag mit eigenen Amendemer.is versehen, nach Washing tcn zurückschicken wird, und man glaubt , auch, daß diese Amendements den Ver. Staaten nicht annehmbar sein werden. Ob diese Nachricht von dem Botschafter Choate h-erstammt oder auf Mittheilungen von Lord Pauncefote beruht, kann nicht festgestellt werden. In jedem Fall müssen die Mittheilungen, da sie einer formellen Entscheidung der britischen Regierung vorangingen, informeller Art gewesen sein. Die Beamten im Staats - Departement erklären offen, nichts von der Natur dieses Amendements zu wissen, und die Behauptung, daß sie den Ver. Staaten unannehmbar scin sollten, basirt daher vielleicht nur auf der Kenntniß der Stellung, welche der Senat dem Kanalprojekt gegenüber eingenommen hat. Auf anderer Seite wird aber immer noch behauptet, daß die britische Regierung die Amendements zum Hay Pauncefote - Vertrag annehmen wird, trotz der Opposition der Londoner Presse, die der Regierung Feigheit vorwirft, und sie in jeder möglichen Weise zu veranlassen sucht, einen festen Stand einzunehmen. Die tonangebenden Londcner Zeitungen erklären, man dürfe sich die Änmaßung der Amerikaner nicht gefallen lassen un) die Äertrags-Amen-dements müßten zurückgewiesen werden. In langen Artikeln weisen die Zeitun gen auf die Freundschaft hin. welche England den Ver. Staaten während deZ spanischen Krieges bewies, und sie erklären, daß seitdem sich die ganze Lage geändert 'habe. Lord Roseberry habe ganz Recht : Amerika sei der gefäh? lick ste Konkurrent Englands und werde dessen Handelshegemonie früher oder später zerstören. Dcn wichtigsten Schritt zu diesem Ende werde die Erbauunz und Befestigung des Nicara gua-Kanals durch die Ver. Staaten bilden. In ihrem Eifer rathen die Blätter der Regierung, nicht nur die vom ameri, konischen Senat passirten Amendements abzulehnen, sondern auch die anderen europäischen Mächte zum Protest gegen dieselben aufzufordern. Nur dadurch werde es möglich sein, die Amerikaner von ihrer Anmaßung zu kuriren und sie zu verhindern, den Kanal unter ihn unbeschränkte Kontrolle zu bringen.

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