Indiana Tribüne, Volume 24, Number 122, Indianapolis, Marion County, 19 January 1901 — Page 1

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Jahrgang 24.

Indianapolis, Ind.. Lamfta.q, den 1!). Jannar 1901.

No. 122

Ausland Depeschen

Die SestlichKeiten in Berlin. Der erwartete Ordensregel! eingetroffen Aud ungefähr vierzig Personen wurden in den Adelsstand erhoben m Aber keine Amnestie wurde er lassen.

Gala-VorstcLullg im Operichans. Die deutsche Armee soll neu uuiformirt werden.

Die Festlichkeiten in Ber- ! i n. Berlin, 19. Jan. Die Stadt prangte am Freitag in ungewöhnlichem Flaggenschmuck zu Ehren der Feier des Mjährigen Bestehens d:s preußischen Königthums. Die Banken. Börsen, Gerichte und alle Negierungs - Bureaus waren geschloen und in den Kirchen wurde besonderer DantzotteZdienst abgehalten. Unter den Lin.den", zwischen dem Schloß und dem Brandenburger Thor, war von einer diesigen Menschenmenge besekt. d dem öeständigen Vorbeimarschiren von Truppen und dem Kommen und Gehen prominenter Persönlichkeiten zusah. LesonderZ interessant war die UeberFührung der lorbeergekrönien Fahnen oom. Schloß nach dr Garnisonkirche. Der Kaiser Wilhelm wurde während des Tages überall auf' Enthusta stischste empfangen. Der Ber. Staaten Botschafter White äberbrachte um 11 Uhr Vormittags ivährend des großen Empfanges, welZher im Rittersaale des Schlotes stattfand, dem Kaiser die Glückwünsche des Präsidenten McKinley zur zweihundertjährizen Jubelfeier der preußischen Monarchie. Die Präsentation fand statt, nachdem die neu ernannten Ritter dom Rothen Adler-Orden, vom Königlichen Kronenorden und vom Hohenzollernschen Hausorden dem Kaiser vorgestellt worden waren. Während der Vorstellung standen die Prinzessinnen rechts vom Thron, der Kronprinz aebst den anderen Prinzen links vom Thron. Der Kaiser sowohl wie die Kaiserin unterhielten sich sehr freundschaftlich mit dem Botschafter White. Später empfingen die Majestäten eine Deputation aus Ostpreußen. Um Mittag wurde ein Gottesdienst in der Schloßkapelle abgehalten und um 1 Uhr fand ein Gabelfrübstück im Schlöffe statt, zu dem der Botschafter White und die anderen auswärtigen Vertreter, welche dem Kaiser Glückwünsche überbracht hatten, eingeladen Baren. Auch die auf Vesuck, anwesenben Prinzen und die neuen Ordensrit!er nahmen an demselben Theil. Am Abend wohnten Herr und Frau White einer Gala-Vorstellung im K'ö 7.iglichen Opernhause bei. Zur Erinnerung an das zweihundert 'ährige Bestehen oer preußischen Mo narchie ist ein neuer Verdienst - Orden der Krone gestiftet worden. Derselbe hat nur eine Klasse und ranzirt zwischen dem Schwarzen Adler - Orden und dem Großkreuz des Rothen Adler Ordens. Die kaiserlichen Erlasse an die Armee und Marine sind veröffentlicht worden. In dem Armee - Erlaß dankt der König den Offizieren für ihre treu geleisteten Dienste und fügt hinzu: So sänge ein solcher Geist die Armee an ihren König bindet, braucht man keinen Sturm zu fürchten und Preußens Adler wird seinen stolzen Flug zum Wohle Preußens und Deutschlands fortsetzen. Im Marine - Erlasse erwähnt der König die Gründung der Brandenbur2 Flotte durch den Großen Kurfürsten und ihren Wiederaufbau als Flotte Preußens und Deutschlands, und sagt: , Die Flotte bedarf unausgesetzter Arbeit. um ein ebenso festes Bollwerk für Deutschlands Macht zu werden, wie die Armee. Und dies wird erreicht werden, wenn auch in der neuen Flotte der Geist des Großen Kurfürsten weiterlebt. Als Zeichen meiner Zuneigung für die Marine befehle ich. daß in Zukunft an dem Koppelschloß und der Degen - Quaste der Marinetruppen der kaiserliche Nzinenszug getragen werden soll. Auch wird den Marinekapellen das ausschließliche Recht verliehen, den Holländischen Ehrenmarsch" zu spie len und der Marine die Obhut über ein Denkmal des Großen Kurfürsten, wel ches in Kiel errichtet werden soll, übertragen. VZi. bereits jujj gemeldet, bat der

Katjer zur -ayrfner oes pieui schen Königthums ein von ihm r,lbst skizzirtes Gedenkblatt durch Professor E. Dögler ausführen lassen. Das Souvenir ist nun in reichem Farbendruck fertig gestellt und kann als durchaus gelunqen bezeichnet werden. Die Mitte desBildes wird von den Me-daillon-Poriraits Friedrich I. und Wilhelm II. eingenommen; an den Seiten stehen zwei allegorische Frauen gestalten, Justitia und Minerva, welche Über den plastisch erscheinenden Por traits die preußische Königskrone hal ten. Darüber schlingt sich das orangegelbe Band des Schwarzen AdlerOr dens mit der Inschrift: 1701. 13. Ja auar. 1901." Zu Füßen spielen zwei Putten mit den königlichen Jnsignien, dem Szepter, Reichsapfel und Schwerte. Das Blatte ist in Bildgröße käuf lich zu haben und in vielen taufenden Exemplaren vervielfältigt. Während des Tages fand ein Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser Wilhelm und der Königin Wilhelmine von Holland statt. In der Depesche an die Königin erklärte der Kaiser, daß er der deutschen Flotte das Recht ertheilt

habe, als Begrüßungsmarsch den alten Ehrenmarsch" der holländischen Flotte , zu spielen. Die Königin Wilhelmine dankte dem Kaiser in herzlichen Worten. Zu Ehren des Jubiläums hat der Kaiser Wilhelm alle die Kammerherrn wieder in ihre Aemter eingesetzt, die im Jahre 1893 entlassen worden waren, weil sie in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Landtags gegen die KanalVorlage gestimmt hatten. Der Kaiser hat für die Renovirunz der Kathedrale von Königsberg 50,000 Mark hergegeben. Am Rachmittag und Abend fanden überall Festessen. Bälle etc. statt, die von Offizieren, Regierungsbeamten etc. veranstaltet worden waren. Die Zeitungen enthalten alle auf die Gelegenheit passende Artikel, ausgenommen die sozialistische Presse und der Ulk". Der letztere enthält ein Bild, in dem das preußische Wappen karrikirt wird. Es stellt zwei preußische Edelleute, Agrarier, dar die. mit Knüppeln bewaffnet, die Krone bewachen. Die Unterschrift lautet : Es wird dem Volk verboten, in den nächsten 200 Jahren wieder mit der Krone in Berührung zu kommen." Ungefähr vierzig Offiziere und Eivillisten sind in den Adelsstand erhoben worden. Unter den letzteren befinden sich mehrere Bankiers. Der Kaiser hat zu Ehren der Feier 100.000 Mark an Wohlthätigkeitsanstalten geschenkt. Der Stadt Potsdam schenkte' er eine Kopie des hiesigen Denkmals für Friedrich den Großen, in Bronze ausgeführt. Viele Zeitungen geben ihrem Erstaunen darüber Ausdruck, daß nicht wenigstens eine Anzahl Personen, die wegen Majcstätsbeleidigung im Gefängniß sitzen, amnestirt worden sind. Unter den 15 neuen Mitgliedern des Herrenhauses, die vom Kaiser ernannt wurden, befinden sich Dr. Dryander und Professor Fielder von der Ehar lottenburg:r polytechnischen Hochschule und eine Anzahl Bürgermeister. Im Ganzen wurden während des Tages 3722 Orden verliehen. Der Herzog von Trachenberg erhielt den schwarzen Adler-Orden. General Vogel von Falkenstein das Großkreuz des rothen Adler-Ordens und der Fürst von Eulenburg, deutscher Gesandter in Wien, Baron von Rheinbaben und Kardinal Kopp von Breslau erhielten den rothen Adler-Orden erster Klasse. Graf Henckel von Donnermark ist vom Kaiser in den Fürstenstand erho ben worden, mit dem Prädikat Durch.aucht". Prof. Behrinz von Marburg und der Vize-Admiral Reinhold Werner sind in den erblichen Adelsstand erho ben worden. Der Letztere hat eine interessante Karriere hinter sich. Er wurde 10. Mai 1825 zu Weferlingen bei a. bürg geboren, begann 1842 feint uas bahn in Hamburg auf einem Handelsschiff und trat 1849 cls Auriliaroffizier in die deutsche Marine. Nach deren Auflösung im Mai 1852 trat Werner als Leutnant zur See in preußische Dienste, wurde 185 Kapitänleutnant und machte als Kommandant des Transportschiffes Elbe" die ostasiatische Expedition 185962 mit. Bei Ausbruch des deutsch-dänischen Krieges von 1864 erhielt Werner das Kommando der Dampfkorvette Nymphe", mit der er an dem Gefecht bei Jasmund rühmlichen Antheil nahm. Zum Korvettenkapitän befördert, wurde Werner 1866 Kommandant des Pan zerschiffcs Arminius", mit dem er die hanncverschen Befestigungen an der Elbe. Weser und Ems einnahm. 186769 war er Oberwerftdirektor in Danzig. erhielt dann das Komando der Panzerfregatte Kronprinz" und wurd.Ksvitän im See. 1873 wurde Wer

ner äl's Gelcywavercyei mir fünf aziffen nach Westindien, darauf während der spanischen Revolution mit drei Schiffen zum Schutz der Deutschen an die spanische Küste gesandt. Hier nahm Werner am 25. Juli 1873 das vc,.i den Insurgenten geraubte Kanonenboot Vigilante" und am 1. August im Verein mit der englischen Panzerfregatte Stoiftsutt" die Panzerfregatte Vitoria" und die Holzfregatte Almansaund entwaffnete ihre 1400 Mann starke Besatzung. Werners Verhalten fand nicht die Zustimmung des Fürsten Bis marck und er wurde von seinem Posten als Geschwaderchef abberufen, um wegen Ueberschreitung seiner Befugnisse vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden, das ihn jedoch einstimmig freisprach. (5r wurde dann Oberwerftdirektor in Wilhelmshaven und 1875 Kontreadmiral und Ehef der Marinestation der Ostsee. Im Oktober 1878 nahm er seinen Abschied, um sich nach Wiesbaden zurückzuziehen, wurde aber vorher noch zum Vize-Admiral befördert. Werner war einer der bedeutendsten Marineschriftsieller neuerer Zeit. So schrieb er: Die preußische Expedition nach China. Japan und Siam", Die preußische Marine, ihre Betheiligung am deutsch-dänischen Kriege, ihre Bedeutung und Zukunft". Die Schule des Seewesens". Das Buch von der deutschen Flotte". Seebilder". Atlas des Seewesens". Erinnerunzen und Bilde? aus dem Seeleben", Berühmte Seeleute". Der Peter von Danzig", Auf See und an Lande", Drei Monate an der Sklavenküste", Dirk Mallinga". Auf fernen Meeren und daheim". Auch begründete er 1864 die in Hamburg erscheinende Hansa, Zeitschrift für See- und Rettungswesen". und bet heiligte sich an dem Prachtwerk von Henk und Riethe Zur See". Am Abend fand im königlichen Schloß ein Bankett statt, zu dem die auf Besuch hier .weilenden fürstlichen Persönlichkeiten, die Gesandten und Botschafter und die Mitglieder des hohen Reichsadels eingeladen waren. Der Reichskanzler Graf von Bülow saß dem Kaiser gegenüber. Rechts ne ben dem Kanzler saßen die Botschafter Italiens. Rußlands. Frankreichs und der Ver. Staaten und links von ihm die Botschafter von Oesterreich. England, der Türkei und Spanien. Die Stadt war am Abend prächtig illuminirt. Bei der großen Gala - Vorstellung w königlichen Opernhaus waren außer der Majestäten sämmtliche Prinzen und Prinzessinnen, die Botschafter und Gesandten, sowie viele hochgestellte Beamten und Offiziere zugegen. Der Kaiser betrat die Königsloge mit der Grcßherzogin von Baden. Zu seiner Rechten saß die Kaiserin, außerdem öefanden sich noch der Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich, der Herzog von Eonnauzht und der GroßfürstWlaeimir von Rußland in der Königsloge. Das erste Stück. Des Adlers Flug", symbolisirt: die Entstehung Preußens und schloß mit der Apotheose eines gekrönten Hauptes, welches Preußen darstellte. Herolde im Kostüm vom Jahre 1700 bliesen Fanfaren. Das 2. Stück, Das Testament des Großen Kurfllrstcn". stellte die Brandenburgischen Kurfürsten und ihre Arbeit zur Schafjung des preußischen Königthums dar. Die Vorstellung war eine unzewöhnlich glanzvoll. Königin Victoria krank. O s b o r n e, 19. Jan. In Folge der alarmirende Gerüchte, die über das Befinden der Königin Victoria im Umlauf sind, hat das Hofmarschallamt am Abend die folgende Bekanntmachung erlassen: Das Nervensystem der Königin hat im letzten Jahre in Folge der aufregenden Ereignisse stark gelitten. Die Aerzte ihrer Majestät halten es deshalb für gerathen, daß die Königin sich ganz ruhig im Hause verhalten und sich vorläufig um keinerlei Geschäfte bekümmern soll." Die Filipino - Junta am Aufbrechen. Hong Kong, 19. Januar. Die Deportation der prominentesten Führer der Filipinos nach der Insel Guam, die zuerst von dem Ver. Staaten Konsul Wildman in Vorschlag gebracht wurde, hat sofort gute Früchte getragen. Die Aktivität der Insurgenten hat bedeutend nachgelassen ; die Junta in Hong Kong ist am aufbrechen und das Volk der Philippinen, von der Herrschaft der eingeborenen Soldaten befreit, zeigt sich den Amerikanern ganz entschieden mehr entgegenkommend. Frau Schratt beim Papst. Rom. 19. Jan. Der Papst hat. trotzdem er kränklich ist, Frau Katharina Schratt, die platonische Freundin des Kaisers Franz Joseph, gemeinsam mit der Gräfin von Trani. Schwester der ermordeten Kaiserin Elisabeth, in Mcmdem Audienz emvl,nae und den

ottoen Frauen lernen papimcyen segen ertheilt. Aus Südafrika. L o n d o n . 19. Jan. Gen. Kitchner telegraphirt aus Pretoria, daß Oberst Grey mit den Neu-Seeländern und Buschmännern die Boeren acht Meilen von VentorSburg angegriffen und die 800 Mann in die Flucht geschlagen habe...,, : Gen. Kitchener fügt hinzu, daß die Verluste der Briten gering gewesen seien, und meldet dann: Colvilles fliegende Kolonne wurde am 17. Januar nördlich von Standerton von dem Feind angegriffen, der aber zurückgeschlagen wurde. Unser Verlust beläuft sich auf 15 Verwundete und einen Todten. Vom franz'ösischenParlam e n t. Paris. 19. Jan. Das Parlament befaßte sich heute abermals mit dem geplanten Kongregations'- Gesetze. Morliere, ein Liberaler, bekämpfte die Vorlage in dreistündiger Rede, weil sie gegen Freiheit und Gewissensrechte gerichtet sei. Die Zerstörung religiöser Gemeinschaften müsse einen Religionskrieg zeitigen. Diesem Redner folgte der Sozialist Viviani, welcher rücksichtslos für die Vorlage eintrat. Er sagte, das Gesetz sei gegen die Kirche selbst gerichtet und deshalb jede Frei heitsverletzung gerechtfertigt. Die Republik müsse das Monopol des Unterrichts sich retten, oder Freiheit im wirklichen Sinne sei auf die Dauer unmög lich.'' Es sind übrigens schon 16 Amendements zu der Bill eingebracht. De Jeante, Sozialist und ein Arbeiter. beantragte, daß das Lesen der Messe bei der Eröffnung des Parlame'nts verboten werden solle. Der Kultusminister, Herr Monis, bekämpfte den Antrag. Er wies daraus hin, daß öffentliche Gebete im Einklang mit den Bestimmungen des Konkordats seiend und daß die Messe, welche der Erzl 'schof von ' Paris Kardinal RicharL' für nächsten Sonntag angesagt hgbe, keineswegs ungesetzlich sei. Der llntrag wurde schließlich mit 317 gegen l.51 Stimmen verworfen. Die folgenden Amerikaner sind in Verbindung mit der Veranstaltung de? hiesigen Weltausstellung mit dem Orden der Ehren-Legicn dekorirt worden: Zum Kommandeur befördert: Somerville Pickney Tuck. Präsident des internationalen Gerichts in Cairo. Offiziere der Ehrenlegion: Fred. Lräckett. John A. Caldwell. Charles T. Cook, Wm. Deering. James T. Core, Zyrus H. McEormick, I. Pierpont Norgan, Augusius St.Saudens, John La Farge, Frederick V. Skiff. Ritter der Ehrenlegion: Milward lldams. Lieut. Commander Baker, Tarleton Bean. Paul Blackman. Syl:anie Blook. Alerander Capehart. Geo. N. Chartier. Frank Wigglesworth Tlarke. Charles Coolidge. Edward W. Däyton und Charles R. Dodge. ' Herr Ferdinand W. Peck ist bereits zum Groß-Osfizier ernannt worden. .Maßregelung russischer Studenten. , S t. P e t e r s b u r g . 19. Jan. Einhundertundfünfzig Studenten, die kürzlich in Kiew verhaftet wurden, weil sie. sich an einer politischen Agitation öetheiligt hatten, sind nach Port Arthur in der Mandschurei verbannt worden, wo' sie Militärdienste thun müssen. Dasselbe Schicksal erwartet Dutzende von Studenten, die in St. Petersburg verhaftet wurden. Die Aufregung hat in' Folge dieser drastischen Maßregeln unterem Studenten im ganzen Lande zugenommen und man glaubt, daß weitere Unruhen die Folge sein werden. A'u s dem deutsche n ?rech. Berlin. 19. Jan. Es scheint ausgemacht zu sein, daß die deutsche Armee neu uniformirt werden wird. Die neuen Uniformen, die von den alten in Schnitt. Material und Farbe radikal verschieden sind, werden bereits versuchsweise in verschiedenen Armeekorps getragen. Eine der wichtigsten Neuerungen ist. daß die glänzenden Knöpfe dunklen Platz machen müssen, die sogar noch von dem Tuch verdeckt sind. Der Stoff, aus dem die Uniformen angefertigt sind, ist mehr porös und graubraun. Im Schnitt ist der Rock eine Art Blouse und er sieht der österreichischen Interims - Uniform ähnlich. Kapitän Lans, der frühere Befehls Haber des Kanonenbootes Iltis", das sich bei dem Bombardement der Taku Forts in so hervorragender Meise aus gezeichnet, ist am Freitag in seiner Vaterstadt Wesel angekommen, wo er mit großen Ehrenbezeugungen überhäuft wurde. Arnold Boecklin. der bekannte schweizerische Maler, der als Begründer der neuen Schule gilt, ist in Fiesole, Jtalien. im Alter von 63 Jahren oestorben. Er wurdein Basel geboren.

Juland Tcp eschen. Der Bosschieter-Mord. , Mord im zweiten Grade kantet der Wahrspruch der Geschworcncll. 30 Jahre Zuchthaus die höchste Ttrafe für das Verbrechen.

Ans dcrBttttdcshattptstadt 56.3f0inrfsu 3fflriln 8Mi.

Senat.

Marviu Kuhns,

Der bei Plymouth, Ind., gefangene Bttbrechcr,

Tcö Kindesraubs angeklagt.

S e l b st m o r d .

New Y o r k , 18. Jan. Albert Naegeli. einer der bekanntesten deutschen Photographen von New Fork, welcher Ateliers an Ost 14. Straße und 3. Avenue besaß, hat sich in seiner Wohnung in hiesiger , Stadt erschossen. Der Selbstmord hat in deutschen Kreisen bedeutendes Aufsehen erregt. Naegeli stand im 57. Lebensjahre. Seine Wiege stand in der Schweiz. Er war Mitglied des Beethoven Männer Chor und mehrerer anderer deutscher und Schweizer Vereine. Naegeli war schon mehrere Jahre trübsinnig gewesen, hatte alle Gesellschaft gemieden und war nur noch selten ausgegangen. Familientrubcl soll dem einst so jovialen Mann alle Lebenslust geraubt baben. Mehrere seiner Kinder gingen dem Verstorbenen im Tode voraus. Auszehrung raffte sie hinweg, und ihr Verlust verleidete dem unglücklichen Vater das DaseiN. Desperados in Haft. Plymouth. 19. Jan. Die beiden im hiesigen Gefängniß internirten Verdächtigen wurden als Marvin Kuhns, ein 'Desperado, welcher aus dem Zuchthause in Columbus entsprang, und sein Bruder John Kuhns identifizirt. Marvin Suhns wird am Samstag .wieder nach Columbus zurücktransportirt werden, wo er eine lebenslängliche Zuchthausstrafe zu verbüßen hat. Die auf seine Gefangennähme - ausgesetzte Belohnung von Z10O0 wird Denjenigen, welche ihn verhafteten, bezahlt werden. John Kuhns wird hier gerichtlich prozessirt werden. Marvin Kuhns brach vor mehreren Wochen aus dem Zuchthause in Columbus aus und wußte seither allen Nachforschungen der Behörden zu entgehkn. ' S ch u ld x g. P a t e r s o n . N. I.. 18. Jan. Walter C. McMister. Andrew I Campbell und William Death, welche gemeinschaftlich wegen Ermordung vor Jennie Bosschieter, einem Fabrikmäd chen in Paterson, N. I.. prozessirl wurden, sind von den Geschworenen dez Mordes im zweiten Grade schuldig be-

j funden worden. Die höchste Strafl für dieses Verbrechen ist dreißig , Jahre Zuchthaus. Die Geschworene ! nahmen 14 Abstimmungen vor. ehe sit

sich aus einen Wahrspruch einigen konnten. Als die Geschworenen sich an ihre Sitze begaben, bemächtigte sich dez Angeklagten eine fieberhafte Aufre gung, doch zeigten sie bei Verkündi gung des Währspruchs weder Schrecke noch Erleichterung. Richter Dixon dankte den Geschwo renen und entließ sie bis Montag Mor gen. Die Gefangenen wurden ins Ge fängniß zurückgebracht. Frau Nation freigelassen. Wichita, Kls., 19. Jan. De, County - Anwalt at die Anklage ge gen Frau Carrie Nation, die ange klagt war, im hiesigen Gary Hotel einen Spiegel und ein werthvolles Gemäldi böswilliger Weise zerstört zu haben, niedergeschlagen. Zur Begründung die ser Handlung sagte er : Der Geist der Frau ist bis zu einem gewissen Grade gestört, und sie leidet in solchem Maße an Einbildungen, daß sie für ihre Handlungen unverantwortlich zu sein scheint. Eine weitere Einspcr rung im Gefängniß würde ihrem Gei steszustand nicht zuträglich sein." Des Kindesraubs ange klagt. Chicago, Jlls., 19. Jan. JuliuZ Neufischer, von Berlin, Ont., wurdt hier auf die Anklage hin verhaftet, den drei Jahre alten Guido Kildau, angcblich der Sohn eines in Berlin, Deutsch land, stationirten deutschen Offiziers gleichen Namens, entführt zu haben. Das Kind wurde am letzten Montag aus Berlin, Ont., entführt, und Neu fischer sagt, daß er von dem Vater des Knaben dazu gemiethet worden sei. Der junge Mann behauptet, das Kind temporär in einem Waisenasyl in Elgin, Jlls.. untergebracht zu haben, da ihm das Geld ausgegangen und er nicht in der Lage gewesen sei, weiter für den Knaben zu sorgen.

Washington, D. C.. 18. Jan. Kurz vor sechs Uhr am Abend wurde die Armee Reorzanisations - Vorlage definitiv vom Se.'.at angenommen. Da die Vorlage zuerst im Senat eingereicht worden war. handelte es sich lediglich um die Annahme des angehängten Senat - Amendements ; diese wurde mit 43 gegen 23 Stimmen gutgeheißen. Wenn auch im Allgemeinen die Parteigrenzen eingehalten wurden, stimmten doch vier Demokraten für die Vorlage, nämlich, die Senatoren Lindsay von Kentucky, McLanain von SüdCarolina, Morgan von Alabama und Sullivan von Mississippi. Der Senat hatte sich seit dem 3. Januar fast ausschließlich mit dieser Vorläge beschäftigt. Wenn auch die Opposition gegen diese Vorlage im Ganzen eine ziemlich heftige war, war sie doch keineswegs bitter. Abgesehen davon, daß t?er auf die Armee - Kantinen Be zug habende Paragraph gestrichen worden ist, ist die Vorlage beinahe dieselbe, wie sie ursprünglich im Senat eingereicht worden war. Während des Tages wurde noch ein entschlossener Versuch gemacht, Amendements zur Annahme zu' bringen, denen zufolge der Verkauf geistiger Getränke auf den Philippinen, wie auch die Einfuhr von Spirituofen dortselbst verboten werden sollte. Die Amendements wurden aber verworfen. Repräsentantenhaus. Das Haus beschäftigt: sich während des aanzen Tages mit der Vorlage, derzufolge die Ansprüche der SchiffbauerFirma William Cramp u. Sons in Philadelphia auf Schadenersatz im Jetrage von $1,367,244, an das Ansprüchegericht verwiesen werden sollen Der Schadenersatz war dafür verlang! worden, daß die Regierung die Panzerplatten und anderes Material für die Panzerschiffe Massachusetts" und Jndiana" und die Kreuzer New Vork" und Columbia" nicht rechtzeitig geliefert hat, hauptsächlich, weil sie sich nicht mit den Lieferanten von Panzerplatten auf den Preis hierfür einigen konnte. Die Vorlage lag schon seit mehreren Jahren jedem Kongreß vor. und es wurde ihr auch diesmal wieder heftig opponirt.. Es fand schließlich Verta gung statt, ohne daß etwas Bestimmtes in der Sache gethan worden wäre. Die RicaraguaKanal Vor läge. Die republikanischen Senatoren be schlössen am Freitag, vorläufig wenig' stens keinen Tag festzusetzen, an dem dii Nicaragua - Kanal - Vorlage aufge nommen werden soll. Diese Entschei dung wurde im Kaukus getroffen uni war eine einstimmige. Die Senatoren waren der Ansicht, daß es nicht ange bracht sei, den Bau des Kanals zu be schließen, solange die Stellungnahm Englands den Amendements zum Hay' Pauncefote - Vertrag gegenüber nicht genau bekannt sei. Au? Spanien. M a d r i d , 19. Jan. Die Jesuiten haben in letzter Zeit einen neuen Katechismus in den Schulen eingeführt, in dem unter anderem erklärt wird, daß die Liberalen der ewigen Verdammniß verfallen seien. Auch andere Bücher mit ähnlichen Tendenzen sind eingeführt worden, und dies hat 'en Unter-richts-Minister, Senor Garcia Alix, veranlaßt, ein Zirkular an die Rekto-rer-der Universitäten zu schicken, in dem sie aufgefordert werden, der Propaganda gegen das jetzige Regime und die Konstitution ein Ende zu machen. Mehrere Bischöfe haben gegen das Zirkular protestirt, mit der Erklärung, daß es' eine Verletzung des Konkordats sei. Die Polizei hat ein scharfes Auge auf die Karlisien, die an der Grenze, auf französischem Gebiet, überall spanisch: Flüchtlinge und Deserteure anzuwerben suchen. Sie offeriren den Leuten zwei Francs per Tag, Waffen und Uniform, aber mit nur wenig Erfolg. Die Regierung erklärt, daß die karlistische Agitation in. den nördlichen Provinzen von wenig Bedeutung sei, da die Behörden sehr scharf Acht geben.

lerwÄrlige Ziuryen treibt der Femininismus in unserem gesegneten Lande. Frl. Mamie Kelley und Frl. Floren Frey in Sterling, Jll., begaben sich auf den Kriegspfad gegen dr Wirthe John Meyer und Tom. Schauntz. weil diese ihren Brüdern berauschende Getränke verkauft hatten. Erst prügelten die Holden die Wirthe tüchtig durch und schließlich dcmolirtcn sie die Einrichtung der Wirthschaften. Spiegel und andere werthvolle Gegenstände wurden zerMaaen .. . .