Indiana Tribüne, Volume 24, Number 116, Indianapolis, Marion County, 13 January 1901 — Page 2

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Jndtana Tribüne, Sanntag, i 3. Januar 1901.

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Chinesische Yhcgesetze.

Der Chinese heirathet jung, mnflen tritl er vor vollendetem 20. Lebensjähre in die Ehe. Es kommt nicht fei ten vor, daß Knaben von 16 Jahren mit Mädchen von 14 verheirathel werden. Liebe knüpft im Reiche der Mitte selten btu Bund für Leben, sondern fast immer der Wille der Eltern, gegen den es keine Auflehnung gibt. Die Hochzeit muß im Laufe deyelben Iahres stattfinden, in dem die Brautgeschenke ausgetauscht nxrdeu. China besitzt kein Bürgerliches Gesetzbuch, der die Ehe ist dort überlieferten Borfchrilten unterworfen, die so gut wie Gesetze sind. Der Chinese darf nur eine legitime Frau haben, ebenfrauen dagegen kann er ncch seinem Belieben in seinen Haushalt aufnehmen. Berlobungen dürfen nicht ohne Weite '.es aufgehoben werden. Wenn ein Vater die Hand seiner schon vcrlobten Tochter einem Anderen verspricht und dafür von dem rechtmäßigen Bräutigam zur Verantwortung gezogen wird, muß er sich zur Strafe auf 70 Hiel mit dem Bambus und auf die Zahlung einer entsprechenden Entschädigung summe gefaßt machen, ebenso der zweite Bräutigam, wenn er wußte, daß das junge Mädchen schon versagt war. Die gegenseitigen Geschenke werden in solchen Fällen für den Staatsschatz beschlagnahmt. Natürlich treffen diese!ben Strafen den Vater des Bräutigams, wenn er den schon für die Ehe seines Sohnes abgeschlossenen Vertrag bricht und für ihn eine bessere Partie" ussucht. Die Ehe ist in China verboten Misehen Personen, die denselben Namen haben; zwischen Verwandten bis zum vierten Glied in gerader Linie und bis zum dritten der Seitenlinie. Cin Mann darf auch nicht seine chwäHerin, nicht einmal die Schwester seines Schwagers heirathen. Wer diese Vorschriften unbeachtet läßt, läuft Äefabr, sehr schwer bestraft zu werlxn. Jede Ehe, die im Widerspruch mit ihnen geschlössen ist. hat keinerlei Gilügkeit. (5s ist bei Strafe von hundert Bimbushieben verboten, während der dem Tode des Vaters oder der Mutter folgenden vorschriftsmäßigen Trauerzeit Hochzeit zu feiern. Die Ehe bleibt jedoch giltig. wenn gegen diese Ueberlieferung verstoßen wird. Ein öffentlicher Beamter darf bei Strafe von 80 Bambushieben oder einer entsprechenden Geldfühne nicht die Tochter eines Bewohners desjenigen Gebietes, in welchem er sein Amt ausübt, heirathen. Jeder Beamte, der eine Tänzerin, Schauspielerin, oder eine Muslkantin heiratbet, oder seinen Sohn ein Mädchen dieser verachteten Berufsklaffen heirathen laßt, wird mit 60 H'den bestraft. Die Ehe ist auf jeden Fall ungiltig. Eine Frau, die nicht die gesetzmäßige Zeit um ihren verstorbenen Gatten in ihrer Kleidung trauert, soll 60 Hiebe erhalten und auf in Jahr verbann: werden. 80 Hiebe dagegen, wenn sie sich vor Ablauf der vorschriftsmäßigen Trauerfrist der Musik oder sonstigem Zeitvertreib hingiebt. Empfing sie zu Lebzeiten ihres Mannes vom Kai ser einen Ehrentitel, dann darf sie bei Strafe von 100 Hieben überhaupt nicht wieder heirathen. Und selbst wenn sie diese Strafe des neuen erhofften Eheglückes wegen ruhig über sich ergehen lassen wollte, so wäre das doch verlorene Liebesmüh', denn ihre zweite Ehe würde unter allen Umständen ungiltig sein. Die Ehe verleiht der gmu in China alle Vorrechte, die ixj Mann genießt und unterwirft sie keineswegs der Bormundschaft ihres Galten. Sie kann nach Herzenswft kcrufen und verkaufen. Schulden machen, so viel es ihr beliebt, und jeden Geschäftscontrakt ohne Zustimmung ihres Mannes UNterzeich. 2tfT wenn auch nicht dem Rechte nach, so bleibt doch eine Cbinesin thatsächlich eine Sclavin, wenn sie aus tem Elternhanse in das Haus ihresMinnes übersiedelt, denn von diesem Zesitpurrtt an ängr sie völlig von ihren Schwiegereltern ab. Ihre Lage am eigenen Herd ist demüthigend, denn .ff darf nicht einmal zu den Mahleiten mit ihrem Manne und ihren Söhnen an demselben Tiscbe $Iafc nebmen. Ein Mann darf leine Frau züchtigen: wenn er sie jedoch dabei verwundet oder gar todter, muß er die ganze Strenge des Strafgesetzes fühlen. Er kann aber nrii Hundert Hieben davonkommen 'für den VrvU, " daß er seine ftrau todtete. weil sie um Eltern ode? Grotzeltern scblug oder besckimpste. Die Fran. die ihren Mann mißhandelt, wird in China strenger bestraft, als ein Mann, der seme Frau schlagt. Abaeseben von andern Gründen, die zum Tbeil auch in andern Ländern' für eine skescheidung giltiq find, genügt in China auch geaenseitige Uebereinftimmung für die Lösung eines Ehebundeö. Rache. Chef: Warum haben Sie denn drei Tage gefehlt?" Kom. mis: .Mir war so schlecht Chef: Wovon denn?" Kommis: Von der Cigarre, die Sie mir vor drei Tagen geschenkt haben." Ein Materialist. Heirathsvecknittler: Das Mädcben. welcheö ichhnen empfehle, ist von Mutter Natur verschwenderisch ausgestai-tet.-Heirathskandidat: Was geht mich da an, sie soll vom Öater verschwenderisch ausgestattet sein!" Relative Ansprüche, eirath-candidat: ch schaue bauvtsachlich darauf, in eine Familie zu j kommen mit makellosem Ruf!" Vermittler: Dann würde allerdings diese Dame nicht passen, man munkelt, der Vater habe seine Gläubiaer um mehr als 100,000 Mark betrogen Heirathscandidat: Und wieviel davon giebt er der Tochter mit?"

Ter Tambour.

Von ft. Ritter. Auch auf den Bergen wollte eS Frühling werden. Täglich hatten die Lerchen sein ftaMM verkündigt trotz cinaer Regenschauer, bitterkalter Reifnächte und gelegentlichen Schneegestöbcrs. Allmählich wurden die Weiden gribinr, gelbe Primeln schwankten über den weiten Grasflächen, und in den Büschen blühte der Schwarzdorn, ein zäher, harter Geselle, der trotzig sein weißes Hochzeitsgewand gegen den wüsten Sturm vertheidigt. Langsam wuchs über die braun - violette Masse des Buchenwaldes ein grüner Schimmer. langsamer noch als über die hoben Vaumhecken. welche die Häuser ds Torfes umrahmen. Zu grünen Maucrn wurden diese Hecken, zu fröhlichen Umzäunungen voll Buchfinkengeschmetter. nachdem sie im Winter als zähe Schutzwehr gegen die Schneestürme dienten. Ihr grünes Blattwerk versteckte bald ganz die schwarz-weißen ??achnxrkbauten und die an der W.'tterfeite tief herabgezogenen Strohdächer. Wie das Schloh Dornröschen lagen die Häuser verborgen. Nur Giebel und Schornstein verriethen dem Fremden ior Dasein. Sonntagsruhe und Sonnenschein legen auf der Dorfstraße. Ein frischer Wind fegte durch den breiten Herum zwischen der Hiinmelsfläche, an der einzelne, kleine Wölkchen eilig vorubnschifften. und der frühlingsgrünen Erde. Er umkofte das Blattwerk der Schutzkecken, er beugte jauchzend die struppigen Häupter der Baumreihen draußen. Er warf das Geläute der kiuhglocken. das ringsum ertönte, wo die rothbraunen Leiber grasender Rinder durch die Hecken schimmerten, weit hinüber über die Landstraße bis in die zurückliegende Wakdmasse. die sich in gleichmäßigem Brausen hin- und herwiegte. Ein fernes, dumpfes Rasseln drang durch dies Brausen. Es verschwand zeitweilig, wie weggesogen vom Luftzuge. Dann tauchte es wieder auf in einer Pause zwischen zwei Windstößen, näher und stärker als vorher. Es zerschnitt mit gleichmäßigem Takte und Ton das träumerische Gebimmel der zerstreuten Kuhglocken und drang siegreich durch die Wogen des nächsten Windstoßes, der eine lange, zerflatternde Staubsänle von der Straße iiber die Weiden wehte. Ein zweiter, hoher Ton wuchs jetzt in der Ferne auf. Auch er verstärkte sich und zog mit dem immer heller wdende Rasseln näher und näher aus oas Torf zu. Sie kommen, sie kommen! Aus jugendlichen Kehlen drang der Schrei. Er pflanzte sich fort durch die Dorfstraße und schwebte in hellem Jubel über der dem Ausgange des Ortes zustürzenden Kindrrschaar. An der Wegbiegung tauchte ein kleiner Trupp in Reih und Glied marschirender Männer auf. Schwarze Mützen mit rothem Rand saßen auf ihren Köpfen. Auf der straff hervorgereckten Brust einiger baumelten gelbe Denkmünzen. In eisernem Gleichmatz marschirten sie hinter der rasselnden Trommel und der schrien Querpfeife her; kaum bewegte sich eine Miene ihrer ernsthaften Soldatengesichter. Es war der Kriegerverein von Wahlscheid. Er hatte einen Mai-Ausflug zu den Kameraden im nächsten Dorfe gemacht und kehrte soeben bei sinkender Sonne zurück. Unter den grünen Einfahrtsbogen der Sckutzhecken standen dieWeiber mit ihren Kleinsten auf dem Arm. die Mädchen im Sonntagsstaat. Guck da! Ter Pitter! Der Hannes! Wie stramm er marschirt. flüsterten sie einander in die Ohren. Sieh den Schneider dort, wie er sich stolz hält, den alten Thomas, wie der noch ausschreitet! Leise raunten sie es sich zu. ohne sonst übliches Gekicher, in einem Tone. us dem etwas rmn Scheu und Respekt klang. Das war der Kern des Dorfes. was da im Takte vorüberschritt. die tüchtigsten und kräftigsten Männer. Das waren die Alten, die einst vor langen Jahren im Kriege draußen lagen, um die das ganze Dorf gebangt hatte und die heimgekehrt waren in unveraänglicher Heldenglorie. Das waren die Jungen, deren bunte Uniform jedes Mädchen noch bis aus den letzten Knopf beschreiben konnte. Als etwas Fremdartiges, als der stolze Theil einer ehrsurchtgebi'tenden Macht, die den Mann heraushebt aus dem Kreise des Alltags und seiner Familie und ihn stellt in den ehrenvollen Dienst des Vaterlandes, erschien dem Weibervolk stets der Kriegerverein. Selbst die herrische Bäuerin empfand ein Gefühl von cheu und Stolz im Herzen, wenn sie den sonst übergeduldigen Mann straff und soldatisch vorbeiziehen sah. An der Kirche schwenkte der Berein und boq zum Wirthshause ab. Noch einmal wuchs der Trommelschall kräftiq auf, verstärkt von dem Widerhall zwischen den Gebäuden, dann schwieg er. wie abgeschnitten. Noch einige !aute Commandoworte. dann br'.ch die regungslos dastehende Doppellimc auseinander, und die Krieger zogen zum kurzen Schlußtrunk in die Schenke. Ter Tambour überschritt als letzter die Schwelle, nachdem er noch einen finstern Blick auf das Heckenthor eines gegenüberliegenden Hauses geworbn hatte, wo für einen Augenblick eine weibliche Gestalt sichtbar geworden war. Er war ein hüccher. untersetzte? Bursche mit einem dunkeln Schnurrbärtchen im sonnenverbrannten Gesicht. Seine Augen blickten etwas verschwommen,- seine Beine schienen jetzt, wo sie vom militärischen Zwange befreit waren, nicht ganz sicher euszutreten. Drinnen in der Wirthsstube lehnte er sich, ohne die Trommel abzulegen, an einen Pfeiler der Stubendecke. Ein Glas Bier ließ er sich reichen und trank es Mt langsamen

Schlücken. Er hatte sich ärgern nü sen heute vor dem Abmarsch. Die ffina drüben, mit der er ftit Ostern versprochen war. hatte verlangt, er solle, statt mit dem Verein auszuziehen, mit ihr. zur Stadt gehen. Das Mädchen war toll, so etwas nur zu denken. Wie konnte er. der Tambour, bei einem Ausflug der Kameraden fehlen. Der Druck eines dumpfen Grolles, den er schon den ganzen Nachmittag m sich gefühlt, wuchs an. während er ii zweites Glas leerte. Er wußte es. er war auf dem Wege, sich aus Aerger zu betrinken, und dies Bewußtsein machte seine Stimmung noch gereizter. Die ?Vina hatte immer etwas zu wollen und zu commandiren. Bei der Madame drunten in der Stadt, wo sie zehn Jahre als Magd gewohnt, hatte sie das Rechthaben gelernt. Die Herrschaft war schließlich nicht mehr viel gefragt worden. Die alte, schwächliche Madame war zuletzt gewöhnt gewesen, von ftina zu hören, was zu schaffen, zu kochen und zu richten sei. Sie ließ sie in den letzten Jahren ganz gewähren, und sie konnte es auch, denn ein t'lchtigere und accurateres Mädchen gab es nicht alles, was recht ist. Wie geleckt war es immer in der Küche und im Hause gewesen; wie eine Puppe so nett und fein sah immer das Mädchen aus. Das hatte ihm auch hauptsächlich an ihr gefallen. Auch ihm ging nichts Über das Reinlich und Accurate. Er war beim Militär ein Putzfanatiker geWesen, ein Mensch, der mit Wollust der Stubenordnung genügte und immer wie aus dem Ei geschält morgens auf dem Casernenhofe stand. Er lächelte geschmeichelt mit verschwommenen Aeuglein seinem Bierglase zu. Wie oft hatte der Feldwebel sein Spind der Stubenmannschaft als rachahmungswerthes Muster vorgeführt? Hatte ihn nicht der Hauptmann die Zierde des Federviehes" genannt? Der Aerger verflog allgemach, während ihn seine krausen Gedanlensprünge zurück zu den Tagen seine? militärischen Triumphe brachten. Er blieb auch aus, als die Gedanken wieder bei der Ursache seines gegenwärtigen Verdrusses verweilten. Vom Spind bis zu Finas Wäscheschrank war nur ein kleiner Schritt. Dort lagen Stöße schönen Leinens alle mit rothen Bändern umwunden. Die hatte Fina von ihrem Ersparten gekauft, denn sie war genau und haushälterisch wie er. Viele Stücke waren ihr auch geschenkt worden von ihrer Madame, ebenso wie das große Bett, das blanke Küchengeschirr, der Tisch und die Waschcommode mit dem hohen Spiegel. Ja, sie würden es einmal fein haben! Auch sonst hatte die Fina etwas einzubrocken. Fünf Morgen Land, ein Häuschen, zwei Kühe, das waren keine Kleinigkeiten für einen armen Jungen. ..Gut gefrühstückt spürt man den ganzen Tag, gut geschlachtet das ganze Jahr, gut geheirathet das ganze Leben". so sagten die Alten, er war ein Schlauer, er heirathete gut. Die Fina war ein kräftiges Mädchen, und das Commandiren wollte er ihr fchon abgewohnen. Mit einem energischen Ruck richtete sich derTambour aus und trank den Rest seines Bieres. Dann griff er die im Gurt steckenden Trvmmelstöcke, und Terrammtamtam, terrammtamtam rasselte es durch die Stube, das laute Durcheinander der Reden niederschmetternd. Prosit Hubert! riefen die Kameraden und sahen ihm lachend in sein bierseliges Gesicht. Vergnügt nickte er ihnen zu und ließ weiter wie in glücklicher Selbstvergessenheit die Hände über dem dröhnenden Kalbfell wirbeln. Eine zerarbeitete, rothe Hand legte sich auf seine Achsel. Langsam wandte er sich um und blickte in das pausbackiqe Gesicht der Wirthsmagd. Vertraulich drängte sie sich an ihn heran und flüsterte ihm wichtig zu: Draußen ist Jemand, der dich sprechen will. Er wußte, wer seiner wartet?, und er war nicht froh, es zu wissen. Langsam löste er sich von der Säule und steuerte der Hausthür zu. Aus der dunkeln Ecke am Stall kam Fina hervor. ein großes, mageres Mädchen. Hübsch gekleidet war sie in dem schwarzen Wollkleid, in der weißen Latzschürze und der goldenen Broche am Krügelchen. Aber schön waren ibre flache Figur und ihr verblühtes, spitztges Gesicht nicht zu nennen. Was willst du? fragte er unwir'ch. Sag. Hubert, sprach sie eifrig, und ein Schein von Liebenswürdigkeit flog über ibre eckigen Züge, komm mit in unser Haus, ich habe dir Kaffee gelocht, der tbut dir gut. Ich will keinen Kaffee. Ein Soldat trinkt Bier. Ich bleibe bei meinen Kameraden. Aber du bist schon den ganzen Nachmittag bei den Kriegern gewesen. Ich meine, du hättest jetzt genug. Komm doch! Nein, sagte er eigensinnig. E?n Soldat '.äßt sich nicht von einem Mädchen commandiren. Tu solltest dich auch etwas schämen, deinen Jung' aus dem Wirthshaus zu holen. Sie war beleidigt, eme Falte zeigte sich auf ihrer Stirn. Aber sie sah. daß er qereizt war und daß sie den Bogen nicht zu straff anspannen dürfe. Komm doch, bat sie, komm. Sie umfaßte ihn und suchte ihn mit sanfter Gewalt mitzuziehen. Trotzig stemmte er sich gegen sie. ergriff die Trommelstöcke, und ein rasselndes Terrammtamtam verschlang alle weiteren Bitten. Jetzt wurde sie wirklich böse. Du willst mich nicht anhören, rief sie. Mit einem feindseligen Blick maß sie den Burschen, der sonst so gefügig war ( und den sie sich ausgesucht hatte, weil' er so gut zu ihrer Accuratesse und ihren schönen Sachen paßte. Der rasselte vergnügt weiter auf seiner Trommel. Aufgebracht .trat sie dicht an ihn

heran: Höre, Hubert, laß die Tummheiten. Ich denke, wenn man in sechs Wochen h::rathen will, hat man das Recht, ein Wort zu sagen. Später nimmt die Trommelei ja doch auch ein Ende. Was hört auf? meinte er lachend und ließ die Hände ruhen. Das Getrommel, schrie sie wüthend. Ich, will einen ordentlichen Mann und keinen Tambour heirathen! Wie meinst du das? fragte er bedächtig. Alle Schläfrigkeit schien aus seinem Gesicht gewichen zu sein. Lauernd sah er das Mädchen an, das ihm noch nie so alt und unschön erschienen war wie in diesem Augenblick. Was ich meine? Nun. daß du nach der Hochzeit einen anderen läßt Tambour sein. Mir paßt das Soldatenspielen und der Kriegerverein schon längst nicht mehr! Wie? schrie er. Der würgende Groll, der seit einigen Minuten verstärkt in ihm aufgelebt war. fand plötzlich einen gewaltsamen Ausweg. Eine teufelsmäßige Wuth überkam ihn. Tu willst mir die Trommel nehmen. mtht einziges Vergnügen, du willst mich aus dem Berein reißen, aus einem Soldaten einen Waschlappen machen! Tu dummes Frauenzimmer! Heirath einen Packesel, der kennt keine Kameradschaft und läfet sich alles gefallen! Sie wollte begütigend antworten. Blassen Angesichts hob sie beschwichtigend die Hände. Geh fort, schrie er, fort oder ich schlage dich! Drohend mit verzerrten Mienen hob er die Trvmmelstöcke. Eine Weile saß der Tambour drinnen in der Wirthsstube noch ruhig am Tisch und hörte dem alten Schneider u, der zum hundertsten Male den Kameraden von St. Quentin erzählte. Der Aerger kochte noch in ihm. ioer er fühlte sich frei im Kopfe und war im Stande, aufmerksam den Worten des Veteranen zu folgen. Ein beschämender Gedanke stieg dabei leise in ihm auf. Was hatte der alte Mann einst alles erlitten, wie oft hatte er seine Person in die Schanze geschlagen, wie es einem Soldaten gebührte. Und er war im Begriff gewesen. Freiheit und soldatische Ehre um einige Morgen Land zu verhandeln! Frei und behaglich wurde ihm bei dem Gedanken, daß er das Mädchen jetzt los sei und mit ihm die beiden Kühe und die ganze Einrichtung. Als lustiger Soldat fühlte Hubert sich wieder als frischer Kerl, der nicht zu spekuliren brauchte und mit Kameraden und Mädchen fidel war. so oft er konnte. Kuckuck noch einmal, wie konnte er sich so lange von der langweiligen Fina leitseilen lassen! Er war jung, ein netter Kerl! Am Fenster blühte der wilde Kirschbaum, der Frühling kam. Donnerwetter! schrie er plötzlich in die ruhigen Gespräche hinein und schlug mit der Faust auf den Tisch. Heute wird einmal lustig gelebt! Die Alten stießen sich an mit vielsagenden Mienen, die Jungen lachien ihm zu. Aber Gesellschaft leistete ihm doch keiner längere Zeit. Man hic't auf Ordnung im Kriegerverein. und eine späte Sitzung gab's nur einmal im Jahr, auf Kaisers Geburtstag. So saß denn Hubert noch eine Weile allein, vergnügten Gesichts und verfunken in frohe Erinnerungen. Dann machte auch er sich auf den Heimweg. Hinter Finas Fenster brannte noch Licht. Dort hielt er an. ..Der Mädchen li - eb ich die - le". versuchte er zu singen, allein es ging nicht reckt und er schloß die verunglückte Stropbe mit einem uchheschrei. der einem Kannibalenhäuptling Ebre gemacht hätte. Dann rasselte noch ein wilder Trommelwirbel durch das stille Dorf. Er war für ina das Zeichen, daß ihr accurates Verhältniß aufgelöst sei.

Dle Nivalen. Nach dem Ilngar'Zchen deS S. 6?zöllösi. Es war in einem Corridorwagen während der Fahrt von Wien nach Bu dapet. daß ein sehr mittheilsamer freundlicher Mann, plötzlich vor einer der Abtheilungen stehen bleibend, mein Hand erfaßte: Betrachten Sie sich den alten Herrn, der da drinnen sitzt, den. ja! Ich werde Ihnen eine Geschichte erzählen." Er erzählte: I. Er ist Privatier und hatte eine sehr hübsche Tochter, odcr hat sie noch, icr weiß es nicht. Dii.'se Tochter hatte zwei Anbeter: einen reißen und einen armen der arme Anbeter war, so lange sie noch in die Schule ging, ihr Hauslehrer. Bekanntlich verlieben sich alle Hauslehrer in ihre Schülerinnen und umgekehrt alle Schülerinnen m ibrcHauslehrer. Gewöhnlich finden derlei Liebeleien in dem Augenblicke einEnde, da der Hauslehrer als solcher üverflüssig wird. Doch es gibt auch Ausnahmen manchmal überdauert die Liebe die Zeit der Lektionen. Dieser Umstand ändert jedoch wenig an dem ewigen Gesetze, daß der arme Freier dem reichen Freier weichen muß, wenn es einmal zur engeren Wahl kommt. Ob die hübsche Grete viel, ob sie überhaupt geweint hat. als man ihre schön geformte Hand in jene des reichen Fritz legte, weiß ich nicht, wahrscheinlich hat sie geweint, denn dieMädchen weinen ja so gerne, manchmal bedürfen sie nicht einmal eines Anlasses. Gewiß ist jedoch, daß der arme Freier.j der gleichfalls Fritz hieß, sehr erbittert war. Der unzweifelhafteste Beweis seiner Erbitterung war der Brief, den die hübsche Grete nach ihrer Verlobung von ihm bekam. Der Brief war sehr lang und der interessanteste Theil lautete etwa folgendermaßen: In dem Augenblicke, da ich von Jhrer Verlobung erfuhr, wäre ich am liebsten zum Selbstmörder geworden, doch ich durfte es nicht. Ich muß le-

ben. es ist meine Pflicht. Ich habe eine Schwester, die ohne Stütze bliebe und für die ich sorgen muß. Aber ich habe auch Ursache, nicht ganz zu verzweifeln. Sie werden sich daran erinnern, daß Sie mir ewige Liebe bis über das Grab hinaus geschworen haben, und ich entbinde Sie Ihres Schwures nicht! Ich klage Sie nicht an, ich weiß, daß Sie sich in einer Zwangslage befinden. Sobald ich mich der Pflichten gegen meine Schwester entledigt habe, werde ich zu Ihnen kommen und Sie fragen, ob Sie Ihren Schwur halten wollen oder nicht. Lieben Sie mich, dann gibt es kein Recht, das stärker wäre, als das meinige. Wenn Sie mir aber sagen werden, daß Sie mich nicht lieben, dann werde ich mich vor ihren Augen todten " Ungefähr in diesem etwas verwirrten Tone war der Brief des armen Fritz abgefaßt. Die Trauung fand aber dennoch statt. Die Braut war reizend, die Hochzeitsgäste vornehm und der Herr Pfarrer hielt eine tiefergreifende" Rede. II. Sechs Wochen nach der Trauung trat der glückliche junge Gatte bei seinem unglücklichen Rivalen, dem armen Fritz, ein. Den armen Fritz brachte dieser unerwartete Besuch derart aus der Fassung, daß er vorerst die Sprache nicht finden konnte. So begann also der reiche Fritz die Conversation. Er zog aus einer inneren Rocktasche den vorerwähnten Brief und sagte: Ich besitze hier einen Brief, den Sie, mein Herr, meiner Frau, als sie noch Braut war. geschrieben haben." Ter arme Fritz sprang auf. ..Ich stelle mich Ihnen zur Verfügung, mein Herr!" Der reiche F.ritz winkte mit der Hand ab. Bleiben Sie nur ruhig sitzen. Ich bin kein Ritter, um mir den Kopf spalten zu lassen; ich bin Bankier, der der Situation Rechnung trägt und darnach seine Bilanz ausstellt. Die Bilanz ist nun folgende: wir lieben Beide eine Frau. Ich habe jedenfalls mehr Recht dazu: doch Sie lieben länger. Ich habe kein Recht, Ihnen deshalb einen Vorwurf zu machen, weil Sie meine Frau liebten, bevor ich sie kannte, aber ich habe zweifellos das Recht, meine Ehre zu schützen." Der arme Fritz unterbrach ihn: Ich sagte Ihnen ja. daß ich zu Jhrer Verfügung stehe." Der reiche Fritz fuhr ruhig fort: Und ich wiederhole Ihnen, daß ich nichts davon wissen will. Ich erkläre Ihnen, daß ich Ihnen des Briefes halber keine Vorwürfe mache. Ich kann die Aufregung, unter deren Eindruck Sie den Brief geschrieben haben, wohl begreifen und derlei Drohungen nach ihrem wirklichen Werthe bemessen." Mein Herr!" Geduld. Ich sage nicht, daß Sie mir nichts bedeuten, denn sonst wäre ich nicht zu Ihnen gekommen. Sie sind mir ganz und gar nicht gefährlich; aber ich bekenne, daß Sie mir unbequem sind. Ich habe wohl Vertrauen zu meiner Frau, doch ist es andererseits für einen Gatten nichts Angenehmes, seine Frau im Besitze eines derartigen Briefes, wie der Ihrige zu wissen. Es gibt Augenblicke im Frauenleben, die nicht von Weisheit geleitet sind. Mit einem Worte, mein Herr, ich will mein Glück von jeder Unbequemlichkeit freikaufen." Ich verstehe Sie nicht." Ich werde ganz deutliche sein. Sie schreiben meiner Frau in diesem Briefe. daß nur die Pflicht Sie hier hält, daß Sie zuerst für Ihre Schwester sorgen müssen." ..Das ist richtig." Nun. ich mache Ihnen einen anständigen. wohl verstanden, sehr honnetten Antrag und bitte Sie im Vorhinein. mich nicht mitzzuverstehen. Ich stelle Ihnen zur Verfügung, besser gesagt, ich geben Ihnen ein recht beträchtliches Darlehen von, sagen wir, zwanzigtausend Gulden. Sie verheirathen dann Ihre Schwester, verlassen das Land und kehren nicht eher zurück, als bis Sie mir denBetrag zurückerstatten können. Ich schenke Ihnen nichts, ich gebe Ihnen nur ein Darlcben; meine Ruhe wiegt mir die Zinser auf. Nun, was sagen Sie dazu?" Der arme Fritz war ganz außer sich. Jetzt packenSie sich aoer sofort l?inaus!" Der reiche Fritz erhob sich, ohne sein? Kaltblütigkeil zu verloren. Ich gehe." sagte er ruhig. Für ten Fall, daß Sie mich aufsuchen wollten. bitte ich zu merken, daß ich morgen zwischen zehn und elf Uhr in meinem Bureau zu treffen bin. Ich will nur noch betonen, daß ich für das Darle-l-cn keine Verfallszeit bedinge und auch keinen Schuldschein verlange, .hr Wort genügt mir. Guten Tag!" Und er ging. III. Der arme Fritz uutb allein zurück. Sei erster Gedanke war nun, daß c? eigentlich verabsäumt habe, j einer, glücklichen Rivalen zu ohrfeigen. Sein zivetter Gedanle war, daß ds Leren sehr schal, sehr elend fei. Bevor er zum dritten Gedanken kam. trat err ild. Herr Jo-,ef Wild ein der sich ,eit einem Jahre um Fritzens Schwester btwarb. Herr Wild war sehr erregt. i brauchte fünftausend Gulden, um Soaus des Firma Müller & Mayer zu wcrden, was einer gesicherten Existenz gleichkam und ihm die Möglichkeit schaffen würde, zu heirathen. Woher sollen wir so viel Geld nchmen?" jammerte Marie, des armen Fritz Schwester, und ihre schönen blauen Augen füllten sich mit Thränen. Der arme Fritz ging im Zimmer erregt auf und ab. Aus semer Stirn perlten Schweißtropfen, sein Athem war sch TaS rührte die Verlieb-

ten un icschwlchtlaten ihn.

Was grämst Du Dich denn so? Was nicht ist. ist eben mcht. Gott wird schon helfen. Wir müssen eben noch warten." Der arme Fritz küßte seine Schwester und sagte in wehmüthigem Tone: Ihr müßt nicht länger warten morgen bekommt Ihr das Geld." Tags darauf machte der arme Fritz dem reichen Fritz seinen Gegenbesuch und wurde freudig empfangen. Haben Sie alfo eingesehen, daß mein Antrag sehr anständig ist?" Bevor ich antworte" sagte der arme Fritz, eine Frage: Wie kamen Sie zu jenem Briefe, den ich Ihrer Frau schrieb? Haben Sie ihn gefunden. oder gab sie ihn Ihnen?" Sie gab mir ihn während der Hochzeitsreise." Der arme Fritz seufzte tief. ..So! auf der Hochzeitsreise dann nehme ich Ihren Antrag an. Selbstverständlich ist es wix ein Darlehen, das Sie mir gegen mein (5hrenwort geben und das ich Ihnen, sobald ich kann, mit Zinsen zurückgeben werde." Zinsen beanspruche ich nicht." Pardon" protestirte der arme Fritz ich nehme weder ein Geschenk, noch eine Gefälligkeit." Auch gut," meinte der reiche Fritz und zählte dem armen Fritz zwanzig neue Tausender zu. IV. Der arme Fritz hielt Wort. Er verheirathete seine Schwester und schiffte sich dann nach Brasilien ein. Drei Jahre hindurch jagte er verzweifelt nach Reichthum und Glück. Am Ende des dritten Jahres blieb ihm nichts mehr als ein LooZ. Er wollte sich eben erschießen, als sein Loos gezogen wurde. Er erhob das Geld und kehrte mit dem ersten Schiffe nach Europa zurück. V. Sein erster Weg führte ihn in die Kanzlei des reichen Fritz. Sie erkannten einander kaum. Den armen Fritz hatte die Sonne fast schwarz gebrannt. Den reichen Fritz hatte die Galle gelblich grün gefärbt. Hier, mein Herr," sagte der schwarze Fritz, ..ist Ihr Geld, mit Zinseszinsen. Ich schulde Ihnen nichts mehr, aber beruhigen Sie sich, Sie mir auch nicht. Drei Jahre sind eine lange Zeit; drei Jahre, wie ich sie erlebte, eine noch längere. Ich glaube kaum, daß ich Ihre Gattin noch erkennen würde. Wollen Sie ihr, bitte, meinen 5andkuß bestellen." Der gelbe Fritz lächelte eigenthümlich: Was werden Sie jetzt thun?" Ich reise wieder in's Ausland; ich habe mich an das Wandern gewöhnt." Und Sie würden wirklich meine Frau nicht erkennen, wenn sie Ihnen unvermuthet entgegenträte?" Ich glaube nicht; der Mensch ist so vergeßlich." Schade!" Warum?Weil Sie ihr auf Ihren Reisen leicht begegnen könnten." Wie. Ihre Frau reist?" Ich glaube -" Allein?" Das glaube ich wieder nicht. Sie sprechen so merkwürdig; mit wcm denn?" Ter gelbe Fritz zuckte mit den Achseln. Ich weiß nicht. ?br anderthalb Jahren, als sie mir durchging, war mein Prokurist ihr Begleiter. Vielleicht ist er es auch jetzt noch; vielleicht auch nicht. Wenn Sie ihr zufällig begegnen. habe ich nichts dagegen, dah Sie sie fragen, ob sie ihren Schwur halten will. Ich gebe Ihnen mein Wort, es wird mich nicht geniren." Altes Spielzeug. Das Spielzeug des Kindes gehört zu dcnjenigeGegenständen des menschliehen Hausraths, welche nicht nur eine uralte Geschichte aufzuweisen haben, sondern auch vorkommen werden, so lange es Menschen geben wird. Welche Wandlungen das Spielzeug durchgemacht hat, bis sich aus seiner Herstellung als Handelsartikel eine besondere Industrie entwickelte, läßt sich, soweit es die Zeit vor dem Mittelalter betrifft, nur in wenigen Spuren verfolgen; besonders gilt dies hinsichtlich des deutschen Spielzeugs. Wir sind aber gewiß berechtigt, anzunehmen, daß ebenso wie unsere Kinder auch diejenigen unserer Voreltern ihre goldcnen Tage durch Spielen mit mancher lei Gegenständen verbrachten. Wie der Mensch selbst, wie seine Leben--weise und Beschäftigung war. so war natürlich auch die Art und Weise des kindlichen Thun und Treibens: Jagen, Kämpfen und Reiten, wie es die Alten trieben, wird wohl zweifellos denNachahmungstrieb der Jungen angeregt haben, die gleichen Gepflogenheiten dem kindlichen Spiele zu Grunde zu legen. Spielwaarenläden gab es damals nicht; Gottes Natur deckte den ganzen Bedarf des Kindes, und dieses selbst war sein eigener Spielwaaren-Fabri-kant. Baum und Strauch lieferten das Material zu Speer und Schild, zu Pfeil und Bogen, und wie heute, so wird auch vor tausend Jahren schon das Mädchen der Mutter die häusliche Thätigkeit abgelauscht haben, indem cs' mit kleinen Kochgeräthen wirthschaftete' oder eine aus bunten Lappen und ei-, nem Stück Holz gebildete Puppe liebkosend an sein kleines Herzchen drückte. Von solchen Spielsachen ist nun freilich nichts auf unsere Zeit gekommen, außer ganz vereinzelten Sachen, wie Puppen oder Pferdchen aus gebranntem Thon, die uns in Museen als Fundstücke von Ausgrabungen alter Wohnstätten oder Gräber vor Augen treten. Erst aus dem 16. oder 17. Jahrhundert ist uns Spielzeug überliefert, das an moderne Sveilwaaren erinnert. Puppen. Pup-

Penstuben, Soldaten und dergleichen wie man eine solche Sammlung im Germanischen Museum zu Nürnberg betrachten kann. Weit mehr aus deutscher Vorzeit wissen wir von dem Aussehen und der Art des Spielzeugs aus der Zeit der alten Griechen und Römer. Zuverlässige und recht interessante Anhaltpunkte geben uns hierfür guterhaltene Reste von Wandmalereien. Vascngemälden und Sculpturen. sowie schriftliche Aufzeichnungen griechischer und römischer Autoren. Im wesentlichen sin? die mannichfaltigen Spielzeuge, welche sich die Kinder entweder erfinderisch selbst herstellten oder mit geringen Kosten erwerben konnten, den heutzutage noch üblichen ganz gleich. So finden wir die Kinderklapper oder Rassel in kleinen Thongefäßen, oft in Gestalt von Thierfiguren, mit Steinchen oder Metallstückchen im Innern. Auf Vasengemälden erkennen wir das Ballspiel, das Spielen mit dem Reif und dem Kreisel; die verschiedenen Arten von Schaukeln, die Strickscharrkel. die Brett- oder Wippeschauke?. Ein in Neapel befindliches Vasengemälde zeigt uns, daß den hellenischen Kindern auch das Drachensteigenlassen nicht unbekannt gewesen ist. ebenso das Stelzenlaufen, das Steckenpferdreiten und das Spielen mit Wägelchen. Daß es auch kleine Waffen zum Spielen sür Knaben gegeben hat. ist zweifellos. In den Händen der Mädchen dagegen finden wir. wie heute, das Kochgeschirr und vor allem natürlich di Puppen. Reste von Kinderkochgeschirr fanden sich schon zahlreich in Gräbern; es frnd kleine, oft nur wenige Zoll hohe ttrügchen. Töpfchen u. s. w. Die Puppen waren meist aus Wachs oder Thon gefertigt und zum Ankleiden gemacht, vielfach auch mit kxweglichen Gliedern. An der hellenistischrömischen Zeit begegnen wir einer höchst originellen Herstellungsart von Puppen. Rührend ist es wahrhaftig zu sehen, wie die betrübten Eltern ihren Lieblingen mit ihren Thränen auch derenLieblingsspielzeug. die Puppen. in das Grab legten. Dieselben waren sehr ingeniös gearbeitet: Gesicht. Mund. Augen und Nase wurden durch entsprechende Windungen feiner, buntfarbiger Stoffstreifen gebildet, der Kopf ist mit einem Netzebäubcben bedeckt, die ausgespreizten Arme durch ein mit Stoff überzogenes Rohrstück bergestellt, und als Brustlatz hing ein Leinwandstück herab. Bei weiterer Betrachtung der Spiele der klassischen Jugend finden wir. daß auch lebende Thiere zum Spielzeug dienten: Stieglitz und Taube. Gans und Hahn. Hunde. Ziegenböcke. Affen; besonders beliebt war es, Käfer an Fäden zu binden und sie fliegen, oder besser gesagt, nicht fliegen zu lassen. Zur Gattung der Unterhaltungsspiele gehörte das Suchen scherzhaft versteckter Gegenstände, ähnlich unserem heutigen Plumpsackspiel, das Grübchenwersen mit Knöcheln oder Sprungbeinchen aus der Ferse von Lämmern oder Schafen. Die kleinen Knöchel oder Sprungbeincken. die Astragalen. dienten auch zum Würfelspiel. So ist z. B. sehr bekannt die Statue eines am Boden sitzenden knöchelspielenden Mädchens. Das Berliner Museum besitzt die Statue eines Knaben, welcher fröhlich lachend seine gewonnenen Astragalen mit dem linken Händchen an die Brust drückt. Auch an belehrenden Spielen, wie Zusam-menlege-und Buchstabenspiel, fehlte es bei den Griechen und Römern nicht. Erst mit dem Mittelalter bieten sich uns sichere Anhaltspunkte für die Verfolgung der Entwickelungsgeschichte unseres Spielzeugs. Die Kinderspiele im Mittelalter hatten wenig Abwechslung; im ganzen bewegten sie sich in einer Nachahmung der Beschäftigungen der Erwachsenen. Den meisten Stoff für eine Betrachtung der Entwickelung der deutschen Spielwaarenindustrie bietet entschieden das 18. Jahrhundert. Von da an ist man in der Lage, einzelne ganz bestimmteCentren zu bezeichnen, in denen die Spielwaarenindustrie sich zu einer Stellung von Weltruf Verhältnißmäßig rasch emporarbeitete. Und aus Goethes anziebender Schilderung sei ner Jugendzeit wissen wir. welchen Einfluß vor 150 Jabren das Spielzeug auf ein phantasievolles Kindergemüth batte. ute Küche. Ein Bürger hat seine Tochter dem Pächter 'ines Wein - Restaurants verheirathet und mit Spannung sieht er der Eröffnung desselben entgegen, de seine Tochter die Küche allein besorgen wird. Am Eröffnungstage findet er sich früh prompt bei seinem Schwiegersohn ein und die erste Frage ist. ob schon Speisen ins Lokal hineingekommen sind. ) ja!" seufzt der Schwiecrsc. die Kellnerin hat sie sogar schon wieder zurückgebracht!" Zweierlei. Wenn Mann und Weib sich küssen. So lachen die Engel zu diesem Bund. Doch wenn zwei Weiber sich küssen. Dann kichert der Teufel im Hin:ergründ. Der unverständige Hund. Junge Dame: Aber ''lmy. weshalb beißest du denn dem Herrn Assessor in die Beine, er ist dcck na. reich, hübsch und noch unoerheira-thet?-Kaltblütig. Sckinierendirektorin (nach der Vorstellung auf der Bühne, die mit Kohlrabi. Rufen. Zwiebeln und dergleichen bedeckt ist): Das ist zum Verzweifeln. was soll daraus werden?!" Er: Mein cb gericht, Leipziger Allerlei!- ,

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