Indiana Tribüne, Volume 24, Indianapolis, Marion County, 6 January 1901 — Page 2
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Jndiana Tribüne, Sonntag, . Januar 1901.
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Ter Herr Prosessor.
Eine M2nZiNl.r Lildvaette " - von Edqar Vfc. .piek rin. Herr Pioftssor! Spielen STein;: Aber was ßufti CstZl Der Alte setzte sich an's Klavier. Die Gasflamme warf feinen Schattenriß auf die zerrissene Tapet.-: dünne, zit--.ternde Locken, eine fleischige Nase und darunter vorstehend zwei wulstige Lp Pen. du ländig ßau&erocguns:t machten, lernen Augenblick saß ez, hie ste fen Hitnt rüenhikh verkrümmUn Obertörz weit vvrgebeugt, Uit knurrend u seinem Stuhl. Xie. Stirue ruhte fast tasten, wäh.ud die un.aeneuren Füße, die w noco ' größeren Stiefeln :aUn, nach dem Pedal angeltet. Üiqrnt lkmpoptump Da ifim die wackelnden Lippen beim Sprechen stets HhMwtn vt x r jX. f . .
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u.'c uuppen. -ftsl. Iil! SPflS imn firr-n v".-.rr'Iir-r - -' -)..-., .... -i . -- Ufcrl" Und er svielte Teincn STlntaCT hn jpfeiften.. den er in seinem sieozigjähriflen eben componirt batte. Seine gichtischen Finger tanzten fiebernd ' den Tasten. Da alte Klavier quitschte unter ihren Schlägen. Die vorqequollenen äugen liefen der rechten Hand bei allen ihr.?n Sorüngen nach. Ter zitternde Kopf mußte mit. Die geifernden rppen brummekten leise Scbimpfworte wenn einer der steifen Finger einm daneben griff oder eine der ausgeleierten Tasten stecken blieb. Ta'mtamtsm.'lTa'mtamtamITa'mamtam .. . . War das die Anna? Wahrhaftig' gt tanzte mit dem faden Theodor' W man nur Theodor beißen kann! Und dabei ist Der Kerl dumm, strohdumm! Kaum daß er nothdürftig a Sonat'n klimpern kann. Vom ContraPunkt koa Spur! Aber tanzen kann er und schön thun und dumms Zeug schwätz'n mit die Weibsleut und mit die Manderl. Trum hat m aa 's Anncrl g'nomm'n. Und er ihr Geld. Und Professor is e cra word'n, a wirkliche? Professor an der Akademie der Tonkunst . . dort, wo sie die Schweine stngen lchr'n und die Gänse klavierspiel'n . . . Hahaha! Aber seine Prügel hat er aa wec. Der Mann, der den englischen Gerten erfunden hat. sei gepriesen! Was der Zierbengel für Angstaug'n 'macht hat, wie i plötzlich vor ihm steh und ihm d' Faust unters Kinn halt,. . . Hurrjeh! Wie dem 's Klavierspielen verganga is! Aber mir aa! Raußgg'schmiss'n ham's mi. die Herren mit 'In Frack und d'r weiß'n Cravatt'n! Pfüat Gott! hab' i nsagt. Ich werd' aa ohge Enk a gioßer Künstler wer'n. Iawc hl! A großer Künstler, der im Odeotr spielt und im Kaimsaal, und dem ffe in Petersburg und London jede 9fofn mit oanem Goldstück zahl'n! Ausla.ch'n will ich l?uch alle, ihr Schulfuchser und Tonle::-rk!etterer? . . . Euch uind Euresgleichen,. . . Gesinde!... AusZc-n? Hahaha! Wer wird jetzt 'u8' begrüß lavierstunden h 8 Kreuleerer Magen und ringsum .,nzes Regiment . A .. was sag' i? a Brrgad' . . . wol sag' i? a Division ... a gairzes Armeecorps, das aa Klavier spielt Tag und Nacht und Nacht und Taq . . . Der Teufel hole die Kunst!... Betteln ist ein edles Handwerk! Betteln nährt seinen Mann . . . hihihi! Das weiß keiner besser als ich . . . Bettelmann . . . Bettelmann . . . Bettelmann . . . Tamtamtamtam!" Ter Alte zog die schweren Beine an und räkelte sich langsam am Klavier empor. Auf den Noten lag sein großer Schlapphut. Ter Herr Professor trat mit irnn seinen Rundgang durch d Wirthsstube cm. Die Zweiund Fünfpfennigstücke prasselten hinein. Hier und da drückte sich ein Gaft auf französisch. Die Ernte war inager. .Man mer?t'? afcrch, wenn man dem Preußischen näher kimmt. Hier m Schwabing draußen haben die Leut viel weniger Kunstverständniß als in Sendling vben". knurrt der Alte und macht sich langsaM fertig zum Weitergehen. Während er bedächtig den tteberzieoer umlegt, schielt er lüstern nach fettn vollen Glas Bier, das der Studem 'am Nachbartische vor sich hat. Aber vergebens Seufzend wendet er sich ab. .Da spuckt einer der Gäne neben ihm auf den Fußboden. Wie von einer Tarantel gestochen, springt der Alle bei Seite. Eine Fluth von Schimpfworten kollert über seine wackelnden Lippen, und als wolle er einen bösen Zauber bannen, stellt er sich dem Uebolthäter breitbeinig gegenüber und spuckt seinerseits dreimal auf den Boden. Tann bnmpelt er knurrend tofe im Hnni) zur 2hür hinaus. ' Sch a n d l i ch. Warum so verdrießlich. Herr Huber?" Ja denken Sie sich, schenkt mir meine Alte zu meinem Geburtstag den Hausschlüssel nd wie ich ihn probir'. paßt er nichts i-Unüberlegte Drohung. Lehrer: .Meyer, Meyer, wenn Du es so weiter treibst, werden wir uns im 'Zuchthaus wieder beaeanen!" Hochgradige Nervenschwäche. Frau Mai: .Meine la ist schrecklich nervenschwach.
DaS Geringste regt sie fürchterlich auf Frau Mcier: Ganz so geht's iir mit meiner Anna. Denken Sie sich, gestern setzt sie zum ersten Mal einen Mcrtrosenhut auf. und in fünf Minuten war sie seekrank." Gewohnheit. Herr (welcher seine Köchin dabei ertappt, als sie noch lebenden Aalen die Haut abzieht)-.. Anna, Sie sollten die Aale doch erst.' tödten. kS ist doch grausam, den Thie--ttn lebend die Haut abzuziehen.".' Aöchin: Ach. Herr, das kenne bfc doch nicht anders, das smd die längst Atwohltt."
Seine Bramsahrt.
kumorc??e von I. Mc?c5l. In einer traulichen Ecke des Rathskellers saßen einige Herren bei einem fröhlichen Schoppen und erzählten sich allerhand Geschichten aus der Jugendzeit. Lustige und traurige, wie es der Zufall gerade. fügte, von Gott und der Welt und auch von den Weibern, mit Venen sie der Himmel begnadet hatte. Jeder 'vßte da seltsame und absonderlicbe Dinge zu berichten über die Echleickwege, auf denen ihn der kleine, immer listige Amor auf eine schlaue Art UND oft wieder Vermuthen in die blübweißen Arme seiner Ehe-Liebsten geführt hatte: keiner aber konnte stch mit dem Professor Altmann vergleichen. der durch ganz unglaubliche Berkettungen des Schicksals zu einer Frau gekommen war. Sehen Sie. meine Berehrtesten". erzählte er. das ist auf folgende Weife zugegangen. Das wißt ihr ja selber, daß ich als armer Student ungefähr fünfundzwanzig Tage des Monats in der angenehmen Lage der Lilien war. die sich vom lieben Gott ernähren und kleiden lassen, weil sie ja sonst nicht wußten, wer die Unkosten bestreit.m sollte. So an fünfzig Mark werde ich monatlich zu verzehren gehabt haben, mehr keinen rothen Heller. Mit dem tundengeben. durch das sich meine Kollegen ein bißchen auf die Wße helfen konnten, sah es bei mir sehr winbig aus, denn ich kam ja wie der traurige Peter daher in dem Heinefchen Lied, oei dessen Anblick die Mädchen auf der Straße stehen blieben und in Thränen des Bedauerns und des tiefsten Mitleids äusbrachen. Denn stärker als ein kleines Pferdchen ist ja schließlich kein Irdischer und was zu viel ist, na, das ist eben zu viel. Das Hungern hätt' ich vielleicht ganz gut ausgehalten, denn darauf war ich von Jugend an trainirt. Aber ich habe ja auch eine unglückliche Liebe im Busen gehegt und die setzte mir ganz schauerlich zu. Glaubt nur ja nicht, daß Liebe und Hunger einander ergänzten, etwa so, daß die Liebe den Appetit verdirbt und der Hunger die Liebe dämpft. Ich erinnere mich sehr wohl, einmal drei Portionen Braten gegessen und unaufhörlich dazu geweint zu haben. Das war an jenem Unglückstage, wo meine Flamme plötzlich verschwunden war, ohne daß ich die mindeste Spur entdecken konnte, wohin sie der alte KnurrHahn von einem Vater vor mir verbor gen hatte. Und da ich der festen Ucverzeugung war, daß er sie in ein Kloster geschleppt, wo die holde Mädchenblüthe vielleicht elendiglich verwelken müßte, gerieth ich völlig außer Rand und Band. Meinem Schw'.egervater war das nämlich schon zuzutrauen, er war immer, auch als wir uns später besser kennen lernten, ein wenig eklig, ein Familienigel erster Güte. Nun, jetzt hat ihn ja zu meinem Leidwesen der liebe Gott zu sich genommen, mit dem er sich aber nach meinem Ermessen nicht lange vertragen wird. Ich hatte ohnehin sehr selten Gelegenheit mit meiner Liebe ein paar Worte zu wechseln. Auf der Trambahn hätte ich sie öfter sprechen können, das war mir aber viel zu theuer. Nur hier und da sprang ich auf. drückte ihr die Hand, fragte den Kutscher mit möglichst erstaunter Miene, ob das die gelbe Linie sei. wenn ich gewiß wußte, daß es die grüne war. und stieg dann auf der anderen Seite wieder ab. Das ging aber auch nicht fehr oft. Einige Tage vor ihrem Verschwinden war ich allerdings zufällig bei Geld und fuhren wir viermal um die Stadt herum, wovon der Alte offenbar Wind erhalten mußte, obwohl er es nie zugestehen wollte. Kurzum, eines Morgens war sie weg, ich aber auch! Ein halbes Jahr lang schlich ich wie ein Gespenst durch die Straßen. Ich konnte das Mädel nicht verschmerzen. Ganz wehleidig wurde ich vor lauter Seufzen und Liebeskummer, so daß ich gar nicht emr.tal mehr ordentlich zu hungern vermochte und den Plan faßte, in der zweiten Hälfte des Monats mich zu einem Onkel zu verfügen, der als Pfarrer in der Nähe Münchens ein lobesames Dasein führte. Dieser ehrund hochwürdige 5err besaß die schöne Eigenschaft eines sehr dankbaren Gemüthes. und wenn ich ihm ein alterthümliches Stück, ob das nun ein geschnitzter Rahmen war oder eine verschnörkelte Eisenarbeit oder noch besser eine alte verschollene Scharteke, die ich auf der Aucr Dult um einige Pfennig erwarb, zum Geschenk mitbrachte, s fühlte er sich verpflichtet, verschiedene Wochen hindurch meinen mißhandelten Magen durch kräftige Zufuhr wieder in eine menschenwürdige Verfassung zu bringen. Für dieses Mal hatte ich die gesammelten Werke des Ton Alonso Magiras erstanden und zwar für fünfzig Pfennig fünf dicke, starke Bände, in zeuen eine Unmenge der wunderlichsten mystischen Erlebnisse zu höherem geistlichem Ergötzen ausgebreitet lag. Eine Mark hatte ich mir für das Billet zurückgelegt und somit trat ich in relativ günstiger Form die Reise an. Nur war ich ein wenig zu spät daran und damit begann eigentlich die Serie von Pech, die im Buche des Schicksals für mich notirt war. Als ich den Bahnhof betrat, merkte ich, daß der Zug im Begriffe war abzufahren. Ich mußte also eilen, denn ich wollte heute nicht wieder ohne Mittagessen den ganzen Tag verbringen und die gefüllten Schüsseln seiner Hochwürden dampften mir bereits in Gedanken um die ??ase. Ich überrannte den dicken, älteren Herrn mit der rothen Mütze, der einen schwächlichen Versuch machte, sich an meine ockschoße zu heften und sprang wie von den
Bahn - Erinnyen gehetzt in den nächstbesten Amerikaner, der aber sehr dicht besetzt war. Mit Mühe, daß ich noch ein Plätzchen entdecken konnte, das mich den Augen des Schaffners, der mich möglicherweise zur Rede stellen konnte, ein wenig entzog. Also los darauf, durch und über die verschiedenen Gebeine, die sich mir in den Weg stellten, ein kühnes Klettern über Schachteln und Koffer, die unter den Sitzen hervorragten ein kleiner Sprung noch und ich war geborgen! Aber auch zugleich ertönte ein Schmerzgeheul eines alten 5)errn. dem ich anscheinend recht deutlia) auf seine gichtischen Füße gehüpft bin. Natürlich stammle ich einige Worte von Bedauern und dergleichen.die aber nicht wohlwollend aufgenommen wurden. Leider mußte ich eben denselben Herrn bitten, einen Moment zur Seite zu rücken und mir zu gestatten, meine Bücher auf das über ihm befindliche Gepäckbrett zu legen. Der 5)err machte
nicht die geringste Bewegung, tch aber setzte voreilig voraus.er würde es thun, wurde irre, streckte mich ungeschickt und ohne daß ich es hätte verhindern kön nen. entglitt der wuchtigePack, der die gesammten Geisiesgaben des Don Alonso Magirus enthält, meinen 5)änden. fällt und treibt dem alten unglückliefen Mann den grauen Cylinder bis tief über die Nase ins Gesicht. Das waren aber einmal seltsame Laute, die jetzt an mein entsetztes Ohr schlugen! Dröhnend, grollend, polternd. bald wie eine verstopfte Wasserleitung. bald wie die Verzweiflungsflüche eines gereizten Bauchredners ich war verblüfft und wußte nicht, was ich anfangen sollte. Als ich mich vom ersten Schrecken etwas erholt hatte, bebemühte ich mich, meinem strampelnden Opfer Hilfe zu leisten und dersuchte durch einige sanfte Hiebe auf die Krempe des Hutes ihn über die Nasenkrümmung zu heben. Diese wohlgemeinte Operation übte indessen auf den alten Herrn die denkbar schlechteste Wirkung aus, denn er gebärdete sich bei jedem Schlag wie wahnsinnig und anstatt sich zu mäßigen und das Resultat abzuwarten und zwar in philosophischer Ruhe, verfiel :r in eine Art von Tobsucht und stieß jedesmal mit Händen und Füßen derart um sich, daß ich plötzlich nach einem Tritt auf den Magen, den er mir versetzt hatte, ohne zu wissen warum und wieso, auf dem dürren Schoße einer gegenübersitzenden Engländerin mich befand. Sonst schreit doch diese Sorte von Damen sofort sittlich entrüstet auf, wenn ihnen so was dergleichen begegnet und sie fallen dann in die herkömmliche Ohnmacht, daran dachte aber zu meinem Bedauern dieses Ausnahmsweib gar nicht, sie stempelte meine ehrsame AnNäherung auch nicht zu einemHeirathsantrag mit nachfolgendem Schadenersatz. sondern sie schleuderte mich unerwünschte Last mit solcher Kraft von sich, daß ich sofort wieder auf den alten Herrn zu liegen kam.der schon ganz blaue Lippen hatte, die theils der Wuth entstammten, theils dem vergeblichen Befreiungskampf, den er um seine Nase führte. Und ehe ich mich aufraffen konnte, flog ich schon wieder durch die Luft auf Alt-England zu, das mich wie einen Faustball airffing und zurückschickte. So wäre ich wahrscheinlich noch einigemale wie ein Wollballen hin und her geworfen worden, da sich zweifeleohne weitere Reisende an diesem Spiel zu betheiligen wünschten, wenn es mir nicht gelungen wäre, mich dieser unbefugten Einmischung zu entziehen und mich seitwärts in eine Ecke zu flüchten, deren Inhaber sich erhoben hatte, um der endlichen feierlichenEnthüllung des alten Herrn, dem ein chirurgischer Nachbar durch einen flotten Schnitt die Nase schließlich doch noch glücklich freizulegen verstand, in nächster Nähe beiwohnen zu können. Es war ein sehr erhebender Moment, als aus der aufgeschlitzten Angströhre ein dunkelrother Kopf herauskroch, dessen grünlich schimmernde Tigeraugen nach dem Feinde spähten und ich muß leider zugeben, daß nicht nur das Publikum, sondern auch ich mich lachend an diesem weihevollen Anblick weidete. Völlig ungezwungen aber äußerte sich die öffentliche Heiterkeit, als mich der Mann, dessen Platz ich mir gewählt hatte, aufforderte, zum Henker zu gc hen. Obacht, die Hüte!" schrie der ein?, hurra!" brüllten die andern, und das zarte Geschlecht schwenkte die Taschentücher und winkte mir Grüße zu. Der Jubel wurde, als ich mich erhob und umdrehte aus einer mir erst später erklärlicben Thatsache so sturmisch, daß mir nichts übrig blieb, als mich auf die Platform zurückzuziehen, wo )er kühle Wind mich wieder zu einiger Besinnunz brachte. Nun fielen mir auch die Bücher ein. aber ich wäre um keinen Preis in diesen Wagen mehr hineingegangen. Der Schaffner, der eben zur Fahrkartenvrüfung kam. würde mir sie schon holen, dachte ich. Avt? kaum hatte mich dieser Viedermann entdeckt, als auck er in eine rasende Wuth gerieth. So", schrie er. Sie sind der nette Herr, der in einen fahrenden Zug einsteigt? Wissen Sie nicht, daß das verboten ist? Was haben sie hier auf der Platform zu schaffen? Wer hat denn die Schererei, wenn 2i: hinunterfallen, ick oder Sie? Sie wollen es dann natürlich wieder nicht gewesen sein und ich darf einen Bogen Papier verschmieren wegen Ihnen. Ihre Karte, Herr, oder Sie soll. . Temüthig schweigend reichte ich ihm mein Billet. Nun erging er sich aber erst recht in den schönsten blauuniformirten Grobheiten. Was? Schwindeln wollen Sie auch noch? Das ist ja ein: Karte nach Pasing und wir fahren im direkten Zua nach Starn
berg. Na. Herr", er' sagte das mtt et- ' nem teuflischenBehagen recht breit und kräftig. Ihnen werde ich das Leverzeug anstreichen äh!" Sechs Mark Straf: nachzahlen nicht unter einem Monat Gefängniß wegen Betrug. Widerstand gegen die Staatsae- ! walt ich. Sie sollen mir an die Gesetze glauben lernen Sie, Herr, j
Sie!" Damit verschwand er im Wagen. Mir wurde ganz übel. Sechs Mark Strafe! In einem Zeitalter wo die Hosenknöpfe einen so geringen Geldwerth haben! Und kein Mittagessen! Mein Magen antwortete schon mit Knurren und ansehnlichen Wurmbewegungen. Das versprach ja ein äußerst genußreicher Tag zu werden. Der freundliche Schaffner steckte nun noch einmal seine rothe Nase heraus. beguckte mich von hinten und brach dann in ein wieherndes, mir gänzlich unbegreifliches Gelächter aus. Ich wußte nicht, was den Menschen hierzu veranlaßte. Es waren recht gemischte Gefühle, mit denen ich den herrlichen See begrüßte. Zum großten Glück war der Bahnbeamte ein zugänglicher Mann, der mir, da ich mich entschuldigte, weil ich seinen Amtsgenossen in München in den Bauch gestoßen hatte, dankend die Hand drückte und mir noch überdem zur Rückfahrt eine Mark pumpte. Eine Anspielung jedoch, ob man auf den wieder erlangten Don Aia-fo Magirus nicht einen kleinen Vorschuß erheben könnte im beiläufigen Betrage zweier Knackwüste, würdigte er indessen aus mangelndem litterarischem Verständniß keiner weiteren Antwort. So ging ich denn hinaus an die Ufer, um mir auf irgend einem Stege die Sonne auf den Magen scheinen zu lassen, da der Wind mir ziemlich frisch um die Glieder wehte. Schon auf diesem Wege fiel mir auf. daß sich alle Leute nach mir umwendeten und dann lachten. Sollte ich so schnell zu einer Berühmtheit gelangt sein? Ich kümmerte mich nicht viel darum, auch nicht als ein Junge mir nachrief: Sie, verlieren S' fein Ihr Sacktüchel nicht," sondern setzte mich auf ein Brettergefüge und sah neidisch den Fischen zu, die sich um ein Mittagessen nicht zu kümmern brauchten. Ich sollte aber an diesem unheilvollen Tag noch ganz andere Dinge zu leiden haben. Ich war keine fünf Minuten ruh'g gesessen, als plötzlich ein Windstoß kommt, mir meinen Hut vom Kopfe reißt und ihn ins Wasser weht. Ich will ihn fangen, verliere das Gleichgewicht schwups! liege ich mitten im See. Es hatte das nicht recht viel zu bedeuten. Es war niemand in der Nähe, der mich ausgelacht hätte und so schwamm ich, ohne weiteren Schaden an das Ufer. Ich schüttle das Wasser ab, mache mit dem rechten Fuß eine schleudernde Bewegung, dann sogleich mit dem-linken und sehe etwas liegen. Alle Wetter, was meint ihr, daß das war? !Das waren meine beiden Stiefelsohlen, ich trug damals Stiefel das Paar zu fünf Mark na, jetzt war meine Geduld wirklich zu Ende; ich bekam eine Art von Schwindel, denn mir schoß vor Zorn dasBlu't so sehr in den Kopf, daß der See mir in einer grell zinnoberrothen Beleuchtung erschien. Da nahm ich den anschuldigen Magirus und feuerte ihn in die Fluth und dann folgte der eine Stiefel und dann der andere und wenn mein liebster Freund in der Nähe geWesen wäre Und hätte auch nur zeschmunzelt, so hätte ich ihn. so sehr mir das später leid gethan haben würde, nach meinen besten Kräften dem Don Magirus nachgeschmissen. Währenddem landeten einige Schiffe, deren Insassen mein Treiben verfolgt hatten. Ter ein,, davon meinte, ich sei ein Engländer, während der andere die Hoffnung ausfprach, daß ich total verrückt sei. Ich wendete ihnen den Rücken zu und zwar nicht ohne bestimmte Nebengedanken. Da lachten aber die Kerle noch viel mehr, so daß ich schließlich daran dachte, ob mir nicht irgend einer einen Esel hinten aufgeheftet hätte. Das stimmte zwar nicht, aber meine Hosen waren mir zerrissen! Zerrissen, was sage ich, erplodirt waren sie und aus ihnen quoll das 5zemd heraus, ...ckelte bei jedem Schritt wie ein Lämmerschwänzchen hin und her. . . . Es war zum rasendwerden! Ich wartete einen Augenblick, weil ich hoffte es werde sich neben mir die Erde öffnen und mich verschlingen. In diesem Zustand sollte ich nach Hause fahren! Na. das konnte ja gut werden! Vorerst aber lief ich trotz der harten Steine wie ein Verbrecher davon, so weit als mick die üße truaen in den Wald hinein. um irgend einenSchlu'fWinkel zu erreichen. Wenn ich dies alles nicht schaudernd selbst erlebt hätte, ich würde es nicht glauben, daß ein einzelner Mensch an einem Tage ein solch infames Pech haben kann. Nun merkt aber erst auf. nun kommt die Krone! Daß ich Grassalat aß. wie der selige Assyrerfürst, davon will ich gar nicht reden. Ich hatte mich da in einem ziemlich dichten Buschwerk neben einem Park niedergelassen, wo mich kein Mensch erblicken konnte. Meinen Rock zum trocknen in die Sonne gebreitet, fast wie der Odysieus auf Scheria lagerte ich da und meine Gedanken waren wie ehemals die seiniegn wehmüthig darauf gerichtet, ob ich und wie ich meine Heimath wiederseh? würde. Ohne Hut. ohne Stiefel, mit einer zerfetzten Hose ich sann hin und her und fand keine Lösung des Rätshels. Da knarrt plötzlich eine alte, verrostete Gartenthüre in meiner nächsten Nähe. Ich hatte sie vorher gar nicht
beachtet. Ich fuhr heftig zusammen, sprang auf und spähte vorsichtig durch die Zweige. Nun denkt euch meinen Schrecken und meine Freude zugleich, als ich da in eleganter, lichter Sommerkleidung sie. meine Liebe, kerzengerade auf mich zuschreiten sah. Wie mir das Herz schlug! Ich fürchtete, sie könnte es pochen hören. Natürlich verhielt ich mich mäuschenstill in meinem Versteck denn wenn ich auch Hemd und Hose an hatte, ich hätte mich doch um keinen Preis in dieser Verfassung überraschen lassen mögen. Also war sie doch in keinem Kloster eingesperrt. Warum aber hatte sie mir so lange kein Lebenszeichen zukommen lassen? Liebte sie mich nicht mehr? So ungefähr, vielleicht noch zahlreicrer strömten die Gedanken leidvoll und freudebeflügelt durch meinen Kopf. Dabei habe ich mich aber offenbar zu
weit vorgewagt oder Lärm gemacht, denn sie hielt im Gehen inne, nahm den Bernhardiner, der sie begleitete beim Halsband und wendete direkt auf mich zu. Sie trat aber erschrocken einen Schritt zurück, als sie mich erblickte. Entschuldigen Sie. gnädiges Fräulein. Sie erkennen mich wohl gar nicht mehr?" sagte ich, denn was blieb mir anderes übrig, mein Name ist Altmann." Um Gottes willen, Sie sind es, nein, wie Sie aber. . . Wie kommen Sie nur hierher?" Ich berichtete nun in schlichten Worten die kleinen Unfälle am See, die ein schlimmer Geist heute über mich verhängt hatte und fügte auch hinzu, daß ich gerne das Doppelte ertragen würde. aus Freude, daß ich sie getroffen hätte. Da lachte sie wie ein lustiges Kind, meinte, sie habe zwar oft an mich gedacht, mir aber nicht schreiben können, weil sie meine Adresse nicht gekannt habe. Nun freue sie sich, daß sie mir dienen könne. Sie werde suchen, was sie an Stiefeln, und Hosen und Hüten finden könne, aber sie halte es für besser, wenn Papa meine Bekanntschaft ein andermal mache, er sei heute sehr schlecht gelaunt. Wenn ich mich gedulde, werde sie die Sachen sofort herausbringen. Ich dankte ihr herzlich und blickte ihr dabei so tief in die Augen, daß sich das hübsche, sonnverbrannte Gesichtchen, mit einer jähen, lieblichen Röthe überzog. Wir schwiegen beide. Erst als sie sich von mir wendete, faßte ich mir den Muth, sie nochmals zu rufen. Eine Bitte, eine schwere Bitte hätte ich", meine ich, und nun war es an mir zu erröthen. Und was?" fragte sie schelmisch lächelnd und die Augen senkend. Sie sind ein Engel", sagte ich, indem ich um meine Verlegenheit zu verbergen ihr die Hand küßte, die sie aber sofort zurückzog. Und nun schlug sie auch die Augen wieder auf und blickte mich so ernst und fragend an, als wollte sie sagen, nun, wenn Dir das, was Du auf dem Herzen hast, so schwer fällt, warum läßt Du mich dann nicht lieber meiner Wege ziehen? Da flüsterte ich leise und schüchtern: Ich würde auch um ein Stück Brot bitten, ich habe heute noch nichts gegessen." Längst war sie binter dem Zaun verschwunden, als ich ihr silbernes Lachen noch immer vernahm. Wenn Sie sonst nichts wollen." hatte sie geantwortet, und ich Schlaumeier begriff nicht, wie viel mehr ich in diesem schönen Augenblick, so leicht hätte haben können. Nun kamen Holzarbeiter in die Näke, Leute, von denen ich mich nicht gerne wollte überraschen lassen und so öffnete ich die angelehnte Thüre und verbarg mich hinter einigen Büschen. Aber kaum hatte ich mich niedergelassen, als ich mich unsanft umgeworfen fühlte und im nächsten Augenblick stand der mächtige Bernhardiner auf meiner Brust und begann zu bellen, daß mir das Hören verging. Ein greller Pfiff war das Letzte, was mir in den Ohren klang, denn als ick einen fluchenden Alten, der einen Trauerschleier um die Nase trug, herbeieilen sah, denselben, dem der Don Alonso Magirus auf den Kopf gefallen war, da wurde mir so schwach, daß ich nicht länger dagegen ankämpfen konnte. Als ich erwachte, lag ich auf einem weichen Pfühl und der grimmige Alte flößte mir einen Löffel Cognac ein. Als ich wieder etwas beisammen war, dachte ich, daß nunmehr zum wurdtgen Schlüsse dieses Tage ein baumstarker Diener erscheinen werde, der mich mit einem schönen Schwung vor die Thüre setzen werde. Wie fühlen Sie sich?" fragte mich der Alte. Oh! ich danke verbindlichst, ich glaube ganz aein gehen zu können." Wissen Sie. daß ich zur Polizei schickte?" brummte er. Wie Gott will!" erwiderte ich apathisch wie ein Türke. Meine Tochter, dieses hinterlistige Ding will mir allerlei Märchen erzählen. Aber Sie sind doch derselbe Liebling, der meiner Nase zu diesem Pflaster verholfen hat? Ja. ja. ich kenne Sie. Aber da hatten Sie doch einen Hut auf und Stiefel hatten Sie an und ich meine Sie hatten sogar eine Hose?" Um diese Dinge müssen Sie gefälligst Ihren Hund fragen." Ach mein Hund hat das wohl alles gefressen?" Ich nickte, als ob ich das für gar nicht unmöglich hielte. Hahaha. und auch Ihre Geldbörse? denn ich habe mir nachzusehen erlaubt. ob Sie nicht einen Revolver oder dergleichen Freundlichkeiten mit sich führen. Wie? Eine gefräßige Bestie, dieser Hund? Na, junger Mann, erzählen Sie mir einmal, wie Sie in einem solchen Zustand in mein
5iaus kommen. Aber keine Flunkereien. !
bitte ich mir aus." Nun berichtete ich denn von meinen Abenteuern und dcr Alte freute sicb so darüber, daß wir schließlich ganz gute Freunde wurden. So viel lachte er, daß ihm das große, schwarze Pflast.'r von der Nase fiel. Später lud er mich sogar ein und als wieder ein Tag kam. da ich meine jetzige Frau um ein Stück Brot bat. sorgte ich dafür, daß sie mich ! ntcht wieder auslachte. Aber heute noch, wenn ich an meine Brautfahrt denke, frage ich mich immer wieder, ob je in solcher Laun' ein Weib gefreit wurde. Ich glaube nickt." (fvn. Von Karl Murai. Gatte: Süßes Mäuschen, soeben war ich mit Hans Kerten. der h?ute seinen Namenstag hat. Gattin: Und er hat Dich natürlich zum Souper eingeladen, und Du willst lent weggehen? ijjitte: Famos! Wie Tu das errathen hast! Ich muß gestehen, Mäuschen, daß Du eine geniale Frau bist. Gattin: Nicht wahr, Franz, Du meinst jetzt, daß ich Dir Glauben schenke? Gatte: Aber Mäuschen! Gattin: Siehst Du. Franz! Du willst Dich aber gar nicht ändern. Du fühlst Dich am glücklichsten, wenn Du bis in die Morgenstunden hinein im Casino Karten spielst. Mit Freuden suchst Du dieseLasterhöhle auf. jawohl, es ist eine Lasterhöhle, wo man Dir Dein Geld abnimmt, wo Du Dir die Augen verdirbst, jawohl, die Augen, und von wo Du betäubt und mit verstörtem Gesichte heimkommst. Schließlich, damit Du dieser bösen Leidenschaft fröhnen kannst, kommst Du mit Ausreden fo billiger Art, wie es die Namenstage Deiner Freunde sind. Namenstage! Gatte: Du gestattest schon, daß ich gegen Deine Behauptungen ein Veto einlege. Ich suche weder Ausreden, noch spiele ich. Die Namenstage sind wirklich da! Gattin: Soeben, mein lieber Franz ich sah's sehr gut hast Du im Kalender nachgeblättert und richtig herausgefunden, daß heute Hans ist! Als Du damit im Reinen warst, suchtest Du einen Deiner Bekannten heraus, der Hans heißt. Und da Deine Wahl gerade auf Kerten fiel, dichtest Du ihm an, daß er Dich zum Souper einlud. Gatte: Ich schwöre! Worauf soll ich schwören? Gattin: Das wäre überflüssig; denn ich würde Dir selbst dann nicht glauben. Was sind denn Männerschwüre! Gatte: Gut. Dann werde ich nicht schwören. Aber schau' her, mein liebes Kind! (Nimmt seine Börse heraus). Da ist mein Portemonnaie. Alles in allem ist ein Gulden in Silber darin. Siehst Du? Nun, und jetzt antworte. Kann man mit einem Gulden in Silder der Spielleidenschaft fröhnen? Gattin: Das Börsevorweisen hast Du auch einstudirt. Letzthin hast Du auch dasselbe gethan, und es stellte sich heraus, daß Du Gustav schon im Vorhinein vierhundert Gulden gegeben hattest, die er Dir dann im Casino zurückgab. Du hast sie auch glücklich verspielt! Gatte: Schändliche Verdächtigung! Es waren blos dreihundertsiebzig Gulden. Aber ich schwöre, also sag' doch, worauf soll ich denn schwören, daß ich nicht mehr als diesen einen Gulden habe. Gattin: Um so schlimmer, denn da würdest Du den Kellner anpumpen. Gatte: Wer? Vielleicht ich? Merke Dir, dazu bin ich viel zu stolz. Was Dir nicht einfällt! Von einem Kellner niemals! Gattin: Also dann von zweien, weil einer allein zu wenig hat. Erinnerst Du Dich anNovember vorigen Jahres? Gatte: Das war etwas ganz anderes. Der Kellner war früher Hotelier und hatte auch schon ein Duell gehabt, mit einem Wort ein Gentleman. Gattin: Mit einem Wort, Du bleibst zu Hause. Wir werden schon zu zweit speisen und dann Domino spielen. Jedes Spiel zu zwei Kreuzer, und wir machen zehn Partien. Ist das nicht reizend? Und so billig! Gatte: Aber, süßes Mäuschen, ich kann mich nicht der Gesellschaft entziehen. Sie werden glauben, daß ich nur deshalb ausbleibe, damit sie auch nicht zu mir kommen. Gattin: Sei ruhig, sie werden kommen. Aber Du bleibst zu Hause, und damit ist die Sache abgethan. Gatte: Reize mich nicht! Das sag' ich Dir! Gattin: Ruhig! Ein Mensch, der fein Geld und die Mitgist seiner Frau in Karten verspielt, muß schön stillhalten und sich zurückziehen. Oder willst Du etwa, daß ist Dich wieder sitzen lasse und zum Papa zurückkehre? Ich bin das schon im Stande! Gatte: Aber, liebes Mäuschen! Gattin: Weißt Du. was der Papa gesagt hat? Erinnerst Du Dich, daß . . Gatte: Na also gut. Ich bleibe zu Hause. Gattin: So ist's recht. Und jetzt, da Du zu Hause bleibst, kannst Tu eingestehen, daß Dich Hans Kerten nicht zum Souper eingeladen hat. Nicht wahr, ich habe Recht? Gatte: Ich sagte Dir schon, daß ich nicht aufzuschneiden pflege. Gattin: Und warum sagtest Du das nicht einem Anderen, der die Freundlichkeit hätte, Dir zu glauben? Gatte (geht auf und ab. bisweilen auf seine Uhr sehend). Gattin: Du, ich fürchte beinahe, daß Du nach einem anderen Ausweg sinnst. Gatte: Du täuMich. Ich habe " c u doch eine ge-
scheidtc Frau bist und Dich nicht hinter's Liust führen läßt. Gattin: Na, siehst Du? Also Du wolltest dccn ein Spielchen mach ? Gatte: Ich gestchc. Eine kleine Ta rotcompagnie warte: auf mich. Gattin: Und Tu hast auch nichts mehr als einen Gulden bei Dir ? Gatte: Ja. einen ünf.aer halte icb in der Westentasche versteckt. Ader, Mäuschen, Du irrst doch, wenn Du glaubst, daß mich die Kartenleidenschaft heute in' Easino zieht. Gattin. Also, was wär's denn sonst? Gatte: Es kam mir erst in denSinn, als ich Hans traf. Eine seiner Mittheilung'.n ließ es mir rathsam erscheinen, vom Hause zu flüchten und. wenn sonst nirgendshin, so in d?n Elub. Gattin: Nun. was hat Dir der Mensch eigentlich gesagt? Gatte: So nebenbei bemerkte er. daß wir heute Muki's Besuch zu gewärtigen haben. Gattin: Wirklich? Tu? Kommt er wirklich? Gatte: Hans rief ihn mit sich, aber alle Mühe war vergebens. Er antwortete ihm. daß er heute Abend zu uns zum Thee kommt. Und Du weißt, Muki ist mir unausstehlich. Dieser kleine Lebemann mit seinen coketten Allüren, mit seinem Friseurauslagenköpf. (Versucht, sich in eine falsche Entrüstung hineinzureden.) Gattin (mit gespieltem Ernst): Ich finde, daß er sehr nett ist. Ein schöner Mann! Und so galant. Ter weiß, was sich schickt! Gatte: Der gefällt Dir? Ich begreife Deinen Geschmack wahrhaftig nicht! Na, die Frauentenner haben ja Recht, wenn sie sagen, daß Ihr unberechenbar seid! Gattin: Daß Muki Einem gefällt, hat wirklich mit unserer Unberechenbarkeit nichts zu schaffen. Er gefällt allen meinen Freundinnen. Er hat so etwas . . . ane: Der bat so was... Entschuldige, dann haben eben Deine Freundinnen auch keinen Geschmack. (Bei Seite.) Jetzt muß ich zu Haufe bleiben, denn vielleicht kommt Muki wirklich! (Zieht sich seufzend den
Schlafrock an.) Gattin (trommelt geräuschvoll an die Scheiben und verbeißt, erfreut über den Sieg ihrer Klugheit, dar Lachen, dann): Du bleibst also doch zu Hause? Gatte (setzt sich breit in den Fauteuil): Nachdem Du es wünschest, mein Engel. Du weißt. Dein Wunsch ist mir Befehl . . . r-" .'. Bon! Stamme Slsra Heinrich Heine hat sich merkwürdigerwcise niemals über seinen großen Zeitgenossen und Geistesverwandten Henri Beyle (Stendhal) ausgesprochen. Wir wissen, daß Heine in Paris intim mit Balzac veckehrt hat, daß Balzac ein glühender Bewunderer Stendhal's war und daß gerade Balzac im Jahre 1840 zuerst die Aufmerkfamkeit des Publikums auf Stendhal gelenkt hat. Wie wäre es da möglich, daß er nicht von diesem Schriftsteller mit Heine gesprochen, Heine veranlaßt hätte, Stendhal's Bücher zu lesen. Daß Heine aber sich mitStenvhal beschäftigt hat, dafür haben wir ein unwidertegbares Zeugniß in einem der schönsten und berühmtesten Gedichte des Romanzero". Ich meine die herrliche Romanze von Asra". Es genügt, die Stellen aus der im Jahre 1822 erschienen Physiologie de l'amour" Stendhal's hier Wiederzugeben, um die Ueberzeugung zu erwecken, daß sie die Ouelle für Heine's Asra"Romanze, deren Entstehungszeit man nach Angabe des'TichD:s in die Jahre von 1846 1851 zu setzen hat. geworden ist. Im Anhang zu dem Arabien" überschriebenen Copitel 53 theilt Stendhal Bruchstücke arabischer Liebespoefie mit. die dem Divan der Liebe" des Ebn - Abi - Hadglat entnommen sind: Tschamik und Bothaina gehörten Beide dem Stamm der BenuAsra an. die unter allen Araberstämmen durch ihre Liebe berühmt sind. Ihre Liebe ist sprichwörtlich geworden und Gott hat kein Geschöpf erschaffen, das so zärtlich liebt wie sie. Sahid, Sohn Agbas. fragte einst einen Ärabcr: Von welchem Stamme bist Du?" Ich stamme von denen, die sterben, wenn sie lieben." Tu bist also vom Stamm der Asra?" Ja. beim Meister der Kaabal" erwiderte dcr Araber. Woher kommt es. daß Ihr so liebt?" Unsere Frauen sind schön und unsere Jünglinge keusch." Einer fragte eines Tages dem Ärua-ben-Hezom: Ist es denn wahr, was man von Euch erzählt. da? Ihr unter allen Menschen die seid, die am zärtlichsten lieben?" Bei Allah, das ist wahr", antwortete An,a. ich habe in meinem Stamm dreißig jungeMänner gekannt, die der Tod dahingerafft hat und die an keiner anderen Krankheit litten als an der Liebe." Ein Araber vom Stamm der Benu - Fazarat sagte eines Tages zu einem anderen Araber vom Stamm der Benu - Ara: Ihr vom Stamm der Asra meint, daß der LiebeStod ein süßer und edlerTod ist; aber er ist eine offenbare Schwachheit und Thorheit und die. die Jbr für Helden hallet, sind nur Thoren und Weichlinge." ..Du sprächest nicht so", antworten ibm der Asra. ..wenn Tu die schwarzen ''lugen unsere? Frauen gesehen hättest. Augen, die von langen Wimpern ver..rt iverden. .unter denen sie ihre Pfeile beroorsckießen: wenn Tu sie lächeln und ihre Zähne zwischen ihren b'incn Lippen erglänzen gesehen hättest!" Kurze Kritik. Dichter: .Nun. Herr Toctor. wie denken S:e über mein neue- chauspiel?" Kritiker: Warum so? ich darüber denken, Sie ate-cs ja auch nicht!"
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