Indiana Tribüne, Volume 24, Number 103, Indianapolis, Marion County, 30 December 1900 — Page 7
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von INDIANAPOLIS. Lebensversicherung. New Port Life Insurance Company. H. Bamberger, Sp. Aqent, 200 Indiana Truft Building. merican Central Life SHrf. Co,, 8 Cs Mar ! Ctr. E. B. Martmoale, Präs. Capital $2(0,0üÖ. Pianos und Musikalien. Carlin k Lennor, 59 Lft Wartet 5tr. Landwirthschaftliche Geräthe u. Wagen Holten W. B. Mfg. Co.. 339 Oft Wash. H. T. Condc Implcme.it Co.. 27 R. Cavitol Av. Winter k Hummel. 221 M, Washington, Zuöerwaarcn Wholesale). Daggett k Co., 18 Weft Georgia Str. Schnittwaaren. Murphy, Hibben k Co., 135 6. Meridian, iöavens k Gedbes Co.. 2U0 S. Merioian. Grundcigenthum und Versicherung. Spann, ohn 3. k Co.. 96 Cft Market. Feuerversichcrungsgesellschaften. Jndiana Znsurance Co.. Chas. Schurman. Präs.: Thos. B. Linn. Secretär. Eisen- und Blechwaarcn, Gewehre. Layman k Carey Co., 111115 S. Merid. Leder, Treibriemen, Packmaterial. Hiöe, Leather k Velting Co., 227 2. Mcridian Str. Wundärztliche Instrumente. W. Armstrong & Co., 224 S. Meridian. Pumpen, Wafferleitnng, Fahrzeuge. Comftock & Cooni'e Co., 371 8. Meridian. Östund Produkte Commission. Eyerup k (5o.( 2224 c. Telaware Str. 3ce Cream. Furnas. R. W.. 212 R. Pennsylvania Str. Bauholz. Voburn, Henrn, Georgia Str. Weißblech. Banner k Sullivan, 216 5. Meridian Str. Puywaaren. Fahnley k McCrea. 240 S. Meridian Str. Bäckereien. The Parrott & Taggart Pakery. Tel. 800. Brnce - Pakern. 14 Cft South Slr. Hute. Handschuhe etc. Hendrickson. Lefler & Co.. 131 S. Meridian. Eisen- vnd Schmiedewaaren. Pcnnegul Hardware Co., 120124 Oft Washington Str. Eisen und Stahl. Hollidan, W. I. & Co., 107 S. Meridian. Kutschen und Reyarawnn. ovdins. Irvin & Co.. 32 Cfi Georgia Str. Spiele nnd Spiclwaaren. Mayer. Charles & Co., 29 W. Washington. Tnlggistcn Wholesale). VndianLpol- ttw o.. 21 O. Maryland. Warv Bro-. Trug Co.. 120 S. Meridian. Sagen und Werkzcnge. E. C. Attinö & Co., 402410 5. JlliuoiS. Trnst-(somyagnicn. Jndiana Truft Co. & Satety Vault. Safe Tcposit Baults. Ftekchers 2cfe Tepoür. 3 Cft Washington. 3??es GiM und aufwärts. Samenbändler. ftntiaflM i M Cft Market. Schuhe nud Stiefel i Wholesale). W. r. (fcr?er choe Co.. 127 S. Meridian. ?j Hendricks. $ance (so., 215 S. Merioian Banken. Th Capital Rational Bank. 28 S. Me-idian Str. . V. Wilson. Präs. W. X. Churchman, Kafsirer. Lcichcnbeftatter. Grinfteiner Brc-.. 823 Cft Market Str. Farben, Cclc und Glas. The N. Burdsa! Cs.. 102 S. Meridian Str. Indianapolis Pain: k Color Co.. 240248 Massachusetts Ave. ' Groccrs Wholesale). Geo W. 5:. .:' 2 7 . McriM.tn Str. rinkmeycr, ftuhn & Co., 211 6. Mcridian Str. Siverin & Co.. 51 S Meridian Str. M. I ''o.. 47 c. Meridian Str. I. & '5?rv k Co., 2s V. Georgia Str. Dr. I. Kühler. 206 Ost McCarty-Str. Sprechstunden.- 8 bis 9 llhr Vorm.; 2 bis 1 Uhr Nachm. . 8 bis 9 Uhr Adds. ; Sonntag? von 8 bis 9 Uhr Vorm. und 7 bis 8 Uhr Abends. Telephon 1416. Stag Saloon, St Süd Illinois Str. Thomas &Horine Eigenthümer. t besten Weine und Cigarren. Stets ei gutes las Vier. fmf Zuvorkommende und reelle Bedienung W. GIERKE, Tentscher :-: Buchbinder, 631 ü Tctawa? ZU.. Hmterhcin ) Herr fc. V.k?aag. 17 Sud labama.Strade nimmt tx inich BesleUunkil ealgkge.:. JOHN W. HOLTZfflANN, Drutschcr Advokat, Zimmer iOOü, Stevenson (SevduJHi f!fp(fn (alH im
Wider-Willen.
Von Klaus Rtttland. Die Kronen der alten Kastanienbäume an der Esplanade funkeln farbenprächtig im Lichte der warmen, goldigen Herbstsonne, roth, gelb, grün und bronzefarben, ein leuchtendes Chaos. Viel Laub ist freilich schon heruntergefallen auf die sauber gehaltenen Wege. Und die Kinder rascheln lustig darin umher und thürmen hohe Berge auf von den dürren, braunen Blättern. Eine Anzahl schwatzender Kindermädchen sitzt auf den Bänken am Rande der Anlagen und mustert die Equipagen, Reiter und Radfahrer, die da in raschem Wechsel auf dem Fahrdämm der einseitigen, vornehmen Villenstraße vorüberziehen. Ein abgezehrtes Weib sitzt ganz allein fern von den lustigen Ammen und Bonnen auf einer Bank und hält in einem durchlöcherten grauen Shawl ihr kleines Kind an sich gepreßt, ein elendes Gefchöpfchen mit schlaffer, wachsgelber Haut und einem häßlichen Ausschlag auf dem Kopfe. Leise wimmert es vor sich hin. Hunger? Iz, Hunger. Und die Mutter kann ihm nichts geben. Seit sie selber ihm die natürliche Nahrung nicht mehr reichen kann, hat sie es so durchgefüttert mit Brotsuppe und Kartoffeln. Manchmal hat ihr die Hauswirthin wohl auch ein bischen dünne blaue Milch gegeben. Aber das arme Kleine kann gar nichts mehr von alledem vertragen und hat doch immer Hunger. Kindermehl müßt? es haben, hat der Arzt vom Vorderhause gesagt, den die Mutter kürzlich in ihrer Seelenangst anzusprechen wagte, dann würde es sich schon wieder herausmachen. Aber Kindermehl? Du lieber Gott, woher soll sie denn das bezahlen? Wenn sie nur Arbeit hätte! Aber so elend, schwach und heruntergekommen, wie sie jetzt ist, will Niemand sie haben. Und vor Allem, es gibt da noch einen dunkein Punkt Zwei Damen kommen des Weges daher, eme alte und eine junge. Geh nur gleich hinüber und mach die Visite bei der Geheimräthin ab, Tantchen, sagt daö junge Mädchen, ich erwarte Dich hier und studire einstweilen die Litfaßsäule. Na schön, Clärchen. Die alte Dame geht in die gegenüberliegende Villa und Clärchen faßt vor der zettelbeklebten Säule Posto. Bald sieht sie sich jedoch nach anderweitiger Unterhaltung um. Ach Gott, das winzig kleine Würmchen, sagt sie, auf die arme Frau zuschlendernd, das sieht aber elend aus! Warum wimmert es denn so vor sich hin? Es will vielleicht trinken? Die Frau nickt. Wenn sie das junge Mädchen um ein paar Pfennige bäte? Aber das Betteln, sie bringt es ja nicht fertig. Es würgt sie immer so in der Kehle, wenn sie betteln will. Und sie hat doch schon einmal viel, viel Schlimmeres gethan. Woher nimmt sie denn nur immer noch diesen dummen. verkehrten Stolz? Warum geben Sie ihm denn nichts? fragt das junge Mädchen. Die Frau brummt irgend etwas vor sich hin. Sie sind wohl .in Noth? Und haben keine Arbeit? fährt Fräulein Clärchen nachdenklich fort. Ein tiefer Seufzer. Da kehrt die alte Dame über den Fahrdamm zurück. Du, Tante, wendet sich ihr Clärchen halb flüsternd zu; die Frau dort scheint in Noth zu sein. Mama braucht doch eine neue Aufwärterin. Wenn ich ihr sagte, daß sie Aber Kind, so eine wildfremde Person! Und die Dame wirft einen mißiranischen Blick auf das arme Weib, das sich von seiner Bank erhoben hat. In demselben Augenblick blitzt es unwillig in ihrem Gesicht auf. Um Gottesmillen, Kind, das ist ja die . . . Eilig zieht sie das mitleidige Clärchen fort. Und die arme Frau hört nur noch einige abgerissene Laute, unter denen ihr das ominöse Wort gesessen" hervorzuklingen scheint. Eine Freundin von der Frau Professorin, bei der sie damals gewaschen hatte und wo die Sache passirt war, die böse Geschichte. Warum hatte denn aber auch die Frau Professorin ihr Portemonnaie im Waschhause liegen lassen. Wenn man so im Elend sitzt und der Mann einen schlägt, weil er kein ordentliches Essen mehr kriegt, aber freilich, schlecht ist's doch von ihr gewesen und dumm. Nun hat er sie mit dem Würmchen im Stich gelassen, der Lump. Und nun kriegt sie keine Arbeit mehr. Denn eine Frau, die schon mal gesessen" hat, wer will denn die noch in sein Haus nehmen? Krampfhaft grabt das Kind leine Nägel in die Hand der Mutter und fängt heftiger an, zu jamn.ern. Ob sie es wagt? Dort vor kr Litfaßsäule steht jetzt ein junges Ehepaar. Du, Oskar, sieh mal. Barbier von Sevilla und die Sembrich zls Rosina. Da müssen wir hin! jubelt die junge Frau auf. Hui. aber die Preise, seufzte der Gatte; erstes Parquet zehn Mark! Ach. geh doch, Ossi, als ob das was ausmacht! Sie lacht wegwerfend. Die arme Frau tritt hervor und wagt mit zitternder Stimme ihre Bitte. Ossi will in sein Portemonnaie greifn. aber die junge Frau hält ihn zurück und ruft der Armen zu: Sie sollten lieder Ihr Kind nicht so in Schmutz verkommen lassen und arbeiten, statt die Leute anzubetteln, liebe Frau! Dann hängt sie sich an den Arm ihres Gal ten. Man soll Derartigees nicht noch unterstützen. Oskar. &t hat Grundsatze, die hübsche junge Frau. Tief niedergeschlagen, noch um eine Schattirung trostloser als vorher, kehrt das arme Weib an seinen Platz zurück. Dumöf starrt es vor stcb bin. Nur ab
und zu. wenn etwa ein Gendarm oder sonst ein uniformirtes männliches Wesen nal?t. springt die arme Creatur auf, weil sie nicht weiß, ob sie auch ein Recht hat, auf der schönen, grünen Bank zu sitzen, die doch gewiß nur für die rothbäckigen Ammen und ihre vornehmen, geputzten Pfleglinge bestimmt ist. So, Trine, und nun geben Sie recht hübsch Acht auf Evchen. In eine? Viertelstunde bin ich wieder da. Ich gehe nur ein wenig in den Anlagen spazieren, sagt eine vorübergehende, seidenraschelnde Dame zu ihrer KinderWärterin, einer strammen Person ix bunter, reichverzierter, originell plumper Altenburger Bäuerinnentracht, und sie gibt dem Blondköpfchen, das da in seinem eleganten hellgrünen Korbwägelchen sitzt, einen zärtlichen Abschiedskuß. Und sei auch recht artig, Evchen. Sie entfernt sich langsam, nach wenien Schritten schon einen liebevollen Blick auf Klein - Evchen zurückwersend, das nun aus seinem Wagen herausgenommen wird und lustig auf den dicken, ungeschickten Beinchen herumtrappelt. Ein bildhübsches Kind, sagt eine Bonne, die auf der benachbarten Bank sitzt und zu der sich Trine, die Altenburgerin, nun gesellt. Die arme Frau wirft einen scheelen Blick nach derSeite. Ein hübsches Kind, ja, mit seinen blonden, seidigen Härchen und den runden, rothen, frischen Backen. Aber ihr eigenes Kind. 0 das ist doch noch tausendmal hübscher gewesen, damals, als es noch gesund war. ihr armes, klagendes Würmchen! Ein grimmiges Wuthgefühl steigt in der Seele der unglücklichen Mutter auf. Wie sie sie haßt, diese rosigen, fetten, satten, spitzenumflatterten Babies. diese glücklichen Kinder, die so viel trinken können, wie sie nur wollen, von der besten, reinsten Milch, die in so schöne, duftende, schneeweiße Wäsche gekleidet, die von Jedermann bewundert, gehätschelt werden und mit so großen, dummen, hellen Augen in die Welt hinauslachen! Ihres Kindes Augen haben jenen ernsten, frühreifen, anklagenden Ausdruck, der die Kinder des Elends so alt und klpg erscheinen läßt. Wie sie sie haßt, diese Brüt der vornehmen, in Wohlsein sich blähenden Prasser! Warum müssen sie leben und glücklich sein, während ihr Liebstes jammervoll hinstirbt? Eine sinnlose Wuth packt das zermarterte Herz. Wenn sie die Macht hätte, Qual und Verderben über all diese weißgekleideten, schärpengeschmückten, jauchzenden kleinen Wesen zu bringen keinen Moment würde sie zaudern! Wahrhaftig, keinen Moment! Erwürgen möchte sie diese satten Bälge, erwürgen! Du, Trine, da kommt Christian! ruft jetzt eins der Mädchen von der Nebenbank. Ach. Christian! Und wie nobel! Christian, ist das feine Bouquet für mich? Allgemeines Kichern und Augenzwinkern empfängt den hübschen, schlanken Officiersburschen, der mit einem riesengroßen, aus duftiger Seidenpapierhülle hervorguckenden Rofenbouquet durch die Anlagen daherschreitet und vor der Mädchengruppe Halt macht. Darf ich's Ihnen anbieten, Fräulein? Aber als Trine zugreifen will, zieht er den Rosenstrauß lachend zurück. Wohl für dem Lieutenant seine Braut? fragt die eine Bonne. I was. Die ist längst verheirathet, die das Bouquet kriegt, der machen wir man so die Cour. Aber wie! Hui! Na, wenn ich reden wollte! Reden Sie doch. Christian. Bitte, bitte. Wir sagens Keinem wieder. Natürlich hat Trine, während sie so interessant unterhalten wird, ganz vergessen. daß ein kleines Evchen existirt. Das Kind hatte erst auf der Wiese gespielt. Jetzt wackelt es an der armen Frau vorüber, dem Fahrdamm zu. Eine Droschke biegt um die Ecke und fährt in bummeligem Tempo die Billenstratze entlang. Der Kutscher stiert schlaftrunken vor sich hn. Da steckt Jemand den Kopf aus dem Wagenfensier. Zum Kuckuck, was ist denn das für eine Fahrerei? Äch komme ja bis 5 Uhr 40 gar nicht mehr hin! Straff richtet sich der Kutscher empor und haut lf die Pferde ein. Und mit brennenden Augen fiarri die zerlumpte Frau auf das kleine, blonde Evchen, das völlig ahnungslos, von der schäkernden Trine nicht beachtet. mit seinen Lackschühchen über den Etraßendamm trippelt. Jetzt, jetzt ist die Droschke ganz nahe noch einmal peitscht der Kutscher auf die Pferde los das winzige Etwas da unten scheint er gar nicht bemerkt zu haben schärfer ziehen die Gäule an und ein höllisches Fr'udengelächter fahrt durch die Seele- des elenden Weibes. Jetzt schon wirbelt in nächster Nähe der Straßenstaub unter den Rädern auf Klein - Evchen stolpert jetzt Da kommt etwas ü'ber die zerlumpte Frau, das stärker ist, als ihr 5aß. ihr? Verzweiflung, ihr wilder, wüthender Neid etwas, das emporsteigt aus dem tiefsten Grunde ihrer Seele, dem Unbewußten. Mit rascher Bewegung legt sie ihr Kind auf die Bank, stürzt auf daS kleine, blonde Evchen zu und reißt es zurück, im allerletzten Augenblick. Evchen. Herrgott, Evchen! kreischt es von der Bank her, wo die Kindermädchen mit Christian schäkerten. Und Evchen!" ruft eine andere Stimme in höchstem Entsetzen. Die seidenraschelnde Mama stürzt herbei, von ferne, wie eine Rasende. Und mit einem jubelnden Aufschrei fäll! sie vor dem armen Weibe nieder, das gerettete Kind in ihre Arme pressend, fest. fest. Und sie küßt die rauhen, schmutzigen Hände, die ihr das Liebste auf Erden neu geschenkt baben: Dank, heißen '
Dank! Wie sou .a Ihnen das jemals vergelten? Das arme Weib aber starrt wie geistesabwesend auf die Glückselige nieder. Wie das nur so über sie gekommen war? Sie hatte es doch nicht gewollt. Nein, wahrhaftig nicht. Sie hatte es khun müssen, gegen ihren Willen. Und sie wendet sich ab, der Bank zu, auf der das armselige MenschenPacketchen liegt und winselt. Was soll sie noch bei der glückseligen jungen Mutter mit den raschelnden Seidenrocken? Die wird ihr nun ein paar Groschen in die Hand drücken, vielleicht sogar eine Mark Das arme verbitterte Weib hat keinen hohen Begriff von der Dankbarkeit reicher Leute. Aber die glückliche junge Frau springt auf und eilt ihr nach. Ihr Kindchen? Ach. das liebe, kleine Ding. Aber es sieht blaß aus und abgemagert. Das müssen wir nun recht schön gesund pflegen, nicht wahr? Und sie nimmt das elende Ding auf den Arm. Das läcbelt sie an, ganz zutraulich, als ob es eine Ahnung hätte, daß auch manchmal unter seidenen Straßentoiletten warme, dankbare Herzen schlagen.
Tas Märchen vom Licht. Sin LebcnSlauf rc-t L'ustav L ndqvist. Sie waren fünf Brüder. Alle von gleicher Herkunft und alle einander täuschend ähnlich. Gleich als sie da waren, wurden sie gemeinsam mit einer schönen, blaugelben Hülse umkleidet und in die große, weitc Welt hinausgesandt, um der Fabrik Ehre zu machen, deren Stempel sie trugen. In ihrer gemeinsamen Verpackung gelangten sie in den Laden eines kleinstädtischen Gewürzkrämers und blieben dort mehrere Wochen liegen, so daß sie Zeit genug hatten, Gedanken miteinander auszutauschen und über ihre Zutunstsaussichten sich Pläne zu machen. Nu hatte es sich aber zufällig so gemacht, daß einer der Brüder eine Messerspitze mehr Wachs als das vorgeschriebene !ah bekommen hatte. Er ragte geistig über die anderen empor und darum wurde er einstimmig zum Wortführer dort oben im Ladenregal ernannt. Wir wissen ja alle," pflegt? er zu sagen, daß für uns alle einmal ein Abend kommt, da das große Wunder uns widerfahren soll. Denn jeder von uns trägt ja einen Docht in sich, dessen einzige Bestimmung es ist, zu verbrennen, aber auch zu leuchten, und diejenigen, welche am hellsten leuchten, werden am kürzesten leben. Leuchten ... ach Brüder, das ist das zweifaltig seltsame Mirakel, das das Leben wie den Tod in sich faßt, denn der Anfang vom Ende ist: angezündet zu werden! Aber wenn wir endlich im Leuchter oergangen sind, sagt mir, wo befinden wir uns dann?" Nirgends," meinte eben jenes Licht, das gerade jenes Klümpchens Wachs verlustig gegangen war, das das andere zuviel bekommen hatte. Uebrigens dient es ja auch zu nichts, sich darüber zu streiten, denn wenn einmal etwas zu Ende ist, ist cs zu Ende, wieviel du auch darüber gegrübelt hast." Nirgends, sagst du. nirgends sind wir dann ach, du kleines, unausgewachsenes Talglicht! Nein, Brüder, das Licht, das wir verbreiten, das muß doch irgendwo gesammelt werden, die Wärme, die wir ausgestrahlt, kann nicht verschwinden, der Platz, den wir ausgefüllt haben, kann nicht leer bleiden. sondern muß durch etwas anderes ersetzt werden. Das ist die Grundlage alles Seins. Auch unter den Menschen hat es ja Lichter gegeben, die Heller gebrannt haben als die anderen, und doch sind sie schließlich erloschen. Aber die Gluth. die sie der kalten Welt schenkten. die Klarheit, die sie in ihre Finsternitz brachten, das Licht, das sie aufgesteckt hatten, besteht ewiglich! Ich gebe gern zu, daß es für dich und deinesgleichen am bequemsten ist, nicht über die Sache nachzudenken. Aber der Wachsüberschuß in meinem Innern läßt mir niemals Ruh'!" So debattirten sie unermüdlich, ohne zu bedenken, wie gefährlich es ist. zu reden, ohne wirklich etwas zu sagen. Da kam Bürgermeisters Dienstmädchen, ein hübsches, frisches Ding, in den Laden getrippelt und bat um ein Packet Lichte. Der Expedient, der eine schöne Stimme hatte und für Radfahren und für Schiller schwärmte er hatte die illustrirte Prachtausgabe von Schillers Werken nicht nur abvnnirt, sondern auch gelesen war das Ideal aller verliebten Köchinnen. Er legte die fünf Lichte in ihren Korb mit verzehrenderen Blicken und zahlreicheren zuckersüßenWendungen, als dies durchaus nöthig war, um die Kunden vom Concurrenten des Principals auf der anderen Seite des Marktes fortzulocken. Nun wird es nicht mehr lange dauern, bis wir hinauskommen, um unsere Mission zu erfüllen." meinte der Meiseste unter den fünf Brüdern. Und so wurde es auch. Die schöne, blaugelbe Hülle wurde unsanft adgerissen und die Brüderschaft getrennt. Drei von ihnen wurden noch dunklen Zukunftsschicksalen entgegengeführt, und man weiß nichts von ihren Erlebnissen. Aber der Wortführer war offenbar für eine Siegerlaufbahn geboren, denn er bekc.m seinen Platz in einer Lamvette, einem dreiarmigen Wand leuchter mit Spiegelglas, in dem eigenen Boudoir des gnädigen Fräuleins, und er freute sich im Voraus bei dem bloßen Gedanken, wie herrlich sein Schein sich an den geschliffenen GlasPrismen brechen würde. Schlechter erging es seinem früheren Widersacher, dem entarteten Bruder, der ein bischen Wachs zu wenig hatte. Er ward verurtheilt, in der Laterne des HolzhMrs zu sitzen.
Mit dem Armen hatten die andere so herzliches Mitleid, und das war ja auch das Einzige, was sie für ihn thu konnten; denn er mußte da stehen und verbrennen, wo er hingestellt wurde, und dabei war nun nichts zu machen. Ein elendes Leben wurde es wahrlich, wie er da einsam stand und trauerte in der engen, schmutzigen Laterne, und ein armseliger Trost war es auch nur, daß die Glasscheiben, die ihn von allen Seiten umgaben, so rußig und dick waren, daß sie ihn vor dem Dunkel, der Kälte und der Einsamkeit außerhalb bewahrten. Er hatte auch keinen Genossen in seiner Nähe, aber auf dem Boden der Laterne lagen leb lose und erstarrte Ueberbleibsel von Denen, die vor ihm unbetrauert und ungesehen hier hingeschwunden waren. Und er weinte stille, klare Thränen, die ihn häßlich und höckerig machten vor der Zeit und langsam seine abnehmende, gefesselte Kraft verzehrten. So mußte er sich denn in sich selbst versenken. Er begann über all' das nachzudenken, was sein Bruder gepredigt hatte, als sie noch beisammen waren. Er fing an, darüber zu grübeln, ob es ein anderes, besseres nach diesem Dasein geben sollte, denn er sah daß er hier wenig weiter zu erhoffen hatte. Und dann erträumte er sich eine ganze Welt der Freude und Schönheit, wo weilen würde, wenn diese Widerwärtigkeiten überstanden waren. Der Traum entführte ihn der Wirklichkeit für die Stunden, die er noch zu leben hatte, während der Holzhauer im Keller des Bürgermeisters Hobz sägte. Er kam aber noch einmal ein wenig zum Bewußtsein, als er, zu einem Zehntel zusammengeschrumpft, aus der Laterne befreit wurde, nicht, um wieder angezündet zu werden, sondern um den Bolzen der Büglerin zu glätten, wenn er über die gestärkte Leinwand geführt wurde. Denn das wurde sein Loos und unter dem heißen Eisen endete er. Aber oben bei Bürgermeisters gab es ein glänzendesFest, und der bevorzugte Bruder durfte von so viel Glanz und Herrlichkeit Zeuge sein, wie er nie geglaubt hatte, zu erschauen. Er brannte hell und keck und ruhig in seiner Lampette und beobachtete aufmerksam Alles, was sich rings um ihn ereignete. Und niemals kam es ihm in den Sinn, daß mit jeder Minute mehr ihm die Flamme eine Unz seiner Lebenskraft nahm. Alle Menschen lachten einander so freundlich zu und sagten sich gegenseitig so viele hübsche Dinge, daß das kleine Licht von der größten Bewunderung erfüllt werden mußte für jeden einzelnen von ihnen. Mitten während des Mahles standen weise Männer auf, deren Brust der Regent mit Orden bedeckt hatte, wohl zum Ersatz für die Haare, die sie in Sorgen um des Reiches Wohl sich fortgegrübelt hatten. Sie erhoben ihre Gläser, um mit vor Rührung bebenden Stimmen gegenseitig ihre Tugenden und Verdienste zu preisen, bis sie sich schließlich hinsetzten, um der Reihe nach und in derselben Weise von einem anderen gepriesen zu werden. Am liebsten beobachtete das kleine Licht aber die junge Tochter vom Hause, denn sie erschien fröhlich wie ein Bachstelzchen, und süß wie eine Karamelle. Sie feierte heute ihre Verlobung mit einem jener Kahlköpfigen undOrdensgeschmückten, und er starrte sie so beseligt an, daß man wohl bemerken konnte: dies war also das, was man Liebe zu nennen pflegt. Aber auf der anderen Seite von FräuleinWiwika saß ein junger Mann, bleich und zerstreut. Er trank fleißig und lachte laut; offenbar war er sehr zufrieden. Er hatte aber weder Mondschein noch Sterne. Dafür kümmerte sich das kleine, liebe Bräutchen auch nicht im geringsten um ihn. sondern unterhielt sich ausschließlich mit dem ordengeschmückten Verlobten. Als dann das Diner zu Ende war, und der Ball seinen Anfang nahm, durfte Fräulein Wiwika nur einmal herumtanzen, denn das Alter und die Würde ihres Bräutigams gestatteten dergleichen nicht. Ein einziger Tanz wurde ihr aus Gunst und Gnade gestattet, und zwar mit jenem Ble'.chen und Zerstreuten, der so laut gelacht hatte. Der Bräutigam hatte währenddessen den Schwiegervater am Kartentisch aufgesucht. Als die Polka vorüber war, setzten sich die beiden jungen Leute ganz' dicht unter der Lamvette hin. Beide schwiegen. Sie hatte um ihr Lebensglück gespielt, Krone oder Ring, und der Ring war nach oben gefallen. Weiler war es nichts. Das Licht flackerte heftig auf. denn es kreuzte eine geblendete Motte um die Flamme. Der j,unge Mann sprang auf. um mit dem Taschentuch nach ihr zu schlagen. Nein, laß sie." flüsterte Wiwika schnell. Ulan braucht ja die Motte, die um's Licht flattert, nicht erst zu todten!" Sie sprach die Wahrheil, denn einen Augenblick darnach lag die Motte ertrunken in dem geschmolzenen Stearin. Im selben Augenblick rief der Bräutigam seine Braut bei Namen. Sie eilte fort, aber der Andere blieb noch da. Er öffnete das Fenster und ließ den kühlen Nachtwind seine fieberheiße Stirn umfächeln. Dann' kehrte er zu der muntern Gesellschaft zurück, trank fleißig und lachte laut. Vielleicht." dachte da das kleine Licht, vielleicht ist dies das. woL man einen Roman nennt." Der Zug vom Fenster her. sowie die todte Motte, hatten aber allzu schnell seine Kräfte verzehrt, so daß ihm nun nicht viel Zeit mehr zum Grübeln blieb. Und wieder dack)te das Licht: Ich hätte wohl glücklicheren Menschen leuchten können. Wer weiß, ob
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ich nicht, wenn der Windstoß und die Motte nicht in meinen Docht gekommen wären, vielleicht noch eine Stunde länger gelebt hätte aber ach, was hat das alles jetzt zu bedeuten? Aber ich verlösche froh, denn ich habe doch meinen Beruf erfüllen können, ich habe gestrahlt, ich habe in jedem Falle ge leuchtet!" Dann flammte es noch einige Augenblicke hüpfend, und bebend auf und ab, bis der nackte, geschwärzte Docht vlödlich auf den Grund der LeuchterViUe niedeitauchte. stieg eine dünne, blaue Rauchsäule auf und perkündete, daß nun das Licht erloschen war. Sonst würde es kaum jemand bemerkt haben, denn da alle anderen Lichter noch brannten, war der Unterschied kaum bemerkbar, als dies eine erlosch. Aber das Mädchen setzte sogleich ein neues Licht auf die Lampette. ein schönes Licht, an Stelle des alten, ein Licht, das auch bei jedem Windstoß flackern und langsam verzehrt werden sollte, um schließlich auch in der Dille zu ertrinken. Aber bis dahin war es noch lange, lange hin. Das neue Licht strahlte so hell und keck und ruhig, und kein Mensch war wohl so dumm, dem eben abgebrannten einen Gedanken zu widmen. Ja, ja, so geht's mit den . . . Lichten! I m W t 0 e 1. Lehmann (im Morgengrauen stark angeheitert nach Hause kommend und seine Frau im Bett liegend sehend: Ick jloobe, wenn mir recht is, habe ick die schon irjendwo 'mal jeseben!" E r n guter Hausvater. Präsident: Wie, gleich am ersten Tage Ibrer Entlassung haben Sic wieder gestOhlen?" Angeklagte: Ja. ich mußte doch meiner Familie ein Gesck'cnk mitnehmen!" Boshaft. Frisch geadelter Parvenu: Diesen ältesten Eichbaum in meinem Parke hat dereinst einer meiner Ahnen eigenhändig gepflanzt." Besucher: Ach. war der bei dem früheren Besiner Gärtner?" 9t tt Photographische Gallerie, 150 End Illinois Straße. Ter Unterzeichnete ladet die Deutsche der Stadt und Umgegend zu einem Besuch, seiner Gallerie ein. Ute Bilder garantirt. Preise niedrig Deutscher Photograph. Alles vecbx blitzblank in Küche und Haus zu haben, erfülli jede gute Hausfrau mit gerechtem Stolz. Das beste Mittel, alle Me, tallwaaren in kürzester Zeit und sür die längste Dauer blitzblank und glänzend wie einen Spiegel zu machen, ist die v. 8. METAL PTO.ISH PASTE, die von ler altbekannten und bewährte Flrma GEORGE W, HOFFMAN, 549 Ost Washington St., Indianapolis, Ind.. hergestellt wird. ssür Gastwirthe ist das altbewährte Putz mittet mKtfs Ä3sa mm d.n derselben Firma hergestellt, zum Putzen der Bar-Fixtures etc. ein ach uncnlbehrllch und wer es einmal gebraucht hat, wird es stets w ecer holen. Bar eepec's Frieud", da Unei'tbehrllche, is: überall in Apothcteo zu haben. DR. I PINK, praktischer Arzt, Zimmer 3 nnd 9, Hommercial Block, l Ecke Kentucky Ave. und Washingtonstroßc Telepk altti 282: neue 3057 und ML eprechslunden: -11 Borm.: 2 Nachm.: 7-8 dd vr. I. B. lrkpätrlok pl)ortblt Frauenkrankheiten und rankhei ten des öiectums. Häohoie ok,. Vkesser n ane,ifi eung'geheilt. Office: Harnt Building, 31 Oft Obio Str. WALTER FRANZ. Sahn-Arzr, 9!. 80 Cft MarKtSttabk, Coffin lock, Zrmmn 48. Osfiustunden : U 12 Dm.; 1--5.; 7 v dendt Sonntag. von 10 Uhr 93m. bil 2 Uhr Nm.
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