Indiana Tribüne, Volume 24, Number 97, Indianapolis, Marion County, 23 December 1900 — Page 9
t ) Ändiann Tribüne MilfMtMiXlMtMMMlSIIII I Urne 1111,1 SmiiilfllisaK I 10 Seiten Seite o- io. per VOodh (-rrdjcittt jedc,r $liutjmttta( nd Ssttt Mcrne. Indianapolis, Ind.. Sonntag, den 23. Dezember 1900. Jahrgang 24. No. !7
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Wetynachtslegende.
Fcn fntft v. W'ldendruck. Tdristkind tarn in den Winterwald, Der Schnee war weiß, der Schnee war kalt, Doch a! das heil'ge Kind erschien. Fing' an im Winterwald zu blüh'n. Cdiiftkmdlew trat zum Apfelbaum. Erweckt ihn au dem Wintertraum .Schenk Aepfel f3i schenk Aepfel zart, Schenk Aepfel mir von aller Art." Der Apselbaum. er rüttelt sich Der Apftlbaum. er schüttelt sich. Da regnet's Aepfel rings umher; uhristkindleinsTaschen wurden schwer. Die süßen Früchte alle nahm's, Und also zu den Menschen kam's. Nun, sü'e Mäulchen, kommt, verzehrt. Wö euch Christkindlein beut bescheert. Ter alte Gabriel. ine WeldnacktSgeschichte. ton 7ul,uS Löwn. Der alt Mann war ja eine der Ukanntesten Typen des ..Aschenmarktes", wie der Wiener gerne den weiten Platz do: dem Freihause nennt, der seit die!en. vielen Jahren dem Erkaufe des Ödste dient. Ein zausiger, sckmeewei. ßer Bart umrahmte das gebräunte Ge sicht. au dem Strobchut, den er Sommer und Winter trug, drängten sich in dünnen Strähnen eiße Locleii hervor, die Kleidung, war nothdürftig über alle Maßen und um den abgetragenen, glänzenden Salonrock hing ein Brotsack aus ordinärer Leinwand, in den der Greis die Naturalien gab. die ihm von den gutmüthigen, braven Verkäuferinnen geschenkt wurden. Es lvar der Tag vor dem Christabend und das war seit Jahren der schlimmste Tag für den alten Gabriel. Die Leute, die' den Naschmarkt besuch ten. lvuren zu sehr mit dem Aussuchen, mit dem Wädlen beschäftigt; die Verkäuferinnen hatten wieder ibren starken Tag und so blieb der alte 'Zeltler, der der der kleinen Kapelle an ver steinernen Brücke stand, unbeachtet. Der Abend kam. Durch die Dicken Nebel brach sich nur mühsam der Schein der Laternen durch. Alle suchte so bald als möglich sein Heim zu erreichen, denn Jeden erwartete ein freundliches löesicht, ein blinkender. geputzterBaum. eine warme 6tfe. Nur der alte, arme Gabriel ging hoffnungsleer, ärmer, elender als je heimwärts nach dem alten Hause in Matzlcmödorf, das heute längst rxcfchwunden ist und einem Neubau Platz gemacht bat. Ticke Thränen fielen in seinen Bart. Die Wiedener Hauptstraße war überfüllt von rer heimwärts ziehenden Menge, Gefährte aller Art schoben sich einander, das Gescbrei ver Kutscher, der frohe Lärm der Lute. die schiver bepackt ibrc Wohnungen aufsuchten, erfüllte die Straße. Alle Fei! ster waren hell erleuchtet, die Schatten hüpfender, tanzender Kinder zeigten sich an den Scheiben. (Zdristkindl hatte aus ihn vergessen, auf den alten, unglücklichen Gabriel. Nur mühsam schleppte er sich vorroärt. Er hatte seit Morgens nichts gegessen, er roar mehr als zwölf Stun edn gestanden, ohne eine Bank gefunden zu haben, auf der er für kurze Zeit hätte rasten können, er fühlte, wie seine Kräfte schwanden, plötzlich schienen die Lichter, die Laternen, die Menschen, die Wagen einen tollen Tanz um ihn aufzuführen, er suchte nach einem Halt, er setzte den Stab mit dem letzten Aufgebot feiner Kräfte auf dasPflaster, aber dieses war feucht, ine dünne Eisschicht lag über dem Granit. Gabriel schloß die Augen und brach zusammen. He! Aufg'fchaut!" schrie der Kutscher, vor. dessen Pferden der arme Mansch niedergebrochen war, und hob die Peitsche hoch empor, um die nachfolgenoen Gefährte zum Stehen zu veranlassen. Ein kleiner Kreis Neugieriger hatte sich alsbald um den Ohnmächtigen angesammelt. Ich bitte, lassen Sie mich durch!" rief ein dicker Herr im Pel. . 3ch hab' zu thun!" Und ohne den Be 'wußtlosen eines Blickes zu würdigen, schritt er über die schlüpfrige Straße. Unter denen, welche sich mit dem Greise beschäftigten, befand sich ein stämmiger, junger Mann, der den Kopf des Bell iers leicht emporgehoben und sich zu ihm niedergebeugt hatte. Es scheint ihm nichts geschehen zu sein! Der Hun ger und die Schwache dürften die lUfachen der BemutzllosigkeU sein!" sagte er und hob den alin Mann ohne viele Mühe empor. Dieser schlua die Augen Nicht auf. ..Jesus. Maria und Joseph! Unser Freitagödettler!" rief ein aller. jiebfteZ Mädchen, das daneben stand.
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Tannen Kit vreuerchr. wo der Man? ; wohnt?" fragte der Jüngling, der den j Greis noch immer aufrecht hielt. Lei- j der nein! Aber er muh da in der Nähe j zu Hanse sein!" . ..Das il ja der alte
Gabriel! I wafe, wo er lotcrnn: nvmmen'i mit, es i? nek Ml weit! Im Aug' Gottes - Haus, hinten im Hof hat er sei Kammer!" sagte eine gutherzige Standlerin. die, ihre Butte auf dem Rücken, in der Menge stand. Wollen's den armen Teufel vielleickt z' Haus führen?" Mit Vergnügen!" ?:o kommen's mit!" Der junge Mann trug den Greis, als ob er ein kleines Kind wäre, nach dem Trottoir, und gefolgt von dem Mädchen, geführt von der Standlerin. ging es nach Mag leinsdorf. 9 Die Lampe erhellte nothdürftig das feuchte, kahle Gemach, in dem der arme Gabriel wohnte: behutsam legte der junge Mann den Bettler auf das armseiige Lager, das Mädchen kniete neben dem Alten und hatte dessen eiskalte .and ergriffen. Er wird doch nicht todt fein!" rief die Kleine. Nein, sein Herz schlägt! Ein Glas Wein, eine warme Suppe wären nothwendig!" erwiderte der junge Mann und schaute jetzt erst nach dem Kinde, das sich rasch erhob und der Thür zuaewendet hatte. Das Mädchen war einfach, fast ärmlich gekleidet. auS einem weißen, gehäselten Kopfruck drängten sich tief schwarze Locke.! in die Stirne, das groize Auge schaute voll Mitleid nach dem alten Manne und ein Thränenchlcui trübte den innigen Blick. Ich werde Alle besorgen!" sagte es und verschwand. Der junge Mann schaute lange nach der Thür hin. Ihm war es. als ob ein Lichtstrahl noch immer den 9ium erlallen würde, den dieses edle Wesen betreten. Das Bild der Holden stand, wie von himmlischem Feuer umgeben, vor ihm und ein eigenthümlicher Zauber erfaßte sein Herz. So sehr er sich auch mit dein Greife beschäftigte, das Bild des Mädchens wich nicht von sei' nein Blicke, und er sagte sich, daß d'' solchen des Körpers gegen die A; -muth der Seele zurückstehen müsse. Tas Mädchen hatte eine Schachtel zurückgelassen. Bon 7ceugierde getrieben, hob der junge Mann den Deckel empor, die Schachtel war leer. Atheinlos kam die Barmherzige zurück. Ein heiliges Feuer rathete ihre Wangen, ihr Blick strahlte vor Freude, das Bewußtsein, eine gute That verübt zu herben, strahl e aus ihren Zügen und machte das Kind schöner, holder, anmuthiger denn je. Hier ist ein Fläschchen Wein, eine Schale Suppe und da habe ich auch ein h.ili-ei Huhn gekauft!" sagte sie und stellte da Gebrachte auf den Boden. Ter junge Mann flößte dem alten Ga briel einen Löffel Suppe ein und der Bettler vom Naschmorkt schlug alsbald die Augen auf. Er fchaute wie verwirrt um sich, sein Blick war unverwandt auf die Schöne gerichtet, welch mit ängstlicher Spannung den alten Mann ansah. .Dank! Dank! Ah. das thut wohl!" hauchte der Greis und trank mit gieri gen Zügen von der Flasche, die ihm sein Netter nun reichte. ..Jetzt ruhen Sie ein wenig! Dann nehmen Sie einen Bissen von dein Huhn, das Ihnen das Fräulein gebracht hat. Hier in ein Jeitungspapier ist es eingewickelt!" Ztr Alte reichte dem Mädchen seine Hand. Ich kenne Sie. Fräulein! Ich bin oft und oft vor Ihre Thüre gekominen! Gott möge es Ihnen lohnen! O. es gibt doch nack gute, brave Menschen!" Gabriel legte sich auf die Site, und nachdem er die Suppe genossen hatte, drückte er den Wunsch aus. zu schlafen. Das Mädchen nahm den Carton, der junge Mann folgte der Holden, die auf der Straße ihren Blick über die Firmen der Geschäfte gleiten ließ und dann
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rjicrv in ven tuwn eines uiumvi ( trat. Der Jüngling war ihr gefolgt. Er sah, wie seine Helferin in dem Werke der Barmherzigteit einen Ring vom Finger zog. den der Goldardeiter besah, über den Prüfstein führte, auf die Waage legte und dann in die Schublade warf. Er zahlte dem Mäd chen einige Gulden aus. nachdem er es um Namen und Adresse befragt latte. die er auf einem Bogen notirte. Kaum batte das Mädchen den Laden verlass,n. als der junge Mann in das Gewölbe trat. Du mußt schon Angst um mich gehabt haben. Mamachen! Ich habe mick verspätet! Aber Denk' Dir, meine gute Mutter, ich hab' die Stickerei angebracht und gut verkauft. Wir wollen den Christabend in Fröhlichkeit feiern, als wären wir reich und glücklich, wie einst!" Die Frau, welche mehr vom Kummer, als durch die Jahre gealtert war. wendete den feinen Kopf gegen das Mädchen nnd sagte mit einem wehmüthigen Lächeln: Und doch kommst Du zu früh, denn Christkind! hat uns schlimme Nachrich ten gebracht, liebe Lina!" Schlimme Nachrichten? Welche Nachricht könnte unser Unglück größer machen, als es schon ist?" Du weißt es. daß Dein seliger Bater Dich dem Sohne seines Jugendfreundes, dem Kaufherrn Balzer, verlobt hat und daß ich mit Sehnsucht der Stunde entgegensehe, da Anton. Dein Verlobter, kommen wird, um das Wort der Bäter einzulösen. Für mich lvar der Gedanke, daß Dir dereinst noch Glück blühen werde, trostreich. Ich. für Lebzeit siech und an das Leidenslager gefesselt, bade nichts mehr zu Hoffen. als Dein Glück. Und nun tonrmt dieser Brief. Du brauchst ihn nicht zu lesen. Anton Bal;er. der reiche Kaufmann auf der Seiierstätte, wurde von dem gleichen Schicksal erreicht, wie die einst so stolze Firma Deines Baters l'ristoph Hartmann. Er sieht sich außer Stande, die Zahlungen zu leisteil, es wurde über die Firma Balzer und Sohn der Eoncurö verhängt. Wäre ich reich, angesehen, so würde ich mich beeilen, mir meine Braut zu holen! Da ich jedoch arm bin und meine Lebensgefährtin nur mein Leid theilen könnte, so bitte ich Sie, gnädige Frau, mich des Wortes zu entbinden!" So schreibt der junge Mann und so erbleicht auch der letzte Hoffnungsstcrn, der in der Nacht meines Elends so lieb und mild inir geleuchtet hat!" Große Thränen perlten in den hellen Augen der gelähmten Frau und ein tiefer Seufzer entrang sich ihrer Brust. Aber 9Nma! Sonst hast Du keine schlimmen Nachrichten? Ich kenne ja Herrn Anton Balzer gar nicht und brauche mich seinethalben nicht zu grä men. Es wird auch so gel'n. Sieh', früher habe ich aus Zeitvertreib gearbeitet und jetzt werde ich arbeiten, uin zu verdienen! Was ist da für ein Unterschied? Und dann, glaubst Du, daß ich den Herrn Anton Balzer so rasch geheirathet hätte? Dich, mein gutes, liebes, herziges Mütterchen hätte ich ja als einzige Mitgift dem reichen Mann in's Haus gebracht und ich wäre eiset süchtig gewesen, wenn ein fremde Hand Dich gepflegt hätte!" Lina lehnte ihren schwarzen Kopf an die bleichen Wangen der Mutter, welche ihre Tochter innig an sich drückte und wie segnend die abgemagerte Hand auf das dichte Seidenhaar ihrer lieben Lina legte. Bleib', wie Du bist, meine süße, gute Lina!" In stummer Rührung hielten sich Mutter und Tochter umschlungen. Da klopfte es an der Thüre und auf das zögernde ..Herein!" trat ein junger Mann von eleganter Erscheinung in die ärmliche Stube. Er blieb einen Moment wie betroffen stehen und seine Stimme zitterte sichtlich, als er nun sprach: Sie verzeihen, meine Gnädige,
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wenn ist) stvre. Ich yaoe wmt jchon das ilück gehabt, mit den, Fräulein Tochter zusammenzutreffen " Lina iwr einer Ohnmacht nahe; sie hatte in dem Eintretenden den Samariter erkannt, der dem alten Gabriel beigestanden war. Ich hatte vergessen. Dir zu sagen. Mama " sprach sie. da ein fragender Blick der Mutter sie traf. ..Fräulein, es bedarf keiner Entschuldigung. Ich bin hierler gekommen. um Sie zu bitten, diese Summe unserem greisen Schützlinge zu übergeden und Sie, verehrte Frau, um Verzeihung zu bitten! Sehen Sie mich nicht staunend an. Ich erflehe Verzeihung von Ihnen! Mein Name ist Anton Balzer; der Brief, den ich hier sehe, er rührt von meiner Hano her. Zerreißen Sie ihn und denken Sie, er sei nicht geschrieben. Ich bin zu Grunde gegangen; mit den Trümmern, die ich aus dem Schiffbruch gerettet, will ich ein neues Leben beginne, ein Leben der mühevollen, rastlosen Arbeit, und die Liebe möge mir hierzu Kraft verleihen. O, Sie Märtyrerin, der ich mich mit kindlicher Verehrung in dieser heiligen Stunde des heiligen Abends zuwende, gestatten Sie, daß ich die Fee. die mir eine Schwester bei einem Liebestverke war, daß ich sie mit einem süßeren Namen nennen darf, mit dem einer geliebten Braut!" Die Mutter hatte dem jungen Mann eine Hand gereicht und nun. unter Thränen lächelnd, streckte sie den andercn Arm der Tochter entgegen. In Deiner Hand liegt die Entscheidung!" Du weißt, Mama, daß Dein Wille stets der meine ist!" lispelte Lina, indeß ihre Wangen wie in Purpur getaucht schienen. Die Mutter führte die Hände der Liebenden ineinander, die sich in einem innigen Kusse fanden. V Man rüstete zur Hochzeit. Dem aufsi rebenden, jungen Kaufmann Anton Balzer, der durch ine Verkettung der unglücklichsten Zufälle zum .Concurs getrieben worden war. wendete sich ra,ch das Vertrauen der Geschäftswelt zu; eine herrliche Zukunft breitete sich vor ihm aus. In der Kirche, die übervoll lvar. befand sich auch ein ehrwürdiger Greis, der in Begleitung eines gelehrt aussehenden Herrn der Trauung beiwohnte. Als das Brautpaar nach Hanse zurückgekehrt war und vor der gelähmten Mutter kniete, da trat der Greis in die Stube. Ihr werdet mich nicht mehr kennen, meine Lieben! Ja, schaut mich nur an, ich bin's, der Gabriel, der Bettler vom Naschmarkt! Ich komme, um Euch zu danken. Das Papier, in dem Sie. mein Engel, mir an dem Christabend das Huhn gebracht haben, es war ein Stück einer Zeitung und enthielt auch eine Nachricht, welche mein lebhaftes Interesse wachrief. Es hieß darin, dß in London der Exporteur Karl Sternwart, ein alter Junggeselle, ohne Hinterlassung von Erben gestorben sei. Sternwart war mein Bruder. Im Verlasse eines Monats wurde ich Be sitzer cines reichen Vermögens und der Bettler vomNaschmarkt kann nicht umhin. seinem rettenden Engel eine kleine Aussteuer zu bringen!" Damit händigte Gabriel der Braut eine Mappe ein. in der 50 Stück Renten zu 1XX) Gulden lagen. Nur eine Bitte habe ich!" fügte Gabriel hinzu. Ich habe keine Familie! Lassen Sie mich von heute ab Mitglied Ihrer Familie fein!" Wenige Monde sind. verflossen, seitdem Gabriel, tiefbetrauert von den Seinen, die Augen für immer geschlos' sen hat. Das wunderliebe Söhnchen Linas, der Stolz und die Freude seiner Eltern, wurde der Erbe des einstigen Bettlers vom Naschmarkte, an den sich die älteren Frauen vom Stande wohl noch erinnern werden.
Ins Stammbuch. Ter kleinsten Wohlthat wissen wir uns zu erinnern, wenn wir der Spender waren. Nicht mehr vakant. Mein Fränlein, Ihnen muß ich eimm ilulj stehlen!" Ich habe bereits einen Hausdieb, meinen Bräutigam!" R t ii o in m t e. Ä. : Ist denn Ihre Firma in Afrika schon gut eingeführt r Chef: ..Gewiß, die Wilden haben bereits ein Dutzend Reisende von uns aufgefressen!" Immer im Geschäft. Arzt: Eine kleine Narbe werden Sie ja zurückbehalten!" Patient (Gerber): Sckade. da ist das ganze Fell verdorden." P o st a l i s ch e F i n d i g k e i t. A.: Der Herr Postsecretär Börner hat eine sehr reiche Frau gefunden." B.: Ja. ja. man spricht nicht umsonst von der Findigkeit der Post!" DersprachkundigePicc o l o. Gast: Wie lange dauert es denn noch, bis ich meine kalte Fla sche Moselwein bekomme?" Piccolo: Einen Augenblick, mein Herr. Der Chef keltert ihn erst!" Ironisch. Mann (zu seiner Gemahlin, die eben Toilette gemacht hat): Kann man Dir jetzt einen Kuß geben. Herzchen, oder heißt es: Vorficht, frisch angestriche-n?"
Lojephines (chrifitindl.
Sine heilen Welhnachtögeiancdte, von Hugo Echoeppl. Arm in Arm gingen sie oahin durch den alten verlassenen Friedhof, unter den verwilderten, überhängenden Trauerweiden, zwischen den verfallenen Gradsteinen und verwitterten Kreuzen. Ueber den vermoderten Gebeinen einer vergangenen Generation erblühte ihnen neues Leben in der sonnigen Gegenwart beseligender Wonne unG er küßte ihre Lippen hier unter den Grabstätten ebenso feurig, wie wenn er an einer weniger ernsten Stelle gestanden wäre, denn die Liebe denkt gewöhnlich nur an das Kniiu seul" weiter Nichts. . . Jetzt steckte Josephine ihr schwarzes Köpfchen über den Rand der niedrigen Mauer, denn draußen war ein Erercirplatz und es drang der Wirrwarr von Commandorufen, Schimpsworten und Pferdegetrappel herüber in das stillere Reich der Todten. Ein fröhlicher Zug umspielte ihre kirschrothen Lippen und mit Lust hing 'hr Auge an den Uniformen und Mi tzenden Säbeln. Das ist doch 'was Schönes!" rief sie endlich aus und blickte dabei Fritz In einer Weise an. als ob sie damit sagen wollte, da gäbe es überhaupt keinen Widerspruch. Fritz hatte diese ihre Schwäche schon öfter bemerkt und ärgerte sich darüber umfomehr, alZ er selbst nur ein simpler Civilist war, den man schon nach vier Monaten seiner Militär-Carriere superarbitrirt hatte. Wirklich", sagte er in seinem Grimme, als er sah. daß Josephine im Anblicke ihrer Lieblinge auf alle seine Betheuerungen und Küsse vergessen hatte, wirklich, zu Weihnachten werde ich Dir ein Schachtel Zinnsoldaten schicken." Zinnsoldaten?" entgegnete sie spöttisch, was soll ich mit denen anfangen Wenn's keine lebendigen Sold.iten sind. . ." ..Und wenn ich Dir eine Schachs! lebender schicke." fragte er jetzt spitzig, was würdest Du damit machend" Schicke sie." sagte sie kurz, dann wirst Du es ja sehen." Fritz war eine leidenschaftlich angelegte, sanguinische Natur, vielleicht et was zu idealistisch für unsere secessio nisliscke Zeit; und er konnte es nicht verwinden, daß ihn Josephine vonZ.aa zu Tag qleichgiltiger und kühler dehandelte und seine heiße Steigung nicht voll und ganz erwiderte. Aber sie konnte es wieder nicht begreifen, wie er jedes Mal nur von seiner Liebe faselte und so wurde ix ihr nahezu langweilig, denn sie liebte Abwechslung und Zerstreuung und Nichts ag ihrem mehr oberflächlichen Empfinden ferner, als eine tiefe. w?r therhafte Liebe. So lockerte sich das Verhältniß der Beidcn. ohne daß sie es selbst merkten und glauben wollten als endlich ein Umstand eintrat, der Fritz aus seinem Traume aufrütteln sollte. Sie war eine geschickte Kleidermacherin in einem der Vororte der Resioenz. und der Zufall fügte es. daß unter ihren Kundschaften auch die Frau eines der Bureaucollegen Fritzens war, wo er oft zu Besuch weilte. Eines Tages kam man nun auf Toiletten zu sprechen und von da auf Josl?phine. Die Frau lobte ihre Gewandtheit und Verläßlichkeit und schloß endlich mit der Bemerkung: Schade um sie!" Schade?" fragte Fritz unwillkürlich. warum schade?" Weil sie verloren ist", versetzte die Frau, jedes Vierteljahr hat sie einen neuen Verehrer und fast immer einen Cadetten oder Lieutenant." In diesem Auaeoblick wvri cb
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Zrltz zum ersten Ä'ale klar, daß dies e r Charakter nie seiner irbe werth sein konnte. Ein Gefühl der Reue lind Scham schlich in sein Herz und der letzte Funke seiner Neigung erlosch.
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Aber er wollte von Josephine nicht Abschied nehmen, ohne ihr gezeigt zu haben, daß er ihren launenhaften Flattersinn erkannt habe, ohne ihr gleichsam einen Spiegel vorgehalten zu haben, in dem sie sich selber ohire Schonung erblicken sollte. Und so reift in ihm eine vielleicht grausame Idee. Mit Hilfe der erwähnten Frau fand er Anhaltspunkte für die Namen aller gewesenen Liebhaber seiner Josephine und zu seinem Entsetzen sah er, daß er bald ein ganzes Dutzend militärischer Vorgänger beisammen hatte. Jetzt entwickelte Fritz eine geradezu mysteriöse Thätigkeit. Er machte unheimlich viel Besuche, schrieb auffallend viel Briefe, hatte Rendezvous mit Freunden in Gast- und Kaffeehänsern, ja einmal kamen sogar ihrer zwölf in seiner Wohnung zusammen, sperrten sich sorgfältig ein. wipelten mit einander in verdächtigster Weile und die Hausmeisterin hatte schon gute Lust, einen Verdrahten" zu Haien, denn ihrem Ermessen nach konnte es sich hier nur um einen großen politischen Streich handeln. Endlich war Weihnachten da und auch Josephine saß wie so viele Fräulein erwartungsvoll in ihrem Zimmerchen und harrte der Dinge, die da kommen sollten, denn sie zweifelte gar nicht, daß ihr von irgend einer Seite, mindestens von Fritz, eine Bescheernng zutheil würde. Schon war es dunkel draußen, als es an der Thür klopfte und ein Mann in einer Schürze hereintrat, der ihr derichtete, unten im Hofe sei eine groß Kiste an ihre Adresse angekommen, ihr gleichzeitig einen Brief übergab und sich anbot, beim Oefsnen der Kiste behilflich zu sein. Freudig bewegt erbrach Josephine rasch das Couvert und las: Liebe Josephin! Hiermit erlaube ich mir. Dir ein Ueberraschnng zu machen, die ich nach Deinem eigenenWunsche für Dich ausgedacht habe. Es lvar nicht leicht, meinen Plan auszuführen, und es hat mir unendlich viel Müde, eit und Ue. derrednng gekostet. Ii ick, Dir diese seltene Gabe bieten konnte. Möge sie Dir daher jene Freude bereiten, wie Du sie als olm für Deine mir erwiesene Liebe verdienst. Mit diescmWnnschezrichne ich mich als Dein wohlbe!c.nnter Fritz." Neugierig eilte sie nun mit dem Manne hinab in ren Hos. Hier stand eine riefengroße Kiste, ans allen Seiten mit den Aufschriften Vorsicht" und 'ichk stürzen", sowie mit kleinen, siebartigen Löchern verse. nen, die offenbar der Luft Zutritt gestatten sollten. Rings herum hatten sich bereits alle Hausbewohner und Nachbarn gesammelt und Alle betrachteten Josephine mit unverhohlenem Neide. Tiese selbst aber war in größter Verlegenheit, was sie eigentlich mit dem Eoloß beginnen solle, denn ein unbestimmtes Äefühl sagte ihr. daß sie die Kiste lieber in ihrer Wohnung öffnen lassen solle. Das war aber wegen der Größe unmöglich, und so mußt; sich endlich Josephine wohl oder übel dazu verstehen, die Nachbarn als Zeugen ihrer Weihnachtsbescheerung um sich zu sehen. Zudem hatten einige Frauen, die es vor Neugierde nicht länger aushielten, schon Stemmeisen und Hammer ge bracht und so ging es nun an'i Oeff nen, das der mitgekommene Mann sorgsam überwacht.
Endlich konnte man den Deckel ab . heben und ein schallend lact,:;c i erfüllt den ganz Hof. Wie in einer Spielwaacenichachtel lagen hier ein Dutzend lebender So! ! daten, wohlgeordnet, abwechselnd mit
den Köpfen und Füßen nach der einen Seite gelegt, sorgfältig gebettet in weiches Heu. alle mit aufgewicksten chnurrbärten und schönen Uniformen. Und was war denn das? Jeder trug eine Tafel auf seiner Brust mit einem Namen, die nun der Reihe nach vn all' den Umstehenden laut gelesen wurden und wie Dolchstiche Josepbines Herz trafen. Rudolph. Anton, Hans. Robert, Otto. Max. Heinrich. Wilhelm. Martin. Franz. Moriz, Jacob." Josephine war einer Ohnmacht nahe, bebend stand sie da, keines Wortes mächtig, und starrte wie versteinert ans all' diese ihr so wohlbekannten Na. men und Uniformen, denn der boshafte Fritz hatte auf Grund feiner genanen Forschungen zu jedem Namen auch die richtige Uniform gefunden. Endlich wandte sich die so grausam enttäuschte Schneiderin wüthend um, drängte sich durch die schadenfrohe Menge und rannte die Treppe hinauf in ihre Wohnung. Die Soldaten aber in Wirklüdkeit nur Freunde FritzenS. lauter Civ! listen, die sich endlich zu dem derben Scherz hergegeben hatten stiegen nun unter allgemeinem Halloh aus ihrer Riesen-Schacktel. reckten vergniigt ihre halberstarrten Glieder, stellten sich in einem Kreise auf. der Mann mit der Schürze gab ihnen den Takt, und nun begannen sie nach der bekannten Melodie zu singen: Stille Nacht, heilige Nacht Endlich zum eigenen Ich erwach'.! Liebe ist nicht ein Schattenspiel. Wo man wechselt, so oft man nur will: Darum hat Ehristkind den Spiegel gebracht. Und man hat Dich nun ausaelacht In der Nacht, dcr heiligen Nackt." D Leute, die alle andächtig zug Hort und den Sinn recht wohl derstanden hatten, klatschten Beifall und nun zogen die Soldaten in Neib nnd Glied beim Thore hinaus, stieg:n in ein paar bereitftehende Wagen, und fort waren sie. Oben aber faß in ihrem Zimmer Josephine und weinte vor orn, denn sie schämte sich fast zu Tode. . . Aber am Neujahrstage hatte sie sich bereits getröstet und man konnte sie mit ihrem neuen Verehrer spaziere gehen sehen. Diesmal war es aber kei? Lieutenant. sondern ein Staatsbeamter natürlich in Uniform. vom ed'n. Wer gern macht a lange Red', Zeigt.' daß er net viel versteht. Rathen möcht' i 's drum an jed'n: G'scheiter stad sein als g sckeit" red'n. S ch ö n g e s a g t. A.: Mein Sohn ist auch als Soldat mit nach E hinabgegangen, er muß sich mit seinem Schiff jetzt in den Tropen befinden. B.: Ach, wie die armen Truppen in den Tropen wohl nach einem nassen Troppen lechzen." Bedenkliche E m p f e blung. Käufer: Ist der Hund auch anhänglich?" Verkäufer: Na. ich sage Ihnen, den hab' ich vier Mal verkauft und jedesmal ist er wieder zu mir zurückgekommen!" Schlau. Mann: Der Arzt hat mir gesagt, ich darf für die Folge nur die Hälfte von dem trinken, was ich früher getrunken habe!" Frau: Da kannst Du also statt der gewöhn ten vier Schoppen Abends nur zwei trinken?" Mann: Wo denkst Du hin! Ich habe natürlich gesagt, ich trink' sonst acht!" Genaue Bestellung. Die kleine Anna( die zum ersten Mal auf's Land kommt und da einen Klapperstorch sieht): Lieber Klapperftoch. bitte, sei ss gut und bringe uns doch ein Brüderchen. Wir heißen Heese um wohnen Kaiserstraße 4. 'S. Stoö." 1 ic kleine Elfe (änastlick): Hre rechts! links wshnt Fräulein Leid?." Bescheid es ag t. Mi sender: Tenken Sie sich. Herr So, mercienratb, Jh? Diene? f-zt fitt ?ß nach langem Hin- und Herreden da;n v wegen lassen, mich zu melden. Ds tst doch nicht recht! " Eommercienrath: Jean, d.is finde ich auch im höchsten Grod nnrccht'. 2k sollten den Mann doch c)tK Weiteres an die Luft setzen!Ehre, wem Elite gebührt. Der Herr Revisor und der Herr Ober - Kontrolleur habrn !?ch ans einer Gebirgsreise kennen gelcrnt und unternehmen gemeinsam eine Bergbk. fteigung. bei welcher der letziere auigleitet und in den Abgrund ttürzt. Voll Entsetzen schreit der Revisor: Um GotteS willen, Herr Eontrolleur!- Da. rauf de? andere: Bitte, Ober - Eon t?olleur!- und verschwindet in d? Siiff.
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