Indiana Tribüne, Volume 24, Number 97, Indianapolis, Marion County, 23 December 1900 — Page 2

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yndwna Tribünc, Sonntag, 23. December 1900.

Ter Bote des sshriftkinds. (Ein WeihnachtSmärcken.) Der Tag des heiligen Abends! In jedem Haus? ein Tag iwr Geheimnisse. Überraschungen, aber auch ein Tag der Unruhe. So rvcLX es auch im Hause von Do?as Eltern. In kurzen Zwischenpausen ertönte bie Klingel und Dora, heute ausnahmsweise sich selbst überlassen, eilte bei jedem abermaligen Klingeln zurThüre. neugierig mit großen Augen die geheimnißvollen Schachteln und Pakets die von Dienstmännern oder Geschäftsdienern gebracht wurden, musternd. Dora langweilte sich heute so allein es wollte h?ute aber auch gar nicht $scnd werden. In den Händen ein Stück Kuchen, von dem sie von Zeit zu Zeit abbiß, so stand sie im Vorhause und entschlüpfte in einem unbemerkten Momente zur Gangthür hinaus; da erVlickte sie zu ihrem Erstaunen eine neue Erscheinung, ein Kind, das sie bis heute noch nicht gesehn hatte. Mit neugierigen Blicken musterte Dora das arme Kind, das da in schmutzigen Lumpen vor ihr stand; Dora besah ihr eigenes weißes, warnies Wollkleidchen, es offenbar mit den Lumpen des armen Kindes vergleichend, und um ihr frisches, rothes Mündchen legte sich ein spöttischer Zug. Aber die Neugierde überwog Doras Abscheu, und näher an das sichtlich verwahrloste kleine Wesen herantretend, fragte sie barsch: Woh kommst Du da auf unsere Stiege, Du schmutziges Gassenmädel?"

Dc:s Kind mit dem verwirrten, matUn Blondhaar, dem der goldige Schimmer fehlte, der gepflegten Kinderhaaren eigen ift, sah einen Vugenblick erschttckt und ängstlich verlegen auf Dora. dann aber, sich Muth fassend, gab sie mit schwacher, heiserer Stimme zur Antwort: Vom Hofe rückwärts und flehend, mit Thränen in den matten Augen, setzte sie hinzu: C, bitte, gib mir von dem Kuchen ein Stück, mich hungert so!" Und gierig griff das arme Kind in seiner Hungersqual, alle Angst und Verlegenheit überwindend, nach dem Kuchen. Dora aber, über die Annäherung des schmutzigen Wesens empört, rief erzürnt: Pfui. Schmutzfink! Mit schmutzigen Kindern mag ichNichts theilen." Dabei wandte sie sich hastig ab und huschte zur noch offenstehenden Thüre in ihre Wohnung, im Vorzimrner ängstlich um sieh schauend, ob es auch Niemand bemerkt hatte, daß sie so lange sich im Gange aufgehalten. Aber es waren Alle zu sehr beschäftigt, und Dora, froh, daß ihre klein Excursion unbemerkt geblieben, beeilte sich, in ihr Zimmerchen zu kommen. Da kauerte sie sich in die Sophaecke und legte das Stück Kuchen achtlos beiseite. wollte ihr nun nimmer schmecken. Im Zimmer ward es allmählich dunkler. Heute kam Dora der Tag gar so furchtbar lange vor; die früheren Weihnachtsabende, da hatte sie noch ihr Brüderchen und da verging ihr in seiHer Gesellschaft der Tag viel schneller. Sie dachte an ihr liebes, armes. todtes Brüderchen. Sie konnte sich genau jetzt an Alles erinnern, wie plötzlich ihr Bruder erkrankte, er klagte über Husten und Halsschmerzen, und Va kam eine Tante, die nahm sie. Dora, mit sich, dort blieb sie viele Tage, und als sie wieder nach Hause kam. da hatte Mama schwarze Kleider an und weinte viel, und Papa hatte auch Thränen im Auge, als er sie auf seine Knie nahm und unter Herzen und Küssen ihr mittheilte, daß ihr Brüderchen gestorben sei; dann hatte auch sie sehr viel geweint und war traurig gewesen. Aber als dann die hellen, warmen Sommertage kamen, beruhigte sich allmählich ihr Kinderherzchen und sie wurde wieder lustig und munter. Mer heute ging ihr Fränzchen sehr ab. sie fühlte sich so allein und verlasffn; freilich. PapM und Mama haben heute mit Christkind drüben im großen Salon zu thun. Das wußte Dora. darum mußte sich Dora heute in die Einsamkeit fügen. Sie blickte in dem halbdunklen Zimmer umher und ihr Blick fiel wieder auf das Stückchen Kuchen, und nun kehrten ihre Gedan ten wieder zu dem armen Kinde, dem Dora im Ganae beaeanet war. zurück.

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Vßa wollte' das 'an die peinlichste Reinlichkeit gewöhnte Kind den Kuchen, der von den schmutzigen Fingern des Kindes berührt worden war. nimmer. und NUN that es Dora leid, dem Kinde den Kuchen nicht geschenkt zu haben.

Ich hatte ihr lagen tollen, sie soll sich rein waschen und dann zu mir hereinkommen, wir hätten zusammen spielen können, es ist gar so langweilig allein." sagte Dora zu sich. Einen Augenblick dachte sie nach, was sich jetzt noch machen ließe; plötzlich sprang sie auf und eilte hinaus. Im Vorzimmer war Niemand; sie wollte die Gangthüre öffnen, sie war versperrt, der Schlüssel steckte zwar, allein so sehr sich Dora mühte, aufschließen konnte sie nicht; doch sie wußte sich Rath, sie wollte ja nur einen Blick auf den Gang werfen, ein Stuhl ward hereingeschleppt, bestiegen und Dora guckte durch das Guckloch hinaus, allein von dem Kinde war keine Spur zu entdecken. Soeben kam Rosa, das Hausmädchen, aus der Küche und fragte Dora. was sie denn wolle. Haben Sie vorher kein kleines Mäderl auf der Stiege gesehen?" gab Dora zurück. Ach ja." antwortete Rosa, die Kleine kenn' ich schon, die ist vom Hofe rückwärts, ich sah sie auch. Aber Dora, was willst Du denn von dem kleinen Schmutzfink? Sie soll sehr schlimm sein, hab' ich gehört, und muß deshalb viel geprügelt werden; das ist keine Gesellschaft für Dich, Dorchen," fetzte noch das Mädchen schulmeisternd hinZU. Dora gab keine Antwort; sie schlich sich traurig und unbefriedigt wieder in ihr Zimmer, in dem es schon fast ganz dunkel war. und nahm auch wieder ihr Plätzchen am Sopha ein. Eine tiefe, tiefe Traurigkeit beschlich jetzt Dora. in die sich ein bitteres, reumüthiges Gefühl mischte über ihre Lieblosiakeit dem armen 5Znde gegenüber. Zwar hatte Rosa gesagt, das kleine Mädchen solle sehr schlimm sein, aber schlimm war sie ja doch auch oft, nur geschlagen hatte man sie darum nicht sehr, dachte Dora bei sich, und nun fiel ihr auch wieder ein, daß das arme Kind argen Hunger hatte; ja, warum ließ man's denn auch hungern, wenn man's schon schlug? 3tal war ja ganz entsetzlich, Hunger soll ja sehr weh thun, sie, Dora, hatte es freilich noch nie verspürt, aber das wußte sie, die ärgste Strafe war ihr immer wenn sie keinen Pudding bekommen sollte, aber diese barte Strafe kam nur dann, wenn sie sehr, sehr schlimm war, und das kam ja doch nickt so oft vor. Immer mehr vergrub sich Dora in diese düsteren Gedanken, immer schmerzlicher und tiefer wurde ihre Reue, dem armen Kinde doch nicht wenigstens den Kuchen geschenkt zu haben, und immer wieder grübelte sie darüber, wie schlimm denn nur ein Kind sein kann, was es wohl gar Böses gethan haben müsse, daß man es so arg schlagen müsse. Und das Mitleid in Dora wuchs immer mehr mit dem armen Kinde. Thränen rollten Dora über die Wangen sie hatte jetzt ganz vergessen, daß Weihnachtsabend war eine tiefe Sehnsucht nach ihrem todten Brüderchen ergriff sie, der hätte ihr rathen, sie aufklären können, war er doch um zwei Jahre älter alt sie. Dora lehnte ihr Köpfchen zurück, sie schloß die Augen und ganz leise kam es- von ihrem rothen Mündchen: Fränzchen, lieber Bruder, komm' wieder einmal zu mir bitte bitte!" Und siehe da, es schwebte ein Engel herein, licht und schön im loeißen, wallenden Gewände; von dem strahlenden Haupte fielen, wie fließendes Gold, lange, seidenweiche Locken auf die Schultern; im Zimmer verbreitete sich ein silberheller Glanz, gleichsam wie sanftes Mondlicht, und ein süßer, weicher Duft. Dora sah Alles, aber starr war sie vor Staunen, sie meinte das Christkindchen vor sich zu haben, nur das strahlende Bäumchen vermißte sie, statt dessen hielt die herrliche Erscheinung einen schneeweißen Lilienzweig in der einen Hand, mit der anderen berührte sie leicht Doras Schulter und es löste sich der Bann von des Kindes Lippen, leise fragte es: 2)u bist wohl das Christkind urrd willst mich schelten, da ich Böses gethan? O. vergib mir!" schluchzte Dora schmerzlich auf. Das Christkind bin ich nicht." hub der Engel mit einer silberhellenGlockenstimme zu sprechen an, aber ein Bote desselben: es sandte mich her, da es hörte, daß Dir nach mir riefst. Dora. sieh mich an. kennst Du mich nicht mehr?" Dora sah und erkannte ihr Brüderchen. ). Fränzchen. da Du vom Himmel kommst und Dich das Christkind sendet. da wirst Du mir auch rathen können!" rief Dora. Ja. das will ich. Schwesterchen, dazu sandte mich ja das Christkind, das Dich heute beobachtet hat. als Du lieblos gegen das arme Kind warst, aber dann auch Deine tiefe, schmerzlicheReue wahrnahm. Dora, Du kannst das

Heilige

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Es liegt in tiefem Schweigen Die winterliche Welt. Und tausend Sterne steigen Empor am Himmelszelt. Und stille Größe schreitet Ueber die Erde sacht Den dunklen Fittich breitet Die heil'ge Nacht.

Und leise Töne locken Wie zauberkräft'ger Sang: Im Dorf die Kirchenglocken Rufen mit hellem Klang. Und all die alten Lieder Sind wieder aufgewacht O komm' und steig' hernieder, Heilige Nacht!

arme, kleine Wesen retten, das Kind ist nicht schlimm, aber es wird doch mißhandelt, und was uns glücklichen Kindern von guten, liebevollen Eltern unglaublich scheint, denke, Dorchen, es hat böse Eltern. Du aber, Dorchen, gesteh' heute nach der Weihnachtsbescheerung Dein garstiges Benehmen gegen das Kind Deinen Eltern und alles Andere, Dorchen, wird unser guter Vater im Himmel zum Besten wenden. Ich aber, Dorchen, bitte Dich, sage Deinen Eltern Nichts davon, daß ich bei Dir gewesen, es würde den lieben Eltern zu wehe thun, daß sie mich nicht auch sehen konnten. Und nun, lebe wohl. Schwesterchen, mich ruft das Christkind, ich darf nicht länger weilen!" Und so plötzlich die himmlische Erscheinung gekommen, so rasch und unhörbar war sie entschwunden und mit ihr das silberhelle Licht, sowie der süne Lilienduft. inen Augenblick war's dunkel in der Stub?, dnn plötzlich fiel ein greller Lichtschein herein. Doras Mutter, eine junge, schöne Frau, war mit Licht eingetreten. Dorchen", rief ihre liebe, weiche Stimme, komm', mein liebes Kind, weil Du brav gewesen, war das Christkind da und hat Dir Schönes bescheert!" Dora erhob sich rasch, und von der Mama geführt, begab sie sich in den Salon, wo ein Weihnachtsbaum Herrlich strahlte. Dankbar, aber ohne den gewöhnlichen Jubel nahm Dora all' die vielen schönen Sachen hin, die ihr vom Christkind bescheert wurden. Die Eltern merkten, daß mit Dora etwas Besonderes vorgehe, und wechselten besorgte Blicke. Endlich trat der Vater mit der Frage an Dora heran, warum sie heute, an solch' frohem Abende, so traurig sei? Da wars sich Dora ihrem Papa an den Hals und mit von Schluchzen unterbrochener Stimme und beißen Mangen erzählte sie von der Begegnung des Kiaves und ihrer Schuld. Und sie bat und flehte, sie möchte das Kind noch

Nacht.

Heimwärts will ich mich träumen In die Vergangenheit Es rauscht in fernen Bäumen, Es spricht die Kinderzeit. Und ferne Lichter schimmern Weither durch Zeit und Raum Das ist Dein holdes Flimmern, O Tannenbaum! heute gerne aufsuchen, um es zu beschenken. Nun wurde Rosa hereingerufen und mutzte Bescheid geben, wo das Kind wohne; dann wurde Dora in einen warmen Mantel gehüllt und es begab sich ein sonderbarer Zug hinaus auf den Gang, hinunter über die Stiege und hinüber über den Hof. Rosa machte die Führerin. Da hinten im Hofe wohnten lauter arme Leute, aber Dora's Eltern hatten hier nicht Umschau gehalten. Bei einer von Rosa bezeichneten Thüre machten sie Halt. Aber was war das? Sie vernahmen deutlich ein leises Wimmern. Doch so sehr Dora's Vater an der Thür rüttelte, das Schloß wollte nicht nachgeben,' aber Rosa wußte Rath: Ich hole den Schlosser, der wohnt hier nebenan." Der biedere Alte kam, das Schloß wurde aufgesprengt. Den Anwesenden bot sich ein grauenhaft trauriges Bild. An einem Abend wie dieser, der alle Menschen im trauten Familienkreise zusammenführt, der tausend und aber tausend Jubelrufe aus ebenso vielen Kinderkehlen hervorzaubert, lag da ein deines, armes Wesen, ein unschuldiges Kind auf einem Bündel schmutziger Wäsche allein und verlassen, das arme, magere Körperchen mit zahllosen Wunden bedeckt, in Frost und Kälte, hungernd und frierend, anscheinend sterbend. Des Schlossers gutmüthige Frau kam nun mit Tüchern, Decken und warmem Wasser herbei und aus den Nachbarwohnungen kamen hilfbereiteFrauen und Männer; das Kind wurde gereinigt und mit lauer Milch gelabt und auf Wunsch von Dora's Vater sodan in seine Wohnung gebracht. Dora's Mutter aber entzog ihr Kind vorerst dem grausamen Anblick. Als die Thür sich geöffnet hatte und 'das Jammerbild seben lieb, führte die besorgte Mutter ihr Rivb hinüber in ihr Heim. Da erwarteten jetzt Mutter und Kind ungeduldig das Kommen des Vaters. Und als er kam und hinter ihm, in einen großen Korb gebettet, das arme, kranke Annerl gebracht wurde, da fragte sie mit zitternder Stimme: Papa, darf das arme Annerl bei uns bleiben?" Wenn der liebe Gott sie bei uns lassen will, Dorchen, dann ja." Dora aber betete zum lieben Christkind und ihr inniges Gebet und die sorgsame Behandlung d.'s rasch herbeigerufenen Arztes gaben Annerl die Gesundheit wieder und sie verblieb im Hause von Doras Eltern und ward Dora's neues Schwesterchen. Im ganzen Hause aber hatte die Geschichte viel Aufsehen gemacht. Die bösen Eltern wurden vom Gerichte bestraft und mußten ihre Grausamkeiten, die sie an dem armen Kinde verübten, arg büßen. Dorchen aber wurde im ganzen Hause ein Bote des Christkinds genannt, der das arme Annerl von seinen Martern erlöste.

Dora wußte zwar, daß nicht sie. sondern ihr todtes Brüderchen der Bote gewesen, aber sprechen durfte sie nicht, sie hatte ihm ja Schweigen versprechen müssen, und darum ließ sie es ruhig' geschehen, daß man sie den Boten deS Christkinds nannte, und nur ein geheimnißvolles Lächeln umspielte manchmal dabei ihr rothes Mündchen. Zm Puppkulande.

Puppenland," welch märchenhafter Name, der auf jedem Kindergesicht ein freudiges Lächeln hervorzaubert! Unsere Bilder führen uns mitten hinein in das Alltagsleben der Sonnebergcr Hausindustriellen, die sich den größten Theil des Jahres mit der Herstellung der Weihnachtspuppen, Spielzeuge und der Osterattrappn beschäftigen. Eine der wichtigsten Personen im ganzen Productionsprozeß zeigt unser erstes Bild: den Bossierer. An der Menge der vor ihm auf dcm Tisch aufgestellten Personen sehen wir sofort, daß v ".ot-.i ! I & -r j ii . in i riii : mfjfmrn finra - L Bfc. j srccßi.'rwy . SSftfcJfr!! tr-s. WiSr . .1 B e i m B o s f i r e r. er den ganzen Tag sich mit nichts anderem als derHerstellung von Puppenköpfen beschäftigt. Auf den Stühlen sehen wir die Gipsformen, in die die Puppenköpfe aus Papiermachee gedrückt, diejenigen aus Wachs gegossen werden. Diese zeichnen sich durch Schönheit, erstere durch Dauerhaftigkeit aus. Unserm biederen Meister, der sich mit Vorliebe Fabrikant" tituliren läßt, trotzdem seine Fabrik" Werkstätte und Wohnstube in sich vereinigt, ist in der fabrikmäßigen Fabrikation vonPorzellanpuppenköpfen eine bedrohliche Concurrenz entstanden. Nachdem wir gesehen, wie der wichtigste Theil der Puppe, der Kopf, hergestellt wird, begeben wir uns in die Puppenbälgefabrik, in der die Puppenleiber angefertigt werden. Für bessere Waare werden die Leiber aus Leder zusammengenäht und dann mit Sägemehl oder Holzwolle vollgestopft, für billigere Waare benutzt man Leinwand oder Baumwolle als Umhüllung und Stroh als Füllsel. Der Aufenthalt in diesen Räumen, die schon eher den Namen Fabrik verdienen, ist weit angenehmer, da wir hier nicht von iiner überhitzten und verdorbenen Luft belästigt werden wie in der Werkstätte des Bossirers. Leimen wir auf den Puppenleib den vom Bossirer bezögenen Kopf und ziehen wir der Puppe rasch ein Hemdchen, Schuhe und Strümpfe an, so ist der Täufling" AnfertigungderLeiber. fertig. Dieser wird als halbfertiges Product auf den Markt gebracht. Er hat namentlich bei jenen feinsinnigen Müttern, die durch die Anfertigung der Puppenkleidchen eine enge persönliche Verbindung mit dem Spielzeug des Kindes erstreben, großen Anklang gefunden. Doch in unserer rastlosen 3t herrscht das Bestreben vor. geAnkleiden. brauchsfertige Waare zu erhalten. Deshalb lenken wir unsere Schritte weiter nach der Flickstube", wo von emsigen, Tag und Nacht nicht rastenden Frauenhänden die Puppenkleidchen hergestellt werden. Der Prozeß ist seh? einfach, aber bis ins einzelnste durch Arbeitstheilung gegliedert. Aus der Zuschneidewerkstätte beziehen die Heimarbeiterinnen die zugeschnittenen Stoffe für 12 Dutzend Kleidchen auf einmal. Nun wird dieselbe Naht auf einmal an dem ganzen Dutzend angebracht, so daß das ganze Dutzend aneinanderhängt. So wiederholt es sich Naht für Naht durch das ganze Tutzend hindurch, bis ein Dutzend Kleidchen auf einmal fertig gestellt ist. Für die übrigen elf Dutzend wiederholt sich derselbe Vorgang in ewigem Einerlei vom frühen Morgen bis in die späte Nacht hinein. Andere Mädchen nehmen die Kleidchen in Empfang und ziehen sie den Puppen an. Diese selber wieder oder auch andere Arbeiterinnen, die Einbindmädchen", verpacken die nun gebrauchs- und marktfertige Waare, die danach ihre Reise selbst bis über den atlantischen Ocean antreten kann. Ein anderes Bild zeigt uns die Vielseitigkeit einer Sonneberger Pelzthierchenfabrik und zugleich ihr gesammtes Arbeitspersonal. Fast alle zahmen und zähmbaren Thiere sind hier vertreten. In unsecek flottenbegeisterten Ze't hat natürlich der Schiffsbau en . miniature unter dem alten ehrlichen Titel des Schiffmachers" einen neuen, ungeahnten Aufschwung aenommen.

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Der Schiffmacher verarbeitet das gleiche Material, das zu den Gelenken der besserenPuppen verwendet wird, nämlich Holz. Diese leinindustrien. die außerdem noch kleine Wägelchen, Croquets, Kegelspiele u. deral. herstellen.

m : Ä K M. V 1. I r-l. '.-' . "WWN Araih , WZ T h i e r fa b r i k. Yavcn ihren naturlichen Sitz in den weltentlegencn Walddörfern des Sonneberger Hinterlandes". Da spielen nun die Lieferfrauen und Liefcrmädeben, denen man zu jeder Tageszeit auf allen Straßen Sonnebergs und seiner Umgebung mit ihren "riesigen Körben auf dem Rücken begegnet, eine sehr wichtige Rolle: sie sind die VerMittlerinnen des Verkehrs von Ort p Ort und von Werkstätte zu Werkstätt'e. Mit der heitersten Miene legen sie mit ihrer schweren Last auf dem Rücken bergauf, bergab ihren Weg auf den schönen Pfaden des Thüringer Waldes zurück. Adam und Sva. -jamm ! ftfAMaftrtrli. ..x tir .r: Vli. Weihnachten für die Thtere. In Schweden herrscht die schöne Sitte, auch die Thiere an der Weihnachtsfreude theilnehmen zu lassen. Wohl, die Thiere wissen nichts vom Weihnachtsfeste; für die Spender sind aber diese Gaben ein ehrenwertbes Zeugniß, wo alle Menschen sich freuen, sollen auch die Thiere ihren Antheil an der allgemeinen Freude haben. Die Feier des Festes erstreckt sich dort über ein bis zwei Wochen; am Abend vor dem Feste werden in Feld und Wald auf Pfählen volle Garben gestellt, als Weihnachtsgabe für die wilden Thiere und diese Gaben werden während der Festzeit stets erneuert. Im Stall werden die Krippen mit einer Ertragabe vom besten Futter zu jeder Futterzeit aefüllt während der Festtage, Erlösung Von Marie Madeline. Es ist der bösen Träume Blüth Zerstoben wie ein Nebelschleier. Seit deine Liebe mich umglüht Mit ihrem stillen, reinen Feuer. Wie ward mein junges Leben klar! O diese tiefen Seljgkeiten, Seit über mein verwirrtes Haar Mir deine liebe Hände gleiten! Seit du mit reifem Mannesgeist In festgefügte, hohe Schranken So liebevoll zu bannen weißt Die allzu stürmischen Gedanken! Du nahmst von mir der Sehnsucht Last, Du nahmst mit lächelndem Erbarmen Mein Jugendweh nun halt ich Rast An seiner Brust, in deinen Armen! O Märchenglück, das uns umfängt In diesen langen Herbstesnächten. Wenn heiß dein Mund an meinem hängt Und deine Arme mich umflechten. Indeß ein einziger blasser Stern Verstohlen durch das Fenster sieht Und flüsternd singt das Meer uns fern Ein Schlummerlied. . . Todt: Von Ernst EtauS. Wie sich zweie geherzt Wie sich zweie geküßt In wonnigen Frühlingstagen, Die glänzende Linde am Waldesbach, Die Linde kann davon sagen; Sie hat uns Schatten gespendet, Vor fremden Blicken geschützt. Ich hab' einen lieben Namen In ihre Rinde geschnitzt. Nun ist es Herbst; und ich stehe allein Allein bei der zitternden Linde. Mein Auge blickt starr und thränenlos Wisfi Wnnifn hnrt tn tr Ninde. ' liwi v 4 . v w i t i v Den Wald durchzieht ein Sterben k Es senkt sich still die Nacht Und unter deinen Namen Hab' ich ein Kreuz gemacht. . . Spruch. Wo Vnd're staunend stille steh'n, Er geht vorbei, läßt 's ungeseh'n. Er findet kein Wunder wunderbar Natürlich, -dem Dummkopf ift AlleS klar.

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Lvelynai... w Holland. Der nüchterne Sinn der Holländer hat in der Weihnachtsfeier nicht die weihevolle Bedeutung zu entwickele vermocht, welche das Fest im deutschen Volksleben gewonnen ht. Ein Fest, das nebei? gegenseitiger Beschentung auch imUrsprunge dem deutschen Weih, nachten entspricht, feiert in Holland Alt und Jung am Nicolausabend, am 5. December. Da in den germanischen Völkern der alte Götterglaube noch lange nachlebte, deuteten die menschenkundigen Priester die eingewurzelten Naturfeste im Sinne der christlichen Ueberlieferung um. Im December, wo, nachdem die kürzesten Tage vor. über, die Natur gleichsam wieder aus dem Todtenschlafe erwacht, reitet Wodan, der Segenspender, durch die Fluren, begleitet von dem treuen Eckart; die Kirche setzte an seine Ttelle den beiligen Nicolaus mit seinem Knecht. Noch heutzutage legt die holländische Jugend für den Schnnmel des frommen Bischofs Stroh in Schuhe, ähnlich wie in Friesland, wo der Bauer einen Büschel Kern auf dem Felde stehen läßt für das Roß des Blitzgottes. Wenn sich der heidnische Glaube Wodan als Wunscbgott mit zauberkräftigem Mantel vorstellte, so hüllte auch die christliche Mvtbe Sanct Nicolaus. den Wunschheiligen, in wallendes Gewand, dessen rothe Farbe Donar, dem roßhaariqen Donnergott?, entlehnt ist. Auch die beim holländisehen Nicolausfeste üblichen Backwerke, platte, Hartgebackene Figuren, erinnern an die germanische Vorzeit, u. A. der Hahn an Wodan, der Eber und dasRad an Fro, den Sonnengott. Märchen und Wirkllchfeit.

Es war vor etwa 4O Jahren, wenige Tage nach Weihnachten. Der berühmte Germanist Professor Jacob Grimm arbeitete in seinem Studirzimmer. als es descheidentlich an seine Thür klopfte. Ein kleines Mädchen trat ein und machte einen säuberlichen Knix. Bist Du der Herr Grimm?" fragte sie. Jawohl," war die Antwort, so heiße ich." ..Bist Du der Herr Grimm, der die schönen Märchen geschrieben hat, die ich zu Weihnachten bekommen habe?" Ja," antwortete Grimm lächelnd, die habe ich mit meinem Bruber Wilhelm zusammen geschrieben .Tann hast Tu wohl auch das Märchen geschrieben von dem klugen Schneiderlein?" fragte die Kleine weiter. Der Gelehrte bestätigte es. .Dann bin ich Dir einen Thaler schulig." sagte das Kind, .denn unter dem Märchen steht: wer's nicht glaubt, zahlt einen Thaler! und ich glaube die Geschichte nicht. Aber ich kann Dir heute nur vier Groschen aeben, mehr habe ich nicht in meiner Sparbüchse, ich will Dir bald mehr bringen." Da lachte Grimm herzlich, nahm die vier Groschen des Mädchens an und ließ sie heimgehen. Durch seinen Diener schickte er aber die vier Groschen an des Kindes Mutter und einen Thaler oazu für die Sparbüchse, denn solche kindliche Aufrichtigkeit war ihm noch nicht vorgekommen. Die Reise um die Wett. Er war der einzige Sohn, der Augapfel der Eltern, und namentlich der Mutter. Nach vielen Mißerfolgen hatte er es schließlich durchgesetzt, daß er eine Reise um dieWelt machen durfte. Dies war der Inbegriff aller seiner Wünsche. Herzzerreißend war der Abschied! Nachdem aber immer gute, sehr vergnügte Nachrichten einliefen, wurde es der guten Mutter immer leichter ums Herz. Endlich nahte auch die Zeit seiner Heimkehr; da entwickelte sich nun in der stattlichen Villa ein reges Leben und die Mutter bereitete alles vor zum würdigen Empfang des heißgeliebten Sohnes. Ihre penible Reinlichkeit und ihre Ordnungsliebe waren sprichwörtlich geworden. So viel Schönes und Herrliches er auch gesehen haben mochte, dieseAccuratesse, wie im elterlichen Hause, sollte er och nirgends auf der ganzen Reise irgendwo gefunden haben. Das war ihr Stolz! - Die Stunde seiner Ankunft ließ er unbestimmt; er wollte seine lieben Eltern überraschen. Er ging deshalb. als er glücklich angekommen war. vom Bahnhof zu Fuß den ihm wohlbekannten stillen Fußweg zu der elterlichen Villa. Während drinnen ein treues Mutterherz voll freudiger Sehnsucht seiner wartete, war er nicht minder bewegt und ergriffen, und erfreut, wieder in seinem Heim glücklich angelangt zu sein. Ungesehen erreicht er das Portal; er stürmt die mit kostbaren Matten belegten Marmorstufen hinan. Das Mutterherz mußte seine Nähe schon gefühlt haben, denn als er kaum die Hälfte der Stufen hinausgeeilt war. stürzt Mama ihm von oben mit ausgebreiteten Armen entgegen, streift mit den Augen seine Füße und ruft: Hast Du auch Deine Stiefel unten gut abgeputzt?" A u ch e i n e A u s s t ch t. Klet. ne Tochter: Acama. bekomme ich, wenn ich sehr artig gewesen bin. nachher auch 10 Cents?" Mutter: Ja, mein Kind, und was wirst Tu damit anfangen?" Kleine Tochter: Ich will sparen; Edgar sagt, er wird mich heirathen, wenn ich viel Geld babe!" K oft spielige Solidität. Er: Jetzt bin ich bereits acht Abende zu Hause geblieben, ich bin es schon ganz gewöhnt, und freue mich sogar wieder auf meinen Thee heute Abend, aber nicht wahr, liebe Karoline, eine Flasche Cognac mußt Du wieder besorgen Sie: Wie. die ganze Flasche Cognac ist schon alle? Na höre, "da gehe Du lieber wieder in Deine Kneipe!"

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