Indiana Tribüne, Volume 24, Number 90, Indianapolis, Marion County, 16 December 1900 — Page 2

iww . Fndiana Tribüne, Sonntag, 16 Tcccmvcr 1900.

Wärmender Schmuck.

' Zu den Liebhabereien, den vorner) men Passionen", die sich der reiche Mann erlauben darf, gehören oft die curiosesten Dinge. So schwärmte man einmal für kostbare Scknupftabakdosen und Nürnberger Eier" oder samHielte pietätvoll alte (unter uns gesagt, oft recht geschmacklose) Fayence. Höher steht das Sammeln von Gemälden, ein edler, aber sehr kostspieliger Sport. Nicht nur auserlesener Geschmack, Zünstlerisches Verständniß, klingender Mammon, auch das. was man poetisch mit einem Riecher" bezeichnet, gehört dazu. Em nicht übler Svort ist auch das Sammeln von Edelsteinen, wie es der Schah von Persien und einige andere morgenländische Fürstlichkeiten betreiben. Wer seine EdelPeinsammlung gleich mit einem Kohinur", dem berühmteften aller Diamanten, beginnen könnte! Seine Geschichte ist ein interessanter Roman, wie die Geschichte aller Schönheiten. Auch der Ciloto", der die Spitze des russischen Kaiserscepters schmückt, ist ein ganz ansehnlicher Diamant von 194 Karat. Solche mythenhafte Edelsteinschätze zu besitzen, kann höchstens der Traum von Dichtern sein. Aber es gibt Schmucksachen, die fast noch schöner als diese immerhin kalt funkelnden Steine find. Schmucksachen, die Leben. Wärme und ebenfalls Farben von nobelstem Reiz haben, und in deren Besitz sich euch Nichtkrösuffe setzen können die schon im Alterthum hochgeschätzten, oft lit ungeheuren Preisen bezahlten und gerade in unserer jüngsten Wintermode Ivieder so beliebten Rauchwaaren. Es ist etwas Herrliches um einen reichen schmiegsamen Zobelpelz, dessen wie mattes Silber flimmernde Haarspitzen durch den Hauch eines Kindes in BeIvegung gebracht werden können, und dir doch so unverwüstlich ist. daß er Generationen überdauert. Das ist etvas Lebendiges, das schmeichelnd den Zeörper umschmiegt, seine Wärme annimmt und m wunderbarer WechselWirkung zurückgibt. Neulich war in Paris ein mit russischem Zobel besetztes Eostüm ausgestellt, das die Kleinigkeit von 75,000 Francs kostete, ein Zeichen dafür, daß es noch Kenner und Liebhaber des edlen Raucknxrks gibt. Meistens trifft man auf diesem Gediete unter den Käufern, wie man das jetzt bei den Wintereinkäufen wieder beobachten kann, vollständige Laien. Sie unterscheiden weiße Kaninchenfelle nicht von echtem Hermelin, Affenfelle nicht von Ziegenfellen. Sealskin nicht vom Bisam. Daß viele Damen an den irdischen Ueberresten eines Dachkaters tfire Hände erwärmen, der mit dem Nerz in durchaus keinem Verwandtschaftsverhältniß steht, ahnen sie oft nicht. Elegante Frauen, die manchmal von Edelsteinen funkeln, zögern, wenn es gilt, ihr Kleid mit echtem Krimmer besetzen zu lassen. Statt sein wird Plüsch verwendet. Und doch laßt sich bei der Ausstattung einer wirklich vornehmen Dame das Pelzwerk nicht missen. Es ist seiner Weichheit, seiner Schmiegsamkeit, seiner diskreten Farbenstimmung wegen wie geschaffen, dem schönen Frauenleib als wirksame Folie zu dienen. Die Geschichte des Rauch- oder PelzWerks ist eine Wissenschaft wie jede andere. Es gibt eine ganze Literatur über die Gewinnung der kostbarsten Pelzarten, sowie über ihre Nutzbarmachung. Wenn der einsame Robbenfänger auf Beute auszieht und die sich sonnenden Thiere durch einen Schlag auf die Nase oder einen Schuß hingestreckt hat. ist nur der erste Schritt zur Gewinnung des kostbaren Sealskinpaletots gethan, in dem die vornehmeDame auf den Boulevards sich zeigen wird. ine lange Reihe von Vorgängen muß sich erst abwickeln, bevor die zwei oder drei Felle, die für einen Paletot nöthig sind, mit den übrigen hunderttausend, die zum Beispiel die Alaska Compagnie jährlich nach London schickt, in die Hände des Kürschners gelangen. Einer der bekanntesten und großartigsten Mittelpunkte des Pelzhandels ist NishNij Nowgorod. Es wäre jedem Dichter und Maler zu empfehlen, zwischen Juli und September dorthin zu reisen, um sich diesen ungeheuren Welt - Jahrmarkt mit seinem unbeschreiblichen Typenreichthum anzusehen. Den ersten Platz unter den vielerlei Erzeugnissen, die von dort aus in's Ausland gehen, wie z. B. Thee. Fische u. s. w.. nimmt der PelzHandel ein. Dorthin bringen die Tataren aus dem Innern Sibiriens ibre schönsten Hermelin?. Zobel und weißen Füchse, welche dann von bin GroßHändlern erworben und weiter verkauft werden. Abfuhr. Baron: Denn sehen Sie. meine Gnädige, wir Adelige sind doch aus einem ganz besonderen Stoff!" Dame: Ja. Sie machen wirklich einen ganz besonders stoffligen Eindruck !" ErfteSorge. Gatte: Aber, liebes Weibchen, wie mußt Du gelaufen sein? Du bist ja ordentlich violett im Gesiebt." Gattin: Mein Gott, wie wird das zu meinem blauen Hut Passeo!-.. Modern. Madame: Unv noch eins. Ich will nichts dagegen einwenden, daß Sie einen Geliebten haben, aber ich dulde es nicht, daß derselbe öfters in's Haus kommt!" Bonne: .Oh da können Madame ganz beruhigt sein. Ich wechsele sehr oft!" Verblümt. Mann (empört): Tenke Dir. eben erfahre ich, daß sich unser Sohn und die Nachbarstochtsr jeden Abend im Garten treffen!" Frau (lächelnd): Haben wir's besser gemacht, Arthur?" Mann: Na eben; ich wollte aber jetzt, daß mich mein Vater damals jeden Abend durch" geprügelt hätte!-

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Tcr Fremdenführer. ?on ?r. H. y. Mein freund, der Referendar Wlgand, hatte sich verlobt. Ich hielt die Anzeige in der Hand und starrte sie an mit jenem au lleberraschung und freudiger zuweilen auch mitleidiger Theilnahme gemischten Gefühle, des man beim Erhalten von Familienncrfcridjien zu empfinden pflegt. So ein Duckmäuser! Keine Silbe hatte er dciron verlauten lassen. Und aus S:uttgart ist die Braut ? Wie kommt er denn nach Stuttgart: Hat er denn in Tübingen studirt? Nein, doch nur in Jena und Leipzig! Das ist mir schleierhaft!" Sofort setze ich mich hin. um nach der kleinen Stadt im Altenburgischen. wo er seit seinem Examen wirkte", ein Gratulationsschreiben loszulassen. Dabei suchte ich durch einen Fragebogen nach dem Muster der (jurie quis, quill, ubi, quibus, auxiliis, CUT, quomodo, quanilo etwas Genaues über seine Liebste und die näheren Umstände ihrer Verlobung zu erfahren. Natürlich gelang es mir vorbei. Verlobte pflegen ja aufGratulationsbriefe nie zu antworten. Einige Zeit danach saß ick in Leipzig in meinem Junggesellenzimmer, als e i- :.n meine Thüre klopfte und der neu. verlobte Referendar eintrat. Windscheid ! Du?" rief ich erfreut. (Wir nannten ibn so nach dem berühmten Juristen, mit dem er die Eh hatte, die beiden ersten Buchstben des Namens gemeinsam zu haben.) Das ist ja famos, daß Du mich besuchst! Aber nun sag mal " Nicht ein Wort sage ich. ehe Du mir nicht ein Glas Wasser und einen Cognac lieferst." rief er wüthend. Das ist ja geradezu eine Infamie, bei der Hitze drei Treppen hoch zu wohnend!" Na sei nur gut!" beruhigte ich ihn. Hätte ich gewußt, daß Du kommst, so hätte ich schon vorher eingeschänkt. Ich kenne ja Deine Schwäche für diese Art Stärkung. Wird Dir das übrigens Deine Zukünftige erlauben?" Jawohl, das habe ich mir schon kontraktlich ausgemacht. Ach, sie thut mir ja alle zuliebe, sie ist ein Engel!" So? Das freut mich, daß Du nach drei Wochen Verlobung noch sc oenkst. Aber nun. bitte, erzähle: wo? wie? wann? wodurch? Ich bin sehr neugierig." Ja, es ist auch eine ganz spaßhaste Geschichte", erwiderte er. Also, um auf Deine Fragen zu antworten: Wo? hier in Leipzig. Wie? als Stu dent. Wodurch? durch meine Ortskenntnih. Wann? im vorletzten Semester. Du warst damals in Jena und erfuhrst infolgedessen nichts davon. Eines Tages hate ich mit zwei Alters- und Gesinnungsgenossen eine ernste Berathung abgehalten, deren Resultat war, dem lustigen Burschenleben endgültig Valet zu sagen, ein neues, lediglich der Arbeit gewidmetes Leben zu beg'nnen und im nächsten Semester in's Examen lu steigen. Der eine von uns war für einen so raschen Entschluß schwer zu gewinnen. Er machte seine alten Witze darüber: aus dem neuen Leben" würde doch nicht viel. Schon nach einigen Tagen hieß es gewöhnlich: vita nova brovis ent u. s. w. 'Schließlich aber willigte er ein unter der Bedingung, daß wir noch einen luftigen Abschiedstag seierten. Sein Antrag wurde angenommen und sofort ausgeführt. Es war in der That ein sehr, sehr lustiger Abschied. Als ich in den ersten Morgenstunden nach Hause kam. wartete meiner eine unangenehme Ueberraschung in Form einer Depesche meiner Tante: Komme morgen früh eventuell durch Leipzig. Erwarte mich um acht Uhr am Berliner Bahnhof." Ach dieses Eventuell" der guten Tante! Schon mindestens ein dutzendmal hatte sie mich mit ihren eventuellen Durchkünften" an die Bahn gelockt und meistentheils war sie nicht gekommen. Statt bis zu Mittag, wie ich hoffte, meinen Rausch verschlafen zu können, sollte ich nach vier Stunden Schlaf mitten in der Nacht" wieder 'raus. Abscheulich! Aber wenn ich nicht ging und die reiche Erbtante beleidigte, lud ich den Fluch meiner ganzen Familie auf mich. Es half also nichts! Halb acht begann der Wecker zu lärmen und ich sprang mit einem Fluch aus den Federn. Himmel. der Brummschädel! Und das verkaterte Gesicht! Na die Tante mußte ja ihre helle Freude an mir lhaben. Draußen regnete es. O weh! da dachte ich daran, daß ich vergangene Nacht mit meinem Regenschirm geg.m einen Laternenpfahl so energisch Säbel gefochten hatte, daß ich plötzlich nur noch den Griff des Schirmes in der Hand hielt. Nun. so konnte ich eben keine guten Kleider anziehen. Wozu auch! ein Gefühl der Wurstigkeit überkam mich. Mochte die Tante denken was sie wollte! Ich zog meinen grauen, ganz zerknitterten Ueberzieher an. der die Nacht, wie ich früh zu meinem Befremden bemerkte, in meinem Bette zugebracht hätte, setzte den Hut auf. den mehrere verdächtige Beulen und Flecke zierten, und zog los. Ich kam gerade an. als der Zug einfuhr. Nur wenige Reisende stiegen aus, die gute Tante natürlich nicht. Ich wartete noch eine Weile sie war wirklich nicht mitgekommen. Wüthend sah ich dem absahrenden Zuge nach und fluchte in mich hinein. Die Leute hatten sich schon wieder verlaufen, nur noch drei standen auf dem Bahnsteia ein Herr und zwei Damen. Mir schien es. als ob ; sie mich beobachteten, und ich blieb des- ; halb noch stehen. Plötzlich kam der j Herr auf mich zu und fragte mich in ' einen so selbstverständlichen Tone, als ob er voraussetzte, daß ich schor, auf , dte Frage gewartet hätte: Wir wV:t uns die Stadt ansehen, können Sie I uns führen?" Nur einen Augenblick stutzte ich. dann fuhr es mir durch den

Sinn: er hält Tim für etwas anderes als Du bist, vielleicht für eins der undeschäftigtcn Individuen, die sich vielleicht in der Nähe von Bahnhöfen ausloten und sich gern auf irgend eine Weise ein kleines Trinkgeld verdienen. Mit meinem verkaterten Gesicht, dem verdächtigen Hute und dem leidlich eleganten, aber zerknitterten Ueberzieher n.l.'chte ich wobl einem stellenlosen Kellner äknlich sehen. Schnell entschlossen willigte ich also ein. sie zu führen. Da es ziemlich weit zur Stadt ist. schlug ich vor. die Straßenbahn zu benützen. Dort stehen ja Droschken." sagte der Herr, wir wollen doch lieber damit fahren." Er winkte eine heran, und bedeutete mir: Sie setzen sich auf den Bock und sagen dem Kutscher, wobin er fahren soll." verteufelt! auf den Bock! An die Möglichkeit hatte ich nicht gedacht. Das war fatal! Aber nun hatte ich das Abenteuer einmal angefangen, also hinauf! Ich schlug den Kmgen hoch, drückte den Hut in die Stirn und hoffte im übrigen, daß die Aufmerksamkeit etwaiger Bekannten sich nur auf die hinter mir sitzenden Personen richten würde. Die eine davon, die Tochter, verdiente sie auch im vollsten Maße: eine schlanke Blondine mit einem hübschen, sanften Gesicht und wunderbaren dunklen Augen. Du weißt, wie ich für Blondinen mit dunklen Augen schwärme, und nun mußte ich zu einer der reizendsten ihrer Art in so fatale Beziehungen treten als eine Art fremdenführender Dienstmann. Ich gab jedoch die Hoffnung nicht auf, daß die Sache noch eine interessante Wendung nehmen würde. Vorläufig benützte ich jede Gelegenheit. mich umzuwenden und den Herrschaften Aufklärungen zu geben über die feitwärts liegenden Vorstädte Gohlis und das gosenspendende Eutritzsch. In der Stadt dirigirte ich den Kutscher sofort in das etwas abgelegene GeWandhausviertel, wo die Gefahr, von Kommilitonen gesehen zu werden, nicht so groß war. Dort ließ ich sie das Reichsgericht bewundern, die Villenstraße, genannt Protzendorf, das Gewandhaus, die Bibliothek. Natürlich wurde auch das Innere dieser Gebäude besichtigt, und hier erwies ich mich erst als eine wahre Perle von Führer, denn ich wußte in vieler Hinsicht mehr als die Portiers, die uns umherführten. Zuweilen, wenn ich recht in's Rede gekommen war, besonders im Reichsgerichte, wo mir verschiedene juristische Fachausdrücke entschlüpften, bemerkte ich wohl, daß mich die Herrschaften etwas erstaunt anssahen. Äber ein etwa aufkeimender Verdacht wurde durch einen Blick auf meinen Hut schnell wieder erstickt, und auf ihren Gesichtern konnte ich deutlich den Gedanken lesen: der Mann muß einmal bessere Tage gesehen haben. Im Gewandhause, wo ich auch musikhistorische Kenntnisse verrieth, sagte der alte Herr aner5mnend: Sie scheinen eine ganz nette Bildung zu haben!" worauf ich geistreich erwiderte: Ach bitte, das macht die Uebung!" Die Besichtigungen hatten uns ziemlich lange Zeit gekostet. Als ich nun vorschlug, noch die Universität, Theater und Museum anzusehen, protestirte der Vater: er wäre jetzt müde, hungrig und durstig, wollte in ein Hotel gehen um zu frühstücken und auszuruhen, und wenn es noch etwas sehenswerthes gäbe, so hätten sie dazu Nachmittags Zeit; ich könnte ja dann wiederkommen. Daraus zog er sein Portemonnaie: Wieviel bekommen Sie?" Ich fand es jetzt an der Zeit, die Maske fallen zu lassen. Einen Schritt zurücktretend sagte ich im Tone milden Vorwurfes: Ich bitte Sie, mein Herr, Sie glauben doch nicht im Ernst, daß ich Geld annehme?" Er sah mich überrascht an. dann fragte er etwas unsicher: Ja erlauben Sie, sind Sie denn kein Fremdenführer?" Von Beruf nicht," erwiderte ich lachend; da ich aber feit fünf Semestern hier studire, kenne ich die Stadt genügend, um gelegentlich einmal Führerdienste zu thun. Heute war mir das ein besonderes Vergnügen!" Du, die Gesichter hättest Du sehen sollen! Und dann die Entschuldigungen! Zwar gelang es mir. die Sache in's Lächerliche zu ziehen, aber trotzdem schien sie dem Herrn Zeller wir hatten uns nunmehr einander vorgestellt doch etwas unangenehm zu fein. Er wollte nun durchaus, daß ich mit in's Hotel käme, um mit ihnen zu frühstücken. Das paßte mir aber gar nicht, da ich. verkatert wie ich war. nicht die geringste Neigung zum Essen, sondern nur zum Schlafen hatte. Ich entschuldigte mich damit, daß ich so nicht mitkommen könnte, sondern mich mindestens erst umziehen müßte. Das leuchtete ihnen auch ein, ja die Thatsache, die sie aus meinen Worten entnehmen mußten. daß ich mich noch eines anderen besseren Gewandes rühmen konnte, schien auf sie einen tröstlichen Eindruck zu machen. So wurde ich denn entlassen, nachdem ich bestimmt versprochen hatte, zu Mittag ihr Gast zu sein. Zu Hause schlief ich zwei Stunden wie ein Todter. Als ich dann erwachte, war mein Befinden reckt befriedigend. Schnell warf ich mich nun in den schwarzen Anzug, legte die Couleur an. die ich als altes Semester nur noch selten trug, und begab nich in's Hotel. Die Familie Zeller bemerkte meine Umwandlung mit freudiger Genugthuung. und als ich den Damen gar einige unterwegs gekaufteBlumen überreichte, da hatte ich gewonnenes Spiel. Das Mittagessen nota bene mit Sekt verlief äußerst lustig und unser heiteres Abenteuer wurde reichlich belacht. Auch das Mißverständniß ward jetzt vollständig aufgeklärt. Sie befanden sich auf der Rückreise von Berlin, wo sie sich einige Wochen aufgehalten hatten, nach Stuttgart, und wollten in Leipzig nur bis zum Abend bleiben. Unter-

Wegs hatte sich Papa in einem kleinen Reisehandbuche, das er bei sich hatte, über Leipzig orientiren wollen. , Da fand er denn einige knappe Notizen und die Bemerkung: Führer durch Leipzig am Bahnhofe. Und sehen Sie." schloß er, da Sie heute morgen etwas etwas" heruntergekommen aussahen " ergänzte ich. Na, so kräftig wollt? ich es nicht ausdrücken. Aber meinetwegen. Also darum hielt ich Sie für solch einen Führer." 3ch glaube. Herr Zeller." sagte ich, damit ist überhaupt etwas ganz anderes gemeint. Führer durch Leipzig" heißen die kleinen Bücher, die es in Buchhandlungen und an Bahnhöfen gibt, und die eine kurze Beschreibung der Stadt und ihrer Umgebung erhalten." Der alte Herr sah mich ganz verblüfft an, während die beiden Damen in ein lustiges Gelächter ausbrachen. Hm! Sie können recht haben." sagte er dann. Daran habe ich allerdings nicht gedacht. Na. irren ist menschlich. Uebrigens war es ganz schlau von mir. denn der lebende Führer hat uns vielleicht besser bedient als ein gedruckter." Ich widmete mich de7. Herrschaften noch den ganzen Tag und verstand es. mit der Geschicklichkeit, die man sich als älterer Student allmählich angeeignet hat. mich immer wieder an die Seite der jungen Dame zu schlangeln, die nicht nur hübsch, sondern auch klug und liebenswürdig war und von deren Lippen der schwäbische Dialekt ganz reizend klang. Als sie abfuhr, fühlte ich, daß sie mindestens die Hälfte meines Herzens mit sich nahm. Das war der Anfang unserer Bekanntschaft. Nach acht Tagen bekam ich ein Packet, das (inen wunderhübschen Bierkrug enthielt. Auf dem Deckel stand das geistvolle Verschen: Wenn einer einen Führer hat, So kann er nicht verderben, Am wenigsten wenn Bier er hat, Zu füllen diesen Scherben. In dem beiliegenden Briefe erklärten Mutter und Tochter feierlich, daß sie an dieser furchtbaren Dichtung unschuldig seien, während Papa sich mit bescheidenem Stolze als Verfasser bekannte und sich besonders auf den Reim Führer hat Bier er hat" viel zu gute that. Hieran schloß sich ein regelmäßiger, reizender Briefwechsel mit der Tochter, der hübschen Marie, und als ich nach meinem Eramen eine Erholungsreise" nach dem Schwarzwalde unternahm, wobei ich jedoch in Stuttgart definitiv hängen blieb, da waren eigentlich die Präliminarien schon erledigt und wir hatten nur noch die Schlußscene: Umarmung Kuß Segen, aufzuführen. Sie ging glatt von statten und so bin ich denn glücklicher Bräutigam. Ach und wie glücklich! Ich sage Dir, sie ist " Er suchte nach Worten, verdrehte die Augen nach der Zimmerdecke zu und machte mit der Hand eine pathetische Bewegung nach der Magengegend, wo er jedenfalls sein Herz vermuthete. Da aber die Geste auch auf Magenschmerz gedeutet werden konnte, stellte ich die Cognacflasche vor ihn hin: Noch ein Gläschen gefällig?" Sofort schwand seine gehobene Stimmung, was mir sehr lieb war; denn einem Junggesellen. der sich etwas vereinsamt fühlt, ist nichts fataler, als wenn ihm ein anderer von seiner Braut vorschwärmt. Beleidigt trank mein Freund den Cognac und sagte: Ich gebe Dir den Rath, nimm Dir ein Beispiel an mir. dann wirst Du auch glücklich werden." Ich will es versuchen." erwiderte ich wehmüthig, von morgen ab werde ich mich täglich zwei Stunden lang auf einem der Bahnhöfe aufhalten. Vielleicht findet sich auch für mich ein hübsches Mädel, das mich als Führer durch Leipzig und im Anschluß daran als Führer durch's Leben engagirt." Unschuldig.

Novelle ron Zottan Ambrus. Herr Huber ging Sonntags mit seinen Kindern spazieren. Da? waren: ein magerer kleiner Knabe, der ernsthaft durch seine Brille sah und einem zusammengeschrumpften, alten Mannchen ähnelte, und ein schmächtiges, zehnjähriges Mädchen, das mit solchem Interesse die Gasse musterte, als bätt? es einen Anspruch auf diese schöne Welt. Das arme Kind wußte nicht, daß ihr Vater zu jenen Deklassirtcn gehöre, welche die Menschen moralisch Todte" nennen, daß auch sie zu den Ausgestoßenen zähle, und daß ihrer nur das stille Leben der kleinsten Leute, das Leben der Entsagung und Demüthigung harrte. Es war ein kalter trockener Winiertag. der Schnee glitzerte auf den Dächern und knarrte unter den Füßen. Das Knäblein stolperte mit winzigen Schritten vorwärts und sah traurig auf den von glänzenden Eiskrystalln weißlich schimmernden Weg. als ihnte es. oa.ß jeder Schritt es der Trübsal nähek'örächte. Das Mädchen piepste beständig vor sich hin, wie ein kleiner gelbschnäbeliger Sperling, und Herr Huber war in Gedanken versunken. Vincenz ist acht Jahre alt. Malwinchen zählt deren schon zehn." sag:er sich, nicht lange, und sie werden Alles erfahren!" Aber ein angenehmer Anblick entriß ihn seinen Träumereien. Vincenz! Malwinchen!" rief er seinen Kindern zu, da kommt der hochgeborene Herr Baron Borenbukk. Grüßet ihn recht artig, wie es sich für wohlerzogene Kinder schickt!" In der That kam ihnen ein Nilpferdähnliches menschliches Wesen mit .'inem prachtvollen Pelze entgegen. Es schnaufte gewaltig, und man konnte lhm ansehen, wie zornig er über das Asthma war, das sogar ihn. den mächtiaen Oerrn eineö Vermögens von

zwanzig Millionen hatte unterkriegen können. Der Geldsack näherte sich schweren Schrittes. Als er ganz nahe war. nahm Vincenz den Hut ab. Malwinchen knirte und Herr Huber begrüßte den Gutsbesitzer mit Ehrerbietung. Baron Borenbukk empfing herablassend den Gruß der Gruppe und lüftete den Hut. (r sprach nichts, aber auf seiiAn Gesichte, das den trüben Auödruck einer kranken Kuh zeigte, war entschiedenes Wohlwollen zu lesen. Dann ging er weiter. Herrn Huber durchlief es wie angcnehme Wärme. Baron Borenbukk. der größte Herr im ganzen Komitat. hatte seinen bescheidenen Gruß wieder freundlich, ja mit ausgesprochener Herzlichkeit aufgenommen und erwidert! Und es war gar nicht ausgeschlössen, daß Baron Borenbukk. der doch in früheren Jahren überall herumgekommen war, damals auch von seiner Angelegenheit gehört hatte! Und dennoch grüßte ihn Baron Borebukk nun schon zum hundertsten Male, immer. immer wieder. So hatte Huöer seine Sonntagsfreude. Denn tigern lich schlenderte er nur deshalb jeden Sonntag Vormittag in jener Gegend umher, damit er Gelegenheit fände, Baron Borenbukk auf seinem hygienischen Spaziergange zu begegnen und mit ihm Grüße zu tauschen, um dann, der freudigen Erinnerung an jenes Lüften desHutes voll, wieder die nächstwöchentliche Begegnung mit bangendem Herzen zu erwarten Dem Baron Borenbu.kl wurden allerlei Schlechtigkeiten nachgesagt. Man behauptete, er habe sich an der Armenpflege bereichert, und es sei überall dort in der Armee, wo er die Lebensmittel zu liefern gehabt, unter denSoldaten der Typhus ausgebrochen. Herr Huber glaubte aber kein Wort von diesen Geschichten. Wie, dieser gutmüthige, freundliche Mann sollte sich vom Elende armer Soldaten gemästet haben? Welche Verleumdung! Es war Herrn Huber nicht bestimmt, an jenem Sonntage seine gewohnte Freude ungetrübt zu genießen. Die Familie war schon auf dem Heimwege begriffen, als auf der zum Bahnhöfe führenden Straße plötzlich die Gestalt des Stuhlrichters auftauchte. Herr Huber blickte schnell seitwärts; eine jähe Nöthe überzog sein sonst fahles Gesicht. Der Stuhlrichter schritt pieisend an ihm vorüber, und Herr Hubcr ließ den Kopf hängen. Schon seit fünf Jahren grüßten sie einander nicht. Der Stuhlrichter war einmal nach der Hauptstadt gefahren, und nach seiner Rückkehr schien es Herrn Huber. als ob der Würdenträger seinen bescheidenen Gruß nicht mehr bemerken wollte. Gkmiß hatte er in der Hauptstadt tl 'oal gehört! Wie seltsam, daß es Lcuie gab, die sich noch immer mit seiner unglücklichen Angelegenheit befaßten! Wer sie wohl sein mochten? Uebrigens war es nicht ausgeschlossen, daß ein Zufall im Spiele war. Vielleicht hatte der Stuhlrichter das einemal wirklich Herrn Huber übersehen und weiter an ihn nicht gedacht. Aber Hubei wagte es später nicht mehr, lhn zu grüßen, und so sahen sie einander nicht mehr an. Als sie heimkamen in das warme Zimmer, begann der kleine Jung? zu husten. Herr Huber hörte die heiseren Töne nicht, er hatte nur einen Gedan ken: Vincenz ist acht Jahre alt. Malwinchen schon zehn. Wie lange noch und sie werden alles erfahren!" Es mochte wohl zwanzig 5Zahre her sein, daß unter Herrn Huoer'j? fanden ein Geldbrief verloren gegangen war. Herr Huber war damals bei dcr sögenannten fahrenden Post" gewesen. In einer ihm unvergeßlichen Nacht hatte er kchtzehn Geldbriefe übernommen und am Morgen konnte er nur siebzehn abliefern. Der Brief, der die größte Geldsumme enthielt, war spurlos verschwunden. Selbstverständlich wurde der Fall gründlich untersucht. Hubert erklärte, es müsse ein Irrthum obwalten. Allerdings habe er den Empfang von achtzehn Geldbriefen bestätigt, allein er habe, als er sie unmittelbar darauf nochmals nachgezählt habe, nur siebzehn gefunden, und so oft er auch gezählt habe es seien immer nur siebzehn geblieben. Der Expedient zuckte die Achseln. Er hatte alle achtzehn aufHubers Tisch gelegt. Herr Huber fühlte, daß er verloren war. Er verdächtigte insgeheim den Expedienten und der Expedient ihn. Der Schein war gegen 5)uber. Nach weitschweifiger Untersuchung wurde der Spruch gefällt, daß ein Diebftahl nicht nachgewiesen', werden könne. Huber wurde jedoch des Dienstes enthoben. Er überwand die erste Regung und erschoß sich nicht. War er doch unschuldig! Er nahm sich vor. den Leuten fest in's Auge zu schauen. Aber das war eine schwere Arbeit; nach und nach wurde er ihrer überdrüssig. Er fand wohl ein paar gute Menschen, die so thaten, als schämten sie sich seiner Bekanntschaft nicht, aber bald wurde ihm klar, daß er auch ihnen lästig nel. Wo hätte er sich verstecken sollen? Eine Zeit lang glaubte er. die große Stadt sei dazu am geeignetsten. Aber unerwartete Begegnungen in menschenleeren Seitengäßchen. wo Bekannte einander so schwer übersehen können, vcrtrieben ihn aus der Hauptstadt. Endlich eben begann man langsam die Angelegenheit zu vergessen nahm er zu einer kleinen Stadt seine Zuflucht. Es fand sich dort ein kleines Aemtchen für ihn und er machte sich daran, ein neues Leben zu beginnen. Niemand that ihm etwas zu Leid?, und er hätte ruhig leben können, wenn er nicht fortwährend Gespenster geselln hätte. Aber ein kaltes Wort, ein ungewohnter Blick genügte, um ihn zur Verzweiflung zu bringen. Jene Geringschätzung in der Bebandlnna. von der jeder

Mensch in bescheidener Stellung sein j Theil zu fühlen bekommt, versetzte ihn in Fieber. Er wagte nicht, sich Jemandem zu nähern, und der Fremde, der ;

ihn scheel antat), ahnte nicht, daß er damit ein Messer in dem stets bluten den Herzen des Unglücklichen umdrehte. Es gibt Arten des Elends, die man nur zu Zweien ertragen kann. In seiner Verzweiflung heirathete Herr Huber. Da er nichts Anderes besaß, das er hätte theilen können, kam er auf den thörichten Gedanken, seine Schmach mit ihr zu theilen. Sie starb bald. Leider nicht früh genug; das schmächtige Mädchen und der Knabe mit der Brille konnten sich noch dunkel ihrer erinnern. Eines Tages las Herr Huber in der Zeitung, daß in Pest seine Ehre gefunden worden sei. Beim Zerlegen eines ausrangirten PostWaggons hatte man in einer Spalte den vor zwanzig Iahren verlorenen Geldbrief eingeklemmt gefunden. Im Innern des Briefes befanden sich die vielen schönen, alten Banknoten: Johann Hubers vollständig makellose Ehre. Herrn Hubers Hand begann zu zittern, als er die Zeitung las, und während er mit umflorten Augen die letzten Worte der Notiz sich vorbuchstabirte. rannen zwei große, dicke Thränen seine bleichen Wangen entlang. Dann schrie er die Kinder an: Da ist die Rehabilitirung! Da ist die Genugthuung!" Die Kinder erschraken und begannen zu weinen. Am nächsten Tage erhielt er die amtliche Beglaubigung seiner Unschuld. Die Direktion richtete ein Schreiben an ihn, in welchem ste ihrem aufrichtigen Bedauern Ausdruck verlieh. Nach zwanzigjährigem Gekrümmtsein versuchte nun Herr Huber, sich gerade aufzurichten. Und wie er um sich sah. bemerkte er mit Staunen, daß die Welt sich ruhig weiter drehte. In Herrn Hubers kleinem Städtchen war keinerlei Veränderung wahrzunehmen. Die Einwohnerschaft gerieth nicht in Währung. Viele hatten die Zeitungsnotiz gänzlich übersehen, andere Mußten nicht, daß sie sich auf Huber beziehe. Um die Wiederherstellung seiner Ehre voll zu genießen, reiste Herr Huber in die Hauptstadt. Dort grüßte er alte Bekannte, welche ihn erstaunt ansahen. Sie erkannten ihn nicht, hatten seiner längst vergessen. Aber Herr Huber ruhte nicht und suchte seine ehemaligen College auf, die unterdessen in schöne Stellen vorgerückt waren; Hubers Anblick regte sie nicht sonderlich. Eine Viertelstunde lang plauderten sie mit ihm und boten ihm dicke Cigarren an. Dann wandten sie sich mit dem Tone der alten Vertraulichkeit an ihn: Jetzt aber, lieber Johann, wirst Tu mich entschuldigen. Ich habe viel zu thun, außerordentlich viel. Aber glaube mir, ich freue mich sehr!" Um sich für diese Täuschung zu entschädigen, rauchte Herr Huber die dicken Cigarren und ging in's Orpheum. Aber die Havanas verursachten ihm Kopfschmerzen, und er fand, daß daS Orpheum eine traurige Unterhaltung sei. Er sah ein. daß ihm nichts übrig blieb, als heimzukehren und dort fort zusetzen, wo er stehen geblieben war. . . . Als Herr Huber am nächsten Sonntag Baron Borenbrukk erblickte, weicher sich am Arme sein-; Arztes ihm näherte, nahm er gerührten und dankerfüllten Herzens seinen Hut ab und ermähnte wie gewöhnlich seine Kinder: Vincenz. Malwinchen. grüßet schön den Herrn Baron, wie es sich für woblerzogene Kinder schickt!" Aber mit berechtigtem Staunen mußte er sehen, daß Baron Borenbult nicht einmal den Hut berührte, und daß nur der Arzt den Gruß erwiderte. Während Herr Huber noch ganz bestürzt den Weiterschreitenden nachblickte, fragte Baon Borenbukk den Arzt: Nickt wahr, das ist der Kerl, der den Geldbrief gestoblen hat?" Der Arzt klärte ihn auf: C nein, der Arme bat nichts in der Welt aes:ohlen. Im Gegentheil, jetzt ist es bewiesen worden, daß man ibn damals ganz unschuldig verdächtigt hat." Ja. ja." sagte der Baron, ich hab' so was in den Zeitungen gelesen. Ist mir übrigens ganz gleichgiltig." Und er kämpfte weiter mit seinem Asthma Die Hans Zachs-Diiste. Humoreske von Ernst Konrad. In Meister Kautzke's Schusterkeller sah's wüst aus. Die paar sieben Sachen lagen und standen durcheinander, daß man kaum treten konnte. Und eine Laune hatte der Meister, daß der Lehrling Franz sofort hinter die Thüre flüchtete, wenn er auch nur auf seinem Dreibein sich zu ihm hindrehte. Der Meister war vom Umzugsfieber befallen. und das ist eine der schlimmsten Krankheiten unserer Zeit. Franz", commandirte er. in Reih' und Glied stellst Du die Stühle längs der Kellerthür. Wenn die Ziehleute kommen, brauchen sie nur anzufassen. Was sagst Du? Die Frau Meisterin will das nicht so haben? I. da soll doch gleich ..." er kroch mit erstaunlicher Behendigkeit von seinem Schusterfchemel und stolperte zwischen Bildern und Gardinensiangen bis zur Thür. Unterwegs stieß er auf seine Frau, welche mit einem mächtigen Schrubber bewaffnet war. Du bist noch hier, Louise? fragte er vorwurfsvoll. Du müßtest doch schon längst in der neuen Wohnung sein." Gut." erklärte die Meisterin kurz, .ich werde aeben. Aber dan Du mir nicht etwa ..." sie flüsterte ihm etwas anscheinend sehr Wichtiges in's Ohr. Und dann die Hans Sachsj Büste daß die mir gut in die Woh- ' nun kommt! Du weißt, 's ist .das

nnungsgeschenk zu Deinem Meisterjubiläum." ..Aber Mutter." betheuerte der Meister. Du weißt doch, wie mir die Büste unseres Kollegen an's Herz gewachsen ist." Kaum war die Meisterin um die nächste Straßenecke verschwunden, da rief der Meister auch schon: Franz!Na. was denn Meester fragte dev mit schlauem Lächeln. Hier, 'ne Mark! Holst drei große Weiße und für dreißig Pfennige Luft mit Rum!" befahl der Meister. Meister Kautzke stürzte sich nun mit Ernst und Eifer in den Umzugstrubel .wobei er allerdings nicht vergaß, seine Kehle kräftig anzufeuchten. so daß er sich in einer gewissen Erregung befand, als die Ziehleute endlich mit einer Stunde Verspätung ankamen. Es ist schon Alles parat." erklärte er. es braucht nur aufgeladen zu werden." Das wissen wir schon allein." meinte ver Anführer derZiehleute grob, so 'nen plundrigen Schusterkeller machen wir in 'ner Viertelstunde leer." So 'n Grobian," knurrte der Meister. Meinetwegen in zehn Minuten." fügte er laut hinzu, nur die Hans Sachs-Büste bleibt mir unberührt, die transportire ich selber." Ach was, Hans Sachs bin. Hans Sachs her," eiferte der Ziehmann, diese alte Gips-Klamotte wird 'raufgepackt, wo das andere Gerümpel auch hinkommt!" Damit langte er nach der Büste. Mit zornrothem Gesicht eilte der Meister hinzu. Die Büste bleibt unten." schrie er den Ziehmann an. Die Büste kommt rauf!" rief dieser und suchte den Meister von sich abzuwehren. Dieser aber stürzte sich von Neuem mit Wucht auf seinen Gegner, der in's Wanken gerieth, stolperte und . . . Hans Sachs. Hans Sachs." stammelte der Meister und suchte die Büste, die einen Augenblick frei in der Luft u schweben schien, zu erhäschen. Er griff aber fehl. Hans Sachs büßte die Nase an der Kellerwand ein. auf der ersten Treppenstufe verlor er den Kopf und zerschellte schließlich am Boden vollständig. Kladderadatsch!" lackte der Lehrling Franz schadenfroh und goß sich ein großes Glas Luft mit Rum ein

Ter Einfluß der Zfran. Die Frau braucht keine Gelehrte zu sein, braucht weder Philosophie nxtf Juristerei studirt zu baden, ja sie braucht nicht einmal hervorragende Geistesgaben zu besitzen. Aber sie mutz es verstehen, in den Herzen ihrer Licbenden zu lesen, muß sich weder Mühe noch Geduld verdrießen lassen, die geheimsten, leisesten Regungen der Seelen derer zu belauschen, die ihr anvertraut sind, sie muß ein offenes Aug' und Ohr haben für die tausend nichtigen Kleinigkeiten, die es vermögen, das Lechen im Hause ich sage nicht zu viel zum Himmel zu machen. Und dazu braucht sie ein warmes Herz, das mit den anderen fühlt, mit ihm leidet. Und sie braucht ein großes Herz, das nicht kleinlich für und wider, nicht Geben und Nehmen abwägt, sondern das vermag, Schwächen zu verzeihen, ihnen Rechnung zu tragen und sie durch Geduld und Nachsicht allmäliz zu überwinden. Solch ein warmes, großesHerz allein gibt das rechte Tat:gcfühl, das die Frau überall zum vermittelnden, versöhnenden, ausgleichenden Element, zur Seele des Hauses macht. Tie Klugheit, das Anvassungsvermögen der Frau ist in eruer Linie die Grundlage für das Glück der Ehe. Ter Mann hat seinen Beruf, der ihn zum großen Theil ausfüllt. Sorgen und Arbeit, geschäftliche Aergernisse stürmen auf ihn ein. Wohl ihm. wenn er heimkommt und eine kluge Frau findet, die Sinn und Verständniß für das hat, was sein Denken beschäftigt. Durch liebevolles Gedulden wird die kluge Gattin sich das rückhaltlose Vertrauen des Mannes erwerben, während taktloses Forschen, eindringliches Fragen. wohl gar kindliches Schmollen der thörichten Frau die köstliche Blüthe des Ehelebcns. eben das Vertrauen, im Keime erstickt. Kleine Eigenheiten und Schwächen, die wohl jeder Mann aus der Junggesellenzeit mit in die Ehe hinüberbringt, wird r:e kluge Frau nicht in blinder Anbetung übersehen und bedingungslos gut reißen, sie wird aber auch nicht, wie so manche unerfahrene junge F:au, sie als persönliche Beleidigung auffassen und ibrem Zorn und Aerger in cheltworien Luft machen. Dadurch zieht die Frau Zank und Streit und Hader im Hause groß. Nein, die kluge Frau wird dicseSchwächen im Bewußtsein der eigenen UnVollkommenheit mit Geduld ertragen, wird ihnen aber einen stetigen, unmerk lichen Widerstand entgegensetzen. Und sie wird in ihrem stillen Bemühen, in der heiligen Pflicht der Ebe. sich gegenseitig zu veredeln, die rechten Mittel und Wege finden, diese Fehler des anderen zu überwinden. Denn kein Mann ist im Stande, sich dem veredelnden Einflüsse einer klugen Frau zu emziehen. Auch ein Vergleich. Fremder: Ick möchte den Herrn Kom merzienrath in einer dringenden Angelegenheit sofort sprechen." Diener: Der Herr Kommerzienrath ist soeben beim Diner und da läßt er üch nich stören wie unser Tiras beim Fressen Schmeichelhaft. Cr Schauspieler: Mein alier Vater mich oft flehentlich gebeten. kein7 spieler zu werden." Zweiter spieler: Na. trösten Sie s College, Sie sind ja auch keir den!-

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