Indiana Tribüne, Volume 24, Number 82, Indianapolis, Marion County, 9 December 1900 — Page 2
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gndiana Tribüne, Sonntag, 9. Decemder 1900.
Metall in der Toilette. Bon g. Gratz. Je tiefer wir uns in die ferne SB gangenheit versenken, je mehr wir uns mit der Cultur jener Völker bekannt machen, d an der Wege des WenschengeschlechtS gestanden, desto mehr erkennen to'n die Einfeitigkeit Rserer Culturentnkelung. Während wir noch in Fellen gckieidet waren, fce blotzen Fße aus der Sandale ruhten, der Körver, von Wind und Wetter gestählt, dem Seelenleben freieste Entfal tung bot da Nervensystem als solches war allen so fremd wie unsere Gasöfen da hatte die astatischc Cultur ihren Höhepunkt längst überschritte. Was die Hellenen und nach ihnen die Nöme? auf die Germanen übertrugen, war nur der Abglanz jener Pracht, die wir um fo mehr anstaunen muffen, da jene ohne unsere technischen Hilfsmitteln vor den gleichen Resultaten standen, die aber den größeren künstlerischen Impuls für sich hatten. Was dr Geist des Einzelnen erdacht, was die Phantasie des Einzelnen er sonnen,brachte der Emzelne zur Ausführung, welcher wiederum über da edelste Material verfügte. Heute ist der Gedanke nur dem eventuellen NuKen, der Phantasie der maschinellen Ausführung verfallen. Das Material gesellt sich dem Verbrauch der Massen, der dem maschinellen Betrieb das Leben gibt, gleichwerthig zur eite. Der gröbere Geschmack klangt den metallischen Glanz für den Effekt. Der gröbere Geschmack verschmäht die Intimität der Wirkung aus innerem Werth, er sucht zu fesseln durch äußere Mittel, die blitzend das Auge bannen. Das reinste Metall in höchsten Werthen. kaum umzusetzen in den heutigen Ziffern, schmückte einst das Kleid der Frau. Agraffen und Spangen aus massivem Gold, mit oder ohne Steine geziert, waren der unumgängliche Schmuck der Vornehmen -jener Tage. Im Laufe der Jahrtausende zogen jene Culturbegriffe mehr und mehr nach dem Norden. Mit der Veränderung der Sitten und Gebräuche ging der des Klimas gleichen Schritt. Wir bedürfen warmer Kleider. Dem Metall gesellten sich bei uns Pelze zu für Schütz und Zier. Und fo ist's gebliern bis zum heutigen Tage. Die Mode" stellte früher eine Epoche dar. heute eine Saison. ..D Saison" ist aber nicht eine festgeschlos sene Erscheinung, sondern eine Fortsetzung der letzten, der Vorbote der kommenden Saissn. Man kann ruhig sagen, daß erst die Dezennien wirkliche Uebergänge darstellen. So sind wir auS der Zeit, die jeden metallischen Schmuck von der Straßenioifctte verbannt, als unfein" verworfen hatte, in eine solche übergetreten, die immer mehr des Metalls für die Toilette bestimmen möchte. Die Armspange ist seit Jahren von der Straßentoilette verschwunden; nur die delolletirte Taille gestattet deren Anwendung. Die Brosche weilt unter den werthvollen Antiquitäten oder am Halse der untersten Klassen. Die Modedame, welche gut gearbeitete Roben trägt, fand seit Jahren ihren Gebrauch überflüssig, da sie den hohen, reich gearbeiteten Stehkragen hinten geschlossen, in der Wirkung beeinträchtigt hätte. Man fand aber, daß die Toilette ohne Metall zu seriös aussehe und brachte zierliche Nädelchen in die Wabl mit der Bestimmung, das tr6 k quatre pinples" zu erreichen. Aus den kleinen Nüdelchen wurden größere der verschiedensten Arten und für die mannigfattigsten Zwecke. Die Uhr wurde an einer Kette getragen, die sich in überflüssiger Länge um den Hals legte. Das langstielige Lorgnon wie auch der Muff gaben Anlaß, ebenfalls eine lange Kette aus Metall zu veutzen. Der rrfrttntefiche Guck! veranlaßte eine Ausschweifung i Gürtelschlössern, die vor allen Dingen dem sezesfioniftischen Stil zu rasch Anerkennung verhalf, auch für den Ge brauch in den Frauenmoden. Gürtel- und Rockhalter gesellten sich zu dem metallischen Schmuck. Die Ringe bedecken bald alle Finger der Hand, und der Handschuh wurde uicht mehr das unentbehrlichste Requisit jeder Frauentoilette genannt. Die Blumen verschwanden vom Haar, um Kämmen und Nadeln aus Metall Platz zu machen. Die Posamenten, die werthvollsten Spitzen, die kostbarsten Stickereien genügen nicht medr. der metallische Glanz muß die Linien der Zeichnung heben oder die Zeichnung muß den Effekt des Metalls zumFond, zur Unterlage haben. Wir sind in dieser Saison glücklich dabei angekommen, als Fortsetzung des Frou - Frou - Geschmackes, ganze Roden aus Goldstoff anzufertigen und den Tüll, Chiffon, & jour - Gewebe und Stickereien, wie auch Spitzen und Spitzenfonds darüber zu arrangircn. Das blitzende Metall bildet das Unterkleid. Wir dürften somit an der äußersten Möglichkeit der Metallverwenliung an der Frauentoilette angetommen sein. Wo die Mode eine Idee so massenhaft anwendet, verliert das Material bei zeder Steigerung des Verbrauchs an relativem Werth. Und dies umsomehr, als die Mode nicht mehr das Vorrecht der Besitzenden darstellt, sondern in die Allgemeinheit übergegangen ist. Die Folge dieser Thatsache ist nun, daß wir an die schmückenden Steine nicht mehr den Anspruch stellen, daß sie echt seien, auch dann nicht, wenn die Besitzende ihn als Schmuck trägt. Seit die unechte Spitze ihren Siegeszug durch die Frauenmoden gehalten, ward dem unechten Stein seine Berechtigung, wenn seine Bearbeitung und die des ihn bergenden Metalls
kunstfertigen gnoen vervorgegao-
gen, wenn das Genie die Anregung zur Arbeit wurde. Damit haben wir die erfreuliche Bahn betreten, in welcher die Genialität des menschlichen Geistes sowie die Arbeit kunstgeübter Hände den relativen Werth eines Naturproduktes übersteigt. Diese Thatsache ist von :oei:ester Bedeutung für unsere Volkswirthfchaftliche Entwickelung; denn die Genialität der Menschen ist, ebenso wie die Arbeitskraft der Hände, ein unversiegbares Kapital, das von der Zukunft nicht in Zahlen umgesetzt werden kann, zugleich aber auch unsere Industrie vor ganz neue Aufgaben stellt, die eine Damm bilden sollten gegen weitere Herabminderung der Leistungswerthe. Oder aber sagen wir: die Maschine hat dem Menschen den Gebrauch der animalischen Kraft, der gedankenlosen Arbeit abgenommen, um ihn vorwiegend vor die künstlerische Gestaltung seiner Ideen zu stellen.
Die Medaille. Kurz nach der ersten Pariser Westsusstellung war eine kleine ausgewählte Theegesellschaft bei Frau v. G. versammelt .welch letztere sich bestrebte, ihre Gäste auf das angenehmste zu unterhalten. Frau v. G. zeigte u. a. ein Exemplar der großen Ausstellungsmedaille. welche einen Werth von 5000 Fr. repräsentirte und Eigenthum des Bruders der Frau v. G. war. Ein jeder betrachtete dies werthvolle Goldstück mit Interesse. Inzwischen wurde der Thee servirt, man unterhielt sich munter, als plötzlich die Gastgeberin nach der Medaille fragte. Man sah sich einander verwundert an man suchte aber die Medaille war derschwunden. Unter den Gästen waren auch zwei Herren, welche Frau v. G. nicht näh kannte. Dieselben waren einer Einladung ihres Bruders gefolgt. Dieser aber war noch nicht anwesend. Frau v. G. sagte nun in scherzendem Tone: Die Medaille ist vermuthlich aus Versehen in die eine oder andere Tasche gekommen, ich ersuche dafcr die Herrschaften, sich einer Untersuchung zu unterziehen, wobei meine kleine Tochter neben mir den Anfang machen soll, dann folge ich und so weiter." Einer der anwesenden Herren stand sofort ans und sagte: Ich für meinen Theil werde mich auf keinen Fall visitiren lassen." Die Weigerung erregte allgemeines Erstaunen. Dieser Herr war gerade einer von denjenigen, welche von Frau v. G.'s Bruder eingeladen waren. Sein Name war Jaron H.. er trug das Kreuz der Ehrenlegion und machte den Eindruck eines außerordentlich fein gebildeten Mannes. Ein Hausfreund nahm ihn privat bei Seite und ersuchte in allerhöflichstem Tone diesen Beschlutz aufzugeben, und man hörte Baron H. resolut sagen: Auf keine Weise, mein Herr, ich erlaube Niemand mich zu berühren." Diese hartnäckige Weigerung, sich einer scherzhaften Visitirung zu unterziehen. welche von allen Anwesenden acceptirt wurde, erregte allgemeines Befremden und Mißtrauen, welches sich noch steigerte, als man zu bemerken glaubte. Baron H. wolle sich der Tbüre nähern. Es entstand eine allgemeine Erregung, mehrere Herren wollten die Angelegenheit zum Aeußersteu treiben, indem sie vorschlugen, den nächsten Polizeicommisiär zu holen. Da hörte man plötzlich von der Mutter der Gastgeberin, welch: in einer Nische saß. den Ausruf: Da ist die Medaille!" Alle wendeten sich um und entdeckten wirklich das werthvolle Goldstück, vaU ches die kleine Tochter, in einer Nische des Salons soeben gefunden freudig in die Höhe hielt. Die Medaille war. als die Kleine der alten Dame den Kuchen präsentirte. von deren Schoofz herunter auf den weichen Teppich und weiter in jene Nische gerollt, wo die Tochter es aufhob. Der Schatz war gefunden. Und nun trat der Fremde mitten in den Salon und sagte: ..Meine Damen und Herren, ich b!n Baron H., Direktor vom Bergwerk in Zufälligerweise habe ich ein? ganz gleiche Medaille, welche jenem Werk, welches ich leite, zuerkannt wurde. Hier ist sie Hieraus zog er eine andere Medaille aus der Tasche, es war eine naturge treue Copie der ersteren. Sie werden nun verstehen." sagte er. in welche Situation ich gekommen wäre, wenn ich mich einer Visitation unterworfen hätte, und diese Medaille bei mir gefunden worden wäre. Deshalb widersetzte ich mich einer Visitation. welche mich augenblicklich nur compromittiren konnte." Mit diesen Worten verbeugte er sich und verließ die überraschte Gesellschaft. Gutes Gewissen. Einem Herrn sind gelegentlich hundert Tollars gestohlen norden. Anderen Tages erhält er folgendes (schreiben: Sehr geehrter Herr! Ich habe Ihnen hundert Dollars gestohlen. Es ist das erste Mal, daß ich geklaut. Nun kriege ich auf einmal Gewissensbisse und schicke Ihnen deshalb inliegend einen Zwanzig-Dollarschein. Sobald ich wieder Gewissensbisse kriege, schicke ich Ihnen wieder was." Rangerhöhung. Ist denn Ihr Freund, der alte Herr, mit dem Sie allabendlich kneipen, wirklich Geheimrath?" Nein, das nicht. Er ist eigentlich blos ein gewöhnlicher Kanzleirath, aber wenn es nach zehn Uhr ist, und seine Frau zu Hause auf ihn wartet, so rede ich ihn häufig mit .Geh heim Rath" an!"
Die kleine Madlehn.
Von Adelheid Weder. Madlehn hieß sie nach ihrer früh verstorbenen litauischen Mutter und die kleine Madlehn" wurde sie gcnannt, seit sie zum erstenmal aus dem Jnspektorhause nach dem Schlosse geholt worden war, um mit ihnen zu spielen und später auch ein wenig von der Weisheit mit zu genießen, die ihnen Miß. Mademoiseille und Candidat einzutrichtern bemüht waren. Die Schloßkinder konnten ohne die kleine Madlehn gar nicht bestehen; niemand hatte so gute Einfälle wie sie in ihrem kleinen Kops und von nichts in der Welt ging so viel Fröhlichkeit aus wie von ihrem sonnenblonden Haar und ihren lachenden blauen Augen und den Grübchen in ihren rothen, runden Wangen. Niemand wußte aber auch 5)ans Detlev so derb und verständig herunter zu kanzeln und nachher seine dummen Streiche mit Humor, Verstand und Findigkeit wieder in die Reihe zu bringen. Darum, so oft sie sich auch zankten und Hans Detlev darüber wüthend war, daß die kleine Madlehn allzeit gescheiter sein wowe, H er, und ihm immer wieder bewies, daß 2 mal 2 nun einmal 4 war und blieb" und seinetwegen nie ein anderes Resultat geben würde, sie hingen doch aneinander wie Kletten, auch alsHans Detlev schon Fähnrich geworden war, die Schloßfräulein sich von den Standesherren der Umgegend umwerben ließen und Madlehn tüchtig in der Wirthschaft ihres Vaters zugreifen mußte und darüber ein wenig breite und röthliche Hände bekam. Aber Hans Detlev sagte, die gehörten gerade zu ihrer tüchtigen Anmuth und einem ginge beim Anblick ihrer kleinen runden Figur, ihrer ährenblonden Haare, ihrer rothen Lippen und lackenden blauen Augen behaglich das Herz auf, wie vor einem erntegoldencn Weizenfeld, aus dem Kornblumen und rother Mohn herauslachen. Wenn er ihr selbst so etwas sagte, so lachte sie ihn aus und verwies ihm hinterher sehr verständig jede Courmacherei, die sich für Herrensohn und Jnspektorstochter nun einmal nicht schicke; aber weder ihr lustiger Spott noch ihre verständigste Zurückweisung konnte Hans Detlev in seiner aus früheften Kindheitserinnerungen herausgewachsenen Neigung zu der kleinen Madlehn irre machest, an der er mit einer Beharrlichkeit hing, als fühlte er darin einenHalt und ruhenden Werthmeffer seiner flüchtigen Neigungen. Ungewiß blieb es dagegen, ob auch b?i der verständigen, kleinen Madlehn das Sprichwort vom Tropfen und Stein zuletzt reck,t behalten werde, zumal Hans Detlevs Neigung schon mehr eiem Wildbach als einem Tropfen glich und Madlehn bei all ihrer Vernünstigkeit doch schließlich ein blühendes junges Mädchen war, das Augen für Hans Detlevs ungewöhnliche Schönheit und Empfänglichkeit für seine hinreißende Liebenswürdigkeit kab?n mußte. Wenigstens nahm das alle Welt an, zumal Madlehn im Lauf der Jahre mehrere gut situirte Bewerber zurückwies, die wohl nur dem verfeinerten Geschmack nicht genügten, zu dem ihr der Verkehr mit dem Schlosse oerholfen hatte. Aber auch Hans Detlev blieb im Ungewissen darüber, was die kleine Madlehn recht eigentlich für ihn fühlte, bis zu einem schönen Maiabend, an dem die Nachtigall so recht sehnsüchtig zu den Weiden des Schloßteiches herüberlockte. Da begegnete" Madlehn auf ihrem Gange nach dem Kirchhof, wohin sie jeden Samstag einen Kranz für ihrer Mutter Grab brachte, ganz zufällig" dem Leutnant Hans Detlev Holtinghausen, der recht oft von seiner nahen Garnison nach dem Schlosse herüberiam, natürlich um seinen alten Vater zu besuchen; denn beide Schwestern waren schon verheirathet. Hans Detlevs Augen blitzten übermüthig auf, als er die Wangen der kleinen Madlehn bei ihrem Zusammentreffen von jähem Purpur überglüht sah, und er wollte seinen Blick so recht tief in den ihren tauchen. Aber sie sah zur Seite und sagte nach einem kleinen Schweigen mit wiedergewonnener Ruhe: Kommen Sie mit auf den Kirchhof. Herr Leutnant?" Er hätte sie für dieses ihr erstes Entgegenkommen am liebsten gleich hier auf der Dorfstraße in die Arme genommen. Da das aber doch nicht anging, sagte er wenigstens leise, wie vor sich hin: Liebe kleine Madlehn!" Da zeigten sich einenAugenblick lang ie Grübchen in ihren Wangen, aber sie verflachten glich wieder, und als sie beide auf dem Kirchbof angelangt waren, legte die kleine Madlehn zuerst sorglich ihr Frühlingsblumenkränzchen auf der Mutter Grab, pflückte dann ein Epheublatt und hielt es zw'.schen ihren Fingern, gleichsam wie ein Amulett, das ihr in einem schweren und bedenklichen Vorhaben beistehen solle und hob dann ihre blauen Augen ernsthaft und treuherzig zu Hans Detlev auf. Herr Leutnant", begann sie. Er unterbrach sie. .Kleine Madlehn liebe kleine Madlehn!" flüstert, er zärtlich. Hr Leutnant", sagte sie sehr ernst, dann aber sah sie ihn an und ihre blauen Augen füllten sich mit Thrän:n. Das machte ihr rundes Gesichtchen so kindlich und lieb aussehen, daß ?tlev nicht anders konnte: fx beugte sich rasch nieder und küßte diese Augen. Die kleine Madlehn wich zurück. Sie war sehr blaß geworden. Hans Detlev", sagte sie, das darfst du nie wieder thun." j&ann nach einer Pause, in. der. sie
sich gefaßt batte. in ihrem verständigsten Ton: Sehen Sie, Herr Leutnant. Ihre Frau kann ich ja doch nie werden " An dieses Resultat seiner Verliebtheit mochte Hans Detlev in seinem Leichtsinn noch nie gedacht haben. Run aber erschien's ihm als das einzig Wünschenswert und Natürliche, und er rief aus vollem Herzen heraus: Ab natürlich sollst du meine Frau werden. Madlehn!" Da siegte schon wieder der Humor in der kleinen Madlehn. O Hans Dctkv", sagte sie und die Grübchen erschienen in ihren sich sanft färbenden Wangen, willst du's noch immer nicht wahr haben, daß 2 mal 2 nun mal 4 bleibt?" Er wurde ein wenig verwirrt von dieser Erinnerung an seine trotzige Kinder - Unvernunft, die Madlehn so oft mit diesen Worten verspottet harte. Was soll das hier heißen?" murmelte er. Das soll heißen, ob der Herr Gardeleutnant meinen, von Ihrer Gage ein standesgemäßes Haus ma.. chen oder dem Herrn Papa die Tochte; seines Inspektors als wünschenswerthe Partie für seinen Sohn tinstellen zu können?" Das will ich auch!" brauste Hans Detlev auf, und sein Ton war um so bestimmter, als u heimlich ahnte, daß 2 mal 2 leider doch wieder 4 bleiben würde. Die kleine Madlehn zuckte nur die Achseln, aber es trieb sie, in diesem Augenblick an etwas zu rühr, was sie schon lange geängstigt und creizt hattte, und so fügte sie hinzu: tder wollen We Ihre Frau mit Ihren Gewinnsten auf dem Rennplatz ernähren?" Das ärgerte Hans Detlev gewaltig und er sprudelte heraus: Das müßte j-i leicht sein, wenn die Frau das verkörperte Einmaleins wäre." Und es trieb ihn, der kleinen Madlehn zu beweisen, daß er die 2 doch zwingen könne, zu seinen Gunsten ein anderes Resultat, wie die 4, zu liefern. Zuerst durch eine Unterredung mit dem Vater, die dann bei ihrer beiden Hartköpfigkeit mit einem völligen Zerwürfniß endete. Und nun wollte Hans Detlev sich und der Madlehn und seinem Vater zeigen, daß er sehr wohl auf eigenen Füßen stehen könne, wenn er seine Erfolge als Herrenreiter nur erst finanziell ausnutzen wolle. So kaufte er sich, statt die Pferde seiner reichen Freunde zu reiten, selbst ein berühmtes Rennpferd auf Wechsel natürlich. Aber es wurde beim Derby geschlagen und der Wechsel verfiel. Mit ihm große Wettsummen. Da. als ihm das Messer an der Kehle saß und ihm in seiner Angst eine fast wahnwitzige Gewrßheit kam, daß Fire", den er unausgesetzt übte, beim bevorsiebenden großen Rennen siegen müsse, that er den verhängnißvollen Schritt! er stellte einen neuen Wechsel aus auf den Namen seines Vaters. Kaum war die That geschehen, so zeigte sie ihm ihr anderes Gesicht, und alle Gründe, die sie vorher entschuldigt hatten, entflohen bis auf die leiseste Erinnerung an sie. Nichts blieb wie die entsetzliche Angst, die Hans Detleo wie einen Judas an seiner eigenen Ehre umtrieb. Sich aber seinem Vater zu offenbaren, von entsetzlichen Worten sich in den Staub werfen ZU lassen, den Muth fand Hans Detlev nicht. So fetzte er sein Schicksal auf eine Karte und verlor. Bis zum Wahnsinn aufgeregt, verlor er bei dem Rennen die Herrschaft über sein Thir und stürzte. Während er an einer schweren GeHirnerschütterung bewußtlos daniederlag, wurde dem Vater sein Wechsel präsentirt und der alte Herr, dessen Glauben an die unbedingte Ehrnhaftigkeit seines Sohnes noch nie erschüttert worden war, weigerte in der ersten Ueberraschung die Anerkennung seiner Unterschrift. Diese Uebereilunz war durch nichts mehr zurück zu nehmen. Als Hans Detlev vom Krankenlager aufstand, war die Untersuchung gegen ihn im vollen Gange. Wenige Wochen später saß er im Gefängniß. Wieder vier Wochen später wurde er in das Sprechzimmer gerufen. Mit schlotternden Knieen und versagendem Herzschlag trat er hinein, zitternd von der schrecklichen Demüthigung, die ihm bevorstand, wer auch immer ihn in seiner Erniedrigung sehen wollte. Am Fenster neben dem Aufseher, dem sie eine Birte vorgetragen zu haben schien und der jetzt dem Zimmer den Rücken kehrte und eifrig auf den Hof schaute, stand Madlchiu Aber sie stand nur einen Augenblick lang denn nach dem ersten Blick auf den kreidebleichen, zurücktaumelnden Mann lief sie auf ihn zu, legte ihm zum erstenmal im Leben beide Arme um den Hals barg den ährenblonden Kopf an seiner Brust. Hans! mein armer, lieber Hans!" Ein Stöhnen antwortete ihr. Dann machte sich Hans Detlev von ihr los und wich weit zurück. Madlehn! warum bast du mir das gethan!" Er sah sie nicht an; sein Blick irrte zur Seite. Aber sie sah ihn an, sein aschfarbenes, ganz verfallenes Gesicht, seinen schweifenden und doch stie ren Blick. Auch sie wurde sehr blaß. Kam ihr die Furcht, daß hier nichts mehr zu retten und aufzubauen war. daß sie ihr blühendes Leben an einen Todten ketten wolle? Einen Augenblick stand sie blaß und schweigend. Im nächsten tl;at sie. was nur einem Weibe einfallen konnte zu thun, einem Weibe, das das Genie des Herzens besitzt. Hans Detlev", sagte sie bittend, sn mir nicht böse. Du hast um mei. netwillen Furchtbares leiden müüeri
Er stutzle, sein schweifender Blick heftete stch mit athemlosem. Aufhorchen an sie. Und sie fuhr fort: Um meinetwillen, weil ich dich stachelte und weil lieber Hans weil du mich bald heirathen wolltest, hast du den dummen Streich gemacht und mußt nun um meinetwillen so schwer büßen." Da schoß eine Blutwelle in das verfallene aschfarbene Gesicht und brachte das Leben dahin zurück. Wohl kam Hans Detlev der Verdacht, daß die kleine Madlehn selbst nicht ganz glaube, was sie sage, daß sie ihm nur die furchtbare Scham eniwinden wolle, die alle seine Kraft auffraß. Aber ste mußte ihn doch lieben in feiner Schande und Erniedrigung noch lieben um so für ihn zu lügen. Es war also noch etwas in ihm, noch etwas übrig geblieben, das die Schmach nicht hatte ersticken können, das eine Madlehn noch lieben konnte Und war nicht auch eine Spur von Wahrheit in ihren Worten? Hatte nicht die Liebe zu ihr den Anstoß gegeben und war darin nicht eine kleine eine ganz kleine Entschuld:gung für seine That? Und nun sprach Madlehn weiter und die Grübchen huschten verstohlen, wie noch scheu und ängstlich, über ihr liebes' Gesicht! tlnd veißt du auch, daß du doch gesiegt hast, Hans? Wir können uns jetzt wirklich heirathen das heißt" und die Grübchen? Hären jetzt in voller Tiefe und Lieblichkeit in den röther gewordenen Wangen und die blauen Augen strahlten in einer tiefen, tiefen Zärtlichkeit wenn du mich wirklich haben willst? Da trat Hans Detlev weit von ihr zurück; das Blut wich wieder aus seinem Gesicht. Madlehn", stammelte er, was du da thust, das ist jetzt furchtbar für mich " Sie fiel ihm in das schreckliche Wort, das auf seinen Lipppen zauderte. Hans Detlev", sagte sie ernst, du hast Unrecht gethan und bist dafür bestraft worden. Du und die Gerechtigkeit sind quitt. Was du sonst verloren hast so weit es Werth hat das wollen wir beide wieder erwerben. Ich war gestern bei deinem Vater. Er willigt in unsere Heirath und giebt uns genug, daß wir in einer andern Gegend eine Pachtung übernehmen können. In sechs Monaten können wir für immer zusammen sein." Da lachte Hans Detlev gell auf. In sechs Monaten wenn ich aui dem Gefängniß komme! Und du, Madlehn, bist du meinem Vater jetzt gut genug zum Weib des Fälschers?" ' Aber Madlehn nahm seine Hand. Hans", sagte sie leise, ich habe dich lieb gehabt, so lange ich denken kann. Und du mich. Keine Kindheitserinnerung habe ich, die nicht mit dir verknüpft wäre, keinen Wunsch weiß ich, der nicht mit dir zusammenhing oder den du mir nicht erfülltest. Ohne dich wäre mir das Leben wie einem. dem der Boden unter den Füßen und das Ziel vor den Augen fortgczogen würde. Und so wäre es doch ge kommen; denn zur Frau des Gardeofficiers hätte ich nie und nimmer gepaßt. Aber für die Pächterfrau bringe ich alles mit. was das Leben braucht auch dein Leben, Hans. Auch du wirst wieder gesund werden in der gesunden Arbeit und wirst wieder aufleben, wenn du für mich und dich das Leben erwirbst und schaffst und siehst, daß du mir so nöthig bist zumLeben, Hans Detlev, wie das liebe Brot. Und wir werden alle beide den Tag segnen, der uns endlich vereinigt hat und werden " Madlehn!" stammelte Hans Detlev, liebe kleine Madlehn!" Und er sank auf einen Stuhl und weinte bitterlich. Sie kniete neben ihm nieder und streichelte die kalten Finger, die er vor das zuckende Gesicht hielt, und er ließ endlich die Hand auf ihre Schulter und den Kopf auf ihr blondes Haar sinken und seine Thränen flössen darauf nieder, wie Gewitterregen auf goldene Achren. Und ste wutzte, daß in diejen Thränen viel Leid und bittere Scham und zurückweichend Verzagen waren und daß noch viele bittere Tage seiner und ihrer harren würden; aber sie fühlte sich stark genug, mit allen bösen Gewalten zu kämpfen und dem Mann wieder Selbstachtung und Muth und Vertrauen in seine Kraft zu geben. Denn sie liebte ihn und die Liebe glaubt alles sie hofft alles sie duldet alles. Und darum überwindet sie alles Welt und Schuld und selbst die fressende Scham die Liebe, die die kleine Madlehn zu Hans Tetlev hatte. Der ültefte Baum.
Der größte und älteste Baum der Welt ist der 22 Jahrhunderte alte Feigenbaum in Amuradhapura, der alten Hauptstadt der Insel Ceylon. Durch mehr als 25 Dokumente wird sein hohes Alter bezeugt. Im Jahre 288 vor Christi Geburt gepflanzt, ist dieser Veteran unter dem Namen Heiliger Bo" bekannt, weil er nach der Legende von einem Zweige stammt, der von dem Baume gepflückt wurde, unter dem einst Buddha zu ruhen pflegte. Auch kommen jedes Jahr von allen Gegenden Indiens Tausende von Pilgern, um dem heiligen Baume ihre Verehrung zu bezeigen. Freilich ist er nur noch eine Ruine; die Aeste, deren Zweige noch herzförmige Blätter treiden, mußten schon seit langem gestützt werden, und um den Stamm, der von buddhistischen Altären umringt ist. haben die Priester eine dreifache Schutzmauer aebaut. . .
Schnelle Löhne. Von E. Römer. Von einem Bukarester Kunden mei nes Hauses, einem Herrn Athanassio. war eine Depesche des Inhalts gekommen, daß er seinen Conkurs anmelden müsse, wenn ein von ihm angestrebter außergerichtlicher Vergleich auf fünfundzwanzig Prozent nicht umgehend angenommen werde. Da die Forderung meines Hauses eine ziemlich große war, so schien es sich zu lohnen, die Sachlage einmal in der Nähe zu betrachten, und hauptsächlich zu diesem Zweck befand ich mich nun eben in Bukarest. Mein Weg führte mich in dieStrada Lipscani (Leipziger Straße), wo weitaus die meisten Lipscani" (Leipziger) d. h. diejenigen Manufaktur-Grossi-sten, die ihre Waaren vorherrschend aus Deutschland beziehen, ihre Geschäftslokale hatten, und wo auch Herr Athanassio zu finden war. Ick, trat ein. Ein einziger Blick auf die dürftigen Waarenvorräthe belehrte mich, daß der Mann die Pleite" bereits trefflich vorbereitet hatte; es lagen kaum noch zwanzig oder fünfundzwanzig Stück Waare in den Fächern! Von Wichtigkeit war herauszubringen, ob der Mann nicht etwa den besfern und größeren Theil seines Waarenlagers sowie sonstige Werthe in betrügerischer Weise bereits bei Seite geschafft habe. Zunächst machte ich Bohrversuche an dem Manne selbst. Aber das erwies sich als fruchtloses Beginnen, denn der Herr übertraf an Härte noch den Granit. Ich suchte einige ConkurrentenAthanassios auf; es schien mir nicht unmöglich, durch ein paar kleine freundliche Conkurrenz-Jndiscretionen den fatalen Schleier ein wenig gelüftet zu erhalten. Aber auch 'damit war es nichts. -Endlich es ging schon stark aus den Abend zr führte mich mein gu, ter Stern zu einem Agenten für grof, engliscye Häuser einem biederen Sohne des schönen Schwabenlandes. Na, wissen S' wos? Kommen S' morgen in der Früh wieder. Mer wolle dann sehe, wos sich mache löscht." Mit diesen Worten schob er mich in höchst komischer Weise zur Thür hinaus. Der Mann wußte offenbar viel, was mir nützen konnte, und das flößte mir Hoffnung und Vertrauen ein. Kaum konnte ich den nächsten Morgen erwarten. Mit dem Glockenschlage acht trat ich auf's Neue bei dtm Agenten ein. Mer wolle nit erscht lange präludire glei fort wolle mer." Als wir auf der Straße waren, schwäbelte er wieder los: Ae Malofizspitzbub. der Athanassio! Wos wolle Se denn? Der Kerl hat bei 'nem Advocate 20,000 Dukate versteckt!" Der Advokat wohnte gleich in der Nähe und war auch zu Hause. Der Agent sprang, wie's schien, sofort mitten in die Sache hinein, und die äußerst lebhaft geführte Unterhaltung zwischen Beiden dauerte ziemlich lange. Leider nur verstand ich kein Wort davon, denn sie wurde in der mir ganz ungeläufigen Landessprache also auf rumänisch geführt. Der langen Rede kurzer Sinn ist aber, wie mii der Agent später erzählt hat, einfach der gewesen, daß dem Advokaten, dessen ungesetzliche Machenschaft mit dem Athanassischcn Depot ohne Weiteres auf den Kopf zugesagt und mit Veröffentlichung der ganzen Geschichte en ergisch gedroht worden ist, woraus dann der Anwalt allmählich eingelenkt und schließlich in die Herausgabe des meinem Hause zukommenden Betrages unter Einhaltung gewisser gesetzlicher Förmlichkeiten gewilligt hat. Und richtig zahlte mir denn auch der Herr einige Stunden später fast die ganze Summe in vollwichtigen Ducaten aus nur fünf Procent für Expensen" hielt er zurück. Es ist etwa zehn Stunden später so gegen sieben Uhr des Abends. Ich sitze im Hotel auf meinem Zimmer und schreibe. Da klopft's eben an der Thür. Herein!" Die Thür geht auf. und in ihr erscheint Herr Athanassio! Mir stieg ein wenig das Blut in die Schläfe. Guten Abend, Herr Römer!" sagte Herr Athanassio. Dann kehrte er sich an der Tbür um, schließt diese ab und scbiebt lanzsam den Schlüssel in seine Paletottasche. Was sollte das bedeuten? Ich fühlte deutlich, wie meine Nerven zu fibriren begannen. Ich erhob mich möglichst kaltblütig und stand nun Herrn Athanassio, Auge in Auge, stramm gegenüber. Was soll das?" sage ich zu ihm. Mit einer gewissen ruhigen Freundlichkeit erwiderte der Herr: Es ist nur der elenden Kellner wegen. Sie sind so neugierig, bie ;c Kerls, und bei dem, was ich mit Ihnen zu sprechen habe, möcht' ich gern ungestört sein." Sie dürften sich irren, Herr Athanassio wir sind fertig miteinander.Meinen Sie? Ich war soeben bei meinem Rechtsanwalt." Aha! Nun, da wissen Sie ja wohl Alles weiß ich. Aber Sie wissen noch nicht Alles. Der Advokat hat seinen Lohn dahin ich habe ihn vor einer Stunde über den Haufen geschössen!" Allmächtiger Gott!" entfuhr es mir. und entsetzt wich ich ein paar Schritte zurück. Athanassio aber erhob wie beschwichtigend die Hand ge gen mich dann fuhr er fort: Bleiben Sie ganz ruhig. Herr Römer! Sie werde ich nicht erschießen, denn Sie haben nur Ihre Pflicht geftan. Aber diese? Elende a hat
den Rest meines Depots an die Gerichte ausgeliefert, und nun bin ick ein Bettelmann!" Athanassio das ist doch Ihr Ernst nicht?" so fragte ich nach qualvoller Pause. Es ist die Wahrheit, Herr Römer da ist nichts mehr zu ändern daran." Aber das ist ja gräßlich, Mann!" Gräßlich oder nicht davon ist nicht die Rede jetzt. Die Hauptsache ist: ich will fort, denn ich glaube bemerkt zu haben, daß man mir schon auf den Fersen ist. Aber ich habe kein Geld. Herr Römer. Geben Sie mir welches, und wenn's auch nur hundert Franken sind!" 5)err Athanassio, ich weiß nicht, ob ich soviel " Dann geben Sie, was Sie haben! Nur schnell! schnell!" Ueber meinen Geist war's mit einem Mal wie eine Art Verwirrung gekommen, und ich wußte kaum mehr klar, was ich thun und lassen sollte. Nach einem Moment halben Besinnens ging ich aber schließlich doch nach meinem Koffer, um die darin verborgenen fünfzig Franken zu holen. Aber noch ehe der Koffer geöffnet war. hörte ich vom Korridor her hastige, sich rasch nähernde Tritte, dann wurde plötzlich sehr stark von außen an die Thür geklopft Athanassio erschrak heftig und entfärbte sich stark. Im Namen des Gesetzes!" rief draußen eine Stimme. Offnen Sie!" Was soll ich thun?" fragte ich leise Athanassio. Oeffnen!" erwiderte er kurz und kalt, indem er mir zugleich den Thürschlüssel gab. Die Jäger sind schneller gewesen als das Wild." Mit hundert widerstreitenden Empfindungen schritt ich zur Thür und öffnete sie. Der Hotelier und ein Criminalbeamter standen draußen. Sie wünschen?" fragte ich. Den Herrn dort!" erwiderte der Beamte auf französisch, indem er auf Athanassio deutete und in's Zimmer trat. Unwillkürlich wandte ich mich nach Athanassio um. Aber noch ehe das geschehen war, dröhnte ein Schuß durchs Zimmer. Ein schwerer Körper fiel zur Erde.... aus dem Mörder Athanas sio war nun auch noch ein Selbstmörder geworden. Man trug ihn blutüberströmt hin-aus.
Wie die Briefmarke entftanv. Eines Tages im Jahre 1839 befand sich der Lehrer und Schriftsteller Rowland Hill während einer Reis in einer kleinen Herberge einer englischen Provinz. Da brachte der Postbote dem Dienstmädchen des Gasthauses einen Brief von ihrem Vater. Bekanntlich mußte vor Einführung der Briefmarke der Empfänger das Porto bezahlen. Das Mädchen klagte nun, daß sie nicht so viel Geld besitze, um den Brief ihres Vaters einzulösen. Rowland Hill jammerte das Mädchen, und er gab ihr das Geld für das Porto. Sie bedankte sich sehr, ließ aber den Brief Brief sein. Als Rowland Hill sie deswegen zur Rede stellte, erklärte sie ihm unter Lachen. daß sie nur die Adresse anzusehen brauche, um zu wissen, was der Vater ihr mitzutheilen habe. Er male nämlich auf das Couvert geheimnißvolle Zeichen, welch nur sie verstände. In gleicher Weise correspondire auch sie mit ihrem Vater. Der Lord war sehr aufgebracht, daß durch dieses Manöver die englisaze Postverwaltuna betrogen werde, und verfiel auf die Idee, oie Briefe mit Marken zu frankiren. Bald darauf trat er in den Postdienfi und legte sein Project dem Parlament vor. Am 1. November 1840 erhielt es Gesetzeskraft. Daß Rowland Hill durch Einführung der Briefmarke, welche anfänglich nur einen Penny kostete, dem Staate eine dauernde und schöne Einnahmequelle geschaffen hatte, bewiesen bald die Erfolge. In den nächsten zehn Jahren stieg nämlich die Zahl der zur Post gegebenen Briefe von 1.500.000 auf 7.230.960. Ter frcigev.ge Tenorist. A.k einem kalten v?.d düsterenHerbsttage war der kürzlich verstorbene Te. norist Sims Reeves gezwungen, aus einer kleinen Eisenbahnnation den anschließenden Zug zu erwarten. Er war übler Laune und daher nicht besondererfreut, als ihn ein alter Gepäckträger anredete. Guten Abend Herr Sims Reeves." sagte der Träger, der den Tenoristen nach den veröffentlichten Bildern erkonnt hatte. Guten Abend." drummte der änger. in der Westentasche nach einem Trinkgeld suchend. Doch der alte Mann winkte ab und fragte vertraulich: Ist es denn wahr, daß Sie 'n solchen Haufen Geld verdienen V Hm!" brummte der Tenorist. Und doch arbeiten Sie nicht schwer. Wenigstens nicht so schwer wie ich. Und am Ende verdienen Sie vielleicht zehnmal soviel wie ich Was?" Wie viel verdienen Sie?" fragte der Sänger. 18 Shilling die Woche, das ganze Jahr hindurch," war die Antwort. Reeves richtete sich auf, schwellte seinen Brustkorb urd sang: C, K, Q, C!", das letztere, das hohe C, mit sei nem gewohnten Applomb hinschmet ternd. ..So. mnn Lieber, hier haben Sie Ihren Jahreslohn Offen. Bräutigam: Ist es Dir auch nicht zu lvenig. daß ich nur em chustergeselle bin?" Dienstmtiocncn: v. ourcyaus man; uMere ttochm hat letzt einen Feld! vt ijui uua; um cuiiai
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