Indiana Tribüne, Volume 24, Number 75, Indianapolis, Marion County, 2 December 1900 — Page 7

Jttdiana Tribune, onntat, 2. December 1900

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Mein Bud'.

Am Schreibtisch sitzt das Kindchen. O Lernen, unbequem! Ganz müde seufzt sein Mündchen: ..j'aiine ach! tu aiines il airne." Es geht aus heißen Sohlen Der Mittag übers Land. Mein Bübchen gähnt verstohlen, Und lässig sinkt die Hand. rainn-" plötzlich fliegt bi? jber, öl nur Allotria treibt Der Schelm das sieht ein jeder ! Laß sehn, was er da schreibt. Der Schlingel malt mit Herzen Ten ganzen Bogen voll (5lf Jahr' und Licbesschmerzen I Das wär' doch wahrlich toll! Dieb her!" t?i. ci! ein Name In jedem Herzchen da Wie hieß die Hrzensdame?? Mama" Mama" ..Mama". Mein 5ohn als Erzieher. Freuden und Leiden einer Mutter. Ganz junge Mütter sind der Meinung, daß sie dazu berufen seien, ihre Söhne zu erziehen. l?s ist eine WahnVorstellung. Die Praxis lehrt das Gegentheil wir werden erzogen. Mein Aeltestcr ist von allem Anfang bis zum heutigen Tage diesen Bestrebungen treugeblieben. Es ist nicht MuttereitelZeit. wenn ich berichte, daß er das niedlichste Baby war. dick und rosig und appetitlich. Auch daß er seinen ersten Zahn überrasä'end früh bekam und bereits geläufig Papa" und Mama" sagen konnte, wenn andere Kinder kaum das Pa" und Ma" richtig herausbringen, mag die alte Kinderfrau, die dicke lilise, bezeugen. Tiefe Elife war der erste Schatten in meinem sonnigen Mutterglück. Bubi bevorzugte sie augenscheinlich. In allen Nöthen seines jungen Lebens wandte er sich zuerst an sie. Ich erinnere mich noch mit Schaudern, wie mein Sohn einmal mitten in der Nacht jämmerlich zu weinen anfing, weil es ibrn nach einem Tuß" von den Lippen seiner Elise gelüstete. Damals lernte ich die Gefühle einer Schwiegermutter kennen und verstehen. Uebrigens empfand Bubi gar bald das Lästige einer solchen Weiberherrsckaft. und es kam die Zeit, wo ich die arme Elise zu trösten hatte, weil Bubi kategorisch erklärte: Du bist zu dick, ich gehe lieber mit Mama spazieren." Ä.ihrscheinlich war es der Sinn für Aesthetik, der in dieser Periode bei meinem Sobne erwachte. Sein liebes Gesicht war umrahmt von langen, blonden Locken, die meinen geheimen Stolz bildeten. Mein Entsetzen war daher namenlos, als Bubi eines Tages ernst und entschieden den Wunsch äußerte, seine Locken vom Friseur abschneiden zu laffen. Auf alle meine Vorstellungen hatte er nur d Antwort: Ich bin ein Bub und will einen Bubenkopf haben!" O, wiederum war es ein neuer Sinn, der in ihm erwacht war und ihm das Gefühl feiner Männlichkeit gab! Bubi erreichte natürlich auch diesmal seinen Willen. Wie ich sein glattgeschorenes Köpfchen doppelt zärtlich streichelte, war es mir, als sei er plötz'ich unter meinen Händen gewachsen und älter geworden. Wie lange werde ich ihn noch auf dem Schoß halten und streicheln dürfen? Daß es nicht allzulange geschieht, dafür sorgt der Staat mit seinem Schulzwang. Mein Mann und ich Bubi in der Mitte mit dem neuen Schulranzen und dem halb ängstlichen, halb erwartungsvollen Gesichtchen so treten wir drei zusammen den schweren ersten Schulweg an. Armer, kleiner Kerl! Das Päckchen Sorgen auf dem Rücken wird er nun nimmermehr los, während der Schulzeit nicht und später im Leben erst recht nicht. Bubi hielt sich tapfer, sowohl während der sfeier in der Aula, als auch nachher, wie ich ihn allein in der Scbulstube zurücklassen mußte. Mir war freilich das Weinen näher als das Lachen. Nach zwei Stunden ungeduldigen Wartens durfte ich meinen Sohn aus den Klauen des Schultyrannen wieder in Empfang nehmen. Er trat zu mir. mit gerötheten Wan- ' gen und glänzenden Augen. Ich hätte mich jelbst geschämt, ihn jetzt mit dem lieben, vertrauten Bubi" anzureden, ihn. einen Schuljungen, im Beisein der Kameraden. Nun Kurt?" Er reichte mir fein dickes PatschHändchen nach alter Gewohnheit, und es sprudelte förmlich aus ihm hervor: Wunderschön war's. Wir müssen zwei lange Griffel haben und einen Griffelspitzer, aber die Elife darf mich nickt abholen mit der weißen schürze, sonst lachen mich die andern Buben aus. Ich starrte Bubi an. Schon am ersten Tage! Und mit sanfter Stimme sagte ich: Aber wenn die Mama Dich holt, dann freust Du Dich?" Bubi nickte mir gnädig zu: Na - i kürlich. Du trägst doch keine weißen Schürzen!" Und 4 bis 5 Jahre später? Wenn ich unserem Erstgeborenen mit seinem Intimus Kregtt zufällig auf dem Wege aus der schule begegnete ich glaube fast, daß er sich meiner schämte ! und mich am liebsten verleugnet hatte. ! Die eigene Mutter verleugnet! Andere rfnhrn Witifer tr'cihrhn rmcfi ihntn li Uifiljlk ..Wf.W.V. it'V. , sei es nicht besser ergangen. Nun ist dies längst überwundener Standpunkt. Mein Sohn besucht das College, trägt hohe Stehkragen und weiß, daß es keine Schande ist. eine Mutter zu haben. Im Gegentheil, ich jinde sogar, daß er mich protegirt. Er

r)ält mir Vorlesungen über das. was sich schickt und was sich nicht schickt; er überwacht meine Lektüre und versteht natürlich Alles besser als ich. weil ich doch weder Latein noch Griechisch gelernt habe. Sogar seine kleinen Sünden beichtet er mir. der gute Junge! Wie er mit elf Jahren die erste Eigarette geraucht. Ich glaube, in dem Herzen meinem Sohnes ist keine Falte, die ich nicht kenne. Aber habe ich das auch nicht damals geglaubt, wie er die Eigarette geraucht, ohne mein Wissen! Aber nein! nein! und nochmals nein! Hie und da in ganz intimen Momenten bekomme ich einen Kuß ab. dcr mich an die Zeiten gemahnt, wo mein kleiner Lockenkopf mir sagte: Jetz! küsse ich Dich aus lauter Liebe, bis Du todt bist." Dann vergesse ich es fast, daß aus dem Bubi von damals ein junger Mann geworden ist, der es sogar fertig bringt, sich jeden Samstag rasiren zu 'assen. In meinen, Herze ist er Bubi" geblieben, mein Vudi' Nur diese Bekenntnisie darf er niert lesen, sonst würde er sicher sagen: Veraltere Anschauungen!"

Toilette vor 1W Jahren. Nach den neuesten egyptiscken Ausgrabungen kleidete sich im 2. und I. Jahrhundert n. Chr. eine vorncmuc Dame in Antinoe wie folgt : Sie trug ein Heind von Seidenmousielin. übersäet mit blauen Punkten und kleinen toeißen Herzen, ein gelbfarbiges Kleid vcn gepreßtem Crepon-mit riereigem Ausschnitt am 5)alse. Dieser Hiii schnitt war am Rande mit blauen Litzen und gelben Stickereien besetzt. Ihn überdeckte ein feines tL-nvreoellr" ('Zpitzeneinsatz). Ter untere Ründ oes Kleides war mit gestickten Medaillons geschmückt. Diese Toilette vervollständigten ein rothseidener Umhang mit weißer Halskrause, eine rothgestreiste Haube und Schube von rothem, mit Gold verziertem Leder. Eine Masikerin trug einen Mantel von orangefarbener Leinwand, eine Halskrause von Ehenille, ein karmoisinrothes Ripskleid mit rothen und grünen Fransen. Tasselbe, sowie das Entredeur" war am Halse mit gelben und braurkn. blumenartigen damascirtcn Arabec-ken geschmückt. Aehnliche Verzierungen fanden sich an den Aermeln. Der Ticd des Kleides zeigt in Kniehohe Falbeln. Es wurde von einem rosa Gürtel oehalten. Das Hemd war aus roher Leinwand hergestellt und mit rosa Emsatz und gelben Blumenborten versehen. Hierzu gehört eine Haube aus rothseidenen Bändern mit goldenen Schnüren und ein Taschentuch mit Fransen. Der Kamm der Schönen stellte eine Najade dar. Am Finger trug sie einen Ring mit einem Apollokopf, am Hälfe ein Eollier aus feinen Perlen und Sckilvkrotringen. Daß sie eineMusikcrin war. ging aus der Lyra hervor, die man in ihrem Sarge fand. Auch das Parfümfläschcken und ein Schminkbüchschen hatten ihre Angehörigen nicht vergessen, ihr mitzugeben. Ausgegraben wurde ferner ein paar Amazonen, die mitsammt den Sätteln, woraus si gesessen, bestattet worden waren. Die Eine trug ein Kostüm, bestehend aus einem leinenen Mantel, einem safrangelben Kleide, gestreiftem und gesticktem Leinwandhemd, dreieckiger Haube mit beigefarbenen, seidenen Bändern und Schuhen aus gepreßtem Leder. Eine andere, jedenfalls christliche Amo5one, mit dem Namen die glückliche Eufemia". wurde mit grünqrauem Kleide mit breiten veilchenblauen und weißen Streifen und schwarzen Fransen aufgefunden. Die Aermel waren mit grünweißen Mustern auf violettem Grunde geschmückt, die Gestalten heiliger Krieger zeigten. Sie trug keine Schuhe, sondern Pantoffeln. Daß die fioketerie so alt ist, wie die Welt, ersah Ganet aus dem Umstände, daß sast alle Frauenmumien, die er auffand, blonde Haare aufmiesen. Ein Chemiker untersuchte dieselben. Er constatirte, daß die blonden Scbönen von Antinoe ibre Haare färbten. Das (Scwttter. Der Gesangverein von Zipfelsbausen macht einen Ausflug nach dem benackbarten Niedervorf und läßt sich dort im schattigen Garten zum goldcnen Löwen", dem einzigen Wirthshaus im Orte, nieder, wo sich unter den uralten, den Himmel verfinsternden Bäumen bald ein fröbliches Leben entwickelt. Zur gleichen Zeit hält die Feuerwehr von Niederdorf eine Uebung ab, wozu auch die Feuerwehrmusik ausgerückt ist. Nach Beendigung der Uebung findet die Feuerwehr leider den Löwengarten von den Zipfelbauser Sängern besetzt und muß sich nun in die niedrigen heißen Zimmcr des Löwenwirthshauses flüchten. Im Garten ist inzwischen die Frölilichkeit auf's Höchste gestiegen als plötzlich rollender Donner das Herannahen eines Gewitters verkündet; bald darauf hört man das Rauschen des !j?egens in den Kronen der Bäume, und einzelne Tropfen dringen bereits durch das Blätterdach. Die Sänger flüchten eiligst in die Zimmer des Gasthauses, wo ihnen von den Niederdonern in höflichster Weise Platz gemacht wird. Als die Zipfelhaufer aber ourch die Fenster schauen, sehen sie. daß draußen wieder Heller Sonnenschein leuckt:t. Die Plätze im Garten sind aber inzwischen von der Feuerwehr besetzt wvrden, die mit Zuhilfenahme der großen Trommel und der Feuerspritze das GeWitter inscenirt hatte. Falsch verstanden. Tou rist (in einem überfüllten DorfwirthsHaus ein Nachtlager suchend): Haben Sie nicht wenigstens ein Bündel Heu für mich?" Wirth: Nix is mehr da als a Brot und a Butter.-

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XfilO NuZ dem Ungarischen von Jacob e:ön. Der alte Franz Abraham trippelte langsam die Gasse entlang. Plötzlich aber vertrat ihm die junge Martha Iorlai den Weg. die den Alten von der offenen Veranda her erblickt hatte. Alfo vpie bleiben noch immer bei Ihrer Kiage?" Ich führe gar keine Klage, mein 5iind, ich will nur mein Geld haben." Und warum verdächtigen Sie just meinen Mann?" Nicht ich habe ihn im Verdacht, sondern der Gerichtshof." Ei, was Sie nicht sagen! Sitzt mein Mann nicht auf Ihre Beschuldigung hin im Kerker?" Dann fuhr sie im Tone tiefster Ueberzeugung fort: Und doch möcht' ich d'rauf schwören, daß er unschuldig ist." Mag sein! Ich weiß nur, daß ich den Kaufpreis für meinen Ochsen in Makfalva noch in der Tasche gehabt hab'; das könnte mein Bruder auch bestätigen, wenn ihn der liebe Gott nicht so unerwartet abgerufen hätte." Dabei wies er auf das Nachbarhaus. Wir haben in der Garküche zusammen getrunken, und auch er hat das getupfte Tüchlein gesehen, in welches mein Geld eingewickelt gewesen war." Nun, und dann?" Tann hab' ich mich zu Fuß auf den Heimweg gemacht und bei dem Gegescher Paß hat mich Dein Mann eingeholt und auf seinen Wagen genommen. Tort hat mich der Schlaf übermannt, und wie ich erwacht bin, war das Geld beim Teufel. Mehr weiß ich nicht. Das Uebrige soll der Gerichtshof herausfinden." Wollte Gott! Denn mein Mann hat das Geld nicht berührt, das weiß ich." Wo ist also das Geld hingekommen?" Jemand hat es Ihnen aus der Tasche gestohlen. Gott möge dem elenden Dieb selbst auf der anderen Welt die ewige Ruhe nicht schenken." Ja, ja, das sag' ich auch," brummte der weißhaarige Franz Abraham und trippelte weiter die Gasse entlang. Während dies Gespräch vor dem Hausthor geführt wurde, breitete im Nachbargarten die alte Nachbarswittwe ein paar rothgewürfelte Kissen auf dem Rasen aus. Gestern hatten sie ihr den einzigen Sohn begraben, und sein Bettzeug war's, das sie nun lüftete. Trösten Sie sich, Frau Nachbarin," wandte sich Martha Iorlai an die tiefgebeugte Mutter, wir haben halt Alle unser Kreuz zu tragen." Mir hat Gott Schweres auferlegt, mein Kind." Und mir vielleicht nicht? Freilich hat Ihnen Gott plötzlich den einzigen Sohn genommen, aber er ist wenigstens eines natürlichen, schönen Todes gestorben und hat ein ehrliches Angedenten hinterlassen. Aber was sollen wir machen, ich und meine Kinder, wenn man meinen armen Mann des Diebstahls beschuldigt und unschuldig in den Kerker geworfen hat." Aber ihr Mann kann doch noch nach Hause kommen, mein Sohn aber nicht mehr." Und sich die Augen mit dem Schürzenzipfel trocknend, fuhr sie fort: Ich hab' auch so gar keine Lust gehabt, zum Jahrmarkt zu fahren. Wie wenn ich gespürt hätte, daß ihm etwas geschieht. Aber mein Sandor hat große Lust gehabt und sind wir doch gefahren. Und dann ist er mir plötzlich krank geworden, und gestern hab' ich ihn begraben meinen Einzigen!" Dann wandte sie sich wortlos um und ging in das verödete Haus zurück. Auf die Ofenbank gekauert, weinte sie still vor sich hin. Von draußen klang zuweilen die Stimme der Nachbarin an ihr Ohr, die, vor dem Hausthor stehend, jedem Vorübergehenden ihr Leid klagte und gegen den wirklichen Thäter, um dessentwillen ihr Mann unschuldig leiden mußte die allerschauerlichsten Verwünschungen ausstieß. Die trauernde Mutter hörte schluchzend die unaufhörlich sich wieverholenden Flüche und seufzte tief auf. Ach, Du lieber Gott, warum stirbt nicht lieber so ein Schurke, anstatt meines braven, guten, schmucken Jungen." Dann erhob sie sich, öffnete die große uralte Truhe und begann d Kleider ihres Sohnes auszuräumen Stück für Stück. Jedes faltete sie auseinander, streichelte es liebkosend und legte es wieder sorgfältig auf seinen Platz zu rück, indeß ihr die bellen Thränen über die runzligen Wangen tropften und ihr Herz fast brechen wollte vor bitterem Weh. Mein Sohn! Mein Sandor!" Als sie die Joppe mit den grünen Aufschlägen in die Hand nahm, die er beim Jahrmarkt getragen und in welcher der schlanke, schöne Bursche manches Mädchenherz höher schlagen gemacht, fiel ihr aus der inneren Brusttasche ganz unerwarteter Weise ein Päckchen in den Schooß. Was ist denn das V Sie öffnete es und schrie mit schneeweißen Lippen laut auf: Du. mein Herrgott, sei mir gnädig!" Das Päckchen enthielt ein getupftes Tüchlein und darin die nämliche Summe, die der alte Franz Abraham für seinen Ochsen bekommen hatte. Ihr Athem stockte, und einen Augenblick lang ward es ihr schwarz vor den Augen. Ihr war's, als stürze das Dach über ihrem Kopf zusammen. Für den Augenblick meinte sie zu träumen. Oder war vielleicht das Haus verhext? Denn das ist ja unmöglich ganz unmöglich. O, mein Gott, mein Gott!" Aber vergebens war all' ihr Jammrn dis lAeld lern ihr im (SiAnnfc j " , " - 3 "7- ... " 7 U' zwei Hunderter und drei Zehner, ganz

wie's 1)er alte Franz Abraham den Gendarmen angegeben. Mit scheuer Hast band sie es wieder in das Tüchlein und barg es in dem Busen und wollte hinaus in's Freie: denn )z meinte, ersticken zu müssen. Aber die Glieder versagten ihr den Dienst, kraftlos sank sie in den Sessel zurück und blieb regungslos mit gerungenen Händen sitzen. Ihr theurer. einzigerSohn ein Dieb, ein gemeiner Verbrecher! Wohl war er ein etwas leichtlebiger Bursche, ta lieber in die Schenke als in die Kirchz ging, aber Jeder hatte ihn als ehrlichen. guten Menschen gekannt, der keiner Fliege etwas zu Leide that. Und er. er sollte das gethan haben? Nein, nein unmöglich! Aber wie kam das Geld in seine Tasche? Sollte der Alte eL verloren haben und war Sandor der Finder? Sie zermarterte sich das Hirn, um eine annehmbare Erklärung zu finden. Vergebens. Ihr Sohn mußte der Thäter gewefcn fein. Wer weiß, vielleicht der ungewohnte Trunk, die Gelcgenheit. Er hatte in der Garküche neben dem Alten gesessen und das gelbgetupfte Päckchen schaute gar zu verführerisch aus der Brusttasche des Wammfes hervor. Damals mochte die Versuchung an ihn herangetreten sein. Er konnte die That leicht begehen. denn der Alte war total betrunken und konnte kaum die Zunge regen. Hetzbrechendes Schluchzen schüttelte den mageren Körper der Alten, und vorwurfsvoll jammerte sie: O, Sandor, Sandor, wie hast Du Dich so weit vergeben können." Von draußen tönte noch immer die Stimme der Nachbarin herein, die abermals Jemandem ihr Leid klagte und- dem Acissethäter fluchte, der all' diesen Kummer über sie gebracht. Die Weinende in dem einsamen Stübchen zuckte zusammen. Mein Herr und Gott! All' diese Flüche fallen auf das Grab meines unglücklichen Kindes." Nein, das darf nicht so bleiben. Der Unschuldige darf nicht länger leiden. Und ihren Sohn soll Niemand mehr im Grab verfluchen. Denn wenn er auch gesündigt, so war er ja doch ihr Kind, ihr einziges, geliebtes Kind. Das Geld muß dem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden. Aber wie? Sollte sie die Schande des eigenen Sohnes eingestehen? Soll sie ihn im Dorf als Dieb brandmarken, damit kommende Gefchlechter seinen theuren Namen mit Verachtung nennen? Nein, sie kann nicht zumVerräther werden an ihrem eigenen Kinde. Was thun? Rathlos zermarterte sie sich den Kopf um einen Ausweg zu finden, und in ihrer Verzweiflung jammerte sie so laut, daß dieVorübergehenden stehen blieben und lauschten. Die Arme! Sie beweint ihren einzigen Sohn," seufzte manche mitleidige Seele. So ein braver hübscher Junge. Schade! Schade!" Der armen Mutter drin im einsamcn Häuschen aber war's, als hätte sie den Sohn zum zweiten Male verloren. Die Schande! Die Sckande! Bald klagte sie ihn streng des Verbrechens an und verurtheilte ihn erbarmungslos ; dann wieder fand sie taufend Entfchuldigungen für sein Thun. Nein, nein, er war nicht bei Sinnen. Sein armes Gehirn muß krank gewesen sein, d'rum ist er auch so plötzlich gestorben!" Dieser traurige Gedanke schien ihr etwas Trost zu gewähren, aber bald tauchten die peinigenden Oualen wieder auf. Was thun? Wie den Unschuldigen befreien, für dessen Leiden Gott ihren Sohn zur Rechenschaft ziehen wird. Sie muß den Fluch vom Grabe ihres Kindes wenden und fein Andenken vor dem Schatten jeglichen Verdachtes bewahren. Das Geld brannte auf ihrem Busen wie glühende Kohle. Sie wollte es los werden um jeden Preis. Aber wer soll der Dieb sein. Denn Jemand mußte es sein, damit kein Fluch eines Unschuldioen die Ruhe ihres Kindes störe. Schrecklich! Zun: Äahnsinn.crden. Wie von Furien gejagt, stürzte sie hinaus durch den Obstgarten in's Freie und hastete entlang an den Gärten, der Mühle zu. Auf dem Wegc murmelte sie leise: Ja, ja, so wird's gehen. Es giebt kein anderes Mittel." ' Am Rande des Dorfes blieb sie vor! dem Garten des alten Franz Abraham stehen, dessen Enkelkind unter den Ääumen auf dem Rasen spielte. Sie rief das Kind an den Zaun. Erzsi! Ist Großpapa zu Hause?" a " vWSie nahm rasch das Päöchen aus dem Busen. Da, nimm das und trag's deinem Großvater hinein, aber oerlicr's ja nickt." I wo denn!" Und sag' dem Großpapa, ick lb's gethan, tamals auf dem Markt; a!:r ich hätt's bereut, und er soll verzeihen. Mich siebt er nimrr.;r:;.:s;:." Die Kleine hüpfte fröhlich mit der Botschaft davon. Die alte Frau aber eilte nrÜ jik;erda Hast der Mühle zu, dort, wo dc? Gi:ßbach am wildesten jchaamt ütn raufcht. Mein Sohn, es ist gesühnt!" Und die Welle schlagen pltsrr.'. zusammen.

üvtls:gluc5t. Lange hatte ich gesucht, bis ich das Plätzchen fand. Es lag unter einer überhängenden Felswand, zwischen abgestürzten Blöcken und prächtigen ärchen. Der Boden war mit elastischem Moos bedeckt, und, was die Hauptsache. kein Sommerfrischler wußte darum. Da lag ich nun seit Jahren, während meiner Urlaubszeit, täglich;

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las. schlief, oder starrte träumend .n die ziehenden Wolken. Aber als ich heute wieder kam, saß zu meinem größten Schrecken "in Frauenzimmer dort, strickte und las in der Gartenlaube." Wäre mir ein Bär begegnet, ich hätte nicht stärker erschrecken können! Ein Bär! Das war ein Himmelsfunke! Leise schlich ich von bannen und geradewegs zu meinem Wirth, von dem ich wußte, daß er über dem Bett eine Flinte auf einem großenBärenfell hängen hatte. Schnell erzählte ich ihm mein Erlebniß und gab ihm zu oerstehen, daß es mit meinem Landaufenthalte in dieser Gegend vorbei wäre, wenn mir jenes Plätzchen nicht gewahrt bleibe. Dann bat ich ihn um leihweife Ueberlassung des Felles. Er schmunzelte mich verständnißvoll an und lieh mir das Fell. Den ganzen Nachmittag Übte ich auf meinem Zimmer das Brummen und den Sohlenaang. Näcksten Tages ging ich mit dem Fell zeitlich nach meiner Einsamkeit und ver steckte mich hinter einem Blocke. Noch wartete ich kein: halbe Stunde, da kam sie mit Strumpf und Gartenlaube und setzte sich auf meinen Stammsitz. Mit drohendem Gebrumme trottete ich hinter dem Felsen hervor. Ein entsetzlicher Sckrei durckitterte die iiuf i, und mit Sätzen, die ich dem dicken Frauenzimmer nimmer zugetraut hätte, stürzte sie zu Thale. Ich unterdrückte mit Gcwalt ein bärenmäßiges Geläa',ter und wälzte mich vor Vergnügen aus Fell und Moo. Gelungen! Das war mein einziger Gedanke. Ander'n Tag's, als ich wieder kam. saß sie wieder da mit Strumpf und Gartenlaube", hatte aber des Wirthes Bc renflintc im Arm. . . Sie wohnte eben auch beim Bärenwirth. Was unsere Ohren nickt vertragen können, fährt uns in die Nase. e Photographische Gallerte, 150 Süd Illinois Straße. Der Unterzeichnete ladet die Deutsche, der Stadt und Umgegend zu einem Besuch feiner GaUerie ein. Gute B'.ldcr garantirt. Preise niedrig Den, scher Photograph Alles recht blitzblank in Küche und Haus zu haben, erfüllt jede gute Hausfrau mit gerechtem Stolz. Das beste Mittel, alle Me. tallwaaren in kürzester Zeit und für die längste Dauer blitzblank und glän zend wie einen Spiegel zu machen, ist die U. S. METAL P0LISH PASTE, die von l er altbekannten und bewahrte Firma GEORGE W. HOFFMAN, 549 Ost Washington St., Indianapolis, Ind., hergestellt wird. Für Gastwirthe ist das altbewährte Putz, Mittel von derselben Firma hergestellt, zum Putzen der Bar.Fixtures etc. emia.b unentbehrlich und wer es einmal gebrauch: hat. wird es stets w.eoer holen. Bar Keeper's Fnnid", das Unentbehrliche, ist überall m Apotheken zu habcn. DR. I PINK, praktischer Arzt, Zimmer 3 und 9, Commercial Block, Ecke Äentucky Ave. und Washingtonstraßc Telkt,n-alte 262: nkues 3s67 und 22. Sprechstunden: -11 Bvrm. i 2 4 Nachm.; 7 8Avd Dr. 1. 8. Kirkpatrick behandelt FraucukrankNkitcn und .rChfi ten des ectums. Hämorrlio.dcn flute Vkeffer und Cnntetist rung achtiii. Offlee: Harn Bailding, 31 Ost Ohio Str. WALTER FRANZ, Sahn-Arzr, No. 90 Ost Market.Straße. Cos sin lock. Zimm 48. Offtttstunden : -12 Vm.z l-s.; 7-9 bendk. Sonntag von 10 Uhr Vm. bi 2 Uhr m.

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