Indiana Tribüne, Volume 24, Number 75, Indianapolis, Marion County, 2 December 1900 — Page 3
Jndiana Tribüne, Sonntag, S. Deeemher 1900.
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cto reishn-o -c3r im Man Derzeit Öteoicito uu5 jenseits Ooa ctonti Scrn-n ron Karl Vunolach. C opynfh:ed 189!. Nachdruck verbokn. (11. Fortsetzung.) Sehen Sie mich nicht an!" rief er tr.-gisch. Noch ist nicht jede Scham in mir erloschen. Eharley!" rief er einem jungen Manne an der Thüre zu. Fübr' diese Herrschaften in den Spar sin! Such' ihnen den besten Platz im ganzem Theater aus! Also bis nach der Vorstellung, meine Herrschaften! Aber bleiben Sie ja da bis znm Schluß, da kommt der Knalleffect!" Andere Besucher drängten nach, und wir vertrauien uns der Führung Charley's an. der uns in der ersten Reihe Plätze anwies. Während dicht vor uns vier Musikanten ihre quietschenden und knarrenden Instrumente stimmten, hatten wir Muße, den Zuschauerraum zu betrachten. Eä war ein großes, offenbar für Tanz und Volksversammlungen bestimmtes Viereck mit einer Gallerie. äußerst schmucklos. Die Mitte des Saales nahmen mehrere Reiben einfacher StüK ein. von denen die vordersten drei durch unternagelte Latten zu Sperrsitzen verbunden waren; rings unter der Gallerie standen Tische und Skühle. Uebrigens war der Saal nahezu gefüllt, und das Publikum machte einen durchaus anständigen Eindruck; nur oben au? der Gallerie herrschte ein fürckterlicher Lärm. Dort oben saß ..Jung - Amerika", wie sich aus dem barbarischen traßzn - Englisch erkennen ließ. Zwischen den Sitzreihen eilten Kellner hin und her mit dem Rufe: Frisch angesteckt!" Das Publikum an den Seitentischen begann bereits dem Gambrinus seine Huldigung darzubringen, während die Musik eine recht gewöhnliche Tanzweise spielte, nach deren Beendigung der Vorhang in die Höhe rollte. Da Veste an der Vorstellung waren die Costüme, fast alle elegant und neu. die Silberflitterrüstung Siegfrieds sogar prächtig. Das schien auch der edle Pfalzgraf zu fühlen; er brüllte fürchterlich und fuchtelte mit seinen langen Armen in der Luft herum, so daß seine Mitspieler Noth hatten, unbeabsichtigten brfeigen zu entgehen. Nur die Hebbel'sche Kraftsprache war ihm unbequem, und nach einigen vergeblichen Versuchen, den Souffleur zu verstehen, gab er ein Gemengsel alter Erinnerungen und eigener Poesie zum Besten, einen colossalen Blödsinn, den das Publikum ruhig hinnahm. Ueberhaupt verdiente die geduldige Ruhe der Zuschauer nicht genug Anerkennung. Zwar zündete sich hier und da einer eine Cigarre an. wenn ihm die Geschichte da oben zu langweilig und das Deutsch zu fürchterlich war. aber abgesehen von einzelnen faulen englischen Witzen von der Gallerie herunter steuerte das schwankende Bübnenschiff unter Weh und Ach langsam dem Ende zu. Ungeheuere Heiterkeit erregte die Erscheinung der Hexe. Tliai's ;i nice Lady!" rief ein Schlingel von der Gallerie herab und ein fürchterliches, ohrenbetäubendes Trampeln. Pfeifen. Zischen. Brüllen und Lack-en belohnte den Witz. Es war in der That unmöglich, ernst zu bleiben; auch wir wurden von dem allgemeinen Gelächter angesteckt. Der Bengel hatte Reckt. Eine solche Karrikatur in Maske und Darstellung übertraf die kühnsten Erwartungen; die Darstellerin, eine blutjunge Dilettantin, hatte offenbar nicht die geringste Ahnung von dem, was sie vorstellen füllte. AI- der Lärm sich einigermaßen gelegt hatte, fing ein Baby an, seiner entschiedenen Mißstimmung Ausdruck zu geben. Da trat der Darsteller des Golo" dicht an die Rampe und von der Gallerie riefen einige Stimmen: Speech! Speech!" Golo" erklärte nun sehr würdevoll. es sei höchst unschicklich, in einem Tempel, wo Kunst gemacht werde, Babiec schreien zu lassen; dieMutter möge doch den Kunstgenuß des Publikums nicht stören. )lußerdem sei das unästhetische Pfeifen und Trampeln unstatthaft, das Theater sei ein deutsches Familientheater " ., , slnit nj!" rief eine Stimm? von oben, und lauter Beifall folgte diefer Flegelei. Dann ging das Spiel todtt. Als aber der tolle Klaus" von einer Dame gespielt bei der Ermordungsfl.er'c die weiße Perrücke verlor und eine Freundin der Darstellerin zurief: O Lizzie, for shanie!" da kannte da Jubel keine Grenzen mehr, und selbst wir eilten, wie viele der Umsitzenden, nach dem Ausgange, .im durch unser Lachen nicht beleidigend zu werden. Der Lärm war so arg, daß die Vorstellung einen Augenblick unterbrochen werden mußte. An der Thüre trafen wir Egidius. der uns an die in einem Nebenzimmer befindliche Bar geleitete und mit Wein bewirthete. Brilliant! Brilliant!" rief er einmal über's andere. ..Schon vierzehn Keg (Faß) Bier verkauft. Famoses Geschäft!" Jetzt ertönte ein scharfes Klingelzeichen vom Saale her. Der Knalleffect!" rief Egidius und Alles strömte in den Saal zurück. Der Vorhang hob sich, und die feuerroth beleuchtete Bühne zeigte ein grotesk erhabenes Bild. In der Mtte der Bühne schwebte. wie es schien auf einem rothbebangenen Tische liegend, der edle .Golo der be
reits im letzten Acte gestorben war. wieder lebend nach allen vier Seiten Arme und Beine von sich streckend, wie ein Frosch, den SVinder mit einem Stern breitgeschlagen hab?n." flüsterte uns Egidius zu. Im Hintergrunde standen auf einer Erhöhung Siegfried, Geno. veva und Schmerzenreich und rechts
daneben auf einem Scrciterhaufet: d:e l Here. Die Arme schwankte in der rothen Beleuchtung schauerlich hin und her und hielt zum Ergötzen des Publ':kum ein halbgeleertt Bierglas in der Hand; wahrscheinlich hatte der aufgehende Vorhang die Durstige überrascht. . look ar tho teern!" tönte es plötzlich durch den Saal, und nun bemerkten die Meisten erst den Knalleffect: an den Seiten - Coulissen waren links und rechts je zwei Ochsenhintertheile. hübsch schwarz und weiß auf steifes Papier gemalt, festgenagelt; das waren die Steers", die wilden Ochsen", von denen Golo" zerrissen werden sollte. Bei diesem Anblicke ward der Beifallssturm so arg, daß die meisten Besucher aus dem Saale in's Schankzimmer stürzten, da sie fürchteten, die Gallerie könnte einbrechen. Nach mehrmaliger Vorführung des entzückenden Bildes ward der Saal von Stühlen geräumt und zum Balle hergerichtet. Egidius holte uns ab und führte uns in ein Seitenzimmer. Nehmen Sie Platz!" sagte er mitleidig, und schnappen Sie einen Augenblick Luft. Ich bin gleich wieder bei Ihnen, und dann sollen Sie erfahren, wie ich so weit gekommen bin und kom men konnte. Ich hoffe, Sie loerden mir dann eine Thräne des Mitleides nicht versagen." Damit ging er und gleich darauf brachte ein Kellner Wein, mit einer Empfehlung des Directors. Wir sahen uns eine Weile stumm an und schüttelten dann gleichzeitig die Köpfe. Du!" meinte Bertha. Das ist nichts für uns!" Wenn das tugendsame Weib das " hob ich an. Pst!" warnte Bertha. Da kommt ihr Gatte!" 23. K a p i t e l. Was Egidius Schein versuchte, um sich in Chicago eine anständige Existenz zu gründen, und wie er zuletzt V 0 l k s t he a te r d i r e c t 0 r war d S eine Ansichten-von der Kunst im Allgemeinen und von seinen KunstgeHilfen insbesondere. Egidius kam, nach rechts und links freundlich grüßend, durch den Saal und setzte sich mit ziemlich sentimentalem Gesichte zu uns. Mir fiel unwillkürlich sein Citat aus der St. Louiser Jungfrau - Vorstellung ein und ich sagte: So geht de. Mensch zu Ende." Er ladne und meinte: Geistig, moralisch, jawohl, lieber Freund, aber hier sitzen die Musikernten!" Damit schlug er au? eine wohlgefüllte Geldtasctie. die er umhängen hatte. Trinlen Sie erst einmal von diesem kostbaren Stoffe!" fuhr er fort und schenkte die Gläser voll. Ehe ich's vergesse," unterbrach er sich. Meine herzlichen Glückwünsch! Es lebe die Familie Raden! Ja so! Sie führen wohl jetzt wieder Ihren Familiennamen ? Frei Frei ?" ling," ergänzte ich. Richtig: Freiling!" sagte er. Ich wußte doch, daß es so etwas Freies war. Mögen Sie allezeit frei bleiben, frei von dem, was ich erlebt habe. Ja, ja, Sie können sich nach dem heutigen Abend unschwer vorstellen, welches Entsetzen mich erfaßte, als ich hier ankam und die ersten Theatervorstellungen sah und hörte. Daß die gewöhnliche hochtrabende Methode, in der die sogen, besseren deutschen Theater in Amerika sich gefallen, nur zum pekuniären Ruine führe, das hatte ich ja zur Genüge erfahren. Es fiel mir deshalb auch nicht tm Traume ein. mit hohen künstlerischen Intentionen mich zu quälen. Nebenbei gesagt, die paar großeren deutschen Theater hierzulande haben auch von künstlerischen Interessen keine Spur und gehen ja auch alle über kurz oder lang den Weg, den wir dort im Westen mitgegangen sind. Also damit war's nichts, das stand bei mir fest. Wie ich aber die einzelnen Theater hi?r besuchte und die Entwürdigung der Kunst sah, verlor ich doch den Muth. Das kannst Du nie leisten." sagte ich zu mir und eröffnete eine Bäckerei mit Candy - Laden. Das Vergnügen hätten Sie kennen lernen sollen! Morgens um vier Uhr klopfte mich der Backer aus den Federn und halbangezogen mußte ich Brote und Wecken in Empfang nehmen. Dann legte ich mich noch einen Augenblick nieder, denn so früh konnten doch keine Kunden kommen. Bumm, bumm. vumm! ging's eine Viertelstunde später an der Ladenthür, daß ich dachte, das Haus breche zusammen. Rasch in die Kleider, unter oem fortwährenden Rufe: Gleich! Gleich! Gleich! Ich komme schon!" Das Bummsen ließ aber nicht eher nach, bis ich die Thüre öffnete. Eine alte Frau trat ein und begrüßte mich mit den freundlichen Worten: Schämen Sie sich denn gar nicht, so lange zu schlafen? Pfui Teufel! Ich komme jeden Morgen und hole meine Waare bei Ihnen, aber da müssen Sie mich nicht warten lassen. Was haben Sie denn für Stoff? Ach du lieber Gott! Was ist das für Zeug?" Damit trat sie an den Ladentisch und warf mir die sämmtlichen Wecken durcheinander. Nun schrie sie mich an: .Zum Kukuk! Schrauben Sie doch
die Lampe heller, damit man besser sehen kann!" Eilig befolgte ich den Befehl. Ist das Alles?" fragte sie und drückte mehrere Wecken zusammen, daß es nur s- krachte. Alles!" gestand ich geknickt. Sie wählte naferümpfend und lchaüffel ''d drei Wecken aus. legte drei Cents auf den Tisch und entfernte sich murrend mit der Anweisung: Also morgen assen Sie mich gefällieft nicht so lange vor der Tt,üre stehen!" Mit dem Versprechen, mich bessern zu wollen, begleitete ich sie bis an die Thüre. Nun hatte ich eine Stunde Ruhe, dann kam eine Frau, die ein Brot und ein halbes Dutzend Wecken holte. Sie brachte einen großen Hund mit, der sich gemüthlich im Laden umsah und überall nach etwas Eßbarem zu suchen schien. Schließlich hatte mir der Köter auch richtig, ohne daß ich's merkte, eine Wurst, die auf meinem Eßtische in dem Verschlage hinter dem Laden lag. wegstibitzt. Eine halbe Stunde später kam noch eine Frau, die ironisch bemerkte: Wenn Sie draußen vor der Thür nicht hübsch sauber kehren, werden Sie keine Geschäfte machen. Nur sauber! Das ist die Hauptsache!" Dann kam ein Arbeiter und verlangte für fünf Cents Kautabak. Während ich rasch die Kiste aufmachte, betrachtete er sich meinen dürftigen Cigarrenstand. Führen Sie keine Union - Cigarren?" fragte er plötzlich derb. Ganz verblüfft erwiderte ich: Ich weiß nicht, was Sie meinen. Das sind alles amerikanische Cigarren, von amerikanischen Arbeitern gemacht." Aber von Scab-ArbeiternZ" brüllte er mich an und stampfte aus dem Laden mit der freundlichen Weissagung: Bei Ihnen kauft kein anständiger Arbeiter." Nachmittags quälten mich ein paar Kinder, die sür einen Cent Candy holten und sehr wählerisch waren und meine Geduld auf die höchste Probe stellten. Abends erschienen schäkernd und kichernd einige junge Ladies, die Kaugummi suchten. Sie entpuppten sich als riesige Theaterfreundinnen, schwärmten für eine hübsche Show", wie sie sagten, und wurden sehr zutraulich, als ich mich ihnen als Schauspieler zu erkennen gab. Ach! Das iS hibsch!" sagte die eine. Ich hen aach schun uff der Steetsch gespillt; se kawwe all gelacht, ich hätte so funny ausgeguckt. SpLst Du nit? Ach, das is schad! Da driwe die Hall hat kei Show, die sollst Du nemme. Du thust a feines Busineß." Meinen Sie, mein Fräulein, daß cs sich lohnt ?." fragt? ich. Yni bet!" lautete die Antwort. Die Leit gehn hier all arg gern in's Thiäter; hier ist Alles deitsch." O ja!" pflichteten die Anderen bei. ..Du machst gut aus. wenn Du das Thiäter nemme thust. Sprich doch mal mit dem Saloonkeeper." Ich versprach, ihrem Rathe zu folgen. wenn sie auch zu kommen versprächen. O, mir komme!" lautete die Antwort. Mir bringe noch ä groß Crowd mit." Dann fange ich nächsten Sonntag an," sagte ich und reichte Jeder ein Stück Kaugummi mit den Worten: Darf ich Ihnen einstweilen diese dehnbare Süßigkeit als Leichen meiner Dankbarkeit überreichend" Thank vou, Sir!" sagten sie lachend und eine setzte Hinzu: Du bist ein süßes Mann!" Dabei zog sie ihr Stück Kaugummi mit den zarten Fingerchen wie einen Strick zwischen den Zähnen hervor, toaü sie recht anmuthig machte. Alle lachten wieder, versicherten mir nochmals, daß sie in's Thiäter" kommen würden, und schwirrten unter
kicherndem Good bye!" von bannen. Da nun den ganzen Abend Niemand mehr kommen zu wollen schien, dachte ich: Was die anderen Volkstheaterdirectoren thun, kannst Du ja auch einmal versuchen; jedenfalls ist es nicht ehrenvoller, im Laden dem Volke zum Narren zu dienen." Ich ging also hinüber zu dem Wirthe und ward auch, ehe ich m'ch's versah, einig mit ihm. Geld hatte ich ja noch ziemlich in meinem Besitze, und so miethete ich diese Halle zu einem annehmbaren Preise, holte noch in der Nacht meine sämmtlichen Habs-ligkeiten aus dem Laden und nahm eine harmlose Privatwohnung. Ten Laden überließ ich ruhig seinem Schicksale. Schaden 'hatte ich ja nicht viel bei der Geschichte, da ich blos fünf Dollars auf die Miethe angezahlt hatte; die Waaren und die Einrichtung waren gepumpt und meine Gläubiger haben sich das Ihre ohne viele Umstände wiedergeholt. Die Alte soll am anderen Morgen fürchterlich nach ihren drei Wecken geklopft haben, bis die Nachbarschaft sich den Lärm verbeten hat. Nun ging's mit Macht an's Volkstheater. Jetzt zeigte sich's, was ein paar Kröten Geld hierzulande vermögen. Weil ich am Abend vorher einige Dollars an der Bar verspendet hatte, wie man hier so schön sagt, brachte mir der Wirth ein Opfer und ging mit auf die Mitgliederjagd. Wir bekamen auch glückllch eine ganz anständige Zahl wohlbestandener Mannen zusammen, die ich sämmtlich auf Donnerstag Abend um 8 Uhr zur Probe bestellte. Vor acht Uhr können nämlich die meisten Kunstjünger der Kunst nicht huldigen, weil sie bis sechs Uhr in Fabriken, Läden u. s. w. beschäftigt sind. Unser Weg führte uns im Zickzack don einem Wirthshause zum anderen und zwischendurch sprachen wir im
Vorbeigehen leim Zetteldrucker vor. Der machte ein bedenkliches Gesicht, als ich ihm sagte, ich könne ihm das Zettelmanuscript erst Donnerstag brinzcn, müsse aber Freitags d.-n Zettel fix und fertig haben. Als ich in die Tasche griff und gleich bezahlte, versprach er. das vorher Unmögliche möglich zu machen. Mit einem colossalen Rausche kamen wir gegen Mitternacht endlich nach Hause und beruhigten unsere Affen unten in der Wirthschaft noch mit einer Menge feiner Schnäpse. Was man nicht für's Geschäft thut! Am nächsten Morgen saß ich in einem fürchterlichen Zustande am Schreibtische, um den Zettel für die Eröffnungsvorstellung zu entwerfen. Was ich Abends vorher noch für UnMöglichkeit gehalten hatte, gelang mir jetzt in meiner weltverachtenden Stimmung mit überraschender Leichtigkeit. Ich beschloß, Vabanque zu spielen und das Publikum zu verblüffen, und holte deshalb erschrecken Sie nicht! Schillers Tell hervor. Die Besetzung schien mir bei der Masse von Personal nicht schwierig, und so ging der Zettel zur Druckerei. Es war ein Unikum! Ich hatte mir die Theaterzettel der verschiedenen hiesigen Volkstheater zusammengeholt und einen Auszug aus ihren beliebtesten, schönsten Reklamen gemacht. Abends um acht Uhr trat nun meine Garde an, und ich hielt auf der Bühne große Musterung. Es war ein Anblick zum Kugeln: die Rekrutenscene Fallstaffs in die moderne Wirklichkeit übersetzt. Shakespeare hätte mich um diese Illustration beneiden können. Kerle, sage ich Ihnen, Kerle, wie sie die wahnsinnigste Phantasie nicht tollkomischer hätte ausbrüten können. Sie haben ja heute einige Exemplare der Gattung Mensch gesehen, wenn auch die haarsträubendsten zum Theil gar nicht vor die Lampen gekommen sind. Was damals blieb, war gerade genug, meinen Humor zu kitzeln. Und nun die Probe selbst! Sie brachte meinen Galgenhumor auf die höchste Spitze, so daß er vor Wonne Purzelbäume schlug. Und ich hatte Ers?lg. riesigen Erfolg! Das Haus war zum Bersten voll, die Bühne wimmelte von costümirten Völkern, und der Applaus war betäubend. Siebenzehn Faß Bier wurden vertilgt, und ich war der Löwe des Tages. Das war der erste Schritt auf dem schlechten Wege, und nur der er:e Schritt ist schwer. Wie weit ich's dermalen gebracht habe, das haben Sie
ja heute schaudernd selbst erlebt. Nur etwas tröstet mich in meiner Niedrigkeit: ich frevle nicht an der ginnst. Mein Unternehmen hat mit der Kunst nichts zu thun, tvenn ich auch. Tank meiner Vergangenl?cit. immerhin noch etwas viel Sehenswerthereö biete, als die anderen hiesigen Theater, bei denen Gevatter Schneider. Schuster und Schreiner nicht nur Komödie, sondern auch Director spielen." Aber," bemerkte ich, bei den Einnahmen, die Sie erzielen, sollte es doch möglich sein, bessere Schauspieler zu engagiren. Müssen gerade solche Dilettanten zur Geschmacksverschlechterung des Volkes beitragen?" Egidius reckte den Kopf in die Höhe und besah sich im Spiegel er faß richtig wieoer einem solchen gegenüber streichelte sich grinsend das Kinn und bedeutete mir: Lieber Freund! Einmal spränge pekuniär nichts dabei heraus und dann würde das Publikum selbst den besten Schauspieler für nichts achten, eben weil er an einem Volkstheater spielt. Die Leute erwarten hier keine Kunst und glauben an keine. Tanz und Bier und theatralische Unterhaltung mit recht viel Jux, das Alles hübsch durcheinander gemengt und recht billig, das ist Alles, was man hier will. Wenn wir theatralische Vorstellungen sehen wollen, gehen wir in ein wirkliches Theater. Hier wollen wir uns amüsiren." Das hat man mir direct in's Gesicht gesagt. Da werde ich doch nicht der Narr sein und meinen Idealen hier einen Altar bauen, um dabei zu verhungern. So, wie ich's jetzt mache, hab' ich Erfolg, und daß ich vielleicht mehr Erfolg habe, als die anderen Volkstheater, liegt hauptsächlich daran, daß ich hier neu bin, denn solche Mime, wie bei mir, treffen Sie auch an den anderen Kunstinstituten. Uebrigens will ich Ihnen ein Hauptgeheimniß meines pekuniären Erfolges verrathen. Die meisten meiner Mitglieder und sog. scharfe Spieler"; wenn sie eine gute Rolle spielen dürfen, verzehren sie Abends noch mehr, als sie an Gage bekommen, kosten mich also nichts, während andere Direktoren sich selbst mit Spielen abquälen und Geld zusetzen. Da sehen Sie mal unseren ersten Helden im Kreise der jungen, vergnügten Leute! Der Mann ist Sckieiner seincs Handwerks und bekommt von mir fünf "Dollars jeden Sonntag. Dafür verzehrt er sechs und bring: an zehn bis'zwölf gute Freunde mit. von denen jeder auch zwei bis drei Dollars sitzen läßt. Die Soubrette bekommt acht Dol lars. die sie allerdings mit nach Hause nimmt; dafür kommen aber mindestens zwanzig bis dreißig zugendliche Schwärmr. jeder wieder mit einer Rotte Anhänger, und bringen mir die Gagl hundertfach ein. Die kleineren Rollen und Statisten stärken ihre Begeisterung mit Freibier und verleiten ihre guten Freunde zum 17 . eaterbesuch und Geldverzehren." Da muß allerdings jede Rücksicht schweigen." gab ich zu. Allein das Alles rechtfertigt doch verschiedenes Andere nicht, wie z. B. die Blasphemie Ihrer Hexe"." Jetzt ward das Lächeln unfcreö a
ten Egidius faunisch. Er schnalzte mehrmals mit der Zunge und eröffnete uns dann im Tone behaglicher Wonne: Da3 ist gerade eines meiner besten Mitglieder. Sehen Sie, dort drüben steht sie an der Bar im Kreise einer ganzen Schaar Männer und Frauen. Bemerken Sie, wie sie dem alten Dicken da aus die Schulter schlägt, und wie alle Umstehenden in ein wieherndes Gelächter ausbrechen? Sie hat einen ihrer gediegensten Bwcksbergswitze losgetassen und da hadvn Sie den Erfolg! Der Dicke tractirt die ganze Gesellschaft. Mit dem Profit davon ist die Künstlerin über und über bezahlt; sie bekommt nämlich blos drei Dollars Gage. Da hab' ich ferner sehen Sie dort!" unterbrach er sich, indem er nach der Saalthür zeigte. Bemerken Sie den Mann dort? Er kommt gerade hierher. Das ist der Einzige, der die liebenswürdige Versunkenheit meines Ensembles stört das ist ein wirklicher Schauspieler. Wollen Sie ihn kennen lernen? Schön! Ich rufe ihn, aber machen Sie sich auf eine Ueberraschung gefaßt. Holla! Herr Lauber!" rief er dem Manne zu. Bitte, bemühen Sie sich doch einmal hierher!"
29. Kapitel. Eine zerrüttete Existenz. Langsam, zögernd trat der alte Mann näher, dem man schon von ferne den Schauspieler cnsah. Er war sehr einfach schwarz gekleidet und machte den Eindruck, als habe er früher bessere Zeiten gesehen. Sein glattrasirtes, starkgefurchtes Gesicht zeigte einen herben Zug um den Mund, dessen festgeschlossene Lippen schwere Erinnerungen, bittere Enttäuschungen zu verbergen schienen; aber das unsichere Flackern seiner Augen, sowie sein etwas steif vorsichtiger Gang verrieten, aus welcher Quelle er Trost für ein vielleicht verfehltes Leben zu schöpfen pflegte. Mit einem eigenthümlichen Blicke sah mich der Alte an und fuhr mehrmals mit der Hand über Augen und Stirne. Egidius bemerkte es und rief:. Keine Angst, lieber Lauber! Herr Freiling ist nicht gefährlich, der verdrängt Sie nicht von Ihrem Posten. Aber gestatten die Herrschaften, daß ich Sie bekannt mache. Herr Freiling und Frau Gemahlin und dies hier ist Herr Lauber, ein alter College und Kunstveteran!" Ter Alte trat dicht vor mich hin und sah mir prüfend in die Augen, wobei stch jeme Miene zusehends aufklärte. Dann reichte er mir d.e Hand und sagte mit tiefer, für seine Jahre wunderbar klangvoller Stimme: Jawohl! Veteran einer Kunst, deren oonne zu allen Zeiten diePfützen vergoldet und die stolzesten Strome ausgetrocknet hat. Verzeihen Sie. Herr, ich war in Gedanken, und die Gedanken eines alten verkommenen Schauspielers sind wie der Geier des Prometheus; sie zerfleischen die Seele, und der Geist ist gefesselt und kann sich nicht wehren. Ja, ja, vergessen ist schwer, sehr schwer " Lassen Sie die alten Geschichten und setzen Sie sich zu uns!" unterbrach ihn Egidius. Der Alte seufzte tief auf und setzte sich, unverständliche Worte vor sich hinmurmelnd. Egidius reichte ihm eine Cigarre und ließ ein Glas für ihn kommen. Stecken Sie sich eine Cigarre an!" sagte er. Das Kraut beruhigt die Nerven. Brauchen Sie Geld?" Der Alte schüttelte den Kopf. Kann das nicht verzehren, was ich habe," antwortete er. Ich bin hier viel zu bekannt, das ist nicht gut! Werfe zu viel gesucht." Egidius lachte und meinte: Es sollte Ihnen doch angenehm sein, wenn Sie gesucht werden. Herr Lauber hat nämlich einen bedeutenden Ruf als Leichenredner," erklärte er uns. Mit diesem Geschäft verdient er mehr als mit der Kunst." Der Alte knurrte: Ich soll nächsten Mittwoch zu gleieher Zeit zwei Leichenreden an zwei verschiedenen Orten halten, und nwnn ich eine ausschlage, verderbe ich mir das ganze Geschäft. Wenn ich nur einen Stellvertreter auftreiben könnte." Das sollte doch nicht so schwer sein!" meinte ich. Und ob!" lautete die Autwort. Sehr schwer. Gute Redner sind selten, und wenn ich einen Anderen, der ein Geschäft daraus macht, beauftrage, schnappt mir der wieder meine Kunden weg." Bertha stieß mich an und flüsterte bittend: Hans!" Sie hatte Recht, ich konnte ja dem Alten helfen; ein Schauspieler sollte doch wohl eine Leichenrede halten können. Herr Lauber!" sagte ich kurz entschlössen. Wenn ich Jhner aushelfen kann, steh' tch zu Diensten. Ich habe zwar noch nie eine Le?chenrede gehalten, allein ich denke, es wird schon gehen. Und ich werde Ihnen auch Ihr Geschäft nicht verderben." Das stimmt!" bestätigte Egidius. Herrn Freiling können Sie vertraucn. dafür bürge ich Ihnen. Und daß er Ihnen keine Schande macht, na. ich kenne seine rhetorischen Leistungen zur Genüge, um Ihnen in dieser Beziehung vollständige Beruhigung versprechen zu können." Der Alte sah mich mit einem dankbaren Blicke an und sagte: ,.Ja? Wollen Sie? Ich bin Ihnen sehr verbunden. Sie bekommen freie Fahrt und Beköstigung und fünfzehn Dollars baar." Ich wollte das ablehnen, er ließ mich aber nicht reden und erklärte: Das gehört zum Geschäft, das
müssen Sie annehmen, lernst oetetvtgen Sie mich. Wollen Sie?" Damit reichte er mir die Hand hin und ick schlug ein. Schön! Schön" sagte er. Die Sache ist abgemacht. Wenn Sie mal in Verlegenheit sind ich heiße Otto Lauber. Aber auf eine kleine Reise müssen Sie sich gefaßt machen. Der Platz liegt da oben bei Waukegan. Uebrigens ein hübscher Weg und ein schönes Stück Land da. Sie werden einen angenehmen Ausflug haben. Nette Leute, sehr freisinnig, wollen te:nen Geistlichen. Ich gebe Ihnen gleich die einzelnen Notizen, warten Sie." Er holte eine alte Brieftasche heraus und eninahm ihr ein Zettel, den er mir reichte mit dem Bemerken: Sie finden hier die nöthigen Notizen über Stand, Alter, Familie u. s. w. der Verstorbenen. Das Uebrige müssen Sie sich dann selbst zusammenreimen. Na, Sie werden das schon fertig bringen. Als Schauspieler wissen Sie ja: Was packen soll, muß aus dem Innern kommen! Der elektrische Funke, der vom Herzen zum Herzen springt, das ist's, was zündet; darauf beruht das Geheimniß der Redekunn. Verzeihen Sie, ich bin ein alter Mann, meine Hoffnungen sind längst begraben, und doch kann ich mich der thörichten Schwärmerei nicht immer erwehren. Es ist eine alte Krankheit, die nur mit
dem Leben stirbt. Und doch ist das ganze Leoen eine Narrheil, und die Kunst na, lassen wir das. Es lebe die Freiheit! Prosit!" Er trank sein Glas auf einen Zug leer, und seine Augen begannen düster zu leuchten. Egidius hielt es jetzt offenbar für angebracht, der Sache ein Ende zu machen. Er erhob sich und sagte: Vergessen Sie nicht, Herr Lauber. Herrn Freiling anzugeben, wann er an Ort und Stelle sein muß u. s. w. Die Herrschaften wohnen sehr weit draußen und wünschen aufzubrechen, wie ich bemerke." Ja, ja!" murmelte der Alte und fuhr irl geistesabwesend fort: Hast Du's so eilig? Ist Deiner Jugend Zeit die Frist so targ bemessen?" Herr Lauber!" ermähnte Egidius und tippte ihm mit dem Finger auf die Schulter. Der Alte fuhr auf wie aus einem Traume und stammelte: Verzeihen Sie! Ich ja, ja, ganz recht! Es steht Alles auf dem Zettel. Sie können mit der Bahn fahren oder den Dampfer nehmen, das ist Alles genau beschrieben. Es sind nette, umsichtige Leute, die machen einem die Sache nicht schwer. Ich danke Ihnen, hier ist meine Hand, die Hand eines alten Mannes. Ich vertraue Ihnen, ich vertraue Ihren Augen. Wenn Ihre Augen nicht wären Er sprang plötzlich aus, stierte vor sich hin, indem er die Hände wie zur Abwehr von etwas Entsetzlichem vorsireckte und mit heiserer Stimme schrie: Fort! Fort! Ich hab's gewußt, daß es so kommen würde, ich hab's gewußt. Wie sie jetzt spotten über den alten Narren, der Alles verloren hat, Alles, woran sein Herz hing. Ich bin schwach, ja, ja, aber täuscht Euch nicht, meine Hände sind Klammern, sie lönnen würgen " Egidius rief ihn scharf an: Herr Lauber!" Der Alte fuhr auf. sah blöde um sich und murmelte: Ja. ja. es ist zu spät?. Unter der Erde schon liegt meine Zeit unter der Erde tief tief " Seine Stimme ging in unverständliches Flüstern über und aufschluchzend sank er auf einen Stuhl und barg das Gesicht in den Händen. Wir hielten es für das Beste, zu gehen. Egidius zuckte die Achseln und meinte bedauernd: Delirium Tremens Das Schicksal eines deutschen Schauspielers im Lande der Freiheit!" Der Mann muß Schweres erlebt haben," sagte Bertha. Weiß man nichts von seiner Vergangenheit?" Nicht einmal seinen wahren Namen, denn Lauber ist offenbar ein ange nommener. Er verschließt aber sein Geheimniß fest in seiner Brust und wird's auch wohl mit m l Grab neh men. Na. Schwamm drüber! Leben Sie wohl, lassen Sie sich den heuti gen Abend nicht zu Herzen gehen, und wenn Sie sich mal wieder ausschütten wollen vor Lachen, fo wissen Sie ja. wo das Recept gebraut wird. Sie haben ja heute Abend tapfer ausgehalten. Ich bin nur neugierig, wie lange ich selber den Schwindel noch aushalten werde. ohne den Humor zu verlieren. Wenn mich der im Stiche laßt, dann Ste haben ja eben gesehen, wohin der Mensch gerathen rann. Ja. ja, wenn mein liebes, tugendsames Weid Er brach ab. als er bemerkte, daß wir lachten, und reichte uns mit seinem alten mephistophelischen Grinsen die Hand zum Abschtede. 30. K a p i t e l. Wen Hans Zfreilrnq n W a ute ga n traf und welche Aussichten aufeinen neuen Erwerbszweig sich ihm da eröffneten. Bertha hat eine Idee. Es war eine qroßarti Leichenfeier Die Verstorbene war die Frau eines der ältesten Ansiedler der Gegend, und diese ganze Gegend iV'.te Letdtraaende geschickt. Ich habe nie vor einer große ren Versammlung geredet, und ich fühlte, daß ich meine ganze Redekunst aufbieten müsse. u,n von dem weiten Kreise verstanden zu werden. (Fortsetzung folgt.) Boshaft. Was liest Du denn da. Max?" Papa's Gedichte. .Bist Du wieder unartig gewesen
Zsür die Küche.
Kalbsbraten zum Kaltaufschneiden. Ein größeres Stück Kalbfleisch spickt man. nachdem die Knochen sauber ausgelost wurden, mit geräuchertem Speck, bindet das Fleisch, das tüchtig gesalzen wurde, mit Bindfaden rund zusammen, schiebt es mit einem Stück Fett ohne Wasser in das heiße Rohr und läßt es unter fleißigem Begießen anderthalb bis zwei Stunden braten. Dann nimmt man es aus der Brühe und schneidet es, erkaltet, in dünne runde Scheiden. Auf der Schüssel ruhtet man mit einer .usammengesalteten weißen Serviette eine Erhöhung, legt auf diese die Fleischstücke und verziert sie mit roth gefärbtem Aspik. R e i s f l e i s ch. Zwei Pfund Kalbfleisch, das sich weniger zum Braten eignet, wird in Stücke geschnitten, gewaschen und gesalzen. Mehrere Zwiebcln werden klein geschnitten, in reichlich Fett eine halbe Stunde gedämpft, nicht gebräunt, dann das Fleisch unter Zusatz von Paprika, einigen grünen Erbsen und geschnittenen Champignons gedünstet. Eine halbe Stunde vor dem Anrichten gießt man ungefähr 1 Pint Fleischbrühe oder kochendes Wasser zu, nebst einem großen Tassenkopf verlesenen, nicht gewaschenen Reis, läßt 20 Minuten kochen. dann kommt geriebener Parmesankäse darein und die Speise wird, wenn keine Suppe mehr daran ist. zu .Tische gegeben. Plinzen mit Fleischfull u n g. Man bäckt hierzu von gutem Plinzenteig ganz dünne kleine Plinzen nur auf einer Seite zur goldgelben Farbe, bestreicht die ungebackene Seite mit einer Fülle aus Bratenresten, die man mit Pfund Butter. 2 geriebenen Zwiebeln. Eiern, Salz. Pfeffer. Till. Pastetenpulver würzt, nebst dem feingehackten Eiweiß von 4 gekochten Eiern und den feingeriebenen Eidottern derselben, bestreickt die aufaerollten Plmzen mit geschlagenem Ei, bestreut sie mit feingestoßenen Zwieback und backt sie darauf in Butter braun. Die Plinzen werden mit kleinen Sträußchen ge backcner Petersilie garnirt, die man rasch in Backfett bäckt, und zu Kartoffelsalat oder Gemüse gegessen. Diese Mischung ist zu U Pfund Fleuch be rechnet, kann nach Belieben verkleinert oder vergrößert werden. Gefüllte Enten. Am wohlschmeckendsten ist eine Leberfülle für die Enten, zu der man die Entenlebern nebst etwa 4 Pfund ausgesehnter, ge häuteter Kalbleber benutzt. Beide werden zusammen recht fein gewiegt. auch 5 Unzen festes weißes Nierenfett gehackt und dies nebst einer in Butter gedämvften geriebenen Zwiebel, etwas Petersilie und geriebenerSemmel, zwei ganzen Eiern und Pfeffer und Salz dazu gegeben und erne geschmeidige Farce davon hergestellt. Mit ihr wer. den die sauber gewaschenen und gut ausgetrockneten Enten gefüllt, gut zugenäht und in Butter im Ofen unter fleißigem Begießen etwa fünf Viertelstunden gebraten. Der Bratensatz wird entfettet, mit glattgequirltem Mehl, Rothwein, einer Messerspitze Fleischextract und etwas Wasser zu gefundener i-auce gekocht und zu den 'n er viri. Gans mit Kastanie dem die Gans gereinigt (ge. ausgenommen) ist, wird sie steten oder roh geschälten un, waer geiotlenen auanien anui Oeffnung zugenäht und die Gans mit I Tasse Wasser, etwas Salz und Fett in den Bratofen geschoben, der gut geschlössen bleiben muß. Nachher darf kein Wasser mehr zugegossen werden. Zeitweise wird der Braten gewandt und das ausgelaufene Fett mit einem Löffel darüber gegossen. Nach ca. 2 Stunden ist der Broten gar. was man dadurch erkennen kann, daß ein dünn geschnitzter Holzsplitter sich am Beinknochen leicht hinaufschieben läßt. Dann wird die Gans, mit wenig Fett begossen, in dem offenen Bratofen auf einer Platte warm gestellt und die Sauce bereitet, nachdem das Fett zum größten Theil abgeschöpft wurde. Die Kastanien werden auf eigener Platte servirt. Gefüllte Sellerie. Eine große Knolle Sellerie wird in Wasser sauber abgebürstet, dann dreißig Minuten in schwach gesalzenem Wasser gekocht. Nun kratzt man vorsichtig die äußere Haut ab. schneidet eine Sckeibe von der Knolle ad und höhlt diese mit einem Blechlöffel aus. Hierauf bereitet man eine Farce ans drei Unzen Kalb- oder magerem Schweinefleisch, etwas eingeweichtem abgeriebenen Wcißbrod. Butter., einem Hi nd dem nöthigen Pfeffer und Salz, füllt dieselbe in die- ausgehöhlte Knolle, welche man zuvor innen mit Ei bestrichen. und bindet die abgeschnittene Selleriescheibe oben auf. Nun läßt man Butter beiß werden, fügt ein halbes Pint von dem Selleriewasser, in dem man Liebig's Fkeischextrakt auflöste, hinzu nd schmort die Knolle langsam eine gte Stunde. Es empfiehlt sich, ein enges Töpfchen zu nehmen. Dann macht man die Sauce mit etwas Kartoffelmehl semig. träufelt etwas Citronensaft und zwei Eßlöffel Madeira daran und läßt das Gericht so noch einige Minuten weiterschmoren. Sollte die Sauce zu sehr einkochen, so gießt man noch etwas von dem Selleriewas. ser zu. Die herausgebohrten Sellerieftllckchen können mitgeschmort werden. Naturspiel. Gast: tyrau Wirthin, diese Eier sind sehr faul." Wirthin: MerkwSrdig. und meme Hühner legen so fleißig!" Stoßseufzer. FräuleinAch Gl-tt. nun habe ich siebzehn Ver einsbälle mitgemacht und bin doch kei nem vereint.
