Indiana Tribüne, Volume 24, Number 68, Indianapolis, Marion County, 25 November 1900 — Page 7
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Die Wettfahrt.
Pon Alwin Römer. Radeln, radeln, welche Wonne! Wie im Flug dahin zu schweben, Während die auf Schusters Rappen Schneckengleich am Boden 'leben! Zwar ein Stahlroß ist nicht billig! Doch wem macht das etwa Qualen? Jeder Händler offerirt ja So ein Ding auf Ratenzahlen! Und drum kann auch Wetter Leichtfuß Jetzt per Rad die Stadt durchjagen. Die paar hundert Mark mebr Schulden? Gott, was will denn das besagen? lbedem war's einfach scheußlich. (5inem Gläub'ger zu begegnen: Höchstens half der Schirm als Schutzwand Doch, wenn's galt, woll' es nie regnen! Jetzo, hei wie saust's stch's munter Stets vorbei an argen Spähern. . . Eine Nase nach der andern Dreht derStrick den Manichäern. Bald auch wird er auf der Rennbahn Auf des Rades leichten Schwingen Durch die Stärke seiner Muskeln Sich manch ersten Preis erringen. Tagelang schon übt er fleißig Draußen auf chaussirten Steigen. Alle muß er überholen, Die per Rad sich vor ihm zeigen! Heut' nur will's ihm nickt gelingen Bor ihm schon seit Viertelstunden Flitzt, flink wie ein Bankkasstrer, Hier ein Knirps, unüberwunden! Doch er meistert die Pedale, Und der Zwischenraum wird kleiner. Keuchend kommt er ihm zur Seite: Hipp, hipp, hurra!" ruft er, Kleiner!" Doch die Lust auf seinem Antlitz Wandelt sich in Schrecken! Leider War der endlich Eingeholte Sein noch unbezahlter Schneider! Pekinger Sannliculeven. Das Eingreifen der Mächte in China und die voraussichtliche weitere Besetzung chinesischer Randgebiete ! durch Ne bedroht noch lange nicht den Bestand des Staates selbst, wie derselbe in feudaler Form bereits im zweiten Jahrlausend v. Chr. Geburt am Mittel- und Unterlaufe des Gelben Flusses vorhanden gewesen ist. Aber selbst wenn das der Fall sein sollte, würden immer noch die ungeheuren Volksmassen der Chinesen übrig bleiben sammt deren natürlicher Organisation der Familie. Wie dieses heiligste Gut der chinesischen Civilisation, auf dem Pietätsgefühl beruhend, die Grundlage der patriarchalischen Verfassung bildet, das konnte auch bisher schon dargestellt werden. Dagegen war es selbst für Leute, wie die alten Jesuiten - Missionäre, die sich Jahrzehnte lang in der Hauptstadt aufgehalten haben, unmöglich, in das Heiligthum der Privathäuser tief genug einzudringen, um sich über die kleinen, rein menschlichen Züge aus dem chinefischen Familienleben und besonders über die Frauen zu unterrichten; denn ..Männer nicht besprechen innere (AnGelegenheiten)" heißt es in der aus dem 11. Jahrhundert stammenden, aber noch heute giltigen Kleinen Lehre ihres moralistischen Katechismus, und wenn lies) ein Auslander nach dem ..verehrten Frauenzimmer" (Ling-Thang) erkundigt. so wird das von dem chinesischen Gastgeber auf seine Mutter und nicht auf seine Frau bezogen. Diese ist eben ein Rührmichnichtan" im weitesten Sinne des Wortes für jeden Anderen. Darum ist gerade im jetzigen Augenblicke ein Beitrag zur chinesischenVolkskünde von Interesse, welchen der italieNische Gesandtschaftssekretär Vitale auf der Presse der Nordkathedrale (Pe-tang) hat drucken lassen. Seine Pekinese Rhimes" versetzen uns auf bequeme Art in die Jnnenräume der Pekinger Häuser und geben uns somit auch den besten Einblick in das innere Familienleben der Chinesen, speziell der Bewohner von Nordchina. Wie in Japan, ist die Jugendzeit die glücklichste im Leben des chinesischen Weibes. Wohl bleiben Zänkereien zwischen der älteren und jüngeren Schwester nicht aus, we ' erstere z. B. goldene Spangen im Haare trägt, während letztere sich mit Bambusschmuck begnügen muß. Aber dann schlecken wieder beide gemeinsam ..Birnen-Mar-melade" (Ligao ) und andere Näschereien. an denen sie sich mindestens ebenso ergötzen wie unsere jungen Damen an Schlagsahne. Dabei wird das chinesische Mägdkein selbst so süß, daß sie die Aufmerksamkeit des Sludenten erregt, der die kleine Nachbarin trotz allen Lerneifers vom Garten aus erblickt, sich sterblich in sie verliebt und das durch folgende Verse von sich gibt: In der Kaiserstadt am Thor Wohnt 'ne holde Maid. Trägt 'nen Ring im kleinen Ohr, Trippelt fein im Kleid; Weiß und roth glänzt das Gesicht, Schwarzes Haar das Haupt umflicht. Wenn doch in dem Mädchenflor Dich als Braut man mir erkor! Doch es kommt leider anders. Er muß als pietätvoller Sohn eine andere, ihm längst vom Vater standesgemäß Auö'erwählte heirathen, die er bis zur Hochzeit nicht zu sehen bekommt. Gut, wenn der junge Mann bei diesem Glücksspiele kein zu großer Optimist ist: denn im entscheidenden Augenblick reißt auch hier oft genug der schöne Wahn entzwei. Dann sucht der Bräutigam, wenn er am Hochzeitstage mit seiner Braut endlich allein ist. vergeblich einige Reize an seinem schiefmäuli en und schieläugigen L-auchn zu cnU
decken und starrt trübselig in's Lampenlicht. Richt genug, daß der Haustyrann dann seinen Zorn an ihr ausläßt er soll ja ihr .Herr sein , hat sie sich auch noch eine schlechte Behandlung seitens ihrer Schwiegermutter gefallen zu lassen, in deren Haus sie kommt. Dann und wann läßt dieselbe dasSchwiegertöchtercken in der Aschengrübe schlafen, bisweilen setzt es sogar wirkliche Peitschenhiebe. Doch all das anoer: sich mtt einem Schlage, wenn sie guter Hoffnung ist. Kommt das Kind zur Welt, so ist, wenigstens wenn es ein Sohn ist, aller vorangegangene Kummer vergessen, nd sie singt bald, mag auch die Welt zu Grunde gehen, das alte Wiegen-lieb:
Die Pappeln rascheln, Weht denn der Wind , i Im Mutterarm ruhst Du sicher, mein ftind. Der Tiger frißt das Schaf, Mein Schatzchen, sei recht brav! Schlaf ein geschwind. Du holdes Kind! Schlaf, Kindchen, schlaf! Es ist eine Ausnahme, wenn einmal die Mutterliebe wie ein Windstoß verweht und dann der kleine Schiffsjunge bei seiner Fischbrühe klagt, daß seine leibliche Mutter ihn für schnödes Geld in die weite Welt gestoßen habe. Wohl also dem Kinde, das seine richtige Mutter hat! Wird sie aber früh durch den Tod hinweggerafft, dann nimmt häufig der Vater eine zweite Frau. Bekammt er dann von dieser noch einen Sohn, so wird das Stiefkind nur zu oft sagen müssen: Jetzt f.eigt er des Fleisches Kraft. Mich der ew'ge Reis erschlafft. Weinend gedenk' ich der eigenen Mutter! Aber immer noch besser, als überHaupt kein Heim zu haben, wie es oie Familie besonders in China bietet, zumal in der Jahreszeit, wo einherflieaen Schnee - Blümchen". Dann sucht der obdachlose Vagabund wenigstens einen zeitweiligen Unterschlupf in der Thee - Schenke und flucht, sobald er wieder in das trübe Wetter hinaustritt, daß der "alte Himmels - 5)err" (Lao thien je) mit den armen Menschen sein Sviel treibe. Tie Ruuensprache des Gesichts. Eine hochstehende Pariserin, die sich durch ihre Weltkenntniß und ihre scharfe Beobachtungsgabe ausgezeichnet und dabei höchst geistreich zu plaudern versteht, nahm jüngst Gelegenheit, als die oft erörterte Frage, welche Form des menschlichen Mundes die schönste sei, in einem intimen liierarischen Cirkel aufgeworfen wurde, sich in ihrer barocken und prickelnden Weise auch über das zu äußern, was man die Runensprache des Gesichts" nennen könnte, über die Schriftzüge", die Gewohnheiten und Erlebnisse, die Leidenschaften. Schmerz und Freude in das menschliche Antlitz graben. Dabei kam natürlich neben viel Jnteressantem auch manches zum Ausdruck, das man nur mit einem stillen Lächeln wird hinnehmen müssen, und höchstens als geistvolles Apercu kann gelten lassen. Bekanntlich betrachtet man so sührte die schöne Frau aus als die I dealgestalt der Lippen die Linien, welche der Bogen des Liebesgottes" beschreibt, also die geschweifte Wellenform, bei der die Mundwinkel noch oben steigen, und diese Zeichnung sucht das Weib, dem die Natur nicht die Vollkommenheit der Mundbildung gewährt hat. gern durch künstliche NachHilfe zu erringen. Allein die Schönheit des Mundes liegt zu oft in seinem Ausdruck, in seiner Bewegtheit: ein lächelnder Mund, bei dem die Lippen aus ihren feststehenden Linien herausgezogen werden, ist vielfach unendlich liebreizender als der starre Mund, und wenn auch die Grazien alle ihn umschwebten. Die süße Karpfenschnute" des Kindes, bei dem gerade die Mundwinkel so köstlich nach untcn gekrümmt sind und zusammen mit den großen fragenden Augen dem Gesicht den Charakter vorwurfsvoller Trauer geben, ist ein entzückendes Ding für sich, während Kraft und Energie, in gerader Lippenlinie ausgesprochen, den Mund des Mannes vielleicht am trefflichsten kleiden. Auch das schelmische Schmollen der Liebsten, des Mädchens koketter Trotz uno Spott, beides entzückende Varianten, zerren den Frauenmund aus seiner vorgezeichneten Schönheitslinie herus. Dazu kommt noch, daß oft ein ganz unidealer, aber Feinheit und Geist verrathender Mund, von unendlich mehr Liebreiz umwebt wird, als die regelrechtesten nach Amors Liebesbogen genau geschweiften Lippen be sitzen können. Wie in allen Dingen, die den Schönheitscultus betreffen, so nehmen auch in der Kunst der Lippenpflege und Mundveredlung wir Pariserinnen eine hohe Stellung ein. Für uns ist die Form des göttlichen Liebesbogens die allein maßgebende, und diese einzig suchen wir durch künstliche Ausbildung. durch Massage der Wangen, ja, durch unendliche und mühevolle Studien vor dem Spiegel, und wenn es gar nickt anders gehen will, durch Auflegen von Roth zu erzwingen. Wir haben dazu den triftigsten Grund: weil nämlich grade im sinnlichen Frankreich solche, nun einmal als ideal verehrte, des Weibes jungfräuliche Keuschheit am ehesten charakterisirende Mundgestatt sich weniger reia und vollkommen zeigt, während beispielsweise diese Form bei dem deutschen Mädchen sich noch viel häufiger findet und die Berlinerin daher nicht wie die Pariserin nöthig hat, dem Idol mit allem Raffinement der Kunst nachzustreben. . Auch die Spanierin, deren naives.
kindlicke'' Wesen sick in jedem Zuge i,res Gesichtes ausi'vricht. darf sich rühiuen. die vielbcgchrte Sckönhitssorm des Mundes noch in der reinsten ttrsprünglickkeit zu besitzen, wobei ?llerdinas die verkürzte Gestalt ihrer Oberlippe den Bogenschwung erheblich erhöhen hilft. Anders dagegen verhält es sich mit der Engländerin, bei der nun freilich keine speziell weiblichen Charakter-Ei-genthümlickkeiten, sondern eine allgemeine nationale Besonderheit, das stark ausgeprägte Kinn, die vorstehende Unterlippe, der Ausdruck beinahe männlichen Selbstbewußtseins. Trotz, Pnin und Sprödigteit für die Modellirung des Mundes entscheidend geworden sind. Eine auffällige Eigenthümlichkeit besitzt die Londonerin, die ich bei meinem jüngsten Aufenthalt in der Tbemsestadt studiren konnte. Die Engländcrin hat sich nämlich seit einiger Zeit ein völliges Herabsinkenlassen der Mundwinkel angewöhnt. Und zwar
habe ich diese merkwürdige Mundform im Westen Londons am allgemeinsten verbreitet gefunden. Daß die Men schen des einen Stadtviertels sich im Gesicht und im Betragen von denen eines anderen Viertels deutlich unterscheiden, diese Wahrnehmung hat man schon oft gemacht. Ich selbst vermag z. B. die Pariserinnen der verschiedenen Stadttheile mit Sicherheit zu tariren. Auf die Kleidung der Damen kommt es dabei gar nicht an. Sie mag noch so modern, so tadellos loie möglich angezogen sein, ihr Gesicht allein sagt mir, woher sie kommt. Das Mädchen mit dem einseitigen Gesichtsausdruck" ich will gleich nach her erklären, was ich darunter verstehe ist sicher jenseits der Festungswerke zu Haus. Das Turteltäubchen mit den leicht gerötheten Augen und der siebernden Lippe gehört dem Quartier Latin an, während die zierliche Kleine, mit dem entzückend welligen Haar und den verblüffend tiefen Falten zwischen den jugendlichen Brauen, der Typus der nervös geschäftigen Nähterin des Montparnasse- oder des oberen Mont-martre-Districtes darstellt. Der einseitige Gesichtsausdruck! Im Osten von London war es mir zum ersten Mal aufgefallen, daß die Arriets (d. h. Harriet. Henriette. Jette Bezeichnung für die Londoner Nähmädchen, Straßenhändlerinnen u. dergl.) dieses Stadttheils so vielfach ein einseitig verzogenes Gesicht zur Schau tragen. Ueber ihre linke Gesichtshälfte zieht sich von der Nase aus eine tiefe Falte. Wenn diese Mädchen lachen, so lacht nur die linke Seite ihres Mundes, und sie sprechen aus dem linken Mundwinkel heraus. Natürlich giebt es hierbei Ausnahmen: solche, die nicht die linke, sondern die rechte Seite ihres Gesichtes in Bewegut.g setzen; sie sind, was man sonst etwa linkshändige" Personen nennt ; sie habe die unrechte Körperhälfte ausgebildet. Eine Erklärung für dies Phänomen der Einseitigkeit ist unschwer zu haben. In dem harten Dasein, das diese armen Geschöpfe führen. spielt der geheime Grimm und Spott, die List und Verschmitztheit eine große Rolle. Sie grollen im Stillen, wenn sie, wie unablässig geschieht. zum Gegenstand von Angriffen und Sarkasmus gemacht werden. Während die ihrem Quälgeist zugekehrte Gesichtsseite unbewegt und ausdrucklos bleibt, bat die andere Seite gelernt, der Nachbarin eine bissige Bemerkung zuzuraunen, und das Gift des Zornes und Spottes in ein jenseits hinübergezogenes Grinsen zu leiten, mit dem einen Auge, dem einen Msenflügel zu winken und zu zucken. Tiese Gewohnheit verläßt sie auch außerhalb ihrer Arbeitsstätte nickt mehr. Das Geschäfts - Mädchen des Westends Londons unterscheidet sich von der Arriet des Ostens und von der Montmartre-Nähterin in jeder Mise. Keine Falten durchfurchen ihr Gesicht, sie trägt keine nervöse Hast zur Schau. Dafür aber sind ihre Mundwinkel in erschreckender Weise herabgesunken. Bei ihr ist diese Mundoeränderung. dieses unbewußte Aufgeben der Ideallinien wenigstens noch begreiflich. Aber bei den anderen. Frauen und Mädchen, denen der Kampf ums D.isein nicht die herbsten Merkmale um die Lippen gräbt, sind diese kummervollen Mundwinkel fast unverständlich. Man findet sie bei Damen, die die Sckmerzen des Lebens nur vom Horensagen kennen. Und auch bei den Männern macht sie sich bemerkbar. Eines der glänzendsten Beispiele ist der Herzog von Devonshire. Bei einer der brillantesten Künstlerinnen Englands fand ich diese Eigenthümlichkeit, die freilich in diesem Fall dem Gesicht .'inen unendlichen Reiz verlieh. Auch im Antlitz der Königin Victoria tritt die nämliche Besonderheit hervör. Bei ihr. der Wittwe auf dem Thron, läßt sich der Schmerzenszug um den Mund verstehen. Aber junge Mädchen, halbe Kinder, den Zwanzig fern und jedem Lebensgrcwn fremd, auch bei ihnen bemerkt man dieselben melancholischen Mundlinien. Auch bei ihnen hat sich an den graziösen Liebesbogen Cupidos, das holde Ideal des Frauenmundes, die schlaffeste Sehne gelegt, von der der muntere Götterknabe vergeblich streben würde einen Pfeil zu entsenden. Bildet sich dieser merkwür- ! dige Trauermund zu einem britischen Nationalzuge aus? E s i st e i n Kennzeichen bornirter Köpfe, sich über das lustig zu mlchen. was ihnen ein anderer vsrLus hat. Uebexeugend. Warum glauben Sie denn, daß Aaron Beitel seine Frau des Geldes wegen geheira-thet?-.Ich hob se sehen !"
Tcr pa.crne Spiegel.
rn cnhr führt? in Ne.i?nsbürg, so erzählt K. Schuttes, der als Coulissen - Erschüüs-rer wohlbekannte Ferdinand Röder. in Fachkreisen nur der schöne Ferdinand" genannt, das Direktionsscepter. Er hatte einen Rachen wie ein Löwe und brüllte dementsprechend, wenn er spielte, was er nur selten, aber immer in ordentlichen Rcißern that, wie z. B. ..Die Kreuzsahrer", Pfefferrösel" und Mann mit d eisernen Maske". Da taucht ein ne!nes Stück aus dem Englischen auf: Eugen Aram". nach dem berühmten Romane Bulwers gezimmert, und da eine schöne Rolle für ihn darinnen war, wollte er es einem kunstsinnigen Publikum nicht vorenthalten. Da das Stück nur ein für alle Mal" gegeben wurde, habe ich keine blasse Ahnung mehr davon, aber die eine Scene, um derentwillen es nicht mehr gegeben werden konnte, werde ich nie und nim-' mer vergessen. Dekoration: Ein großer Salon mit nur einer Auftrittsthür in der Mittelwand und einer geheimen Tapetenthür auf der linken Seite, deren ganzer Thürrahmen einen großen Spiegel bildcte. Der Schurke des Dramas, den Röder spielte, tritt auf, hält einen Monolog. daß er Aram so weit gebracht habe, sich das Leben zu nehmen, und daß so die eigenen Verbrechen unentdeckt bleiben müssen. Er hört den Helden kommen und verschwindet durch die geheime Tapetenthür, hinter der er das Ende Arams zu erlauschen gedenkt. In düsterster Hamletstimmung betritt Eugen Aram die Scene, hält auch einen Monolog und beschließt, sein Leben zu enden. Er zieht eine Pistole aus der Rocktasche, und wie er sie an die Stirn setzen will, erblickt er in dem Spiegel sein Bild. Die Sinne verwirren sich ihm. er vermeint in der Spiegelgestalt seinen verruchten Feind zu sehen, zielt auf diesen und erschießt so 'n hinter der Tapetenthür Lauschenden. So verlangt es das Stück. Es kam aber in dieser Vorstellung ganz anders. Der Schauspieler. Herr Goubeau, den ich vom Frohsinn - Theater in München her sehr gut kannte, zielte richtig und drückte ab. Das Zündhütchen dieser wunderbare Anachronismus genirtc weder Direktion noch Publikum versagte, wahrscheinlich weil die Hammerfeder der Pistole zu schwach war, und rasch hatte Aram den Hahn wieder aufgezogen, aber es erfolgte ern zweites Versagen. Mit leicht erklärlicher Wuth holte Aram - Goubeau mit der Pistole weit aus und schleuderte sie in den Spiegel. Im gleichen Augenblick ertönte hinter der Scene ein Schuß, aber auch das Brüllen des schönen Ferdinand: Schafskopf, Sie haben mir ja ein Loch in den Schädel geschmissen!" Tie Pistole war nämlich durch das Glas und das Silberpapier, das die Folie vorstellte, hindurchgeflogen, und der schöne Ferdinand, der hinter dem Spiegel lauschte und einen furchtbaren Todesschrei ausgestoßen hatte, bekam den Pistolenhammer so derb an den Kopf, daß das Zündhütchen seine Schuldigkeit that. v' ) V '-' (,... ... v3.. Dlc Vui. (AuS einer alten CKronik). Die Liebe ist eine edle, dem Girn!:the von der Natur eingeschaiene. anmuthige Regung, die von einer sürgestellten und wohleingedruck:en äußerund innerlichen oder aller beiden Schönheit erwe,!et wird. Ihre Wir kung ist überköstlich, ihr Netz so reich und herrlich, daß es unbeschreiblich ist. Sie leimet die Gemüther der Sterblichen zu geruhiger Vergnügung und vertraulicher Freundschaft aneinander und geberdet sich so freundlich, daß ihr zu gefallen auch die Unerträglichkeit selber erträglich wird. Sie würzet Essen und Trinken, erleichtert die Arbeit und arbeitet in der Ruhe, üb?rzuckert alle Bitterkeit, ist eine angenehme Wunde, ein süßer Schmerz, eine Kürzung der Zeit, eine freundliche Rechtfertigung aller Handlungen. Und solches alles, ist zu verstehen, gegen denen, die ihr hold und getrau bleiben; denen Abtrünnigen aber ist sie eine stets währende Furcht und herabzehrende Melancholei, eine Stube voll verdrießlicher Mucken, die der Menschen an feiner Rede gewaltig bindern, ein tausendäugiger und doch blinder Argwohn. Ja, ihre Verrichtungen sind (dafern sie nur mit guter Befcheidenhcit wird angeführt) so fürtrefflich, daß vermittelst ihres Bandes alles in der Welt in guter Ruhe und Einigkeit dastehet, ohne sie aber alles in lauter Verwirrung und Fehde zerstreuet lie get. Sie ist eine sinnreiche Erfinderin vieler Künste, bändiget und züchtiget die wildesten Gemüther, macht Halsstarrige freundlich und Stolze demüthig, versöhnet die Erbitterten, verträgt die hohen Kronen und Herrschaften mit so glückmäßigem Fortgange, daß mancher Potentat durch einen bei rathlichen Schluß seiner Gemahlin zu Liebe schenkt, was ihm vielleicht hunderttausend Schwerter nicht abtrotzten. noch viel hundert Kartaunen erschnarchten. , AuS dem nkunftoroman. Dem Grafen entfiel das Monocle. Er bückte sich ärgerlich, seufzend es war unversehrt. Tie Gläser von Rosenstock & Co., Kurfürstenstraße 105," murmelte der Graf befriedigt, sind wirklich von ausgezeichneter Qualität, sozusagen unzerbrechlich." Und er putzte das Monocle mit einem seidenen Taschentuche, dem es der Kenner sofort ansah, daß es aus der renommirten Firma Adam's Nachfolger am Marienplatz stammte. ; Es klopfte. Der Diener trat ge ' räuschlos herein kein Wunder denn
ALBERT
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mir ihre Kundschaft 102 Süd Pennsylvania Strafe, er trug die famosen Allright-Schube nur Ein Preis die einen unhörbaren Gang ermöglichen und in jedem soliden Geschäft vorräthig sind. Er überreichte mit respektvoller Verbeugung seinem Herrn eine Visitenkarte. Der Graf überflog hastig den Inhalt der Karte und seine Rechte zupfte nervös an dem wohlgepflegten Schnurrbart, dessen überraschend vornehme Lage unverkennbar auf den täglichen Gebrauch von Habich's sensationellemPräparat: Definitiv überwunden!" schließen ließ. Johann, holen Sie mir einen Sarg." sagte der Graf, ohne ein Wort zu äußern. ..Sehr wohl." gnädiger Herr!..Sie kaufen ihn am besten beiRuhesanft & Sohn, denn dieses seit 63 Jahren bestehende als höchst reell und solid bekannte Geschäft zählt die vornehmsten Kreise zur ständigen Kundschast." Sehr wohl, gnädiger Herr?" Hüten Sie sich aber vor den zahl reichen, werthlosen Nachahmungen, verlangen Sie ausdrücklich den Sarg Schlafe patent!" mit eingebranntem Schutzengel No. 73.769 am Deckel! Ich hätte sonst keinen ruhigen Augen blick darin!" setzte der Graf murinelnd hinzu. Tcr geliettenc Topf. i?h.'?n ".5-ihigel leiht sich von Frojem Blankatz zum Sabbath einen Mehlspeistopf aus. Als das Gcräth wieder in Blanlatz' Hände gelangt, bemerkt dieser, daß es gesprungen sei. Darob verklagt er den Rothigel vor dem Bagatellg'richt. Bei der VerHandlung zur Nchtfertigung aufescrdcrt, hält Roi'jigel folgende Vertheidigungsrede: Erstens. Herr Richterleben, hat er mir den Topp gar nischi geliehen; zweitens war er schon gesprungen wie er mir'n gegeben hat; un drittens bab icb'n aanz zurückgegeben." e Photographische GaJIerie, 150 Süd Illinois Straße. Ter Unterzeichnete ladet die Deutsche der Stadt und Umgegend zu einem Besuch semer Gallerie ein. ute Bilder arantirt. Preise niedrig Teutscher Pho,rav, Alles recht blUzblank in Küche und Haus ;u haben, erfüllt jede gute Hausfrau mit gerechtem Stolz. Das beste Mittel, alle Me, tallwaaren in kürzester Zeit und fü die längste Dauer blitzblank und glän zend wie einen Spiegel zu machen, ist die (1. S. METAL P0LISH PASTE, die von .er altbekannten und bewährte Firma GE W. H0FFMAN, 549 Ost Washington St., Indianapolis. Ind., hergestellt wird. Für Gastmirthe ist das altbewährte Putz mittet von derselben Firma herzestellt. zum Putzen der BarFixturcs etc. einfach unentbehrlich und wer es einmal gebraucht hat. wird es stets wieder holen. Bar ecpcr's vnn,o", das Unentbehrliche, ist überall in Apotheken zu haben. DR. j. PINK, praktischer Arzt, Zimmer 3 nnd 9, Commercial Block, Ecke Kentucky ?lve. und Wafhingtonnrße Telepkpn-allrS WZ: neue 3057 und 282. Spnchstunden: fr 11 Vorm,; 2- Nachm.! 7 tilobl Dr. I. B. Kirkpatrick gehandelt Frauenkrankheiten nnd Krankhei ten deS ReetumS. Hämoerhoiden de eNer nnd anift runq geheilt. Office: Harne Buüding, äl Ost Onio Str. WALTER FRANZ, Hahn-Arzt, No. 00 Ost Market-Straße, ffoffin lock. Zimmer 48. Okfittftnnden : $12 in.; 1-5 fhn.; 7 9 benbi. Sonntag von 10 Ubr Dm. bil 2 Uhr Nm.
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