Indiana Tribüne, Volume 24, Number 54, Indianapolis, Marion County, 11 November 1900 — Page 2

Fndiana Tribüne, Sonntag, 11. November 1900

Die verkehrt' Methode. Iatz' thean sie f leicht, weil sie's Dynamit hab'n ; ad wia sie's Dyna mit t g'habt hab'n und es hat si' amol a' helfen lostrennt uns is vom Berg abag'rollt auf d' Straßen, da wo der Weg ncht schmal g'nxn is und is dort liz'n blieb'n, da haben s' an andeie Arbet g'habt, bis sie ' wieder weg'bracht hai'n. Ta hat. Alks ausrucka nuass'n im Ort. was Hans und HiaS und Teppl g'hoaß'n hat. mit Winden -und Stangs und Brecheisen und Stvadohrer. mit Roh und Wag'n. und AUs hat Han onleq'n müass'n und scharwerka. biö -sie den Felsen zertrümmert und suri; g'schafft hab'n. Und bei dera Geleg'nheit hat der Häuslbetz an Vergleich g'macht und hat g'sagt: Der Sloa kemmat eahm akrat so für wia sei' Alte; denn dewar a' so a' Brocka, mit dem n nix o'z'fanga wützt'. und ma kannt ihr net beikemma mit der Guatheit net und net mit der Grobheit, sondern was sie will, dös will sie. und was er will, dös will sie net. und dabei bleibt's. Sagt er Gick, so sagt sie Gack, will er süaß. so will sie sauer, will er mager, will sie fett, so daft er si' schliahli' d'rein 'geb'n hat und hat g'moant. es muaft a' so sei', und es is eahm a' so aufg'setzt. Amol aber hat erdennet wieder sinnirt und nachstudirt. weil's ja dennet denselbigen Stoa a' weg'bracht hab'n, und da is eahm ebbas eing'fall'n. Wia waar's denn, Betz. hat er si' denkt, wennst as amol von der verkehrten Method' o'packest? Denn weil sie alletveil qackt, wenn i' gick, hat n si' denkt, so will i amol Gack sag'n wenn i' Gick hab'n will, nacha sagt sie Gack, und nachher hab' f , was i' will. Und wia eahm der Gedanka eing'fall'n is. da is er frei in d' Höh' g'spruuga ausFreud' über den feina Gedanka und hat an' Entschluß g'fatzt. er wollt' a' Prob' macha und wollt' bei seinerAlten durchsetzen, daß er auf drei Tag' auf Müncha roasen durft aufs Octoberfest. Zwar denselbigen Abend hat er nix mehr g'sagt zu seiner Alten, weil's a' so a' viel a' grimmig's G'sicht g'macht bat; und dees hat a' sein' Grund g'habt, denn d' Nachbarin, d' Häusfuchsin, hat an demselbigen Tag an' neuen Spenser kriagt von der Nahderin und dös bat's g'hört. Am ander'n Tag aber beim Essen hat er schö' kloameis' und prob'weis' o'g'fangt und hat g'sagt: Urschel!" Was is denn scho' wieder?" hat sie 'sagt. D' Knödl hast heut' so guat g'macht". hat er g'sagt, dö' hab'n ma' heut' sakrisch g'schmeckt!" D'rauf hat sie nir g'sagt, g'rad a' bisserl g'räuspert hat sie si'. Nacha hat er wieda g'sagt: ..Urschel!" Mei' Ruah' Ul mdT hat sie g'sagt. daß heut' so a' schöner Tag is. daß sie 's Groamet einfahr'n tunnt'n, fm';ÜL uet wissen ko'. hat er Z'Ü:,ung.rha.. Te Siloa" . ußt. hat sie Da' hat er si' denkt, für a' Piob' gang's net schlecht; denn er hätt' heut' z'erit koa' Lust g'habt zum Groameteinfahr'n; drum hat er g'sagt. daß er 's Groamet einfahr'n wollt'. Also hat er sein' Zweck durch dö verkehrt' Method' erreicht. Nacha is er scho' keker word'n und hat wieder o'g'fangt und hat g'sagt: ..Jatz' hast aber 's Stüberl so schö' auf'putzt und z'sammgramt", hat er ' g'sagt. fttdi a' Freud' is". hat er g'sagt. .'s Dahoambleib'n; g'rad hoamli' is", hat er gesagt. möcht' heut' net zum Wirth geh'", hat er g'sagt, net um viel GeldJ" Daß d' ma' Siub'n voll Sauerci machst", hat sie g'anttoort'. Geh' zum Wirth, oder geh' hi'. wo der Pfeffer wachst!" hat s' g'sagt. Da hat er wieder a' Mordsfteud' g'habt und hat si denkt: Dös geht guat Denn iatz' hat er's rickti' durch die verkehrt' Method' dahin 'bracht, daß er heut' auf d' Nacht zum Wirth geh' derf. Da is er ganz frech 'word'n und hat wieder o'g'fangt und hat g'sagt daß iatz' z'Müncha bald 's Octoberfest is jind daß da so viel Leut' 'naufroasen und etliche vom Ort a'; und er begreifet net, wia d' Leut' so viel Geld ausgebn' kinna für so was, und de tbean do nir drob'n wia saufa. und eahm reuet sei' guat's Geld, und er möcht' net auf Müncha fahrn, da derfet 7n Oana zahl'n. Und der Hanssepp hatt' wirkli'.g'gt. er zahkt eahm d' Fabrt. aber er hätt' eahm g'cmtwort'. er soll nur sei' Geld behalt, er hätt' koa' Zeit, daß er in der Welt umanand fabrer; so hat ?r g'sagt. Da hat sie g?r nix g'sagt d'rauf. Da hat-e wieder o'g'fangt und hat g'sagt: Was sagst iatz' Du dazua, Urschel?" hat er g'sagt. Hab i' net recht, daß i' net aus Müncha fahr'?" Am Buckl steig' ma' aufi!" hat s' 'sagt. Da hat er si' denkt: Iatz' is's ganz gleich oder oa' Teufi und hat g'sagt: Und wenn mi selber bitten thatst, Urschel. daß i' auf Müncha fahr'n sollt' und sollt' Dir an' neuen Spenjer mitbringa) i' möcht' net!" Wia d' Urschel vom Spenser g'hört hat, da iö 's grad' g'wen, wia wenn's a' Wesp g'angelt hatt'. Da is s' auf'fahr'n, und auf oamol iS's o'ganga, wia wenn a Wolken am Himmel ausananda brocha war. Und 's ganze 3afcr bätt's nir a3 wia d' Arbet und 's frctt mit eahm. und daß j' a' o an' Lalla q'heirath hätt' und andere laufeten umananda nv größten Staat, und sie war scho' vasfc der Weiberspott, und net amol an' Spenser vergunnt er ihr!" Da is der Häuslbetz kloa' derschrocka und hat g'sagt: Sei nur um Gotteswillen wieder guat. Urschel". hat er g'sagt. I' jähr' scho' auf Müncha. und den schpn-

sten Spenser. den' in der Stadt gibt, brma.' i' Dir mit!" Da hat s' g'sagt: ..Tu werft was versteh' von aran Spenser! I' werd' scho' selber aufi fahr'n". hat s' g'sagt. und werd' mir oan kafa". hat s' g'sagt. und Du bleibst d.'.hoam". hat s' g'sagt. ..Und iatz' gehst außi und ihuast 's Groamet z'samm'. weil ma's dennet ei'fohr'n; nacha kannst heut' auf V Nacht dahoambleib'n". hat s g'sagt. weil 's Dir gar so guat fallt", hat s g'sagt, in Te: m

z ,ammpug.'tt oiuucn . ,r , 1.1 ra.Ui'" Gkiftesgcgenwart. Von Scharnweber. Zwei Freunde wandelten nach einer überaus schweren Sitzung, deren Folgen sich besonders bei dem einen ertennen ließen, ihrer Heimstätte zu Als ire Wege sich trennten, erbat sich der Andere von Jenem seinen Hausschlüssel zurück, den er in der Kneipe hatte fallen lassen und den sein Freund nennen wir ihn Suffte aufgehoben und aus Scherz zu sich gesteckt, nachher aber zurückzugeben vergessen hatte. Bereitwilligst will Suffte der Auiforderung Folge leisten, doch die Geister des Alkohols sind stärker als er. Während er sich noch vergeblich müht, die Tasche zu finden, wird er von unsichtbaren Händen rückwärts gezogen und ist froh, seinen unfreiwilligen Rückzug schließlich durch einen Laternenpfahl gehemmt zu sehen. Doch was bedeutet ein LaternenPfahl gegen zwölf Seidel"? Gar nichts. Bei dem Bestreben, den verlorenen Schwerpunkt wiederzugewinnen, entweicht ihm plötzlich der trügerische Halt und wieder heißt es: Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo!" Sein Freund Schlaumeier will ihm seinen helfenden Arm leihen, doch eigensinnig, wie Männer in solcher Äerfassung zumeist sind, weist er mit Entrüstung jede Hilfe ab, um ja nicht etwa den Anschein von Bezechtheit zu erwecken Nachdem er sich etwas erholt, schwenkt er wieder auf den Pfahl zu. Diesmal aber blieb ihm der andere zur Seite, um etwaigen Entgleisungen sogleich vorbeugen zu können. Das ersehnte Ziel ist glücklich erreicht; während er mit der einen Hand sich festhält, langt er mit der anderen in seine Tasche schon fühlt er den gesuchten Schlüssel. da droht wiederum die Schwäche des Fleisches über die Stärke seines' Willens obzusiegen, er bemerkt, wie sich seinem Griffe die gefundene Stütze entwindet und die Anziehungskraft der Erde unwiderstehlich, wenn auch langsam, ihren überwältigenden Einfluß ausübt. In dieser kritischen Lage ruft er zu dem dicht danebenstehenden Freunde: Du, Schlaumeier, knöpfe mich einmal fest!" Dieser machte feinem Namen keine Schande. Mit einem richtigen FeldHerrnblick erfaßt er die Situation und knüpft den Hilflosen mit dessen Mintelknöpfen an den Laternenpfahl an. Ein zufriedenes Grunzen entringt sich dessen Lippen, ruhig langt er den Hausschlüssel vor und überreicht ihn dem andern mit den stolzen Worten: Siehst du. ich kann mir allein helfen. ich brauche dich nicht." Ungesehen hatte ein Hüter der Nacht den Vorgang beobachtet. Jetzt trat er aus dem Dunkel hervor und erbot sich. V-r V (c. r r i fr r " I i fvr n rf Yvä sTr ; in L 14 4V IV i l II IV , . . l ' ' ' 1 1 Wohnung zu geleiten. Wunderbarer Weise erhielt er keinen Korb, und Arm in Arm trollten beide von dannen, ohne ' daß Suffke seinen freund noch eines Blickes gewürwqt hatte. Ja. Undank ist der Welt Lohn! Splitter. W unbesonnen trank am Jugendbronnen. Wird leicht im Alter zu besonnen. Was Du Gutes je besitzest, Schätz es so, als wär's verloren. Also wird sein wahrer Werth dir Alle Tage neu geboren. D u g l a u b st oft, daß ein Frauenauge träumerisch ins Blaue blickt und es ruht auf dem Hute einer Rivalin. Das Genie hinterläßt im Vorwärtsschreiten Fußstapfen, in die das Talent tritt; die Mittelmäßigkeit verwischt sie. Mancher Freund gleicht unserem Schatten; er folgt uns nur. so lange die Sonne des Glücks auf unserem Wege leuchtet. Ehestandsscene. Frau (nach einem heftigen Streit): Hätte ich Dich doch niemals kennen gelernt !" Mann: Jawohl! Jetzt, wo es zu spät ist. hättest Du Mitleid mit mir!" Bedenkliche ZurechtWeisung. Der kleine Hans (zu seinem Schwesterchen): Ella, Du bist die größte Gans, die's gibt!" Gouvernante (streng): Hans, Du vergißt wohl, daß ich da bin!" Gutes Geschäft. Frau Nentenstock: Woher hast Du die herr lichen Brillant - Boutons?" Frau Balsambluh: Die hat mer gekauft mein Mann als Andenken an sein Fal. ltssement!" Der Mensch behauptet oft. er pfeife auf etwas, wenn er sieht, daß es flöten geht. Verdächtig. Richter: Sie vermutheten also sofort, daß der Ange klagte, der sich als Student ausgab. ein Schwindler 1i?" Zeu (Nacht ; Wächter): Natürlich, denn ich hab' oen jungen .viann nocy maji ein einziges Mal nach Hause gebraut!"

Das Ende vom ?ied.

Eine Exinncrung von Oscar Keller. Ich habe damals bei Goffroy als Panneau- und Saltomortale - Reite? Engagement gehabt, als ich sie kennen lernte. Sie war zu uns aus Rußland gekommen, wo sie beim Prinzipal Schtschedroff Trapez Volant gearbeitet hatte; ein guter Ruf ging ihr voran, auch entstammte sie einem tüchtigen, alten Bankistenhause, so daß Goffroy gerne bereit war. sie in feine Truppe aufzunehmen. Er hatte es nicht zu bereuen, Julia Spesarti wurde bald der Stern und Magnet unseres Eircus, der noch nie solche gute Geschäfte gemacht hatte als seit dem Tage, da sie in unserer Mitte weilte. Sie war aber auch ein schönes, stolzes Weib, ein echtes Zigeunerkind mit all dem wilden Reiz unseres Berufes und all der flammenden Freudigkeit des freien Vagantenthums. So hatte sich denn auch bald ein großer Kreis von Freunden und Verehrern um sie gebildet, die Alle um ein freundliches Lächeln, um einen freundlichen Blick von ihr buhlten. sie hatte aber für alle dieselbe schroffe, kalte Zurückweisung, mit der sie selbst uns. ihre Eollegen, behandelte. Sie pflegte keinerlei Verkehr, hatte keine Freundin, kam nirgends hin und mengte sich nicht unter die übrigen Artisten, die sich oft nach der Vorstellung in einer nahen Wirthsstube zusammenfanden, wo man bei der kannt Wein gemüthlich zusammenblieb und über Dies und Jenes ein Viertelstündchen plauderte. Oft kam der Prinzipal selbst mit uns, erzählte dann von seinen Abenteuern in fremden Welten, oder er kramte seine Erinnerungen aus, da er noch bei Tizzoni geritten hatte, die schöne Julia war selbst an solchen Abenden nicht zu bewegen, von ihrer bisherigen Gewöhnheit abzuweichen. Laßt sie nur," pflegte da der Prinzipal zu sagen, sie ist einmal nicht anders. Daran erkenne ich das stolze Blut der Spesarti. Ihr dürft nicht vergessen, ihr Vater war der berühmte Eaesare. der Erste, der den Kugellauf machte und mit sechs Messern hierbei jonglirte. Ach, Du mein Himmel, war das eine herrliche, eine glänzende Arbeit, die alten Saltimbanques konnten noch etwas! Ihr seht ja an ihr seine Schule, das ist Kühnheit, Uncrschrockenheit, dazu gehört mehr als das bischen Ueben Herz muß man haben. 5erz und echtes Artistenblut obendrein! Ja, die Julia dünkt sich eine Prinzessin, sie entstammt einem edlen Hause, dem Blaublut unseres Standes!" Weiß Gott," warf ich gereizt ein. wir sind auch nicht vom Feldrain, wenn wir auch elende Zigeuner des Lebens sind! Ist unsere Arbeit vielleicht schlechter als die eines Spesarti? Trage ich weniger meine Knochen zu Markte? Und hier, unser braver Clown, unser Misko. wenn er in seinem tollen Doppelsalto über zwölf Pferde setzt, ist das vielleicht auch nur ein Scherz?" Er hat Recht, vollkommen Recht," stimmten sie Alle bei, die Julia schämt sich unser, das ist Alles! Sie will nichts gemein haben mit uns. wir sind ihr zu ordinär. Oder haben Sie nicht bemerkt. Prinzipal, wie sie sich darauf soviel einbildet, daß die jungen StadtHerren und die Officiere um sie herumscharwenzeln?!" Unsinn!" schrie unser Gladiator auf, ein breitschultriger, knöchernerG selle mit Muskeln aus Eisen und Sehnen aus Schiffstauen, wie könnt Ihr dem Mädel nur so Unrecht thun. Sie verachtet Niemand aus unserer Mitte, denn sie liebt unsern Stand mehr als ihr Leben, aber die jungfreuliche Keuschheit ihres reinen, adeligen Wesens empört sich gegen dasFreie und Ungezwungene unseres Umganges. Wer kann sagen, daß Julia dem oder jenem Stadtherrn oder Officier um ein Haar mehr Rechte eingeräumt hätte als irgend einem von uns? Auch ich habe ihren Vater gekannt, und ich kenne sie wohl ein Dutzend Jahre , habt Ihr bemerkt, daß sie mir gegenüber weniger zurückhaltend wäre als Dir, oder Dir. oder Dir, Kamerad? Laßt das Mädel in Ruh', rathe ich Euch, oder beim Himmel . . .!" Und er erhob drohend seinen Arm und ließ die mächtige Fraust dröhnend auf den Tisch niedersinken, daß die Gläser und Teller klingend zusammenschlugen. Niemand wagte zu widersprechen, denn man kannte den Jähzorn unseres Herkules; ich. der ich mit ihm seit Iahren auf's Innigste befreundet war, durfte es riskiren ihm u antworten' Du magst Recht haben. Alfred, und fern sei es von uns. Julia irgendwie zu beleidigen. Wir schätzen sie als Collezin und l'eben sie in ihrer tüchtigen Leistung. aber siehst Du. daß sie uns alle den keuschen Stolz ihrer Seele so fühlen läßt, als wären wir nicht sammt und sonders tüchtige Kerls, das ist ein Unrecht. Beschönige nicht, Alfred. Du liebst sie! Wehre nicht ab. die jähe Blutröthe in Deinem Gesichte straft Dich Lügen, wenn Du widersprichst! Du liebst sie, Alfred. und darum hast Du so gesprochen. Oder glaubst Du. ich hätte es nicht längst gemerkt, wie Du fortwährend hinter ihr einherschleichst, bei ihrer Arbeit hinter dem Manegevorhang wie angenagelt dastehst, den Athem anhältst und bis in die Schläfen bleich bist, weil Du für sie zitterst. wie Du alle ihre Bewegungen mit gierigen Blicken verscklinast und erst au Dir kommst wenn ne unten tn der Manege steht. umrauscht vom tosenden Beifalle?! Aus Dir spricht die Liebe, Alfred, wei. ter nichts!" Wenn auch." antwortete er mit zitternder. leiser Stimme, sein Zorn war gebrochen, er war nur mehr das unbeholfene Kind, als welches ich ihn längst in mein Herz geschlossen hatte. , .Diese Liebe gereicht Dir nur zur

Ehre, mein Junge, dann sei aber auch ein ganzer Mann und rede mit dem Mädchen ein vernünftiges Wort. Der Gladiator reckte seinen mächtigen Leib, wahrlich er paßte wie kein Zweiter zur stolzen Julia, ein schöneres Paar kann selbst der 5immel nicht zusammenführen. Du hast Recht." bekräftigte der

Prinzipal, sich an mich wendend aber so seid Ihr. komisches Volk! Da sehe sich einer diesen Herkules an. mit einem Hiebe streckt er ein Pferd in den Sand, vor einem kleinen, unscheinbaren Mäde! läuft er davon und beugt den Nacken. Na, mein Junge, ich will selbst die Sache für Dich in die Hand nehmen und morgen schon mit Julia sprechen." Gebt Euch keine Mühe," ließ sich auf einmal eine schnarrende Stimme aus dem gegenüber liegenden Winkel vernehmen, sie gehörte Tom Marley an. unserem indischen Gaukler, gebt Euch keine Mühe, denn Julia ist schon längst in einen russischen Grafen verliebt, der ihr überall hin nachfolgt und der gewiß auch bald hier bei uns erscheinen dürfte. Ihr wißt doch, daß mein Bruder bei Schtschedrin engagirt ist, er hat mir darüber geschrieben, hier könnt Ihr den Brief lesen." Ter Gladiator wollte sich auf den kleinen, schwächlichen Jrländer werfen, ihn zermalmen, mit schwerer Mühe hielten wir ihn zurück. Was willst Du von Tomy," schrie ich, der kann doch nichts dafür!" Aber Alfred war vicht zu bändigen, er raste förmlich und wollte am liebsten gleich zu Julia eilen, sie zur Rede stellen. Dazu hast Du kein Recht." wehrten wir ihn, laß uns zuerst den Brief von Tomy's Bruder lesen. Es verhielt sich thatsächlich, wie Tom gesagt hatte; sein Bruder schrieb über Julia nichts weniger denn schmeichelhaft, fast klang und leuchtete aus jedem Buchstaben, aus jedem Worte mühsam zurückgehaltener Haß und gewaltsam zurückgedrängte brutale Leidenschaft einer sinnlos gereizten Eifersucht unfläthige Rohheiten, die sich darin gütlich thaten, ein wehrloses Weib zu demüthigen und zu beschimpfen. Denn die Anspielungen auf den russischen Grafen waren hart und rücksichtslos. An all' das glaube ich nicht." begann ich, wenn wir auch mit der Thatsache rechnen müssen, daß einGraf Julia liebe und sie zu seinem Weibe machen wolle, was folgt daraus? Offenbar will Julia von diesem Grafen nichts wissen, sonst hätte sie doch Rußland nicht verlassen und wäre bei Schtschedrin geblieben, wo es ihr sehr gut ging. Das schreibt ja Tomy's Bruder selbst. Also abwarten. und Du, Alfred, sei vernünftig und mache keine Dummheiten." Dem war nicht mehr zuzureden. Den schweren Kopf müde über die Brust gesenkt, die Augen stier und glanzlos, schien er nicht mehr wissen zu wollen, was um ihn vorging. Ein Bild des Jammers und Erbarmens, dieser starke, kraftstrotzende Mann so elendiglich in sich zusammengebrochen ! Am folgenden Tage, wir hatten eben Probe der neuen Pantomime Die schone Müllerin", trat ich auf Julia zu und erzählte ihr in kurzen, einfachen Worten die ganze Begebenheit des ver flossenen Abends. 'Sie hörte mich schweigend an: sie hatte die Augen gesenkt, aber hinter den Wimpern zuckte es blitzend und irrlichtend, dann schien es mir, als glänze es feucht in diesen Augen, wie von zurückgehaltenen Thränen. Und um die herabgezogenen Mundwinkel zitterte es leise, unmerklich fast. Als ich aber dann auf den russischen Grafen zu sprechen kam, warf sie stolz ihr schönes Haupt zurück und blickte mir voll in die Augen. Und es leuchtete darinnen sonniger, erquicklicher Jugendglanz, stolze Freude und keusche, innige, warme Jungfräulichkeit, die aller Welt in's Auge sehen darf. Ihre Antwort?" frug ich dann nach einer Weile, was soll im meinem Freunde Alfred, dem Gladiator. scgen?" Sie sprach kein Wort; bloß spielte sie mit den klirrenden, goldenen und silbernen Anhängseln ihres Armbandes; denn sie schien mit sich selbst zu kämpfen und im Unklaren zu sein, was sie sagen sollte. Wohl tausend Gedanken durchpulsten ihre liebende Seele und bohrten sich wie nagende Schlangen in's Hirn, bis sie mir voll und ganz das rosig überhauchte Gesicht wieder zuwandte und also begann: Laßt mir Zeit. Ich bin so jäh erschrocken über Alles, es kommt so eiaenartia über mich, daß ich mich kaum zu fassen vermag. Das Eine sagt Eurem Freunde, er braucht Graf Asmurski nicht zu fürchten." Nicht?" stieß ich hervor und griff nach ihrer Hand, die sie mir sachte entzog. Nein," preßte sie schwer hervor. Ich werde nie des Grafen Weib." Die Glocke des Regisseurs rief mich in die Manege zur Probe. Mit-flüch-tigem Gruße eilte ich davon. Julia machte sich an ihre Apparate. sie war ruhig und gepatzt, als wär: n?e etwas vorgefallen. Einige Tage nach dieser Unterredung tauchte Graf Asmurski auf. Er hatte Julias neues Engagement bald ausgekundschaftet, nun war er ihr gefolgt. Ein gedrungener, mittelgroßer Mann, der nichts Aristokratisches an sich hatte. Vielmehr sah er recht verwildert aus und gar nicht wie alle jene jungen Leute, die zu den Stammgästen eines Circus gehören, elegante Kleider tragen. Monocles in's Auge klemmen, näselnd sprechen und viel Champagner trinken. Graf Asmurski sah ganz anders aus, bürgerlich fast und etwas verwildert in seinem Gebahren. Merkwürdigerweise hatte er auch nicht wie alle anderen vornehmen jungen Herren eine Glatze, vielmebrtrug er

üppiges, wirres Haar, da in breiten Strähnen in die stark gewölbte Stirn fiel, auch konnte er noch viel und laut lachen und mitUnsereins plaudern, als blickte er nicht aus irgend einen Stammbaum zurück. Mit mir hatte er gleich Freundschaft geschlossen, und vor mir schüttete er auch sofort sein übervolles Herz aus. Und ich erkannte bald in ihm einen

ganzen, braven und rechten Mann, der das Leben kennt und ernst nimmt, erkannte in ihm einen edeldenkenden, wirklichen Aristokrat, der unsere Julia mit der verzehrenden Gluth seiner wahren Liebe liebte, der zu ihr anbetend emporblickte wie zu einem Gotte. .Ich habe deinen Menschen auf der Wdt, dem ich Rechenschaft schuldig wäre," erzählte er, die ganze Welt ist mein, ich gehöre der ganzen Welt. WaS soll ich mich da um verrückteVorurtheile scheeren, die zwischen uns Menschen Unterschiede machen, Wälle aufstellen und Gräben graben? Ich kenne auch keine Leidenschaften, habe nie auf Pferde gewettet und nie Weibern nachgestellt ich lebe ruhig und sorglos für mich hin und habe nur den einen Wunsch, ein geliebtes Weib heimzuführen, mich mit meinem Glück irgendwo auf meinem Gute vergraben und nur dem Lachen, der Freude zu leben, wie uns Gott dieses schöne Leben schenkt, in Sonnenschein und in trunkener Freudigkeit der Allmacht. Und Julia soll dieses Weib sein! Was Sie mir von Ihrem Athleten erzählt haben, genirt mich weite? nichts ich bin daran gewöhnt, daß sich überall irgend ein College findet, der mir dieses herrliche Geschöpf streitig machen will, habe ich volle zwei Jahre um ihren Besitz gekämpft und gerungen, werde ich noch weiter kämpfen, bis ich sie mir erringe. Mein Wort darauf!" Nur zu bald erkannte er aber, daß es diesmal mit dem College, der sich in jedem Engagement findet" - denn doch etwas ernster sei, denn bisher. Wohl gab ihm Julia selbst nie direkten Anlaß zu dieser Erkenntniß, aber es lag etwas in der Luft, wie Gewitterschwüle, die man nicht begreift, sondern bloß ahnt und fühlt. Dieser unleidliche Zustand wurde von Tag zu Tag unerträglicher, eine Entscheidung mußte endlich fallen, das sahen wir Alle ein. Doch der Graf blieb in seiner gemessenen Vornehmheit, die sich nicht aufdrängt und die nicht beleidigt. Seine Liebe war so rein und wahr, daß er sie stumm und tief im Herzen trug wie einen köstlichen Schatz. Wenn dagegen Alfred drängend wurde, hielt ich ihn vor Uebereilungen zurück, und so kamen wir nie um einen Schritt weiter. Bis sich endlich der Graf doch entschloß, ein letztes Wort zu sprechen. Er besorgte einen herrlichenSchmuck, kaufte ein prachtvolles Bouquet und ließ beides Julia überreichen, sie in einem beigelegten Billet bittend, ihm endlich ihr Jawort zu geben. Sie dürfe dies um so eher und leichter thun, als sie doch seine Verhältnisse sehr genau kenne und zwei volle Jahre Zeit gehabt hätte, sich von seiner Liebe zu ihr zu überzeugen. Wenn sie ihn während dieser Zeit auch einige Male bereits abgewiesen hätte, er habe deshalb den Muth doch nicht verloren. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Noch am selben Nachmittage traf sie ein. Julia sandte ihm den wundervollen Schmuck zurück und schrieb ihm nur einige wenige Zeilen: Jetzt, da ich selbst liebe, heiß, endlos und verzehrend liebe, weiß ich Ihre namenlose treue Liebe zu ermessen. fühle ich sie i.lit allen Regungen meines Herzens, mit jedem Beben meiner Seele. Und darum erfüllt mich tiefes, namenloses Weh, daß ich nicht wählen mag, daß ich dieses Leben als harte Bürde empfinde, das ich gerne von mir werfe. Wenn Sie diese Zeilen lesen, bin ich nicht mehr, ich habe einen Mann geliebt, der nichts davon ahnte, der mich nicht beachtete und das ist herber, denn der Tod Behalten Sie den Schmuck als Andenken an mich, die beiliegende Rose aber übergeben Sie dem Manne, dem meine Seele angehört hat. übergeben Sie sie unserem Saltarelli. . . . Ihre Sie segnende Julia. Der Graf konnte den Brief nicht zu Ende lesen, die Buchstaben tanzten vor seinen Augen, er griff mechanisch mit beiden Handen in die Luft, warf den Oberkörper zurück und stürzte laut ! aufschreiend zu Boden. Wir fanden ihn in tiefer Ohnmacht. In der linken Faust hielt er krampfhaft denSchmuck. der beim Aufschlagen auf dem harten Estrich sich ein wenig verbogen hatte, einzelne Steine lagen auf dem Boden verstreut und glänzten im hellen Sonnenschein wie Thauperlen, wie ThräDaneben lag eine Rose, sie ließ trau- ' rig ihr verduftend, verhauchend Köpfchen sinken sie galt mir. Das traf mich bis in die Seele, ich knickte zusammen und schlich mich davon. mich auszuweinen. Hätte ich es doch geahnt! .... Und da man sie hinaustrug zur letzten Ruhe, folgte ich mit dem Grafen ihrem Sarge; wir hielten uns wieBrüder umschlungen und weinten Beide leise und still.' Am Abend verkündete der Regisseur, zwei Nummern des Programmes müßten ausfallen; das Publikum nahm dies gleichgiltig hin und applaudirte dem Clown, der lärmend und lachend in die Manege tollte. Ue'bertroffen. A.: Meinem reichen Onkel kommt man gerade recht, wenn man ihn um eine Beisteuer zu einer Badereise oder dergleichen angeht! Er hat mir einmal gerathen, ich, solle nur fleißio an die frische Luft gen!" B.: Das ist nicht so schlimm! Mein Onkel hat mich, als ich das gleiche Verlangen an ihn stellte, einfach an die frische Luft gesetzt!"

Toilettenkunfte.

Von M. Koßar. Von jeher haben die Frauen danach gestrebt, durch künstrlche Mittel ihre natürlichen Reize zu erhöhen und mehr noch: die entschwindende Schönheit festzuhalten. Schon die ältesten historischen Dokumente, die wir besitzen, geben uns mancherlei fesselnde Auskunft über diesen Punkt. Auf assyri. i sehen Neliefs sehen wir Darstellungen, ' die sich kaum anders erklären lassen, als daß eine Frau die andere schmückt, und in egyptischen Papyrusrollen fin den sich bereits Recepte zu allerhand Schönheitsmitteln. Das älteste der- ' selben wurde für die Königin Schesch, 1 Gemahlin des Königs Menes, vor nahezu sechstausend Jahren bereitet. Sonderlich wirksam wird es freilich nicht gewesen sein, da es im wesentlichen aus dem Klauenfett verschiedener Thiere bestand. Dagegen sind viele der Salben und Pasten, die im zweiten Jahrtausend vor Christus in Egypten üblich waren, in ihrer Zusammensetzung keineswegs ganz thöricht, denn die meisten von ihnen enthalten irgend welche Jngre- , dienzien, welche die Eigenschaft haben, die oberste Hautschicht zu entfernen. Hierauf beruht ja auch die Wirkung unserer heutigen Alpenkräuterpasta. Wenn man diese, mit Wasser zu einem Brei angerührt, auf das Gesicht aufträgt und sie nach einer halben Stunde etwa abwäscht, so erscheint die Haut sammetweich, rein und frisch. Die Egypter wandten statt dessen Salbe aus Natron und Alabastermehl an, wovon das erstere die Haut erweicht und das letztere die abgestorbene wegnimmt. Ueberraschend große Erfolge haben die Frauen der alten Culturvölker, die ja doch die Gesichtsmasse noch nicht kannten, dadurch erzielt, daß sie über Nacht förmliche Teigmasken zur'Entrunzelung des Gesichts trugen. Diese waren bei den Egyptern, aber mehr noch bei den Römern natürlich nur bei denen des Kaiserreichs im Gebrauch. So pflegte Poppaea, die Gemahlin des Nero, eine Larve aus Brotteig und Eselsmilch, die nach ihr Poppaeana getauft wiirde. anzulegen, um sie erst am folgenden Morgen mit lauer reiner Eselsmilch abzuweichen. Diese Larve machte gleichzeitig das Gesicht faltenlos und den Teint zart und weiß. Die Zartheit des Teints allein suchte man auch mit einer Larve aus Reis und Bohnenmehl zu erreichen. Uebrigens galten auch Bäder von Eselsmilch bei den Römern als hervorragendes Schönheitsmittel. Die Frauen der weniger Bemittelten mußten sich freilich mit Waschungen begnügen, während die der Reichen und namentlich die Kaiserinnen überaus große Marmorbassins mit dieser von jeher theuren Flüssigkeit füllen ließen, um mit ihrem ganzen Körper darin untertauchen zu können. Erst wenn der Körper so vorbereitet war. kam das eigentliche Verbessern der Natur" an die Reihe. Obenan stand hierbei natürlich die Schönfärberei, die sich seltsamenweise bis auf das Anmalen von Haaren über der Nasenwurzel, an den Schläfen und im Nacken erstreckte. Damit soll indessen nicht gesagt sein, daß die Römerinnen den ihnen von der Natur in nicht genügendem Maaß verliehen Schmuck nicht durch einen auf fremden Köpfen gewachsenen ersetzten im Gegentheil war dies vielleicht mehr ncch als anderswo bei ihnen üblich, du zu ihren sehr complizirten und mühselig anzufertigenden Frisuren ungeheure Haarmassen gehörten. Besonders seitdem die Römer durch ihre Feldzüge viel mit den Germanen in Berührung gekommen waren, galt blond ihnen als die schönste Haarfarbe. Es wurde nicht nur in schwunghafter Handel mit den langen ährengelben Haaren der nordischen Frauen getrieben, sondern man verstand es auch bald, schwarzen und braunen Haaren mit anerkennenswerthem Sachverständniß bezüglich der dabei anzuwendenden Technik die seltene blonde Nuance zu verleihen. Zu Cato's Zeiten benutzten die Frauen hierzu vorzugsweise eine röthlich-gelbe Haarseife sparn canstica . mit der das Haar, nachdem ihm durch Reiben mit Reismehl der überflüssige Fettgehalt entzogen war. gewaschen wurde. Besonders interessant ist es. daß man schon dazumal darauf verfiel, das Gesieht, dem künstlichen Haarton entsprechend. heller zu schminken, als es von Natur war. Während in der Kosmetik fachmäßig ausgebildete Sklavinnen sonst sowohl der weißen Schminke creta cenissa wie auch der rotben . fueus miniiim einige Tropfen eines bräunlichen Wurzelextraktes zusetzten, legten sie. wofern ihre Gebieterinnen völlig als Vlonvinen zu eriazeinen iünschten. die eine wie die andere unvermischt auf deren Gesichter auf. Die Augenbrauen dagegen schwärzten sie unter allen Umständen. Sehr genaue Anweisungen zum Bereiten von Färbetinkturen und anderen Schönheitsmitteln finden sich in einem umsangreichen Werk über Kosmetik, das Kri'ton. den Leibarzt der Kaiserin Plotina. zum Verfasser hat. Dieses Werk enthält 25 Recepte allein zu Haaressenzen und Pomaden. Ein Theil des Buches behandelt auch die Herstellung von Wohlgerüchen, die immer wechselten, je nachdem sie dazu dienten, die Kleider, die Haare, die Bäder, den Körper oder den Athem zu parfümiren. Vielfach wurden für die letzteren beiden Zwecke auck Medikamente innerticy genommen. Wie ausgedehnt der Gebrauch der Wohlgerüche war. geht daraus hervor, daß man die aus Elfenbein und Golddraht gearbeiten falschen Gebisse über Nacht in 'vustende Essenzen legte und vor ihrer Befestigung im Munde das Zahnfleisch ebenfalls paxfümirte. In der Regel dauerte die Toilette eiir Vornamen Römerin oder Pompe-

:anerin mehrere Stunden. Die dienstthuenden Sklavinnen mögen währendder mannigfachen umständlichen Prozeduren. die dazu gehörten, oftmals genug von der üblen Laune der Herrin zu leiden gehabt haben. Wehe der Armen. wenn der etruskifche Spiegel mit dem unerläßlichen Griff in Form einer Aphrodite, durch den die Dame das Verschönerungswerk beobachtete, ihr matte Augen oder eine Falte im AntUtz zeigte! Denn thatsächlich gab es nicht einen einzigen durch das Alter bedingten Mangel ihrer Schönheit, den sie nicht in Jugendrei umzuwandeln strebte. Römische Satiriker erzählen darüber zürnend manch Erg'chliches. Es wurde sogar versucht, die Farbe der Augen zu verändern. Es wird vonc einer alten weisen Frau zu Nero's Zeiten berichtet, die es verstanden haben soll, graue Augen in nahezu Veilchenblaue umzuwandeln eine Fertigkeit die ihr selbstverständlich durchaus nicht zu eigen gewesen ist. aber manch vornehme Römerin dürfte doch daran geglaubt und für diesen Glauben durch reichliche Geldspenden an die kluge Frau gelitten haben. Im Vergleich zu dem Raffinement der Toilettenkünfte der Römerinnen sind die der Griechinnen ziemlich Harmlos. Selbst eine Pbiesterin der Schönheit wie Aspasia wußte zur Erhöhung ihrer Körperreize in der Hauptsache nichts Besseres zu thun, als ihr Gesicht mit Bleiweiß und rothem Mennig zu schminken, die Brauen mit Kienruß zu schwärzen und die Lider mit Spießglänz zu umziehen. Hierzu kam natürlich, daß sie sich noch die Haare salbte. Der Gebrauch von Parfümerien, namentlich von Vlumenölen. die vom Orient aus in den Handel kamen, war freilich bei den Hellenen kaum weniger verbreitet, als bei andereantiken Völkern, doch wendeten sie dieselben nicht mit dem gleichen Raffinement an. wie die Römer und Egypter. Im großen und ganzen läßt es sich wohl behaupten. daß im alten Griechenland die Männer sich reichlich so viel mit der Verschönerung des Körvers zu thun machten, wie die Frauen. Zur Zeit des Perikles verschmähte auch das starke Geschlecht es nicht, duftende Bäder zu nehmen, und um so und so viele Jahrhunderte früher, sogar schon während des trojanischen Krieges rieben einzelne vornehme Griechen sich die Fingernägel blank und legtenSchminke auf ihre Wangen. Philostrat erzählt dies z. B. von Paris, dem Auserwählten der schönen Helena. Verfolgt man die Geschichte der Kosmetik von Anbeginn, so kann man beobachten, daß sich, streng genommen, auf diesem Gebiet nur wenig geändert hat. Die wichtigsten Schönheitsmittel von ehedem besitzen auch heute noch Geltung, mit dem Unterschiede nur, daß gegenwärtig die wirksamen Ehemikalien in möglichster Reinheit auf den Toilettentisch der Damen kommen, während man früher diejenigen Vegetabilien und anderen Droguen anwendete. in denen sie in oft verschwindend geringen Mengen enthalten waren. Dieser Umstand erklärt sich sehr einfach daraus, daß wir uns in der Gegenwart eben besser auf die chemische Analyse verstehen. So hat z. B. Wassersuperstoffoxyd im Alterthum schon eine hervorragende Rolle in der Kosmetik gespielt und wie ausgedehnt der Gebrauch desselben augenblicklich ist. dürfte allgemein bekannt sein. Cs findet sich in den verschiedensten TeintMitteln, in denen es den Zweck hat. die abgestorbenen Hautschichten zu entfernen und die gesunden zu bleichen. Das Schminken ist in unserer Zeit jedoch, außer auf der Bühne, fast gänzlich außer Gebrauch gekommen. Man pudert sich wohl, aber: Pudern ist nicht Schminken sagen die Damen. Die moderne Kosmetik nennt es ja ihren höchsten Triumpb. daß sie die Frauen nicht mit erborgten Reizen schmückt, sondern sie ihnen thatsächlich verleiht. Die Frau, welche, bevor sie Toilette gemacht hat. abschreckend erscheint, wie die böse Kunigunde in Kleist's ..Käthchen von Heilbronn-, und später, wenn sie sich den Augen der bewundernden Welt präsentirt. ein bezauberndes Wesen ist. eristirt zur Zeit nicht mehr. Und wer schön und jung aussieht, bleibt es auch im. Neglige sagt doch Lessinq's kluge Minna von Barnhelm: ..sind wir schön, so sind wir ungeschmückt am schönsten". Die besten Schönheitsmittel aber j sind zweifellos: eine vernünftige Ab- ! Härtung. Sport oder doch Bewegung ; im Freien, kalte Bäder und Wafchun- ! gen und last not least unverändert gute Laune. Eine alte Anekdote erzählt, daß eine Frau, deren Gatte allabendlich im Wirthsbaus saß. eine , Hexe um ein Mittel bat. das ihr dazu ! verhelfen sollte, ihren Mann vermittels ' ihrer Schönheit an's Haus zu fesseln. ' Sie erhielt darauf eine Salbe mit der Weisung, sie aufs Gesicht zu streichen und dann beständig zu lächeln, da das Mittel andernfalls nicht zu wirken vermöchte. Die Frau that nach dem Rath der Alten und siebe da ihr Mann ging hinfort nicht mehr in's Wirthshaus. ttasernennofblütkcn.

Unterofficier: Na. Meier. Sie sind so dumm! Ich glaube. Sie denken, man kann Elefanten mit Fliegenleim fangen! Kerl, machen' Sie nicht solch' trübseliges Gesicht wie ein Kannibale beim Anblick eines Stelettmenschen!" Ginjähriger, setzen Sie nicht immer eiHc Miene auf. als ob Si dereinst im Conversationslerikon fett gedruckt stehen werden!" Piefke, ich bin überzeugt. Sie verkehrtes Geschöpf würden im Eiskeller den Tropenkoller kriegen!"