Indiana Tribüne, Volume 24, Number 46, Indianapolis, Marion County, 3 November 1900 — Page 1
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ZlldinllN . r 1 z nt I 1 Mit 4 V ountagö- J K Blatt 10,-pcrWoch? !?s 0 v i 5?pä4 & V M TT Erscheint jeden WöUßpNittag nni Sonntag Morgens. Jahrgang 24. Indianapolis, Ind.. Samjtog, den Z. November 1900. No. 46
Trülittle.
Ausland Depeschen
Ti ie Lage in ßßina. 5 Mclzr hohe chinesische Bsamte zum Tode verurtheilt. - Die Reiche dcr fiefcÜHfifra dcs Kmftn, g Zu - In einem 9mm in der kaiserlichen Staat üufgesnttden. 0 Tic .Kaiserin Tittwe hatte sie er morden lassen. fönt dcr Boeren in Hdnsrita. Die fege nicht die rosigste siir die Vnte. Ter 5:ernberg Prozen in Berlin wird immer srnsittiotteller. Meineide werden anscheinend zu Dtztde geschworen. 5as Zcppclin'!chc Sftfchiß vom prenßischen ttricgömin.fterum angekauft. Au s China. P e k i n g , 30. Okt., via Shanghai, 2. Nov. Sämmtliche gesandten oerlangen, daß General TungFuhZiang, der die Belagerung der Gesandtschaften geleitet hatte, ebenfalls bestraf! werden müsse. Für die chinesische viegierung dürfte es allerdings schwierig sein, dcm zu entsprechen, da Tung Fich Liang auch jetzt noch die Truppen kommandirt. welche die Zraiferin-Wittwe begleiten, und außerdem müßte der General erst aus seiner Heimathsvrovinz fortgeschafft werden, ehe er bestraft werden könnte. Ueber den Selbstmord Yü Hsien's. des ehemaligen Vizetönigs von Schantung. verlautet jetzt, daß die Kaiserin selbst ihn angeordnet habe. Aus der Provinz Kwantung kommen sehr beunruhigende Nachrichten. Man befürchtet, daß die kaiserlichen Truppen zu den Aufständischen unter Kang 2)u Be': und Lun Yat Sen übergehen, so oaß die Sachlage dieselbe sein würde, nie in 1860 zur Zeit der FriedensoerHandlungen mit Frankreich und England. Damals mußten auch fremde Truppen den Aufstand im Süden un.'erdrücken. Shanghai. 3. Nov. Prinz Tuan befindet sich nicht mit dem Hof in Signan Fu, wie jetzt bestimmt verlauet Er soll geflohen sein, um der Be'trafung zu entgehen, und sein Ausentali ist unbekannt. In einem Brunnen im Kaiserpalast in Peking fanden Soldaten der Alliir,en die Leiche der Lieblingskonkubine 8 Kaisers. Namens Cbesci. Da sche Mädchen hatte sich die Feindsckaft der Kaiserin-Wittwe zugezogen. )i? sie vor der Flucht des Hofes todten ließ. (5hingfei. die zweite Favoritin &ri Kaisers, und hundert andere seiner Konkubinen fielen in die Gefangen'chast der Alliirten. Zitn Tsin. 3. Nov. Am Mittwoch besetzte eine Anzahl franzosischer Offiziere einen Waggon des Spezialluges. der das 14. Ver. Staaten Ins.Regiment nach Tong Nu bringen sollte, ind sie weigerten sich, den Waggon zu zerlassen, als sie dazu aufgefordert wurden. Oberst Daggett. Komman)eur des 14. Regiments, ließ daraufhin die Offiziere von feinen Soldaten geDaltsam aus dem Waggon entfernen. Die Franzosen sinv in Folge dessen im höchsten Grade aufgebracht und sie verlangen, daß Oberst Daggett Abbitte leisten soll. Paris. 3. Nov. Eine Depesche oer Havas Agentur aus Peking, vom 1. November datirt, lautet : Die französischen Truppen kamen am 23. Oktober in S: Ling an und besetzten das Grab der Kaiserin. Die Deutschen, Italiener und Engländer, die später ankamen, besetzten die anderen kaiserlichen Gräber. Paris. 3. Nov. Die internationale Kommission in Pao Ting Fu, an deren Spitze der französische General Bailland steht, ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Groß - Schatzmeister und der Gouverneur von Pao Ting Fu. sowie ein chinesischer Oberst, an der Ermordung amerikanischer und englischer Missionäre mitschuldig seien. Die drei Chinesen sind deshalb zum Tod verurtheilt worden und ihre Hinrichtung wird bald stattfinden. Außer den Obigen wurden später noch Tien Fana. der Provinzial-Rich 1er ; Wang Shungbe, der MilitärCommandant: Gennzl Kiu und noch
zwei anoere zeamie zum iove oerurtheilt. Der am meisten von den Chiriefen in Ehren gehaltene Tempel soll von den Truppen zerstört werden. u dem Deutschen Reich. Berlin, 3. Nov. Einer ofsiziel. len Depesche von oem Grafen von Walds?fee zufolge sind at.t deutschen Kont'.?genletnCh!na angekommen und über da? Land vertheilt worden. Das erste und zweite Marint-Bataillon. die erste Jnfanterie-Briaade und etwas Arttllet U7.V Kavallerie stehen tn Peking. Die zweite Jnfanterie-Brigade, mit iß alt sorrksoolirenven Auaabe von Ar rillen?, Kavallerie und Genie-Truppen, befindet sich in Pao Ting Fu. Ein Bataillon steht in Shan Hai Kwan. Die dritte Infanterie Brigade, mit einer Kompagnie Scharfschützen, zwei Schwadronen Kavallerie und mehreren Batterien Artillerie, steht in Tien Tsin. Eine Batterie und mehrere Haubitzen befinden sich in Taku und eine andere Truppenabtheilung ist auf die oerschie denen Stationen an der Eisenbahn zwischen Peking und Fang Tsun vertheilt, wo sk die Rekonstruktion der Ei senbahn überwachen. Eine Depeschc aus Pao Ting Fu, vom 1. Nov.. sagt: ..Die Deutschen ha rfi die telegraphische Verbindung zwlschen Pao kkß Fu und Peking, wiederhergestellt und die Eisenbahn von Pao Ting Fu nach Peking ist auch beinahe wieder ganz repari'rt. Französische Truppen bewachen die Linie. Der Gesundheitszustand oer deutschen Truppen bessert sich beständig." In den heutigen Zeitungen, darunter im hannovkr'sckn Courier", wurden wieder eine Anzahl Briefe oon Soldaten aus China veröffentlicht. Der hannooer'sche Courier" fordert editoriell die Regierung auf. eine Erklärung darüber abzugeben, ob die Behauptungen der Briefschreibr. daß die deutschen Truppen in China wirklich solche Grausamfeiten begegn, wie dies in den Briefen beschrieben wurde, auf Wahrheit beruh ten. Dieses Verlangen wird oon der Freisinnigen Zeitung" aufs Wärmste unterstützt. Die russische Regierung hat der Hamburg -Ä:::eritanischen Dampfer Linie den Kontrakt für die Beförderung russischer Truppen von Odessa nach dem fernen Osten zugesprochen. Die Dampfer -Gesellschaft hat daraufhin sofort die Dampfer der Hamburg-Brasilien-La Plata Linie. Eigenthum von A. C. von Freitag & Co. in Hamburg, angetauft und sie steht jetzt mit der Hamburg und Südamerikanischen Dampfer-Gesellschaft in Unterhandlung, um einen Theil der Dampfer dieser Gesellschaft pachtweise zu erhalten. Ueber das von der sozialistischen Presse ausgedeckte deutsche Panama" gehen die Wogen der Diskussion noch hoch. Kommerzienrath Bueck, GeneralSekretär des Eentraloercins deutscher Industrieller, hat wieder Oel ins F?uec gegossen durch die Behauptung, die betreffende Angelegenheit habe sich im August 1899 ereignet und nicht, wie die Sozialdemokraten behaupten, in 1893. Die Kölnische Zeitung" und der VorwärtS" streiten sich nun darum, ob das die Anklagen der sozialistischen Blärter widerlege oder nicht. Aber auch liberale Blätter finden, daß der Gra von Posadowskl:.Wehner und Direktor Wödtke dadurch nicht entlastet werden. ihre Stellung müsse nach wie vor unhaltbar erscheinen. Eher geschadet, als genützt hat ein plumper Versuch des Agrarier-Organs, Deutsche Tagezseitung", die Sache als geringfügig darzustellen, da das Bueck'sche Rundschreiben, in welchem um Beiträge für die vom Reichsamt des Innern gefor derten Fonds von $12,000 zur Durchdringung der Zuchthaus-Vorlage ersucht wurde, nur Mitgliedern des Centraloereins zugegangen sei. Graf Zeppelin ist das Geld ausgegangen zu weiteren Versuchen mit seinem Luftschiff: auch seine Gönner, der Kaiser und andere Fürsten, wollten oder konnten nichts mehr hergeben.Aber das preußische Kriegsministerium hat jetzt das Luftschiff für die LuftschifferAbtheilung erworben, die damit weiter erperimentiren soll. Der Prozeß gegen den Bankier Sternberg, der im vorigen Jahr wegen grober Verbrechen gegen die Sittlichkeit zu zwei Jahren Zuchthaus ru:tre:It wurde, dann aber Brufuna eMegte. brachte am Freitag eine neue SeBffation. Ein fun ges Mädchen. Namens Wonda. auf dessen Aussagen hin Sternöerg thatsächlich ci dem ersten Prozeß oerurtheilt wurde, erklärte seine damaligen Aussagen für durchaus unwahr. a- Mädchen sagte ferner, daß der Po'cizeidetektio Stierstrander und der Kriminalkommissär von Treskow sie eingeschüchtert und veranlaßt hatten, die Aussagen zu machen, die sie jetzt für unwahr erklärt. Das Berliner Tageblatt" erklärt, daß der Ver. St. Generalkonsul Mason in einem nach Washington geschickten Spezialbericht sich einer falschen Darstellung oon Thatsachen schuldig ge
macht gade, als er an-ga?. daß deutsche
Haonranten und Importeure häufig in betrügerischer Weise von amerikanischen Handelsmarken Gebrauch machten. Alles was die amerikanischen Kauf leute, die nach Deutschland erponiren, zu thun haben." sagt die Zeitung, ist. daß sie ihre Handelsmarken regiftriren lassen, was 30 Mark kostet, und das ist genau, was auch die deutschen Kaufleute tbun. um sich gegen betrügerische Handlungen zu schützen. Die Karlisten in Spanien. Madrid, 3. Novbr. Trotz der Thatsache, daß der Karlisten-Aufstand offiziell für beendet erklärt wird, ist am Freitag ein königliches Dekret er-
lassen worden, demzufolge die konstitutionellen Garantien m ganz Spanien aufgehoben und die Behörden ermächtigt werden, den Karlismus mit Stumpf und Stiel auszurotten." Paris. 3. Nov. Von den fran zösischen Pyrenäen wird berichtet, daß die karlistische Agitation jenseits der Grenze immer noch mit dem größten Eifer betrieben wird. Bei Baga und Berga wurden zwei Gendarmen und zwei Karlisten getödtet. Da wieder 'k,rere neue Karlisten )anden aufzeiaucht sind, waren die Gendarmen gezwungen, sich in Puyeerda zu konzentriren. Eine Anzahl Karlisten haben sich in die Berge und Wälder von Oberkatalonien geflüchtet und es wird schwer halten, sie von dort zu vertreiben. Die französische Grenzbevölkerung hat um Zusendung von Truppen ersucht, damit der Uebertritt von Karlisten auf französisches Gebiet verhindect werden kann. Madrid. 3. Nov. Die KöniginRegenttn führte am Freitag den Vorsitz im Kabinetsrach. Der Premier, General Azcarraga, erklärte den Ministern, was soweit gethan worden sei, um den Karlisten - Aufstand zu unterdrücken und er kündigte an. daß der Karlistenklub in Madrid geschlossen worden sei. Marquis Villadaria. der Haupt sächlichste Vertreter der Don Carlos in Spanien, ist hier verhaftet worden. Baron Sangarrea ist in Bilbao ang:kommen. Die offizieu'e Zeitung enthält ein Zirkular, in dem die Präfekten aufgefordert werden, die strengsten Maßregeln anzuwenden, um den Karlismus zu unterdrücken. Sie werden darin ' angewiesen, alle Agitatoren zu verhaften. die Wohnungen der Verdächtigen zu durchsuchen, die Karlisten - Klubs , zu schlichen und die Zeitungen zu un- : terdrücken. die falsche und alarmirende ' Nachrichten verbreiten. Aus Süd-Afrita. London, 3. Noo. Die Lage in Südafrika bessert sich zusehends und Lord Roberts wird mit dem größten Theile seines Stabes in kurzer Zeit nach England zurückkehren. In der Kapstadt werden Vorkehrungen getroffen, die erste Abtheilung oon Flüchtlingen nach Johannesburg zurückzusenden und in Bloemfontein werden Anstalten zur Aufnahme einer Garnison oon 7000 Mann gemacht. Trotzalledem sind die Boeren nach wie vor sehr aktiv. Am 26. Oktober nahm ein Kommando oon 300 Mann in Raddersburg die 30 Mann starke Garnison ' gefangen, ließ sie aber nachher wieder laufen. Züge vom Süden nach Pretoria werden fast täglich von den Boeren angegriffm. Am 24. Oktober besetzten die Boeren Koffyfontein. Dagegen hat General Knor den Streitkräften Dewet's bei Pnvs eine ernstliche Niederlage beigebracht, und dabei zwei Geschütze erobert, oon welchen eines den Engländern bei Sannas Post abgenommen wurde. Die Verluste der Briten in den letzten Tagen waren wieder schwer. Im Oktober verloren die Briten an Todten (in der Schlacht gefallen) 157 Mann, darunter 15 Offiziere, an Wun- : den gestorben 71 Mann, an Krankheiten gestorben 357 Mann. Unfällen erlagen , 22 Mann und 97 werden vermißt oder sind gefangen, so daß der Vertust im Oktober noch eben so groß war, wie der durchschnittliche Monatsoerlust während des Krieges. Die Daily Erpreß" veröffentlicht sensationelle Angaben über die ungewohnlich große Aktivität der Boeren, welche größer ist. wie man bisher glaubte. In Folge dessen ist die Rückkehr Lord Roberts wiederum verschoben. Größere Truppenabtheilungen können nicht vor Januar oder Februar zurückkehren, während die Ersatzmannschaften für die Regimenter noch aus England nachgeschickt und ebenfalls noch 6000 Pferde nach Südafrika gesandt werden müssen. Das Blatt erklärt, daß .die Boeren ! gut bewaffnet und mit Lchensmitteln I und Munition reichlich versehen sind und j daß der Feldzug voraussichtlich noch 6 1 Monate dauern wird. Andere Blätter ; theilen diese pessimistischen Anschauun- ' gen der Daily Expreß" indessen nicht . und prophezeien ein baldiges Zusammenbrechen des Widerstandes der Boe i ren. ...
Jitland Depeschen.
Die Ermordung der Jennie Mosschicter. Die vier Wüstlinge von den Großgeschworenen Des Mordes und der Nothcht angeklagt. Aber erst nachdem der Richter Tic Kroßgeschworenen in scharfer Weise an ihre Pflicht gemahnt hatte. EpMayor Wm L. Etrong von Ncw Vork gestorben. Cornelius L. Alvsrd, der betrügerische ankbcamtc, In Ermangclunq von 8150,000 Burgschaft lll'z Gefängniß geschickt.
Schrecklicher Mord in Indiana. , Die Patersoner Wüstlinge in Anklagezustand versetzt. P a t e r s o n, N. I., 3. Nov. Die Grandjury oon Passaic County hat am Freitag Walter McAllister, A.erander Campbell. William Death und George Kerr in Verbindung mit dem Tod der jennie Bosschieter des Mordes und der Nothzucht angeklagt. Aber nicht freiwillig hat die GrandJury die Anklage erhoben; sie muhte förmlich dazu gezwungen werden. Wo ; Niemand daran zweifelte, daß die unglückliche Jennie Bosschieter das Opfer : eines taarsträubenden Verbrechens ge i worden? ist. hatte die Grandjary aus wohl gewichtigen Gründen anfangs anders entschieden. Der Wahrspruch der zwölf Braven und Getreuen" lautete wörtlich : Wir finden, daß Jennie Bosschieter : auf mysteriöse Weise zu ihrem Tode ge- : kommen ist. wahrscheinlich durch Gift." Dieser Wahrspruch wurde am Mittwoch Nachmittag abgegeben. Der Richter Diron vom Supreme-Gericht wurde ; durch diesen sonderbaren Wahrspruch für einen Augenblick anz außer Fassung gebracht und dann donnerte er aber los : Sie sollten sich, mit allem Respekt gesagt, schämen, meine Herren. Wenn man Ihren Wahrspruch härt, ist es wahrbaftig kein Wunder, daß man drüben in New Aork unser Gerichtswesen als korrupt bezeichnet. Sie. meine Herren, sind lebende Illustrationen dafür, daß Ehrlichkeit und Gesittung überHaupt nicht mehr cxistiren. Sofort begeben Sie sich in's Berathungszimmer zurück und erbeben Sie eine Anklage gegen die vier Hallunken. Sollten Sie dies nicht thun, so werde ick Sie wegen Mißachtung des Gerichts zur Rechenschaft ziehen." Diese derbe Abkanzelung oerfeblte ihre Wirkung nicht. Wie begossene Pudel zogen sich die Herren Großqescaworenen wieder in ibr Zimmer zurück und sie begannen dann auch wirklich die Zeugen zu verhören, die alle gewünschte Auskunft über das Verbrechen geben konnten. Sechs dieser Zeugen wurden am Donnerstag vernommen und die GrandJury war am Donnerstag Abend bereit, Bericht abzustatten. Der Richter Dixon hatte sich aber bereits nach Hause begeben und die Geschworenen kündigten deshalb ihren Befund erst am Freitag an. Der Wahrspruch wurde im Gerichtssaal mit demonstratioem Beifall aufgenommen. In der That, der Applaus war ein stürmischer und anhaltender, daß sich der Richter Dixon schließlich gezwungen sah. vier der Haupt-Demon-stranten ins Gefängniß zu schicken. Die Frau des Kutschers Scoutthorpe, der, wie es heißt, verschwunden sein soll, bedauert, daß die Sensation so rasch ein Ende nimmt. Wie sie erzählt, verdiente ihr Mann seit dem Morde täglich $10 damit, daß er Damen" genau über die Todesroute der unglücklik?" Jennie Bosschieter fuhr und hauptsächlich die Einzelheiten des furchtbar schmutzigen Trauerspiels beschrieb. Es wird versichert, oaß einige der Großgeschworenen auch geneigt waren, den Kutscher Sculthorpe als Mitschuldigen in Anklagezustand zu versetzen, die Majorität war aber dagegen. Der Kutscher hatte erklärt, daß er nichts von dem Zustand des Mädchens gewußt habe, als es in sein Fuhrwerk gehoben Ivurde. und daß er später von zwei von den Männern gezwungen worden sei, die ihm gegebenen Befehle zu befolgen. Die chemische Anasyfe der inneren Organe des Mädchens wird in New ? 1 I
Aork tn dem avoratormm ves Proses sors Witthus gemacht, der auch die Unterschung in dem Molineuz- und dem Rice-Fall gemacht hat. Die Analyse ist noch nicht beendet und Prof. Witthus hat noch keinen Bericht an den CountyArzt abgestattet. Von diesem Bericht hängt Vieles ab. Es wird vielleicht nöthig werden, die Geständnisse von Campbell oder Death , oder beide Männer als Staatszeugen annehmen und ihnen gestatten zu müssen . sich einfach der Nothzucht schuldig zu bekennen Wenn die chemische Analyse genügend ist, um die Vergiftung nachzuweisen, dann wird es nicht nöthig sein, sich der Gestandnisse zu bedienen, aber selbst wenn die Analyse nicht genügen sollte, die Vergiftung nachzuweisen, kann der Staat auf die Theorie hin klagen, daß die Heftigkeit, die Scheußlichkeit des Angriffs einen Herzschlag und damit den Tod verursacht hat. und bei einer Schuldigfprech ung unter dieser Anklage würde ebenfalls die Todesstrafe die Schuldigen er warten Der Stand der Geschäfte. New Y o r k . 3. Nov. R. G. Dun & Co.'s dieswöchentliche Uebersicht über den Stand der Geschäfte in den Ver. Staaten lautet wie folgt: In der Eisen-Jndustrie bessert sich die Lage fortwährend. Die größere Aktivität in Eisen- und Stahlprodukten aller Art hat jetzt auch das Robmaterial affizirt. Bessemer und Grey Forge vst stärker in Pittsburg und die Nachfrage nach Pig hat stark zugenommen. Struktureisen ist in starkem Begehr undPlat t'n sind im Preis gestiegen. Stangeneisen würde zu bisherigen Preisen willige Abnehmer finden, es werden aber höhere Preise verlangt, die indeß vorläufig noch nicht bewilligt werden. Billets quotiren in Philadelphia zu $20 und eine Reduktion im Preis vonStahlschienen ist unter diesenUmständen nicht zu erwarten. Die Schuhfabriken in Neu-England sind wieder vollauf beschäftigt, und die eingelaufenen Bestellungen genügen, um die Fabriken bis zum Ende des Jahres in Betrieb zu halten. Die Preise sind aber unverändert geblieben. Die Wollverkäufe beliefen sich in den drei Hauptmärktcn des Landes in der letzten Woche auf 7,804,000 Pfund. Die Wolle wurde fast alle für den sofortigen Konsum gekauft und ein Vergleich mit derselben Woche im vorigen Jahr ist deshalb kaum angebracht, denn damals beliefen sich die Verkäufe auf 25.386.700 Pfund. Diese Verkäufe waren aber fast ausschließlich auf Rechnung der Spekulation zu setzen. Preise sind etwas fester und der Durchschnitts-
preis für 100 Sorten betrug am 1. No vember 19.55 Cents. Baumwolle ist nach dem starken Rückgang nne Kleinigkeit gestiegen. Hauptsächlich in Folge stärkerer Ankäufe seitens der Spinner. Auch Weizen war etwas fester. Welschkorn blieb aber im Wesentlichen unverändert und Prooisionen hatten im Ganzen einen ruhigen Markt, das Corner für Oktober-Pork" ausgenommen. Der Sckluß-Preis für Pork am letzten Tag im Oktober betrug $20. Die Zahl der Bankerotte belief sich während der Woche in den Ver. Staaten auf 198, gegen 183 im letzten Jahr und in Canada auf 23. gegen 25 im letzten Jahr. Sollen die Regierung be trogen haben. Chicago. Jlls.. 3. Nov. Acht Männer, die unter dem KorporationsNamen Fertile Valley Creamery Company" die Regierung um Tausende an Steuern betrogen haben sollen, indem sie im Geheimen Oleomargann fabrizirten und für Creamery"-Butter verkauften, sind am Freitag von den Ver. St. Großgeschworenen an das Bundesgericht verwiesen worden. Die Regierungsagenten haben RohMaterial im Werthe oon $25.000. das in den Gebäuden der Creamery" Company gefunden wurde, mit Beschlag belegt. Ein sauberer Patron. S h a m o k i n . Pa., 3. Nov. O. I. Reed. ein früheres Mitglied des Stadtraths, der kürzlich schuldig befunden wurde, an einer Verschwörung betheiligt gewesen zu sein, mit Hilfe derer die Stadt un Tausende von Dollars bei den Straßenpflasterungskontrakten betrogen wurde, der aber gegenBürgschaft freigelassen wurde, während sein Gesuch um Gewährung eines neuen Prozesses im Superior-Gericht schwebt, ist seit drei Tagen verschwunden. . Es hat sich nun herausgestellt, daß Reed auch die hiesige Loae derMacabäer, deren Sekretär er war. um $6000 beschwindelt hüt. indem er Sterbe-Certi-fikate aus die Namen von Benjamin Davis und Thomas Schöner fälschte. Davis. der sich in Michigan befindet, fand seinen Namen in der von dem Orden veröffentlichten offiziellen Zeitung, und er benachrichtigte sofort seine Verwandten, daß er am Leben sei. Dies baite ei?.e Untersuchung, zur Folge und
diese ergav, vag :e:v aucy ein sterbeCertrfikat auf den Namen Schömers ge fälscht und das Geld eingesteckt hatte. Selbstmord. ' Chicago, Jlls.. 3. Nov. Adel P. Upham, ein Rcgierungs-Thee-Erperte. hat sich mit Karbolsäure vergiftet. Krankheit, durch das übermäßige TheeProbiren verursacht, soll die Veranlassung zu der That gewesen sein. Herr Upham war in allen großen Theege schäften des Landes bekannt.Bezahle die Schulden. New Y o r k . 3. Nov. Auf die Aussagen eines intimen Freundes der Gould'schen Familie" hin. meldet die Evening Post", daß die Goulds die Schulden des Grafen Boni de Castellane sofort bezahlen werden. Um dem Skandal sofort ein Ende zu machen, werden dieGoulds, George, Helen. Howard. Edwin und Frank, den Betrag oon $4.000.000 zusammenlegen und die Schulden des Grafen bezahlen. Hierbei hat sich noch herausgestellt, meldet die ..Evening Post" weiter, daß sich das Vermögen der Goulds seit Jay Gould's Tode nahezu verdoppelt hat und vaß Anna Gould's (der Gräfin Castellane) Antheil jetzt nahezu $18,000.000 beträgt und ihre Zinsen näh.'r an $1,000,01X1 jährlich heranreichen, wie der ihr ausbezahlten $600.000, D Gesammtwerth des Gould'schen Vermö. genö beträgt jetzt $125.000.000. Schrecklicher Mord. F r a n k l i n, Ind.. 3. Nov. Mil. ton Knapp, ein bekannter Farmer vo Whiteland, wurde am Freitag Morgen, theilweise von Schweinen verzehrt, in einem Maisfeld aufgefunden. Der Coroner Terhund wurde benachrichtigt und ließ die Leiche nach Hause schaffen. Knapp war ungefähr sechzig Jahre alt, Grant Brown. der Sheriff von Johnson County. begab sich am Nach mittag nach Whiteland und verhaftete Wm. Pherson, der auch sofort einge, stand, Knapp ermordet zu haben. Er sagte, daß er Knapp niedergeschlagen, ihm dann den Kopf abgeschnitten und diesen den Schweinen vorgeworfen ha be. Pherson wurde hierher ins Gefängniß gebracht. Alvord in Händen derButw desbeamten. New York. 3. Nov. Corneliu L. Alvord, der betrügerische Bankbeam te, der $690.000 gestohlen hat. würd, am Freitag von dem Richter Flanner entlassen, der erklärte, daß er keine Ju risdiktion in dem Falle habe. Alvord verließ das Gerichtszimmer, wurde abtx gleich darauf im Korridor vom Bun desmarschall verhaftet, der ihn vor den Kommissär Shields brachte. Alvord wurde später in Ermangelung von $150.000 Bürgschaft r.ach dem Gefäng niß zurückgeschickt. Die ztveiteVerurtheilung. A l r o n . O., 3. Nov. David Da bis. einer der Krawallisten. der in Ver bindung mit der Brandlegung des Stadtgcbäudes von den Großgeschwo renen in Anklagezustand versetzt wur de. ist am Freitag des Einbruchs schul dig befunden worden. Davis war eine der Männer, die in den Laden bei Standard Hardware Company einbrachen und die Gcweure daraus stahlen, die bei dem Angriff auf das Stadtge bände am 22. August benutzt wurden. f W m. L. i x o n g. f New York. 3. Nov. Willian L. Strong. der letzte Mayor der StadI New Z)ork unter dem alten Charter, isl am Freitag Morgen, um drei Ubr, i seiner Wohnung in hiesiger Stadt im Alter von 73 Jahren gestorben. Ei war Mayor von New ))ork vom 1. Ja. nuar 189 bis zum 31. Dez. 1897. Schiffsnachrichten.
i Glasgow. 2. Nov. Abgegan gen : Pomeranian". Montreal" uni State of Nebraska" nach Nem York, Queenstown. 2. Nov. Abge gangen : Commonwealth" von Lioer pool nach Boston. New York, 2. Nov. Angekom men: Kaiser Wilhelm ll. von Neapel. H a v r e, 2. Nov. Angekommen: La Bretagne" von New Bork. " Hamburg. 2. Noo. ANgekom men: Kaiser Friedrich von Ne York, via Plymouth und Cherbourg. Abgegangen: Belgravia" nach Bou logne und New York. New York, 3. Noo. Angekom men: ).Augusta Victoria" von Ham bürg. Southampton und Cherbourg. gL Telegraphische Notizen. Das Theater in Paterson. N. I.. ist am Freitag durch Feuer zerstört worden. Verlust $50.000. Samuel Wolfe, ein Tuchhändle, von New York, hat sich ü? bankerott erklärt. Seine Verbindlichkeiten be laufen sich auf $53.938 und seine N tiva auf $47.962.
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