Indiana Tribüne, Volume 24, Number 45, Indianapolis, Marion County, 2 November 1900 — Page 1
i Tribüne .' M--w, -WitI I z cd nun; i Blatt - i ll-perWoSe Jäfeet i Erscheint jeden Nri7,ntttt,g und Sonntag Morgens.
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Jahrgang 24.
Ausland Depeschen Ml tolillkiifai). Die Nachrichten darillicr widersprechend. ?ic spanische Xfgiffiig behauptet, Öa der Aufstand bald p Cude sei. . Vom KrieyMttllplttj', in Klid' AM. , Hin brUMcr Vorposten von 9O Mann von den Voeren g.'fangen. DaZ neue britische abmtt. Lord anvdown bleibt 8ricgttriBtftar. :clcurid)cii in KR 3oücn alle gdaiianicii Chincscn tooren Und durchaus Umtu Pardon geben. T e r K a t 1 i st e n - sä u f ft a n ö. Madrid. 2. Nov. Die neuesten Nachrichten über sie Karlisten - Beweung sind der Regierung mehr günstig. $3 wird versichert. Daß der Anführer der Bande, die sich in den Bergen bei Berg.' befindet, sich erbzten habe, sich zu rzeden. für den Fall, day man ihn beqnadige. die Regierung aber mit aller Strenge vorgehen und Niemand degnadigen werde. Die baskischen Provinzen verhalten sich vorläufig noch ruhig. Ta- Ministerium des Innern hat )as Folgende bekannt gemacht: Die .-evolutionäre Bewegung läßt nach. Sie lst jetzt nur noch auf die Bande beschränkt, die sich bei Berga befindet und die von mehreren KolonnenRegierungs Truppen verfolgt wird. Das ganze übrige Spanien ist ruhig. Die Truppen sind nach Jgualada zurückgekehrt. Paris. 2. Nov. Die Temps" veröffentlicht ein; Depesche ausMadrid, in der berichtet wird, dah die MilitärBehörden in Barcelona eine strenge Kontrolle über die dortigen Zeitungen ausüben, alle Mittheilungen über die Karlisten unterdrücken und verfügt haden, daß nur offizielle Bulletins von den Telegraphen - Kompagnien betördert werden dürfen. Der Korrespondent fügt hinzu: Es ist jetzt gewiß, daß die KarlistenBanden zahlreicher sind, als zuerst angegeben wurde. Zwei Banden sind t 800 Mann ftaA und die Bewegung ist gut oraanisirt. aber zu früh zum Ausdruck) gekommen." ..Die liberale und republikanische Presse erklärt, daß die Stärke der Karlisten der großen Freiheit zuzuschreiben sei. die man den religiösen Orden in Spanien läßt. Der niedere Klerus scheint allgemein mit der Bewegung identifizirt zu sein, die durch die industrielle Krisis in Katalonien an Stärke gewinnt. Der Krieg in Südafrika. Kapstadt. 2. Nov. Ein Boeren - Kommando nahm am 28. Oktober in der Nähe von Geneva einen 90Mann starken britischen Vorposten gefangen, und brachte vann einen Postzug von .ipstadt zum Entgleisen. Nachdem die Beeren die Postsachen zerstört und alles für sie Brauchbare sich angeeignet hatten, steckten sie den Zug in Brand. Zei dem Herannahen eines Panzerzuyes zogen sie sich zurück. Da sie die Gefangenen nicht gut mitschleppen konnten. ließen sie dieselben später wieder Kufen, nachdem sie ihnen alle Waffen PUD Munition abgenommen hatten. Drohende Unruhen. Pari s. 2. Nov. Die Gefahr, dciß soziale und politische Unruhen in Frankreich stattfinden werden, wird immer größer. Im Norden befinden sich 100.000 Kohlengräber am Streik und die kürzlichen sozialistisch angehauchten Reden Seitens einiger Mitglieder der Regierung, scheinen den revolutionären Geist unter den Arbeitern entfacht zu haben. Und dann sind die Katholiken s'h? stark geqen die Reoierunz aufgebracht, weil bii Mehrere die Absicht ausgesprochen hat, alle Diejenigen, die ihre Erziehung in religiösen Anstalten er-hakten-haben, in Zukunft aus den Staatsämtern herauszuhalten. Die ka.?lische Presse ist außerordentlich bib ter. und der Klerus macht mit den anderen Feinden der Regierung gemeinschaftliche Sache. Nur die Thatsache, daß die Kirchengelder sich unter der Kontrolle der Regierung befinden, verhindert den Klerus, energischer in der Angelegenheit aufzutreten.
Aus 0 e m deutschen Reich. Berlin. 2. Nov. Der Reichsan. zeiger" stellt heute offiziell und definitiv
. m Abrede, daß der deutsch-englljche Ver- , trag irgend eine geheime Klausel en!halte, und daß das Abkommen genau fs laute, wie es im Wortlaut veröffenttrcht worden ist. Man fängt hier an. über den Mangel an Nackrichten aus China ungeduldig zu ' werden. Man glaubt, daß die Censur so streng gebandhabt wird, daß nichts von Bedeutung durchgelangen kann. Die sozialdemokratischen Zeitungen fangen an, Briefe von Soldaten aus $i8fl zu oeröffentlichen. aus denen her voraeh:, daß die deutschen Truppen keinen ta:ron geben. Die ..Bremer Bür , aer-Z.'itung" veröffentlicht ein Schreiben : von einem Soldaten aus Peking, der be hauptet. Zeuge des folgenden VorfallZ gewesen zu sein : Achtundsechzig Gefangene, einige davon noch in jugendlicbem Aller, wurden mit ihun Zöpfen zufammengebunden. gezwungen ihre eigenen Gräber zu graben, und dann zusammen erschossen." Di? ..HalbcrstäJter Volkszeitunz" veröfientlicht ein schreiben aus P'king, das die rolaeroe lelle enthält : werden keine Gefangenen gemacht. Alle werden erschossen, oder am liebsten niedergesä belt, um Munition zu sparen. Am Sonntag Nachmittag mußten mir 71 Gefancene mit dem Bajonette niederste cken. Sie hatten eine unserer Patrouillen getödtet. Ein ganzes Bataillon ging zu ihrer Verfolgung ab und es gelang ihm. die 74 Mann gefangen zu nehmen. Es war unbeschreiblich grausam." Bei dem zweiten Prozeß gegen den reichen Bankier Sternberg, der im April wegen grober Sittlickkeitsoerbrechen 8 zwei Jahr;n Gefängniß und Verlust der .bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von drei Jahren oerurtheilt wurde, ereignete sich am Donnerstag ein sensationeller Vorfall. Der Polizei - Detektio Stiörstaedten sagte aus. daß ihm sein Vorgesetzter. Thiel. 200.000 Mark dafür versprochen habe, wenn er solcheAus-' sagen mache, daß ternberq in Folge derselben freigesprochen werden müsse. An das Versprechen war die Bedingung geknüpft, daß Stierstaedtcr dann das Land verlassen foll. DK ..Westpälische Zeitung" behaupt tet. daß die Norddeutsche Lloyd Dam-pfer-Gesellschatt mehr als tausend Tonnen Struttur-Eisen für ihre Werkstätten und Gießereien in den Ver. Staaten bestellt l)abe. obgleich lvestphälische Fabriken sich um die Lieferung beworben hatten. , . Die deutsche Kolonial - Gesellschaft hat die Regierung darum petitionirt, daß unter dem neuen Tarif die Produkte oer deutschen Kolonien zollfrei in Deutschland eingelassen werden 'ollen. Ter frühere Handelsmlnister von B:?lepsch und eine Anzahl Professoren, Politiker und Fabrikanten haben einen Aufruf zur Organisation einer deutschen Sektion der ..Jniernationalen Union für die Beschützung der Arbeit" erlassen, die im Juli in Paris gegründet wurde. Speper, Worms und andere rheinische Städte haben eine Petition an den Reichskanzler. Graf Bülow. gerichtet, in welcher oer Letztere ersuch: wird, eine Kommission zu ernennen, die eine Untersuchung in Bezug auf die Verunreini gung des Rheinwassers durch den Inhalt von Kloaken führen soll. Die Kreuzztg." meldet, anscheinend inspirirt. daß weder der Prinz Ändert von Anhalt, noch sein Vater einen Scheidungsprozeß gegen die nach Amerika ar gangene Prinzessin angestrengt haben, daß aber eine Scheidung des soweit kinverlosen Paares im Interesse der Thronfolge angestrebt wird. Die gestern gemeldete Beschlagnahme von 2.500.000 Mark in -Gold aus bet Delagoa Bai an Bord des Dampfers ..Bundesrath" in Cuxhaven geschah auf Antrag von Bergwerksbesitzern, deren Gold von der Transoaal-Regierung eingezogen wurde und wofür den Eigenthümern zweifelhafte Bonds gezeben worden waren. Der König wieder zuHaus:. Rom, 2. Noo. Der König Victor Emanuel und die Königin Helene trafen am Donnerstag hier ein und wurden von einer großen Anzahl Truppen nach dem Ouirina! - Palast eskortirt. mährend andere Truppen Spalier standen. Das Aufgebot so vieler Truppen hat die. Römer überrascht, da unter dem Regime des Königs Humbert nur selten Truppen zu dessen Begleitung aufgeboten wurden. Es helßt. daß die außergewöhnlichen Vorsichtsmaßregeln auf Wunsch des K'?nigs selbst ergriffen worden seien, um alle Möglichkeit eines Attentats auszuschließen. Chili und Bolivia. Santiago de Chili, 2. Nov. Die Regierung kündigt in einer offiziellen Erklärung an. daß die Vorschläge, die sie Bolivia gemacht, keineswegs eine Drohung enthielten, sondern im Gegentheil als Basis für eine generöse Abmachung zwischen den beiden Republiken dienen sollten. Chili habe sich erboten.
Indianapolis, Ind.. Freitag, den 2. November 1900.
eine Eisenbahn von der Küste aus bis nach La Paz. der Hauptstadt von Bolivia zu bauen und eine Schuld von meheren Millionen Dollars zu übernehmen, die Bolivia jetzt z tragen habe, vorausgesetzt, daß Bolivia das absolute Besitzrecht Chili's über den Streifen Land anerkennt, den Cbili feit dem Krieae vom Jahre 1881 im Besitz hat. Prof. MaxMüller zuGtabe getragen. Oxford. England. 2. Nov. Die Leiche des Professors Max Müller, der am 28. Oktober starb, wurde am Donnerstag unter überaus zahlreicher Be- t t Heiligung zu Grabe getragen Vertreter ' der Königin Victoria wie des deutschen , Kaisers wohnten dem Beqiabmß bei. Der Kaiser Wilhelm schickte einenKranz mit der Widmung: Meinem lieben ' Freund". Truppen für Asten. Paris. 2. Nov. Ein französischer Transport - Dampfer ging am Donner'tag mit 1000 Marine - Soldaten nach Den französischen Besitzungen in Jndiea ab. Die Truppen sind bestimmt, dieje niaen zu ersetzen, die nach Nordchina ge schick: worden sind. Es werden im Ganzen ungefähr 3800 Mann abgeschickt werden. Bestätigt. London, 2. Nov. Die Königin hat Lord Salisbury als Premier, den Marquis of Lansdown als Kriegssekretär. den Earl of Selborne als ersten Lord der Admiralität und Herrn C. T. Ritchie als Staatssekretär des Inneren bestäligt. Die neuen Ernennungen werden nit Ausnahme von Lord Lansdown günstig aufgenommen. Die McAlsist'7'sche Fabrik geschlossen. P a t e r s o n. N. I., 2. November Weil sich sein Sohn Walter im Gefängniß befindet, der Ermordung der Jennie Bosschieter angeklagt, hat JameZ McAllister seine Seidenweberei in hiesigerStadt geschlossen. Die sämmtlichen Angestellten" sind abbezahlt worden und die Fabrik ist jetzt außer Betrieb. Herr McAllister batte die Fabrik vor ungefähr sechs Jahren im Interesse seines Sohnes Walter gegründet, um diesem Gelegenheit zu geben, in der Welt : empor zu kommen und nach und nach ein großes Fabrikgeschäft aufzubauen. Walter war der Geschäftsleiter, und wenngleich der Firmanamen James McAllister & Company war. so war es doch Thatsache, daß er das Haupt der ! Firma war, die ungefähr 60 Personen : beschäftigte. Die Geschäfte gingen gut bis vor zwei Wochen, oder bis Walter verhaftet und des Mordes angeklagt wurde. Der Vater ließ alles vorhandene : Material verarbeiten, schloß die Fabrik und entließ die Angestellten. Ein H ü hn e r d i e b erschossen. P o u g k e e p s i e. N. Y., 2. Noo. Eine von William Brown von. Wappingers Falls zum Schutze seiner Hühnerställe gegen Diebe gestellte Flintenfallc entlud sich im Laufe der vergangenen Nacht, und John Mitchell, ein geachteter Bürger des Ortes, wurde von dem Schusse niedergestreckt. Die Ladung Schrot traf ihn in den Rücken, und ehe er 00 Fuß weit laufen konnte, vrach oer ertappte Dieb sterbend nieder. Er hatte 10 gestohlene Hühner. ! als er auf denDraht trat, der die Flinte abfeuerte, und das Schicksal ihn ereilte. Seine Leiche wurde wenige Minuten später gefunden. Brown wiude dem Lokal - Gericht vorgeführt, aber auf Varoke enklassen. ; Coroner Selfridgewird einen Jnquest abhalten. schiffsnachrichten. New York. 1. Nov. Angek.: Friedrich der Große" und Lahn" beide von Bremen. P l y m o u t h, I.Nov. Angek. : Kai ser Friedrich", von New Jork nack Hamburg bestimmt. London. 1. Nov. Angek.: Marquette", von New York. Cherbourg. 1. Nov. Abajeg.: Kaiserin Maria Theresia", von Bremen, nach New York. Liverpool. 31. Okt. Abgeg. Jberian". nach New York. H a m b ur g. 1. Nov. Angek.: Car Frio". von New York. Rotterdam. 1. Nov. Angek. Amsterdam, von New York via Boulogne. Abgegangen: Maasdam", nach Boulogne und New York. L i z i r d, 1. Noo. Abg.: Syloania' nach London. i Telegraphische Notizen. Der Präsident von Brasilien. Dr. Campos Salles, der dem Präsidenten der argentinischen RepubM, Genera! Roca. in Buenos Aires einen offiziellen Besuch abgestattet hat'hat die Rückreise nach Rio de Janeiro angetreten. Das 14. Ver. Staaten Jnfante-rie-Regiment ist von Tien Tsin nach Manila abqeqanaen.
Inland Depeschen.
Iones, der Diener W. M Wice's, Versucht in den Tombs in New Hork Selbstmord zu begehen, Nachdem er ein umfassendes Ge stäudniß abgelegt. Der Mmm in kritischem . Zustand im Holpitai. Ter Advokat Patrick soll Riee ver giftet sich dann seine Papiere angeeigii er haben. Tie deutsch-englische Vereinbarung. wi uu;j uu .'ituiuiiiu wu;üiu. ? ,l Sr 0 . tt r ii n I ü A t. ( Infolge eines HaNoween"-Scherzes lödtlich verwundet. Die bri't'isch - deutsche Vereinbarung. Washington, D. C., 2. Nov. Die Stellungnahme der Mächte in Bezug auf die britisch-deutsche Vereinbarung ist jetzt definitiv folgende: Oesterreich, Italien und Japan haben dem Abkommen bedingungslos zugestimmt. Fünf Mächte, nämlich Deutschland, England, Oesterreich, Italien und Japan sind somit für d?,e Vereinbarung, während drei, Rußland, Frankreich und die Ver. Staaten sich darauf beschränkt haben, die Sätze anzunehmen, die auf die Politik der offenen Thür in China, wie auf die Erhaltung der Integrität des chinesischen Reichs Bezug haben, keine der drei Mächte hat aber eine fcUelle Zustimmung zu der dritten Kaufet der Vereinbarung gegeben, in der es heißt, daß die beiden Mächte sich das Recht vorbehalten, geeignete Schritte für die Beschützung ihrer eigenen Interessen zu thun, im Falle eine aridere Macht die Komplikationen in China benutzen sollte, um sich unter irgend einem Vorwand chinesisches Gebiet anzueignen. Die Antwort Rußlands ist noch nicht im Staatsdepartement eingetroffen, eine Depesche der Associirten Presse aus London meldet aber, daß das britische auswärtige Amt von der Annahmi der veiden ersten Sage der Pereinbarung seitens Rußland benachrichtigt worden sei. In Bezug auf den dritten Sitz verwies Rußland die beiden kontrahirenden Mächte auf das russische Zirkular vom 25. April, fügte aber hinzu, daß es seine Stellungnahme je nach den Umständen modifiziren würde. Suttf Großmächte haben sich somit verpflichtet, die Politik der offenen Thür in China zu hefolgen. die Integrität des chinesischen Reichs zu respektiren und unter sich zu berathen, was eventuell geschehen solle, im Falle irgend eine Machte den Versuch machen sollte, sich chinesisches Gebiet anzueignen. Diese anderen Mächte" sind, wie si chaus der neuen Gruppizung eraiebt: die Ver. Staaten, Frankreich und Rußland. Was die Ver. Staaten betrifft, so ist es ausgeschlossen,, daß sie daran denken könnten, sich chinesischen Gebiets zu bemächtigen, und der dritte Absatz der Vereinbarung hat somit nur auf Frankreich und Rußland Bezug, gegen die sich vielleicht alle fünf Mächte wenden würden, , N?enn sie versuchen sollten, sich chinesisches Gebiet anzueignen. Der Rie'scheMordsati. V, t tv V) o r f , 2. Nov. Der Tod ::i Millionärs William Marsh Rice, welcher in dessen Wohnung an Madison Avenue am 23. September erfolgte; der Versuch deöNewYorkerAnwalts Alben T. Patrick. Checks auf hohe Beträge, welche angeblich von dem verstorbenen Millionär unterzeichnet waren, zu Geld zu machen; die Weigerung einer Bant, diese Cbecks einzulösen, da die Entdeckung gemacht wurde, daß Rice zur Zeit, als er den Check angeblich ausstellte, bereits todt war; ferner die Entdeckung, daß Patrick nicht allein diese Checks, sondern auch das Testament des Millionärs, das ihn zum Verwalter seines ungeheurenAermögens macht, gefälscht habe; seine Verhaftung und die Verhaftung des Kammerdieners des Verstorbenen. Charles M. Jones haben dieNewYorker seit nahezu einemMonat an Aufregung gehalten. Die heutigen Enthüllungen scheinen darauf hinzudeuten, daß sich dieser Fall zu dem bemerkenswerthesten der vielen großen Kriminalfälle ausgestalten wird, über den die hiesigen Gerichte abzuurtheilen gehabt baden.
311,111: wurde heute berannt, dan der Kammerdiener Jones nach der Office des Staatsanwalts gebracht worden sei und dort ein Geständniß abgelegt habe. Während das Publikum noch auf die Bestätigung dieses Gerüchts wartete, kam die noch sensationellere Nachricht, daß besagter Jones in seiner Zelle im Tombs-Gefängnisse einen Selbstmordversuch gemacht habe, indem er sich mit einem Federmesser,
welches, wie er sagte, ihm von dem An--1 walte Patrick zugesteckt wurde, sich die Kehle durchschnitt. Patrick, welcher ebenfalls in den Tombs internirt ist, soll Jones zu dem Selbstmoroersuch überredet haben, um auf diese Weise den wichtigsten Zeugen in der Affaire aus der Welt zu schaffen. Nach dem Geständniß von Jones, welches heute zum Theil von dem istriktanwalt der Öffentlichkeit üb rge ben wurde, handelt es sich nicht nur um einen gigantischen Betrug, sondern auch um einen direkten Mord an dem Millionär Rice und die Entwendung wertbooller Papiere durch den Anwalt Patrick. Die Vergiftung wurde, nach Jones' Geständniß durch Eingeben einer Quecksilberlösung herbeigeführt und das Ende des Rice dadurch beschleunigt. daß ihm ein mit Chloroform getränktes Handtuch über das Gesicht gelegt wurde. Die Szene, welche sich in den letzten Momenten vor dem Tode Rice's in dessen Wohnung abspielte, beschreibt Jo nes wie folgt: Rice lag krank im Bett und Patrick befand sich im Zimmer." Ich bin sehr nervös", Mr. Patrick", sagte Rice. bitte, verlassen Sie mich." Ich habe ein Medikament hier, das Ihre Nervosität beseitigen würde", antwortete Patrick und entkorkte ein Fläschchen. welches eine stark riechende Essenz enthielt. Dann sagte Patrick zu mir (Jones): Haben Sie ein Handtuch und einen Schwamm?" Als ich ihm das Verlangte brachte, wies er mich aus dem Zimmer und sagte, er wolle allein bei dem Kranken bleiben, bis er eingeschlafen sei. Ich wartete einige Minuten im Vorsaale und hörte Herrn Rice lachen. Dies kam mir sonderbar vor, ich stieß deshalb die Thür auf und sah Herrn Rice im Bett liegen. Das Handtuch war kegelsörmis über dem Schwamm zusammengerollt und war Herrn Rice direkt über die Augen und Nase gelegt. Patrick drückte den Schwamm mit einer Hand auf das Gesicht des 5)errn Rice nieder. Er bemerkte mich nicht. Nachdem ich die Situation überblickt hatte, begab ich mich auf mein Zimmer und legte mich nieder. Herr Rice wurde inzwischen seür krank. Patrick sagte mir, sofort einen Doktor zu rufen, bei dessen Ankunft Herr Rice indessen bereits todt war." Soweit das Geständniß Jones. Patrick stellte dies alles in Abrede, ebenso daß er Jones das Federmesser zugesteckt habe, um damit Selbstmord zu btifiiu Zwnes Kurde nach dem Bel-levue-Hssoi:al gebracht und kam noch gerade zur Zeit an. um seinen Tod durch Verblutung zu verhindern. Um 8 Ubr am Donnerstag Abend hatte sein Zustand sich so weit gebessert, daß begründete Hoffnung auf Erhaltung seines Lebens vorhanden ist und wahrscheinlich wird er in wenigen Tagen wieder nach den Tombs gebracht werden. Die Coroners-Untersuchung. welche auf heute verschoben worden war. um die chemische Analyse des MageninHalts des Verstorbenen behufs Konstatirung von Gift abzuwarten, wurde angesichts der heute erfolgten Enthüllungen abermals vertagt. HerrRockhillzumBerather des Ge sandten Conger ernannt. Washington, D. C.. 2. Nov. Der Sekretär Hay hat am Donnerstag den Kommissär Rockhill per Kabel benachrichtigt. daß er zum Berather der amerikanischen Gesandtschaft in Peking ernannt worden sei. Er wurde gleichzeitig angewiesen, sich sofort von Shanghai aus nach Peking zu begeben und dem Gesandten Conger in seiner Eigenschaft als Berather bei den Unterhandlungen zur Seite zu stehen. Die Regierung hatte Anfangs beabsichtigt, Herrn Rockhill und General Wilson gemeinschaftlich mit dem Gesandten Conger zu Kommissären zu ernennen, welehe die Verhandlungen leiten sollten, diese Absicht wurde aber aufgegeben, wel keine der anderen Mächte besondere Kommissäre ernannt bat. Einnahmen und Ausgaben der Regierung. Washington. D. C.. 2. Nov. Dem monatlichen Ausweis über die Einnahmen und Ausgaben der Regieruna zufolge beliefen sich die Einnahmen" im Oktober auf 551.626.067 und die Ausgaben auf Z47.993.637. sodaß ein Ueberschuß im Betrage von $3,632,430 verbleibt. Die Einnahmen waren un mehr als 5.000.000 größer wie im
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jjttcwr vorigen :?aprcs, uno auch die Ausgaben waren um so viel größer als : im vorigen Jahr. Die Einnahmen oertheilen sich auf die verschiedenen Quel- ' len wie folgt: Zölle $20.552.938. Zu- ; nabme qeaenOktover 1899 $1,745.000; Inland - Steuern $27.691.143. Zuj nähme $1.236,000; Verschiedenes $3.- ' 381.984. Zunahme $1.110.000. Die Ausgaben vertheilen sich wie i folgt: Civil und' Verschiedenes $11. 754.840. Zunahme $1.100.000; htvi $15,169,228, Zunahme $2,700,000; Marine $4,598,258, Abnahme $522.000; Indianer $849,948. Zunahme $196.000; Pensionen $10,648,500, Abnahme $20,000; Binnenseen $4,792,871, Zunahme $310.000. In den letzten vier Monaten waren die Einnahmen um $5.674.000 größer ' wie im gleichen Zeitraum des vorigen ' Jahres und die Ausgaben um $7.759. ' 000 größer. Die Münzprägung. W a s h i n g t o rl. D. C.. 2. Ncc. Dem monatlichen Bericht des Münzdi- ; rektors zufolge wurden im Oktober in , den Münzen der Ber. Staaten $9.508. ! 610 geprägt, nämlich Gold $5.120.000, Silber $4.148,000, Kleingeld $240.- : 6io. Der Stand d e r National schuld. Washington. D. E.. 2. Nov. i Dein monatlichen Ausweis des Schatz- : amts-Sekretärs über den Stand der ! Nationalschuld zufolge belief sich die : Schuld beim Schluß der Geschäfte am ! 31. Oktober 1900. abzüglich des im ' Schatzamt befindlichen Baarvorraths, j auf $1,104,402,320; eine Abnahme wärrend des Äconats im Betrage von ! $1.754.351. Die Abnahme erklärt sich ' durch eine korrespondirende Zunahme ; im Baarvorrath. Die Schuld vertheilt sich wie folgt: Verzinsliche Schuld. $1.001.499.750: Schuld, auf welche die Zinszahlunzen aufgehört haben. $3.430.030; unver- ' zinsliche Schuld. 586.477.571; zu- ! sommen $1.391.407.352. Hierin sind jedoch nicht eingeschlossen $740.965.679 ! in Zertifikaten und Schatzamts-Noten, denen ein gleicher Baarbetrag imSch.- , amt gegenübersteht. Der im Schatzamt -UHndilch Baari vorrath besteht aus: Reservefond $150. ! 000,000; Trustfonds $740.965.679; ; General - Fond $123.628.053; in Na- ! tionalbank - Depositorien $89.818.4; zur Verfügung der Verwaltungs-Be-j amten $6.659.658; zusammen $1.111.i 071.877. Dieser Summe stehen gegen- ! über Verbindlichkeiten im Betrage von 824.066.844- verbleibt iom.it bair v.n Schatzamt $287.005.032. E t tt b r u A. Tel! Ctty. Ind.. L. Nov. Ein' , brecher sprengten in der Nacht zum Donnerstag den Geldschrant in der Office von James Doolittle. Trustee von Oi! Township. in diesem (Perry) ' Ccuntn und stahlen $3600 in Baar und Noten. Das Geld gehörte dem Town- , sk?p und sollte für den Bau einesSckul- ; Hauses verwendet werden. Es werden Bluthunde auf die Spur der Räuber gebracht werden. -Der Verrätker Kinne entsprungen. SanFrancisco. Cal.. 2. Nov. Drei Gefangene sind in der Nacht zum Donnerstag aus dem Ver. Staaten Militärgefänsmiß auf der Alcatraz-Jnfel entflohen. Einer der Entsprungenen ist Frönt Kinne, der wegen Desertion und Landesoecrath zu 15 Jahren Gesangniß verurtheilt worden ist. Kinne wur de vor einigen Monaten von den Philippinen hierhergebracht. Er war aus seinem Regiment desertirt und hatte ein Kommando im Heer der Filipinos angenommen. Später wurde er wieder von den amerikanischen Truppen eingefangen, als er die Insurgenten zum Angriff führte. Er behauptete, ein Kriegsgefangener in Händen der Filipinos gewesen zu sein, die anderen Amerikaner aber, die sich als Gefangene bei den Insurgenten befanden, erklärten dies für erlogen. Schlimme Folgen eines Scherzes. S h e l b y. O.. 2. Nov. In Folg eines Hallowel.m" - Scherzes wurden am Donnerstag Morgen zu frühe, Stunde zwei Männer geschossen und wie es scheint, lebensgefährlich verwun det. Floyd Armstrong und Morris Brower steckten sogenannte Kanonenschlag; in die Wassertraufe an Roscot McCormick's Haus. McCormick schoß beide Läufe eines Sckro: Gewehrs aus die Männer ab. die schweroecwundel zusammenbrachen. F e u e r. O w e n t o n. Ky.. 2. Nov. Di, Wohnung des Rev. I. B. Wkenle:'. in Wheatly, in diesem County. wurde am Donnerstag Morgen durch Feuer zerstört. Die alte Mutter der Frau Wheatlep. Frau A. I. Alexander, kam in den Flammen um und Herr unk Frau Wheatley trugen schlimme Ver letzungen davon.
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