Indiana Tribüne, Volume 24, Number 44, Indianapolis, Marion County, 1 November 1900 — Page 1

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Jahrgang 24.

Ausland Depeschen MW inMIriKll. Heneral Botha, mit einet starken Truppenabtheilunzz Wieder im Begriff in die Kap Kolonie eittzusallen. Er f xjon überall ljer Zuzug ukMtn Die (Erhebung deo Marquis of Lansdown uui Minister des Aeuszeren Sird in ganz (5,ig!and lehr ungünstig aufgenomincn. Der Ha:.ismiA anfand in Spanien. Weiteres über daZ Erdbeben in Benczuela. Die Bcriä,weno:l,?I des Grafen Kastellane. de Der Krieg in Südafrika. London, 1. Nov. Eine verspätete Depe'cte aus Pretoria berichtet, "daß sich die Unterhandlungen der Bciten mit oem General Botha in Bezug auf cie Ueberaabe der Boeren zerschlagen haben. Äotba empfing den von Genera! Paget gesefciiten Parlamentär in der höflichsten Weise und gab zu, ba er geschlagen fei, er fügte aber hinzu, daß es unmöglich sei, wegen einer eventuellen iledenade zu unierbandeln, so lange noch Äürge? da seien, die zu kämpfen wünschten. Ter Präsident Steyn war noch im versöhnlicher. Er wollte selbst den Parlamentär nicht empfangen. Pretoria, 1. Nov. Es ist hier die Nachricht eingetroffen, daß der Ge-neral-.ommandant Botha mit einer ansehnlichenTruppen-Abtheilung marschire. um bei Kenhardt in die KapKolonie einzufallen. Die unversöhnlichen Boeren dortselbst sollen bereit sein, sich ihm anzuschließen. Durban. Natal, 1. Nov. Die Gordon Hochländer und das Devonshire Regiment rnben Befehl erhalten, sich für die Einschiffung nach China bereit zu halten. London. 1. Nov. Im Kriegsamt ist eine neue, sehr lange Verluste liste aus Südafrika eingetroffen. Es geht daraus hervor, daß Lord Grosvenor in den Kämpfen bei Bethlehem am rechten Schenkel verwundet wurde. Die Ernennung des Mar quis of Lansdowne. London. 1. Nov. Die Erhebung des Marauis of Lansdowne zum Minister de- Acuheren hat im ganzen Lande die größte Ueberraschung oerursacht. Z'it Nachricht war ebenso unerwartet wie unwillkommen. Selbst die meisten ministeriellen Zeitunzen derdämmen die Ernennung. Der Glooe" erklärt, die Ernennung beweise, daß Lord Salisbury absolut keinen Begriff von den Ansichten und Wünschen der Wähler und der (Ottfrf oativen Partei habe, die liberale Westminster Gazette" aber macht sich iiier die Entrüstung der konservativen Zeitungen lustig, die immer den Rück.r-tt des Marquis of Lansdowne verlangt hatten, und drückt dann Zufriedenheit darüber aus. daß Herr Joseph Ehamberlain nicht zum Minister des Aeußeren ernannt worden ist. Die Zeitung fügt hinzu: Die Ernennung hamberlains zu dcm Amt würde tasttU Leute mit Sorge erfüllt haben und cs ist etwas werth, dieser Gefahr entronnen zu sein." Lord Salisburv hat die Angelegenheit ohne Zweifel vor einer Woche in Balii'oral mit der Königin besprochen. Der Lord hatte ursprünglich die Abficht, als Premier zu resigniren und das Ministerium des Aeußecn zu behalten, die Königin wollte aber darauf nicht eingehen. Der Premier begab sich dann nach Balmoral, um die Ang?legenheit mit der Königin zu besprechen und die Letztere setzte schließlich jhren Willen durch. Die öffentliche Meinung ist inoeß einigermaßen beruhigt, da man überzeugt ist, daß Lord Salisbury dem Marquis of Lansdowne im Allgemeinen die Politik des auswärtigen Amtes vorzeichnen wird. Rebellion in Marokko. London, 30. Okt. Nachrichten ous Tanger zufolge ist im Innern von Marokko eine allgemeine Revolte unter den verschiedenen Stämmen gegen die

Gouverneure der Provinzen ausgevrochen und man glaubt, daß es noch zu heftigen Kämpfen kommen wird. 2ie Franzosen beabsichtigen, eine Er pedition ins Innere zu schicken, deren Aufgabe es sein soll, die maurischen Banditen zu unterdrücken, die das alzerische Hinterland unsicher machen. Die Lage in Chin,. Shanghai, 1. Nov. Die .Daily News" berichtet, daß ein Pulvermagazin in Nanking vom Blitz entzündet wurde. Die Explosion war eine

furchtbare und es wurde viel Eigen tbum zerstört. Die Zahl der getödtecn Persqnen konnte noch nicht festgd j stellt werden. A m o v. 1. Novbr. Eine Riesenfeuersbrunst verheert die 'Thinesenstadt. : Bei Abgang der Depesche waren bereits 1 an 150 Häuser in der Nähe des amerikanischen und britischen Quartiers eingeäschert. Die Entstehung des Feuers iN unbekannt: dasselbe brach früh Morgen; 1 aus und verbreitete sich infolge .der leichten Bauart der Häuser und der vielen 'Nahrung, die die Flammen in ! oenselben fanden, mit furchtbarer Geschwindizteit. Durch die engen Straßen werden die Löscharbeiten sehr ersckwert und an den chinesischen Häu- , fern, die meistens nur Hütten sind, ist nichts mehr zu retten, wenn sie einmal ! in Brand gerathen. Der Schaden wird , jedenfalls sehr bedeutend sein. Britische, russische und japanische Krieg-sckiffe landeten jfefoii Matrosen, die energisch eingriffen. Ein amerikanisches Kriegsschiff liegt gegenwärtig nickt hier. Anfänglich wurde befürchtet, daß Brandstiftung von chinesischer Seite vorliege und ein Aufstand beabsichtigt sei. Durch die Landung de: Blaujacken von den Kriegsschiffen wurden solch? Befürchtungen zerstreut und in dem europäischen Quartier herrscht vollständig? Qrdnung. Brüssel. 1. Nov. Es wird erklärt, daß das französifch-belgische Uebereinkommen, das während der AnWesenheit des Königs Leopold von Vetgie in Paris abgeschlossen wurde, hauptsächlich auf die Eröffnung der Hankow Eisenbahn Bezug habe, und daß Belgien darin autoriürt wird, eine Garnison von 500 Soldaten zu unterhalten, um die Eisenbahn und Konzessionen im Distrikt von Hankow zu beschützen. Der Karlisten-Aufstand in Spanien. Madrid, 1. November. Es wird offiziell zugegeben, daß die KarlistenBande, die sich in der Nähe von Bergo befindet. 800 Mann stark ist. Truppen befinden sich auf der Verfolgung. Der Verkehr zwischen Berga und Barcelona ist ganz unterbrochen. Eine andere starke Bande ist bei Fizols aufgetaucht. Sie ist in drei Gruppen getheilt und führt 16 Pferde mit. Die Gendarmen, die das Landhaus des Senors Torres BaroZ, SÄwager des aus der Gegend verschwundcnen Herzogs von Solferino, Durchsuchten, fanden außer einigen Gewehren auch Papiere, welche die Na- , men von 125 Carlisten-Offiziercn und von 600 Soldaten enthielten. In hiesiger Stadt sind Papiere und Briefmarken beschlagnahmt worden, welche die Aufschrift die Königliche Armee von Katalonien" tragen. Es heißt, daß der Aufstand erstMitte November ausbrechen sollte. Die Verschwörer. in drei Gruppen, sollten gleichzeitig das Rathhaus, die CivilRegierung und das Hauptquartier des Generalkapitäns angreifen. Der Kriegsminister stellt in Abrede, daß die Karlistenbande, die sich in der Nähe von Berga befindet. 800 Mann stark sei. Die Polizei von Barcelona hat zwei Waffendepots entdeckt. dieGewehre verschiedener Art. Säbel und genug Munition enthielten, um sechs Karren damit anzufüllen. Die Resignation des Präfekten von Barcelona wird wahrscheinlich angenommen werden. Madrid. 1. Nov. General Az carraga, der Premier, hat die Beoingungen angenommen, die Admiral Ramos in Bezug auf die Erhöhung des Marine. Budgets gestellt hat. und der Admiral wurde in Folge dessen noch während des Tages als Marine-Minister einqeschworen. Venezuela will 'bezahlen. Caracas. Venezuela, 1. Nov. Die Regierung von Venezuela hat angeordnet, daß vom November an wiever die Zinsen auf alle Schulden und Anleihen der Republik bezahlt werden sollen. Oesterreichisch - montene grinischer Grenzstreit. Wien, 1. November. Die Nachricht, daß zwischen österreichischen und montenegrinischen Militär - Patrouil

Indianapolis, Ind.. Donnerstag, den I. November 1900.

len m golge eines tIrenzstreltes ein Zusammenstoß stattgefunden habe, ist offiziell von Mostar. in der Herzegowina aus bestätigt worden. Ein Montenegriner wurde getödtet und mehrere Soldaten cnf beiden Seiten verwundet. Aus dem deatschen Reich. Berlin, 1. Nov. Trotz der bestimmten Behauptung vieler deutsch Zeitungen, daß der Kaiser Wilhelm demnächst der Königin Victoria einen Besuch abstatten werde, ist der beste Grund für die Annahme vorhanden, daß er sich nicht nach England begeben wird. Ein hoher Hofbeamter sagte während des Tages zu dem Korrespondenten der Associirten Presse, daß keine besondere Veranlassung für einen solchen Besuch vorliege und die Engagements des Kaisers für die nächste Zukunft einen solchen überhaupt nicht, zuliehen. Im auswärtigen Amt ist während des Tages die Antwort Japans auf die deutsch-englische Note eingetroffen. Japan stimmt der britisch-deutschen Vereinbarung bedingungslos bei. Dr. von Siemens, der Präsident der deutschen Bank von Berlin, befindet stcq in Paris, wo er Unterhandlungen zur Finanzirung der schweizerischen Eisenbahnen führt. Es handelt sich dabei um eine Anleihe von 300,000,000 Francs zu vier Prozent, welche Summe hauptsächlich von amerikanischen Banken und englischen, deutschen, französischen und schweizerischenFinanziers aufgebracht werden wird. Die Angelegenheit wurde während des TageS viel an der Börse besprochen. Dr. von Holleben, der deutsche Botschafter in den Ver. Staaten, der am Dienstag n ich Berlin zurückgekehrt ist, hat sich während seines Aufenthalts in Carlsbad von seinem Leiden vollständig erholt. Er wird am 3. Nov. mit dem Dampfer Kaiser Wilhelm der Große' nach New Aork abreisen. 5u i c Grafin Ca st eilane unt e r K u r a t el g e st e l l t. Paris. 1. Nov. Das CivilTribunal hat Herrn George I. Gould zum Kurator für die Gränn de Castellane, seine Schwester, ernannt. Aus den Akten in dem Fall geht hervor, daß Graf Boni de Castellane. der Gatte der Gräfin, in vier Jahren 23.000.000 Francs ausgegeben habe, während das Einkommen aus dem Vermögen seiner Frau nur 3.000.000 Francs das Jahr betrage. Herr George Gould hatte selbst das Verfahren gegen seine Schwester eingeleitet, um die weitere Verschwendung ihres Vermögens zu verhindern, und das Gericht gewährte auch seinen Wunsch, daß er zum Kurator ernannt werde. Die Verhandlungen wurden hinter verschlossenen Thüren geführt und es wurde nur die bloße Entscheidung angekündigt. Die Castellanes befinden sich äugenblicklich zusammen auf dem Lande. Maitre Bonnet informirte den Richter, als er das Kuratorium beantragte, daß die Gräfin Castellane selbst einsehe, daß ihre Ausgaben zu groß gewesen seien und daß irgend Jemand mit Erfahrung und Geschäftskcnntnih beauftragt werden müsse, die Derwaltung ihres Vermögens zu übernehmen. Obgleich die Gräfin selbst das Kuratorium mit beantragt habe, halte er es doch für seine Pflicht, über die Finanzverhältnisse derselben vorher Aufschluß zu geben. Das Einkommen der Gräfin betrage 3.000.000 Francs jährlich. Seit ihrer Vermählung habe sie somit 15.000,000 Francs erhalten und die außerdem kontrahirten Schulden betragen bereits 22,000,000. In Folge dessen hat die Gould'sche Famitie beschlossen, den Antrag auf ein Ku ratorium zu stellen. Die Schulden bestehen in folgenden Verbindlichkeiten : 3,702.000 Francs für das Wohlthä-tigkeits-Bazargebäude und das Hotel in der Rue Malakoff. etc.;. 6.585.260 Francs für Hypotheken, zahlbar von 1900 bis 1909 : 4.293.155 Francs für geliehenes Geld; 9.100.000 Francs schuldig an Kuriositätenhändler. Er beantrage daher, daß George Gould, ver nächste Verwandte der Gräfin und die geeignetste Persönlichkeit, zum Kurator ernannt werde. Das Gericht schloß sich dieser Ausführung an. Das Erdbeben in Venez u e l a. Caracas. Venezuela. 1. Nov. Bei dem Erdbeben vom Montag sind auch die Staate San Casimiro. Cua und Charallano gänzlich zerstört worden. Eine Insel, die vor der Mündung des Neoiri Flusses lag, ist gänzlich verschwunden. In Tacariqua. Brochico und Curiepe war der angerichteteSchaden ebenfalls sehr bedeutend. Ueberall gab es viele Todte und Verletzte. Der neue Präsident der XVtcrnational Zypographical Union. a. M. Lynch aus Syracuse, trat heute sein Amt an als Nachfolger von Samuel B. Donneöy au New Pork.

Jnla,ü Depeschen.

Sie ttnlflHa in Am M. m Tarrant & Co. werden wahrscheinlich kriminell dafür haftbar gemacht werden. Keine weiteren Lelchep am Mittwoch gcfmldeen. Per des Mordes schuldig befun deue Roklqn kerrcll Macht im Gefängniß einen SelbstMordversuch. Wird aber an der Ausführung des Borhabens verhi'ldert. (5in junger Mann kaltblütig von seiner Fran erschossen, Wcil sie in den Besitz von Bersicherungsgeldern gelangen wollte. Einer der Akrouer Krawallisten ver urtheilt. Die Brc:ri0katastrophe in New York. N e w Y o r k, 1. Noo. Eine Revision der Liste der seit dcm großen Branoe in Tarrant & Co.'s DrozuenHandlung Vermißten ergab am Mittwoch Abend noch 25 Namen. Vier davon sind an den Plätzm. wo sie angeölich oomizilict waren, gar nickt bekannt, kommen also als Vermißte auch nicht in Betracht. Acht unter den Vermißten sind Angestellte der Firma Tarrn: & Co. Bis Mittwoch Abend 10 Uhr wurde keine einzige Leiche unter den Trümmern des Gebäudes gefunden, obgleich einige bis zur Unkenntlichkeit entstellte Objekte, welch? eventU'.ll menschliche Körpertoeüe geMs'en sein tonnten, gefunden wurden. Wie es scheint, wird es auch fernerhin unmöglich sei.", etwaige Leichen, die noch unter den Trümmern der Gebäude liegen mögen, als solche zu identifiziren, falls sie von den Arbt::.'rn aufgefunden werden sollten. Die furchtbare Hitze, welche durch die Explosion und die später folgende Feuersbrunst erzeugt wurde, bat alle irgendwie zerstörbaren Stoffe bis zur Unkenntlichkeit verändert, wenn nicht total zerstört. So stellte sich das z. B.. was man im ersten Augenblicke für ein paar verbrannte Körper hielt, bei näherer Besichtigung in der Moräne als zusammengeschmolzsnes Gummi heraus. Auch später wurde noch ein Gegenstand gefunden, welchen die Arbeiter zuerst für menschliche Ueberreste hielten, der sich nachher aber ebenfalls als geschmolzenes Gummi herausstellte. In den Ruinen des Home made" Hotels wurden eine Anzahl Artikel, wie Bücker. ein Taschm. tuch. eine Cigarrenspitze etc. gefunden, aber es konnte nicht ermittelt werden, ob der Eigenthümer verunglückt mar oder nicht. Die Behörden haben inzwischen die Untersuchung über die Quantität von Explosivstoffen, die sich in dem Gebäude von Tarrant & Co. befanden, eingeleitet, um eventuell gegen die Eigenthümer gerichtlich vorzugehen. Sekretär August F. Doherty vom Feuerwehr-Departement bemerkte dazu, daß die im Besitze von Tarrant & Co. befindlichen Explosivstoffe weit über das Maß hinausgegangen seien, welches nach dem Gesetze und der Erlaubniß der Feuerwehr zulässig sei. Diese Verletzung des Gesetzes annullirt nicht nur die Feuerversiche-rungs-Police der Firma, sondern setzt letztere auch einer Kriminal-Anklage aus und macht sie vor allen Dingen für allen Schaden an Leben und Eigen.thum. welcher durch die Erplosion verürsacht wurde, verantwortlich. Die Feueroersicherungsgesellschaften brauchen unter den obwaltenden Umständen nicht für den Schaden aufzukommen. Die vier Wüstlinge im Ge f ä n g n i ß. P a t e r s o n . N. I.. 1. Noo. McAllister. George Kerr. Andrem Campbell uno William Death halten sich im Countv-Gefängnisse oon den niederen Nerbreckern noch immer fern Einzsperrt, wie sie sind, kommen sie sich inw mer noch vornehmer vor als bloße Diebe, Räuber u. s. w. Es ist Einwand dage gen erhoben worden, daß sie in dem Saale, auf den ihre Zelle münden, mit einander verkehren und sich auf gemeinsame Nothlügen verabreden können. Leider ist das nicht zu vermeiden, da die Gesetze oon New Jersey keine Einzelhaft für Untersuchungsgefangene vorschreiben. Sonst werden die Herren Wüstlinge nicht bevorzugt. Sie dürfen sich nicht selbst beköstiaen. sonrern müssen

mtt der Rot oorlieb nehmen, die das County einem wie allen Gefangenen liefert. Mayor John Hinchcliffe oon Pater fon. dem die Geschichte natürlich sehr ungelegen kommt, nachdem die Stadt auch schon als ein Brutnest der Anarchie verschrieen worden ist, erklärte in einem Interview, daß die Bürgerschaft gefetzliebend und nicht schlimmer als die Ein wobnerschaft anderer großer Fabrikstädte. Paterson werde beide Skandale überleben und nichtsdestoweniger das Heim guter Leute und Bürger bleiben. Besonders protestirte Mayor Hinch cliffe gegen Aeußerungen des Vicepräsidenten der Gesellschaft zur Unterdrückung des Lasters, Arthur W. Bifhop. der insinuirt hatte, der Mayor fei mit den vier Wüstlingen theils verwandt und theils eng befreundet. Das bestreikt Mayor Hinchcliffe sehr entschieden. Er sagt, daß die Gerechtigkeit ihren Luf nehmen wird, verwahrt sich aber vagegen, daß es seine Pflicht sei, sich an die Spitze eines Pöbelhaufens zu hellen, welche die vier Wüstlinge, welche am Verderben mehr als eines Mädchens die Schuld tragen mögen, am liebsten lyn chen möchte. Der Polizeichef Graul ist fest ent schlössen, seine Pflicht zu thun und die vier reichen Wüstlinge der gereckten Strafe zu überliefern. Er hat seine besten Detektives ausgeschickt, um zu erMitteln, in welcher Apotheke McAllister das Eüloral gekauft hat. Er uns der Staatsanwalt Holen und entschlossen. McAllist und seine Spießgesellen an den Galgen zu bringen, wie starke Ein flllsse auch zu ihren Gunsten geltend gc macht werden mögen. - Es ist im Staate New Jersey nicht verboten, Chloral auch obne Rezept zu verkaufen, die Apotheker sind aber angehalten, über die Verkäufe Buch zu führen und die Flaschen mit Gift-Etiketten zu versehen. Wird oas versäumt, so sind die Apotheker oder ihre Clerks kriminell haftbar. Das Gesetz oon New Jersey schreibt aber nur Geldstrafe vor und nicht, wie das in New Jork, Gefängniß bis zu fünf Jahren. Gattenmord. G e n e s e o , Jlls.. 1. Nov. Wm. Hiler. ?n', junger Zimmeri" .n von Hoopvole. bei hiesiger Stadt, ist am Dienstag von seiner Frau erschossen worden. Den oon Hilger kurz vor seinem Tod gemachten Aussagen zufolge, die auch von der Frau in einem Geständniß bestätigt worden sind, schoß ihm. die Frau zuerst eine 'Kugel in die Schläfe, als er nichtsahnend auf dem Sopha lag und sich ausruhte. Als der Mann auf- und auf die Frau zusprang, schoß sie ihm noch eine Kugel in den Hals und zwei in den Leib, ehe es ihm gelang, ihr den Revolver zu entreißen. Der Verwundete bat dann die Frau, Hilie l!eröeizuholen. Die Beiden waren allein in dem Hause. Die Frau weigerte sich, einen Arzt zu holen und wartete eine Stunde lang auf den Tod des Mannes. De? Letztere war für 53000 versichert und es scheint, daß die Frau den Mord begangen hat, um in den Besitz des Geldes zu gelangen. DerLisl-Mord inChicago. C h i c a g o . 1. Nov. Es wird immer klarer, daß der Blumenhändler Anton Lisl. ein wohlhabender Mann, am Samstag oon einem Schwager seiner Frau, George Bolinski, ermordet worden ist. Es kann Bolinski nachgewiesen werden, daß er am Samstag Nachmittag um fünf Uhr einen Revolver lud undDrohungen gegen Lisl ausstieß und daß er um acht Uhr Abends blutig und mit zerrissenen Kleidern in dasselbe Haus zurückkehrte, in welchem er seine Drohungen ausgestoßen und die Waffe geladen hatte. Ferner ist ermittelt, daß Lisl aufBo linski eifersüchtig war und ihm sein Haus verboten hatte. Bolinski's Uhr und sein Revolver wurden in der Nähe der Leiche gefunden. Seine Kleider zeigten, als er verhaftet wurde. Blutflecken. Sowohl er wie Frau Lisl, die ebenfalls verhaftet ist. bestreiten. daß er im Hause war. Sie wollen nicht wissen. wer Lisl ermordete, und möchten die Sache so darstellen, als ob erSelbstmord begangen habe. Der ganze Fall erregt in Chicago großes und peinliches Aufsehen. Schuldig befunden. Akron. )., 1. Nov. Harvey Carl, einer der von der SpezialGrandjury in Anklagezustand versetzten Krawallisten. wurde am Mittwoch schuldig befunden, in ungesetzlicher Weise Dynamit in seinem Besitz gehabt zu haben. Es ist dies der erste der Angeklagten, der prozessirt worden ist. Alle anderen Fälle werden so bald als möglich zur Verhandlung gebracht werden. Zins - Zahlungen. W a s h i n g t o n, D. C., 1. Nov. Checks im Gesammtbetrag von $2. 994,920, die am 1. November fälligen Zinsen für Regierungs-Bonds reprä sentirend, sind am Mittwoch vom Schatzamt ausgeschickt worden. Diese

918.44

Vonds befinden sich in Handen voni 86,256 Personen und Associationen. Ferrell macht einenSelbst Mordversuch. M a r ys v i l l e, O.. 1. Novbr. Roßlim H. Ferrell, der in der Nacht zum Mittwoch des Mordes im ersten Grade schuldig befunden wurde, ohn daß die Geschworenen den Mörder der Gnade des Richters empfohlen hätten, versuchte später in der Nacht Selbst mord zu begehen. Er hatte sich die Bettdecke fest um den Kopf gewunden und sich dann aufs Gesicht gelegt. Die Wachen merkten aber die Absicht und entfernten die Decke, obgleich FerreU sich wie ein Verzweifelter wehrte. Der Richter Melhorn hat das Gericht bis zum Freitag vertagt, wann er die Argumente zu Gunsten des An geklagten um Gewährung eines neuen Prozesses anhören wird. Die Vcutter des Gefangenen wurde am Mittwoch Morgen oon dem Wahr spruch der Geschworenen unterrichtet. Sie brach vollständig zusammen und es muhte nach einem Arzt geschickt w den. Ein zweites Monte Carlo. Philadelphia. 1. Nov. De, North American". JohnWanamaker'S Zeitung, sagt, daß ein Syndikat, beste hend aus Senator William H. Clark von Montana und mehreren wohlha benden Leuten aus Colorado und Phi ladelpbia, eine Aktiengesellschaft ge gründet haben, um in Caloert County, Md., ChesapeakeBeach, eine Spielbank, gleich der in Monte Carlo, zu errichten, wofür $3,000,000 verausgabt werden sollen. Die Zeitung sagt aber nicht, wie dies unter den bestehenden Gesetzen möglich gemacht werden soll, da unter den Ge setzen von Maryland eine öffentlicht Spielbank nicht existiren kann. Frecher Raub. Chicago. Jlls.. 1. Nov. im F Frey wurde am Mittwoch in Ravcns Wood, einer Vorstadt, um $700 beraubt, als er diese Summe in der ersten Na tionalbank deponiren wollte. Einer von zwei Männern, die Frey beobachtet hat ten. lenkte seine Aufmerksamkeit für ei nen Augenblick ab. und diesen benutzt der andere Gauner, um das Geld, das Frey auf ein Fensterbrett niedergelegt hatte, zu ergreifen und damit zu ent fliehen. D t e Antwort d e r V e r. S t a a ten. Washington, D. C., 1. Nov. Die Antwort der Ver. Staaten auf die deutsch - englische Vereinbarung wurde cra Mittwoch im Wortlaut bekannt gemacht. Die Regierung weist darauf hin, daß die ersten beiden Sätze der Vereinbarung vollständig mit der in der Note des SekreM a'q vom 3. ult dargelegten Politik betreffs Chinas übereinstimmten und die Ver. St. Regierung auch nicht zögere, ihre Politik aufs Neue zu bestäten. indem sie den betreffenden Paragraphen der Verein barung rückhaltlos beistimme. In Bezug auf den dritten Paragraph der Vereinbarung, in dem es heißt, daß die beiden Mächte sich das Recht vorbehielten, geeignete Schritte für die Beschützung ihrer eigenen Interessen zu ergreifen, im Falle eine andere Macht die Komplikationen in China benutzen sollte, um sich unter irgend einem Vorwand chinesisches Gebiet anzueignen, heißt es in der Antwort, daß die Ver. St. Regierung keine Veran!a.ssung habe, eine Ansi,t darüber zu äußern, da es sich um ein gegenseitiges Uebereinkommen zwischen Deutschland undEngland handle, das die Ver. Staaten nichts an gehe. Schiffsn.ichrichten. New York. 31. Okt. Angekom men: Teutonic". oon Liverpool,- Ca vic". von Liverpool; St. Germain". von Havre. Q u ee n? t oft, n, 31. Okt. Abge. gangen: Jvernic", von Liverpool, nach Boston bestimmt. Gibraltar. 31. Okt. Angekom men: Aller", von New York, nach Neapel und Genua bestimmt. Southampton, 31. Okt. An gekommen: ,.Sl. Louis oon New Jork". Abgegangen: Kai'rin Maria The resia", oon Bremen, nach New Jork oi Cberboura. Liverpool. 31. Okt. Angekom men : Georgian". von New York ; Numidian". von Montreal; Ultonia", von Boston: Majestic" oon New York. Abgeoanaen : Cufic". nach Re York. London, 31. Okt. Angekommen-. Michigan" oon New Jork. I. H. Richardson, der bei Nor. mandia. Texas, Jahre lang anscheinend in tiefster Armuth als Einsiedler lebt?, und dieser Tage gestorben ist. hat mehr als $100.000 in baarem Gelde hinter lassen.