Indiana Tribüne, Volume 24, Number 40, Indianapolis, Marion County, 28 October 1900 — Page 6

s

Fndkaml Txibstne, Sonntag, 2. Octohxr 1900. o .

Letzte Vlüthen.

Won Grast Lenbach. -DeVlumen achr'ich recht mit Fleiß. roch am Wegsaum winken, S3enn Laub und Stoppel silberweiß 235a eisten Frühreif blinken; "Sie sierbensmüd' vom langen Flug "2snt letzten Sonnentage -3:n Falter, den der Wind verschlug, Umritt mit banger Frage. 'Nicht wenden werden sie sein Loos, 3fyxi keinen Sommer spenden; "Toch sanfter wird im Blüthenschooß kxi klewes Dasein enden Teutsche Kriegshunde. Von der ostasiatischen Jagercompag -nie werden nach China eine Anzahl jgunde mitgeführt, die zum ersten Mal izt Kriege Verwendung finden sollen. 2ie Versuche, die man bei Uebungen nub Manövern mit dem klugen Vier--süßler als Soldaten und Samariter gemacht hat, haben zu solchen Ergeb issen geführt, daß man sich von dem abgerichteten Hund im Felde großen 'Nutzen verspricht. . Von allen Thieren steht der Hund lern Menschen am nächsten wegen seiüeZ Verstandes und seiner Gelehrigkeit, Mregen. seiner Treue und Anhänglichkeit; dabei haben sie einen scharfen Ortssinn und einen außergewöhnlichen seinen Geruchssinn. Der Gedanke, den Hund für Kriegs.zwacke heranzubilden, ist allerdings nicht mehr ganz neu, man hat Versuche unter anderm schon während der ameManischen Bürgerkriege gemacht, aber xiii einer systematischen Erziehung in dieser Richtung hat man erst in neuere? begonnen. - Einer der ersten, der Aie Sack: planmäßig betrieb, war der s?zrrz W rfr " Auf dem Vormarsch. Rutsche Thiermaler und Schriftsteller BMgartz. Er wurde dazu angeregt hvLify die Lectüre von Schlachtenschil"tserurigen, in denen immer die Rede davon war. daß so und so viele Leute dermißt wurden. Die Frage, die Ge-neral-Major von Herget einmal aufgeTorfen: .Was nützen uns alle niebt zimschenFortschritte, wenn unsere Verrundeten nicht gefunden werden?" beschäftigte auch Bungartz lebhaft und lenkte seinen Blick auf den Hund, der .vermöge seiner natürlichen Anlagen besonders geeignet erscheinen - muß, die Vermißten zu finden. So fing er an -Hunde für den Sanitätsdienst im Kriege zu dressiren. Nicht selten findet man aufSchlacht'feldexri Todte, die vielleicht zu retten Wesen wären, wenn man sie eine Stunde früher bemerkt hätte. Hier gevrabe kann der Hund mit seinem feinen Jnstinct helfen. Er wird deshalb mit -einem Fäßchen voll Erfrischungen und Oerbandstaschen ausgerüstet. Stößt z auf einei Verwundeten, so legt er lich neben ;hm nieder, wartet, bis diefer ihm sjin Rüstzeug abgenommen, kich gestärkt'und dielleicht den ersten Verband angelegt' hat. Merkt der und, daß r Verwundete sich kräftig ;enug füAt, um zu gehen, so fuhrt er ihn dem Ambulanzträger zu. der ihn kuZgesandt hat. Macht jedoch der Verwundete keine Anstalten, sich der "Dinge zu bedienen, die der Hund ihm angetragen hat. so läuft dieser allein zu seinem Ambulanzträger, erstattet . gleichsam Meldung und führt ihn nun fcenx Verletzten zu. Auf dem Schlachtseid selbst haben allerdings die Bunartz'schen Hundt noch keine Gelegentjdt gehabt, sich zu bewähren, wohl ctz legten sie bei den vorjährigen groKe Manövern um Coblenz glänzende l Lytr Atsxd - Eine Meldung. Proben ihrer Verwendbarkeit für den Sanitätsdienst ab. Es erhielten 200 (Soldaten den Befehl, sich verwundet zu hellen und in einem Walde zu vertheilen; 500 Ambulanzen wurden ausgesandt, um sie zu suchen. Von den Verätzten entgingen. zwölf ihrer Aufmerkfamkeit, vier Hunde aber, die während r Nacht ausgeschickt wurden, stöberizn auch diese auf, und als der Versuch cm Tage wiederholt wurde, retteten sie sogar 13 Mann, die die Ambulanzen nicht gefunden hatten. ALein dieser Sanitatsdienst ist nicht einzige, zu dem die Hunde herangebildet werden; imGegentheil, bei dem Sardeschützen - Bataillon beispielsseife hat man diese Uebungen neuerZ:ngS fallen lassen und dressirt die Hunde für andere Zwecke, für den Wach!-.und Spürdienst. Dabei kommt 3 nun nicht nur darauf an, gewisse Instrncte zu wecken und zu entwickeln, sondern sie gegebenenfalls auch zu untdrücken. Die Hunde müssen lernen, sich vollkommen ruhig zu N verhalten, end) wenn geschossen wird. Das erste Erforderniß. um sie für den Kriegsdienst tauglich erscheinen zu lassen, ist

KÖAH LNZM

Trn vv .rnw wM

- . yrxrkr -in ?,i i vj v

"PTO

.rM&

mmm

1A EH 8 v M

. I 1141 , 1 1 IL2si

i . la jj i xs- w

K-4i 'it-av7 i 1 - . - i ' I Z. ZXfT" .

Riemenfübriakeit". d. h. sie müssen.

wie wenn sie an der Leine, am Riemen geführt werden, mit dem Kopf immer am linken Bem des Führers vieiven: o lernen sie, sich durch nichts ablenken zu lassen, und vräaen sich den Weg, den der Führer zurücklegt, genau ein. Das zweite ist Wachsamkeit; denn ver tfnno soll die Truppenabtheilungen, die er begleitet, vor Ueberraschungen sichern. Von besonderem Werth wird in dieser Beziehung seineAnwesenheit beim Vorpostendienst während der Nacht sein. Neben dem Sicherheitsdienst sollen die In der Feuerlinie. - Hunde aber auch Botendienste verrichtcn. Aber auch während einer Schlacht können seine Dienste in Anspruch genommen werden. Während er im An fang in Reserve gehalten wird, greift er in die Action ein. sobald eine Munitionsergänzung nothwendig wird. Die Taschenmuniti,n wird vorschriftsmäßig während des Gefechts aus den Patronenwagen ergänzt, die, in der Regel nicht weiter als 800 Meter von der Feuerlinie entfernt, verdeckte Aufstellung nehmen. Zum Herantragen der Munition werden aus der Compagnie Mannschaften commandirt, die sich zu den Wagen begeben, dort die gegürteten Packete empfangen und so rasch wie möglich zur Truppe zurückkehren. Die Stellung der Hunde, die die Taschenmunition zu ergänzen haben, ist einige Schritte seitwärts von dem Patronenwagen zu wählen und dafür zu sorgen, daß die Pfleger oder Dresseurs der Thiere sich in der Feuerlinie befinden. Zur Herbeiführung des Muniticnsersatzes sind die Hunde schon deshalb besonders geeignet, weil sie sehr schnell sind und mit ihrem kleinen Körper dem Feind kein günstiges Zielobject bieten. raffl yjmMm Nach gethaner Arbeit. An der Hand unserer Bilder kann man von Anfang bis zum Schluß genau verfolgen, wie der fertige" Hund seine Aufgabe erfüllt. Wir sehen die Jäger mit den Hunden in's Gefecht vorrücken. Wenn sich eine Meldung an das zurückgebliebene Obercommando als nothwendig herausstellt, so schreibt ein Officier sie schnell nieder und prägt dem aufmerksam horchenden vor ihm sitzenden Hund ein, seine Sache auch gut zu machen. Er saust davon, während die übrigen die Schützen in's Feuer begleiten. Spähend hocken sie hier, jeden Augenblick eines Winkes gewärtig. Aber so scharf sie aufpassen, nicht einenLaut geben sie von sich, wenn auch die Gewehre um sie herum knattern. Das Gefecht ist vorüber, die Jäger haben sich zur Ruhe im Wald niedergelegt, die Hunde aber lagern auf dem Felde, in friedlichem. Verein mit den Pferden der Officiere. Pi-lzünt-sze. Etwa 1? Meilen westnordwesilich von der Hauptstadt Peking liegt die prächtige Sommerresidenz Wanschauschan un', nicht weit davon, in einer Thalschlucht der hier unvermittelt an die Ebene herantretenden Berge ge!egen, erhebt sich einer der schönsten und besterhaltnen Tempel Nordchinas, vielleicht des ganzen Reiches, Pi-yünt-sze. eine Schöpfung Chien-lung's, des zweiten großen Herrschers der jetzigen Dynastie, aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts. In einem Jagdpark Das Jagdschloß. nahe dem Tempel und Kloster pflegte der Kaiser alljährilch einige Zeit zu verbringen, und sein Palast ist es, den unser Bild darstellt; ein Mauerwerk, weiß und roth getüncht, mit kleinen, tibetischen Ursprung verrathenden Fenstern und zierlichen Fensterkrönungen in gelben und grünen Ziegeln, das Ganze überragt von einer luftigen hölzernen Halle mit Galerien, deren kühn geschwungenes Dach in phantastischen Drachenfiguren ausläuft. V Aus der Schule. Lehrer: Wie hat der erste Mensch geheißen? Kannst Du mir das sagen, Alfreds", Alfred (weinerlich): .Adam - Lehrer: Warum weinst Du denn?" Alfred: Herr Lehrer, ich weiß den Zunamen nicht.- -

viwr n.ffti MMchM

w ' ' ' mv ' j v. zm'tJ ..Mm

---kR HMM

Aus dem Thron von Belgien. Immer bestimmter werden die Nachrichten von der bevorstehenden Abdankung des Königs Leopold H. von Belgien. Freilich folgen derartigen Mldüngen stets Dementis auf dem Fuße, allein dieselben machen den Eindruck,

daß sie mehr einen Wunsch der Umgebung des Königs als den Willen des Monarchen aussprachen. Für die Regierunasmüdiakeit Köniq Leopold's lassen sich manche Motive finden. Der Monarch soll trotz semer 65 Jahre sich in den Escapaden eines jungen Schwerenöthers gefallen und erst in der neuesien Zeit sind allerlei pikante Histörchen über ihn publicirt worden. Aber auch die inneren politischen ! Verhältnisse Belgiens machen die Stellung desHerrschers nichts weniger als angenehm und 1 W ? Yst JJ3 W'Vi m n KönigLeopoldll. auch Könige sehen ja nicht bloß auf "guten Lohn, sondern auch auf gute Behandlung". Die gehässigen Formen, die in diesem Lande der Kampf zwischen den Parteien angenommen hat, das Treiben des socialen Kampfes und zahlreiche andere innerpolitische Fragen bedrängen auch die Person des Königs. Was für ein stählernes Nervensystem oder was für eine dicke Haut dazu gehört, um in Belgien inmitten des pclitischen Lebens zu stehen, daZ kann freilich nur der beurtheilen, der einmal in emer belgischen Stadt einen Wahlkampf mit erlebt hat! Und König Leopolds Nerven haben schon genug durch Familienschicksale gelitten. Auf dem einsamen Schlosse Bouchout lebt, von der Nacht des Wahnsinns umfangen, seine Schwester Charlotte, deren Gatte. Maximilian von Habsburz, in Mezico standrechtlich erschossen wurde, nachdem er sich hatte zum Kai ser dieses Landes proclamiren lassen. Aber auch in seinem engsten Familienkreise hatte König Leopold nicht viel Glück. Sein einziger Sohn ist im Jahre 1869 im Alter von 10 Jahren DasThronfolger-Paar. gestorben und von seinen drei Töchtern, ist die eine Prinzessin Luise, die mit dem Prinzen Philipp von Sachsen-Koburg-Gotha vermählt warund nun in einer Heilanstalt der Welt entzogen ist bekanntlich einer tragischen Katastrophe erlegen, während die andere. Prinzessin Stephanie, die Gemahlin des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich und jetzige Gräfin Lonyay, ein nicht weniger tragisches Schicksal in ihrem Herzen mit erleben mußte. Nimmt man zu all dem noch Unannehmlichkeiten, die dem König der Belgier der Congostaat eintrug, so kann man wohl sagen, daß seine bevorzugte Stellung ihm nicht viel Freuden gebracht hat. Der Thronfolger ist der 25 Jahre alte Prinz Albert von Flandern, ein Neffe des Königs Leopold; er hat kürzlich Prinzessin Elisabeth, eine Tochter des Herzogs Karl Theodor in Bayern, als Gemahlin heimgeführt. . VerfehlteWirkung. Lieber Karl, hast Du, um Papa günstiger -zu stimmen, die verabredete Finte gebraucht und von Deiner bevorstehenden Gehaltserhöhung gespro-chen?"-.Hab'ich!" Nrni, was war d?e Wirkung?" Er hat mich um $10 angepumpt!" 'Beim Photographen. Photograph; Bitte, recht freundlich." Junger Künstler: VedaureZann pur recht genial aussahen!"

is

sL

f

K

M M

vMfr

;PM) mvh

vW-v VMttv j i u I v v

'n.rawu.

Pi(VT','Yvj MMM ßki9Zlvf ftw-M 1 h lft j

' N-rrviA V? c ivlv-v k 1 1 1 HWf, rj Vr? ' W V.i vv5 t T-r m &Zs I l p&A A 7

r 'J PrtW 1Ä ji j

Tie Konsultation.

Nach dem Spanischen von N. Spelzer. Sie sehen, theure Freundin, daß ich sofort auf Ihren Wunsch herbeigeeilt bin. Fehlt Ihnen etwas, sind Sie krank?" Ich weiß nicht recht, Doctor. Aber ich habe Magenschmerzen. Und dann die Füße wollen nicht mehr so recht vom Fleck. Vor fünfzehn Jahren konnte ich doch noch so gut gehen. Jetzt aber bin ich gleich immer müde. Außerdem sind auch Appetit und Schlaf bei mir recht schlecht. Nicht möglich, meine ' Gnädigste, Sie sehen ja vorzüglich aus!" Das will nichts heißen. Ich verzehre mich innerlich. Und wien Sie warum? Weil ich allein lebe und weil es mir an Zerstreuung fehlt." Aber Sie haben doch eine verheirathete Tochter!" Ach, Doctor, da legen Sie gerade den Finger in die Wunde. Sie ist es eben, die die Schuld an dem allen trägt." Ich verstehe nicht . . Doch, doch! Ihnen, meinem Freund, kann ich mich doch wohl anvertrauen. Sehen Sie, meine Tochter ist ein undankbares Geschöpf. Sie lebt nur für ihren Mann und ihre Kinder und kümmert sich kaum noch um mich. Vor einiger Zeit, als sie ihr neues, großes Haus bezogen, da hegte ich die Hoffnung, sie würde mir darin eine Etage anbieten, ich könnte dann doch mein Leben so angenehm im Kreise der Meinigen beschließen. Aber das ist ihr gar nicht einmal in den Sinn gekommen. Rein, sie kommt nur zweimal in ber Woche zu einem flüchtigen Besuch zu mir. Dabei erzählt sie mir aber nichts von dem, was in ihrem Hause vorgeht, und nach kaum einer halben Stunde ist sie bereits wieder verschwunden." DaS verstehe ich aber gar nicht! In Bezug auf die Liebe erntet man . doch gewöhnlich das, was man gesäet hat. Sind Sie ihr denn keine gute Mutter gewesen?" Aber selbstverständlich! Meiner Tochter hat es niemals auch nur am geringsten gefehlt! Für ihre Erziehung war mir kein Opfer zu groß. Und nun sehen Sie, wie ich dafür belohnt werde." Das ist allerdings für Sie ein sehr trauriger Fall! Ein Wesen, das Sie, wie Sie sagen, mit der größten AufOpferung erzogen, das Sie wohl auch felbst genährt haben... Ich vermuthe ich täusche mich darin nicht." Nein, Doctor, ich war bleichsüchtig das ging also nicht. Und außerdem wünschte mein Gatte, daß ich an allen großen Gesellschaften theilnehmen und auf keinem Ball fehlen sollte. Wir schicktew das Kind deshalb nach Bourgogne zu einer vorzüglichen Amme. Mein Mann und ich besuchten es auch zweimal im Jahr. Sie können mir glauben, daß sie dort wie eine Prinzessin gehalten wurde." So aber dann, dann nahmen Sie sie doch zu sich?" ' Aber nein, Doctor, n?ir glaubten, die Landluft wäre ihr viel zuträglicher. Einmal, als wir sie nach Paris geholt hatten, um einen Tag mit uns zu verleben, weinte sie unaufhörlich. Wollen Sie mir glauben, 'daß sie lieber bei ihrer Amme war, als bei mir? Aber als sie nun in das schulPflichtige Alter kam. da haben Sie sie doch wohl zu sich genommen und sie unter Ihrer mütterlichen Aufsicht im Hause unterrichten lassen?" vJch 303 es vor. sie in einem Jnstitut auf bem Lande unterzubringen. Obgleich dort ausgezeichnet für sie gesorgt wurde, ließ ich sie doch noch Lebertbran und alle möglichen anderen Medikamente nehmen, die mich ein Vermögen kosteten. Ich sagte Ihnen ja schon, Doctor, daß mir für die ErZiehung meiner Tochter kein Opfer zu groß war. Und das alles hat das undankbare Geschöpf ganz vergessen." Und aben Sie sie damals häufig desucht?' O, in jedem Monat einmal. ' Aber späterhin, als Julia in das Kloster des Heiligen Herzens kam ... Haben Sie Ihre Besuche einge stellt? . . Ja notbaedrunaen. Da die Zöglinge nur während der Erholungs stunden Besuche .empfangen durften, wollte ich sie nicht des Vergnügens berauben, mit ihren Gefährtinnen zu spielen ... Aber in den Ferien . . Da ließ ich sie mit der Jungfer in den Cirkus gehen oder schickte sie zu ihrer Tante oder zu ihren Pathen, die sie sehr gern hatten und die sie stets auf daS Freundlichste empfingen . . ." und wie alt war sie. als Sik -sie aus dem Kloster nahmen?" Achtzehn Jahre. Und mein Mann und iö baben uns aleicü alle Mübe ae geben, ihr einen Gatten zu suchen. Es gibt, wissen Sie, viele Mütter, die sich gar nicht um die Zukunft ihrer Kinder kümmern aber ich habe ganz anders gehandelt,- die Versicherung kann ich Ihnen geben . . . Von dem Wunsche bescelt, einen idealen Schwiegersohn für sie zu finden, sprach ich aller Welt von meiner Tochter, und Julia war kaum drei Monate im Hause, als man auch schon um ihre Hand anhielt." Und haben Sie Erkundigungen über den künftigen Gatten Ihrer Tochter eingezogen?" Ach, das war unnötbia. Sein Vermögen bestand aus einem Hause in, tt ' r 1 " I . t Paris, uno oas genugie uns neoen oer Mitgift, die sie von uns bekam." Aber haben Sie sich denn nicht nach seinen Neigungen, seinem Charakter und seiner Erziehung erkundigt?" Das sind sehr delikate Punkte, mein Freund, wissen Sie. Ich gehöre nicht zu jenen Müttern, die ihren TLchtern den eigenen Geschmack aufzudrängen versuchen. Ich habe mich damit begnügt, in ihr zu sagen: .LiebeZ

Kind, dieser Herr hält um deine Hand an, wenn er dir gefällt, sage es mir frei und offen." Und das Kind erwiderte mir: Es ist mir gleich, ob es dieser oder ein anderer ist. Das Einzige, was ich verlange ist, daß er mich nicht zwingt, weiter Klavierstunde zu nehmen." Sie können sich denken, Doctor, wie wir uns über diese Aeußerung amüsirt haben. Vier Wochen darauf wurde dann die Hochzeit gefeiert." Vier Wochen barauf?" Ja gewiß; wir beeilten uns ein we-

nig. well ich am eisten Juni ermnern Sie sich denn nicht mehr zu einer Badekur in die Pyrenäen reisen mußte." j MZ. ; Oriv -HrfH rv.2 rVv -cjjii. -Ot fcfcjjfc. iuv NUN schon fünf Jahre! Aber gewiß mag es nun sein, wie es will, Ihre Tochter braucht jedenfalls nicht zu bereuen, was sie gethan hat. denn wie Sie mir sagen, 'ist fit doch sehr glucklich." Sehr, sehr und dafür müßte sie mir doch wahrhaftig sehr dankbar sein. Aber, kein Gedanke, lieber Freund! Sie können sich von der Undankbarkeit meiner Tochter gar keinen Wegriff machen. Und das nach allem, was ich für sie gethan habe . . . können Sie sich das vorstellen? . . Und entrüstet fuhr die alte Dame nach einer kleinen Paufe fort: Sie behandelt mich fast wie eine Fremde. Vergißt und vernachlässigt mich und zwingt mich, einsam und allein zu leben, statt mich in ihr Haus zu ziehen, um ihre Mutter zu zerstreuen, zu pflegen und zu trösten, wenn ich verstimmt bin, mein Alter durch Liebe und Zärtlichkeit zu verschönen, mir ihr Herz weit zu öffnen, kurzum alles bas zu thun, was doch die Pflicht einer guten Tochter ist." ... Besonders, wenn es sich doch um eine so aufopfernde Mutter handelt wie Sie, um eine Mutter, die alle ihre Gedanken, all ihre Gefühle, ja ihr ganzes Leben der Tochter geopfert hat, wie Sie sagen. Da lassen sich allerdings für eine derartige Undankbarkeit keine Worte finden." Das sage ich ja auch, Doctor..." Sie. sehen also, meine Gnädigste, wir stimmen vollkommen überein..." Der alte, weltkluge Arzt bestätigte es mit malitiösem Lächeln und ironischer Verbeugung. Ein Wunderkind. In Paris spricht man jetzt fast ausschließlich vom kleinen spanischen Wunerkinde, und das phänomenale vierjährige Bübchen von Jenseits der Pyrenäen, Rodriguez Ariola, hat es zu Stande gebracht, daß die Weltausstellung. China, die Boxer und der Transvaalkrieg heute den Boulevardbcwohnern ganz nebensächliche Dinge geworden sind. Ariola, der drei Jahre und vier Monate alt ist. ist nämlich nicht nur ein brillanter Clavierspielcr, sondern auch ein Componist. Er war 2h Jahre alt, als er sich, ohne je Unterricht genossen zu haben, an'Z Clavier setzte und Melodien spielte, die VN3Jm Ä:' Rodriguez Ariola. er gehört. Alle waren correct. ohne jeden Fehler. Später improvisirte er und componirte selbst. Die Mitglieder des psychologischen Congresses, der eben in Paris tagte und denen der Junge vorgeführt wurde, waren verblüfft über die Leistungen Ariola's. Sein Aeußeres läßt durch Nichts darauf schließen, daß man es hier mit einer ganz phänomenalen Erscheinung zu thun habe. Er ist für sein Alter nicht allzugroß, seine Züge sind zart und die langen Locken an den Schläfen lassen ihn im ersten Augenblicke als Mädcben aelten. m 1 n EineSehenswüroigkeN. Herr Baron gehen ohne Hund auf die Jagd?" Nicht nöthig! Wenn Hasen mich sehen, kommen sie von selber gelaufen!"

M

v ß2-!!' mz M i&H (KV

M5

Ein fortglcitendcs Tors. Unweit von Luz im französischen Departement Hautes - Pyrenees liegt das Dorf Viella, das sich augenblicklich in einem Zustande befindet, der von oen Geologen aller Länder mit großem Interesse verfolgt wird. Die Hochebene, auf der das Dorf liegt, gleitet allmählich fort, nach dem Thal von Bstan zu, seine Weiden, seine Bäume und seine Häuser. Schon auf dem Wege von Luz nach Viella der später nach Bareges weiterführt, machen sich die Anzeichen der eigenthümlichen Erdbew:gung bemerklich. Es zeigen sich Risse im Erdboden, vorläufig noch von geringe? Tiefe. In Viella selbst sieht es sehr bedenklich aus. Viele Häuser siehen schief, die Mauern sind zerrissen

: ' ViM T M t i, mm Mu ßWm

JE StraßeinViella. und die Bewohner sind voller Angst und Sorge. Die Behörden haben den Leuten gerathen, das Dorf zu verlegen, aber die Bewohner sind arm. und man sperrt sich von seiten der Regierung gegen eine Unterstützung. So bleiben e dort, täglich auf eine Katastrophe gefaßt. Wie lassen sich nun aber dies e Verschiebungen desErdbodens erklären? Um einFlüßchen, das manchmal Überschwemmungen verursachte, eindeichen zu können, wurde es von der Forstverwaltung zeitweilig in ein anderes Bett geleitet. Es drang nun an verschiedenen Stellen in das Innere des Berges und soll dadurch die ganze Anhöhe abgelöst und ins Gleiten gebracht haben. Eine Katastrophe scheint unvermeidlich zu sein. Teutsch in China. Tsingtau, die Hauptstadt von Deutsch-China, hat nun auch eine Zeitung und zwar 'das Amtsblatt für Kiautschau. Die Zeitung ist Doppelsfe Amtsblatt ta Deutsch Kuutfchou öcbicL & :Kt3!2:::. 9 Ck(M : 12 5 ImihI ft.1 1 Tancua. 1 Jvh 1909. a . sprächig; links befindet sich der deutsche Text, rechts die Uebersetzung in's Chinesische. Vorstehend ist der Kopf des Blattes, das einzig in seiner Art dast:ben dürfte, reproducirt. Entschuldigt. Aber Arthur, wie kannst du mir .mr eine Sängerin ins Haus bringen?" Na, höre sie erst singen. . . ich sage dir, scheußlich!" Der Protz. . .-.Herr Goldsiein. das Radeln auf diesen' verbotenen Wegen wird mit einer Geldstrafe geahndet!" Als ob 's könnt' geben für mich e' Geldstraf'!" Zurechtweisung. . . . Diefe vorzügliche Gänseleber baben gewiß Sie zubereitet, Fräulein Elfe?" Warum glauben Sie ich?.. Ich..Aber, Elfe, wer wird denn seine igene Leber verleugnen?!". ,

ÄLZ?- '4 ll

71t H k r'f fc

- MJ Lnv l'ü'i zrpPsfji sS ili XW v. r lv4? si MMWW

r M uV 9 ' v w y&r$? MWÄ'

BestrafiNeugierde.

pJ'T . 1' ' LllLJ .

Warum haben Sie den Regenschirm offen es regnet doch nicht!" MW Ja wissen S', das thu' ich aus Vorsicht, wenn ich spät nach Hause komme! Sehen Sie, da haben wlr's!' KleineSMißverständniß. Dichter: Auf einer Manchette. die ich Ihnen vergangene Woche zum Waschen gegeben habe, stand ein kleines Gedichtbetitelt: Liebst Du mich"; erinnern Sie sich vielleicht?" Waschfrau (verschämt): Ach ja, Herr Doctor. . . haben Sie vielleicht damit mich gemeint?" Bezeichnend. riia. Hi:;k& Die dicke Räthin radelt wohl auch nicht zu ihrem Vergnügen?" Nein, die radelt nur, um dünner zu werden!" Also quasi pro forrna!" Die Dauerkiisserin. - Kommerzienrath (zu seiner Tochter, die auf der Bahn von ihrem verreisenden Bräutigam Abschied nimmt): Laura, du prolongirst mer ßu sehr di: Küss'!" Seine Branche. Bankier: Das ist mir doch aber stark! Sie las. sen mir sagen, Sie hätten in Geschästen mit mir zu sprechen und jetzt betteln Sie mich an!" Schnorrer: Gewiß betteln is mei Gesckaftl" Bedenken. Gefängniß - Di rector: Kellner sind Sie also .... da sollen Sie beim Austheilen des Essens mit verwandt werden." Sträfling (verlegen): Ich hab' aber leider kein' Frack bei mir, Herr Director!" .

LiMI k "vv VrnH Vx i'J$k Jv 'T1 h: 1- 1' VWM k mmm i i 1

CT

ll

M $Mv ' tV'l 1) M WWußSkv

-1 XX m m

mrd:

4rmF !T Amwr' H II 1 14

(S5fF f I

1 1

VVSH ivn lV.i .4

CZ-

rr K Vuf ri u 4?7 f')tßßjä fWft ' $f Mi "f rAY

V