Indiana Tribüne, Volume 24, Number 19, Indianapolis, Marion County, 7 October 1900 — Page 2
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V Jndiana Tribüne, Sonntag, 7. Octobcr 1900.
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Ihr Beruf, i Etm Ä!ic Ctein. In ichreni behaglichen, schönen Epttsezimnier saß das Ehepaar Seiler. Er rauchte seine Cigarre stillschweigend , zu Ende und blickte dann, auf seine Frau, die ohne viel Interesse in einem Luche blätterte und ab und zu ein paar Zeilen las. Sie fühlte, daß er ste ansah, und. legte das Buch fort. Sich ja, Wilhelm, ich wollte noch mit Dir sprechen!Na. was denn, rnern Kind?" Es ist wegen Hedwig, weißt Du! Uebermorgen ist ihr Geburtstag . und " Er unterbrach sie: Liebe Marie, ich dachte. Du hättest twas Wichtiges. Aber init dem Geburtstag, steh mal. das arrangirst Du wirklich ganz allein so hübsch, und ich bm so sehr ermüdet jetzt also vielleicht bis morgen." Nein, Wilhelms Es hat nicht bis morgen Zeit. Ich will Ernstes mit Dir besprechen: Hedwigs Zukunft."' Aber um Gotteswillen, liebste Ma1! Ich bin wirklich sehr abgespannt. Den ganzer: Tag über mit den Geschäften im Bureau, nun kommst Du mit solchen Fragen. Das Mädel wird achtzehn Jahr, nicht wahr? Na also!" Sie hatte ihn zu Ende sprechen lassen, aber es war ihr schwer gewesen. Sie stand erregt auf. Du hast niemals Zeit für mich, mein lieber WilHelm" diese Anrede war stets ein Ausdruck gnßer Gereiztheit und ich muß doch davon reden. Ich weiß. Du denkst, wie meine Eltern dachten und wie alle reichen, guten Leute hier in Hamburg: Wenn das Mädchen achtzehn oder neunzehn Jahre alt ist, dann wird sie einen braven Mann heirathen, dann isftne Sache erledigt. Sie hat Sprachen gelernt, sie spielt sehr hübsch Klavier und sie wird kochen lernen. Aber das ist mir nicht genug. Wir sind wohlhabend, um so besser aber das Kind soll einen Beruf ergreifen." Johann Wilhelm Seiler erhob sich und sah seine Frau verwundert an. .Liebe Marie." sagte er ruhig, .Du bist eine kluge Frau. Wenn ich auch nicht atiz verstehe, wozu Tu Dich so unnöthiz erregst, so werden wir uns natürlich, wie immer, so auch hierin einigen. Wenn Hedwig den Wunsch hat, irgend etwas Besonderes zu erlernen, so will ich nichts dagegen haben. Wenn Du willst, werden wir mit ihr darüber reden. Du wirst sehen, sie will nicht Seiltänzerin werden oder Schauspielexin oder sowas. Sie weiß ganz genau. Was der eigentliche Beruf der Frau ist. Ja na, ich denke, wir haben uns nun geeinigt. Nicht wahr?" Frau Marie antwortete nicht. .Also nun, gute Nacht, uicht wahr?" Sie stand am Fenster und sah in den dunklen Garten hinab. 3a, ja. Wilhelm, gute Nacht!" antwortete sie zerstreut.. Sie konnte nickt einschlafen. Es war lächerlich, aber sie hatte wirklich Eile mit diesem Gespräch gehabt. Und er er war wieder müde gewesen. War ihm denn nie der Gedanke gekomwen, daßHedwig dnn doch etwas mehr sein sollte und' konnte, als ihre Freunbinnen, als-oie anderen DurchschnittsfrnSie selbst, als sie noch Mädefn war, hatte für sich recht große Plane und Wünsche gehabt. Freilich, es waren Pläne und Wünsche geblieben. Sie hatte studiren wollen, aber die Eltern hätten es nie zugegeben. Sie wollte zur Oper gehen, denn ste hatte eine schöne Altstimme. Aber sie hätte svt gewagt, ihrem Vater auch nur ine "iise Andeutung zu machen. Es war ja auch unmöglich! Aus dieser Umgebung heraus auf die Bühne! Dieser Unterschied in den Verhältnissen! Die reichen Eltern würden ihre einzige Tochter nie aus dem Hause gegeben haben und nun gar zum Theater! In '-diesen Sündenpfuhl! Da hatte Maries chulfreundin, die jetzt Malerin war rib in Berlin lebte, ganz recht, wenn sagte: .Hier bei Euch ist Alles so ge:gen, die Einrichtung und die Dienstda.ten. Alle schon acht oder gar zwölf da!hre im Hause, und sogar die GesinUl igen!" Und die hübsche, noch immer werirfzüngige Person hatte gelacht. Ja, v iir war so jung geblieben, sie war nicht verheiräthet und sie fühlte sich sehr befriedigt von ihrem Berufe. Und Marie sie selbst? Es gab eigentlich nichts mehr, worauf sie sich freute. Es war so Alles fertig in ihrem Leben. Was sollte noch kommen? Sie hatte sich als Mädchen Alles ganz anders gedacht in der Ehe. Es war ja Alles sehr ruhig verlaufen, aber was sie am meisten störte, war, daß er sich immer mit ihr .einigen" wollte. Nur war es keine .Einigung", wenn einer dem anderen zu Gefallen .ja" sagte. Wie sie jcho das Wort haßte, das r immerfort im Munde führte! Geeinigt, das hieß, sie mußte nachgeden, immer, immer. Scenen konnte sie ihm nicht machen, weinen und Ohnmachts onfälle und dergleichen Mittel derschmähte sie. Und wenn sie geglaubt hatte, in der Ehe mehr Meinung haben zu dürfen als zu Hause, so hatte sie sich geirrt. Er ließ ihr Freiheit in vielen Stücken, aber wenn er an etwas gewohnt war, oder etwas ihm sehr gefiel, so konnte ihn nichts davon abbringen. Und dabei blieb er immer gleich lie benswürdia und freundlick. Allerdings, wie viele beneideten sie um ihren Reichthum, ihr sicheres und zufriedenesLeben. Ja, zufrieden War sie es denn? Sie fühlte eine Leere in sich, einen fortwährenden Thaten durst, der durch dieses tägliche Einerlei nie gestillt werden konnte. . ' " - Und in dieser Leere, die sie empfand. in diesem Verschmachten sollte ihrKind. . ihre geliebte Hedwig nicht das Leben verbringen. Sie sollte selbstständig werden, auf eigenen Füßen stehen. Wenn sie denWunsch hatte, zu studiren, wie sie selbst es einst so gern gewollt! Jetzt war daZ ja nicht mehr etwas
Außergewöhnliches. derjie langes
'"d Sie würde das Kind vor Gefahren schon behüten. Und morgen wollte sie Hedwig sr& gen, ob sie den großen Wunsch hege, und dann würde sie es hören, gewiß etwas Großes! Am nächsten Morgen, als die Familie Seiler beim Frühstück saß, begann Frau Marie: Also Hedwig, Papa und ich haben gestern darüber nachgedacht, womit wir Dir zum Geburtstag noch eine große Freude machen könnten." Das junge Mädchen wurde roth. Ja, Mamachen, ich wüßte schon et was, aber " Kinder, um Gotteswillen, macht das nachher ab, wenn ich fort bin," unterbrach Herr Seiler seine Tochter. Er ahnte unliebsame Erörterungen. Und so verschob man die Sache. Hedwig schien es auch nicht so eilig zu haben. Frau Marie aber hatte keine Ruhe. Das Kind hatte augenscheinlich einen großen Wunsch und fürchtete nur des Vaters Ansicht. Natürlich des Vaters die Mutter, die würde sie schon derstehen. Herr Seiler ging fort. Marie und Hedwig blieben allein. Wie auf Verabredung schwiegen sie, bis das Mädchen den Tisch abgeräumt und das Zimmer verlassen hatte. Nun fing Frau Marie an: Also, liebes Kind" Ja. Mama " Du hast einen Wunsch, einen recht großen?" Ja, aber Du weißt gar nicht, Mama ich kann es kaum sagen " Soll ich Dir helfen? Ja? Also, Schmuck hast Du, Kleider auch, Taschengeld, so viel Du willst, nicht wahr? Du machst Dir nichts aus Kinkerlitzchen. Dein Herz hat größere, seh? große Wünsche " Ach ja, Mama!" rief Hedwig freudig. Du bist ein Kind der moderneu Zeit," fuhr Frau Marie warm fort, einer Zeit, in der die Frau von den Banden alter Vorurtheile befreit ist. in der sie sich regen und bewegen, sich als Individuum bethätigen kann." Hedwig blickte etwas verständnißlos die Mutter an. Tu hast viel Verstand, mein Kind." sprach Frau Marie weiter, und auch Talent, zur Musik, zur Malerei! Und NUN. nicht wahr, liebe Hedwig? Ich errathe es. Du willst Künstlerin werden? Nicht wahr?" Aber nein, liebste Mama!" riefHedwig in kläglichem Tone. Wie? Nein? Du willst nicht " Aber gar nicht, Mama! Ich habe ja gar nichts Künstlerisches an mir!" Ji, was wolltest Du denn eigentlich?" fragte Frau Marie bestürzt. Ach, Mama, Mama!" sagte Hedwig weinerlich. Du verstehst mich auch gar nicht!" Mein Himmel! Kind so sprich doch; was ist es denn?" Nun, Mama, ich ich ach! Ich bin so unglücklich!" Und sie brach in ein jammervolles Schluchzen aus. Frau Marie war fassungslos. Ihr liebendes Mutterherz bebte. Sollte irgend ein Unglück geschehen sein? Aber. Hedwig. Kind!" flehte sie, so sage doch so rede!" Hedwig lehnte ihr thränennasses Gesicht an die Schulter der sorgenden Mutte?. Ach. Mama." schluchzte sie leise, ich liebe ihn so sehr!" Frau Marie sprang heftig auf. Du liebst Du? Wen denn?" Aber Mama! Kannst Du es denn nicht errathen? Adolf, natürlich Adolf Stehr den Einzigen, den Besten " Ja, ja, ja!" sagte Frau Marie ärgerlich, enttäuscht. Aber sie lachte resignirt und erheitert zugleich auf. Und sofort verschwand der weinerliche Ausdruck aus dem Gesichte Hedwigs und es strahlte in eitel Entzücken. . Morgen wird er kommen und Euch fragen und Ihr sagt ja bitte, bitte, Mamachen, süßes Mamachen! Ihr sagt ja!" Und Frau Marie sagte ja. Wie konnte sie auch anders? Ihr Mann war einverstanden, ihr Kind war glücklich. Was wollte sie noch mehr? Am folgenden Tage, an Hedwigs Geburtstag, hörte sie es recht oft, wie glücklich sie war in dem Glücke ihrer Tochter". Und schließlich glaubte sie eö auch. Na. nun ist die Zukunft" des Kin des gesichert," saate am Abend Herr Seiler. Du siehst. Deine Sorgen waren überflüssig. Nun sind wir einig, nicht wahr?" Ja, sie waren wieder einmal einig. 5das Kind" hatte sich ja selbst den Beruf" gewählt. . DaS Gebet der Sachsen. Im Archiv zu Goßlar fand sich folgende Gebetsformel der alten Sachsen an ihren Donnergott in altsächsischer Sprache: Hili kroti Waudana! ilp osk um osken pana Unittikin ok kelta of ten aiskena Kalevtten sklaktenera. Jk kist ti in our tou scapa un tat rose. I! slacte ti fanka up tinen iliken Artisberka." Ins minder melodisch tönende Neudeutsch übersetzt, heißt dies: Heiliger großer Wotan, hilf uns und unserm Feldherrn Wittekind, auch den Hauptleuten gegen den häßlichen Karl den Schlächter. Ich gebe dir einen Auerochsen und zwei Schafe und die Beute. Ich schlachte dir alle Gefanzenen auf deinem heiligen Herzberge." " Dann. Dienstmädchen (zum Stubenmädchen): Wie kommt es. daß die gnädige Frau niemals erbleicht, wenn sie in Ohnmacht fällt?" Stubenmädchen: Sind Sie nur einmal zugegen, wenn die gnädige Frau Toileite macht, dann werden Sie sich nicht mehr, wundern!" T:
reizend sie würde zur Oper gehen.
Die Stirnlocke de5 Glück?.
Van Trangort Ferner. In einem tüchtigen Fußmarsch war ich von Wiesbaden aus manche meiner Leser werden den Weg kennen durch den Rahengiund, über die Fischzuchtanstalt und to a ctus herrlichen stillen Waldwegen nach der Eisernen Hand, dem Höhepunkt der Straße und der Eisenbahn Wiesbaden - Diez. hinaufgegangen. Die Eiserne Hand" ist ein einsames Stationsgebäude, mitten im prachtvollen Hochwald, über den in kühnem Schwünge sich die Hohe Wurzel", der höchste Punkt des westlichen Taunus, erhebt. Einige Augenblicke stand ich Lberlegend neden dem stillen Gebäude. Sollte ich. um mein heutiges Wanderziel, das Bad Langenschwalbach, zu erreichen, auf der Chaussee weitergehen, die sich von hier oben hinuntersenlt in's bergund waldfrische Aarthal, in welchem Schwalbach liegt, oder sollte ich auf die Hohe Wurzel- hinauf, und von dort auf einsamen, köstlichen Waldwegen hinuntersteigen nach dem berühmlen Badeort? Gegen die Chaussee sprechen Staub und Sonne, gegen die Hohe Wurzel" und die Waldwege der Umstand, daß der Weg dort hinüber weiter war und bei der schon ziemlich vorgerücktenNachmittagsstunde wohl kaum vor Einbruch der Dunkelheit beendet werden konnte; wenn aber die Nacht im Walde mich überraschte, so würde mir. trotz meiner guten Kenntniß der Wege nichts Anderes übrig bleiben, als im Grünen zu übernachten, denn in der Finsterniß sind die Wege nicht zu sinden. Frau Sonne aber brannte zu heiß auf der Landstraße, und so entschloß ich mich schließlich trotz der erwähnten Bedenken für die Hohe Wurzel" und die Waldwege. Dem Kühnen ist das Glück hold!" dachte ich. Du wirst schon noch rechtzeitig zu Thal steigen, und wenn wirklich die Nacht Dich überraschen sollte, nun, 's ist Hochsomwer und ein gut Gewissen wird auch im Wald ein gutes Ruhekissen sein!" Die Waldgeister aber wußte ich mir gewogen, denn ich hatte ihren Wald ja lieb von Jugend auf, und einem Solchen thun sie nichts. So wanderte ich denn rüstig bergan, und reicher Lohn sollte mirafür werden. Bon der Hohen Wurzel" eröffnete sich mir heute ein Fernblick, wie ich ihn so klar, in so wunderbarer Beleuchtung kaum jemals in den deutschen Mittelgebirgen gehabt habe. Tief zu meinen Füßen lag das lachende Gelände des Rheingaues von Kastel bis Rüdesherm, durchzogen von dem Silberband des majestätischen Stromes. Und drüben auf der anderen Uferseite Mainz mit seinem mächtigen Dom und seinen vielen Kirchen, und dahinter in blauem Dunst verschwommen die Höhen der Bergstraße und der schönen grünen Pfalz; gegen Westen hin aber sah ich deutlich den silberblitzenden glußstrkisen der Nahe, und ganz hinten, ganz weit in verblauender Ferne, erhob sich eine riesige runde Kuppe, Alles ringsherum überragend und beHerrschend: das imposante Massiv desDonneröerges. Und über dieses ganze prächtige Landschaftsbild hin senkte sich die Sonne tiefer und tiefer und übergoß mit ihrem magischen Licht, das in tausend Farben spielte, Berg undThal, Wald und Feld, Strom und Fluß. Ergriffen und in mich versunken stand ich da, und der ctte Zauber, der noch einen Jeden erfaßt hat, der zu unseren herrlichen rheinischen Landen gezogen kam, nahm auch mich auf's Neue in seinen Bann. Ich ließ mich nieder in's grüne Gras, hing meinen Träumen nach und vergaß, daß ich noch ei nen weiten Weg vor mir hatte. Plötzlich hörte ich dicht neben mir ein Knacken in den Büschen. Sollte es Wild sein?" dachte ich und spähte neugierig, ohne mich zu regen. nach der Seite. Es röar kein Wild. Ein Mann trat schwer athmend und keuchend aus dem Buschwerk. Eine seltsame Erscheinung, und unwillkürlich griff ich nach meinem neben mir liegenden Stock; ein echter Ritter von der Landstraße, verwilder: und abgerissen, Rock und Hosen mit tausend buntfarbigen Flicken und Flickchen besetzt, Haar und Bart ungeschoren und struppig, und einen alten Filzdeckel auf dem Haupte, der offenbar schon mehr als einem Besitzer zu eigen gehört hatte. Er hatte meinen Griff nach dem Stocke bemerkt. Er lachte. Lassen Sie nur den Knüppel liegen, Herr!" rief er. Ich komme mit ehrlichen Absichten! Seit einer Stunde und mehr suche ich hier in diesem verwünschten Wald nach dem rechten Weg und kann ihn nicht finden! Und wenn ich ein gut Stück Weges gelaufen war und gemeint hat.e, daß ich jetzt etwas zurückgelegt hätte, dann war ich plötzlich wieder an der alten Stelle, wo ich angefangen hatte! Und keine Menschenseele trifft man hier, die man fragen könnte! Alles wie ausgestorben!" Ja. es ist still hier oben auf der Höhe des Gebirges!" sagte ich. Wohin wollen Sie denn?" Nach Wiesbaden." Da werden Sie sich beeilen müssen, wenn Sie heute noch herunterkommen wollen. Es ist ein gut Stück Weg! Oder wollen Sie von der Eisernen Hand" aus fahren?" Er lachte. Fahren?! Ha, ha, ha! Ein Lump don der 5!andstraße und fahren! Einer, vor dem Ste vorhin nach dem Stock griffen und die Eisenbahn!" Es war ein schneidendes Lachen, das mir durch Mark und Bein ging. Zum Fahren langen die paar Bettelpfennige nicht, die man zusammen ficht den Tag über!" fuhr er fort. Das gibt ein Stück Brod, einen Schnaps WdMk. dorausgesetzt. fral
ainem Pollzü over Sendarm nicht zu einem Freiqrtier verhelfen! Oder sonst wer!" Er starrte einen Augenblick sinnend vor sich hin, und ich nahm den Moment wahr, seine Züge zu mustern. Der Mann sprach ein tadelloses Teutsch, seine Ausdrucksweise war die eines Mannes von Bildung, und so war ich denn neugierig, einen Blick in sein bisher nur flüchtig geschautes Gesicht zu thun. Und da erschrak ich. Unter aller Verwilderung erkannte ich doch feine.
intelligente Züge, ein kluges, lebhaftes Auge und ein bewegtes Mienenspiel; aber auch das andere erkannte ich, daß ein schweres körperliches Leiden aus diesem fesselnden Gesicht, aus dieser hohen Stirn sprach. Und nun erst merkte ich auch, wie schwer der Mann athmete und keuchte. Sie scheinen krank!" sagte ich. Ja, 's hat mich ordentlich gepackt diesmal," entgegnete er. Darum will ich nach Wiesbaden ich muß ins Krankenhaus! Nun, und da wird hosfentlich der große Freiquartiermacher kommen, der uns Allen einst Quartier "veist: Gevatter Tod!" Sie werden genelent" ipracy iq, um wenigstens etwas zu sagen. Der Mann fing an, mir in der Seele leid zu thun. Erschrocken streckte er beide Hände von sich. Um's Himmelswillen nicht!" fuhr er auf, hart und rauh. Genesen? Wozu? Um mich nach wenigen Wochen wieder auf die Landstraße geworfen zu sehen? Nein, nein! 's ist schon besser so, wenn der Gevatter kommt!" Sind Sie denn so bitter verzweifelt am Leben?" fragte ich. - Ha, ha! Verzweifelt am Leben? Nein das bin ich nicht! Dieses Dasein ist die Verzweiflung eines Menschen nicht werth! Man muß daran vorübergehen, wie an einem Haufen Schmutz, und keinen Blick zurück thun! Wohl dem, der erst glücklich daran vorüber wäre!" Mein Interesse für den Mann stieg. Verzeihen Sie," sagte ich. aber Sie sind nicht das, was Sie schemen!" Wieder lachte er bitter und schneidend. Möglich, daß ich früher einmal ein paar Brosamen an der Tafel des Lebens gefunden habe! Heute hab' ich nichts mehr, als Lumpen auf dem Leibe, und im Herzen den Wunsch, sie möglichst bald für immer abthun zu können!" Er schwieg.. Ich fragte nicht weiter. Ich merkte, daß es ihm peinlich war. Etwas zögernd kamen mir jetzt die Worte über die Lippen. Kann ich Ihnen mit einer kleinen Reise - Unterstützung behilflich sein? Nehmen Sie mir die Frage nicht übel!" Uebelnehmen, nein! Dann wäre ich ein Narr! Das Gute, das mir Einer anbietet, stoße ich nicht zurück. Ich kann's brauchen!" .So nehmen &tl vat ich. Ich hatte mein Portemonnaie gezogen und schüttete ihm den ganzen Inhalt in die Hand. Es mochten insgesammt etwa fünfzehn Mark sein; meine weiteren Geldmittel trug ich in meiner Brieftasche. Ich hätte ihm gerne, da er mich aufrichtig dauerte, noch etwas mehr gegeben, r ich hatte nur noch größere Geldscheine bei mir, und man wird es mir nicht verdenken können, wenn ich einem wildfremden, verwildert aussehendenMenschen. mit dem ich in tiefster Waldeinsamkeit allein war. nicht merken lassen wollte, daß ich einen größeren Betrag mein Reisegeld bei mir führte. Nehmen Sie damit vorlieb!" sagte ich. Jch werde 'mal in Wiesbaden im Krankenhaus nach Ihnen fragen! Ich komme oft hin ich wohne drüben in Mainz i"' Er sah gerührt und erstaunt auf den Haufen Münzen in seiner Hand. So viel! Das gab mir noch Keiner! Und Sie bitten noch um Entschuldigung! Sie sind ein sonderbarerSchwärmer Einer, der den Glauben an die Menschen noch nicht verloren hat, wie mir scheinen will." Nein!" entgegnete ich. Gott sei Dank, diesen Glauben babe ich noch nicht verloren, und ich glaube darum auch, daß in Ihnen noch Funken liegen, die eine schöne klare Flamme, geben könnten, wenn wenn der rechte Luftzug dahinter käme " Der kommt nicht mehr, mein Herr!" sagte er, bitter lächelnd. Während der letzten Worte war ich mit meiner rechten Hand in die Tasche meines Jaquets gefahren, wo ich ein Papier knistern hörte; ich nahm es heraus, um zu sehen, was es sei. Ich erkannte zwei Loose zu einerLotterie, die ich neulich in einem Restaurant einem Hausirer abgekauft hatte, um den zudringlichen Menschen los zu werden. Sehen Sie." sagte ich lächelnd, da finde ich noch etwas zwei Loose! Wissen Sie was? Sie eins ich eins! Nehmen Sie! Ein geschenktes Loos bringt Glück. Und übermorgen iß schon Ziehung!" Er nahm es lachend. Glück." meinte er. das hab' ich in meinem Leben nicht gehabt. Es wäre schnurrig, wenn ich jetzt welches haben sollte, wo ich die Tbore zumachen will! Ader nun mutz ich geyen. 5 wuo m per!" Ich erschrak. Wahrhaftig, es wurde dunkel. Im Gesprach mit dem seltsamen Menschen hätte ich daS Hereinbrechen der Nacht vollständig übersehen. Ich gehe mit Ihnen hinunter zur Station Eiserne Hand"," sagte ich. rasch entschlossen. Sie fahren dann nach Wiesbaden und ich nach Schwalbach!" Schnell schritten wir vorwärts. Schneller aber kam die Nacht, und plötzlich war ich trotz meiner Ortskenntniß und trotz meiner guten Augen mir Über den Weg nicht mehr klar. Ein Baum sah wie der andere aus, und die Nacht machte jede Orientirung unmögxz je ' ! . - X
"Sind wir verirrt?" fragte mein Begleiter, als er mein Stutzen und Zö gern bemerkte. , Ja! Fast scheint'L so!" Mir thut das nichts!" lachte er. Ich bin's gewohnt, unter freiem Himmel zu nächtigen! Aber Sie " Ich werd's auch müssen," entgegnete ich, das Suchen hat keinen Zweck." So bleiben wir oben! Hier ist eine kleine Wiese, da ruht sich gut. und seien Sie ohne Sorge" eine leichte Bitterkeit klang aus den Worten
Sie werden morgen früh Ihre Uhr und ihre Werthsachen noch bei sich sinden!" ,3ch bin nicht besorgt darum!" sagte ich ruhig. So blieben wir denn über Nacht zusammen, und ich. muß gestehen, daß ich trotz meines anfänglich etwas knurrenden Magens ganz vortrefflich geschlasen habe. Am anderen Morgen gingen wir zusammen zur Eisernen Hand" hinunter, und ich war erstaunt, als ich dabei erkannte, welche falschen Wege und welche Umwege wir gestern Abend in der Dunkelheit eingeschlagen hatten; es ist merkwürdig, wie die Nacht im Walde selbst den Kundigsten irre fühtt. Bor dem Stationsgebäude trennte ich mich von meinem Begleiter. ) Wissen Sie auch," sagte er beim Abschiede, daß ich einen seltsamen Traum gehabt habe?" Welchen?" fragte ich. Denken Sie," antwortete er, mir hat geträumt, ich bätte mit Ihrem Loose das große Loos gewonnen!" Warum nicht?" lachte ich. Morgen ist Ziehung. Ich werde Sie benachrichtigen im Krankenhaus in Wiesbaden. Wie ist Ihr Name?" Richard Färber. Aber Sie werden nicht'in die Lage kommen," setzte er hinzu, -für mich noch Porto ausgeben zu müssen! Denn Fortuna will von mir nichts wissen. In der vorigen Nacht habe ich ihreStirnlcxke gesehen, und als ich den berühmten Griff danach habe thun wollen war's ein Traum! Ein Traum ha, ha! wie alles Schöne auf Erden! Nein, nein, das Glück ist nicht für mich! Ihnen verdanke ich sein letztes Lächeln. Sie haben sich freundlich mit mir unterhalten und Theil nähme für mich gezeigt leben Sie herzlich wohl und denken Sie nicht schlecht von mir!" Wir schieden. Auf meiner Sommerreise vergaß ich den seltsamen Fremden, ebenso wie die Lotterieziehung. Erst als ich wieder daheim war, fiel mir Beides auf's Neue ein. In einer Lotterieagentur erkundigte ich mich nach den Loosnummern. ' Nummer 26384!" sagte ich. Es war mein Loos. Eine Niete! Ich bedauere!" entgegnete der Eollecteur. Und Nummer 31334?" fuhr ich fort. Es war das Loos, welches ich dem Fremden geschenkt. Der Lotterieeinnehmer sah in der Liste nach. Nummer 31334?" fragte er dann nochmals. Ja!" Ist mit 150,000 Mark gezogen worden! Ich gratulire!" Eine Stunde später schon stand ich im Bureau des Allgemeinen KrankenHauses in Wiesbaden. Ist hier ein Herr Richard Färber aufgenommen und ist er noch hier?" fragte ich. Die Beamten sahen sich mit eigen thümlichen Blicken an. Richard Färber?" fragten sie. Jawohl. Den Herrn suche ich." Ja verzeihen Sie " entgegnete einer der Herren und sah mich prüfend an, ich weiß nicht, ob Ihnen bekannt ist, daß Herr Färber, wie polizeilich festgestellt wurde, gar nicht so hieß " Und wie heißt er denn?" fragte ich verwundert. Herr Richard Färber ist der FreiHerr Richard von R." Ich stand wie vom Blitz getroffen. Bon dem düsteren Schicksal diesesMannes hatte ich oft gehört und gelesen. Viele eigene und noch mehr fremde Schuld hatten sich eigenthümlich in seinem Leben verkettet und tief und tiefer war der heißblütige, leidenschaftliche Mann gesunken, bis er schließlich, jedes Halts entbehrend, auf der Landstraße durch die Länder gezogen war. Aber jetzt, jetzt sollte ihm eine Freudenbotschaft werden. Führen Sie mich zu ihm!" bat ich. Ich bedauere," entgegnete der Beamte. Freiherr von R. ist vor acht Tagen gestorben!" Gestorben!" rief ich tief erschüttert. So hatte er damals also doch Recht gehabt: für ihn gab es kein Glück mehr, und nur einmal, in einem kurzen Hochsommernachtstraum, hatte er, wie er saate. dessen Shrnlocke weben sehen. Have pia anima!" murmelte ich ergriffen. Aber mich interessirte der Verbleib des Looses. Wo sind die Effecten des Todten?" fragte ich. Oder wer ist sein Erbe?" Seine Effecten sind verbrannt worden!" entgegnete der Beamte. Er besaß nichts, als was er auf dem Leibe trug, und das war Alles schlecht und zerrissen. Erben hat er keine, da er außer allen Beziehungen zu seiner Familie stand." Besaß er keine Papiere?" Nein! Gar nichts!" Ich ging. Das Loos blieb verschwunden. Er mochte es verloren haben. Der Betrag ist niemals erhoben worden. lnkritischer Moment. Bekannter (soeben eingetreten, zu Stubenmädchen): Ja, Marie, wie ste hen denn Ihr Herr und die gnädige Frau da?" Stubenmädchen: Ach, wissen Sie, die gnädige Frau hat heute zum ersten Male selbst gekocht und nun getraut sich keins zuerst zu Tisch.".
Appetit und Geschmack.
Lon Heinrich Pudor. Bis vor einiger Zeit war es in den Familien ziemlich allgemein Sitte, die Kinder zu zwingen, die ihnen Vorgesetzten Speisen zu essen und sie ihnen unter Umständen jeden Tag auf's Neue vorzusetzen, wenn sie auch Abscheu und Widerwillen zeigten. Aber glücklicherweise ist man davon abgekommen. Man sieht ein, daß diese Sitte auf ganz falschen Voraussetzungen beruht, als ob nämlich die Verdauung etwas rein Mechanisches, Maschinenmäßiges wäre, als ob der Magen wie eine Maschine, wenn man sie heizt, arbeiten müsse, während der Magen etwas Organisches, nicht etwas Mechanisches ist, etwas Lebendiges, nicht etwas Todtes. In der That ist der Magen als etwas Lebendiges von einem Willen beseelt. Diesen Willen nennen wir Appetit". Der Vater kann das Kind wohl zwingen die Speise mechanisch hinunterzuwürgen; aber über den Willen des Magens hat er keine Gewalt. Der Appetit ist die Seelensprache der Verdauungsorgane und ist als solche von äußerster Wichtigkeit. Auf diese Sprache sollten wir mit peinlichster Aufmerksamkeit achten, dem leisesten Winke gehorchen, den geheimsten Wunsch zu errathen suchen. Statt dessen suchen wir schon bei der Erziehung das Verständniß für diese Seelensprache vollständig zu ersticken. Wir trainiren uns förmlich. Alles essen und verdauen zu können, was uns vorgesetzt wird, ganz unbekümmert um die Wünsche und Neigungen derjenigen Organe, auf die es allein dabei ankommt, die allein das entscheidende Wort dabei zu reden haben. Und doch sind es die Verdauungsorgane. welche allein wissen, was unserem Körper fehlt, welche Stoffe er braucht, wovon er zu viel hat u. s. w. In dem Fleische und Blute des Menschen befinden sich bekanntlich alle mögllchen chemischen Stoffe, wie Phosphor, Arsenik, Eisen, Kalk und' so und so viele andere. Immerfort verbraucht nun der Körper von diesen Stoffen, und deshalb müssen diese Stoffe neu ersetzt werden. Und dr Appetit ist es, welcher dem betreffendenMenschen sagt, was er an diesem oder jenem Tage genießen soll, welche Stoffe ?m Laboratorium der menschlichen Verdauungsorgane gebraucht werden, an welchen Stoffen es mangelt. Ist dieser oder jener Stoff schon hinreichend oder gar zum Ueberfluß vorhanden, so stellt sich gegen diejenige Speise, welche besagten Stoff in besonderem Maße enthält, ein lebhafter Widerwille ein, während die Erinnerung an eine andere uns das Wasser im Munde zusammenlaufen läßt. Heute ist z. B. ein außerordentlich reger Appetit auf Linsen vorhanden. Kommt man diesem Appetit nach und ißt heute und morgen und vielleicht noch übermorgen Linsen, so nimmt der Körper in sein Laboratorium zum Zwecke der Blutbereitung diejenigen Stoffe aus den Linsen auf, die er brauchte und nach denen er deshalb ge klingelt" hatte, indem er nämlich vermittels des Appetites sagen ließ: Gebt mir Linsen," Ist nun der Bedarf nach diesem in den Linsen enthaltenen Stoff gedeckt, so schwindet der Appetit nach Linsen und dann wird vielleicht vom Magen aus nach Reis oder nach Zucker geklingelt", weil lalt gebraucht wird. Natürlich ist dieses Wunschsagen der Verdauungsorgane in der Zeit der Kindheit von ganz besonderer Bedeutung. weils alsdann das Wachsthum vor sich geht, und weil alsdann zum Aufbau des Körpers bestimmte Stoffe absolut nothwendig sind, die sich der Körper im Laboratorium seiner Verdauungsorgane bereitet. Achten wir nicht auf den Appetit, so geben wir dem Körper Speisen, die er gar nicht braucht, die er vielleicht verarbeitet, aber ungenutzt wieder auswirft, oder aber solche, mit denen er sich herumplagt, weil er schon zu viel davon hat, die ihn in Unordnung bringen. Aber nicht nur für die K-ndheit, sonder für's ganze Leben ist diese Frage von höchster Bedeutung, weil der Körper sich fortwährend neu bildet und weil nach cstimmter Zeit kein Atom von den Knochen, von der Haut, vom Fleisch und Blut das alte ist. Also welche Unsumme von Stoffen wird benöthigt! Heute Eisen, morgen Kalk. Der Körper bereitet diese Stoffe zwar selbst, denn er versteht die Chemie besser als Bunsen und Meyer, aber er muß die nöthigen Speisen bekommen, aus denen er sich diese Stoffe bereiten kann, und welche Speisen das sind, das schreibt er auf die Speisekarte des Appetites: Heute bitte Kopfsalat !" Und nicht genug, daß wir den Appetit haben, wir haben außerdem den Geschmack, der uns ganz unzweideutig sagt, ob die gegebene Speise auch wirklich gebraucht wird. Warum schmeckt uns denn Honig nicht alle dreihundertundfünfundsechzig Tage des Jahres? Warum wird er uns nach einer Woche, täglich genossen, schon überdrüssig? Weil der Körper sich innerhalb dieser Woche mit den dem Honig specifischen Stoffen aenüaend bereichert hat und nun nach anderen Stoffen verlangt. Wie liebenswürdig von der Natur, daß sie aul einem ganz prosaischen Vedürfniß nach chemischen Stoffen ein Lustgefühl im Geschmackssinn uns gegeben hat! Und wer seinem Geschmackssinn gehorcht, auf ihn achtet, ihn studirt" (er ist nämlich außerordentlich sensibel, delicat, feinfühlig und empfindlich), der wird nicht nur seinen Körper mit all.m Nöthigen versorgen, so daß die LebensHaltung und Gesundheit gewährleistet ist, sondern er wird zugleich auch täglich immer auf's Neue die angenehmsten Empfindungen (nämlich Geschmacksempfindungen) haben und sich nicht nur außerordentlich wohl fühlen, sondern die ganze Lust des Daseins auch nach dieser Richtung hin auskosten. Ich kannte einen. Menschen, der.
i Jahre lang einen häufigen Appetit auf
etwas sehr Merkwürdiges, nämlich aus Eierschalen, hatte und regelmäßig, wenn er Eier aß. auch in klein wenig. Schale mit verzehrte offenbar v:ax im Laboratorium seines Körpers ein. großes Bedürfniß nach Kalk vorhandcn und zwar zum Zwecke der Knochenbildung. Ein Anderer hat vielleicht wieder einen merkwürdigen individuellen Appetit nach Zucker. Im Uebrigcn. kann der Appftit nicht nur unterdrückt, sondern auch verfälscht werden, derartig, daß zum Beispiel ein Bedürfniß nach solchen Speisen entsteht, die nicht ausgenutzt und zum organischen Aufbau des Körpers verwendet werden, sondern zum Zwecke einer fortschreitenden Entartung einzelner Organe dx nen, wie der Niere oder der Leber oder auch des Herzens, wie es bei Herzverfettunz. Nierenkrankheit, Zuckerkrankheit u. s. w. vorkommt, oder auch nach solchen Speisen, die zum größten Theil als Fremdstoffe abgelagert werden, wie bei der Fettsucht. Wassersucht u. s. w. In diesem Falle ist die Ursache in einer verkehrten Erziehung, welche den Geschmackssinn und den Appetit verbildete, zu suchen. Erwähnt werden mag auch, daß der Appetit sogar unter Umständen die Rolle des Arztes übernehmen kann, indem er ein Verlangen nach solchen Stoffen kundgibt, welche zur Reinigung und zur Kräftigung nothwendig sind so, wenn man z. B. bei mangelnder Verdauung nach grünem Gemüse verlangt, oder wenn man bei Ueberfluß an venösem Blut nach grünem Salat verlangt, oder bei Mangel an Eiweiß nach Leguminosen u. s. w. Auch hier sehen wir, daß der Mensch, wenn er auf seine Instinkte Acht gibt und dieselben in ihrer natürlichen Feinheit und Schärfe erhält und ihnen gehorcht, nicht nur den reinsten und höchsten Lebensgenuß hat, sondern auch in diesen Instinkten den zuverlässigsten Arzt, so recht eigentlich einen treuen Hausarzt hat. Darum heißt es für die Hausfrauen mehr Abwechslung und reichere AusWahl in den Küchenzetteln! Und wenn ihnen das Wohl ihres Kindes am Herzen liegt, mögen sie es hin und wieder fragen, worauf es Appetit habe. Die sogenannten Lieblingsgerichte mögen öfters auf den Tisch kommen, denn in der Wahl derselben äußert sich die Psyche der Verdauungsorgane auf eine bedeutungsvolle Weise. Jeder Mensch hat dasjenige Lieblingsgericht, das am meisten von den Stoffen enthält, die im Laboratorium seines Körpers gebraucht werden. Und ähnlich hat auch jeder Mensch ein solches Gericht, das Stoffe enthält, mit denen der Körper schon übersättigt ist. Wie wichtig alle diese Dinge sind, erhellt daraus, daß nicht nur unsere Verdauungsorgane ihre eigene Psyche haben, deren Sprache der Appetit und Geschmackssinn sind, sondern daß die Psyche des Menschen selbst von den Verdauungsorganen seh? wesentlich abhängig ist. Wenn Du Deinem Körper in den Nahrungsmitteln die Stoffe gibst, die er braucht, so wird nicht nur Dein Körper besser ernährt und aufgebaut, sondern Dein Wohlbefinden erhöht sich, Deine F'ähigkeiten erweitern sich. Dein Wille wird lebhafter, Dein Bewußtsein wird klarer. Deine Leidenschaft wird größer und Deine Seele wird reiner: Ter Mensch ist, was er ißt." Die Fra in den SchanStaten. In Gesicht und Figur ähneln die Frauen der im gebirgigen Nordrande von Birma bis zur chinesischen Provinz Jüman ansässigen Schanstämme den Japanerinnen; auch sind sie ebenso liebenswürdig, graziös und gewinnend wie diese. Da die Männer unglaubliches Talent zum Faulenzen haben, sehen sich Frauen und Mädchen gcnöthigt den ganzen Tag fleißig zu arbeiten. Sie bestellen die Reisfelder, suhren den Haushalt und beschäftigen sich mit Weben. Ihre Tracht ist fast noch hübscher wie die der Japanerin. Die Schönen von Meng-Lien sieht man in einem Costüm, das in einem längeren weißen und einem darüber getragenen kürzeren farbigen, oft reich mit Stickereien bedeckten Rock, einem knapp sitzenden, mit engen Aermeln versehen? Jäckchen und einem goldverzierien Turban besteht. In Akka. einem andern Schan - Staat, präsentiren sich die Vertreterinnen des Ewig - Weiblichen in noch malerischer und kleidsamer Gewandung. Unter einer osfenen Jacke von buntem Stoff kommt eine hellfarbige, meist weiße gestickte Blouse zum Vorschein. Der mit dem Jäckchen üt)ereinstimmendeRock reicht nur bis zu den Knieen. Helle, prall das wohlgeformte Bein umschließende Tuchgamaschen und ein böchst eigenartiger Kopfputz vervollständigen die Toilette der Akkanerin. Dieser Kopfputz ist ein dem modernen Matineehut der Pariserin nichts nachgebendes Kunstwerk aus Bambusgeflecht, das mit Stoffen in leuchtenden Nuancen drapirt und mit complizirten Perlstickereien, silbernen Ornamenten und Kaurimuscheln verziert wird. Eie solche Kopfbedeckung hat aber noch ganz bestimmte Bedeutung: sie zeigi an. daß die Trägerin nicht mehr ledig ist. Aehnlich costümirt gehen die Frauen von Pu - Juan, die aber mehr wie jedem anderen Klei dungsstück ihren Tuchgamaschen Wichtigkeit beilegen. Sie haben nämlich die feste Ueberzeugung, daß sie vom Wind in die Luft entführt würden, sobald sie sich ohne Gamaschen in's Freie wagten. Die deutf che Mobil ma chung. Sportsmann: Großartig: Leistung, unsere Mobilmachung.Zweiter Sportsmann: Einfach colossal! Wink von oben, 'n Ruck, und die ganze Geschichte geht von selbst die ! reine Automobilmachung."
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