Indiana Tribüne, Volume 24, Number 12, Indianapolis, Marion County, 30 September 1900 — Page 2
Jndlana Tribüne, omta$, 30. September R90V.
. Tas bsse CladZerspZel. UJ ' .'Von Alex TomZli. : attrilo Gawrilowitsch Truschin Vax Chefredacteur des Moskowski Telegraf-, sonst aber der gemüthlichste Mann, den man sich denken konnte. Er Jxbie die ganze Welt, und sich selbst am Veisien; nur gegen eines empfand er be. sonore Antipathie: gegen das'Clavierspiel, und vornehmlich verfolgte er mit glühendem Hasse das Clavierspiel der Wirtuosin Eusebia Prochoroff. was nicht gerade merkwürdig ist. wenn man bedankt, daß Eusebia im benachbarten Hause, Wand an Wand mit dem Redacteur. wohnte. Trotzdem war Eusebia ein ganz bedeutendes Talent, so daß es ganz selbstverständlich ist, daß der Musikreferent des Moskowsk! Telegraf", den alle Virtuosen und Virtuosinnen stets nur mit Väterchen" anreden, ich meine unseren Iwan Petrowitsch. sie ganz be. sonders in Schutz nahm, und er war auch auf Truschin nicht wenig ergrimmt. da dieser jedes auch nur halb Wegs günstige Referat über die Concerte Eusebia Prochoroff's unterdrückie. so daß ihr Name nur im Inseratentheil des Telegraf" den Lesern der Leitung vorgeführt werden konnte. Vielleicht dürfen wir auch, um ge--recht zu sein, nicht unerwähnt lassen, daß Truschin gewissermaßen ein geboztntx Clav'erfeind war. Wenn ein Regiment Kosaken mit dröhnender Blechznusik durch die Straßen zog, öffnete er wohlgefällig tut Fenster, aber nur keine Klaviermusik. nein, das konnte er nicht vertragen. Einmal brachte ihm der Gerichtsreferent einen Bericht von einem Einbruch in der Villa eines Bankiers. Die Verbrecher hatten da wie die Wandalen gehaust und unter Anderen: auch ein Clavier zertrümmert. Truschin konnte sich nicht enthalten, dem Bericht hinzuzufügen: Wir wundern uns, daß W Richter in der Thatsache der Clavier - Vernichtung keinen mildernden Umstand erblickt haben." Eines Tages saß Truschin gemüthlich bei einem opulenten Frühstück und durchflog die vom Corrector gesandte, für denselben Tag bestimmte Abendzeitung. als er plötzlich kreideweiß wurde. Unter der Rubrik Kunstnachrichten" fand er Folgendes: Tas letzte Concert der berühmten Elaviervirtuosin Eusebia Prochoroff hat derselben einen neuen Verehrer zugeführt, welcher sich bisher gegen die Anerkennung derselben heftig sträubte. Der reuige Bekehrte ist der ChefRedacteur dieses Blattes. Gawrilo Gawrilowitsch Truschin. .Er hat an die Virtuosin folgendes Schreiben gerichtet: Hochgeschätzte Künstlerin! Ihre wunderbar erhebenden Leistungen beim letzten Concert haben auf mich einen derartigen Eindruck gemacht, daß ich nicht umhin kann. Ihnen meinen
tiefgefühltesten Dank für den mir bereileftn Genuß auszusprechen. Meine Seele ist noch von den entzückenden Läufern und Trillern, bewegt, welche Sie wie einen gnadenspendenden Regen über Ihre bezauberten Zuhörer ausschütteten. Genehmigen Sie die Versicherung meiner unbedingten Ergebenheit. Truschin." Zufällig, ganz zufällig, trat nach inebrmaliaem veraeblicken Anklovkcn ?ctoari Netrowitsck ein und fand, tbeils zu seinem Schrecken, theils zu seiner Befriedigung. Truschin ohnmächtig auf dem Sopha liegen. Rasch angestellte Belebungsversuche waren vom besten Erfolg begleitet. Wie kommt dieses Zeug in das Blatt?" fragte der noch immer blasse Redacteur mit drohender Miene. Iwan ergriff das Blatt und las anscheinend mit großer Zufriedenheit. Ist es wirklich wahr? Nun. so danke ich Ihnen im Namen meiner Freundin, Väterchen" Donner Mensch, bringen Sie jnich nicht auf! Sind Sie der Versasser dieser Notiz? Ja oder nein?Gi, wie Sie Einem zu Leibe gehen! I!un denn ja!" Und wer hat Sie dazu autorisirt? fragte der Chef mit möglichst ruhige? Stimme, obgleich er innerlich vor Wuth kochte. Wissen Sie nicht, daß in die sem Augenblicke die 'ganze Auslage von 25.000 Ezenplaren bereits gedruckt ist. oder wenigstens zum großen Theil?" Das weiß ich, aber gestehen Sie, Sie haben sich selten in Ihrem Leben so geärgert, Gawrilo Gawrilowitsch!Jrean Petrowitsch . Nun. nun, beruhigen Sie sich! Das Exemplar, welches Sie in der Hand halten, ist das einzige in seiner Art, welches ich extra für Sie drucken ließ. um mich für die Unterdrückung meiner Referate über meine theure Eusebia Prochoroff zu rächen. Ich sehe, es ist znir gelungen!" Man sagt, es Ware beinahe zu einem Duell zwischen den beiden Redacteuren gekommen, wenigstens soll Truschin darauf bestanden haben. Er wurde aber schließlich durch die Nachricht begütigt, Eusebia Prochoroff sei nach eiZier anderen Straße gezogen, er also von ihrer Nachbarschaft befreit. JmKuhstall. Höhere Tochker: Sag' doch 'mal, Tante, woran erkennt Ihr eigentlich die Kühe, welche die saure Milch geben?" TIuZdemnasernenstali. -Wachtmeister (zu den neuen Cavallerie Rekruten): Kerls, für diePferde müßt Ihr solch Liebe hegen, als ob sie schon zu Wurst oder Leessteak verarbeitet toa xtnl" ' Ihr Stolz. Frau A.: Wen 'halten Sie für den größten Erfinde? der Reuzeit?" Frau B.: Meinen Mann!" Frau A.: Ich wüßte nichr, daß Ihr Mann etwas Bedeutendcs erfunden hätte?" Frau 23.: Na. Sie sollten mal die Gründe hören, wenn er Morgens um . Fünf nach Haust zmmt: .. .
Gerichtet.
Z?on Olga Etemer. Ein einfaches Zimmer. Einige Stücke darin erinnern an frühere, bessere Tage", jetzt sind sie verschos. sen. beschädigt und nicht wieder repa rirt. Am Fenster sitzt eine blasse Frau und malt auf Fächer Amoretten, Blumen. Vögel; kleine Kunstwerke. In einer Ecke spielen zwei Knaben von sieben und vier Jahren Hunger. Mama!" ruft der Kleine. Warte, bis ich fertig bin", sagt die Mutter. Hunger!" schreit er lauter, dringlicher. Störe die Mama nicht." sagt der Aeltere, wenn sie nicht arbeiten kann, haben wir nichts zu essen, das weiß ich schon!" Die blasse Mutter lächelt. Johannes hat recht." Aber der kleine Pausbäckige giebt nicht nach, und seufzend erhebt sich die Mutter, um Brot zu schneiden. 's ist nichts drauf", sagt r Kleine, Fritzchen will was drauf." Es giebt heute nichts", erwidert die Mutter streng, setzt jetzt still." Kleine Pause. Weißt du, Mama, früher, da war's doch schöner", sagt Johannes, wie der Papa noch manchmal kam. der hat uns immer zum Kanditor geführt." Zum Konditor", echot Fritz. Und ganz viel früher", fährt Jo hannes fort, da hat er doch bei unö gewohnt, nicht wahr, Mutter?" Was du für ein Gedächtniß hast!" Warum ist er eigentlich fort? Die andern Jungens in der Schule haben alle ihren Papa zu Hause." Weil er sehr weit verreist ist, mein Junge, ich hab' dir's schon ost gesagt." Aber einmal muß er doch wiederkommen." Wer weiß !" In Johannes' Augen sieigen Thränen. Jawohl, Mama, einmal muß er wiederkommen, ich bin ihm doch so gut. Er hat alles schön verstanden, viel besser wie du mit dem Waschen und mit dem Anziehen kommt er auch gewiß wieder, Mama?" Ja. j?, er wird schon." Wann denn?" Ich weiß noch nicht." Er soll mich wieder aufheben und Fritzchen auch, beide auf einmal, er ist ja so stark, und wieder bis an die Decke, 1, der Papa ist groß! Weißt du noch, wie er dich mal in die Höhe geHoben hat, vom Sofa hat er dich genommen. Du hast ganz laut geschrieen, und da hab' ich so gelacht, weil du so Angst hattest. Aber der Papa hat dich nicht fallen lassen, und dann hast du auch gelacht und ihm einen Kuß, gegeben. Wie das komisch war. Muttern küssen doch sonst nur die Kinder " Plapper nicht so viel, bist du mit deinen Schularbeiten fertig?" Ja und der Papa Lies doch noch ein bißchen." Gleich dann der Papa " Hier hast du auch ein Butterbrot." . Das läßt Johanne? sich nicht zweimal sagen; mit vollen Backen beißt er hinein und schwelgt endlich. Beide Knaben kauen, und die Frau setzt sich wieder an ihrer Arbeit. Aber es will nicht recht von der Stelle gehen ja, wenn die Gedanken nicht oän, l t l r v - . z rommcn, oyne oag ne es will, maaztig, unaufhaltsam, und lähmen die sonst schaffensfreudige Hand. Sie sieht sich an Rudolfs Seite in ihrem Heim. Die Liebe hat es gebaut. Dieser große, aristokratisch aussehende Mann hat sie lieb, sie, die Kleine, Unscheinbare. Feine, mit dem vollen Herzen, das sich doch nie in kleinen Plan keleien zersplittert hat und das sie nun als unberührtes Ganzes ihrem Gatten entgegenbringt. Sie kennt seine Er folge hti Frauen, sie sieht die bewundernden Blicke, die ihm folgen, auch jetzt noch, wenn er an ihrer Seite geht, und sie ist stolz auf ihn und stolz, daß er gerade sie gewählt hat. War es um ihr Vermögen? Nicht doch, andere besitzen viel mehr, also sie ist's, ihre Person ganz allein. Von ihren Malkünsten hat er ja kaum etwas gewußt, auch nicht, daß sie, als praktische Mädchen, dieselben zu verwerthen weiß und einen eisernen Fonds angelegt hat für schechte Tage werden ja nie kommen, aber für die werdende Ge. neration, die kann's gewiß brauchen, o sie ist praktisch und tüchtig. Fast demüthig steht sie vor ihm, als sie ihm sagt, und er ist gar nicht stolz und läfjt sie gewähren. Johannes wird geboren und erhöht ihr Glück. Der Abends sitzt sie stundenlang an seinemBettchen und bewacht das hold Wunder Rudolf blieb immer sehr lange aus im Geschäft natürlich. Eines Tages erzählt er ihr. daß er sein Geschäft auflöse, sie staunt warum? Es ist eine große Hausse in meinen Artikeln", sagt er, ich kann bei der Liquidation noch verdienen, und dann hat man mir eine vorzügliche Stelle engeboten, man kennt meine Fähigleiten, ja, ja, man reißt sich um mich, und dabei küßte er sie auf den Mund. Wie tüchtig cr doch ist, wie geschätzt! Welches Glück, ihn zu besitzen! Einmal Rudolf ist gerade nicht anwesend präsentirt ihr ein Kassenbot? einen Wechsel zur Zahlung. Sie bat von Geschäften keine Ähnuna. Mein Mann ist nicht zu SQair, sagte sie. .Heut Mittag zwölf Uhr ist der letzte Termin", erwiderte der Mann gleichsiltig und geht. In Unruhe erwartet sie tfxtn) Gatten. Was ist das mit dem Wechsel?" fragt jie nach dem ersten Kuß. Auf Rudolfs Gesicht malt .sich Erstaunen.
Von mir sind keine Wechsel in Umlauf. Kleine, da muß ein Irrthum vorliegen. Ich werde sofort nachfragen." Abends kommt er mit dem heitersten Gesicht von der Welt. Natürlich war's in Irrthum, und da habe ich auch Va rietebillets für den Abend mitgebracht auf den Schreck, Aennchen." Ein andermal. Ein Mann mit einer blauen Mütze erscheint, es ist der GerlMsvollzieher. er fordert eine große Zahlung, widrigensfalls er in kurzer Frist pfänden müsse. Sonderbar, sie weiß von nichts, sie kennt auch nicht den Namen des Gläubigers. Als sie Rudolf Mittags von dem seltsamen Gast erzählt, lacht er hell auf. Das hat man von dem Namen Müller. Müllers giebt'stzunderte in der Stadt, der Verwechslungen sind kein Ende." Und da lacht sie mit. so herzlich, so sorglos, wie 'sicher ist sie im Schutze dieses Mannes. Aber der Vorfall wiederholt sich, einmal, zweimal Rudolf ist entrüstet, am liebsten möchte er um Namenänderung einkommen, wenn es nicht eben der alte, ehrlich: Name seines Vaters wäre. Man muß es sich gefallen lassen und von der komischen Seite nehmen. Das bischen Aerger wird eine Flasche Wein hinunterspülen. Komm, Aennchen!" und es wird noch der heiterste .Abend. Rudolf muß vlötzlich verreisen, er fährt in der Nacht-, und weil sein Kopf von vieler Arbeit angestrengt ist, im Schlafcoupe zweiter Klasse. Sie begleitet ihn zur Bahn, und als sie nach Haus geht, allein, weint sie vor Bangigkeit wie ein Kind! Als er zurückkommt, ist er zerstreut und vergißt sie zu küssen zum erstenmal. Sein Leibgericht schmeckt ihm nicht, er muß gleich wieder fortgehen Geschäfte. Am Nachmittag kommt die Hauswirthin und fragte in bescheideer Weise, ob Frau Müller wohl wisse, daß die Miethe seit einem halben Jahr nicht bezahlt sei! Herrgott, wie das alles noch deutlich vor ihr steht! Sie starrt die Frau an schuldig Miethe und auf einmal fällt die Binde von ihren Augen, die Rudolf so geschickt darum geschlungen, sie stottert etwas von eine-m eisernen Fonds, und daß sie nichts gewußt habe. daß aber bis Nachmittag da kommt Rudolf. Mit einem Blick hat er die Situation erkannt. Sie haben gesprochen?! Ja", sagt die Wirthin einfach, meine Hypothekengläubiger warten auch nicht; -bis Nachmittag. Herr Müller, sonst muß ich mein Recht auf Ihre Möbel geltend machen." Sie sind allein. Hilfesuchend fliegt sie an seine Brust. Rudolf, was ist geschehen?" Und da erklärt er sich: alles ist fort alles, es fehlt sogar noch Geld in der Kasse des Hauses, das er verwaltet, deswegen hat er die Reise gemacht (im Schlafcoupe zweiter Klasse, kreuzt es ihren Kops) einen kleinen Aufschub hat man ihm gewährt, aber was nutzt das, er hat nichts mehr. Doch", jubelte sie, mein eiserner Fonds." Nein", sagt er leise, der ist schon fort!" 1 Herrgott, wenn sie an die folgenden Tage denkt, wie der Schleier ruckweise fiel von ihrem Götzenbild, wie es besudelt war, und auch nicht mit ihren Thränen reinzuwaschen. Dieser Wust von Lüge und Betrug, eineHochstaplernatur. hervorgegangen aus Faulheit und Genußsucht. Aber sie hielt zu ihm, denn sie war sein Weib. Sie begann zu arbeiten, unablässig, angespannt für ihn, für sich, für das Kind. Frei sollte er werden von Schuld und Schulden. Fritzchen ward geboren. Halb genesen, saß sie schon wieder am Arbeitstisch, denn sie braucht Geld, die Krankheit hat alles aufgezehrt. Zum Glück hat sie größere Konten bei dem Kunsthändler, der ihre Malereien abnimmt. Der Mann zahlt sonst vünktlich. und gerade diesmal Rudolf hat sie immer zurückgehalten, wenn sie bescheiden mahnen will. Du verstehst das nicht," sagt er. man darf einen Kaufmann nicht drängen, es könnte die Geschäftsverbindung gefährden." Zur Miethe wird es noch gerade reichen, sie öffnet ihre kleine Kassette sie ist leer!! Bon einem furchtbaren Verdacht gepackt, eilt sie zu dem Kunsthändler. Er giebt ihr die Quittungen von der Hand ihres Mannes über die längst entnommenen Beträge. Schlag auf Schlag. Sie kommt in Rudolfs Bureau, um zu hören, daß er seit Monaten entlassen ist. weil er absolut nichts mehr leistete, ja daß neue Unregelmäßigkeiten vorliegen, wie sie bei der genauen Controlle nur ein spitzbübischer Kopf ersinnen kann. Dieb! gellt ls ihr von allen Seiten in die Ohren, Dieb und da hat sie sich von ihm getrennt,, ihr Schicksal, wie das ihrer Kinder auf ihre eigenen Schultern nehmend. O diese erste Nacht, als sie allein mit ihren Kleinen unter einem andern Dache schlief diese erste Nacht! Wenn sie daran dachte, wie sie sich der ersten Nacht an seiner Seite entgegengesehnt hatte, und nun wieder allein, nicbt Wittwe, nicht Weib. Äd und zu kam er. um die Kmver zu sehen und sie spazieren zu führen, sie sträubt sich nicht dagegen, sie will den Kindern den Vater nicht ganz entzie- , hen. Er bringt Kuchen mit. aber tiint vcld. Die Zeit vergeht, nichts ändert sich. Fritzchen erkrankt, und Johannes kommt zur Schule, die pekuniären Sorgen wachsen. ' Sie bittet Rudolf, die Doktorrechnung zu bezahlen er hat ja doch eine kleine Stellung und das Schulgeld für Johannes, da bleibt er fort, ohne ein weiteres Wort, ver fchwunden, verschollen! Das ist nun über ein Jahr her. Auf der Polizei hat man ihr gesagt, er sei fortgezogen, in seinem neuen Wohnort ist er nicht gemeldet, ein Vagabundenkniff, . ijt
nicht zu fassen. Sie denkt an Scheidung. aber woher das Geld nehmen? Sie ist zu einem Scheinleben verurtheilt, verwelken, vegetiren, arbeiten! Immer arbeiten, sonst ist sie verloren, sie und ihre Kinder. Und während so die Gedanken gehen, malt sie ihre Fächerblumen, Amoretten! Müde", sagt Fritz, ins Bettchen." Die Frau bettet den rosigen, kleinen Körper und küßt ihn auf alle Glieder, tinen ganzen Strom von Liebe gießt sie über ihn aus. Johannes hat aufgegessen und beginnt wieder u plaudern. Wenn ich ein großer Herr bin. Mamachen bist du dann schon todt?" Hoffentlich nicht, mein Junge." Dann heirathe ich dich, oder bist du da schon zu alt?" Wahrscheinlich!" Sie seufzt. Schade, wie alt werd' ich dann nächsten Monat?" Acht Jahr. Wird mir der Papa diesmal. etwas schenken?" Frage nicht so viel, geh schlafen, morgen mußt du früh in die Schule." . Johannes ist gehorsam. Ein kleines Weilchen, und beide Knaben schlummern. Die Frau betrachtet sie. das ist ihr Reichthum, aber wenn das Blut des Vaters sich eines Tages in ihnen t o! sie schaudert. Das wäre' das Letzte. Furchtbarste! Dagegen muß sie ankämpfen, und darum muß sie leben. Es klingelt. Sie nimmt die Lampe, geht öffnen und prallt zurück. Du Sie?" Ein großer, breitschultriger Mann drängt sich schnell herein. Sie leben noch?" Warum nicht ich schieße mich noch lange nicht todt ich kämpfe eben." Warum dann das Verstecken?" Das ewige Angebettel hab' ich satt." Für Ihre Kinder!!" Du hast ja genug." Was wollen Sie also hier, das ist meine Wohnung." Laß die albernen Romanphrasen. Ich habe ein Recht, hier einzutreten, ich bin dein Mann. Wir sind nicht geschi:den. Laß mich ins Zimmer, ich will meine Kinder sehen." Davon werden sie nicht satt." Immer dasselbe Gezeter. Ich kann nichts geben, ich muß für mich allein sorgen, wenn ich mal lein Stellung habe oder krank bin." Dafür hast du ihnen alles genommen, braver Mustergatte!" Laß deine Moralpredigten, sie nutzen nichts." Das weiß ich. Du wirst fett bei deinem Leben." Das geht dich nichts an." Warum kommst du - also? Doch nicht um zu sagen, ich habe nichts." Es muß noch ein Rock von mir hier sein, ein Winterrock, er war nicht'dabei unter den Sachen, die du mir zusammengepackt hast damals, ich kann ihn jetzt brauchen." Ich habe keinen." Sieh nur nach." Ich weiß es genau, daß ich keinen habe. Wie kann ich wissen, wo der Rock vor Jahren hingekommen ist!" Wirthschaft, das!" .Jetzt geh." Ich will erst meine Kinder sehen." Sie schlafen, wecke sie nicht." Aber sehen will ich sie. Es sind meine Kinder." Achselzuckend nimmt sie die Lampe und geht ihm voran in das Schlafzimmer. Er dämpft seinen Schritt und folgt ihr. Ein spähender Blick gilt der Einrichtung, dann beugt er sich über die Betten der Kinder. Und die Frau betrachtet ihn. Sein Gesicht ist immer noch schön. Da ist die feine Linie von den Brauen zum Nasenrücken, wie oft hat sie ihre Lippen auf diese Stelle georückt. Der Mann fühlt den Blick. Laß mich hier bleiben." sagt er kurz, rauh, als schäme er sich einer wcicheren Regung. Minutenlange Stille. Im Herzen desWeibes tobt ein Kampf, Neigung und Abscheu, Verstand und Gefühl. Nieder, nieder mit euch, weichere Stimmen, bleibe fest. Sie richtet sich hoch auf. Hast du Brot für uns?" Nein aber du!" Bei mir ist keine Altersversorgung." Weib!" kreischt er. Johannes erwacht von dem Schrei, fährt in die Höhe und weiß nicht, ob er wacht oder träumt. Papa," jubelt er, Papa!" Junge!" Papa, ich habe ein Gedicht gelernt, die Mama weiß gar nichts davon, es steh! in meinem Lesebuch, ein Gedicht au deinem Geburtstag, aber ich saa' es dir gleich, sonst bist du wieder fort." Und sich den Schlaf aus den Augen reibend, nach hastiger Kinderart beginnt er: Du Vater hast viel Sorg' und Müh', Am Abend spät, am Morgen früh. Du giebst mir Brot und sorgst für mich, Drum will ich auch recht lieben dich. Was ist denn. Papa, ist's nicht schön? Es geht noch weiter: Du Vater hast gar viel zu thun Und darfst den ganzen Tag nicht ruhn. Du fchafsst und mühest dich fük mich " Das Kind hält ängstlich ein. es sieht seinen Vater weinen, der große Mann steht da gerichtet von seinem Kinde. Hastig küßt er den Knaben. Sehr schön, Johannes ich freue mich werde nur brav und folge der guten Mama ich .komn
vielleicht nicht nicht bald, wie- j
der." Dann wendet er sich zu der Frau, die an den Thränen würgt, demüthig, verlegen, ohne die Augen aufzuschlagen. Hast du nicht doch den Rock er ist warm, ich könnte ihn so gut brauchen." Sie schüttelt nur den Kopf, sprechen kann sie nicht. Adieu." Schwer und schleppend schallt sein Schritt er ist fort. Johannes weint in feine Kissen, Schon wieder fort, ich hab' mein Gcdicht schlecht aufgesagt ich war so müde." Die Mutter beruhigt ihn, und mit leisem Schluchzen schläft er wieder ein. Still ist es. Die Frau geht an einen Schrank, öffnet ihn und ohne zu suchen, faßt sie nach einem Kleidungsstück, dessen Platz ihr wohlbekannt sein muß. Es ist ein Herrenrock. Sie nimmt ihn heraus, drückt ihr Gesicht hinein und bedeckt ihn mit alübenden Küssen. Tas Glück. Von Guy de Mauppassant. Es war Theestunde und die Lampen noch nicht angezündet. Die Villa lag hoch oben am Meer. Eben war die Sonne untergegangen, der ganze Himmel glühte noch in rosigem Licht und sah aus, als ob er mit Goldstaub gepudert wäre. Regungslos wie eine riesige blankpolirte Metallscheibe lag das Mittelmeer im letzten Abendleuchten da. Drüben auf der rechten Seite zeichneten die fernen zackigen Berge sich in schwarzen Silhouetten gegen den immer mehr erbleichenden Purpurhimmel ab. Es wurde von der Liebe gesprochen. Man discutirte wieder einmal das uralte Thema und sagte alles Mögliche, was man schon hundertmal im Leben gesagt hatte. Und die sanfte Melancholie derDämmerstunde stimmte dieSeelen weich und brachte gleichsam einen müden Ton in das Gespräch. Das Wort Liebe kehrte immer wieder, bald war es eine starke Männerstimme, die es aussprach, bald eine weibliche mit hellem silbernem Klang. Es war, als ob es den Salon ganz ausfüllte, wie ein kleiner Vogel darin umherschwirrte, oder wie ein Geist über der ganzen Gesellschaft schwebte. Ist es möglich, daß Liebe jahrelang dauert? Nein," behaupteten die Einen, ja, gewiß," die Anderen. Beispiele wurden angeführt, einzelne Fälle erzählt und Vergleiche angestellt. Und Alle, Männer und Frauen, sprachen mit tiefer Bewegung und brennendem Interesse über die Liebe, die das Erhabenste und doch auch das Banalste im Leben ist dieses geheimnißvolle Jneinanderschmelzen zweier Wesen, während heiße Erinnerungen anSelbsterlebtes in ihnen aufstiegen, die sie nicht aussprechen durften und die sich doch fast gewaltsam auf ihre Lippen drängen wollten. Aber da plötzlich rief Jemand, der schon eine ganze Zeit lang auf dasMeer hinausgeblickt hatte: Sehen Sie doch einmal dort hinten was ist das?" In weiter Ferne, am Horizont, sah man eine seltsame, unförmliche graue Masse, die aus dem Meer emporzusteigen schien. Die Damen waren aufgestanden und blickten überrascht hinaus. Sie hatten noch nie etwas Derartiges gesehen und konnten es sich nicht erklären. Bis Jemand sagte: Es ist Korsika, zwei- oder dreimal im Jahre kommt die Insel so wie heute zum Vorschein unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen nämlich wenn die Luft so klar ist, daß der Wasserdampf, der die Ferne für gewohnlich verschleiert, sich verflüchtigt." Man konnte jetzt beinahe die Gipfel der Berge erkennen; Einige glaubten sogar zu sehen, daß sie mit Schnee bedeckt waren. Die ganze elelljcyast war unruhig geworden. Es war fast, als ob dieses Phantom einer anderen Welt, das fo plötzlich aus dem Meere emportauchte, ihnen Furcht einflößte. Und nun sagte ein alter Herr, der bis dahin noch kaum gesprochen hatte: Sehen Sie, diese Insel, die da drüben so plötzlich bor uns aufgestiegen ist. erinnert mich an ein merkwürdiges Erlebniß. Ich habe dort ein seltenes Beispiel von ausdauernder Liebe von märchenhaft glücklicherLiebe kennen gelernt! Vor etwa fünf Jahren machte ich eine Reise nach Korsika, nach diesem wilden Jnselland, das uns beinahe fe:ner liegt, als Amerika, obgleich man es manchmal, so wie heute, von der franaösiscben Küste aus liebt. Stellen Sie sich eme Welt vor, in der noch das absoluteste Chaos, herrscht wild durcheinander geworfene Berge und dazwischen enge Schluchten, in denen mächtige Strome dahinbrausen. Nirgends eine Ebene, nur ungeheure wellige Granitfelder oder riesige Hügel, die zum Theil mit Steingeröll bedeckt sind, zum Theil mit hohen Wäldern von Fichten oder Kastanienbäumen. Es ist alles noch jungfräulicher, unangebauter Boden, obgleich man hier und da ein Dorf entdeckt, das oie ein wirrer Steinbaufen oben am Berae lieat. Nichts von Euttur und Jndunrle, nichts von Kunst. Nirgends findet man Spuren von Holzschnitzerei oder Skulptur, nichts erinnert an den kindlichen oder raffinirten Sinn der Alten für schöne graziöse Formen. Und das ist gerade das Merkwürdige in diesem schönen und herben Land: die ange stammte Gleichgiltigkeii gegen Alles, was Kunst heiht. 5ltalien:ttv'uttö,er PalaÜ ein Mei-
sterwerk ist, der wiederum tausend andere Meisterwerke enthält, wo Marmor und Holz, Eisen und Bronze, wo jeder Stein Zeugniß von dem Genie des Menschen ablegt, wo selbst der geringsteGegenstand aus dem Alterthum, der Einem zufällig in die Hand fällt, das göttlicheStreben nach Anmuth verräth dieses Italien ist für uns Alle das geheiligte Vaterland der Kunst. Und wir lieben es, weil eZ uns die Macht und Größe, weil es uns den Triumph der menschlichen Intelligenz vor Augen führt. Im Gegensatz dazu ist das wilde Korsika in einer Arä von Urzustand siehen geblieben. Der Mensch lebt hier in primitiven Hütten, gleichgiltig gegen Alles, was nicht mit seiner eigenen Existenz oder mit seinen Familienzwistigleiten zusammenhängt. Er hat alle Eig:nschaften und Fehler der Naturvölker beibehalten er ist ungestüm, leicht zum Haß bereit, blutddürstig, ohne es selbst zu wissen, aber auch wieder gastfreundlich, großmüthig, aufopfernd und naiv. Er öffnet jedem Wanderer seine Thür und ist gleich bereit, seine Freundschaft zu geben, wenn man ihm nur ein wenig Sympathie entgegenbringt. Ich durchstreifte die herrliche Insel schon seit einem Monat mit dem Gefühl, als ob ich am Ende der Welt angekommen sei. Keine Herberge, kein Wirthshaus, keine Landstraßen. Auf schmalen Fußwegen gelangt man zu den einsamen Weilern, die an die Felswände angeklebt scheinen, hoch über zerklüfteten Abgründen, in denen der Strom mit dumpfem Grollen dahinbraust. Man klopft an die Thür irgend einer Hütte und bittet um Obdach bis zum nächsten Tag. Und man setzt sich mit an den ärmlichen Tisch und schläft unter dem ärmlichen Dach. Und am nächsten Morgen drückt man dem Gastgeber, der einen noch bis an 'die Grenze des Dorfes geleitet, zum Dank die Hand. So erreichte ich eines Abends nach zehnstündigem Marsch eine einsame kleine Wohnung tief drunten in einem fchmalen Thal. Die schroffen Bergabhänge waren mit Felsblöcken und Geröll bedeckt und umschlossen die kleine Schlucht, die einen trostlos melancholischen Eindruck machte, gleich hohen Kerkermauern. Dicht bei der Hütte sah man- einen kleinen Garten mit einigen Weinstöcken und weiterhin ein paar mächtige Kastanienbäume in dieser armen Gegend bedeutet das schon einen förmlichen Reichthum. Die Frau, die mir öffnete, war alt, mit strengen Zügen. Sie sah ungewohnlich sauber aus. Der Mann saß auf einem Strohstuhl und erhob sich, um mich zu begrüßen. Dann setzte er sich ohne ein Wort zu sagen wieder hin. Und seine Gefährtin sagte: Sie müssen entschuldigen, er ist taub er ist schon 82 Jahre alt." Es überraschte mich, daß sie tadellos Französisch sprach, und ich fragte: Sind Sie nicht aus Korsika?" Nein, wir sind vom Festland." antwortete sie, aber wir wohnen schon seit fünfzig Jahren hier." Fünfzig Jahre hier in dieser weltfernen Höhle mich überkam ein Gefühl von Angst und Schrecken bei dem Gedanken. Dann erschien noch ein alter Schäfer und man setzte sich zu Tisch. Es gab nur ein Gericht, eine dicke Suppe, in der Kartoffeln, Speck und Kohl zusammengekocht waren. Als die Mahlzeit beendet war, setzte ich mich draußen vor die Thür. Die Melancholie der Landschaft schnürte mir das Herz zusammen. Ich empfand jenes beklommene Gefühl, das manchmal auf Reisen an trüben Abenden und in einer trostlosen Umgebung über einen kommt. Es ist einem dann zu Muth, als ob Alles aus und vorbei wäre. Die ganze Misere des Lebens kam mir zum Bewußtsein, die Nichtigkeit unseres Daseins die Einsamkeit des menschlichen Herzens, über die man sich von der Wiege bis zum Grabe immer wieder durch schöneTräume hinwegzutäuschen sucht.. Die alte Frau kam zu mir hinaus, und mit jene? Neugier, die selbst in Denen, die auf Alles verzichtet haben, niemals ganz ausstirbt, fragte sie:S:e kommen wohl aus Frankreich?" Ja, ich reise nur zu meinem Bergnügen." Sind Sie vielleicht aus Paris?" Nein, aus Nancy." Es kam mir so vor, als ob meine Antwort sie in heftige Erregung versetzte. Ich weiß selbst nicht, wie es kam. daß ich das sah oder vielmehr fühlte. Und dan antwortete sie langsam: Aus Nancy!" Jetzt erschien auch der Mann in der Thür. Sein Gesicht hatte einen starren, unbeweglichen Ausdruck, wie bei allen tauben Leuten. Und sie setzte hinzu: Es macht nichts er versteht kein Wort." Und ein paar ""Minuten später: Dann kennen Sie wohl viele Leute in Nancy?" ) ja, fast alle." Auch die Familie Sainte-Allaize?" Nun.sreilich, sehr gut. sie waren mit meinem Vater befreundet." Wie heißen Sie denn?" Ich nannte meinen Namen. Sie blickte mich fest an und sagte mit leiser Stimme, als ob sie an längst entschwundene Zeiten dächte: Ja, ja, ich weiß und die Brisemares was ist denn aus denen geworden?" Sie. sind alle todt." Ach und die Simonis? kmnen Sie die auch?" Gewiß der letzte ist General." Henri de Simont." sagte sie jetzt, und eine tiefe Bewegung, eine Art von Angst zitterte in ihrer Stimme.! Es war, als ob ein unklaresaber mächtiges, ja beinahe heW'-üh! sich in
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les zu gestehen, von oll diesen Dingen zu sprechen, die sie jahrelang gewaltsam zurückgedrängt hatte, und von diesen Menschen, deren bloßer Name ihr gan--zes Wesen in Aufruhr versetzte. Henri de Simont ich weiß wohl -er ist mein Bruder." Ueberrascht, erschrocken blickte ich siean. Und plötzlich stieg eine Erinnerung vor mir auf. Die Geschichte hatte damals in der aristokratischen Lorraine großes Aufsehen gemacht. Ein schönes, reiches, junges Mädchen Suzanne de Simont hatte sich von einem Unteroffizierentführen lassen, der bei dem Regiment' ihres Vaters stand. Es war ein schöner Bursche gewesen dieser Soldat, der mit der Tochter seines Obersten durchging ein Bauernsohn, dem der blaue Dolman ausgezeichnet stand. Sie hatte ihn wahrscheinlich öfters mit seinem Regiment Vorbeimarschiren sehen und sich in ihn verliebt. Aber wie hatte sie es möglich gemacht, mit ihm zu sprechen? Wie hatten sie sich verständigen können wie hatte sie den Muth gefunden, ihm. verstehen zu geben, daß sie ihn liebte? Das Alles hat man nie erfahren. Niemand hatte etwas davon geahnt.. Und dann eines Abends, als der Soldat seine Zeit abgedient hatte, war siemit ihm verschwunden. Man suchte sieüberall, aber sie wurden nie wiedergefunden. Man hörte auch niemals wieder von ihnen und betrachtete sie als ge-' storben. Und jetzt fand ich sie hier in diesem, wilden Thal wieder! Ja, ich erinnere mich noch sehrwohl," sagte ich jetzt, Sie sind Mademoiselle Suzanne." Sie nickte ja. Thränen rannen ihr aus den Augen. Dann wies sie mit einem Blick auf den Greis, der noch immer regungslos auf der Schwelle seiner Hütte stand und sagte: Das ist er." Und ich sah, daß sie ihn immer noü liebte, daß immer noch die alte Gluth in ihren Augen flammte, kenn sie ihn anblickte. Sind Sie denn wenigstens glücklich mit ihm gewesen?" fragte ich. Und sie antwortete aus tiefstem Herzen: O ja, sehr glücklich. Er hat mich, sehr glücklich gemacht. Ich habe es niemals bereut." Ich blickte sie an, traurig und erstaunt über diese Macht der Liebe. Als reiches junges Mädchen war sie diesem Bauernsohn, diesem einfachen Soldaten gefolgt. Mit der Zeit war sie felbst zur Bäuerin geworden. Sie hatte sich an dieses rauhe Leben ohne allen Reiz, ohne allen Luxus gewöhnt, sich in Alles gefunden. Und sie liebte ihn immer noch! Sie war eine einfache Bauernfrau geworden mit leinenem Rock und Kopftuch. Sie aß von irdenem Geschirr und an einem einfachen Holztisch ihre ärmlichen ländlichen Gerichte und schlief auf einem Strohlager .an seiner Seite. Sie hatte an nichts gedacht außer an ihn. sich niemals zurückgesehnt nach dem Luxus, der sie früher umgeben hatte, nach Schmuck und Toiletten, nach wc'chen Lehnstühlen und eleganten Räumen. Sie hatte nur ihn gewollt, nur nach ihm begehrt. Wenn er nur bei ihr war, schwanden alle anderen Wünsche! In frühester Jugend hatte sie von alle Dem Abschied genommen, von ihren Gesellschaftskreisen und von Tenen, die sie liebten und erzogen hatten, um ganz allein mit ihm in diese Wildniß zu gehen. Und er war ihr Alles gewesen. Alles, was sie vom Leben verlangt und erträumt und erhofft hatte. Und er hatte sie glücklich gemacht ein ganzes Leben hindurch! Die ganze Nacht, während das Schnarchen des alten Soldaten zu mir herüberdrang, der dort drüben auf seinem Strohlager schlief, an der Seite des Weibes, das ihm durch's gar.ze Leben gefolgt war die ganze Nacht hindurch mußte ich an diese seltsame und doch so einfache Geschichte denken, an dieses bescheidene und doch so überreiche Glück. Bei Sonnenaufgang nahm ich Abschied, nachdem ich den beiden' Alten herzlich die Hand geschüttelt hatte." Jüdisches ZllSrchen. Ein junger Gaukler hatte eine prächtige Schlange. Weil sie die schönste von allen Schlangen war, die er besaß, und die Zuschauer mehr spendeten, wenn er gerade diese sehen ließ, so mußte das arme Thier von früh bis spät tanzen. Oft brach das gequälteGeschöpf vorErmattung zusammen, aber stets von Neuem ertönte die Bambusflöte, immer schneller wurden die Weisen und wilder der Tanz. Eines TageS fiel die Schlange nach Beendigung des Tages starr und wie tLi.s :.v.. r-i.c w r. j. r
kuiu uicuci. vitiuciiu spiucy ie zu ihrem Peiniger: Der Gott der Seelen wird mich an Dir rächen; Du wirst wie ich nach fremder Pfeife tanzen müssen, schlimmeQualen erleiden und Tag und Nacht keine Ruhe haben." Noch ein paar Zuckungen des Schlangenleibes, und das schöne Thier war todt. Der Gaukler lachte über die Prophezeiung .... doch nur so lange, bis er sich ein Weib genommen. Schlimmes Zeichen. Nun. Emilie. Du hast Dich ja mit dem Assessor verlobt?!" .Ja abez denke Dir nur. alle meine Freundinnen gönnen mir ihn und da mein' ich immer, es muß 'n Haken haben!" Vom Katheder. Professor: Lachen Sie doch nicht so unbesonnen! Sehen Sie denn nicht, daß . ?? mtsfi nur hrfhrnHFn T2 14 '
7 Y vww ItfV, 4? II, sagte: Goethes Pyädra, ich meinte selbstverständlich Schillers Jphigenie. Merken Sie sich: immer, wenn ich das Eine sage, rneine ich das Andere oder umgekehrt.
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