Indiana Tribüne, Volume 23, Number 360, Indianapolis, Marion County, 16 September 1900 — Page 2
Jttdlana Tribüne, Oonntag, 16. September 1900.
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Dur und Moll.
EsJ den Solfcatcnlecen von ?eo v. Torn .Herr Hautmann von Milu: schalski, ich muß doch sehr bitten, daß Sie den Fähnrich von Mikutschalski etwas mehr zusammennehmen. Das geht ab so-lut nicht pt'ütx so. Der Kenn wirdvon -Taczu Tag schlapper und ich muß mich sehr wundern, Herr Hauptmann se-h-r wundern, daß Sie das nicht zu sehen scheinen!" Der Hauptmann machte ein Gesicht, els wenn er Verschiedenes einzuwenden hätte; oder richtiger: er hatte so ein Gesich!. Ohne daß er den Mund aufmachte, lag immer etwas wie eine Erwiderung auf seinen Zügen. Und da ihm dieser Naturfehler bereits tausend Unannehmlichkeiten bereitet hatte, be eilte er sich, zu sagen, was selbst ein Hauptmann einem Vorgesetzten einzig zu sagen berechtigt ist, nämlich: .Zu Befehl!Und c3 war auch die höchste Zeit. Der Herr Major japste bereits auf, um zu einem noch heftigeren Schlage auf den Hut auszuholen, und außerdem trat der Herr Oberst heran. Er hatte zwar Alles gehört ja der Hauptmann Kon Mikutschalski schwur innerlich siebzehn heilige Eide, daß er den Anpfiff überhaupt blos der Nahe des hohen Chefs zu verdanken habe, aber der Herr Oberst ließ davon nichts merken. So harmlos wie etwa ein guter Schauspieler Nathans Geschichte von den drei Ringen beginnen würde, bemerkte er: Ich glaube zu errathen, worüber die Herren sich unterhalten. Es handelt sich um den Fähnrich von Mikutschalski, nicht wahr? Es Umi sich nur um diesen handeln denn ich muß Ihnen gestehen, Herr Hauptmann von Mikutschalski: dieser Fähnrich, welcher Ihren Namen trägt, ist unmöglich, militärisch un möglich, wenn Sie ihn nicht ganz anders herannehmen. Es ist ja menschlich wenn Sie aber die militärische Erziehung ist ja gerade dazu da, um die allgemein menschlichen UnVollkommenheiten auszugleichen. Und ich nehme an, Herr Hauptmann, Sie sind erzogen. Sehen Sie mal, es ist noch gar nicht so lange her kaum zwanzig Jahre da hätte ich beinahe meinen eigenen Sohn bedenken Sie, Herr Hauptmann von Mikutschalski, meinen eigenen Sohn! kurz vor der Kriegsschule eingesperrt und ihm damit die Carriere abgeschnitUni , Und so muß es auch sein. Der königliche Dienst ist uns Vater und Mutter, Sohn und Bruder, Vetter und Neffe Alles! Sie haben mich verfanden, Herr Hauptmann von Mikutschalski? Der Unglückliche machte wieder das Gesicht, das er hatte, aber noch schneller als vorhin entrang sich dem Gehege seintx fest zusammengebissenen Zähne: .Zu Befehl, Herr Oberst!" Ja? danke Ihnen, Herr Hauptmann." Der Oberst legte zwei Finger seiner schlohweiß behandschuhten Nechnauden Mützenschirm, der Major vgleicben, md der Hauptmann war i rr . "' v. ti. 'I'. , - cnuaueir geraoe recoizeilig, ai oie ersten äußeren Merkmale es unrühmlichen Erstickungstodes sich bemerkbar machen wollten. Ein fauchendes Ausathmen wie von Einem, der zu lange unter Wasser gewesen, ein zwei-, dreimaliges heftiges Schlucken und der Aermsie war wieder außer Lebendefahr. Sein erster Blick galt instinktivDemjenigen, der ihn in diese Gefahr gcbracht. In einer Ecke des Kasernenhofes war der Sergeant Suckow bemüht, den Fähnrich von Mikutschalski mit den intimen Neizen jener Thatigkett vertraut zu machen, die der Soldat unter der-Bezeichnung Griffe kloppenkennt und schätzt. , Seit einer Stunde schon Leider verliert auch das Interessanteste den Anreiz, wenn es im Uebermaß genossen wird und so machte der Fähnrich seine Sache anstatt besser immer schlechter. Die zwischen den einzelnen Commandos eingeflochiene Kritik des Sergeanten wurde immer blumiger und als der tobende Instrukteur von dem heranschnaufenden Hauptmann Sukkurs erhielt, hatte der ermüdete 'Fähnrich gerade das Pech, bn Gewehr abl" sich die SchußWaffe auf einen Leichdorn zu schlagen. Zine solche Berührung hat meist zur Folge, daß man unwillkürlich das beschädigte. Glied emporzieht und den Mund öffnet. Leider unterlag auch der Fähnrich dieser Reflexwirkung und er bot wenn auch nur für ein paar Sekunden daZ Bild eines kranken Storches. Sergeant!" keuchte derHauptmann; haben Sie das gesehen?! Zu Befehl, Herr Hauptmann." Und Sie versinken bei einem solchen Resultat achttägigen Uebens nicht sechs Klafter in d Erde?" Der Instrukteur erwiderte nichts, aber der Seitenblick, mit dem er sein Vrziehungsobjekt streifte, sagte deutlich, daß er die Höllenfahrt nur in Begleitung des Fähnrichs anzutreten gewillt sei und dann in beschleunigtem Tempo. Treten Sie weg!" schrie ihn der Häuptling grimmig an. Wir sprechen uns weiter." Nachdem der Scrgeant in einer Kehrtwendung den Kasernenhof hatt erdröhnen machen, trat der Hauptmann so dicht an den Fähnrich heran, daß dieser unwillkürlich zurückzuppte, wo- ' bei ihm der Helm auf die Augen lutschte. ' Stillgestanden!! Herr!! Wen ich mit Ihnen rede! Wo sind Sie her?" Aus Gorce bei Posen." .Was ist Ihr Vater?" Rittergutsbesitzer tt,T CATkT'im t. jy. f tpn i .Auch." ' ;: Jör Urgroßvater?" . : j
Todt." " " Herr!! Ich will wissen, was er ge Wesen ist!!" Ebenfalls Landwirth, Herr Hauptmann." Und Sie kennen keinen Zweig Jhrer Familie, der im Hannöverschen ansäss'g ist?' JZein, Herr Hauptmann. Was führen Sie im Wappen?" Ein schräggestelltes silbernes Beil in rothem Feld." Aber dann sind wir ja nicht die Spur verwandt!" Nein, Herr Hauptmann." Wie kommen Sie denn aber zu meinem Namen, Herr!!" schrie der Compagniechef in höchstem Zorn, Mikutschalski ist doch nicht Lehmann oder Schulze, zum Teufel, daß man alle Nase lang auf Jemanden stößt, der auch so heißt! Jedenfalls habe ich keine Lust, Sie auf meinem Verwandtschastskonto zu führen, verstanden! Ich werde suchen, Sie mir abzuschieden, Herr! Bis dahin aber werden Sie geschliffen, daß Sie sich auf unserem Planeten nicht mehr auskennen sollen ." Als der Oberst zum Mittagessen nach Hause kam, trat ihm seine Frau schon im Entree entgegen. Denke Dir, Männchen," rief sie strahlend, ich habe einen Brief von Emmy!" Emmy Emmy ?" brummte der Oberst vor sich hin. Wer ist denn das?" Aber Karl Du kennst die Frau Deines Corps-Commandeurs nicht?" Der Oberst hatte Mütze und Säbel dem bereitstehenden Burschen übergeben und folgte seiner Frau in's Wohnzimmer. Er blickte doch etwas interessirt, als seine Frau ihm den duftenden Briefbogen unter die Nase hielt. Also die " sagte er; war ja wohl Deine Pensionsfreundin ?" Allerdings und sehr intim wa ren wir! Sie schreibt heute noch Liebste Cläre!" Denke Dir !" Hm das ist sehr hübsch von Excellenz. Und was schreibt sie?" Sie bittet mich in entzückend liebenswürdiger Form, daß wir uns ihres Neffen ein wenig annehmen möchten, des Fähnrichs von Mikutschalski." Hm " Natürlich nur gesellschaftlich, verstehst Du. Er sei noch so jung und ein bischen unbeholfen. Und sie verspricht sich sehr viel von dem erziehlichen Einfluß meiner herzgewinnenden Art". Genau so sieht es da denke Dir!" Hm " Schließlich bittet sie mich, sie recht bald durch ein paar liebe Zeilen zu beglücken. Beglücken". Karl!" Hm " Weiter sagte der Oberst nichts, aber er löffelte seine Suppe sehr nachdenklich und er hatte auch nichts dagegen, als seine Gattin vorschlug, den Fähnrich v. Mikutschalski für nächsten Sonnabend zu Tisch zu laden. Nun, Herr Major?" Wollte mir nur gehorsamst die Anfrage gestatten. Herr Oberst, ob es nicht zweckmäßig wäre, den Fähnrich von der dritten Compagnie zur ersten zu geben oder besser, einem andern Bataillon zuzutheilen " Mein' lieber Herr Major was innerhalb des Regiments zweckmäßig ist oder nicht, das entscheide ich gern selbst. Ich möchte Ihnen übrigens bei dieser Gelegenheit sagen, daß die kleinen Schwierigkeiten, die sich bei der militärischen Erziehung innerhalb Ihres Bataillons ergeben, in der Hauptsache wohl an Ihnen selbst liegen. Sehen Sie. lieber Herr Major, die Schärfe thut's nicht allein. Man muß sich sein Menschenmaterial ansehen. Es ist doch evident, daß der Fähnrich von Mikut schalski übrigens ein Neffe Seiner Excellenz des Herrn commandirenden Generals noch se-h-r jung und etwas unbeholfen ist. Sowas muß doch in Rücksicht gezogen werden! Mit buh!" und bah!" wird da nichts erreicht! Man darf solchen jungen Leuten nicht die Liebe zur Waffe nehmen. Schneid und Wohlwollen in richtiger Mischung das ist das Rechte. Ich hoffe, ja ich erwarte, Herr-Major, sehr baldGutes, recht Gutes von dem Fähn rich zu hören. Ich danke Ihnen, Herr Major!" Als der verblüffte Bataillonsches etwas tiefsinnig noch die Treppe zu seinen heimischen Penaten. emporklomm, stieß er auf den Hauptmann seiner Dritten. Sie kommen mir gerade recht, Herr Hauptmann. Bitte, treten Sie ein." Ich wollte gehorsamst wegen des Fähnrichs von Mikutschalski " So so." Wenn der Herr Major mir gütigst vorweg die Bemerkung gestatten wollten, daß ich mit dem Fähnrich weder verwandt noch verschwägert " Er unterbrach sich, denn der Majoi hatte sein Glas eingeklemmt und schüttelte mit unverkennbarer Mißbilligung den Kopf. Ich sollte meinen, Herr Haupt mann, daß man nicht zwölf oder dreizehn Jahre Officier zu sein braucht, um zu wissen, daß in der Armee Verroandtschast und Schwagerschaft ganz außer Frage kommen. Das ist doch selbstverständlich. Aber, beiläufig bemerkt, muß ich mich se-h-r wundern, Herr Hauptmann, daß Sie einem alteren und, wie ich wohl sagen darf, stets wohlwollenden Kameraden gegenüber von Ihren Familienbeziehungen zu Seiner Excellenz dem Herrn commandirenden General unseres Armeecorps geflissentlich nie etwas haben verlauten lassen. Ich möchte das für ein Symptom jener Verschlossenheit halten, unter der im Grunde auch . die Ausbildung Ihrer Compagnie leidet. Ein Borgesetzte? kann stramme Manneszucht halten, aber er mub dabei auch ein osfeneS
Herz, beziehungsweise wohlmeinende Güte zeigen. Und ich kann mich nicht genug wundern, wie Sie Das, selbst einem ich weiß nicht, ob näheren oder entfernteren Angehörigen gegenüber, so gänzlich außer Auge lassen können. Ich halte Das für ein mißliches Zeichen, Herr Hauptmann. Seine Excellenz hat seinen Neffen nicht zu uns gegeben, um die Freude an der Waffe in ihm abzut'ödten. Ich wünsche also, daß Sie mir binnen acht Tagen Erfreuliches und zwar n u r Erfreuliches über den Fähnrich zu melden haben werden. Andernfalls möchte ich glauben, daß Sie Ihrer Aufgabe nicht ganz gewachsen sind. Ich danke Ihnen, Herr Hauptmann!" War der Major tiefsinnig, so lenkte der Hauptmann passiv und mechanisch wie ein Nachtwandler seine Schritte zum Kasernenhof. Und sein verstörtes Antlitz gewann erst wieder Leben und Verständniß, als er das Toben des Sergeanten Suckow hörte und den unglücklichen Fähnrich in einer dauerhaften tiefen Kniebeuge verharren sah. Sergeant!" donnerte der Hauptmann den wuthschwitzerden Jnstrukteur an. Sagen Sie mal, sind Sie verrückt geworden!" haucht er den Herangetretenen an. Als ich Sie vor einer Stunde verließ, übten Sie tiefe Kniebeuge, und jetzt noch?!" ' Der Herr Hauptmann hatten be-' fohlen, ich solle fortfahren " So! Und besteht der Königliche Dienst nur aus tiefer Kniebeuge? Ich will Ihnen 'mal was sagen, Suckow, Sie scheinen mir eine se-h-r rohe Natur und direkt zu Mißhandlungen geneigt. Ich warne Sie. Suckow, warne Sie ernstlich! Sowie ich das Geringste merke, sind Sie geliefert. Wenn Sie schon einen künftigen Officier so behandeln, dann möchte ich mal sehen, was Sie mit den Bauernjungens anstellen. Aber ich werde Sie im Auge behalten, merken Sie sich das! Wegtreten!" Sergeant Suckow stampfte ab. Der Fähnrich v. Mikutschalski aber glaubte in einen Traumzustand hineingedrillt worden zu sein, als der Hauptmann ihn mit den Worten entließ: Kommen Sie nachher in's Casino, Fähnrich. Auf eine Flasche Kalten zur Stärkung! Wissen Sie und verwandt müssen wir doch miteinander sein! Mikutschalski ist doch schließlich nicht Lehmann oder Schulze, zum Teufel!"
Tas Wunderkind. Won Alfred Rossig. Wladimir Tziganescu war der Sohn armer, aber unehrlicher Eltern. Sein Vater, der für Geigcnspiel und Pferdediebstahl eine hervorragende JeLabung besessen, war im Gefängniß von Bukarest gestorben. Seine Mutter, eine ungewöhnlich schöne Bauerntochter, die dem Zigeuner nachgelaufen war und von ihm das Geigenspiel erlernt hatte, ging mit einer zweifelhaften Damenkapelle nach KonstantinopZl und ward nicht mehr gesehen. Des kleinen Wladimir nahm sich die Tanta Paraska an. Das alte Mädchen war die Leuchte der Familie: sie hatte es bis zur Dorflehrerin gebracht. Paraska bemerkte bald, daß sie in dem verlassenen Knaben einen Schatz erhalten. Denn Wladimir hatte von seinen Eltern das Beste geerbt, was sie besessen: von der Mutter die wunderöaren, schwarzen Augen und das liebreizende Lächeln, vom Vater das Geigenspiel. ' Er kroch noch im Sande herum, da hatte er sich schon aus einem Brettchen und einigen Fäden eine Fiedel gizimmert, die er nie aus den Händen ließ. Eine Hecke in der Nähe der Dorfschenke, wo Zigeuner zu spielen pflegten,war seine hohe Schule gewesen. Mit sechs Jahren spielte er so wie der berühmte Olanescu von Vottuschany. Als der Bojar des Dorfes sich von seiner Meisterschaft überzeugt, rieth er Paraska, mit ihm nach Bukarest zu gehen und ihn concertiren zu lassen. Großmüthig spendete er sogar das Reisegeld, obwohl er über die Ohren verschuldet war. So kam Wladimir nach Bukarest, wo er zuerst in Cafes, hierauf in Salons und schließlich auf der Estrade Aufsehen erregte. Hier lernte er Noten lesen und französisch sprechen. Niemand konnte das Phänomentale Talent des Knaben verkennen. Die Musikprofessoren buhlten um die Gunst, ihn unterweisen zu dürfen; mit den besten G:leitbriefen ausgestattet, trat er seine erste Welttournee an, die auf dreiJahre berechnet war. Er stand damals im zehnten Lebensjahr, wurde selbstverständlich als das siebenjährige Weltwunder angepriesen. Paris sollte die Endstation seiner Tournee sein. So hatte es Wladimir selbst verlangt. Mit Weltruhm bedeckt, wollte er die letzte Festung erstürmen. Als er nach Paris kam, hatte der rumänische Paganini dreizehn Jahre, von denen er neun zugestand. Denn wenn kndere Musiker in Talent für reine Mathematik zu zeigen pflegen, so bekündete Wladimir ein solches für angewandte Mathematik. Dank dieser merkwürdigen rechnerischen Begabung hatte Wladimir bereits mehrere ahnungslose Impresarios übersOhr gehauen. Hatte er auch von dem zweiten Talent seines Vaters etwas geerbt? Thatsache ist, daß sich Wladimir wahrend seiner Tournee zum vollendeten Wunderkind entwickelt hatte. Er hatte alle Ehren dieser Welt genossen. Die größten Souveräne des Ostens und die kleinsten Fürsten Mitteleuropas hatten ihn durch Orden ausgezeich net. Auch in seinem persönlichen Auftreten hatte sich Wladimir das ganze bezaubernde Wesen kindlicher Virtuosen angeeignet. Des Morgens aeaen zwölf Uhr
etwa pflegte Wladimir seiner Tante, die ihn überall begleitete, durch ein furchtbares Gähnen anzudeuten, daß er wach wäre. Darf ich herein, mein Abgott?" fragte Paraska ergebungsvoll im Nebenzimmer. Nein!" kreischte Wladimir. Du weißt, daß ich die alten Weiber nicht ausstehen kann." Willst Du etwas genießen, mein Engel? Ich sterbe vor Hunger!" Friß den Teufel!"
Wladimirs Lieblingsepitheton aber war altes Kameel". Diesen Kosennamen pflegte er dem Diener zu geden, der sich vergebens bemühte, ihn anzuziehen, da Wladimir seine Orden am liebsten am Hemde anprobirte. Wahrhaft entzückend aber war Wladimir auf der Estrade. Von der, schneeweißen Seidenblouse stach sein olivenfarbenes Gesicht mit den melancholischen Augen und den pechschwarzen Locken wirkungsvoll ab. Seine kleine Statur unterstützte die Illusion, daß man einen neunjährigen Knaben vor sich habe, und die etwas bedenklich entwickelte Wadenmuskulatur bildete nur einen Reiz mehr. Als Wladimir zum ersten Male in der Salle Erard auftrat, da entrang sich der ersten, von lauter Fürstinnen besetzten Reihe ein schwärmerisches Oh!" Er spielte das Concert oon Vieux-Temps mit dem Orchester von Lammoureux. Als der alte Lammoureux das Orchester an einer Stelle um eine Sekunde zu spät einfallen ließ, da stampfte der feurige Knirps mit dem Fuße und zischte: , . , . Altes Kameel!" " ' ; Lammoureux hatte es nicht gehört, wohl aber das grinsende Orchester und die Reihe der Fürstinnen. Wlabimir war der Held des Taaes. War däs ein Jubel, als Wladimir zwei Tage nach seinemConcert auf dem Jour der Fürstin Valescu erschien! Die Valescus waren eine der ältesten rumänischen Familien. Sie konnten ihren Stammbaum nicht nur auf einen altwalachischen Hospodar, sondern bis auf einen berühmten römischen Deportirten zurückführen, dessen Tacitus und Sueton erwähnen. Eine so vornehme Familie durfte natürlich nicht in einem so kleinen Lande bleiben. Die Valescus lebten in Paris und bewohnten da ein glänzendes Hotel, das zum Empfange Wladimirs mit riesigen Theerosen-Bouquets geschmückt wurde. Die Fürstin, eine herzensgute Dame, welche für Musik schwärmte, schloß Wladimir mütterlich in ihre Arme. Aber das gefeierte Wunderkind entrang sich ihr, und nach einer kurzen Musterung der anwesenden Damen ging es mit ausgestreckten Aermchen geradezu auf die reizende Marquise Torena zu: Wollen Sie mich auf Ihre Kniee nehmen?" Oh, er ist entzückend!" riefen die Damen. Er ahnt es, wie musikalisch Sie sind!" Gott behüte!" antwortete Wladi mir, indem er sich an die schöne Italicnerin mit kindlicher Zutraulichkeit anschmiegte, ich verabscheue die Dilettantinnen wie die Pest! Die Dame gesällt mir vioh tout!" Man bot ihm Bonbons an, aber er aß sie erst, als die Marquise Torena ein Stück abbiß und ihm den Rest reichte. Er hatte nur für die Marquise Augen. ' Wie gefällt es Dir denn bei uns?" fragte die Fürstin Valescu. Ganz gut! Wie in einer Menagerie! Bei Barnum in Amerika habe ich ähnliche Typen gesehen!" Nun erst stand es für die Damen fest, daß Wladimir daS größte Genie des Jahrhunderts sei. Und wie zur Bekräftigung dieser Ansicht geschah it was Außerordentliches. Der alte Fürst Valescu, welcher sein Leben im Club und in seiner Bibliothek zubrachte und seit zwanzig Jahren auf den Jours seiner Gemahlin nicht gesehen worden war, erschien an der Schwelle. Auch er wollte das Weltwunder sehen. . . Die Begegnung des Fürsten mit Wladimir sollte für beide Theile verhängnißvoll werden. Kaum hatte Fürst Valescu sein griesgrämiges Gesicht mit der langen rasirten Unterlippe und dem weißen Backenbart gezeigt, da fragte Wladimir miß'nuthia (er liebte nur Damengesellschaft): .Wer ist das alte Kameel?" . . Der Chor der Damen lachte lau! auf. Fürst Valescu aber blickte geärgert drein. Aber Georges!" beschwichtigte die Fürstin Du wirst es doch dem Kleinen nicht verübeln? Ein entzückendes Naturkind " Oh. er ist vollkommen!" bekräftigten dieDamen, sich vor Lachen schüttelnd. ' Ja. er ist vollkommen" brummte der Fürst, dem das Lachen der Damen das Blut noch mehr in Wallung brachte, als die Frechheit Wladimirs es fehlt ihm nur der letzte Schliff. Und den soll er bekommen. Jean! N?in. nicht Jean, Dimitri!" Als der rumänische Diener sich aa herte. ergriff der Fürst Wladimir an seinem Höschen und reichte ihm die zappelnde Kröte hin: Fünfundzwanzig!" Georges!" jammerte die Fürstin. Was thun Sie. Fürst?" riesen die Damen. ' Aber mit dem alten Hospodarensproß war nicht zu reden: Wenn er wirklich neun Jahre hat.dann wird's ihm gut thun. Wenn er aber mehr hat und das ist meine Ueberzeugung so wird's ihm noch besser thun!" Vergebens waren auch die Proteste Wladimirs; trotz seines gellenden Ge-
schreis vollzog Dimitri optima sorma die gebotene Execution. So erhielt das Wunderkind seinen letzten . oder vielmehr seinen ersten Schliff. Tcr Liebling.
Von Irma r. Troll'Borostuani. Liebling wie süß und lieb klingt dieses Wort! Welche Fülle zartesten, innigsten Glückes scheint es zu bedeuten! Eine Welt voll Liebe, voll heißesten Empsindens schließt dieses Wort in sich. Und doch: wie oft ist es für eine Kette bitteren Kummers und schwerer Irrung die Wiege! Ach. sie ist ja so begreiflich, so natürlich, die Vorliebe, die wir dem einen Kinde vor dem andern schenken. Der geheimnißvolle Zug von Herz zu Her-, zen Wahlverwandtschaft, Sympathie, oder wie man es nennen möge! der mit unwiderstehlicher Gewalt die Menschen zu einander reißt, macht sich eben auch in der Elternliebe geltend. Wir können nichts dafür, wenn die Saiten unserer Seele unter der EinWirkung des einen Wesens stärker erzittern als unter der eines anderen. Diese Regungen hängen nicht von uns ab. Sie sind frei von unserm Willen, sind stärker als er. Denn ihr Wurzeln liegen tief im Schooße unerforschter und unbewußter Vorgänge des Psychischen Lebens. Wie die äußeren Erscheinungen des Lebens auf die individuell disferenzirten Wesen verschiedenartig einwirken, wie diese oder jene Landschaft den einen entzückt, den andern kalt läßt, wie die Werke der bildenden Kunst und der Tondichtung Aug' und Ohr des. einen bezaubern, während .sie an anderen spurlos vorübergehen: ebenso und nach denselben noch unaufgedeckten psychologischen Gesetzen waltet auch in den seelischen Wechselwirkungen der Menschen eine geheimnißvolle Macht, hier liebendeAn-zieh-.ng, dortAbstoßung oder auch kalte Gleichgiltigkeit hervorrufend. Und da sollten die Beziehungen zwischen Kind und Eltern dem Einflüsse dieser Macht entzogen sein? Sind nicht die Kinder auch desselben Elternpaares individuell so verschieden geartet, daß es ganz natürlich ist, wenn das eine der Kinder im Herzen seiner Lebensspender eine tiefere Sympathie zu wecken vermag als das andere? Mehr noch als bei dem Vater, der in den Durchschnittsverhältnissen dem innigen Kontakt mit seinen Kindern durch seine berufilche Thätigkeit leider entzogen ist, macht sich diese Sympathie in den Gefühlen der Mutter geltend, die die tausend unscheinbaren, nur einer scharfen und steten Beobachtung sich erschließenden Kundgebungen der individuellen Charaktereigenart der kleinen Wesen wahrnimmt. Wie begreiflich ist es da, daß ganz sacht und unmerklich im Mutterherzen eine mächtigere Liebe für das eine Kind, dessen seelische Veranlagung mit jener der Mutter harmonischer zusammenklingt, emporkeimt. Und diese Steigerung des süßesten, erhabensten Gefühls, der Mutterliebe, ist es nicht von allen Dichtern besungen, von allen Philosophen als der heiligste Naturtrieb bezeichnet, ist die hingebende, opferfreudige Mutterliebe nicht das Paradies des Kindes, bildet sie nicht die Grundlage eines glücklichen Familienlebens? Sonnige, schwellende Daseinsfreude umgaukelt kosend die am Herzen der Mutter gebettete Kindheit oftmals der einzige, unverrückbare, unverlöschbare Lichtblick in späteren Kampfjahren des Lebcns. Dann aber neben dem Liebling sieht das andere Kind, das zurückgesetzte, an Liebe darbende, des höchsten Glückes enterbte, und für beide Kinder wird die Mutterliebe aus Uebermaß und aus Mangel zum Verhängnis Und die Mutter, die das reiche FüllHorn ihrer Herzensgaben über denLiebling ausgießt, ahnt nicht entfernt, was ste ihren Kindern zu Leide thut beiden, dem verkürzten und dem bevorzugten, in gleichem Grade, ob auch in verschiedener Weise. Sie weiß es nicht, daß sie in den Herzen ihrer Kinder eine Saat des Unheils säet, die unausrottbar tiefe Wurzeln schlägt und, fortwuchernd, die besten, edelsten Keime zu ersticken vermag. Denn während das eine Kind, gleich einer Treibhauspflanze in überhitzter Temperatur, welche die rauhe Luft der Außenwelt nicht mehr verträgt, durch die verweichlichende Verzärtelung an seiner Seele Schaden nimmt, so das andere, weil es die zur Entfaltung seiner besten Seelenkräfte erforderliche Nahrung entbehrt. Soll die Familie geeignet sein, der sittlichen Entwicklung d?r Kinder die günstigsten Voraussetzungen zu bieten, so darf sie vor allem in deren Behandlung der vollsten Gerechtigkeit nicht entbehren. Alle Ungerechtigkeit wirkt stttlich verderblich, sowohl für den Bevorzugten wie für den Unterdrückten, da sie' in dem einen wie in dem anderen eine ganze Reihe moralischer Defecte hervorruft. Wie die Ungerechtigkeit für den Bevorzugten eine Schule der Selbstsucht, des Eigenwillens, der Selbstüberschätzung und Herrschsucht, des Sichgehenlassens und der Launenhaftigkeit ist, so wird sie für den Zurückgesetzten, je nach seiner Naturanläge, zu einem Nährboden des Trotzes und haßerfüllter Verbitterung oder der Lügenhaftigkeit und Heuchelei und tückischen Neides. Wenn aber die Mutter die Vorliebe, die sie für das eine Kind empfindet, nicht zurückzukämmen vermag, so wird sie unwillkürlich, oft auch unbewußt, in der Behandlung ihrer Kinder die so unerläßliche Gerechtigkeit außer Acht lassen so wenn etwa die Kinder in übermüthigem Spiel in eine kleine Balgerei miteinander serathen. die mit.
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Thränen endigt. Giebt es da nicht : Mutter, die d:e Schuld von dem emen Kinde abwälzen, um die anderen zur Verantwortung zu ziehen? Hier und in zahllosen anderen Fällen denken diese Mütter ncht an die Tragweite ihrer Handlung, sie ahnen nicht die unheilvolle Wirkung solcher Ungerechtigkeit, weil diese nicht sofort und augenfällig zu Tage tritt, weil sie eben nicht in das Herz der Kinder blicken, es nicht sehen, wie das eine unter der ungerechten Veruriheilung in stummer Klage, bei jeder Zurücksetzung in neuer Wunde blutet, um sich endlich in trotzigem Groll zu erhärten, während in dem anderen jeder dieser scheinbar so geringfügigen Vorfälle die rücksichtsloseSelbstsucht'Nährt und steigert, deren üppige Ueberwucherung die EntWicklung des Gefühls der Verantwortlichkeit für sein Thun und Lassen, die Erkenntniß der Rechte des Nebenmenschen und der Pflichten gegen die MitWelt vernichtet. Nur wenige, nur solche, deren angeborene Veranlagung sie über das Durchschni.ttsmaß intellektueller Fähigkeiten und Charakterkrast hoch emporhebt, sind im Stande, sich in späterer Zeit von den das jugendliche, weiche Gemüth mächtig beeinflussenden Eindrücken der Kindheit zu befreien und in ihrer moralischen Entwickelung Wege zu betreten, die nicht schon in ihrer ersten Erziehung angebahnt wurden. Wie die Wirkungen körperlicher Verweichlichung oder Vernachlässigung des Kindes in späteren Jahren nur schwer durch eine entsprechende hygienische Lebensführung sich tilgen lassen, so auch die in der Kindheit empfangenen seelischen Einflüsse. Es sei gern zugestanden, daß in guten Familien das minder geliebte Kind nicht schlechter genährt und gekleidet, daß es desselben Unterrichts theilhaftig wird wie das bevorzugte, daß die Mutter für keines ihrer Kinder ihre mütterlichen Aufgaben außer Acht läßt. Die treue Sorge, die sie dem einen Kind aus impulsivem Herzensdrange zuwendet, wird sie dem anderen aus Pflichtgefühl gewähren. Die Kindesseele hat aber so sichere Instinkte, daß sie tief und scharf empfindet, was ihr aus Liebe, was ihr ausPflicht zu Theil wird, wenn die Mutter nicht jene Selbstbeherrschung zu üben weiß, daß es ihr gelingt, den Liebling des Vorranges, den er in ihrem Herzen einnimmt, nicht bewußt werden zu lassen 'und der Waltung ihrer mütterlichen Pflichten allen Kindern gegenüber in gleichem Maße den Ausdrück mütterlicher Zärtlichkeit zu leihen. Gewiß ist dies keine leichte Aufgabe, ihre Erfüllung erfordert, eine heroische Beherrschung der natürlichen Empfindüngen, eine stete Selbstbeobachtung, die nur sittlich gereifte Persönlichkeiten zu üben befähigt und gewillt sind. Menschen, die der Einsicht der Wichtigkeit dieser Aufgabe oder der in der ErZiehung zu erwerbenden Gewöhnung an Selbstcontrolle der spontanen Gefühlserregungen ermangeln, denken eben nicht daran, das Unbehagen der Eindämmung solcher scheinbar legitimen Neigungen auf sich zu nehmen. So giebt es thatsächlich zahllose Famitten, deren Leben vollkommen geordnet und glücklich, deren innere und äußere Verhältnisse die günstigsten V:dingungen für eine in jeder Richtung vorzügliche Entwicklung der Kinder zu bieten scheinen, die aber demungeachtet die unerläßliche Grundlage einer harmonischen Charakterbildung der Kinder, nämlich die von den Eltern diesen zu Theil werdende liebevolle Gerechhgkeit vermissen lassen. Nicht in gerade stark fühlbaren Fällen wird in solchen Familien das ungleiche Maß an Liebe sich zeigen, wohl aber in einer unabsehbaren leihe scheinbar nichtssagender Vorkommnisse, die, so unwichtig sie, vereinzelt genommen, dem Fernstehenden auch dünken mögen, durch ihre stetig wiederkehrende Folge schließlich eine tiefgehende Wirkung üben. Fällt die Wahrnehmung der Bevorzugung oder Zurücksetzung zuerst nur wie ein leichter, flüchtiger Schatten in das dämmernde Bewußtsein der Kindesseele, so wächst sie allmälig zur Erkenntniß einer unumstößlichen Thatsache heran, um in die sich entfaltende Psyche mit stählernemGrif. fel ihre charakterdeformirenden Züge einzugraben. So wird die Mutter liebe, der Kindheit süßer, heiliger Hort, zum trüben Born von Leid und Schmerz, wenn nicht Weishut und Gerechtigkeit sie lenken. Und nicht minde? verlieren die Eltern, wenn sie nicht alle ihre Kinder beherzigen, was Leopolr Schefer in seinem Laienbrevier- anräth: Geb fleikia um mit deinen Kindern Habe su Tag und Nacht um dich und liebe sie. -Und laß' dich lieben einzig schöne Jahre Denn nur den engen Traum der Kindheit sind sie dein." Natürliche Neue. Die Mutter hat dem kleinen Maxl eine Strafpredigt gehalten, weil er dem Nachbar Aepfel gestohlen. Nach einer Meile, wie die Mutter einmal wieder in's Zimmer tritt, sitzt Maxl in, einer Ecke und weint heftig. Nun, siehst .Du Dein Unrecht ein?" fragt ihn die Mutter begütigend. Ach ja!" schluchz! Mazl, ich habe jetzt furchtbare Leibschmerzen!" Leider. Arzt (zu einer Pa tientin, die gern in ein Seebad reisen möchte): Nun, wie geht es, gnädige Frau?" .Leider besser, Herr Doc-tor!-E l ist schwer, zwei Herren zu dienen, aber sicher noch schwerer zwei Dame.
Ans der Spree.
?tn Walter Sievert, Ein entzückender Sommerabend An der Oberspree ist eherrlich. DerMond beleuchtet mit mildem Glänze die Landschaft, sein Licht tanzt hin und' her auf d:n leichtbewegten Wellen. Ueberall Ruhe und Frieden. Ach, wäreman doch Maler, um dies festhalten zu können! Die beiden, von ihrer Kahnfahrt am. Ufer ausruhenden Menschenkinder, ein junger Mann und ein Mädchen, sehm. von all der Herrlichkeit nichts. Trübe ist ihr Blick in die am Ufer dunkle Fluth gerichtet. Beide schweigen. Endlich unterbricht das Mädchen, die unheimliche Stille: Hast Du denn noch einmal mit Tei-' nem Vater gesprochen. Richard?" .Ja!" Grete getraut sich kaum weiter zu fragen, so gepreßt klang dies Ja!" Was er gesagt hat?! Du weißt esja längst!" Also er will es nicht zugeben?" Er sagt, ich verdiente noch nicht etnug und dann " Und dann ?" , Dich kann er nicht leiden, erglaubt nicht an Dich!" Richard!!" Fast wie ein Aufschrei klingt es von ihren Lippen. Richard.. glaubst Du an mich?" Grete, wie kannst Du nur so fragen!" Einen heißen Kuß drückt er aus ihren Mund. Ich kann aber nicht von Dir lassen., ich will nicht!" Fest klammer! sie sich an ihn, als könnte er ihr im Aug:nblick entrissen werden. Eine Weile sprechen sie garnichts.. dann sagt er: Grete. liebst Du mich?' Richard!" Liebst Du mich mehr als alles Anderc auf der Welt?" Mehr als alles Andere'."' - Grete, sieh mich an, kannst Tu. nüllst Du mit mir sterben?" Sterben!?" Sie schreit auf. Sterben, Richard, wo wir noch so jung sind und noch so glücklich sein können!" Wir können nicht glücklich sein," klingt es dumpf zurück.. t Doch, wir können es! Ich habe noch Hoffnung. Versuche doch noch einmal. Deinen Vater umzustimmen. Rede ihm zu. Sag' ihm, wir wollen noch warten, bis Dein Verdienst grö ßer ist. Willst Du. lieber, süßer Ri chard?" Sie herzt und küßt ihn leidenschaftlich. um ihm noch eine kurze Zeit des Lebens abzuringen. Wenn Dein Vater dann nicht will, können wir ja noch immer sterben!" Ganz leise hatte sie das letzte Wort gesagt; ein Frösteln überflog ihren jungen Körper. Richard, willst Du?" Ich will's nochmals versuchen." Wiederum umarmt sie ihn stürmisch. Lange noch sitzen sie da. innig umschlungen, ganz ihren leidenschaftlichen Liebkosungen hingegeben. Plötzlich wird es kühl. Richard er hebt sich: Komm, wir müssen nach Haus, man würde Dich sonst vermissen." Sie besteigen das Boot. Richard rudert, Grete, obwohl des Steuerns unkundig, sitzt am Steuer und führt jede ihr von Richard aufgetrazene Bewegung aus. Eine Strecke sind sie schweigend gefahren. Da ertönt in eiNiger Entfernung hinter ihnen die Glocke eines Sprcedampfers. Richard, ein Dampfer! Fahre anß Ufer, fönst werden wir überfahren!" Habe keine Furcht! Der Dampfer fährt links an uns vorüber. Wenn heran ist. mußt Du links ziehen, damit wir die Dampferwellen schneiden!" Immer näher kommt der Dampfer, fast auf sie zu. Der Schiffsjunge klingelt unaufhörlich. Jetzt ist der Dampfer ganz nahe. Links steuern!" ruft Richard. Grete kann nicht sehen, sie wir? -durch das Mondlicht geblendet, aber instinctiv fühlt sie, daß er ihr eine fa5sche Steuerung angegeben hat. daß sie nach links gerade vor den Dampfer ge rathen. Richard! Nach rechts müssen wir!!" Er antwortet nicht. Mit einem mächtigen Schlage reißt cr das Boot nach links herum Richard!" ein gellender Schrei, ein Stoß und das Boot treibt kiel oben. Der Dampfer wirft Rettungsringe aus, doch die Verunglückten kommen nicht wieder zum Vorschei.l, sie sind unter das Schiff gerathen. Nach langem, vergeblichem Suche? fährt der Dampfer weiter. Das Mondlicht tanzt hin und her auf den leichtbewegten Wellen. Ue berall Ruhe und Friedeui! Verfehltes Camplim e n t. Baronin: Mein Mann erzählte mir, Sie hätten eine starke komi sche. Ader." Geck: Oh. zuviel der Ehre! Ich wüßte aber nicht !" Baronin: Nun, das meinte er doch wohl, als er sagte, Sie seien so ein koMischer Mensch!" PoesteundProscr. Hast Du nicht gesehen, wie der junge Referendar während des ganzen Concertes begeistert und verklärt neben unserer Rosa saß und nichts aß und trank?" Mann: Ja. er hatte eben kein Geld, nachher hat er mich ja angepumpt." Bauern - Spekulation Dees is a' verbot'ner Weg da mu. der Herr fünf Mark Straf' zahl'-.!-I. warum bringt man da keine Warnungstafel an?" War ja eine da aber da is unö kein Mensch 'nein'ganga!" 5m Theater. Ah, Herr Huber, sieht man Sie auch einmal mit Frau Gemahlin in einem Trauerspiel! . . . Warum haben Sie denn aber einen' so schlechten Eckplatz genommen?" Ja, ' wissen Sie, meine Frau kann nicht viel, vertragen; nach dem ersten Todtenk gehen trkt nach Hause!"
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