Indiana Tribüne, Volume 23, Number 334, Indianapolis, Marion County, 23 August 1900 — Page 1
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(Csdjcmt fcfccu Itstdjmittafi und Sonntag Norrzens. - - - . Jahrgang 23. . 3iräian m . ?io. ' ;
Zlttsland Tepeschen M üirc Die Kämpfe in Peking hafccn aufgehört. Tie ganze Stadt, bis auf den kaiscrlichen Palast Zlon bcii Zlerbüttdeten beseht. . .Nufzland mobilistrt ein grofzeS Heer. BqU bereit 373,009 Mann in Asien Izabcn. l' Der Krieg in 5üda!rika. Sie Boeren mit ihrer ganzen Artillerie bei Machadodorp kenzcutrirt. Ämcrikaner bewerben sich um den 3r l den der Ehren-Legion. j? ? Die Lage in China. London. 23. August. Eine DedesSe aus Pekinq meld:!, dak am 15. August 1500 Amerikaner den kiser- ; - 0 1 . , -, -r ' v i I Ucheii vaiat anzrlssen uns mzx du ui demselben befindlichen Höfe besetzten. 'Die arnerikanisä-e Flagge wurde auf der kaiserlichen Kornkammer aufgehißt und die kaiserliche Bank geplündert. Ueber die diesen Ereignissen vorangegangenen Begebenheiten wird der Mocning Post" telezraphirt: Am 12. August suchte der Tsunz Li Yarnen um zine Konferenz zur Feststellung der Friedenspräliminarien nach. Ein Wasfenstillstand winde jedoch nicht gewährt und in der Nacht unterhielten die Chinesen ein fortgesetztes Feuer auf uns. welches ohne Unterbrechung zwölf Stunden fortgesetzt wurde. Am 13. August zog der Tsung Li Yarnen seine Konferenz - Vorschläge wieder zurück, sa die Mitglieder zu beschäftigt seien. Sie theilten uns jedoch später mit. daß si: bei Todesstrafe den Truppen verboten hätten, noch weiter auf uns zu feuern. Während der Nacht nahmen sie iber das Feuer gegen die Gefandtschaf !en wieder auf und warfen zahlreiche Lomben in die Gebäude derselben. Ueber die augenblickliche Situation Tiacht der japanische Gesandte in Lon ?on. Kato Takati. folgende Aussagen: Tie Kaiserin ist das Herz und die Seele der chinesischen Regierung. So lange wie sie noch lebt und in" China jleiSt, wiro sie immer den größten Einsluß ausüben, einerlei, cö ihr die Re-zierunzsge.-oalt genommen wird cd .-licht. Sie wir: nach wie vor die Macht jn Händen behalten und Niemand, selbst der regierende Kaiser, wird sich ihrem Zinslu'sse entziehen können. Die Schwierigkeit besteht zunächst hrin, einen akkreditirten Vertreter der Kaiserin ooer sonst ein: gesetzlich besollmächtigt: Persönlichkeit zu finden, mit der die Mächte in Unterhandlung treten können. Li Hunz Cbanzs Ein iluß ist fast vollstänoiz geschwunden und zie chinesische Regierung muß mit den Nächten zu einer" sofortigen Verständi zunz kommen. Dies wird allerdings kaum gelingen, eh: die chinesische Rezierunz nicht von Grund aus reorgani zl ist. Der japanische Gesandte hält den von den Amerikanern gemachten Vorschlag zur Einberufung einer Konferenz der .Nächte für das einzig Richtige. Eine, entsprechende Geldentschädigunz, meint :r. wäre aus den Chinesen wohl noch herauszuschlagen, wenn die Staatseinkünfte in rationeller Weise verwaltet würden. Trotzdem, daß die meisten '.Staatseinkünfte bereits' auch schon ver pfändet seien, ließ: sich bei ordnunzs mäßiger Aufstellung und Durchführung ' ?es Budgets doch noch ein Ueberfchuß :rzielen. Gras Walderfee glaubt, daß es in Thina noch viel Arbeit zu thun giebt j und daß die Wiederherstellung der Ord- ! iug daselbst eine schwierige Aufgabe sein j xux 375,000 russische Truppen sind entw: der schon in Ostasien oder ooch auf dem Transporte dahin begriffen. Ferner soll, einer Meldung des .Daily Gra ,?hic" zufolge, die Moöilisirunz im euro ?äisch:n Rußland überall mit fieberhafter Hast betrieben werden. Jn Odessa liegen allein 14 Transportöampfer für Truppenöeförderunz bereit. Aus Petersöurg wird zur Abwechslung wieder einmal gemeldet, daß Li Hung Chang nach Peking abreisen wolle. R o m , 23. Aug. Ein: Depesche aus Taku. vom 20. August datirt. sagt, daß die Kämpfe in Peking am 17. August nicht ein Ende erreichten; die 5ta$an hatten an diesem Tage den Palai't besetzt und die Gesandten befanden sich be: den Truppen in iex Zierlichen Stadt.
ill Oll.
Amerikanische Ordensj ä g e r. P a r i s. 23. Aug. Der amertta nische General-Ausstellungskommissär Herr Peck hat das ihm verliehene Großkreuz der Ehrenlegion bedin-
zungsweise angenommen, da ihm die Erlaubniß zur Annahme der Dekora lion vom Kongreß der Ver. Staaten ertheilt werden muß. Die amerikanische Kommission hat mehr al 90 Applikationen um Ver leihung des Ordens der Ehrenlegion eingereicht, mehr als zweimal so viel, ;Is irgend ein: andere Kommission. Die Regierung hatte jeden auslän Zischen Generalkommiiiä? ersucht, eine öiste solcher Mitglieder seines Stabes nnzusenden, denen seiner Ansicht nach die Dekoration zu Theil werden sollte, lluf der Liste des Herrn Peck befinden sich unter Anderen Frau Potter Palner, Frau Daniel Manning und Mi f)acl H. De Äsung (Eigenthümer des San Francisco Chromcle"). vom Stäbe des Nationalkornrnissärs; die Thefs der verschiedenen Abtheilungen )er amerikanischen Ausstellung und ihre Assistenten und die meisten der vichtigeren amerikanischen Aussteller. Die Applikationen für. die Damen palmer und Manning wurden zurück zewiesen. Die Pariser Ausgabe des Timessagt in Bezug hierauf: Es ist dies rntweder eine Vorsichtsmaßregel, um :in großes Geschrei seitens hervorra ;ender französischer Frauen zu v:rmei?en. denen eine gleiche Ehre verweigert norden ist. oder eine gewisse gesellschaftliche Rivalität liegt der Entscbei)ung zu Grunde." Zraf Walderfee in Rom. Rom. 23. August. Der Feldmarschall Graf Walderfee frühstückte am Nittwoch Morgen, in Begleitung der brei Offiziere, die mit ihm nach China reisen, mit dem König Victor Emanuel. Nachher begab sich der Feldmarschall ach dem Pantheon, wo er einen Kranz auf dem Grab des Königs Humbert niederlegte. Der Feldmarschall fuhr um halb zrei Uhr Nachmittags nach Neapel ab, so er sich nach China einschiffen wird. Zwanzig zum Tode verurtheilt. ' " L o n d o n , 23. Aug. Ein: Depesche aus Allahabad. Britisch Indien, sagt, baß von den 25 Gefangenen, die wegen Theilnahm: an den Pest-Krawallen in Cawnpore vor Gericht gestellt wurden, zwanzig zum Tos verurtheilt wurden. Eine? wird deportirt werden und vier wurden freigesprochen. Aus-dem deutschen Reich. Berlin. 23. Au.?. Die Stellung des Staats-Sekretärs des Aeaßeren, Zraf vonBülow. ist in Folge seiner DifGrenzen mit dem Kaiser über die ChinaReden des letzteren so sehr erschüttert, daß man die Entlassung oderden Rück tritt des Grafen binnen Kurzem crwartet. Es ist bekannt, daß in Folge dieser Differenzen der Kaiser die Leitung der chinesischen Angelegenheiten dem Grafen oon Büldw entzogen und selbst in die Hand aenommen hat. Die halöoffizielle Berliner Pest vertheidigt in einem langen Leitartikel die Zhina-Politik der Ver. Staaten gegen sen von verschiedenen deutschen Zettun zen auf sie geworfenen Verdacht, daß die imerikanisch: Regierung selbstsüchtig: Ziele damit verfolge. Nachdem die ,Post" darauf hinzewiesen, welch' groß: Mühe sich der Staatssekretär Hay gegeben, um die Mächte zu veranlassen, sich für die Politik der offenen Thür zu erklären, wodurch aller Zweifel über die Stellung der Ver. Staaten gehoben worden sei. fährt das Blatt fort: Diejenizen Amerikaner, die verlangen, daß sich der Präsident McKinley zum Protektor des chinesischen Reichs aufwerfen und zor aller Welt erklären soll, daß die Ver. Staaten es als ein: unfreundlich: Hand'unz betrachten würden, wenn irzendIemano von weiterem chinesischen Gebiet Besitz ergreifen sollte, wodurch ein arnerikanisches Protektorat .über China :tablirt werden würde, sind Schuld daran. daß man der amerikanischen Politik in manchen Kreisen nicht traut." Die Zeitungen verlangn jetzt dringender als je die sofortia: Einberufung des Reichstags zu einer Eztra-Session. damit das Volk über die von der Re zierunz eingeschlagene China Politik unterrichtet werde. . Die Militärbehörden von Hamburg haben beschlossen, in diesem Jährten Sedan-Tag nicht zu feiern, da eine solche Feier kaum passend wäre zu. einer Zeit, in der deutsch: und französische Truppen gemeinschaftlich in China kampfen. Auch in Hannooer und einer Anzahl rheinischer Städte wird die Feier aus dem gleichen Grunde unterbleiben. . .Am Mittwoch wurde in Berlin eine llnarchisten-Versammlunz von der Po lizei aufgelöst und der Vorsitzende verhaftet. . Der Kaiser Wlbelrn ifLjm Mittwoch
zum eruen. Mal in N5M Automoott ausaefahren. , ' . . r . . Unter Führung von Kapitän zur See Pohl, Kommandant ds großen Kreu,ers .Qansa". sind zwei, Kompagnien
' deutsche Matrosen in Peking eingerückt. ! Kapitänleutnant Hechr von der jQ?rtha" befehligt die zweit: Kompagnie. Das Knegsarnt ist tu einer von Tam 19. August datirten Teoesche benachrich. tigt worden, daß der Marsch der Truppen durch anhaltendes starkes Regenwet ter verzögert wordin sei. Die Abtheilung kam am 17. August in Peking an. Auch wurde gemeldet, daß Yanq Tsun immer noch von den chinesischen Truppen bedroht werde. Die beiden in voriger Woche in Taku eingetrosfenen Seebataillone mit einer Batterie und einer Pionierkompagnie sind bereits nach Peking auszebroch: Generalmajor von Hrpfner, der Kom rnandeur der See-Brigade, leitet V deutschen Operationen. Italienische Detektivs in den Ver. Staaten. R o rn . 23. Aug. Eine Anzahl auserlesener italienischer Detektivs wird binnen Kurzem nach den Ver. Staaten zezcyickt wetöen. Mit Einwilligung vn amerikanischen Behörden werden diesl Detektivs, unzefähr dreißig an Zahl, nach solchen Städten in den Ver. Staa ten geschickt werden, die von vielen Jta lienern bewohnt werden. .Sie werden alle unter einem Inspektor stehen, dessen Hauptquartier sich ln New Jori b:slndet. Aus Süd -Afrika. Pretoria, 21. Auz. Der Prozeß aeaen den Leutnant Cordue, früher von der Transoaal-Artillerie, der angeklagt war, an dem Komplott zurEntführunz des Generals Roberts betheilizt gewesen zu sein, erreicht: am Dienstag sein Ende. Der Gefangene wurde in Uebereinstimmung mit d:r Anklage' schuldig befunden, das Urtheil wird aber erst gefällt werden, nachdem Lord Roberts die Akten durchgesehen hat. " Oberst Godfrey. der Richter, verur sachte eine Sensation, indem er erklärte, daß die Verletzung der Parole mit oem Tode bestraft werden, müsse. T w y f e l m a a r. Montag. 20. Aug. Die britischen Behörden haben durch ihre Spione erfahren, daß General Louis Lotha. der Oberkommandeur derBoeren Zruvpen; Geral zs Meyer, der Kommandeur der reistaatler, und Genera! Scbacköurger. Vize-Vrä'sident der Transoaal-Republik. mit' 8000 Boeren bei Machadodorp stehen.- wo sich bisher das Hauptquartier des Präsidenten Krüzer befand. Die gesammt: Artillerie der Boeren. einschließlich der schweren Positionszeschütz: von Pretoria, sollen sich dort befinden. . L o n d o n, 23. Aug. General de Wet 'macht den Briten weit mehr zu schaffen, ' als ihnen lieb it: er hat General Kltchener und Genera! Buller wochenlang an i der Nase herumgeführt und sich nicht den I Weg nach Norden zur Vereinigung mit 'Genera! Botha verl-gen lassen. Seine ' Parlamentär-Korrespondenz mit Gene!ral Baden-Powell in Kommando Nek. i den er zur Uebergabe auffordern ließ. zeigt, daß der Boerenführer den Humor j nock) nicht verloren hat. Ernst gemeint ! war dieselbe jedenfalls nicht, dennde Wet I ist gleich darauf n;?itej nördlich gezogen ! V vYl V Y.i..i. ? . , sv . ; uno zoen-on?eu solar l?m A0r einigen Tagen befand sich de Wet fünfi cm.it c , . izqn :juucii norolicy.oon Pretoria, wo die Briten ihn angriffen. Um den Eindruck dieser, die Unfähigkeit des britischen Heeres zur Genüa: ; öemonstrirende Thatsach: abzuschwächen, berichtet Lord Roberts über kleine Schart :i cn,, , r. , n iiiuci iuu -oy;icii, iju ouz ooz parier Uebermacht zurückreichen mußten, in auZführlicher Weise. Am 16. August stieß Gen. Carrington auf Boeren' in starker Stellung bei Buffelsbock und verdrängten sie von dort; ' Kommandant Swartz soll dabei schwer verwundet worden sein. Auf britischer Seit: fielen Ka. pitän Henry und zwei Mann, neun tffann wurden verwundet. Emer Depesche aus Lourenzo Marquez zufolge hat der Präsident Krüqer als Antwort auf die letzte Proklamation .Lord Roberts eine Geaen-Proklamatlon j erlassen. Der Präsident sagt darin unter Anderem: Es wird Euch wenig nützen, die Waffen niederzulegen oder Euere Kommandos zu verlassen. Jeder Schritt heimwärts bedeutet einen Schritt auf St. Helena zu." Im Kriegsamt ist mährend des Tages die folgend: Depesche, vom 21. August datirt, von Lord Roberts erngetroffen: Oberstleutnant Stillw.'ll gerieth auf einem Rekoanoszirunzsmarsch nach Ventersburg mit den Boeren ins Gefecht. Zwei Briten wurden verwundet, aber vier Leutnants, ein Arzt und 24 Mann werden vermißt. - . Gen. Hamilton hat den Crocodile Fluß überschritten. Päg:t und Baden-Powell hatten am 20. August ein Gefecht mit den Kom mandos. die Gen. De Wet decken. Ein Leutnant wurde getödtet und ein Leut nant und sechs Mann wurden verwun-det.- -.
JttllNld Depeschen. HsHlt0cr3irniöfl!l(ii flfiravü, Ein Pöbclhanfcn versucht einen Neger zu lynchen, . , Tcr aber rechtzeitig aus der Stadt gebracht vorden war. Zwei Personen yclödtct, eine iöötlich und viele andere lciltjt verletzt.- . Das Ttadtgebäude von Akron in Flammen.
Der Pöbel droht es mit Dynamit zuzcchötttt. : Milizen hcrauöbeordcrt. Tas GerichtS-Gcbaude theilweise zerstört. Tcr Prozeß Voutscy's ' BiS zum Oktober-Termin verschoben. Blutiger Krawall in Akron, Ohio Akron. O.. 23. Aug. Zwischen 1 und 2 Uhr Dienstag früh verhaftete der Polizist John Duffy einen Farbigen, der sich LouiS Peck nennt und nach einem scharfen Verhör gestand, in der Montag Nacht sich an dem sechsjährigen Töchterchen von Thomas Maas kriminell vergriffen zu haben. Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt und die Polizei erfuhr, daß ein Versuch gemacht werden würde, den Schurken zu lynchen. . . , ' . Das Gerücht fand nur zu bald seine Bestätigung und gegen 8 Uhr 30 Min. Mittwoch Abend tatte sich emeiesiFi Menschenmenge vor dNn Gefängniß angesammelt, welche schließlich die Tkür zertrümmert: und in das Jnnere bei Gefängnisses eindrang. Die Beamten setzten ber erregten Menge keinen Widerstand entgegen, da auf ihre Anordnung Louis Peck. der am Norgen nach seiner Schuldigerklärung jnter $5000 Bürgschaft dem Kreisgecicht überwiesen war, bereits am Nachmittag in das Gefängniß zu Cleveland überführt worden war. Die Menge drängte sich durch dasGesängniß. wüthend, daß ihr ein Opfer entgangen iöar, und schittßiich vegannen einige, die großen eisernen Thüren zu demoliren. Hilfs - Sheriff Stoney hatte sich vor dieselben gestellt und hielt eine Ansprache, worin er der erregten Menge erklärte, daß Peck bereits in Sicherheit gebracht sei. , Er gestattete einem von ihm selbst erwählten Kommittee. das Gefängniß von oben, bis unten zu durchsuchen. Di:s geschah und als das Kommittee berichtete, daß der Neger fortgebracht sei, wandte sich die Wuth des Pöbels gegen das Gerichtsgebäude, dessen Thüren erbrochen wurden. . -r, T c . a iseoaucc r?ury? eenaus von ooen bis unten durchstöbert mit Ausnahme des Kassenzimmers. Wieder stromle dann die wahnsinnig errezteMenge nach dem Gefängniß, wo Bürgermeister Fcung ihr erklärte, daß Peck nicht mehr in Akron sei und alles Suchen nach ihm vergeblich sein würde. . Hiermit beruhigten sich die Leute aber noch . immer nicht. Um 10 Uhr Abends kam es zu einem dritten An griff auf das Gefängniß. Einzelne Schüsse fielen aus der Menge auf das Gebäude und schließlich sahen sich die Beamten in demselben gezwungen,, das Feuer zu erwidern, allerdings zuerst über die Köpfe der Angreifer hinweg. Der Pöbel schlug dann die Fenster im Stadtgebäude ein und dann wurde das Feuer allgemein. Hunderte von Schüssen fielen und ein Knabe wurde todt vom Platze getragen. Es ist sicher, daß mehrere Dutzend Leute verwundet wurden. Einem der Polizisten wurden beide Beine gebrochen und ein anderer schwer verwundet. Mayor Jounz befindet sich im Rathhause, und hat - die Miliz einberufen. Alle Ambulanzen der Stadt sind in voller Thätigkeit. Die Front des Stadtgebäudes, ist vollständig z:rstört und alle Glocken läuten Sturm. . Bis jetzt sind zwei Todte und ein Sterbender eingebracht worden. Die Liste der Todten und Verletzten ist folgende:.' Elen Wade, 10 Jahre alt, Schuß durch's Hrrz; John M.' Davidson's vi:r Jahr: altes Kind, im Kinderwagen erschossen; Fred. V. Orwick, 25 Jahre alt. schwer verwundet durch Rehposten, liegt im Sterben; ein, Mann Namens Mull wurde in den Kopf geschossen; ein Fuhrmann der American Efpreß Company wurde in das .Bein, .geschossen. Außerdem, sind 1
noch ctn2 grotze sttjact Z5eute verwundet worden. Um 11. Uhr begann die Menge sich zu zerstreuen . und . man glaubt nicht, daß wertere Ruhestörungen vorkommen werden. S p ä t e r. Um 1 Uhr Morgens war der Krawall vor dem Stadtgebände wieder in vollem Gange. Der Pobelhriufen. zum größten Theil auZ balbwllchsiqen Burschen zusammenae setzt, greift das Gebäude, in den jicy das Gefängniß befindet, . von allen Seiten an. Die Columbia Hall ist bereits nieder gebrannt und das Stadtgcbäude steht letzt in Flammen. Die Feuerwehr ist herausbeordert worden, kann aber nur wenig ausrichten. Ein' Feuerwehrmann ist bereits angeschossen worden und der Pöbel zerschneidet die Schläuche bei jeder Gelegenheit. Es ist nur wenigHoffnung vorhanden, das Gebäude retten zu können, das beständig' von dem Pöbel mit Steinen bcmbardirt wird. Die Trolleydrähte und einige der Telephon- und Lichtdrähte sind durckchnitten worden. Der Mayor l,at sich nach Cleveland und nach Columbus an den Gouverneur um Zusendung von Milizen gewendet. Er hat auch um Zusendung von vierzig Polizisten au5 Cleveland gebeten. Der Pöbel beabsichtigt, sich eines Frachtzuges zu bemächtigen und damit nach Cleveland zu fahren, um dort den Neger Peck zu lynchen. Um halb zwei Uhr Morgens entkamin die Polizisten, die zwei Stunden lang in dem Stadtgebäude belagert wa-
ren, indem sie aus einem Fenster sprangen -und davonliefen. . Das Gebäude wird noch von dem Pcbel beschossen und die Milizen sind herausbeordert worden. Der verwundete Feuerwehrmann liegt im Sterben. Arthur E. Sprague ist gerade, durch den Kopf geschossen, von der Straße getragen worden. Wenigstens .ein Dutzend Personen sind soweit schwer oerwundet worden. fiv ' wundes worden.. . Ein aus mehreren Hundert Burschen bestehender Haufen erbrach den Standard Hardware Store und stahl voraus" mehrere Hundert Gewehre mit ! Munition, sowie viele andere Gegen stände. - Im Gefängniß befinden sich ein hal hes Dutzend Gefangene und wenn es nicht bald gelingt, sie zu befreien, werden sie in den Flammen, die das Gebäude zu zerstreuen drohen, umkommen müssen. Um zwei Moraens wurde Dynamit voi w StadtZVüde 'zum . explodiren gebracht. " "die berste Explosion . verursachte bereits sehr großen Schaden. Der VLbel drot das ganze Gebäude mit Synamrt zerstören zu wollen. Die Zahl der Verwundeten wird wahrscheinlich in die Hunderte gehen. Nachrichten aus Ost-Asien. Washington. D. C.. 23. Aug. Im Marinedeparjemen: ist die folgende Depesche' vom Admiral Äemey emgetroffen: , ' -h r - Taku. 20. Aug. Dickens Komrnando wurde heute gelandet. - Peking, 16. Aug. Die chinesischen Truppen sind überall, die kaiserliche Stadt aus'genommen, vertrieben worden. Die AmertkaneL. die ersten Truppen, die in die kaiserliche Stadt eindrangen, sind ms an die Thore des Palastes vorgedrungen. Kapt. Reilly, vom 5. Artillerre meglment, nzuro: am 'corgen ves 15. Aug. getödtet. Am Morgen des 19ten bertrieben das 6. Kavallerie - Regiment und ungefähr 400 Briten und Japaner ungefähr 1000 Bozer. die sich acht Meilen außerhalb von Tien Tsin versammelt yatten. Ungefähr 100 Chmesen wurden getödtet und fünf Amerikaner verwundet. General Chaffee hatte in den zwei tägigen Kämpfen in Peking sechs Todte und 30 Verwundete. Im Kriegsdepartement ist gleichzeitig die folgende Depesche eingetroffen: Tien. Tsin. 19. August. Alle Pferde. Truppen und Vorräthe prompt in Taku gelandet und nach der Front geschickt. Das 6. Kavallerie - Regiment ist jetzt beritten. Die Hospitäler sind vorzüglich eingerichtet und reichen für die jetzige Armee aus. Alles befried! gcnd. Werde morgen noch Peking ab gehen. Alle Kranken und Verwundeten in guter Verfassung. Gez. B e r r y. Die Wirren in China. Washington. D. C.. 23. Aug. Nach einer langen Konferenz im Wei ßen Haus wurde am Mittwoch die Antwort auf das Gesuch Li Hung Chang'S um Ernennung eines Friedenskomrnis särs abgefaßt und eine Kopie dem chi nesischen Gesandten Wu zur Weiterbefördcrung zugesandt. Der Wortlaut der Antwort wird erst am Donnerstag bekannt gemacht werden, im Wesentli chen lautet sie aber, daß die Regierung sich auf keine Unterhandlungen einlassen könne, so lange keine Regierung in ' China ezisiirt. die im Stande ist. die chinesischen Truppen und die Bevolke-'
rüng China's -abzuhalten r: ai(li' Handlungen gegen die -Lr-'jm-verbündeten Mächte zu :r.-sen. Die wichtigsten Nachr üi i3u auf die Lage in Peking kamen während des Tages in einer Depesche von dem Gesandten Conger. aus Peking, 19. August, datirt. Die Depesche lautet wie folgt : - Die ganze Stadt, mit Ausnahme des kaiserlich-en Palastes, ist von den Japa nern, Russen, Briten. Amerikanern und Franzosen besetzt. Sie wird in Distrikte eingetheilt, damit die Polizeigewalt systernatisch ausgeübt werden kann. Die chinesische Armee ist geflohen. Diekaiserliche Familie und der Hof sind westwärts gezogen, wahrscheinlich nach Sinan-Fu, in der Provinz Shen Si. Nicht ein cm zigtt Repräsentant der chinesischen Regierung ist in Peking zu finden ' und eZ herrschen .die chaotischsten Zuständen. Der Palast wird wahrscheinlich sofort besent werden. Viele Missionäre haberi bie Heimreise angetreten, wahrend andere zorläufig bei den eingeborenen christlichen Flüchtlingen, ungefähr 1000 an Zahl, bleiben. . Gez. Conger Der Theil in der Depesche des Gesandten, in dem erklärt wird, daß von
der chmesischm Regierung m Peking nichts übrig sei und die chaotischsten Zustände herrschten, hat ohne Zweifel viel dazu beigetragen, daß die Regierung ihre Antwort an Li Hung Chang so kurz und bündig abgefaßt hat., Herr Conger hat bis jetzt nicht angedeutet, daß er nach den Ver. Staaten zurückkehren wolle, und es ist offiziell erklärt worden, daß die Regierung nicht diZran denkt, ihn zurückzuberufen. Die Hoffnung, daß mit der Einnähme von Peking und der Befreiuna des Gesandten Conger der Krieg, soweit die Amerikaner in Betracht kommen, ein Ende erreicht haben würde, sckeint UU neswegs in Erfüllung zu gehen. Da die ganze chinesische . Regierung vorläufig aus dein. gegangen zu sein MMt' unl) "keinerlei Gesetz und, Ordnung mehr herrscht, meiösneroundeten Truppen nichts anderes übrig, als bis aus Well? res selbst die Ordnung aufrecht zu erhal ten und gänzliche Anarchie zu verhinhern.. Die amerikanischen Truppen werden daöer noT länqett Zeit, vielleicht den 1 ganzen Winter in China zubringen müssen, und die Regierung sorgt aus diesem Grunde jetzt dafür, daß die nöthigen Wmtervorräthe für die Truppen .so schnell als möglich nach China geschickt werden. c t ?c & Joutsey's P?oz,ß verscho- ' u-M ben. Georgetown. Ky.. 23. Aug. Als am Mittwoch Mcjrt. 5a5 serich! zu sammentrat. ' theilte der StaatsaMll Frankirn dem Richter Cantrill mit. die Aerzte Henry Yountsey's hätten eidlich, erklärt, Fonts ey sei zu kränk, um zum Prozeß erscheinen zu tonnen, und er ersuchte deshalb den Richter, den Prozeß iis zm Oktoöer-Termin zu verschieben. Gleichzeitig ersuchte HZrt Franklin euch, die Fälle der Angeklagten Combs Mttaker und Davis zu verschieben und die Leute untere Z3000 Bürgschaft zu stellen, da einer per Anwälte der Angeklagten verhindert sei zU elscheltten. Die. Fälle wurden auch in Uebereinstimrnung mit dem Ersuchen des Staatsanvalts vertagt. Whittaker, Cornös und Davis stellten noch am Nachmittag die Bürgschaft. Der Fall gegen George, F. Weaver, der des Meineids angeklagt ist. wurde m Nachmittag aufgerufen. . Weaver hatte in demProzeß gegen Caleö Powers beschworen, daß er gesehen habe, wie ein Gewehrlauf aus einem Fenster im Zimmer des Staatsefekretars Powers herausaesteckt .habe, gleich nachdem Sen. Goebel niedergeschossen wurde. Mehrere Zeugen sagten aus, daß sich Weaver an dem Tage, an dem Sen. Goebel geschossen wurde, in Graysons Springs be unden habe. Eine ganze Anzahl eidlich: Erklärgen, 'in denen gesagt wird, daß die Geschworenen Munson. Mulberrh. Mur. phy. Craig, Croßwait und Musselman sich vor dem Prozeß dahin ausaesprochen hätten, daß Powers schuldig sei und gehängt werden solle, sind bereits im Ge. richt eingereicht worden. Craiz. ein Schuhhändler, soll nach seiner Vorladunz zumGeschworenendienst erklart haben. daß er, im Falle er angenommen würde, sich nicht um die Zeugenaussagen kümmern, sondern sich ganz von den In struktionen des Richters leiten lasse, würde. Der Eisenbahn - Unfall bei Kensieo. New York, 23. August. Bei dem Zusammenstoß zweier Frachtzüge, der am Dienstag Abend bei Kensico stattfand, sind.drei Personen ums Leben gekommen, nicht sieben, wie zuerst gemeldet wiirde, nämlich Wm. Lauterbach. Lokomotivführer; Henry Cassidy. Heizer und Wm. Abriel. Bremser. Die Leute, die als vermißt angegeben wueden. sind gefunden worden. . Weitere Depeschen auf
5ette 5.
