Indiana Tribüne, Volume 23, Number 228, Indianapolis, Marion County, 6 May 1900 — Page 3
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Hriminalroman von Friedrich TbicM. (12. Fortsetzung.) Jdj gab ihm eine ausführlich? Schilderung des Hergangs, worauf er mix in ziemlich skeptischer Weise erllärie, daß mein Zeugniß kaum hinreichen würde, die Angeklagte zu überführen. Erstens, meinte er, haben da gewisse Ereignisse in die Angelegenheit chineingespielt er hatte die hypnotischen Phänomene im Auge die uns -hier nichts angehen, die aber leicht die Arsach: geworden sein könnten, Ihnen Mißtrauen gegen Ihre Frau einzuflöen; zweitens lagen Sie' in dem Augenblickc, wo Sie Ihre Gattin bei der Prüfung der Gläser beobachtet haben "wollten, schwer danieder, Sie waren "-aufgeregt, d'ielleicht Ihrer Sinne nicht emmal vollkommen macyttg' wie wollen Sie au einer unter so außergewohnlichen Verhältnissen erfolgten Wahrn 'hmung eine Ueberzeugung herleiten, deren Ergebniß eine so furchtbare Beschuldigung ist?" Nicht schlecht argumentirt," bemerkte ich bewundernd. Nicht schlecht, und doch falsch. Ich -sagte ihm das. Jedenfalls, beyarrte ich, müsse meine Ueberzeugung mir maßgebend fein, und die Gerichte hätte ich für meine Person ja nicht angerufen, würde sie niemals angerufen haben. Im Gegentheil wäre es mein sehnlichster Wunsch gewesen, jedcsAufsehen zu vermeiden. Mickaela habe den Schritt selbst gethan, der unsere Dissonanz vor das Forum der Oefsentlichkeit ziehe, möge sie nun die Verantwortung für die Folgen tragen. Einen vielleicht wohlgemeinten Versuch des Assessors, mich zu einem Ausgleich mit Preisgabe aller meiner Bedingungen zu bestimmen und die Entrtete wieder in ihre wenigstens äußerTichen Rechte einzusetzen, wies ich danZend, aber entschieden zurück." Sehr gut." Mir bleibt nun nichts mehr übrig, lls den Ehescheidungsproceß einzuleiten. Ich bitte Sie hiermit, ungesäumt die nöthigen Maßregeln zu ergreifen. Wenn eine persönliche Begegnung verhindert werden kann, so wollen Sie eine solche verhindern. Ich wüßte ' nicht, wozu sie noch dienen sollte, noch sind meine Kräfte nicht hinreichend wieder hergestellt, um ohne Gefabr für meine Gesundheit mich den Aufregungen eines Wiedersehens auszusetzen." So will ich versuchen, zu erreichen, daß man von der Anberaumung eines Sühnetermins als aussichtslos Abstand nimmt." Dafür würde ich Ihnen sehr dankbar sein. Ich gebe Ihnen unbedingt Vollmacht, weiß ich doch, daß ich meine Sache in keine besseren Hände legen kann." Dies der Hauptinhalt unserer ersten Unterredung über den Fall. Wir mögen im Anschluß daran noch mancherler Emzelhenen besprochen haben, aber sie gehören nicht in diese kurze Recapitulation. Noch am selben Tage begann ich mich zu insormiren und das nöthige Material zu sammeln, indem ich Doctor Kainz, Fräulein Jrmgard Hartwig, Walter Hartwig und den Doctor Blüthner um alle Details befragte, deren sie sich bewußt waren. In den nächsten Tagen setzte ich meine Recherchen fort, besuchte die Norddeutsche Weißbierhalle, den Kellner Barnetzky, besichtigte die Lokalitäten und so weiier. Sobald ich mit meinen Vorbereitungen fertig war, reichte ich die Scheidungsklage ein, worauf die Sache ih?en regelmäßigen Lauf nahm. Es gelang mir, unter Hinweis auf den Umstand, daß jeder Einigungsversuch von vornherein vergeblich sein würde, in der That einen Gerichtsbeschluß herbeizuführen, wonach von der Abhaltung eines Sühnetermins Abstand genommen wurde. Im ersten Termin, der nach Lage der Dinge nur als Vortermin angesehen werden mußte, erschienen von den Parteien nur die juristischen Vertreter: für Hartwig Schreiber dieses, das heißt ich selbst, für Frau Hartwig RechtsanwaltDoctor Böhring, einer der ausgezeichnetsten und scharfsinnigsten Julisten der Millionenstadt. Als Vorsitzender fungirte Landgerichtsdirektor von Schreiber, als Vertrcter der Staatsanwaltschaft Assessor Guido Hörchner. Nachdem der Gerichtshof in die Verhandlung eingetreien war, gab der Staatsanwaltssubstitut zunächst die amtliche Erklärung ab, daß auf eigenen Antrag der Frau Michaela Hartwig gegen dieselbe die Voruntersuchung wegen Mordversuchs ingeleitet, die Untersuchung aber aus Mangel an hinreichenden Beweisen eingestellt worden sei. " Die Staatsanwaltschaft behalte es sich vor, den Verlauf des Processes scharf zu verfolgen, um in der Lage zu sein, etwaige neu hervortretende Verdachtsmomente nach Gebühr zu würdigen. Gegen etc Beklagte bleibe nun nur noch das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung übrig, doch könne dasselbe nur dann eingeleitet werden, wenn derEhemann den nach Paragraph 232 des Reichsstrafgesetzbuches erforderlichen Antrag stelle. Im Namen meines Mandaten gab ich die Erklärung ab, ein solcher Antrag werde nicht gestellt werden. Dagegen werden wir," fuhr ich fort, in der Lage , sein, eine ganze Reihe neuer Beweismomente geltend zu machen. Nicht nur die von der Staatsanwaltschaft vernommenenZeugen sollen vorgeladen, sondern eine ganze Reihe anderer namhaft gemacht werden, Uxtn Aussagn die Vorfälle zum Theil in ganz neuem Lichte zu zeigen geeignet sind. Vor allem legen wir Werth auf die mysteriösen Vorereignisse, über welche das Verfahren des öffentlichen Anklägers mit der Begutachtung flüchtig hinweggegangen
ist, daß die Diebstähle selbst Gegenstand einer Anklage nicht sein können, und daß selbst im Falle der Richtigkeit sämmtlicher mit Bezug auf diesen Theil der Ereignisse vorgebrachten Äehauptungen der Gegenstand der Veschuldigung selbst eine andere Beleuchtung nicht erfährt. Niemand, betont der Herr Vertreter der Staatsanwaltschaft, vermag in diesem Falle den Nachweis des Verbrechens zu erbringen, da kein Zeuge zugegen war außer dem todtkranken Ehemann,' dessen Zeugniß mit Rücksicht auf seinen phyfischen und psychischen Zustand nur von äußerst problematischem Werth ist. Angenommen aber auch, der thatsächliche Inhalt beruhe auf correkter Be-. obachtung, so kann doch kein GerichtsHof aus der Thatsache, daß die Angeschuldigte vor Begehung ihres Irrthums die Flaschen eine Zeitlang prüsend betrachtet hat, den Schluß ziehen, daß sie diese Prüfung, zum Zwecke der Ausführung eines Schurkenstreiches vornahm. Warum soll sie nicht, wie sie anführt, halb geistesabwesend darauf gestarrt haben? Nun, diesen Argumenten der Staatsanwaltschaft gegenüber beabsichtigen wir darzulegen, daß der Wille zum Verbrechen von vornherein bei der Beklagten vorhanden gewesen ist. Nicht um eine criminalistische Bestrafung derselben zu bewirken, sondern nur aus Nothwehr führen wir unsern Beweis, um den beabsichtigten Zweck zu erreichen. Und dieser Zweck besteht jetzt nicht mehr allein dank der Umtriebe der Gegenpartei in der Herbeiführung der Trennung, sondern in der Rechtfertigung des Klägers, Commissionsraths Hartwig, vor der Oeffentlichkeit." Sodann benannte ich meine Zeugen und reichte meine Beweisanträge ein, worauf der gegnerische Anwalt für den Fall, daß der Gerichtshof meinem Ersuchen gemäß beschließe, die Borladung mehrerer durch ihre criminalanthropologischen Forschungen bekannten Autoritäten behufs Abgabe von Sachverständigengutachten' beantragte. Ich forderte darauf noch die Ladung des Barons Wardoff od:r Doctor Gembalsky, und Doctor Böhring erklärte sich mit dem . Bemerken hiermit einverstanden, er habe denselben Antrag stellen wollen, die Vernehmung gerade dieses Zeugen liege wesentlich im Interesse seiner Auftraggeberin. Da der Vertreter der Staatsanwaltschaft die Entscheidung dem Gerichtshof anheimstellte, zogen sich die Richter zurück, um nach längerer Berathung den Beschluß zu verkünden. Derselbe ging dahin, daß meinen BeWeisanträgen sowie denen des Gegners in vollem Umfang stattzugeben sei. Das waren also die Resultate der ersten Verhandlung, wie ich sie am Nachmittag desselben Tages in mcinem Eonferenzzimmer dem Banquier und seinem Freunde, Doctor Walter Kainz. unterbreitete. Für den Anfang dürfen wir wohl zufrieden sein." meinte genügsam der Commissionsrath. Ich zog bedenklich die Achseln und entgegnete: Für den Anfang, ja, doch darf ich Ihnen nicht verhehlen, lieber Hartwig, daß der Ausgang'des Processes durchaus noch nicht über alle Zweifel feststeht. Wie? Liegt mein gutes Recht nicht so klar vor Jedermanns Augen, daß ich nothwendig triumphiren muß?" Nach Ihrer Meinung. Der Fernstehende wägt aber nicht nur Ihre, sondern auch die Behauptungen der anderen Partei. Diese besagen das direkte Gegentheil. Da kommt es zuletzt vielfach allein auf die individuelle Anschauung an." Commissionsrath Hartwig schritt unruhig auf und ab. Ich glaubte meines Erfolges ganz sicher zu sein!" rief er mit dem Ausdruck peinlichsten Staunens. Ein Rechtsstreit bleibt immer eine Lotterie," warf Doctor Kainz nachdenklich hin. Nicht immer, aber doch öfters hielt ich ihm vorsichtig entgegen, mich dann wieder dem Banquier zuwendend: Ich muß noch weiter gehen, bester Freund. Kein Zweifel, daß wir vor einem ebenso sensationellen als umfangreichen Processe stehen. Doctor Böhring und seine Klientin werden alle Minen springen lassen. ' Ihre Frau hat es verstanden, sich bereits jetzt der Unterstützung eines Theils der Presse 'zu versichern, der persönliche Eindruck ihrer, Schönheit während der i Verhandlungen wird stark in dieWagschale fallen. Nehmen Sie dazu die Thatsache, daß die Staatsanwaltschaft die Untersuchung gegen sie wegen Mordes eingestellt hat." Sie denken, Michaela wird persönlich im Gerichtssaal erscheinen?" Ich bin davon überzeugt. Ihre Schönheit wird eines ihrer Kampfmittel darstellen. Wir werden dann wohl alles vorbringen und beweisen, was nur irgend den gemachten Wahrnehmungen entspricht; was wir haben, bleiben aber immer nur Indizien. Ein thatsächlicher, vollgiltiger Beweis geht uns ab. Ihr Zeugniß allein genügt nicht, weil es im Grunde nur in einer vagen Beobachtung gipfelt, die zwar eine feste innere Ueberzeugung zu erzeugen, nicht aber den Mangel eines Schuldbeweises oder eines Geständnisses zu ersetzen vermag. Und gestehen wird diese Frau niemals; ihre Ueberführung ist indessen nur möglich, wenn sie entweder gesteht oder wenn wir den Nachweis erbringen, daß sie in t der That betrügerische oder verbrecherische Absichten verfolgt hat." Aber diesen Nachweis wollen wir doch eben erbringen!" Wollen ja, aber ob es gelingen wird? Es müßte sein, daß Doctor Gembalsky unter seinem Eid ein geHeimes EinVerständniß mit Michaela zugesteht " Das wird er nicht," unterbrach Doctor Kainz mich lebhaft. Was fragt ein Bursche wie Wardoff nach einem Meineid? Vorausgesetzt, er er-
schont überhaupt vor Gericht, wovon ich noch gar nicht überzeugt bin." Ist er noch hier in Berlin?" Wahrscheinlich nicht.. ' Wenigstens ist er seit Wochen nicht mehr gesehen worden." ...... Dann dürfte es seine'Schwierigkeiten haben, ihn aufzufinden, wenn er sich nicht finden lassen will. Und er wird sich gewiß nicht finden lassen, denn war Michaela wirklich seinOpfer, so hat er sich verbrecherische Manipulationen zu schulden kommen lassen, die ihm den Weg in's Zuchthaus öffnen würden, und ist er mit ihr im Bunde, so wird er sich hüten, zu ihren Lasten auszusagen." Der Doctor nickte ärgerlich. Plötzlich sagte er: Wenn wir nur damals die Unterredung mit Sophia Wassiloff nicht verpaßt hätten." Ist das die Dame aus Petersburg von der mir der Commissionsrath seinerzeit sprach?" Dieselbe, Herr Justizrath." So muß ich Ihnen allerdings recht geben, Herr Doctor.. Sie würde unier allen Umständen eine wichtige und bedeutsame, vielleicht gar ausschlaggebende Zeugin gewesen sein. Ihr Aufenthalt ist Ihnen nicht bekannt?" Absolut nicht." Könnte man nicht in Petersburg Erkundigunaen nach ihr einziehen?" , ' Ich Zweifle, ob das viel helfen würde," gab der Banquier verdrießlich zur Antwort. Wenn wir Sophia Wassiloff zur Stelle schaffen oder doch ihr Zeugniß auf irgend eine Art bekommen könnten, so hätten wir möglicherweise gewonnenes Spiel. Wenn mich nicht alles trügt, so weiß diese Person gerade das, was uns fehlt, und scheint auch geneigt, ihr Wissen aus ngend welchen Gründen mitzutheilen, wenn ihr hierzu .die Möglichkeit geboten wird." ., Schweigend verharrten wir einige Minuten in ernstester Ueberlegung. Ich stand mit dem Rücken gegen meinen Schreibtisch gelehnt. Doctor Kainz saß am Fenster, der CommissionZrth ging noch immer auf und ab. Da erhob sich mit einem Male der Doctor und sagte entschlossen: Arthur. ich reise nach Rußland!" . Wir blickten beide überrascht nach ihm hin. Ich reise," wiederholte er ruhig, ohne das geringste Zögern in seinem Ton. Schon einmal habe ich mehrere Tage der Lösung der Aufgabe gewidmet, um die es sich hier handelt. Ich setze meinen Stolz hinein, sie doch noch zu finden. Es wäre eine ewige Schande, wenn es der frechen Betrügerin gelingen sollte, über unser gutes Recht zu triumphiren oder gar Deinen armen Kindern einen großen Theil ihres Erbes zu entreißen. Das kann und darf nicht sein, so lange ich noch Athem in mir habe, dagegen anzukämpfen." Hartwig trat auf den Doctor zu, ihn gerührt an die Brust schließend. Du treuer. Du alter Freund! Um meinetwillen willst Du Dich den Beschwerden, ja vielleicht Gefahren einer so weiten Reise aussetzen! Nie und nimmer werde ich dazu meine Einwilligung geben." Mit oder ohne Einwilligung ich fahre nach Rußland. Ich will versuchen, Sophia Wassiloff aufzufinden, auch wird es mein Bestreben sein, über das Vorleben Michaelas genaue. Nachforschungen anzustellen. In vier Wochen kann ich zurück sein." Trotz unserer 'Widerrede beharrte Doctor Kainz bei seinem Entschlüsse, den er zwei Tage später wirklich ausführte. Bald darauf meldete er uns seine glückliche Ankunft in der russischen Hauptstadt. Wieder einige Tage später theilte er uns mit, daß es ihm bisher nicht gelungen sei, die Spur der Gesuchten zu entdecken. Seitdem blieb jede weitere Nachricht aus. Wir harrten von Tag zu Tag, der Banquier verzehrte sich in Qual und Sorge, umsonst, keine Post brachte die so ängstlich erwartete Kunde, kein Eisenbahnzug trug den so schmerzlich Ersehnten zurück. War ihm ein Unfall zugestoßen? Wir richteten mehrere Anfragen nach Rußland, so an Kawelin. Hartwigs Freund, an die deutsche Gesandtschaft, an die Petersburger Polizei, ersterer hatte wohl den Besuch des Vermißten empfangen, ihn seitdem aber nicht wiedergesehen, die andern wußten überhaupt nichts von ihm oder wollten nichts wissen. So hieß es denn sich in Geduld fasfen. Doctor Kainz war ein energischer Charakter, idj suchte '-daher die Besorgnisse, die mein Klient bezüglich seines Schicksals hegte, immer 'wieder zu zerstreuen. Er wird schon wiederkommen," erklärte ich und stellte in der sicheren ErWartung, seiner baldigen Rückkehr den Antrag auf weitere Verschiebung des inzwischen anberaumten Termins um vier Wochen. Meinem Gesuch wurde bereitwillig entsprochen. Während dieser Zeit agitirte Frau Hartwig, die sich in einer Privatwohnung in Schonebtrg einquartirt hatte, munter weiter, fuhren die Zeitungen emsig fort, ihre Leser mit Einzelheiten aus dem bevorstehenden Proceß zu imterhalten. Im Vordergrunde ihrer Schilderungen stand die geheimnißvolle Person Gembalskys, von dem die abenteuerlichsten Geschichten Verbreitung und Glauben fanden. Bald sollte er ein russischer Detectiv, bald ein Nihilist, bald ein verkleideter Fürst sein. Zuletzt beherrschte seine mysteriöse Gestalt den ganzen Proceß, wenigstens in der Aurfassung der großen Masse. Man sprachund schrieb nicht mehr vom Proceß Hartwig, sondern vom Proceß Gembalsky.. und diese Bezeichnung blieb ihm bis zuletzt, unter ihr Deröffentlichten die Zeitungen ihre Berichte über die Verhandlungen. Der Beginn der letzteren wurde end ailtia auf Montea den 14. November-
1837 stikgesetzt. Der bedeutsame Tag kam heran und Doctor Kainz war noch nicht zurückgekehrt! - " ' Trotzdem die Verhandlungen in einem der größten dem Landgericht II zur Verfügung stehenden Räume stattfanden, erwies sich der Saal für die Zahl der Wißbegierigen als viel zu klein. Lange vorher schon waren dr? Zulaßkarten vergriffen, vor den Thüren und Thoren drängten sich dieMenschen, es war, als fände eine interessante Theatervorstellung statt, deren Anblick zu den gesuchtesten und höchsten Vergnügungen zähle. Der Zuhörerraum zeigte sich bis in seine entferntesten Ecken gefüllt, bis an die Eingangsthür standen die Zuhörer Kopf an Kopf; Männer, Frauen und Mädchen, kaum im Stande, sich zu rühren, bereits vor dem Anfang schwitzend und pustend und ihre Empfindungen austauschend. Im Verhandlungssaale selbst hatten zahlreicke Richter, Anwälte und Referendare ' Platz gefunden, theils hinter den Gerichtstischen, theils seitwärts an den Fenstern oder auf den Zeugenbänken. . In ihrer Gesellschaft befanden sich mehrere Damen, ihre Gattinnen oder Töchter, sowie einige Aerzte und Professoren, welche die das Gebiet . der , Sug'gestion berührenden Phänomene- des Processes studiren wollten, gleichwie die Juristen die Rechtsfrage vorwiegend beschäftigte. Ein langer schmaler Tisch vor der den Zuhörerraum abschließenden Barriere diente den Bedürfnissen der Berichterstattung.. Nicht weniger als zweiundzwanzig Zeitungsvertreter und Stenographen saßen hier dicht nebeneinander, emsig die Bleifedern Handhabend. Zwei Reihen Stühle vor der für die Presse bestimmten Tafel waren für die Zeugen und Sachverständigen reservirt, im Ganzen gegen fünfzig Personen beiderlei Geschlechts, auf die ich im Laufe meiner Darstellung noch zurückkomme. Zu beiden Seiten einander gegenüber die Vertreter der Parteien, Doctor Böhring und meine Wenigkeit. Rechts. und links im Vordergrunde die Tische desStaatsanwalts und des Gerichtsschreibers ' der Staatsanwalt ist in allen Ehesachen zur Mitwirkung befugt , in der Mitte der gründeHangene Gerichtstisch, hinter ihm oie drei Richter. Den Vorsitz führte wie früher Landgerichts - Direktor von Schreiber. Die Sitzung sollte eben beginnen, die Glocke schlug gerade zehn Uhr, als eine verschleierte, in Schwarz gekleidete Dame in den Gerichtssaal eintrat. Rechksanwalt Doctor Böhring ging sofort auf sie zu, sie mit ermuthigendem Lächeln und freundlichem Händedruck bewillkommnend. Aller Augen' wendeten sich auf sie, selbst am Richtertische rief ihre Ankunft eine unverkennbare Bewegung hervor. Der leise Ruf: Das ist sie,- wanderte durch den Zuschauerkreis. Mit graziöser Bewegung schlug sie den Schleier zurück und enthüllte den Anwesenden ein schönes, blasses Antlitz mit würdebewußtem, aber leidendem Ausdruck. Sie warf nur einen einzigen flüchtigen Blick rund umher, dann verbeugte sie sich ehrerbietig gegen den Gerichtshof und den Staatsanwalt und nahm neben ihrem Anwalt auf einem Stuhle Platz. Vom ersten Moment an, konnte ich gewahren, riefen ihre Schönheit, ihre hoheitsvolle und doch bescheidene Haltung einen tiefen Eindruck hervor. Nun ertönte die Klingel des. Vorsitzenden die Sitzung war eröffnet. Es erfolgte der Aufruf der Zeugen und Sachverständigen. Ich nenne von ersteren vorläufig Jrmgard und Walter Hartwig,- die Kinder des Banquiers, Doctor Blüthner, Kassirer Nattmer, ferner den Kassenboten Wolf, einige private und geschäftliche Angestellte in Hartwigs Hause, Käthe Friedrich und ihre Mutter, den Baron von Rabenau, den Schauspieler Balding, Olga von Haldenborn und ihren Bruder, den Assessor, sowie mehrere andere Mitglieder des Genieclubs"; als Sachverständige - waren geladen Kreisphysikus Sanitätsrath Doctor i Börner, Professor Bittmann, der Leiter einer Nervenklinik; Sanitätsrath Doctor Witte, Professor Hellbach, ver Vorsteher einer Heilanstalt für Morphiumsüchtige, und die Gerichtsärzte Doctor Mönch und Doctor Altenau. Bei dem Aufruf der Zeugen fehlten zwei. Doctor Walter Kainz m Rasch trat ich an den Gerichtstisch, ,wo ich den Grund der Abwesenheit des Zeugen bekannt gab. Es wird fast unmöglich sein, ohne den Zeugen zu verhandeln," ergänzte ich achselzuckend. Vielleicht empfiehlt es sich, eine nochmalige Vertagung des Termins anzuordnen, um so mehr, da auch ein. anderer wichtiger Zeuge, Doctor Gembalsky. nicht erschienen ist, den wir für unsere Zwecke nicht zu entbehren vermögen." ' Doctor Gembalsky wurde aufgerufen keine Antwort. Der Vorsitzende blickte fragend nach dem Staatsanwalt hin. . ' Assessor Hörchner erhob sich. Wann ist die Rückkunft des Herrn Doctor Kainz zu erwarten?" fragte er. Jeden Tag,".erwiderte ich. Dann, denke ich wohl, dürfen wir ruhig in die Verhandlung eintreten." Aber auch Doctor Gembalsky hat dem Rufe des Gerichts nicht Folge geleistet, und er ist ein ebenso belangreicher Zeuge." Der Vorsitzende constatirte aus den Akten, daß , der Genannte allerdings vorgeladen, die Zustellung jedoch unmöglich qewesen sei. Der angebliche Doctor Gembalsky hat Berlin bereits seit mehreren Wochen verlassen. Niemand weiß, wohin er sich gewendet." Hat man bei der russischen Gesandtschaft hier nachgefragt?" Doch, aber umsonst,- beschied.mich Herr von Schreiber.-
Vielleicht kennt Madame Hartwig seinen Aufenthalt." bemerkte ich mit einem halb ironischen Blicke nach, der Bellagten. Der Vorsitzende richtete sofort eine dahinzielende Frage an Michaela. Die schöne Frau antwortete mit einem stolzen und kurzen Nein". Ich fuhr fort: Der Herr hatte auch Beziehungen zu den Zeuginnen Fräulein Friedrich und Fräulein von Haldenborn; es dürfte sich empfehlen, auch diese Damen nach, seiner Adresse auszuforschen." Sofort rief Herr von Schreiber die Zeuginnen vor; beide erklärten in ziemlich kleinlauter Weise, das gegenw'artige Domizil des Abenteurers nicht zu kennen. Seit er die Hauptstadt verließ, hatten sie nichts weiter von ihm gehört. Die Frage ist nun, ob wir 'ohne Doctor Gembalsky verhandeln oder noch einen Versuch unternehmen, seiner habhaft zu werden," wandte der Vor1 sitzende sich an die Parteien. Bitte, äußern sich die Herren darüber. Herr Justizrath?" , Ich betonte unser weitgehendes Intcresse an Gembalskys Anwesenheit. Nur hege ich Zweifel, daß wir ihn ausfindig machen. Offenbar fürchtet er sich, auszusagen, er will nicht erscheinen, da er entweder sich selbst oder die Beklagte belasten müßte. Wer, weiß, vielleicht ist er' gar noch unter anderem Namen in der Nähe. Nach meiner heiligsten Ueberzeugung' würde Frau Hartwig uns die zuverlässigste Auskunft zu geben im Stande sein, wenn es ihr nur beliebte." Hier stand Doctor Böhring rasch auf, um mit scharfer Stimme gegen jede Beleidigung seiner Klientin zu protestiren. Wir haben dasselbe Interesse an der Vernehmung des Zeugen wie die Gegenpartei; hätten wir eine Ahnung seines Aufenthaltes, so würden wir nicht verfehlen, denselben dem Gerichtshof zu signiren." Unter solchen Umständen schien es zwecklos, um Gembalskys willen einen Vertagungsbeschluß herbeizuführen. ' Wir finden den Mann doch nicht, außerdem muß die Verhandlung ohnedies vertagt werden, wenn Doctor Kainz nicht rechtzeitig zurückkommt. Nachdem die Zeugen abgetreten waren, bestimmte der Gerichtshof.' ungeachtet meiner Erklärung, daß Commissionsrath Hartwig noch hochgradig angegriffen und nervös sei, derKläger habe persönlich an Gerichtsstelle zu erscheinen, da seine Anwesenheit cmS mannigfachen Gründen unbedingt erforderlich sei.. Der Banquier wurde sofort telephonisch benachrichtigt und erschien nach etwa einer Stunde mit fahlem, fast blutlosem Gesicht im Gerichtssaal, wo er sich, jede Prüfung, feiner Umgebung fcheu vermeidend, auf einem Stuhl neben mir niederließ. Der Proceß beginnt leider rmter ungünstigen Auspizien," flüsterte ZH ihm in's Ohr. Gembalsky ist derschwunden, Doctor Kainz noch nicht wieder da, was sollen wir ohne die beiden Männer anfangen?" ; j Wer weiß, ob wir meinen cmnm Freund überhaupt j wiedersehen, gab er mir traurig zurück, und seine Lippen zuckten in nervösem Krampfe. Noch warf der Vorsitzende die Frage auf, ob von einer der Parteien der Ausschluß der Oeffentlichkeit beantragt werde. Der Staatsanwalt hatte keinen Antrag zu stellen. Ich gab die Erklärung, daß meinem. Bevollmächtigten, nachdem er seit Wochen in der Presse der Gegenstand der weitestgehenden Angriffe geworden, an der Abspielung des Processes vor. der weitesten Oeffentlichkeit gelegen sein müsse. Seine Ehre ist vor der. Oeffentlichkeit angegriffen, sie muß vor derselben Instanz wiederhergestellt werden. Nachdem so viel von den Vorgängen in das Publikum gedrungen ist, haben wir demselben ohnedies wenig mehr zu verbergen." " ; ' ' , Doctor Böhring entschied sich ebenfalls für die vollste Oeffentlichkeit des Versahrens. Wenn Jemand, so hat meine Klientin, die in ihren heiligsten Rechten' und Empfindungen verletzte Frau, ein Interesse daran, ihre. Ehre vor der Welt wiederhergestellt - zu sehen. Wir haben nichts zu verstecken, nichts zu fürchten! Wir wünschen Klarheit und Wahrheit!" t '. . Unter lautloser Stille wurde der Scheidungsantrag von mir verlesen und begründet. Ich vermeide es, ; bereits Erzähltes zu wiederholen, des halb gehe ich nicht näher auf den Inhalt meiner Ausführungen ein. Ich gab eine ausführliche Darstellung ;t4 . Verhältnisses zwischen Arthur Hartwig und seiner Gattin vom Augenblick der ersten Bekanntschaft an bis zu' der Verweisung, aus der Villa in Westend. Ich enthielt mich im ersten Theil jedes Urtheils und verzeichnete nur Facten. An den Bericht über die Reise nach und die Flucht aus Rußland reihte sich 1 die Ausmalung der Diebstahlsaffaire, vie Darstellung der Forschungen des Doctors, dieSchilverung des Vergiftung'sVersuches. Doctor Gembalskys Ver.-' Haftung , und W'ederfreilassung, das Auftauchen und Verschwinden 'der Dame aus Petersburg, der Plan ;der russischen Reise, alles ward getreulich beschrieben. Im Anschluß hieran ! geschahen die nothwendigen juristischen Erörterungen, die zuletzt in dem Antrage auf 'Scheidung der Ehe mit Michaela gipfelten. ! Ich wußte vorläufig nichts weiter hinzuzufügen. Mein r Gegner beschränkte sich darauf, den Folgerungen der Klage im allgemeinen zu widersprechen. Die Correkthsit der thatsächlichm Feststellungen gab er ohne weiteres zu. Er stellte dcn Antrag auf Abweisung der Klage. Der Vorsitzende wandte sich ti zu dem Banquier. ! , Herr Commissionsrath, wir haben seinerzeit Ihrem Antrage, die AbZal- - tung eines Sühnetermins all : aus
sichtslos zu unterlassen, stattgegeben. Trotzdem halte ich es für meinePflicht, noch einmal an dieser Stelle die ernste Frage an Sie zu richten: Fühlen Sie gar keine Neigung in sich, die Differenzen mit Ihrer Frau Gemahlin auf gütlichem Wege zu begleichen und die Beklagte wieder in Ihre häusliche Gemeinschaft aufzunehmen?" Nein," antwortete dumpf der Banquier. Warum nicht?" Weil das Vertrauen zu ihrer Ehrlichkeit, der Glauben an ihre Liebe in mir erloschen ist! Lange genug habe ich in meiner Verblendung beharrt, zu meinem' Verderben. ' Der Vorfall an meinem Krankenlager, hat mir zum Glück rechtzeitig die Äugek geöffnet. Ich darf bei Gott schwören, daß mir mein Entschluß nicht leicht geworden ist, aber es ist mehr in mir zerstört worden, als jemals wieder aufgebaut werden kann. Mein Herz blutet noch jetzt bei ihrem Anblicke. Ich weiß nicht, ob ich sie nicht sogar noch liebe, wenigstens bemitleide ich sie auf das tiefste, allein die Rechte einer Gattin kann ich ihr nie wieder .einräumen, denn ich achte sie nicht mehr!" Mein Klient sprach diese Worte leise, aber mit fester Stimme, nur in feinem Blick offenbarte sich die Heftigkeit feiner inneren Bewegung. Aller Augen kehrten sich der Frau zu, von welcher die, Redewar; still, den Kopf in die .Hand gestützt, welche zugleich ihre Augen bedeckte, saß sie auf ihrem Platze, bis der Vorsitzende des Gerichtshofes jetzt auch zu ihr redete, sie auffordernd, auch ihren Willen kund zu thun, wie ihr Mann soeben gethan. Langsam, wie zögernd, stand sie auf. Sie .war sehr blaß, sehr erschüttert, sehr aufgeregt. Aus ihren Zügen starrte ein aufrichtiger Schmerz, der mit rührendem Flehen allgemeine Theilnahme anrief. Ihre Rechte fest auf das Herz pressend, erwiderte sie in kaum vernehmbarem Toner Was habe ich noch zu. sagen,, wenn er so zu mir gesprochen hat? Ich kann, ihn nicht zwingen, mich zu lieben; was ich gegen ihn vertheidige., ist meineweibliche Ehre!" Sie wurden also,, wenn ich Sfr recht verstehe, wieder zu Ihrem Gatterr zurückkehren, nach allem, was geschehen ist?" i Gespannt blickte- ich die so Befragte an, mit derselben Empfindung hingen, alle anderen Anwesenden an ihr, vom Gerichtsdirector biä zum Kriminalstudenten. Erlassen. Sie mir die. Antwort,. Herr Präsident," hauchte sie. leise. Hastig stand Doctor Böhring neben, ihr auf und rief halblaut: Bezwingen. Sie. sich, gnädige Frau,, Sie sind, es Ihrer Sache schuldig,, die Stimme der Wahrheit hören zir. lassen. Sie wollen, , sagen, daß. Sie jeden. Augenblick bereit sind, zu Ihrer Pflicht, zurückzukehren,, nicht wahr?" 1 Verlegen, senkte: Michaela das Haupt. . und flüsterte: Ja." , ,Jhr Herz hat. ihm. Liebe und Treue bewahrt, nack allem, was geschehen ist?" wiederholte der Anwalt laut und nachdrücklich, indem ex scharf und ernst zu ihr aufsah. Die junge Frau beschattete ihre Augen mit der Hand, um eine Thräne zu. verbergen, die sich verrätherisch dort enthüllte. Mit halb erstickter Stimme herauspressend: .GoU vergebe ihml" sank sie leise schluchzend auf ihren. Stuhl nieder und zog den Schleier, be schämt über ihr Gesicht. - Gnädige Frau, fassen' Sie sich,"' raunte ihr Doctor Böhring zu, doch so dafc man es fast überall vernehmen, konnte. .Dann sah er sich prüfend im, Saale um. um den Eindruck zu erspähen, den das Debüt seiner Klientin. gemacht. Ein Blitz des Triumphs zuckte über das hagere, weiße Antlitz, dem er rasch wieder den Stempel jenes ruhigen, objektiven Ernstes aufprägte,, des sen Zurschautragung an Gerichts stelle i selbst in den bewegtesten Momenten von Richtern und. Anwälten als Ehrensache betrachtet wird. Der kleine, ehrgeizige Mann konnte zufrieden sein; überall hörte man leise Ausrufe der Bewunderung und des Mitleids. Der berühmte Vertheidiger kannte sein Auditorium und verstand sich auf Mittel, die elementare Wirkung noch zu erhö-1 hen; . im Flüstertone beauftragte er einen Gerichtsdiener, der Dame ein Glas Wasser zu besorgen, und als es gebracht wurde, ergriff er es vorsichtig und graziös und reichte es ihr mit einigen Worten, die man im Zuhörerräum nicht verstand, ehrerbietig dar. - Sie dankte ernst und stellte es, nach-; dem sie 'die Lippen benetzt, vor sich auf den Tisch, ein kleines unschuldiges Manöver, das jedoch vom Publikum in all seinen Phasen mit Spannung verfolgt wurde. Ich lächelte spöttisch; ich kannte jetzt meine Leute.genau. . Die Vernehmung des Banquiers fand statt, im Wesentlichen eine Wiederholung der Klage. Als. er auf den Baron Wardoff zu sprechen kam, wurde er vom Staatsanwalt unterbrachen. . ' Herr Eommissionsrath, sind Sie im Stande, uns genauere Mittheilungen über'Herkunft, Charakter und Lebensweise dieses Mannes zu unter- ' breiten?" Bedaure. Ich weiß nichts weiter, als was in der Klageschrift angeführt ist." Sie halten den angeblichen Doctor. Gembalsky für einen Betrüger?" .Ja." Wie erklären Sie sich aber seine plötzliche Freilassung nach seiner VerHaftung?" . ' . Vielleicht hat er es verstanden, die Polizei zu täuschen." Sie behaupten auch, daß es sein Einfluß gewesen ist, der zur sofortigen Ausweisung von Sophia Wassiloff geführt?" . - . ES muß wohl so sein."' - j (Fortsetzung folgt.)
JürdieMchö. ' l Sauerkrautsuppe. Man kocht zunächst eine recht kräftige Bouil lon aus Rindfleisch, Knochen und reichlichWurzelwerk. Inzwischen wäscht man 1 Pfund' rohen Sauerkohl gut aus, läßt ihn abtropfen und hc.ckt ihn fein. Eine große, recht fein gehackte Zwiebel schmort man in Butter gar, giebt alsdann den Kohl dazu, läßt bei des zusammen unter fleißigem Rühren weiter dämpfen und giebt langsam durch ein Sieb zwei Löffel Mehl dazu, worauf man die Masse mit so viel der obenerwähnten Brühe verrührt, als für den Tisch nöthig ist. Inzwischen, hat man etwas Bratwurst oder Saucischen gebraten, schneidet davon kurze Stücke, die man enthäutet und in die Suppenterrine giebt, wonach man di: heiße Suppe darüber gießt. Nach Belieben kann man auch mit etwas Sup-pen-und Schweinefleisch ganz kleine Fleisch-klößchen bereiten, braten und anstatt der Wurst an die Suppe geben. Gebackener Blumenkohl. Den geputzten Kohlkopf schneidet man. in nicht zu feini Zweige und kocht ihn in Salzwasser gar. Inzwischen bereitet man einen dünnen, salzigen Ausbackteig, wie etwa zu Apfelschnitten. Ist der Kohl fertia, so läßt man ihn erkalten und möglichst trocken abtropfen, taucht ihn alsdann in den Teiz und bäckt ihn in Fett zu schöner Farbe. Nach Belieben kann man die Koblzweige auch in Ei Und Semmel wäl zen, oder sie in eine dicke, weiße holländische Sauce tauchen, mit Semmel bestreuen, und dann erst in Fett aus-' backen. Das Gericht sieht sehr hübsch aus, schmeckt sehr schön und ist mit Zungenschnittchen servirt ein feiner Gang. Geröstetes Rindfleisch. Ein Pfund abgelagertes, gutes Rind-, fleisch vom Schwanzstück oder Filet Wird gut mürbe geklopft und mit scharfem Messer in thalergroße Stücke geschnitten. Sodann macht man in einer Pfanne gutes Fett heiß, giebt eine gehackte Chalotte und das Fleisch hinein, streut, ein wenig Mehl darüber und eine Prise Pfeffer. Auf lebhaftem Feuer röstet man alles einige Minuten, länger nicht. Hernach salzt man. giebt ein paar Löffel Fleischbrühe und nach Belieben etwas Eisig oder Wein daran. Rasch läßt man noch ein wenig verzie hen und richtet sofort an. Gedämpfte Kalbszunge. Die Zunge wird in Salzwasser abgekocht, dann geschält und nach einigem Verkühlen fein gespickt. Hierauf schneidet man sie der Länge nach ein, so' daß sie sich flach in den Tcpf legen laßt und herzförmig aussieht. Man setzt sie mit Butter, Zwiebelscheiben, einer gelben Rübe und einer Gewürznelke, sowie I dem nöthigen Salz und Pfeffer auf und läßt sie langsam zn schöner'brauner Farbe dämpfen, wober man von Zeit zu Zeit etwas von der Zungen brühe zugießt. Später fugt man eine Tomate zur Saure, legirt diese noch mit. etwas Mehl, streicht sie durch ein Sieb und gießt sie beim Anrichten über die Zunge. GeKratener Lammsrücken. Man häutet und spickt den Rücken, bestreut ihn mit Salz und brät ihn unter fleißigem Vegießen in gut geheiztem Ofen in Butter gar. wozu etwa j Stunde erforderlich sein werden. Nachdem. man den Fond von den Wänden der Pfanne losgeschält und das über.flüssige Fett abgeschöpft hat, verkocht man die Sauce mit Unze in kochendem Wasser aufgelöstem 'Fleisch-Ex-traktMacht sie mit ein wenig angerührtem Mehl seimig, schmeckt sie noch ein mal ab und servirt sie. Lamm in Aspic. Das Fleisch eines jungen Lammes wird in zierliche gleichmäßige Stücke zerlegt und unter Hmzufügung von 2 Kalbfüßen in Salzwasser zum Kochen gebracht, wobei man den. Schaum sorgfältig abnimmt; nun fügt man Quart halb Weißwein, halb Weinessig, etwas Fleischextrakt, den Saft von 2 Citro. nen, 2 Lorbeerblätter, einige Nelken. Pfefferkörner, etwas Muskatblüthe und Citronenschale hinzu und läßt das Fleisch langsam weich dämpfen. I)ann hebt man es aus der Brühe, läßt diese noch einkochen, rührt den steifen Schnee von 34' Ciweißen hinzu, läßt die Brühe damit klar kochen und seiht sie durch ein Tuch. Eine glatte Form spült man mit Wasser aus, legt das Fleisch hinein,' gießt die Brühe darüber und läßt diese Speise auf Eis erstarren. Hat man kein Eis -zur Verfügung, so ist es gut, die Speise am Ta ge zuvor zu machen und sie an einem kalten Orte aufzubewahren. Nachdem sie gestürzt, giebt man eine Remoula densauce dazu. Eierspeisemit geräucher te m F i s ch. Hierzu kann 'jede Sorte Räucherfisch verwendet werden. Man schneidet das Fischfleisch in möglichst gleich große, dünne Stückchen, legt diese in eine Omelettepfanne auf heiße Butter und schüttelt sie darauf so lange, bis das Fischfleisch genügend erwärmt ist. Nun giebt man in die Pfanne noch etwas vorgewärmte Sardellenbutter, läßt sie über Gluthfeuer heiß werden und schlägt darauf und auf das Fischfleisch eine beliebige Zahl frischer Eier (Spiegeleier), die man damit anziehen läßt. Sobald das Weiß der Eier angezogen hat, rutscht man die Speise auf eine heiße, flache Platte, ziert sie mit einem' Sträußchen grüner Petersilie und trägt die Speise (sehr heiß) mit Sauerkraut oder Salat zu Tisch. Ctait Spiegeleiern kann man auch Rühreier mit Räucherfisch nehmen; in diesem Falle wird die Speise auf frisch ausgebackenen . Weißbrotschnitten aufgetragen, für je eine Schnitte ein guter Eßlöffel voll und recht heiß über eine Serviettt geleat auf einem Teller' servirt.
