Indiana Tribüne, Volume 23, Number 214, Indianapolis, Marion County, 22 April 1900 — Page 7

tzs sollte Ulcht sein. ladj dem Italienischen von HanS Liesal. In dem Vorzimmer der Poliklinik irängte sich flüsternd die bunte Menge der Männer, Frauen und Kinder. - Das Zimmer für Augenkrankheiten?" fragte eine bebende Stimme. Dort hinten, die letzte Thüre." Eine zarte, blasse Frau, die trotz ihrer ärmlichen Kleidung das Aussehen einer Dame hatte, hielt ein Kind mit verbundenem Köpfcken gegen die Brust gedrückt und ging zögernd auf die bezeichnete Thüre zu. Wie ermüdet blieb sie an der Mauer lehnen, das Gesicht mit einer heißen Rothe Übergossen, welche sie für den Augenblick wieder frisch und schön erscheinen ließ. 'Sei still, Herzchen, nicht weinen sagte sie leise, das Kind zärtlich küssend. Aber das kleine Wesen jammerte laut, wie in nervöser Ungeduld, wie in leidenschaftlicher Auflehnung gegen die Qualen, die ihm auferlegt waren. Das Mitleid ist eine Blume, die in den Gärten der Armen am besten gedeiht; sofort drängten sich andere Irauen, andere Mütter um sie. Armes Kind! Was fehlt ihm?" Nicht weinen, Engelchen, sonst wird's noch schlimmer." Armes Vürschchen, muß es schon lange so leiden?" Sie. die Mutter, litt sichtbar unter dieser gut gemeinten Neugierde; sie beentwertete höflich, aber einsilbig die fragen und hörte all die verschiedenen Rathschläge mit einem Blick an, der deutlich den brennenden Wunsch ausdrückte, zu fliehen und ihr Elend den anderen zu verbergen. Sie setzte sich in eine Ecke und wariete. Von Zeit zu Zeit. 'öffnete sich jene 55hüre, um die Abgefertigten herausund andere einzulassen. Sie wagte nicht, sich vorzudrängen, lieber wollte sie die letzte sein; es schien ihr, daß sie dann, mit dem Doctor allein gelassen, cuch mehr Muth haben würde. Sie sind hier fremd, nicht wahr? Man sieht das." sagte eine der ffrauen, eine Fischhändlerin, sich vor sie aufpflanzend. Sie neigte bejahend das Haupt. Es ist das erste Mal, daß Sie in die Poliklinik kommen?" fragte jene weiter. Eine große Wohlthat für uns Arme." Das uns" war mit besonderer Betonung ausgesprochen, begleitet von einem schnellen Blick aus das zierliche Hütchen der jungen Frau, das noch Anspruch auf Eleganz machte. Wer ist der Arzt?" fragte die Andere plötzlich, als wolle sie diese grausame Musterung unterbrechen. Oh, ich habe kein Namensgedächtniß. Aber ein tüchtiger Doctor, wissen Sie. Ich hatte ein halbblinde Schwzster und würden Sie es wohl glauden? In weniger als einen Monat hatte er sie geheilt.- Er hat schon wunderbare Kuren gemacht!" , .Ist er alt?" ' Warum nicht gar! Er könnte mein Sohn sein. 'Ein schöner, junger Mann, mit einem Bart und ein paar Augen .... ah, die sind nicht krank, die seinen!" Vorwärts!" ertönte die gewöhnliche Stimme von der Thür. Kommen Sie jetzt auch mit herein," rief die Fischhändlerin, und, der jungen Frau den Arm bietend, zog sie dieselbe mit sich. Es war ein helles, großes Zimmer. das sein Licht von oben empfing und nur sehr wenige Möbel auswies. EiIlige Tische waren beladen mit Verdandstoffen, chirurgischen Jnstrumenttn und Flaschen und Fläschchen jeder Farbe und Größe. Der junge Arzt, in weißem Operationsrock, erwartete die Eintretenden, währen seine beiden Assistenten Binden und Compressen vorbereiteten. Vorwärts, einer nach dem anderen; es ist unnöthig zu drängen. " Es klang gebieterisch, aber nicht unfreundlich. und der Blick,' mit dem er die Menge streifte, verrieth ungewöhnliche Intelligenz und Energie. , .Oh!" Ein unterdrückter Schrei, wie der klagende Ton einer zersprungenen Saite, ertönte aus der letzten Reihe der Eintretenden. Was gibt's?" fragte der Arzt, die Stirn runzelnd. Niemand antwortete, noch bekümmerte man sich sonderlich um jenen Ton; Schmerzensschreie waren ja hier so häufig zu hören. Aber es war kein körperliches Leiden, was der jungen Frau diesenSchrei entlockt hatte und sie jetzt das tieferblaßte Gesicht voll Scham in dem Schürzchen ihres Kindes verstecken ließ. Inzwischen hatte der Arzt die Uniersuchungen begonnen; das Blui färbte oft seine Finger, die Körper der .Kranken wanden sich vor Schmerzen, die Stimmen durchliefen die ganze Stufenleiter der Laute, durch welche der Mensch ausdrückt, daß er leidet. Nein, nein! Genug, Herr Prcfessor, genügt." Jch bin fertig. Noch ein wenig Ge duld. Zum letzten Mal. Muth! Sehen Si:!" Die schöne, sonore Stimme tröstete mit dem warmen Ausdruck des Mitleids über alle Schmerzen hinweg. Arme Frau! Ihr seid wohl weit gegangen?" fragte er eine Bäuerin, die sich erschöpft an die Wand gelehnt hatte. Setzt Euch dort in die Ecke, um ein bischen zu ruhen, ich nehme Euch dann zuletzt vor." Und Du, Kleiner, was fehlt Dir denn?" Die Mütter hielten ihm die Kinder; die größeren setzten sich wohl auch resignirt aus den Stuhl und erhoben von selbst das arme, gequälte Antlitz. Und von Neuem begannen die Bitken und die Schmerzensrufe, und e: arbeitete mit ruhiger Gelassenheit, ohne eine Bewegung der Ungeduld ode? des Ueberdrusses, ohne . ein hartes Wort für die armen Kranken zu haben.

Draußen lachte die Fruhlingssonne vom blauen Himmel, und alle Versu chungen des Lebens warteten wohl seiner, aber er hatte bei Zeiten gelernt, sie zurückzuweisen, sich zu beherrschen mit jener Willenskraft, jenem erhabenen Opfermuth, welcher die erste Charaktereigenschaft jedes Arztes sein muß. , Die Patienten entfernten sich einer nach dem andern; auch die Fischhändlerin neigte sich jetzt zu der jungen Frau: Auf Wiedersehen," flüsterte sie, ich bin fertig; aber Sie müssen auch versuchen vorzukommen. Heiliger Gott! Sie sind ja weißer als frisch gebleicht?s Linnen. Haben Sie Angst? Fühlen Sie sich unwohl?" Nein, es ist nichts. Danke." Sie war' allein geblieben, als die Letzte. Mit starren Augen blickte sie vor sich hin. Plötzlich schnellte sie empor, der Arzt hatte sie angerufen. Kommen Sie, ich habe nur noch wenige Minuten Zeit." Sie hielt ihm mit bebenden Händen das Kind entgegen. Der Arzt ver mochte einen erschreckten Ausruf nicht zu unterdrücken. Aber das ist sehr schlimm! Warum sind Sie nicht früher gekommen? Warum haben Sie so lange gewartet?" Zum ersten Mal sah er ihr iu's Gesicht, um gleich darauf erschreckt zurückzufahren. Jenes Gesicht erweckte Gefühle und Erinnerungen, die er längst erstorben wähnte, plötzlich zu neuem Leben. Ihr Name?" fragte einer der Assisienten. mit der Feder in der Hand vor dem Register sitzend. Earmelita Bocchi," antwortete sie nach einigem Zögern, aber' die Worte kamen so schwach, so zitternd über ihre Lippen, daß der Andere glaubte, schlecht verstanden zu haben. Sprechen Sie deutlich. Carmelina oder Earmelita?" Earmelita," sagte der Arzt. Das helle Licht fiel auf fein schöneZ Gesicht und die in Angstschweiß gebadete Stirn. Er griff nach der auf dem Tische stehenden Wasserflasche, um ein Glas zu füllen, aber seine zitternden Hände gössen alles daneben. Herr Professor!" rief sein Assistcnt verblüfft aus. Doch die momentane Erregung war schon überwunden, und die Hände, die jetzt das Kind erfaßten, um es zu UNtersuchen, zitterten nicht mehr. Das Leben hat ja oft solche grausamen Ueberraschungen. Jene beiden, die sich geliebt hatten mit der ganzen glühenden Begeisterung der ersten Liebe, des reinsten Jdealismus, jene beiden, welche die brutale Wirklichkeit dann trennte, sie standen sich plötzlich wieder Aug' in Auge gegenüber, und der Zufall, der hämische Kobold, lachte aus der Ecke, als habe er eine gute That vollbracht. Seit wann ist das Kind krank?" Das Muttergefühl in ihr überwand alles andere, und sie antwortete klar und deutlich auf alle seine Fragen. Mit dem scharfen, forschenden Blick dessen, der tief geliebt hat, bemerkte er die feinen Fältchen am Hals und an den Mundwinkeln; er las hier und dort, in jeder Einzelheit, die unverwischbare Schrift des Unglücks. Und vor seinem geistigen Auge sah er sie wieder, leichtherzig, blühend, die Verkörperung des Frühlings, in weißem Kleide inmitten der Blumen ihres Gartens stehen, wo er, der Sohn der bescheidenenNachbarn. von Zeit zu Zeit erschien, mit der glühenden Dankbarkeit des Anbeters, dem der Eintritt in das Allerheiligste gestattet wird. Wie viel Zeit ist seitdem verflossen und wie viel Kämpfe. Er hatte sein ganzes Selbst hingegeben, denn er hatte Vertrauen zu seinem Ster.n und wußte, daß die Zukunft ihn ihrex würdig machen würde.... aber dL frischen Rosenlippen hatten ihm gelogen, und die blauen Augen bargen in ihrer Tiefe geheimnißvolle Abgründe. Wie viel Kampf, Thränen und Ungewißheit! Und dann plötzlich aus der stolzen Höhe herabzustürzen und nichts in den Händen zu halten, als die traurigen Scherben des zerstörten Glücks! Um sie abreisen zu sehen, als glückliche, egoistische Braut, die mit einer Bewejung ihrer weißen Hand alle die tollen und süßen Erinnerungen der Bergangenheit verjagte. Er dachte jetzt daran, und eine herbe Genugthuung über seinen eigenen Werth, seinen Ruf, seine Ehren erhob sich in ihm. Was war dies arme, verblühte Wesen, welches sich ihm nahte, ihn um die Rettung ihres Kindes anflehend? Weshalb machte er seinen Sieg nicht vollständig? Ein Wort von ihm konnte seine Rache sein; es war in seiner Macht, ihren blauen Augen Ströme von Thränen der Reue zu entlocken: er konnte sie unter irgend einem Vorwand kalt und grausam fortsenden und ihrem Kinde die Heilung verweigern. Und statt dessen arbeiten seine Heilung bringenden Hnde, fast gegen seinen Willen, an den geschwollenen, fast geschlossenen Augen, und das Blut des Kindes, das mit warmem Strahl über dieselben wegfloß, reinigte auch seine Seele von allen schlimmen Gedanken. . Papa!" schrie der kleine Patient plötzlich auf. als verlang: n vonein:m Vater Hilfe. . .Wo ist er?" fragte der Arzt die tieferröthende Mutter. - Zu Hause. Er ist auch krank und kann sich nicht mehr beschäftigen. Es ist nicht seine Schuld" murmelte sie, mit einem Versuch, -den unfähigen, lasterhaften Mann , zu vertheidigen, der. nachdem er sie in's Elend gebracht hatte, sich nun von ihr erhalten ließ. Jas Kind verlangt tltt ernsthafte, fortgesetzte Behandlung; Sie .müssen zwei-. bis dreimal wöchentlich kom men." Sie blickte ihn forschend an, als wolle sie auf den Grund seiner Seele lesen. Jch wußte es nicht ich schwöre

Ihnen, daß ich es nicht wußtet sprach sie dann leise, fast entschuldigend. Er lächelte nur mit unbeschreiblicher Ironie. . , , . . Sie kam wieder, Wochen-, mcnatelang, gläubig, vertrauensvoll, schweigend. Der Arzt kämpfte mit seinem ganzen Wissen, mit all seiner mächtigen Willenskraft gegen die Krankheit; sie fand ihn immer gut, aber kalt, ohne lebhafteres Interesse. Er fragte sie nie nach Dingen, die nicht mit der Krankheit des Kindes zusammenhingen, und richtete überhaupt nur dann das Wort an sie, wenn es unumgänglich, nöthig war. Für das Kind war er ein anderer, da hatte er Lächeln und Liebkosungen und einen warmen, liebevollen Ton. Einmal schob er ihm, ehe die Mutter es bemerkte, einen Carton Bonbons in das Schürzchen; ein anderes Mal gab er ihm eine kleine Puppe. Und der Kleine selbst hatte angefangen, ihn zu lieben; er fürchtete ihn nicht, obwohl er ihm oft viele Schmerzen bereiten mußte. Manchmal erfaßte er. um nicht zu schreien, krampfhaft den Bart des Arztes, und dieser fand die liebevollsten Worte und die zartesten Bewegungen, um die kleinen Fäustchen zu lösen. Sie bemerkte das alles, und imStillen. allein mit der Stimme ihres ' GeWissens stellte sie Vergleiche an. Die Unthätigkeit. die Herzlosigkeit des Gatten, der unaufhörliche Kampf mit der Noth, die Jagd nach Brot hatte alle Ideale in ihr zerstört. Die harte Stimme, die zu Hause das Kind auszankte, um dessen Klagen zu ersticken, die ihr sagte, daß sie nicht genug arbeite, diese Stimme, die nur Vorwürfe und Drohungen hatte, fand seit langem den Weg zu ihrem Herzen nicht mehr. Ihr Herz begleitete statt dessen den Siegeslauf des Anderen; aus dem bcscheidenen Winkel, in den sie gefallen war. verfolgte sie als schweigende, aber leidenschaftliche Zuschauerin sein ganzes Leben;, hörte jeden Tag von Neuem sein Lob singen und sah immer neue Lorbeeren sein Haupt, umkränzen. Und es schien ihr, als lebe sie mit ihm, als steige sie mit ihm empor von Stufe zu Stufe. Das Kind genas langsam, aber sicher. Durch die Vermittelung des jungen Arztes hatte sie alle Medicinen und Kräftigungsmittel kostenlos erhalten, und der Kleine' blühte infolge der durchgreifenden Behandlung auf, als sei er jetzt erst dem Leben geschenkt. Und so kam der Tag, an welchem der Arzt nach der Untersuchung den Kleinen zärtlicher küßte, als er es je bisher gethan. Nun gibt's für mich nichts mehr zu thun," sagte er dann, ihn seiner Mutter zurückgebend. Was soll das heißen?" fragte sie mit jenem Lächeln der Verzweifelten, das weher thut als lauter Jammer. Er fuhr mit fester Stimme fort: Das soll heißen, daß der Kleine gefund ist daß also...." Sie begriff nun, und sie wollte nicht, daß er zuerst das grausame Wort ausspräche. Also kann ich nichts mehr thun, als Ihnen danken," sagte sie so leise und gezwungen, als koste ihr dieser kurze Satz die größte Anstrengung ihres Lebens. . Er stand unbeweglich an die Wand gelehnt und lächelte seinem kleinen Freund zu. Was thun Sie?" fuhr er plötzlich auf, als habe er einen Schlag empfangen. ' Sie hatte sich über seine Hand gebeugt, ihre brennenden Lippen darauf gedrückt und sie mit ihren glühenden Thränen benetzt. ' - Dann ging sie, das Kind fest an die Brust gepreßt.als könne nur das kleine, unschuldige Wesen ihr verzweiflungsvolles Schluchzen zurückhalten. Durch einen Cylinder.' AuS dem Italienischen von H. Ludwig. Ja, mein Lieber, ich habe mich verheirathet und bin glücklich. Ich sehe im Geiste Dein entsetztes Gesicht und höre bis hierher Dein sonores Lachen ; aber es ist wirklich so und ich selbst theile Dir meine Unterjochung mit. Der unverbesserliche .Gegner der Ehe, der Lebemann, der sich unter kein Joch beugen wollte, der Courmacher aller schönen Frauen Anderer, der von Blume zu Blume flatternde Schmetterling hat seine im. Punkte der Ehe seit 35 Jahren bekannten Theorien verleugnet und ist das Muster ernster ehelicher Treue, ein häuslicher, gesetzter Mann geworden.. Der Teufel ist Mönch geworden, wirst Du sagen. Sage es immerzu, sage, was immer Du willst; aber wenn Du das Wie und Warum meiner Metamorphose wissen willst, so komme, einigeWochen auf meiner neuenBesitzung B. zuzubringen, wo sich seit biet Monaten mein Glück versteckt. Bor Dir babe ich keineFurcht; Du kannst es mir nicht rauben. Dein Julius Bessi." Obgleich der . Schluß des Briefes nicht fehr schmeichelhaft für mich war, nahm ich die Einladung an und zwei Tage nachher stieg ich in der Station B. aus. Julius, in eigener Person, holte

I mich ab; nachdem er mich vom Kopfe bis zum Fuße gemustert hatte, rief er aus: Man sieht Dir Deine 45 Jahre gründlich an; ich bereue meine Einladung nicht." Spitzbube!" rief ich meinerseits. Aber könnte man nun endlich wissen, wie Du Dich, bei so viel Abneigung ge- ! gen die Ehe, nachdem Du so vielen verlockenden Partien aus dem Wege gegangen. Dich, mit einemmal entfchließen konntest. Deinen Stand zu verän- , der?" . . Ich werde Dir alles unterwegs erzählen; dieser AblürzunssweA jühtf

uns in weniger als einer halben Stunde zu meinem Hause." . Also. machen wir. die .Abkürzung ! Aber entschuldige. Du trägst hier auf dem Lande einen Cylinder?" Ach. dieser Hut ist mir heilig; Dich und ihn zu ehren, setzte ich ihn heute auf." Ich verstehe Dich nicht ", sagte ich, fast fürchtend, meinen armen Freund könnte ein Gehirnfchlag getroffen haben. Du wirst sofort verstehen! Dieser Hut, wie Du ihn hier siehst, ist der UrHeber meines Glücks." Der Urheber?" Gewiß, die Ursache, der Faktor, der Urheber meines Glückes, was Du willst ihm verdanke ich mein Glück." Hm, ich verstehe noch weniger als früher." "Dann bemühe Dich! Und doch ist es so. Erinnerst Du Dich des Festes im vorigen Jahre im L.'schen Hause?" Ja, ein ausgezeichnetes Abendessen, viele schöne Frauen, aber zu viel Musik. zu viel Deklamation: Du scheinst Dich zu rechter Zeit aus dem Staube gemacht zu haben a propos, dies ist das erste Mal, daß wir uns nach jenem Abend wiedersehen?" Gewiß. Du reistest den Tag nachher nach London ab ich zog nach den arkadischen Gefilden der Ehe." Den Tag nachher?" Ja." Also beeile Dich." ' Da bin ich schon. Wir blieben bei der Deklamation stehen; gut. Also ich hörte zu. d. h. eigentlich nicht. Als ich anfing, dem Deklamator zuzuhören, bemerkte ich mit Schrecken, daß er Verse vortrug. Ich würde es sonst sei nein Anderen gestehen, aber Dir darf ich es sagen: Verse, nach dem Abendessen deklamirt, üben einen sonderbaren Einfluß auf mich aus. erregen einen tiefen, unbesiegbaren Schlaf. Großer Gott!" saaje ich zu mir, als der schwarze Frack zu deklamiren anfing. Meine Lider fingen schon an, schwer zu werden, die Gedanken verwirrten sich, die Reime übten schon auf mich ihren einschläfernden Einfluß aus. In wenigen Minuten konnte ich eingeschlafen sein, fähig, ohne es zu wollen oder zu wissen, laut zu schnarchen. Welch ein Skandal. Es blieb mir keine Rettung als Fluchs, schleunige, geräuschlose Flucht. Ich blickte um mich,' auf welche' Weise ich mich meines Hutes bemächtigen könnte und ein Schauer des Schreckens erfaßte mich meine, feierliche Kopfbedeckung, mein Cylinder war weit, weit entfernt von mir. Eine dreifache Reihe entblößter Schultern, blumengeschmllckter Köpfchen, leise sich bewegender Fächer trennte mich von ihm, den ich unvorsichtigerweise auf eine Console niedergestellt hatte, nahe dem Tischchen, vor welchem der schwarze Frack mit heldenmüthiger Ausdauer Vers um Vers hervorsprudelte. Mit meinen von Schläfrigkeit getrübten Augen fizirte ich meinen Cylinder, unzusammenhängende Worte vor mich hinmurmelnd. O", sagte ich, ihn immer fixirend, o wüßte ich, wie ich dich erreichen könnte! Wenn es mir doch gelänge! Hier erstickt man fast! Draußen dagegen, welch frische Luft! Welche Wonne müßte es sein, eine gute Cigarre in freier Luft, unter dem schönen Sternenhimmel rauchen zu können! O, mein geliebter Cylinder! Könntest du diese duftenden Köpfchen überfliegen, die das Glück haben, das zu verstehen, was der Herr da umen lagt, und nicht einzuschlafen bei den Liedern der Liebe, der Ehre, des Schreckens. Aber ich sehe, kein Geist beseelt dich, sonst wärest du schon längst auf meinem Kopfe, der ln nichts denkt als an dich und nach dir seufzt." Nun, mein schöner Herr, werden Sie nun bald aufhören, meine Tochter anzustarren, es ist ein dreistes, unartiges Benehmen." Ich drehte mich mit einem Rucke um und fand mich einem großen dicken Mann gegenüber, der mir wüthende Blicke zuwarf. Sprechen Sie mit mir, meinHerr?" rief ich ganz bestürzt aus. Mit Ihnen, ja mit Ihnen! Man fixirt nicht in solcher Weise ein anständiges Mädchen." Aber mein Herr, ich fixire in keiner Weise Ihre Tochter! Ich weiß weder wo, noch welche sie ist." ' Ah so, auch noch Spott! Meine Tochter ist gerade die blonde Dame, welche Sie seit einer Stunde mit lä cherlicherAusdauu fixiren, unverständliche Worte murmelnd." Ich?- Ja. mein Herr, Sie selbst. Das ist übrigens nichts Neues. Alle kennen Ihre Art und Weise, junger Mann, und wissen, daß Ihr Leichtsinn " . MeinHerr!" ' Nun, sind Sie nicht schon fünfoder sechsmal in Heirathsgeschichlen verwickelt gewesen? Und haben Sie dann nicht immer, wie mit einem Schlage.nichts mehr davon wissen wollen? Vielleicht versuchen Sie es heute, sich ein anderes. Opfer auszuwählen und ein anderes unschuldiges Kind zu bezaubern?" Aber mein Herr," unterbrach ich ihn, in diesem Falle bin wohl ich das Opfer, glauben Sie es mir. Ich suchte meinen Hut zu bezaubern dort unten auf jenem Tischchen, wo ihn unvorsichtigerweise stehen ließ." Halten Sie mich für einen Dummköpf?" Bitte, meine Herren, wmn sie streiten wollen, so thun Sie es wenigstens leise," unterbrach uns ein nervöses Männchen.enthusiaömirt, wie' es schien, von der Deklamation. Die übrigens mit vollem Rechte gemachte Bemerkung hatte nur zur Folge, meinen kolossalen Gegner noch mehr zu reizen und ich hielt ihn für fähig, mich herauözufor-

dern. Vielleicht, armer Teufel!, waren auch ihm die Hitze und die Verse zu Kopf gestiegen! Thatsache war, daß wir auf dem Punkt waren, unsere Karren zu wechseln, als ein anhaltendes Rauschen von Damenkleidern, ein Lärm von gerückten Sesseln uns ankündigte, daß der schwarze Frack sein poetisches Turnier beendet habe, und daß man sich anschickte, in den Ballsaal zu gehen. In diesem Augenblick trat ein anmuthiges Mädchen auf uns zu. nickte meinem Herausforderer freundlich zu, wandte sich dann zu mir und sprach, mit vollendeter Grazie lächelnd: Hier ist Ihr Hut, mein Herr, schon lange, wollte ich Ihnen ihn zukommen lassen, wußte nur nicht auf welche Weise." Ich stammelte meinen Dank, wurde aber sofort unterbrochen, indem sie sagte: Ich hatte recht gut verstanden, daß Sie fortzugehen wünschten, da Sie dem Schlaf nicht länger widerstehen konnten; auch Du Papa wirst wohl müde und gelangweilt sein , willst Du, daß wir nach Hause gehen?" O, ich danke, mein Kind; Du bist wirklich ein gutes Töchterchen; aber ich möchte nicht gern, Deinetwegen " Ich war in Ekstase! Und kaum gelang es mir, immer wieder eine Danksagung zu stammeln. Seit jenem Abend dachte ich immer in meinem Herzen, welch einen Schatz von Liebe. Selbstverleugnung und Scharfblick dieses Mädchen in ihrem Busen bergen müsse! Sie hatte alles errathen: meine Müdigkeit, meine Ungeduld, die Langeweile ihres Vaters , und da sie schön, würdevoll und anmuthig zugleich war und mit anbetungswürdiger Einfachheit ihre berechtigten Wünsche, sich zu amllsiren, dem Vater zu Liebe opferte. " Kurz", unterbrach ich meinen Freund, Du erhieltest Deinen Cylinder und verlorst den Kopf! Den Rest denke ich mir." Das ist leicht", erwiderte Julius, aber was Du Dir nicht wirst denken können, bis Du mit eigenen Augen geschaut hast, das ist die Liebenswürdigkeit meiner Frau, und das Glück, welches ich an ihrer Seite genieße." Und Dein mürrischer Kamerad V Mürrisch, was? Er ist der beste Mensch, der ezistirt. Uebrigens, er liebt seine Tochter sehr, was sie auch verdient, das versichere ich Dir." Ich muß bekennen, daß mein Freund das Ausspinnen des Lobes seiner Gattin wirklich nicht übertrieben hatte. Alles, was- man an Güte, Feinheit und Verstand an einer Lebensgefährtin wünschen konnte, das besaß sie, und ich wäre versucht gewesen, das Beispiel meines Freundes nachzuahmen und auch ein Anachoret zu werden, mit solch einer fesselnden Sirene an meiner Seite. Doch, o weh, die Combinationen fliehen diejenigen, welche sie suchen! Bis, jetzt diente mir mein Hut zu nichts, als die Silberfäden zu bedecken, welche sich immer kühner und unartiger bemerkbar machen und mir zuflüstern: Bedenke, o Menta!" Das kurze Dein. Nach dem ffranzösischen von Wilhelm Thal. I. i Da der Kampf endgiltig zu Ende war, so bückte sich der kleine Germond, um seine Bücher und Hefte aufzuheben, als Lotbin. sein Gegner, ihm einen heftigen Faustschlag auf den Nacken versetzte, der ihn nach vornüber mit dem Gesicht in den Schmutz fallen ließ. Feigling," rief das Kind mit lauter Stimme, während es sich aufrichtete. Der andere nahm eine Miene verLchtlichen Spottes an und rief: Ich ein Feigling? Wiederhole doch das noch einmal .... in jedem Fall hast Du gar kein Recht, mich Feigling zu schimpfen; denn ich werde Soldat, und wenn wir Krieg haben, so werde ich meine Haut wagen, während Du zu Hause bleiben und Dir die Füße wär-

men wirst." Der Heine Germond wurde sehr roth und dann sehr blaß; er warf einen Blick auf sein zu kurzes Bein, und große Thränen rollten über sein Gesicht, die sich mit dem Schmutz vermischten. Die Schüler, die einen Kreis um die Kämpfenden bildeten, nahmen je nach ihrem Charakter theils für Loidin, theils für Germond Partei, und die Privatstreitigkeit wäre beinahe in eine allgemeine Prügelei ausgeartet, wäre nicht der Lehrer dazugekommen. Mit einem Blick erkannte der kleine Germond, daß er hier einen Bundesgenossen vor sich hatte, und in seinem Kummer stotterte er mt eine Entschuldigung: Es ist nicht meine Schuld, daß man mich hat fallen lassen, als ich ganz klein war.... ich habe keine Mutter; hätte ich eine Mutter gehabt, so hätte sie mich bei sich behalten. ... Ich wäre nicht gefallen und wäre jetzt nicht verkrüppelt!" Der Lehrer hörte den kleinen Germond mit großer Sympathie an; er hatte ihm liebevoll die Hand auf die Schulter gelegt und sagte nun: Du hast Recht, mein Kind, es ist nicht Deine Schuld, und meiner Ansicht nach -ist es besser, em zu kurzes Bein zu haben, als einen beschränkten Geist und ein schlechtes Herz. Uebrigens tröste Dich. Du kannst Dich auch noch in anderer Weise nützlich machen, als wenn Du die Waffen trägst Du wirst nicht Soldat werden, mein kleiner Germond, nun gut! Doch da man Dir über diese Thatsache so brutal die Augen geöffnet, so sage ich Dir, daß Du Deinem Lande auch noch auf and:re Weise nützlich sein kannst. . . . Welcher Ausdrücke aber soll Zch mich

bedienen, um Ihr Betragen zu bezeichnen, Loidin? Wie! Sie schlagen nicht nur ohne Schonung ein krankes Kind, das zwei Jahre jünger ist als Sie, und das Sie um einen Kopf überragen, nein. Sie werfen ihm ein Gebrechen vor. für das er nichts kann, und unter dem er selbst grausam leidet . . . . Erinnern Sie sich, daß es eben so sehr eine Dummheit wie eine Boshcit ist. einen Gebrechlichen zu beleidigen.... Wer sagt Ihnen denn, daß der Unfall, der ihn betroffen hat, nicht auch Sie befallen kann? Wer sagt Ihnen, ob Sie diese Beleidigung, die Sie heute mitleidslos ausgestoßen, nicht eines Tages mit blutigen Thränen beweinen werden, weil sie schrecklich auf das Haupt Ihrer Lieben zurückfallen wird? Für alles gibt es im Leben eine Vergeltung. . . . Das ist eine Wahrheit, die Sie zum Nachdenken veranlassen sollte.... Gehen Sie jetzt alle beide .... Sie, Loidin, fangen Sie nicht wieder an, und Du, kleiner Germond. verzeihe und beunruhige Dich nicht übermäßig wegen Deines zu kurzen Beines; ich. glaube, es wird Dich nicht hindern. Deinen Weg zu machen." An jenem Tage zeigte sich der kleine Germond aufmerksamer und fleißiger, als er es in seinem ganzen Leben geWesen war. Uebrigens hatte dieses anscheinend flüchtige Ereigniß auf 'sein Schicksal einen entscheidenden Einfluß. War er bis dahin leichtfertig und forglos gewesen, so wurde er jetzt arbeitsam und ernst, und stets beherrschte ihn der Gedanke: Je unterrichteter, je tugendhafter Du sein wirst, desto nützlicher wird Du Deinem Lande werden." II. Zwanzig Jahre sind vergangen. Aus dem kleinen Germond ist der Doctor Germond geworden, ein bekannter Hospitalsarzt und Ritter der Ehrenlegion, der noch zu hohen Aemtern berufen ist. Uebrigens ist er so beschciden und wohlwollend, daß Niemand daran denkt, ihn zu bemitleiden. Er ist glücklich, der kleine Germond, vollkommen glücklich. Er denkt ohne Bitterkeit an sein zu kurzes Bein, da seine kluge und treue Frau ihn trotzdem lieb gewonnen hat. Er empfindet auch kein Bedauern mehr, daß er nicht die Uniform hat anziehen können, denn er hat drei schöne, kräftige Jungen, die die Freude seines Hauses bilden. Ich glaube sogar, er würd: an solche Dinge nie denken, wäre nicht der unvermeidliche Stock da, der ihn überall hin begleitet. Denn das kranke Bein ist rebellisch gewesen, es hat das andere wachsen lassen, ohne ihm folgen zu wollen, und darum muß der Doctor Germond am Stocke gehen. Oh, dieser Stock! Wie lauern die armen Mütter, die an Wiegen wachen und weinen, auf sein Klopfen wenn sie ihn nur hören, glauben Sie schon, das Kind sehe weniger blaß aus und leide weniger.... so viele kleine Kinder hat er schon dem Schmerzensbett entrissen, um sie dem Leben und der Gesundheit wieder zu geben! ; Auch die kleinen Patienten fassen wieder Hoffnung, wenn sie den ungleichmäßigen Schritt ihres Freundes hören; sie wissen wohl, er wird ihncn Linderung verschaffen und ihnenMuth einsprechen. IN. In einem eleganten und behaglich eingerichteten Salon ist der Doctor' Germond gerade damit beschäftigt, feine Zeitung zu lesen, als sich draußen ein hastiges, heftiges Klingeln hören läßt. Der Diener versucht wohl, den Eintritt zu verhindern, indem er erklärt, es wäre schon zu spät und der Doctor ausgegangen; doch der Arzt, der an der hastigen Stimme des Besuchers die Angst eines Vaters erkannt hat, erhebt sich, um sich selbst zu erkundigen. Was gibt's?" fragt er mit dem natürlichen Interesse, das er bei allen Leidenden entgegenbringt Ein kleines Mädchen von sieben Jahren," erwiderte der Andere in flehendem Tone, meine Tochter, die seit sechs Monaten am freiwilligen Hinken leidet und in diesem Augenblicke schreckliche Schmerzen aussteht. . . . ' Ich folge Ihnen," versetzt der Doctor, -und verläßt mit dem Fremden das Haus. IV. Die Untersuchung der kleinen Patientig dauerte lange, und als der Doctor den Köpf erhob, sagte er zu den Eltern, die vor Angst kein Wort hervorbringen konnten: Das Kind wird gesund werden; es wird ziemlich lange Zeit vergehen; doch es wird gesund werden." Und," fragte der Vater zögernd, wird es lahm bleiben?" Germond sprach den Leuten gerne Muth ein. doch er wiegte sie nicht in Hoffnu.gen, die er selbst nicht besaß; deshalb wachte er eine Bewegung, die klar und deutliche sagte: Ich fürchte es." Was thut's, wenn sie nur am Le-. ben bleibt!" rief die Mutter, die die Diagnose von einer großen Angst bcfreite. ' Als der Doctor seine Untersuchung beendet, nahm er seinen Hut, um sich zu verabschieden, als der Vater sich vor ihm hinstellte und in schüchternem Tone, als wenn er sich schalle, zu ihm sagte: Sie haben mich also nicht erkannt? Ich bin Loidin, Ihr alter Schulkam?' rad!" Ohne dann dem Arzt Zeit zu lassen, c'ne Bemerkung zu machen, fuhr ex fort: Ich wagte nicht, Sie aufzusuchen, obwohl meine Frau mich seit langer Zeit darum bat.... Sie wissen doch,, weshalb. ... ich habe mich so feige gegen Sie benommen .... Unser Lehrer hatte Recht: es gibt für alles im Leben eine Vergeltung. Ob. wie grausam

habe ich gebüßt .... wenn Sie wußten!....". Der Arzt reichte der Mutter seine breite Hand und sagte: Sie haben Recht gethan. Madame? Der Doctor Germond hat kein starkes. Gedächtniß. Seit langer Zeit hat er. die Abenteuer des kleinen Germon! vergessen." Dann fügte er lächelnd hinzu: Ah, bah. wenn die Kleine auch ein bischen hinkt, so braucht sie das gar nicht zu hindern, reizend zu werden... Sie sehen, ich bin ein lebendiger Veweis dafür, daß man selbst mit einem zu kurzen Vein vollkommen glücklich werden kann!" . Ein bcrulMcr öchildliürger. Bekanntlich zählt die ob der KluZheit" ihrer früheren Einwohner sprich wörtlich gewordene kleine Stadt Schilda bei Torgau auch einen preußischen Feldherrn zu ihren Bürgern nämlich den General Grafen Neithardt v. Gneisenau, der als Blüchers Kopf" in den Freiheitskriegen zu so hohem Ruhme gelangte. Gneisenaus Vater stand im Siebui jährigen Kriege als Artillerie-Lieute, nant in der gegen Friedrich den Großen aufgebotenen Reichsarmee und lag mit dieser im Quartier zu Würzburg. Dort hatte er die Liebe eines Mädchens aus altem, reichem Patricierhause geWonnen, und obwohl den Eltern der ganz mittellose Eidam höchst unwillkommen war, setzte dasPaa: seine Vermählung doch durch; die junge Frau verließ bald darauf das reiche elterliche Haus, in dem sie zur Fremden gewor den war, und folgte dem Gatten in'S Feldlager. Als' sie, während ihr Gatte bivst Heer stand, mit einem Theil des Trosses in dem Städtchen Schilda weilte wurde ihr am 27. October 1760 crn Söhnchen geboren. Schon in den nach sten Tagen aber rückte Friedrich der Große in Eilmärschen an, um den Oesterreichern bei Torgau eine Nieder--läge zu bereiten. Wer ihm nicht in die Hände fallen wollte, mußte fliehen. So packte man denn auch die junge Lieute--nantsfrau mit ihrem Kn'äblcin in einen. Wagen und riß sie mit in die Hast derFlucht hinein. Auf fctrn grundlosere. Wege und bei dem Gedränge der Fliehenden brach der Wagen. Die junge. Frau wurde in einem anderen Geähr. untergebracht, doch Aufregung und. Schwäche zogen ihr einen Ohnmachtsanfall zu, während dessen das Kindlein ihren Armen entglitt und aus dieFahr-. straße fiel. Hier wäre es von den nach--folgenden Truppen unfehlbar zertreten: oder überfahren worden, hätte cirv Soioat es nicht aufgehoben und mit: sich genommen. Erst am nächsteu Mor--gen aber konnte er es der geängstigteir Mutter zurückgeben. Diese erholte sich, nicht wieder von den Beschwerden itnr Aengsien dieser Nacht und starb einigeZeit darauf in Schilda, wohin sie zurückgekehrt war. . Das Kind, um daS der im Felde stehende Vater sich wenige kümmern konnte, wurde armen Leuten, zur Pslege übergeben, die den "heranwachsenden Knaben hart genug behandelten. Gneisenau hat in späteren Jahren oft genug erzählt daß cr Mangel leiden und barfuß die Gänse hütea. mußte. Einst, als er eben dieser Beschäftig gung oblag, bat ihn ein Handwerksbursche um eine Gabe, und der Knabe, dem es noch nie .begegnet war, unr. etwas gebeten zu werden, gab ihm da Einzige, was er besaß, ein altes GebetKüchlein seiner Mutter. Der Hand--Werksbursche verkaufte das Buch im? nächsten Gasthause, und d:r Wirth, der: es kannte, schickte es den PflegeelterrQ zurück, die den Knaben für sein eigene mächtiges Thun hart züchtigten. Da2 erbarmte einen in der Nähe wohnenden Schneider, und da er wußte, daß der Knabe in Würzburg reiche Großelterrr' habe, sandte er einen Boten an diese mit der Anfrage, ob sie von der schlechten Behandlung ihreö Enkels Kenntniß hätten. Die Großeltern, denen das Dasein des Knaben bisher überhaupt nicht bekannt gewesen war, geriethen ob dieser Botschaft in nicht geringe Verwunde--rung und sandten sogleich einen Bedienten mit einem Wogen nach ihn?, aus. Es wird erzählt, daß der schuchterne Knabe es nicht gewagt habe, sich in den luxuriös ausgestatteten Wageri. hineinzusetzen, sondern den Bedienten den er um seiner glänzenden Livr willen für einen vornehmen Manic hielt, so lange bat, bis dieser sich in der. Wagen setzte, und ihm den Platz auf dem Bock überließ. Bei seinen Großeltern fand der Knabe nun freundlicher Aufnahme. Nach ihrem Tode zog Gneisenau nach Erfurt zu seinem Vater, der sich inzwischen wieder verhcirathet hatte, und wandte sich, nachdem er ein Jahr lang die Universität besucht dem Militärstande zu. In'. Jahre 1785 trat cr, noch unter Frievrich dem Großen, ind-as preußische Heer ein, zu dessen leuchtendsten Gestirnen cr später gehören sollte. . ,

Höchste Zeit. Rhodes - Roller (nach seiner Jesrri ung): Gerades Wegs vom Galgen her. sag' ich. Ihr steht da und gafft . und könnt's nicht träumen! Ich war auch nur drei Schritt von der SakermentSleiter, auf der ich in den Schooß Abrahams steigen sollte so nah, so nah hättest mein Leben um eine Prise Schnupftabak haben können." (Die Räuber, 2. Aufzug. 9. Auf. . , tritt.) .Malitiöse Einschra. ! k u n g. A.: De? junge Meier seil rm.-ri . i -C-..3 r.! ja oas muux cinca uuc jtu. B.: Hm, 's giebt auch Muster Werth.-. - ' .