Indiana Tribüne, Volume 23, Number 214, Indianapolis, Marion County, 22 April 1900 — Page 6

Sayrcnd Volk. Ganz abseits von der Heerstraße des möglichen Lebens liegt die Welt des Zuieinationalen Artistenthums, die mm traumhasten Dust wilder, gesätiigtcr Zigeunerromantik umrauschte Welt der Vagabunden". Fremdes. Nngewöhnlichcs ist es, das uns in ihnen entgegentritt; ganz andereMenschen scheinen sie zu sein, diese Gaus Tzz" und pauvres Saltimbanques", tak sie sich heute noch in ihrem stolzen 5inn nennen, dies fahrende Volk", Äas heimathlos über die Erde irrt, ruhelos und unstet. Wohl hat die moderne Technik, die rnit Dampf und Elektricität Cultur schafft. Gegensätze ausgleicht. Grenzen verwischt und Völker verbrüdert, ern gut Theil, des poesievollen Zaubers, der an dem Wohn- und Wanderwagen 7)eZ Artistenthums, an der Marinrötte, haftete, vernichtet; wohl hat Zziese Cultur das innig Stille und -romantisch Geheimnißvolle der Bankls!en erbarmungslos zermalmt im Wesen des Artistenthums selbst aber hat sich nichts verändert; das, merkwürdige Völkchen hat sich nur entmidtü. Die grünangestrichene Marincpik, die in Sonnenbrand und Wetjerfturrn die Landstraße entlang zog, xn Torf zu Dorf, von Markt zu

,'--: JJ fy jUrm iii.ni.iiy 'll'll'M'im

Schlangenmensch A d o n i s. Markt, ist verschwunden. Der modeine Artist, den theure Contrakte bald -nach Petersburg, bald nach Rom. von Wien nach Madrid, von Berlin nach New Fork und San Francisco, bald nach Budapest und dann nach StockHalm oder Christiania rufen, reist tjtuU im bequemen Waggon des ZugeZ; er arbeitet auch nicht mehr als Publikspieler" auf dem mit Stricken abgegrenzten Raum des Meßplatzes, tco er nach seiner Produktion mit dem Linnteller in der Hand absammeln" gehen mußte. Man baut ihm heute große, elektrisch beleuchtete Bühnen in vornehmen, palastähnlichen Theatern. Woher das Artistenthum stammen mag und wie es sich aus seinen Uranfangen allmählich entwickelt hat, diese Frage wird schwerlich je gründlich beantwortet werden können. Wir wissen nur, daß das klassische Alterthum bereits Artisten kannte, denn es gab soohl in Hellas wie in Rom Ringkämpfer und Thierbändiger, Diskuswerfer imb Springer von Beruf, wie es solches Volk übrigens viel früher schon bei titn Egyvtern, Juden und den noch viel Äteren Chinesen gegeben haben soll. Akrobaten Halley und Sohn. In Deutschland tauchten sie. wie in Mitteleuropa überhaupt, erst gegen (Äide des 16. Jahrhunderts auf. Seitonn lassen sich erst selbstständige Spurat der herumwandernden Seiltänzer" nachweisen. Der Begriff Seiltänzer war der (Sammelname für allerhand ArtistenKolk; wenn in der Stadt oder im Dorf Der Viuf laut wurde: Seiltänzer kominen", dann hieß es auch gleich: Sperrt Thüren und Kasten, versorgt "clt Wäsche aus den Boden!" So wurden die Vaganten behandelt: als "Parias der menschlichen Gesellschaft! ZTunstfahrerKaufmann. Nach und nach schwinden diese Seil ianitz, und an ihre Stelle tritt die englische Reiterei", der Uranfang des iirsdernen Circuswesens. Publlksvle ttz waren sie aber alle, wie man sie nvrkgens auch heute noch recht spora Zzisch auf dem flachen Land, auf fernen Meßplatzen finden kann. Halbseide nennt sie der echte Artist, vergißt aber Uavei, van die besten und qrokten Ar listen just aus Publikspielern hervorgegangen sind, daß gerade diese jene berannten Artlstendynasnen oearundet Haben, auf die heute das ganze fahrend Hblk mit Stolz und Verehrung blickt. AuS der englischen Reiterei deren Direktoren bis vor nicht allzulanger Zeit sich noch Prinzipale nannten, entstanden die Tentcircusse, und aui

yN

Mlll ifl I Jyn4 'rX - -7 1 7 11 y-jt .' 's 2 frTv J ZWFMTM.

diesen erblühte schließlich die gediegene

Circuskunst. Viel rascher und nachhalhaer als der Circus entwickelte sich das Vari6t6. das Heute in allen Großstädten eine Rolle spielt. Es ist der Typus des ewig Wechselvollen, Unruhigen und Bizarren, der Typus des Unmöglichen und der Sensation, der geistreichen Tollheit und der leichten Reizungen. Spadoniund Schwester. So bietet es uns Tausenderlei, und weil es uns so viel des Sehenswerthen bietet, wird es viel besucht.. Unsere Illustrationen zeigen eine Anzahl der berühmtesten Artisten in ihren am meisten bewunderten Produktionen. Der wirkliche, echte Artist, der seinen Leib in das straffe Trikot zwängt und durch die Lüfte sausen läßt, der bei seinen Produktionen seine Knochen zu Markt trägt, muß zu diesen halsbrechenschen Künsten sozusagen geboren werden. Schon sehr früh, im zartesten Alter beginnt unter Leitung des fachmannischen Lehrherrn, melstentheus unter Leitung des Vaters, der selbst Artist ist, die Ausbildung. Vor allem müssen die Muskeln gestärkt, die Sehnen geschmeidig gemacht werden. Das A-B-C- des Artisten ist daher etwas Vor- und Rückwärtskautschuk (Beuge), das Saltospringen (nach vorn und rückwärts, mit und ohne Anlauf, vom Boden und vom erhöhten Standpunkt), Flick-Flack und Handstand. Im Laus der Lehrzeit zeigt sich dann die eigeniliche Eignung des Lernenden. Als richtiges Artistenkind lernt er aber nebenbei auch verschiedene andere Kunstfertigkeiten, wie z. B. Jongliren, Leiterarbeit, Clown, Kopfstände, Ringe. Trapez und Reck. De Mora. , ' Diese Vielseitigkeit findet man am ehesten im Circus, wo noch das wahre Artistenthum so recht zu Hause ist. Hier gedeiht jene artistische Kunst und jenes Artistenleben, die noch zähe an der Ueberlieferung halten; hier gedeiht noch auf dem geharkten Boden der Arena jenes treue, warmherzige Va grantenthum, das ein Schimmer der zigeunerischen Romantik umgiebt. Der Circus ist auf diese seine strenge Abgeschlossenheit stolz. Im Umkreis der Piste, im Bann der Chambriere steht nur jene artistische Kunstfertigkeit. die dem Individuum angeboren sein muß; der echte Circuskünstler wird sich auch deshalb auf den Breitern Gebrüder Thaler. des Vari6t6 nie so recht wohl fühlen, trotzdem er hier meistens bedeutend höhere Gagen erzielt. Wie viel verdienen alle diese Artisten des Vari6t6s und Circus? wer den sich nun wohl die Meisten fragen.' Eine bestimmte Norm für die Höhe der Gagen giebt es allerdings nicht, vielmehr richtet sich das Salär wie in jedem Beruf nach der Qualität de? Lei stung, dem Ansehen, das der betrefsende Artist genießt, und nicht in letzter Linie auch nach den einzelnen Ländern und den verschiedenen Plätzen; so er hält beispielsweise Sylvester Schäfser, der die beste Turnertruppe stellt, bei Director Moß in London $875 per Woche. Pünktlich. A.: Ist mein Sohn auch pünktlich in Ihrem Geschäft?" B.: Ich habe nie einen jungen Mann gehabt, der das Geschäft Abends so schnell und pünktlich verlassen hätte, wie er." Begründeter Zweifel. Weinhändler (zum Kellermeister, der ungewässerten Wein versendet hat): Und Sie wollen schon einmal m einem Weingeschäft thätig ' gewesen sein?" Auch ein Beruf. Sagen Sie mal, Herr Commercienrath. was hat Ihr Schwieaersohn eigentlich für einen Beruf?" Reicher Bankier: Er ist mein Schntt8sohn."

II! . V 1 A tM ' 'Pr-M Jf fr' E'''i". I rOfc X.' x .fä"432-A f:4 . J l $8M&::jA JUm flC'.fL'. 7vaP iK-. ' l-rn-' t-Lctt-iryJ O n t Ji V 7 iu7S.i'r- ' -"J" KWifZXfttiu$ylt " ""-uSft-.i.Z. f T U S-COMÄWrttiMll ?, lWfJ?TOXfT FXVAHEBIrcxfösiTIOX fU ffM! BITFALO N Y S LW VNtT? . Xv "".M

i So umfangreich sind die werthvollen Collectionen, mit denen unsere BundesRegierung auf der panamerikanischen Ausstellung in Buffalo repräsentirt Iie Fromenade. Con Arth-r Zolitscher. In unserer Stadt zieht sich längs Hes Flusses eine kleine, kaum fünfhundert Schritte lange Promenade hin. Sie ist sehr eng und unscheinbar in der Anlage, die Bäume, die sie einfassen, sind ohne Liebe hingepflanzt worden und rasch verdorrt, auch sonst ist die Promenade recht trist und verwahrlost, Niemand kümmert sich um i. Trüber mögen ja dort Menschen vorüberkommen, viele wahrscheinlich, nach der Dämmerung aber ist sie so gut wie verlassen. Zwei Gaslaternen brennen an ihren beiden Enden, für wen. mein Gott? Für drei Menschen für zwei, für einen einzn für Niemand. Gewiß, für Niemand! Denn oft genug lief ich dort stundenlang auf und ab, ohne einer Seele zu begegnen, und wäre ich nicht dort auf und ab gelaufen, nun, so wäre eben überhaupt Niemand auf der Promenade gewesen. Aber ich liebe die kleine Promenade, so berzlich.und aufrichtig, wie man einen kleinen verwahrlosten Ort in einer geräuschvoll lebendigen Stadt nur lieden kann! Dort führte ich manchmal meine Träumereien spazieren und nranches Tiesheimliche hat sich schon hervorgewagt und Leben gewonnen in der lebendigen Stille. Denn sie lebt, die kleine Promenade, sie lebt, ich lasse mir's nicht ausreden, sie führt wohl ein enges, kümmerliches und verschüchtere tes Dasein, ja, aber sie lebt. Ich habe mit ihr nicht gesprochen, wahrhaftig, das nicht, aber sie hat mir hier und da Zeichen ihrer Ezistenz gegeben und zwar recht deutliche mitunter. Sie liebt es ebenso wenig, wie manche stille, ungerecht leidende Menschenseele, gar zu ausfällig bemitleidet zu werden, und' eines Tages, da ich mich hinstellte und vor lauter Mitgefühl um ihrer Verlassenheit willen in Thränen ausbrechen wollte, fing einHund irgendwo vor mir, zwischen den Bäumen, so gottesjämmerlich zu heulen an, daß ich mich beschämt und beleidigt davonmachte und zwei Tage lang dort zur gewöhnten Zeit nicht sehen ließ. Doch das und Aehnliches, was ich nicht alles herzählen will und kann, trage ich ihr nicht nach, sondern freue mich im Gegentheil, wenn ich sehe, daß sie sich neue und womöglich treue Freunde erwirbt, denn um die Passanten und Liebespaare, die ganz andere Sachen im Sinne haben, ist's uns Beiden nicht zu thun, weiß Gott nicht! Jüngst habe ich ihr zwei Freunde erworben, ich bin sogar stolz darauf, es gethan zu haben, und so will ich erzählen, wie es zugegangen ist, .damit man's nur weiß und sich der kleinen verwahrlosten Promenade vielleicht ein wenig in Liebe annimmt. Nun, ich war um die Dämmerungszeit wieder dorthin gekommen und lief auf dem schlechten Kies einem Reim, ich weiß nicht mehr, einemWort, mag sein einem Ton. irgend einem winzigen Stückchen Schönheit nach, daS sich hartnäckig vor mir verbarg und gar nicht an die Oberfläche wollte, da kam am Ende der Promenade eine seltsame, breite, verschwommene Form näher. Und als die Form und ich einander nahe genug waren, da sah ich, daß es zwei junge Frauenzimmer waren, eng aneinander geschmiegt und in flüsterndem Gesprach; die eine gewiß noch ganz jung,, die andere etwa in meinen Jahren. Der Reim war natürlich auf und davon. Nun konnte ich ihm nachjagen! Dafür aber hörte ich die Aeltere, als sie knapp an mir vorübergingen, die Jüngere leise fragen: Und er, was sagte er?" Dann waren sie vorbei. Sie hatte so leise gesprochen! Und die Andere hatte so leise gelächelt! Es war ein klein wenig Wind am Flusse, die dünnen Bäume fröstelten davon. Ich! ging bis zur Laterne und kehrte um. Fast an derselben Stelle kamen mir die Beiden wieder entgegen. Und ich hörte, wie sie leise mit einander tuschelten und die Aeltere frug die Jüngere: Und er, was sagte er?" Als sie hinter mir waren, blinzelte ich der Promenade zu: He, und was sagen wir denn dazu? Da der Wind etwas stärker wehte, schüttelte die Promenade sich, wie eine alte Jungfer, in deren Gegenwart von Liebe gesprochen wird, sonst aber sagte sie nichts. Als sie mir zum dritten Male begegneten, sprach wieder die Aeltere, diesmal aber: ... Und die Anderen, was werden die Anderen sagen?" Die Junge gleich darauf laut und mit lachendemMunde: Oh die Anderen!" An diesem Abend kamen sie mir nicht mehr entgegen, obzwar ich noch drei-, viermal auf und ab lief. ' , ' - Auch meinem Reim bin ich nicht be-

Onkel Kam in Knssclw.

Bundes-Gebaude. sein wird, daß es einer besondern Gebäudegruppe zu ihrer. Aufnahme bedarf. Die Gruppe wird drei Gebäude umfassen, die mittels, Colonnaden mit gegnet,' meinem bischen Schönheit. Aber ich verzichte großmüthig darauf zu Gunsten der kleinen Promenade. Denn wie dies auch ausgehen mag, heiter oder traurig, nach langen Jahren wird noch eine junge Frau sich an eine ältere schmiegen und leise zu ihr sprechen: Weißt Du noch? . .Der Abend im Herbst? Wir gingen durch die alte Promenade, es war ganz finster und nur ein Mensch da außer uns Beiden. Weißt Du noch, es war ein bischen windig auf der alten Promenade " In Mafcking. Die seit dem 13. October v. I. eingeschlossene Stadt Mafeking am Uebergang der Eisenbahn nach Buluwayo über den oberen Molopo hat sich bisher gehalten, dank der unsichtigen Vertheidigung durch den tüchtigen Reiterobersten Baden-Powell und der kurz vor Ausbruch des Krieges erfolgten vorsorglichen Verproviantirung des Ortes durch Major Edward Cecils, den Generalstabschef des Commandanten und Eine Kasematte. Sohn des Cabinetschefs Lord Salisbury. In der Stadt hat sich die Lage in den letzten Wochen sehr verschlechtert. Die fast ausschließlichen Nahrungsmittel bilden Pferdefleisch und Brot, das aus Pferdefutter hergestellt wird und viele Krankheitsfälle sind die Folgen der traurigen VerpflegungsHältnisse. Bei dem stetigen Näherrücken der Belagerungsartillerie scheinen auch die Kasematten. BadenPowell's in der Stadt nicht'mehr ausreichenden Schutz zu gewähren. Ein Liebeeschloß. In dem einsam-schönen Schloß Mi ramare hat die Vermählung der blonden Königstochter, KronprinzessinWittwe Stefanie -mit dem ungarischen Grafen Lonyay stattgefunden. Wohl aus dem Wunsche heraus, möglichst fern von müßiger Neugier ihren Herzensbund zu besiegeln, ist geradeSchloß Miramare als Ort der Trauung gewählt worden, jenes Schloß, das einst das kurze Liebesglück Erzherzog Ferdinands und der Prinzessin Charlotte von Belgien beherbergte. Vor 44 Jahren erbaute auf Wunsch des Erzj frtei frrrr AMM " ui'mmMm KliktiSJ ivifO iT'JE-.1 Schloß Miramare. Herzogs, zweitenBruders Kaiser Franz. Josefs. Architekt ' Junker den stolzen' Bau in normannischem Stil, und ein Jahr später, am 27. Juli 1857. führte der junge Fürst die schöne belgische Königstochter als sein Weib in das österreichische Küstenschloß. Drei Jahre , später endeten seine Träume vonMacht und Glanz zu Queretaro unter mezikanis'chenFlintenkugeln und auf Schloß Bouchout. der nördlich von Laeken gelegenen kleinen Besitzung ihres Bruders. desKönigs der Belgier, lebt die. Wittwe des Erschossenen, von deren umnachtetem Geist seit jenem Schreckenstage sich niemals wieder der Schleier des Wahnsinns hob, ein düsteres Schattendasein. ES presstet nicht. Der kürzlich in Potsdam verstorbene Geheimrath Ludwig, Wiese, der langjährige Leiter des preußischen höheren Schulwesens, pflegte in Freundeskreisen eine kleine Geschichte von seiner ebenfalls hochbetagt gestorbenen Mutter zu erzählen. Als die alte, ehrwürdige Frau ihr 80. Lebensjahr überschritten hatte, sagte sie einmal: Ich kann jetzt, wenn ich Abends im Bett liege, nicht mehr mein altgewohntes lanaes Gebet svrecben. denn ick hruhlt immer darüber . ein. ' Ich muß mich ' iekt kurz fassen und mick mit den j Worten begnügen: Lieber . Herrgott, I ' I ;i . , q am imum ocrcu, wenn . iuu Mlll) abberufen willst aber von meiner Seite pressirt eZ nicht."

T -- -

L , r fl ! ,

JÜLV;

einander in Verbindung stehen. Das Hauptgebäude hat bei einer Tiefe von 130 Fuß eine Länge von 600 Fuß und jedes der beiden andern mißt 150 Fuß im Quadrat.

Mrnverger Vatyskesser. Trotzdem Nürnberg in seinem ehrwürdigen, historisch so berühmten Rathhause ein mit ebensoviel behaglichem Comfort als Kunstschätzen ausgestattetes Wahrzeichen aus der Zeit der ehemaligen freien Reichsstadt besitzt, hat es darinnen keinen Rathskeller zu verzeichnen. Jetzt erst mit der Erbauung des neuen Amtsgebäudes, eines dem Rathhause angefügten Monumentalbaues, hat auch Nürnberg einen solchen erhalten. Vom Einganze dem Obstmarkte aus führen einige Stufen, darüber eine goldene, elektrisch beleuchtete Weintraube und ein Willkommenspruch grüßen, hinunter in Bacchus' gemüthliches Reich. Rathhaus. Drei Abtheilungen umfaßt dieses: den großen Rathskeller, einen kleineren Saal und das allerkleinste und köstlichsie Gelaß das Rathsstübchen. Reiche, kunstvoll gearbeitete Holztäfelung, im Stile alter Zeit, bekleidet die Wände der drei gewölbten Räume, ihm entsprechen auch deren gesummtes Mobiliar, Beleuchtungskörper und sonst!ger , Zierat. In die originelle Malerei der säulengetragenen Decke des großen Rathskellers sind Alt-Nürnbergs Wappen und einige kernige Weinsprüche eingeflochten, während über dessen Eingangsthür, zu lesen: Im Essen, Trinken, Zürnen und Glimpf. ' Im Reden, Schweigen, Ernst und Schimpf Halt Mittelmaß, daß nicht erwachs Viel Schaden daraus; so spricht Hans Sachs." Eine Holzdecke schmückt den daranstoßenden kleineren, im spätgotischen Stile gehaltenen Saal, dessen vier mit Vleiverglasungen versehene Fenster mit den Bildnissen von acht berühmten alten Nürnberger Rathsherrn geziert Rathsstübchen. sind. Am schönsten jedoch nimmt sich das trauliche Rathsstübchen aus. Eigenartig ist darin alles von der mit lateinischen und deutschen Sprüchen verzierten, reich gemalten Decke, der mit den flachgeschnitzten, goldumränderten Wappen und Wahlsprüchen der beiden Bürgermeister Nürnbergs geschmückten Thüre,- bis hinab zu den die eine Wandvertäfelung in erhabener Holzarbeit begrenzenden, den Bau betrefsenden Worten. Charakteristisch ist auch der in dtV gegenüberliegende Wandseite eingeführte Spruch: Die kellerluft birgt.bösen duft der mensch wird molestiret wenn er in einer solchen gruft . sein stetig dasein führet doch wer ein stund gar wohlgemut in freundesrund sich gütlich tut der fühlet gleiche Wonnen wie draußen in der sonnen. BeiderSümiere. Regis seur: Wollen wir wieder einmal die Räuber- geben?- Director: Nein, unser neuer Liebhaber hat einen Frack geerbt. Da können wir schon ein modernes Stück geben, in welchem ein Tixad vorkommt!- : Anzüglich. Denken sich 'mal. dieser gemeine 'Mensch, Müller, hat mich ein Rindvieh nannt!- Na. da brauchen Sie ,Sie der ge sich nicht getroffen fühlen, Sie sind ja Vegetarianer!" ' ! . Erblich belastet. Spitalsbesucher: Sie sind sicher auch ein Opfer der Vererbung?" Patient: Ja, ich bin Nachts, beim Nachhausekommen, über ein altes Kanapee gefallen'.'däs ' wic 'vom' "Großvater geerbt habenl"

!- MW WM WZZM; zzö iW; 1oo nz,, ""... Mm

Ti 7 P"i m iT 27 u

Höer-Ammergau. Das durch die Passionsspiele Weltbekannte Pfarrdorf Ober-Ammergau, einst die Handelsstation Coveliaca der Römer, streckt sich 841 Meter über dem Meere in anmuthigen, von bewaldeten Bergen umrahmten Thalgrund an beiden Ufern der klaren, stillfließenden und grünumsäumten Ammer hin und besteht aus zierlichen, weißen, meistens mit Scenen aus der biblischen Geschichte bemalten Häusern und mehreren geschmackvollen Villen. Vom nahen Osterbichl blickt die colossale, 13 Meter hohe Kreuzigungsgruppe herab, die König Ludwig II. 1875 seinen lieben Oberammergauern schenkte, und die das hehre Wahrzeichen der Gegend bildet. Wie an vielen anderen Orten mögen im Mittelalter wohl auch in Oberammergau Darstellungen sogenannter religiöser Mysterien stattgefunden haben. Die Einführung eigentlicherPassionsspiele entstammt jedoch dem Jahre 1633. Damals wüthete dort die Pest. Um ihr Einhalt zu thun, gelobten die Bewohner, zur Ehre , Gottes das große Versöhnungsopfer auf Golgatha" in Scene zu fetzen. Die Aufführung wurde begeistert aufgenommen, die Seuche endigte, und man beschloß, um sich dem Himmel dankbar zu erweisen, dieselbe alle zehn Jahre wiederkehren zu lassen. Und so geschah es regel-

rllSSä

o läiicn. mm wmmmkm Festspielhaus. mäßig, wenn nicht gerade schwere Zeiten die Darstellung hinderten. Die Passionsspiele feiern dieses Jahr ihre 26. Dekade. Früher fanden sie in primitivster Form auf dem Gottesacker, seit 1830 auf jenem Wiesenplan statt, der noch heute da Theater trägt. Nach manchen Verbesserungen wurde endlich 1890 an der Stelle des alten riesigen Passionsstadels- vom fönigl. Maschineriedirector Lautenschläger in München ein Festspielhaus erbaut, das einen ebenso schönen und harmonischen wie ernsten Eindruck macht. Es ist mit einer Mittelbühne zur Darstellung der symbolischen Gruppen und einer Vorbühne, die Orchestra" der antiken Theater, für die großen Actionen und Umzüge versehen. Den Rahmen dieser Mittclbühne bildet die Fa?ade eines hellenischen Tempels mit Frontispiz, von vier korinthischen Säulen getragen. Zu Seiden Seiten des Tempels öffnen sich Thore, durch deren Bogen man in zwei abgeschlossene Straßen, Kidronsgasse und Davidstraße, von Jerusalem blickt. Daran lehnen sich stolze Paläste, links derjenige des Pontius Pilatus, rechts der des Hohenpriesters Annas, und diese werden wieder von dreitheiligen Colonnaden zurAufnähme der Sänger und des Volkes flankirt. . Stilgerecht und in durchaus künstlerischer Ausführung ragen diese classischen Gebäude zum freien Himmel auf, eine prächtig gebaute Stadt des Alterthums darstellend, über der sich die stolzen Berge der Umgebung von Oberammergau erheben, das nach der Bühne. Sage ähnlich liegen soll wieBethlehem. Die Bühne, die ihre Beleuchtung durch ein Glasdach erhält, ist 42 Meter breit und 17 Meter tief. Das Theater und die vor Kurzem für die Zuschauer neu erbaute, von sechs eisernen Bogen mit einer Spannweite von 43 Meter gestützte, vollständig gedeckte riesige Halle bedecken eine Fläche von 3300Quadratmeter. Die Darsteller sind ausschließlich Ortsangehörige. Die Aufführungen beginnen am 24. Mai und endigen "mit 30. September. Reicht der Zuschauerraum für die zu einer, Vorstellung kommenden Gäste nicht aus, so wird das Spiel am nächsten Tag in gleicher Weihe wiederholt. DieVorstellung beginnt jedesmal Morgens 8 Uhr und dauert, eine Mittagspause von etwa zwei Stunden eingerechnet, bis Nachmittags 5z Uhr. Zum Uebernachten stehen den Fremden 1900 Zimmer mit 3500 Betten zur Verfügung. Eifersüchtig. Köchin (zu ihrem Soldaten): Was, satt bist Du schon? Gleich iß't Du mir den ganzen Braten auf und noch Kartoffeln dazu . . . Willst wohl noch anderswohin gehen und poussiren, Du Don Juan?!" . Der Segen der Großstadt. A.: Nur die Großstadt kann einem Manne die Mittel zum standesgemäßen Lebensunterhalt gewähren. Als ich nach Berlin kam, hatte ich keinen Heller in der Tasche..." B.: Und jetzt?- A.: Jetzt habe ich achtzigtausend Mark Schulden!"

tmnspggBXl rr i - J

jwcw-w, 7C yj i;

i

D e st o b e s s e r.

yTITl r , cryi w v. ss WLi W rö- - t fiyw ' ; MMF - fw'P jSpiS.' , W aV t i Jr 5r V . m v V " 1 7 V .'

Hast du schon einen Liebhaber für dein neuestes Bild gefunden?" Nein, -das nicht; aber für mich!" Aber, Herr Wimmerl, was machen denn Sie da oben auf dem Kleiderschrank?" , Na, Sie sehen doch, meine Frau hab' großes Reinemachen, und da hat sie mich hier derweil herauf gesetzt!" Ein böser Winter. Was sagen Sie zu dieser furchtbaren Kälte, Frau Nachbarin?" Ja. ja, 's ist schrecklich! Alles, was man sonst in den Mund, muß man jetzt in den Ofen 'neinschieb'n!" Schwerzumachen. ; Er (auf eine hochmoderne Dame zeigend): Du, Elise, man sollte eine solche Magerkeit wirklich nicht für möglich halten!" Er: Du, das ist ja die Geheimräthin, der trau' ich nicht die künstelt!" I m Z w e i f e l. Der Herr, der bei Euch wohnt, scheint ja sehr aufmerksam gegen Dich zu sein!" Gewiß! Und ich habe mich sogar mit ihm verlobt aber trotzdem plagen mich Zweifel!" Weßhalb denn?" Ich weiß nicht, ob er mich um meiner selbst willen liebt!" Aber beruhige Dich doch, weßhalb sollte er Dich denn heirathen, wenn er Dich nicht liebt?" Ja weißt Du, er ist meiner Mutter schon sechs Monat die Miethe schuldig!" . . " ' Es gibt Menschen, .die" . nur Denjenigen respektiren, von dem sie etwas zu befürchten oder zu erhoffen haben. - Manchmal geht Einem ein Licht erst auf, wenn man hinter'ö Licht geführt wird. .

G u t g e z o g e n. m plÖSfe ikMDW

ffil ' i- . t-0 '

zS