Indiana Tribüne, Volume 23, Number 207, Indianapolis, Marion County, 15 April 1900 — Page 7

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eiik Geschichte. Won Gustav Lössel. . , itmtr eit. als noch keine Bahn "V At W r "L die höflich gelegene Hauptstadt Sudaustra,Uens, Adelaide, mit dem 30Q englische Meilen entfernten Mornii Gambier verband, gaben Die, welche reiftn konnten, dem Pferde ton Äorzu,g vor jenem entsetzlichen Beförderrjngsmittel, welches von naiven &tt U,n die königliche Post", von den Ersahrenen (richtiger von den damitZerfahrenen) die ftmenmühle" genannt wurde. Man war da zwar mehr den Unbilden des Wetters oder der Hitze ausgesetzt, aber man blieb doch Mensch und wurde nicht wie eine todte Waare hin und her geschleudert. Auch ich hatte mich beritten gemacht und steutzit nun kühn nach Südosten. Das lang ausgerollte Bergpanora-

ma der Mount Lofty - Kette senkt sich gefunden, daß Leute, die auch so südlich zum Meere und bietet Abwech- .m Wirthshaus zusammentrafen und selung genug, um den Ritt durch die ' arin festgehalten wurden, die Langereizlose Ebene von Adelaide erträglich eile damit vertrieben, daß sie einem zu machen. Eine dunkle Bergfalte wahrheitsgetreu ihre bisherigen nimmt uns auf. Nun geht es auf der Erlebnisse berichteten. Das war un-

gut erhaltenen Chaussee nach oben. Es . scheint fast, als ob dessen Erbauer einen Blick für das Wildromantische gehabt hätten. Berge und Thäler. Schroffen und Schlünde folgen einander in malerischer Unordnung. Im nur freier gestaltet sich der Anblick. Es ist etwas Adlerartiaes in diesem Auf- ' stieg. Das Auge überfliegt Land und i . s . r f . l O W . . W Meer. Es mochte uns hinaustragen über die iief unten versinkende Welt. . . Da wiehert mein Roß. Es hat eine volle Krippe erspäht und an dieser Krippe ein anderes Pferd, auch so gesattelt und gezäumt. Natürlich ist es ml i,f , nr: je 1 ein Wirthshaus, das hier zu gastlicher Einkehr ladet, und da man in AustraIren an keinem solchen voroelzugeyen pflegt, erfüllt sich hier mein Schicksal. Ich finde meinen ersten Reisegesälten. Keine Freundschaft reift so schnell, als fcie, welche aus einem Glase Whlsky erwacyjr. löinmt uno rucyl po oa ins. Herauf kamen wir sinnend allein. hinunter ritten wir ' plaudernd zu Zweien. , Jenseits der gebrannten !

Sißau erleide, rn Den Lagunen unv vo- tung. Sie waren alle reich an den gelreichen Schilfniederungen des Mur-1 großen Wechselfällen des Lebens, an ray, kam ein dritter Klepper mit obh- ; ergreifenden und heiteren Episoden, an gatem Reiter an uns heran. Auf der j Abenteuern und Gefahren, an Liebesgroßen Murraybrücke holten wir den I just und Liebesleid. Jedes Gefühl vierten Mitreisenden ein. Unser erstes , und jede Leidenschaft tobten sich darin m V I . l I '- ' ' . . 1 ' . .

naazliager fernen joxz inu einem Fünften, der vorauf geritten war und dessen Feuer uns angelockt hatte. Als wir am dritten Tage auf Mac Graths Flat noch einmal Umschau hielten, waien wir unser Sieben. Hier nahmen wir den letzten Steigbügeltrunk. Dann ging es hinein in jenes Labyrinth von Sand- und Steinwüsten, von Sümpfen und ausgetrocknetenSalzseen, das unter dem Namen Kurong oder Achtzig Meilen - Wüste" in damaligerZeit der Schrecken aller Reifenden war. Man denke sich einen achtzig Meilen langen, nur flußbreiten Meeresarm, der der Küste parallel läuft. Eine nur mit Salzbusch bewachsene, wallartige Nehrung trennt ihn vom Meer. Dieses sieht man nicht; man hört nur sein Rumpfes, ewig gleichmäßiges Branden

'V und Brausen. Kein Känguruh oder

d Dingo kreuzt unseren Pfad, kein Vot! gel belebt die unermeßliche Oede mit d seinem Schrei. m Das Sumpfwasser ist r salzig. Die ehemaligen Salzseen glei- : chen glitzernden Schneefeldern. Ein k aufragender Wald ist verdorrt. , Sein von der Sonne gebleichtes Holz treibt

Zein Blatt mehr hervor. Wollte man rr r , , , Ät?ÄttSS.,S oden Kurong die Farben nehmen; die Nacht dort ist grauenvoll. Rast ein Gewittersturm durch sie hin. und brüllt das Meer, die Erde in ihren Besten erschütternd, dann mag auch der Muthlgste verzagen. Und eine seid lins VirSr fnf. .Z v. Und eine so che Nacht wares d rt lbre SckQtten über uns kinwark! dort ihre Schatten über uns hinwarf! Sturm, strömender Regen, HermeV m ! l . c . ;n.Lr.-:-sarr, t't. ;ii 7i?fnr ,.' ?nH;s ,,V s.if 9' m' I entzünden zu können. Da schrie Einer: Mn Licht! und jagte voran; wir Anderen folgten. Donnernd stampften sieben rasende Klepper den Boden, und sieben wie vom Galgen geholte Gestalten flogen mit ihnen schattenbleich dem ernen Siele zu Es war kein Sumpflicht, das unS in's Verderben führte. Hell und freundlich schien es aus dei Umrahmung eines Fenster hervor. Wir langten vor einer Blockhütte ein. Es war WMf3f,rts? ss ,tWm.rs;r. j-.i . rn uitiiiitwi uyv Kreischen seines frei schwebendenSchildes klang wie das Krächzen eines Ra fcT? 1Tn2 Tnrrr 2 KZ, si-f,s?N. ffPiti; v -t vv ttwuw m itt In weniger als fünf Minuten wa - ren unsere Pferde im Schuppen und )ir in dem von einem Licht erhellten, großen, rauchgeschwärzten Schankziminer. In dem riesigen Kaminloch brannte lodernd ekn mächtiges Feuer. Weg flogen Hüte. Mäntel und wassertriefende Molldecken, Waffen und Peitschen. Alles nef nach warmen Ge trnnUn frnmmritntfUHtr, Wurfs Käse und Eiern. Wir mufcien einan - der über den Tisch hin anschreien, um verstanden zu werden, denn eben jetzt ainaen sckwere 5?aaelscblossen auf das Wellblechdach nieder, das über unse - ' ren Häuptern sich ausspannte. Der Donner der Wolken und der Wellen, das Heulen und Singen des Sturmes in Rissen und Ritzen der undichten Wandung und ein wie zum Trotz gedrüllter lustiger Chor vereinigte sich zu einer wahren Höllenmusik. Nie hatten wir die Wohlthat des Lichtes, des Feuers und eines schützenden Daches so tief empfunden wie in dieser GeMitternacht m öden Kurmig! Das Gewitter verzog sich. Der Sturm, der wie- mit Riesenarmen die Sütte' umfangen und daran gerüttelt

hatte, alS wollte er sie aus den Funda ! menten heben, blies melancholisch Weisen. Wir waren gesättigt. Die Thonpfeifen dampften: die schweren

. Getränke waren nicht ohn: Wirkung ' ivutkll tlt. v7v vvj geblieben. Das eben noch bejubelte Haus machte btx ruhiger Vetraazlung einen aar unbeimlicben Eindruck. Es wußte Jemand im Flüsterton eine gruselige Geschichte zu erzählen, die sich hier abgespielt haben sollte, allerdings unter dem .vorigen Besitzer. Eine Pause entstand. Wir sahen einander an, und ich glaube, bei Allen war der Gedanke rege, daß man, um etwaigen Gefahren zu begegnen, zusammen bleiben und in den Kleidern schlafen mllsse, wenn man es nicht vorzog, überHaupt wach zu bleiben. Aus dieser Stimmung heraus sagte Einer: Meine Herren! Ich habe einmal bei einem, altenglischen Dichter (Chaucer) gelesen und es sehr ergötzterhaltsam und lehrreich zugleich. Maeben wir es dock ebenso! Man lernt sich besser kennen, und die Zeit geht hin. Was meinen Sie?" . Dieser Vorschlag fand auf allen Seiten die lebhafteste Zustimmung. Er lber sollte den Ansang machen. Das thAt er mit aller Besckeidenbeit von ' , 1 - fick ab. Es könne so ausseben, als wenn er den Vorschlag nur gemacht, um sein Licht leuchten zu lassen. Er werde im Gegentheil bis zuletzt war ten. boffe uns dann aber eineGesckicktc erzählen zu können, so seltsam und ergreifend, wie sie in diesen Colonien o ' ' ' ' noch niemals laut geworden sei. Das warf einen Funken von Span nung in die Versammlung, noch ehe er ft-inS Geschichte begonnen hatte. Sein fernerer Vorschlag, links von i'hm anfangen und so die Reihe herumzugen bis wieder zu ihm, wurde angenommen. Für uns waren die nun folgenden, theils launigen, theils ernten Geschichten. so gut oder so schlecht sie vorgetragen wurden, dl: köstlichste Unterhal aus. und man sraate sich im Stillen. was denn der Anreger des ganzen Planes nun noch so Wunderbares zu berichten haben könne, nachdem das Beste gesagt war. , . Nach einer jeden Erzählung entstand, eine längere oder kürzere Pause, während welcher wir das eben Gehörte besprachen. Inzwischen hatte der Nächste an der Reihe für eine neue Lage" gesorgt. Und so zwischen Erzählen, Plaudern und Trinken entschwand Stunde auf Stunde. Natürlich stellte auch die Ermüdung sich ein. Man sah den Einen oder den Andern gähnen, was immer ansteckend wirkt; Der und Jener nickte vorübergehend ein. Wohl m der Voraussicht, daß es so kommen würde, hatte der Schwarzbärtige" -in unserem Kreise hatte, wie landcsüblich, Jeder seinen Spottnamen und wurde nur bei diesem genannt seine Geschichte vorweg als eine solche bezeichnet, die alle vorhergehenden übertreffen werde. Wie sehr wir nun auch allesammt das Ende des Geschichtenerzählens herbeisehnten, es blieb doch immer ein Stachel zurück. der uns zu weiterem frören zwana. i w ii AM viiibtim ojwuu xiwuim : iw,nn s.!ne schichöniH den gesagten Erwartungen entsprach oder wenn er es wagen sollte, uns zum Schluß mit einem schlechten Witz abzufinden! Er hätte unsere Fäuste zu kosten bekommen. Vielleicht war er ' der bessere Erzähler; aber das siel hier m ett 'ir wollen den ,-1?., . Gipfel, oder er flog in den Abqrund. Endlich war auch die sechste, lang es läMti Wir ,h. wkien aus. Nicht cinmal wurde ä in ?"s.m kleinen Kreise lebendig. Ge. spannte Erwartung .laa auf Aller Mienen. Wo aber war denn der mnn ,, e. i , . . . . ' Schon äußerte Jemand, daß .der Schwarzbartlge vielleicht ausgeruckt 0tr 5U Pf1Jl5 3f i mit einem Theebrett voll dampfender ' GMglSsn wieder unter der Thüre Ql H1' lant leiben damit, daß Wirth und Ku schon tief im Schlafe lagen. Er Ze den Grog selbst zubereiten mus. en. Das konnte man aelten lassen. . r rr. jr , . . "!?.ung wuchs noch. Jetzt die viujiuyic vwci . . ,i Auf meinen Erfolg!- rief er in eit i 1 f ri r" rt' , , , , . ! li Selbstgefälligkeit und leerte sem Glas. Hoffentlich!- tönte es arollend wie aus einer Wetterwolke zu ihm herüber. uir ramen iym nacy. Meine Herren", begann er mit der selben lächelnden Miene, meine Ge qiqxt i iurzctc und, ich versichere Ihnen, diejenige, die die meiste . f r i ; , c m l r t ri m, , -iancn marncn "JiUr VXtl , Worte: .Ich binMorga n!'" ' Bleich und stumm und regungslos saßen wir da und blickten starr auf den Mann, der zu jener Zeit der Schrecken , von ganz Australien war. Lachen und 4 t 1t A. - . i ? t. . "nirnng waren oayin uno nur Angjt, wilde fiebernde Angst sprach aus jedem Besicht. .3 meine Herren, fuhr er mit tu uem drohenden Umblick fort, eben jeuer Morgan, auf dessen Kopf eine Belohnung von taufend Pfund Sterling ausgefetzt ist. Hat vielleicht Einer von Ihnen Verlangen nach diesem Gelde?" Er hatte einen neunläufigen Revolder aus seinem Guri genommen und wog ihn wie spielend in der Hand. " Nun kennen Sie meine Geschichte. Ich brauch sie nicht zu erzählen. Sie

ist in den Annalen dieses Landes mit ' Blut geschrieben von .meiner Hand allein! Ich habe nie einen Genossen gehabt. Ich bin, zur Zeit der Schafschur auf Stationen gegangen, wo hundert und mehr Menschen bei der Arbeit waren, und mein Name, mein Anblick hat Alle entwaffnet!

Sie wissen, ich bm kein qememer ' Räuber. Ich habe den Reichen genom- j men und den Armen gegeben. Für mich habe ich Nie mehr beansprucht, als was ich gebrauchte, um mein Rettungs- und Racherwerk fortsetzen zu können. Von Ihnen verlange ich nichts, als eine j Hand voll Gold, die sie schnellstens her- ! geben wollen, dieses doppelläufige Zündnadelgewehr .und 'ein besseres Pferd als das meine, das ich mir im Schuppen schon ausgesucht habe. Ich habe mir Ihre Geschichten erzählen lassen, um zu sehen, was anJhnen ist. Sie sind eben nur Dutzendmenschen, nicht' zu gut und nicht zu schlecht. Hätte ich einen Schurken unter Ihnen gefunden, und hatter er sich seiner Schandthaten noch gerühmt, er wäre nicht lebend aus Ihrer Mitte geschieten!" Das Gold!- rief er jetzt drohend. Im Ru lag ein Haufen Goldstücke auf dem Tisch, von dem. er aber nur eine Hand voll nahm. Dann griff er die Waffe auf. Sich zum Gehen kxn dend. sagte er höflich: Nicht wahr, meineHerren, wenn ich Ihnen den Rücken wende, zeigen Sie mir nicht Ihr Gesicht? Ich möchte keinen Todten zurücklassen. . Aus Ihren sämmtlichen Feuerwaffen sind die Kugeln gezogen. Wirth und Hauspersonal fchlafen fest von einem . Schlaftrunk, den ich ihnen gemischt habe; einen solchen that ich jetzt auch in Ihren Grog. Schlafen Sie ruhig! Adieu!- Er ging hinaus. Morgan wurde später von einem Mann um der Prämie willen erschossen. Sie hat dem Aermstrn kein Glück gebracht. Er wurde wahnsinnig und endete im Irrenhaus. Zlerbrechcr-Eitelkeit. von Theo. Seelmann. Wer die Lebensbeschreibungen eines Lips, Tullian, Lartouche, Schinderhannes und anderer berüchtigter Räuber des 17. und 18. Jahrhunderts gelesen hat. dem wird es sicher aufgefallen sein, mit welcher prahlerischen Eitelkeit diese Verbrecherkoryphäcn bei den verschiedensten Anlässen ihren gefürchteten Namen kundzugeben liebten, ganz unbekümmert um die Gefahr, dadurch die Häscher und Wächter des Gesetzes und ihre Nachstellung auf sich zu ziehen. Die Formen ändern sich, der Inhalt bleibt im Wesentlichen derselbe. Für Verbrechertypen wie Lips Tullian und Schinderhannes ist, bei uns kein Spielraum mehr vorhanden, auch das Verbrechertum hat sich den geänderten Zeitverhältnissen angepaßt und seine Kriegführung gegen die Gesellschaft demgemäß umgestaltet, aber sein Denken und Fühlen deckt sich noch mit demjenigen seiner Berufsvorfahren, und so ist ihm denn auch das Bedürfniß, sich seiner Thaten zu rühmen, die alte Eitelkeit, geblieben. Charakteristisch ist es schon, daß sich ein Verbrecher gar nicht selten kurz vor der Begehung einer That Photograph!ren läßt. Er kommt sich wie ein Held vor, von dem die Welt in einigen Tagen sprechen wird, und dies treibt ihn dazu, seinen äußeren Menschen durch die photographische Platte verewigen zu lassen. Damit stimmt es denn überein, daß er für die photographische Aufnahme diejenige Stellung erwählt, welche ihm als die vortheilhafteste erscheint, daß er sich frisiren und pomadisiren läßt und sich mit Ringen, Uhrketten und allerlei Tomvakschmuck ausstasfirt. Auch für die Verbreitung seines photographischen Ebenbildes sorgt er; er gibt es Freunden und Bekannten und benutzt auch sonst die Gelegenheit, es an den Mann zu bringen. Der Raubmörder Sandow wurde vor einigen Jahren bekanntlich dadurch festgenommen, daß er einer Kellnerin einer Magdeburger Animirkneipe, in der er eingekehrt, war, zum Andenken seine Photographie übergab. Als ein paar Tage später die Zeitungen das Bild des von der Polizei gesuchten Mörders brachten, erinnerte sich das Mädchen der Photographie, verglich sie mit dem Zeitungsclich und lenkte auf Grund der Uebereinstimmung die Behörden auf die Spur des flüchtigen Verbrechers. Die Eitelkeit ist es auch, die den Verbrecher zuweilen veranlaßt, über seine Unthaten regelrecht Buch zu führen. Wie der. Kaufmann wohl mitunter seine Geschäftsbücher durchblättert, um sich schwarz auf weiß von den Erfolgen seiner Tüchtigkeit zu überzeugen, so schmeichelt es auch dem Verbreeher, an der Hand von kleinen, vielleicht nur für ihn verständigen Notizen die Bilder seiner verwerflichen Thätigkeit von eit zu Zeit in seinem Gedächtniß aufzufrischen. Der Wiener Raubmörder Schneider, der sieben Dienstmädchen, die er unter dem Vorwand, ihnen Stellungen zu verschaffen an sich gelockt hatte, an abgelegenen' Orten um's Leben brachte, hatte sich über jeden Fall ziemlich ausführliche schriftliche Bemerkungen gemacht; ja, 4 (t.MtJl. W.aTa Tt?! siAV 5 Vs V 11 j ti vcuugic uicc ifuici uyui ui vu uu' ! ierfuchungshaft für die Ausarbeitung ' einer Biographie, die an eitler Ruhmredigkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Es ist 'eine bekannte Erscheinung, . daß Verbrecher kurz nach der Ausführung des Verbrechens häufig den ' Thatort wieder aufsuchen. Nicht im mer ist es die innere Unruhe, die sie antreibt, an Ort und Stelle zu erkunden, wie weit die Nachforschungen gediehen sind, sondern diel öfter spielt da5 kitzelnd: Verlangen mit, zu hören, waZ

sich die Leute über den Fall erzählen, wie sie die Geriebenheit des Thäters öesprechen und auf diese oder jene Weise den Hergang zu erklären suchen. Da kommt es denn auch bisweilen vor, daß der Thäter selbst, in dem Bestreben, als ein heller Kopf zu gelten, sich zu einigen unvorsichtigen Worten hinreißen läßt, die seine Kenntniß von dem wirklichen Verlaufe verrätherisch offenbaren. Bor längerer Zeit wurde in Budapest ein älterer Mann, der im Parterre einer Hofwohnung ganz allein wohnte, in einer Nachts ermordet und seiner Baarschaft beraubt.. Unter den Neugierigen, die sich am nächsten Vormittag vor der Wohnung des Ermordeten ansammelten, wurden auch die Vermuthungen über, die Ausführung des Mordes ausgetauscht und man äußerte die Ansicht, daß der Verbrecher vom Hof aus in die Wohnung eingestiegen sei, da eine Scheibe des einen Fensterflügels eingedrückt war und die Splitter nach innen hineingefallen waren. Das wäre doch nicht nöthig." meinte demgegenüber ein junger Mann, der unter den Neugierigen stand, denn der Thäter könnte den Fensterflügel nach dem Morde von innen geöffnet, die Scheiben eingedrückt und dann das Fenster wieder geschlossen haben, um die Nachforschungen auf eine falsche Spur zu lenken Unter den Versammelten befand sich auch ein KriminalPolizist. Er nahm sich den jungen sindigen Burschen aus's Korn, folgte ihm. als er wegging, stellte unter der Hand seine Persönlichkeit fest, beobachtete ihn und konnte ihn, da sich bestimmte Verdachtsmomente ergaben, nach drei Tagen verhaften. Der Bursche hatte bis vor einem Vierteljahr für den Ermordeten Lohndienste verrichtet, sich dabei Schlüssel angeeignet, mit denen er die Thüren geöffnet hatte, und war dann, blos um den Nachforschungen eine andere Richtung zu geben, nach dem Morde mit dem Fenster genau so ver-

fahren, wie er es den Neugierigen am Morgen nach derThat geschildert hatte. Die Eitelkeit trägt auch nicht zum Wenigsten dazu bei, daß der Verbrecher mit einer gewissen Vorliebe das Gespräch auf das von ihm verübte Verbrechen bringt. Es befriedigt ihn im Stillen, da ein Wissender zu sein, wo die Unbeteiligten im Dunkeln tappen, und er kargt daher nicht, diesem Gefühl durch die Erwähnung der That irt der Unterhaltung mit Anderen von Zeit zu Zeit neue Nahrung zu geben. In einem oberschlesischen Dorfe wurde eines Morgens ein junges Mäd chen erhängt an einem Baume aufgefunden. Obgleich keinerlei Beweggründ vorzuliegen schien, mußte man doch einen Selbstmord annehmen. Auffällig war es nur, daß der Strick, an dem sich dasMädchen aufgehängt hatte, auf eine höchst merkwürdige Weife verknotet war. Im Laufe der Zeit vergaß man den Vorfall. Vier Jahre später kam in dem Dorf ein Mann zu Besuch, der aus einer benachbartenOrtschaft stammte, aber schon seit einer Reihe von Jahren in Hamburg ansässig war. wo er sich seinen Lebensunterhalt als Hafenarbeiter verdiente. Am Abend lud der Besucher seine Bekannten zu einem Glas Bier in der Schenke ein und erkundigte sich auch nach den Vorkommnissen imDorfe. Dabei wurde denn auch des Selbstmordes des jungen Mädchens Erwähnung gethan und besonders von dem räthselhaften Knoten gesprochen. Auf dieses Thema schien der Besucher nur gewartet zu haben, denn er erwiderte sofort, daß auch er einen Knoten, einen sogenannten Seemannsknoten, schlingen könne, der den Anwesenden gewiß unbekannt sei. Den Worten folgte die That. Zufällig war der Gemeindevorsteher des Dorfes bei dieser Unterhaltung zugegen, der auch der Abnahme des Mädchens von dem Baum, an welchem sie hing, beigewohnt hatte. -Er erkannte sofort, daß der von dem Hafenarbeiter gezeigte Knoten genau mit demjenigen, mit welchem der Strick zusammen eknüpft war, übereinstimmte. Dies erregte seinen Verdacht, und er theilte seine Beobachtungen dem Gendarmen mit, der nun in aller Stille Nachforschungen in der benachbarten Ortschaft, aus der der Hafenarbeiter stammte, anstellte. Es ergab sich, daß der Hasenarbeiter vor vier Jahren, und zwar genau in der Zeit, wo der vermeintliche Selbstmord des Mädchens sich ereig. nete, in seinem Heimathsort zu Besuch gewesen, und daß . er an demselben Morgen wieder abgereist war, als der Vorfall bekannt geworden war. Auch wurde ermittelt, daß der Verdächtige früher ein Liebesverhältniß mit dem Mädchen unterhalten hatte. Aus allen diesen Gründen schritt man daher zu der Verhaftung des Hafenarbeiters. In der gegen ihn geführten Untersuchung räumte er endlich seine Schuld selbst ein. Er hatte mit dem Mädchen am Abend der That eine Zusammenkunft vereinbart gehabt, in der er es zu überreden gesucht hatte, ein, neues Liebesverhältniß, das eS inzwischen mit einem anderen jungen Mann angeknüpf.' hatte, zu losen. Als sie dieses entschieden verweigert hatte, hatte er ihr von hinten eine Schlinge über den Kopf geworfen, sie erdrosselt und dann den Strick mit dem Seemannsknoten an den Baum befestigt. ' Der eiteln Geschwätzigkeit des Berbrechers wird übrigens oft von dem Untersuchungsrichter absichtlich Gelegenheit zu ihrer Bethätigung gegeben. Es: ist em häufig angewendeter Trick, einem Untersuchungsgefangenen einen Genossen in der Zelle beizugesellen, damit der Verdächtige diesem gesprächsweise diese oder jene Eröffnunaen : macht, die für die Fortführung ver Untersuchung von Werth sind. In rnelen Fällen wird denn auch der Kniff von dem besten Erfolg gekrönt. Unerklärlich erscheint es auf den ersten Blick, warum so oft Verbrecher, die sich der polizeilichen Nachstellung entrückt lauben, Briefe in die Hei-

math senden. Die Anhänglichkeit an die Angehörigen ist es nicht,, was sie dazu bewegt,, denn diese hätte sie überHaupt von der Begehung der That abhalten müssen, vielmehr ist es zumeist die Eitelkeit, die die Flüchtigen bestimmt, ein Lebenszeichen von sich zu geben, da sie den ihnen nahestehenden Personen beweisen wollen, daß es ihrer Schlauheit gelungen ist, sich in Sicherheit zu bringen. Vor einigen Jahren unterschlug ein Kassirer in Wien eine bedeutende

Summe und ergriff dann die Flucht. Drei Wochen später erhielt eine junge Dame, die mit dem Kassirer verlobt gewesen war, von ihm emen Brief, m dem erhr mittheilte, daß er sich wohlgeborgen in Italien befinde, aber in zehn Tagen die Reise nach der neuen Welt antreten werde. Die Dame lieferte den Brief der Polizeibehörde aus. Aus dem Poststempel ersah man; daß der Brief in Mailand aufgegeben war. Auch konnte man aus dem Stempel das Datum der Absenkung feststellen. Es lag nun die Vermuthung nahe, daß der Durchgänger einen oberitalienischen Hafenort zum Antritt seinerReise benutzen würde. Das Studium des Kursbuches ergab, daß genau am zehnten Tage nach dem Aufgabedatum des Briefes nach der regelmäßigen Dampfschifffahrtsverbindung zwischen Italien und Amerika ein Passagierdampfer von Genua abging. Man verständigte nun sofort die Genuenser Behörde, und diese hatte auch richtig das Glück,' als einen der ersten Passagiere, die das Schiff betraten, den Defraudanten festnehmen zu können. Eitelkeit will Zwang haben. Ist dieses Wort auch eigentlich nur auf die modische Putzsucht gemünzt, so paßt es doch auch auf die Verbrecher-Eitelkeit. Denn nur zu oft ist sie die Ursache von Unvorsichtigkeiten, die dann die Ueberführung nach sich ziehen, und die Folge ist davon ebenfalls ein Zwang, nämlich der des Gefängnisses und des Zuchthauses. Zjasenvraten. HumoreLIe von Lina Fabian. öolch strenger Winter macht uns Hausfrauen viel zu schaffen. Die angefahrenen Holz, und Kohlen-Vorrüthe stnd ausgebracht, ein PreiSausschiag hat auch stattgefunden, und nun meU nen Mann zu einer Nachlieferung zu bewegen, das mußte sicher etwas Lamento absehen. Zugleich aber schien mir die Gelegenheit günstig. 'um nickt .nur eine Kohlen-Nachforderung, son dern auch eine Aufbesserung des Wirthschaftsgeldes überhaupt durchzu drücken. Ich eröffnete schon während des Abendessens die- diplomatischen Verhandlungen: Hör' mal, mein Lieder," begann ich, Du mußt neue Kohlen anschafsen. Da wirst Du also noch so 50 Emcken herausgeben müssen." Brrr!" sagte mein Mann. Ich habe schon zu Weihnachten meinen Etat überschritten. Aber weißt Tu, mein Schatz, lange kann die Sache nicht mehr dauern, es muß doch Frühling werden. Könntest Du nicht die Kosten für die paar Kohlen aus den laufen den Ausgaben bestrciten?" Um Gotteswillen", rief ich ver zweifelt aus. was denkst Tu denn von meinem Wirtschaftsgeld ! Na, das wäre ja noch besser! Nein, nein, wie ich mich habe einschränken müs sen in Allem.. .., kaum daß ich mir einen Hasenbraten gegönnt habe, den ich so schrecklich gern esse. . . . Und nun kommt mein Geburtstag, und da sehe ich schon jetzt " ich begann zu schluchzen, daß ich.. .., daß ich da wieder keinen Hasen haben werde," .. dabei holte ich langsam mein Thränentüchlein hervor und traf alle Anstalten, um die Schleusen eine ThtänensturzbacheS aufzuziehen. Wenn's nicht anders geht," lenkte mein Mann ein," dann bestelle nur die Kohlen. Das Weitere wird sich schon sindcn!" Mein Geburtstag! Die liebevolle Aufmerksamkeit war diesmal nicht weit her. Ein Kuß...., noch einer...., ein etwas kurz gehaltener Glückwunsch. das gestaltete sich wirklich nicht auf regend. ' Ich machte mich ausgehfertig und fuhr nach der Markthalle. Dort er stand ich einen Hasen oh, daS war ein Prachtkerl. Triumphirend brachte ich meine Beute nach Hause. Ach. gnä' Frau' ries Anna lustig aus, Sie dringen auch 'nx Hasen? Eben war der Paketbote , hier, der hat auch einen abgeladen." Ich warf einen Blick auf den gelben Kumpan: vom Onkel Meyrich. Viele Glückwünsche selbst geschossen gut schmecken lassen. Ich sah mir das Thier näher an: ein stattlicher Bursche, noch ganz hart gesroren. Nun", er klärte ich, d3 ist nicht gefährlich. Bei der Witterung halten sich die frisch ge schossenen Thiere wochenlang. Heute wollen wir den aus der Markthalle zu nchtmachen.. Und, nun begann das Abziehen! Eben war Anna dabei, dem Thiere das Fell Über den Rücken zu zerren, als die Korridorklingel gezogen wurde. Las sen Sie sich nicht stören, Anna, bleiben Sie beim Hasen, ich werde selbst öss nen. .. damit Verließ ich die Küche. ; Ich öffnete langsam die Thür, und vor j mir stand der Hausdiener einer bekann ten Wildprethandlung. Ich soll den Hasen hier abgeben,", erklärte dieser, bezahlt ist er schon, ein Herr hat ihn heute morgen gekauft,und damit legte tx einen weiteren Hasen in meine Arme. Ich war nämlich so verdutzt, daß ich im ersten Augenblick gar nicht zugreifen konnte. Dann aber war ich schnell wieder Herrin der Si tuation. Hier haben Sie ein Trink geld," meinte ich und drückte ihm einige Nickel in die Hand. Etwas unwillig schleppte ich meine

Last nach der 'Küche. Ach, du lieber Himmel," staunte .Anna; noch ein Hase?' Ich ging in'S Wohnzimmer, weil mir der Hasengeruch zu aufdringlich wurde. Ein wenig Odeur aus meinem Riechfläschchen gab meinen beleidigten Geruchsnerven Genugthuung, und ich überlegte eben, ob es mir nicht zuträg licher sei, wenn ich die Zubereitung des Hasen Anna überließ und mich ein hal des Stündchen ausruhte.. .. Ach, du lieber Himmel, es hatte sich was mit dem Ausruhen. Es trat ein Besuch nach dem anderen an: Frau Küglcr, Frau Bergmann, Frau Wich trich. , Frau Osterloh. Der Salon glich bald einem Treibhause, so war er mit Blumen besetzt. Frau Direktor' Bandmann fehlte noch. Die Frau Direktor war schon un terwegs," bestätigte Frau Kügler. Ja, sie ist nur in die Blumenhandlung gegangen," meintl Frau Berg, mann. Kling, ling Klrrr die Klingel läutete Eroßfeuer. Na, hören Sie triumphirte Freu Osterloh, da ist die lang Erwartete schon eingetroffen." Ich hörte, wie Anna die Thür öss. nete, wie sie Nanu, da entspinn sich ja ein lebhafter Disput. Das konnte doch unmöglich die Frau Tirek tor sein. Ich wollte eben aufsteben, um selbst nach dem Rechten zu sehen, als Anna den Kops durch die Thüre des Salons steckte: Hihihi, hihihihi, kicherte sie.... ein Hase; noch ein Hase; der dielte. . " t Entsetzt eilte ich hinaus. Und wirk lich: wieder stand der Hausdiener eines Kaufmanns. im Korridor und streckte mir einen Hasen entgegen. Mehr todt als lebendig kehrte ich wieder in den Salon zurück. Die Damen waren wahrscheinlich gerade über mich hergezogen; denn das Geplausche ver stummte plötzlich. Ich erfaßte sofort die Situation und brachte das Thema auf ein anderes Gebiev. Mein Ernstchen muß gleich aus der Schule kommen," begann ich; nein, was die zarten Kinder jetzt Alles schon lernen müssen, das gab's in meiner Jugend doch noch nicht. Uebrigens ist Ernstchen ein sehr kluger Junge. Tenken Sie, meine Damen, er hat gestern schon seine Sparkasse geplündert, um mir eine Freude zu bereiten. Ich

schenke Dir etwas Praktisches. Mama", sagte er mir heute beim Weggehen. etwas, was Du Dir imnier so ge wünscht hast." Bei all' dem Plaudern hatte ich ganz überhört, daß Erns!chen zugleich mil meinem Manne angekommen war. Ter Junge pochte artig an, dann schlän gelte er sich langsam in den Salon, hinter sich zog er ein längliches Etwas. . Nachher!" erklärte der Junge. Ja, weshalb denn?" forschte ich weiter. Erst muß ich mein Geburtstagsgc. schenk 'reinzieben," keuchte Ernstchcn, zerrte aus Leibeskräften und schleppte einen Hasen in den Salon. So", erklärte er leuchtenden Auges, ich habe wohl gewußt, was Tu Dir wünschtest...." Eine kleine Pause. Oh, oh!" stöhnte Frau Kügler und drückte ihr Taschentuch vor das Gesicht, das Thier hat haut gout." Da trat auch schon mein Mann ein, gestiefelt und gespornt, wie er war; er hatte nicht einmal seinen langen Mantel draußen abgelegt. Nach einer kur zen Begrüßung wandte er sich an mich: Aber mein Herzchen, die vielen freudigen Ueberrafchungen haben Dich schon ganz blaß gemacht, und ich will Dir noch eine weitere bereiten!" Er nestelte an seinem Mantel herum und holte endlich hervor einen Hasen .... . Ich heuchelte eine Ohnmacht. Ach, die Aermste, hörte ich noch Frau Berg mann sagen; wenn wir gewußt hät ten, dak sie einen solchen Wunsch ge äußert hat, hätten wir das Geld für die Blumensträuße zusammengelegt und auch einen Hasen geschenkt. . . . ! Die Zintersceer. von Peter Cchlemihl. . An den Straßenecken der Residenz fiadt X. waren große Plakate ange schlagen, welche verkündeten, daß die Hinterseeer- ihre Vorstellungen im Hoftheater mit dem oberbayerischen Ge birgsstücke Ter Schnackeltoni- am Heutigen beginnen würden. Man war auf die schauspielerischen Leistungen dieser Kinder der bayerischen Alpen um so mehr gespannt, als die TageSblätter seit Wochen rühmende Berichte über die urwihsige, naive Kunst dieser einfachen Bauern gebracht hatten. Ter berufenste Kritiker der Stadt, Herr Moritz Bärenthal, hatte noch gestern in seinem Theaterbriefe Nr. 283 geschrieben: Es sind Bauern. Nur Bauern. Einsache, mit Lederhosen bekleidete Bauern. Aber, was sie uns bieten, ist echte Kunst. Reine un. verfälschte Kost. Man verstehe mich. Ich sage nicht; eö ist die Kunst. Ich sage nicht, daß sie allen men-en Vor schristen in Brief 3 und 132 (siehe die se) entspracht. Aber es ist doch Kunst. Die Stücke sind gut. Man gehe hin ein. M. B." Ein anderes Blatt hatte ein Fcuille ton über die Hinterseeer gebracht. Die bekannte geistreiche Verfasserin desselben schrieb: Aus diesen Volksstücken weht es uns entgegen wie Walde-lust und Bergesodem. Wir" hören .das Mur meln der Bäche und das Rauschen der Bäume, und über alledem schwebt leise verklingend ein melodischer Jodler -aus der Kehle eines drallen Baüernmädchens während im Hintergrunde der Bua" jauchzend und hüpfend einen Schuh Plattler tanzt." i Kein Wunder also, daß die erste Auf sührung der Hinterseeer das ganze ge bildete Publkum der Stadt im Hosthe aier versammelte. Auü SerenissismuS batte sich mit ! Merhöchstdero Gemahlin eingefunden.

In eingeweihten Kreisen erzählte man sich, daß der hohc'Hcrr vor Beginn der Vorstellung sich heiter angeregt von dt ro Gemablin über daS Milieu hatte be lehren lassen. Die höchste Frau war nämlich vollständig vertraut mit deri Sitten und Gebräuchen des Gebirgsvolles, da Höchste einigemale bereitsdurchgereist waren. Ihre Durchlaucht schilderten den bekannten Stolz des rei chcn Bauern, welcher seine Töchter nur wiederum an Bemittelte verheiratet, was insofern nicht ganz den Jntentio nen der hübschen Landmädchen citl spricht, als diese gewöbnlich ihre tmi herzige Zuneigung einem Bediensteten, des VaterS schenken. Durchlaucht erwähnten dann noch den rührenden Kampf zwischen Pflicht und Liebe seitens der Tochter, berührten auch die Entsagung des armen Knechtes, dl Konflikt desselben mit dem starrköpsigere Ulten und bemerkten, daß alle diese Gc fühle am Schlüsse des Stückes durch Patschen auf die entblößten Kniee rhyth misch zum Ausdruck gelangen. Serenissismus hörten sichtlich interes sirt zu und waren sich beinahe im K!o ren, als das Stück begann. ES war eine echt-, thaufrische Dichtung. . Die Tochter des reichen Freihosbauem liebte den Flößer Toni, welcher der beste Schütze und Kegelschieber rundum war. Der Alte hatte beschlossen, seine' Afra an den buckeligen Sohn des stein reichen Holzhandlers Schmid zu verhci rathen. Alles war besprochen und ver abredet zwischen den Eltern. Da kommt plötzlich die Entdeckung, daß der arme Schnackeltoni, diese Pläne stören iL Bei einem Preiskegeln ist der Freihof. bauer über die Kunst des stramme Burschen so entzückt, daß er ihm freistellt, einen Wunsch zu äußern, gleich viel welchen; er wolle ihn gewähren. Und als Toni daS nicht glaubt, schwört er bei seiner Ehre und dem Grabe seinerEltern. Ta wünscht der Uebermüthige die Hand der Afra Wegleitner zum ehe lichen Bunde! Der nächstfolgende Akt schildert packend den Seclenkampf des Alten. welcher vor der schweren Wahl steht, ob er dem, Holzhändler Schmid oder hexn Floßknechte Toni da- gegebene Wort brechen soll. Er entscheidet sich schwe. ren Herzens zu letzterem und greist mit rauher Hand in das Lebensglück seiner Tochter, welche nach einem schrecklichen Kampfe zwischen Eltern- und Bursche? liebe den Helden des Stückes in die: Fremde schickt. Toni zieht in den Kriege rettet bei Sedan einen Oberst und zwei: (Zencräle, erhält das eiserne Kreuz. wird verwundet und Hellt im Laareth seine-

Afra wieder, welche Krankenpflegerin geworden ist. Im letzten Akte kommt, die Versöhnung. Ter alte Wegleitncr7 will immer noch starrköpfig den Floßknecht verschmähen, da bringt der Biir germeister ein Handschreiben des Kö nigS, welcher die Ehe der lieblichen Alpenrose mit dem tapferen Ritter dc5 eisernen Kreuzes befiehlt. Wortlos starrt der Alte auf den Brief. Mit zitternder Stimme sagte ex: .Wos? Vom Kini? Von unserm Kini? An Brief von unserm Kini? No, Ton! da hast halt dei Afra! Bal's da Kini selber hamm will, ko der Freihosbauer nct dagegen sei. Leuteln, spielt's oan auf!" Und nun beginnt auf der Bühne welche sich rasch mit Burschen und Mädeln füllt, ein lustiges Tanzen, Stam pfen und Patschen Serenissimus waren sichtlich ergrimm und befahlen die Tarsteller der Haupt. rollen zn sich. Ter Intendant v. Pritzel witz geleitete die Naturkinder in dieLoge. Sie schoben sich schwerfällig in. den vornehmen Raum, und ihr Wortführer, der Fischersimmerl", begrüßtedie Herrschasten mit der naiven Schlicht, heit seines Volkes. (Maß die Good, Herr Fürst? Grüaß die Good. Frau Fürstin! Seid'S alleweil g'sund beinand?" Aeh,' was? was sagt der Kärl? fragte EerenissimuZ. Er frägt Euer Liebden nach den Wohlergehen," stüstcrte der Herzog. So, so? hm! Ach, äh sagen Sie 'mal, mein Lieber, woher sind Sie eigentlich?" Vo Hintersee aussa, z' allerhöchst im Gamsgebürg." Wie? Was sagt der Kärl?" Er bemerkt, daß er aus dem Hoch, gebirge ist, Euer Liebden. ,,So? Aeh sagen Sie 'mal. patschen bei Ihnen zu Hause die Leute alle so stark auf die Kniee?" ,,Du moanst an Schuahplatt!er Herr Fürst? Da haft Recht. Woast des iö unser Nationaltanz; da leg ma. Alles nei, was mir hamm, inser Herz und inser G'muath und dir Liad z. insern Herrscherhaus." Schon gut, hm, äh, äh.... schorr gut. Ich verstehe den Karl absolut nich, der stottert sa! Sagen Sie 'mal, Pritzelwitz, der Karl war doch ein jan jewöhnlicher Bauer? Was? Ja, Eurer Liebden."' ,,So wie die Kärls bei uns, die, d!e Mist schieben, was?" " 1 Genau so. Euer Liebden." Und jetzt ist er Künstler, he?" Ja, Euer Liebden. Ein'ganz äch ter, deutscher Künstler." Märkwürdig, hm, äh.. .. märkwürdig! Geben Sie den Kärls ein paar Medaillen für Kunst und Wissen schast." Mit einer - gnädigen Handbewegnnz entließ der Fürst die lunstsreudigert. Landbewohner. Lakonisch. Junverheircr thete Frau (stolz): Und dann, pflegt mir mein Mann immer des Abends et was vorzusingen!" Acltere verheira thete Frau: .Das thut mein Theekessel euch!" Eventuell. C?mmercZeu rath: Werken Sie meine Tochter dmr nun auch stets mit der vollen Sluth JhrcsHerzens lieben, Herr Leutnants Leutnant: .Hängt janz von Ihnen ob Hnr CommercZenrath!"