Indiana Tribüne, Volume 23, Number 207, Indianapolis, Marion County, 15 April 1900 — Page 2
Lenzstlmmkn. Von O. v. Eerstfeldt. schneeglöckchen bliihn am Wiesenram Und läuten hell den Frühlinz ein: Sei, junger Lenz, willkommen!" Die Veilchen hören, daß es schellt. Und öffnen, um zu sehn die Welt, Die Augen weit, die frommen. Im ste Himmelsschlüssel stehn Und sprechen: Kommt, wir woll gehn. Den Himmel auszuschließen!Die Küchenschelle brummt von fern: Ich hab' die Erde g'rad so gern. Könnt mir den Himmel grüßen! Das Leberblümchen blickt empört Aus diese Frevlerin: Sie stört UnZ frech den Lenzesfrieden! Maiglöckchen seufzt im tiefen WaTd: Ach, wär' doch nicht vorbei so bald Die Blüthezeit hienieden! Die Anemon' auf schlankem Stitf ufragt leise: Ist denn nur zum Spiel Das Leben uns verliehen?" Ms Antwort drauf bricht laut hervor Gin großer, Heller Jubelchor In Siegesmelodien: Nicht Blüh'n allein ist Zweck und Ziel, Das Leben ist kein Friihlingsspicl, Wir wollen Früchte tragen!" VotyeKaare. Von H. von Altona. Gewiß, die Kleine wäre gcrr nicht iibel. es könnte vielleicht mit der Zeit etwas aus ihr werden, aber rothe Haare ich bitte Sie, da kann doch Don schön, oder auch nur hübsch niemals die Rede sein!" Hatte Diejenige, die im Laufe eines mit einer ihr befreundeten Dame geführten Gespräches diese vernichtende Kritik aussprach (und zwar über ein noch im zarten Alter stehendes kleines Mädchen, das trotz seiner verpönten Haarfarbe der Liebling des ganzen Bekanntenkreises war), wohl eineAhnung, welchen Feuerbrand sie raii ihren WorUn in ein nichts ahnendes, mit den Ansichten, Vorurtheilen und dem Geschmack" der Welt noch unbekanntes Herz geworfen? Hatte sie eine Ahnung von den Gedanken, die sich nun in dem zu besagtem kleinen Herzen gehörigen, mit schweren, aber ach gleichfalls rothen Flechten geschmückten Kopf kreuzten und wie die unschuldigen Kinderaugen sich umflorUn und ein heißer Thränentropfen nach dem anderen aus ihnen herniederfiel? Nein.ste ahnte es nicht, sie hatte dieAnwesenheit des etwa zwölfjährigen Mädchens, das, still und bescheiden ein wenig abseits sitzend, zur un'sreiwilligen ZuHörerin geworden war, nicht bemerkt; sie wäre wohl sonst etwas vorfichtiger gewesen. Und so war es geschehen, so war der Kleinen mit einem Male die kindliche Unbefangenheit genommen, so war sie zur Erkenntniß" gelangt. Was hatte es sie bisher angefochten, die muntere, übermüthige und stets zu einem lustigen Streich aufgelegte Renate, daß sie rothe Haare hatte! Ja, sie hatte wohl überhaupt noch niemals ernstlich darüber nachgedacht, warum der liebe Gott so viele Schwarz-, Braun- und Blondköpfe erschaffen und dann einmal ganz ausnahmsweise zu einer so ungewöhnlichen Nüance gegriffen. Zwar hatte bisweilen der Zuruf Nothkopf, Rothkopf!" an ihr Ohr gefchlcgen, aber geärgert schien sie das rsechs kaum jemals zu haben, denn cn weder warf sie mit zecin.ischätziger M'ne. die ihr aber ganz alleViet-st zu Gesicht stand, die langen Flechten recht ostentativ in den Racken, so daß sie sich, wenn gerade das Sonnenlicht darauf fiel, wie zwei, feurige Schlangen bis zum Saume des leichten Sommerkleidchens hinabringelten, und würdigte den Spötter keines Blickes, oder sie compensirte schlagfertig den Rothkopf mit einem Dummkopf, Dummkopf!" und ratte dann natürlich die Lacher auf ihrer Seite. Sie selbst lachte herzhaft mit, fo daß die weißen Zähne und Grübchen in den Wangen, um die mancher Blond- und Schwarzkopf sie hätte beneiden können, so recht zu? Geltung kamen. Und nun ist ihr auch klar, warum im vergangenen Winter auf ihre so bringende Bitte, da ihr das Christkind auch einen so prächtigen, carmoisinrothen Baschlick bescheeren möge, wie ihn Freundin Olga beim Schlittschuhlaufen so groziös zu tragen wußte, die sonst so gütige Mutter förmlich trA fetzt crw'dert hatte: Aber Kind, das Zqnnst Du doch unmöglich tragen!" O. in ihrem jetzigen Stadium der Erkennniß weiß sie nur zu gut, waZ dieseS Du" eigentlich hatte fagen follen!. Dif, bis Garstige, Roihhaarige" vervollständigte sie es sich nun in selbstquälerischer Bitterkeit, und heißer, un i.fha'ltsamer flössen ihre Thränen. Wie qrt! zenlos, wie unaussprechlich unglücklich war sie doch! Lange, lange f.and sie am Ab:nde dieses Tages, der ihr so herbes Weh gebracht hatte, noch vor dem Spiegel ihres kleinen Schlafgemachs. , Mit vrüfenden.kritischen Blicken niusterte sie ihr Spiegelbild und obzvohl ihre nun geschärften Beobächrungsgaben die Vorzüge, . mit denen Mutter Natur sie bedacht: die schlanke geschmeidige Gestalt, die großen sprechenden, Augen, der blendendweiße Teint, keineswegs entgingen, so hafteUn die Blicke doch immer und immer tvieder an dem, in zierlichem Kränz um den Kopf gelegten leuchtenden Haarschmucke, und auch nicht der leiseste Aweiel an der unumstößlichen RiAtig-
teil senes herben Urtheils stieg wohlthuend in ihr auf. Und als sie endlich in späterStund den müden Kopf auf's Kissen legte und die heißen, verweinten Augen sich zu unruhigem Schlummer schlössen, da' war es immer und immer nur der eine Gedanke, der bis in ihre Träume quäkend und beängstigend und zu Tode betrübend sie verfolgte: Du bist unschön und darum (denn das sagte sich instinktiv schon dieses Kinderherz, daß nur das Schöne und Anmuthige in dieser Welt des Scheines zu Freude und Glück prädestinirt ist) und darum freudlos und glücklos! Und doch kam das Glück! So'liebst Du mich also wirklich und wahrhaftig, trotz trotz ?" Trotz was. mein Lieb?" fragte er, die bebende Gestalt an sich ziehend .und das gesenkte. Köpfchen emporhebend, so daß er ihr in die feuchtschimmerdenAugen blicken konnte, trotz was?" Doch schnell barg sie das heiße Antlitz an seine Schulter und leise, kaum hörbar klang es in sein Ohr: Trotz meiner rothen Haare." Einen langen, langen Kuß drückte er auf die schwere Flechte, die halbgelöst über den Nacken herniedersiel: Trotzdem. Du meine goldhaarige Loreley, oder vielleicht gerade deswegen."
Neformkleidung. , Eine Gruppe der modernen Frauenbewegung beschäftigt sich auch mit der Verbesserung der Frauentracht. Nicht nur in ihrer äußeren Stellung, sondern auch in ihrer äußeren Kleidung soll die Frau eine andere werden; so wünscht man aus Gründen der ZweckMäßigkeit und vor allem der Gesundheit. Daß die heutige Frauenkleidung zum großen Theil gesundheitsschädlich ist, unterliegt keinem Zweifel, und man n)ird deshalb allenBorschlägen, die auf eine Beseitigung dieser hygienischen Mißstände hinzielen, unbedenklich zustimmen können. Der Grundgedanke für alle Berbesserungsideen ist, die Taille zu entlasten und, der männlichen Kleidung entsprechend, Schultern und Oberkörper zum Träger der Kleider des Unterkörpers zu machen. Statt der bisher üblichen zwei oder drei Unterröcke soll ein Beinkleid eingeführt werden, das weit und faltig wie bei der Tracht der Radfahrerinnen geschnitten und nöthigenfalls mit FlaneZ gefüttert ist. Es wird im Schritt durch Knöpfe und unter dem Knie entweder durch leichte Gummibänder oder durch einmKnopf geschlossen. Das Corsett soll in allen Fällen nach Maß gefertigt werden und entweder als Untertaille" gearbeitet sein oder wenigstens breite Achselbänder tragen, die über die Schulter gehen. An das Corsett ist das Unterkleid anzüknöpfen. Reformlerinnen strenger Richtung wollen von einem Corsett freilich nichts mehr wissen. Das ist aber wohl zu weit gegangen. Ein Corsett wirkt nur dann gesundheitsschädlich, wenn es die Taille übermäßig zusammenschnürt und die Unterleibsorgane drückt und verschiebt. Ist das Corsett nicht fabrikmäßig hergestellt, sondern auf Bc-. 'stellung genau nach der Figur gearbeitet, so läßt sich gegen seinen Gebrauch kaum etwas einwenden; giebt es doch dem meist schwachen Rücken der Frau eine willkommene Stütze. Besonderes Gewicht wird auf die rationelle Beschaffenheit der innerst-n' Unterkleidung gelegt. Die Frauen sollen hochgeschlossene und langärmlige Hemden wie die Männer tragen, um die ebenso lästige wie ungesunde Berührung der Hautoberfläche mit den rauhen und gefärbten Kleiderstoffen zu vermeiden. Mit dem Hemd läßt sich weiterhin ein Waschunterbeinkleid in der Weise verbinden, das an einer in Hüfthöhe am Hemd befestigten Lasche die Unterhose befestigt wird. Neben diesen Veränderungen der Unterkleidung ist für den Straßenanzug eine Verkürzung des Kleiderrocks vorgesehen. Die Schleppe wird mit Recht streng verurtheilt. Sie wirbelt überall Staub und Krankheitskeime auf und führt damit den Athmungs-' organen schädliche Stoffe zu. Der kurze Kleiderrock wird an der Kleidertaille befestigt und von ihr getragen. Aus der Kleidertaille müssen die Fischbeinstangen, die die schädliche Wirkung eines enggeschnürten Corsetts nur noch erhöhen, unbedingt entfernt werden! Die nach hygienischen Grundsätzen reformirte" Frauentracht besteht also im Wesentlichen aus dem OZerkleid, d. h. der Taille, und dem kurzen Rock, den Stoffbeinkleidern, die an das Corsett oder Mieder angeknöpft sind, aus dem hochgeschlossenen, lang'ärmligen Hemd und der daran befestigten Unterhose aus waschbarem Stoff. DaS weiche 0. 5in entsetzlicher. Unglllcksfall hätte sich neulich beinahe zugetragen. In dem Moment, als eine Kaufmannsgattin den Laden der Firma Kaspar Dietrich am Karlsplatze verließ, löste sich einer der vier Fuß hohen Metallbuchstaben von dem über der Ladenthür befindlichen Firmenschild los und fiel direkt auf ein Kind, welches die Dame bei sich führte. Ein sofort herbeigerufenerArzt constatirte. daß derUnfall keine scblimmen Folgen nach sich aezoaen batte 'da ! ,' der losgelöste und abgestürzte Buchsiabe glücklicherweise das weiche D ' Vnr $m?ir S2 C?nV Vinm m.1 I vi4. uwtv vwü viav vvm lyuiicu x ; getroffen worden, so wäre es unrettbar verloren gewesen. ? Glosse. Den Schauspieler Roller hat ja der Blitz getroffen." ! Der Kerl war immer '& EsfelthaXyx.- '. '- - - ...
Aas Gänschen. ?on I. O. Heim. Hübsch war si: in ihrem duftigen, weißen, zarten Gazekleidchen, mit den thaufrischen Rosen in dem breiten Gürtel, das mußte er selbst sagen, als er sich vorschriftsmäßig vor ihr ver-beugte,-um sie zum Souper zu führen. Voller Unmuth und Aerger hatte er die Nachricht von dem liebenswürdigen Wirth empfangen, daß er nicht, wie erwartet, die gefeierte Frau Melanie Z., den Stern der Gesellschaft, zu Tische führen durfte, sondern, wie er sich im Stillen recht erbittert sagte, dieses Gänschen, das der Geheimrath für einen Winter aus irgend einem entlegencn Winkel Westpreußens nach der Residenz gebracht. Er seufzte und sah seine kleine Nachbarin so recht trostlos an. Sie bog den blonden, von Flechten umrahmten Kopf ein wenig zurück und blickte lächelnd zu ihm auf. Aus ihren dunklen Augen zuckten funkelnde Blitze, und um die Mundwinkel spielten tausend neckische kleine Geister deZ Frohsinns und Uebermuthes. . (Seien Sie nicht so verzweifelt, Doctcr, und versuchen wir's miteinander," lachte sie, und wenn Sie brav sind und sich tapfer als Cavalier ohne Furcht und Tadel die schauerlich langweilige Souperzeit durchschlagen, dann enthülle ich Ihnen das Geheimniß, weshalb Sie den vielfach begehrten Stern der Gesellschaft heute nur von Weitem bewundern dürfen .und mich Gänschen aus der Provinz zur Nachbarin haben." Sie hob ihr Glas, das er inzwischen gefüllt hatte, und hielt es ihm entgegen. Aus einen vergnügten Abend!" rief sie lachend, und die Gl'äser klangen hell zusammen. Erhard hatte ihr erstaunt zugehört. Unerhört war's doch, daß dieses junge, unerfahrene Kind ihn durchschaut hatte. 'Mein gnädiges Fräulein, ich bitte um Verzeihung," sagte er. und zum ersten Male irrte ein Lächeln um den ernsten, fest geschlossenen Mund. Nun begann die Unterhaltung, und die Kleine führte sie aus wie ein gewiegter Feldherr seinen Schlachtplan. Der ihr zuerst gleichgiltig Zuhörende wurde aufmerksam und intevessirt und trat aus seiner Reserve vollständig heraus. Er wurde lebhaft, geistreich und suchte immer mehr und mehr die kleine Kecke in die Enge zu treiben und ihr in Allem seine Üeberlegenheit zu zeigen. Er ging jetzt gern auf ihre Scherze und ihren Muthwillen ein; sie lachten wie zwei ausgelassene, lustige Kinder, und er fühlte sich mit ihr jung und fand es nicht mehr sonderbar, daß er mit' diesem Gänschen ein paar Stunden zusammen fröhlich seinsollte. Und die Zeit schwand, der Sect perlte in den Gläsern; der Nachtisch war bereits servirt. Plötzlich griff sie in die vor ihr stehende Fruchtschale und sagte lachend: Nun greife ich eine doppelkernige Mandel, und dantt spielen wir J'y pense"." Sie brach die Mandel entzwei, und in ihrem Innern fanden sich wirklich zufällig zwei kleine Kerne. So," sagte sie und reichte ihm den einen, nun essen wir ein Vielliebchen." Sie hatte kaum den Satz beendet, als die Stühle geräuschvoll zurückgerückt wurden, die Wirthin die Tafel aufhob und die Gäste einander geseg nete Mahlzeit" wünschten. Er stand vor ihr und sah in ihre schimmernden, dunklen Augen, die sie voll zu ihm aufgeschlagen hatte. Lächelnd küßte er die kleine Hand und führte die Tischnachbarin in den Nächstliegenden Tanzsaal. Hi ließ sie sich auf eine kleine Ottomane nieder, er verbeugte sich nochmals und ging. Sie blickte ihm lange nach und sah auf die kleine Hand, auf der seine Lippen einen Moment geruht, und eine heiße Gluthwelle stieg in dem zarten Gesicht auf. mJ'y pense," flüsterte sie leise, und ein glückliches Lächeln verklärte ihre reinen, kindlichanmuthigen Züge. Dann gab sie sich ganz dem' Vergnügen des Tanzes hin und schwebte bald von einem Arm in den anderen, getragen von den prickelnden lustigen Tanzweisen, den Saal auf und ab. Erhard hatte sie nicht mehr gesehen.' Er war zu Frau Melanie Z. gegangen, die im kleinen, matt erleuch teten Boudoir der Hausfrau Cercle hielt und sich von ihn.n Verehrern bewundern ließ. Ganz am Schluß erinnerte er sich feiner Pflichten, die er als Tischherr gegen seine kleine Nachbarin .hatte. Er. tanzte mit ihr eine Extratour jm Cotillon. Sie heftete einen Orden an seine Brust, und er überreichte ihr ein Veilchensträußchen. das sie mit glücklichem Lächeln zu den dielen anderen legte, , die ihren Platz schon füllten. Der Morgen dämmerte, als man die teppichbelegten Stufen des gastlichen Hauses hinunterging. Er war eben im Begriffe, aus der Hausthür zu treten, als eine weiche Hand sich auf feinen Arm legte. m.Vy pense," kicherte es von den lieblichsten rothen Lippen, und ehe er ' sich umwenden und antworten konnte, war der kleine Uebermuth schon verschwunden. Tage und Wochen waren vorübergegangere, ohne daß Erhard sich an seine kleine Tischnachbarin erinnert hätte. Kurz nach dem Balle folgte er einem Rufe an eine ferne Universität; ein paar flüchtige Abschiedszeilen und ein Dank für Geheimraths waren das Letzte gewesen. .was sie von ihm ersahren, und dennoch verfolgte sein Bild Maria im Wachen und im Traum. Die Veilchen waren längst verwelkt, aber in Marias Seele lebte die Erinnerung an den ersten Ball fort und fort, und ein heimliches Sehnen nach jenen kurzen Stunden des Zusammenseins mit jenem Manne, bemächtigte sich ihrer. Maria hatte nur aus dritjer Hand, Kunde von dem Ergehen des-
jenigen erhalten, der, ihr jugendliches Herz mit einem Schlage gewonnen. Er hatte inzwischen einen bedeutenden Ruf in der Gelehrtenwelt erhalten. Seine Wissenschaft schien ihn vollständig auszufüllen; er war einsam geblieben. Wieder gaben Geheimraths den ersten Winterball, und heute war Maria, das Gänschen" von ehemals, der Stern der Gesellschaft. Sie hatte sich wunderbar entwickelt: ihr Benehmen zeigte eine tadellose Eleganz und Sicherheit. Sie war sich vollbewußt ihrer Schönheit und Grazie, ihres Geistes, ihrer mannigfachen geselligen Talente. Man umschwärmte sie, und sie hatte für Alle ein freundliches, liebenswürdiges Lächeln. In dichten Schaaren hatte sich die junge Lebewelt um sie gedrängt, als plötzlich der Geheimrath, einen Herrn am Arm? sich langsam durch die Menge zu seiner schönen Nichte Bahn brach und. ihr leicht auf die Schulter klopfend, sie anredete. Maria, ich bringe Dir einen alten Bekannten. Professor Erhard wünscht Dir guten Abend zu sagen." Einen Moment lang zuckte es wie in heißem Schmerz in ihrem Herzen, ihre Augen schauten den Ankommenden scharf und durchdringend an. Er murmelte ein paar Begrüßungsworte, die sie erwidern wollte, aber schon meldete der' Diener, daß angerichtet sei, und die Thüren zum Speisesaal öffneten sich. Darf ich um den Vorzug bitten, Sie heute zu Tisch zu führen?" fragte Erhard, und sie nickte und legte ihren Arm in den seinen. Und Erhard bemühte sich, seine schweigsame Nachbarin diesmal mit all' seiner glänzenden Rednergabe zu unterhalten. Er ließ die Funken seines Geistes und Witzes sprühen. Maria hörte zerstreut zu. Immer wieder und wieder ruhten ihre Blicke auf dem Manne, der Jahre lang das Ideal ihrer Träume gewesen, den sie mit jeder Fiber ihresHerzens geliebt und dessen Gleichartigkeit sie so bitter gekränkt hatte. Und jetzt da sie ihn wiedersah, war ihr Herz so kalt und still, und keine warme Empfindung wollte darin aufkeimen. Endlich war die Tafel zu Ende, die ihr endlos lang erschienen, und sie athmete auf, als er gegangen. Er war ein Anderer geworden, er glich nicht dem Ideal, das sie sich von ihm erträumt. Als sie am nächsten Morgen etwas spät mit blassen Wangen zum Frühstück herunterkam, da duftete ihr ein großer Strauß von dunkelrothen Rosen entgegen, und als sie sich über ihn beugte, da sah sie ein kleines Billet in demselben. Sie entfaltete es mit einem traurigen Lächeln. Es war die Bisttenkarte Professor Erhards; unter seinem Namen stand: Jy pense!" Und um Mittag machte er dem gnädigen Fräulein feine Aufwartung. Man hatte ihm viel von der reichen Erbin erzählt. , Er war in die Residenz gekommen, um alte Beziehungen wieder anzuknüpfen und in Archiven zu arbeiten. Maria gefiel ihm. Warum sollte sie nicht die Lorbeeren vergolden, die er sich mühsam erworben auf dem rauhen, steilen Pfade, den die Wissenschaft nur selten ihren Lieblingen ebnet. Und nun besann er sich, er hatte nicht einmal . seine Schuld des verlorenen j'y pense ihr gegenüber getilgt, mit einem Strauß, mit einer duftigen Gabe. Nun wollte er's einholen nach Jahren! Ob sie's wohl vergessen hätte? Er begrüßte sie herzlich. Er sagte ihr viel Artigkeiten, und endlich ergriff er ihre Hände und fragte sie, ob die Blumen nicht zu ihr gesprochen hätten von dem, was er ihr heute sagen wollte. Sie blickte ihn scharf und durchdringend an, lange es schien, als wollte sie in seiner Seele lesen. Wenige Sekünden ernsten Schweigens folgten, dann lachte sie auf es war ein hartes, kaltes Lachen; er zuckte bei dem Klänge desselben zusammen. Hatten Sie einst im Frühling gesprachen," sagte Maria, da hätte ich Sie wohl verstanden, doch nun ist's Winter geworden! Die Frühlingserinnerung ist erfroren!" Sie trennten sich, um sich nie wieder-zusehen.
Kasernenhofvlüthen. Sie, Rekrut Lehmann, machen Se doch'nich so ein eingebildetes Gesicht, wie ein Kamel, das sich nich für das Schiff der Wüste, sondern für einen Salondampfer hält!" 5 Na Meier, wenn ein Künstler einmal die Dummheit darstellen will, da melden Sie sich schleunigst." He 5 Müller, machen Sie nicht ein Gesicht wie ein junger Vater, der auf einen Knaben gerechnet hat und dem der Storch zwei Mädchen bringt!" $ )ji Mann, imVerhältniß zurArmee sind Sie ja doch bloß eine Mücke! Und doch macht der Kerl aus sich einsolch riesiges Rhinoceros!" Hilfsbereit. Lieschen (welches gehorcht hat): Mama, wenn Dir Papa durchaus kein neues Kleid kaufen will, fallen wir beide in Ohnmacht." Der boshafte Kunftkrit i k e r. (Aus einem Ausstellungs--Bericht.) Herr Pempler hat einige Schlachtenbilder ausgestellt. Der Krieg ist etwas Schreckliches, aber doch nicht so schrecklich, wie Herr Pempler ihn malt. Gelungene Vertheidig u n g. - Richter: Sie ' haben einen dem Herrn Professor gehörigen Regenschirm gestohlen?" Dieb: Jawohl, aber der Herr Professor ist ja dadurch nicht geschädigt, r hätte ..den Schirm fcc$ ohnehin irgendwo mgessen!"
Akte und neue Moden. Wer sich für wunderliche Schrullen der Menschheit . interessirt. der kann nichtsBesseres thun, als auf dem merkwürdigen Gebiet der Mode ein wenig Umschau zu halten. Diese Beschästigung ist nicht nur anregend und lehrreich, sondern auch als ein wirksames Mittel gegen griesgrämige Grillenfängerei zu empfehlen. Es ist durchaus keine Uebertreibung, wenn man von einer Laune der ewig wechselndenMode spricht, die alles Andere eher kennt, als Gründe. Die Mode kommt und ist da, und ein Narr fragt, warum. Aber ihre Wege sind nicht nur unerforschlich, sie sind auch unaufhaltsam; selbst der bissigste Spott bleibt dieser Macht gegenüber kraftlos. Man darf indessen dabei nicht nur an die Damenwelt denken, denn auch die Herren der Schöpfung", die nicht selten eine Geringschätzung gegen derartige Aeußerlichkeiten heucheln, ließen sich seit jeher von der Mode ebenfalls tyrannisiren, allerdings nicht in dem Maße, wie das schöne Geschlecht. In alten Zeiten war d5e Kleidung beider Geschlechter nicht grundsätzlich verschieden und sie war so einfach gehalten, daß der Schneider recht wenig zu thun hatte. Später machten sich aber auf diesem Gebiete revolutionäre Bestrebungen geltend, bei denen die Männer vorangingen. Zu Beginn des fünfzehnten JahrHunderts kamen zum ersten Mal in den Toiletten der Frauen die ausgeschnitten! Kleider mit verhängten Taillen zum Vorschein und derSchneider erhielt den charakteristischen Namen Tailleur. Es wurde, insbesondere im Gebrauch von Pelzwerk und Schmuck, ein so großer Luxus getrieben, daß sehr energische Kleiderverordnungen erlassen wurden, um dem Unfug Einhalt zu thun. Namentlich gingen da die Städte energisch vor, weil die Stadtväter vor den hohen Kleiderrechnungen ihrer Gattinnen Angst bekamen. Diese Schritte hatten aber wenig Erfolg. Die Frauen gehorchten nach wie vor den Modelaunen, und wiewohl jene Verordnungen hauptsächlich auch gegen das Corsett mit großer Stnngc wetterten, so schnürten sich die Damen trotzdem mit demselben Fanatismus wie etwa in unseren Tagen. Auch die Schleppen waren im 18.Jahrhundert an der Tagesordnung und nahmen zeitweise einen Umfang an, gegen den die gegenwärtige -Sitte allerdings recht bescheidsn aussieht. , Wie putzsuchtig die Frauen damals waren, erhellt aus der Tbatsache, daß sich die Tochter Karls V.. die Ohrläppchen zweimal durchstechen ließ, nur um recht viel Geschmeide anbringen zu können. Die schier unglaubliche Tiefe der Kleiderausschnitte hatte eine starke Reaktion zur Folge: die Kleider wurden später bis zum Hals geschlossen, wobei sich der Einfluß 'Spaniens, der seit der Mitte des 16. Jahrhunderts tonangebend war, geltend machte. Zu jener Zeit wurde auch zum ersten Male die dunkle Farbe bevorzugt. Als eine der wunderlichsten Modelaunen muß wohl die Sitte betrachtet werden, daß sich damals dieModefanatikerinnen sogar Stelzen anschnallten, um künstlich . zu einer imponirenden Größe zu gelangen. Die Hüften bekamenine geradezu entsetzliche Breite, zu deren Herstellung allerlei Füllwerk in erstaunlicher Menge gebraucht wurde. Der Reifrock trat ebenfalls fchon in seine Rechte. Mit dem dreißigjährigen Krieg nahm der Einfluß Spaniens ab, Deutschland ging selbstständig vor. Man kleidete sich bequem und es kamen die ersten Atlaskleider auf. Dann aber trat Frankreich in den Vordergrund, wobei die männlichen Costüme einen ausgesprochen weiblichen Zug erhielten. Die Reifröcke nahmen einen unheimlichen Umfang an. Die Gemahlin Ludwigs XV. gefiel sich dabei in solchen Uebertreibungen, daß ihretwegen in den Schlössern die Doppelthüren eingeführt werden mußten. Die Haarfrisuren wuchsen zu einer abenteuerlichen Höhe und Breite an und besonders war es die Königin Marie Antoinette, die in dieser Hinsicht die närrischsten Ausgeburten zur Schau trug. Im Revolutionszeitalter nahm aber die Mode einen ganz anderen Charakter an. Die Frauen hatten große Brusttücher, das Corsett wurde abgeschasst und man trug nur ein Kleid auf dem Leib, ohne Hemd und ohne Unterrock. Die allzu einfache Kleidung konnte aber nicht lange bestehen. Die napoleonische Zeit brachte wieder die alte Pracht und mit ihr das Mieder. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts übte die Kaiserin Eugenie eine unumschränkte Modegewalt aus. Sie schuf, als sie Mutterfreuden entgegensah, die Krinoline, die erst mit dem Sturz Napoleons III. ihre Herrschaft verlor. Was auf sie folgte, war aber nicht minder fragwürdig; die Röcke-wurden fo schmal, daß die Fortbewegung durch sie erschwert wurde. Selbst die jüngsten Wandlungen der Mode zeigen gar komische Auswüchse,, unter denen dfe mächtig breiten Aermel am seltsamsten aussahen.
,. Ztot Schönheit. Jlka. des Stuhlrichters Tochter. Ist im Ort das schönste Madel; Augen feurig, kraus die Locken Wuchs und Haltung ohne Tadel. Spielen kann sie am Piano, . Singen auch wie aine Wochtel, Alle Fraier kriegen Körbe. Ende? Aine ölte Schochtel! ' , Immer höflich. Straßen- . t iti . cr v , rauoer zurn itouniicnj : ouen avt ' nicht ein lr?niz ablegen, mein Herr?" . :
Zur unsere Kinder. , Vom Schafltin ant Ut Weide. Wenn der Winter die Schneekappe über die Ohren zieht und wie ein Dieb bei Nacht und Nebel sich von danncn schleicht"; wenn der Thauwind die Straßen gefegt ha! und alles blank gemacht: dann kaun der Frühling kommen! Und dann kommt er auch eilends mit Sang und Klang und Jubelton! Von allen Seiten jauchzt man ihm entgegen, und alles freut sich, o, wie sehr! - Auch die Schäflein freuen sich, jawohl; und nicht am wenigsten! Der Winter ist ihnen auch lang geworden! Wohl ist der Stall warm und behaglich; aber auf der Weide draußen ist's doch noch tausendmal schöner! Die Sehnsucht nach der frischen, freien Luft ist mit jedem Ta größer geworbeif. Nur gut, daß in den letzten Wochen so viele junge Lämmchen zur Welt gekommen sind. Das hat doch eine willkommene Abwechslung im Stall gegeben. Sie sind auch gar zu possirlich und haben so drollige Einfälle, die kleinen Dinger! Aber gerade die Kleinen freuen sich fast noch mehr auf's Frühjahr, als die Großen. Sie haben ja noch gar nichts von der Welt gesehen, als ihren dunklen Stall. Darum hören sie gar zu gern zu, wenn ihnen die Alten von der Weide erzählen, und von den grünen Wiesen mit den bunten Blumen darauf, von dem Bächlein mit dem klaren Wasser, von den Bergen, wo die würzigen Kräuter wachsen! Und nun ist er da, der Frühling, der liebe! Der Schäfer öffnet den Stall. Potztausend! was giebt das für ein Gedränge, für ein Geschrei und Blöken. Sie möchten alle zu gleicher Zeit hinauskommen. Frau Sonne sieht ihnen zu. Sie lacht über den lustigen Wirrwarr und Durcheinander, daß ihr fast die Thränen über das runde Gesicht laufen. Der Schäfer aber ruft: Sachte, sachte! Es kommt, jedes an die Reihe! Könnt ihr's denn gar nicht erwarten, herauszukommen?" Ach nein, sie können's nicht erwarten, die Großen nicht, weil sie noch so gut wissen, wie herrlich es draußen ist; und die Kleinen können's nicht erwarten. hinauszukommen, weil sie noch gar nichts wissen von den Herrlichkeiten der Welt und sie doch gar zu gerne kennen lernen möchten. Da sind sie nun auf der Weide, bald im Thal und bald am Berge. Ach. welch h-rrlich' Leben! ' Es ist eben doch noch viel tausendmal schöner, als die Alten es in der Erinnerung und die Jungen es sich ausgemalt hatten! Wie schmeckt das Gras so süß. wie sind die Kräuter so würzig und wie herrlich die zarten Vlümelein ! Die Lämmchen machen vor lauter Lust und Uebcrmuth Sprünge, daß sie sich förmlich überpurzeln. Sie tanzen und springen, daß sogar die alten, ehrbaren Schafe und Böcke von dem Uebermuth angesteckt werden und mit wunderlich schwerfälligen Seitensprüngen sich an der Lustbarkeit betheiligen. Haben sie dann genug getanzt und gesprungen und Hunger und Durst gestillt, so legen sie sich behaglich zur Ruhe nieder. Die Vienlein summen ihnen in Schlummerliedchen; die Sonne wärmt den weichen Pelzrock: da träumt es sich gar sanft und süß. Drinnen im Schäferkarren liegt der Schäfer. Der ist auch vom langen Stehen und Gehen müde geworden, daß ihm die Augen zufallen, ehe er sich recht auf's Ohr gelegt, und über ein Weilchen, da schnarcht er schon! Horch! nh rch ich!" Aber Phylax, der treue Schäferhund, wacht und hat wohl acht, daß keinem von allen ein Leid geschieht. So schön und friedlich' geht's nun freilich nicht immer zu. Auch für die Schäflein kommen Zeiten, die ihnen nicht gefallen. Wenn Frau Sonne ihr liebliches Gesicht hinter Wolken versteckt und der Regen dann in Strömen vom Himmel gießt: das behagt den vierfüßigen Pelzröcklein schlecht! Zuweilen zieht auch ein kohlschwarzes Gewölke am Himmel auf. Dumpf rollt der Donner und grelle Blitze zucken vom Himmel herab. Da fürchten sich die armen Schelme gar . sehr. Sie springen alle zuhauf. Ganz dicht drängen sie sich aneinander. Sie stecken die Köpfe zusammen und wagen gar nimmer aufzuschauen, bis das UnWetter vorüber ist und die liebe Sonne wieder am Himmel steht. Und noch zwei Dinge giebt es, die sie gar nicht sonderlich ergötzen: Die Wäsche und die Schur! Ja, ja, diese kleinen Pelzmannlein, die so geduldig, so sanft, so lieb und gut sind, haben eine gar schlimme Eigenschaft.: sie wissen nichts von Reinlichkeit und haben auch keine Freude an, ihr! Wenn es auf sie ankäme, so würden sie sich all ihr Lebtag nicht waschen lassen! Sie fürchten das Wasser über alles! Man läßt sie dhalb auch gewöhnlich damit in Ruhe;"aber einmal im Jahr müssen sie doch dran glauben. Da zieht der Schäfer mit ihnen an einen Teich oder Fluß. Dann holt er sich noch einige handfeste Männer her und nun geht's los. Patsch! wirst er das erste Böcklein in's Wasser. Das Vöcklein rudert und zappelt und stößt um sich, aber es hilft ihm nichts. Die Männer halten es fest. Dann wird gewaschen, gerieben und mit Bürste und Seife gearbeitet, daß es eine wahre Lust ist. Dem 'Schäflein selber ist's freilich keine Lust und auch der übrigen Heerde nicht. Da stehen sie alle und gucken ganz verwundert zu. Nach und nach, wie fo eins um's andere weggeholt und in's Wasfer geworfen wird, merken sie, daß die Sache auch noch an sie kommen k5nnte. Da möchten sie sich wohl in aller Stille davonschleichen. , Aber der Phylax hat ein scharfes A auf alle und bringt jeden FlüchUig geschwind wieder zurück. Wenn sie nun aber nack etlichenStunden sauber gewaschen und gebür.stet dastehen dann gefallen s:e Ich fd-
ker doch auch recht gut und betrachtn mit Vergnügen ihr weiße Pelzchen. , Von der Wäsche geht es nun flugs zur Schur. Da sitzen die Scherer schon mit ihren großmächtigen Scheren. Den Schäflein bebt das Herz bei dem scharfen Klipp" ud Klapp!- Aber dann ermuntern sie sich gar freundlich untereinander und sprechen sich gegenseitig. Muth ein. Die Alten wissen noch vom letzten Sommer her, wie es bei der Schur gewesen. Darum trösten sie nun die Jüngeren, die mit Zittern und Zagen dabeistehen: Es ist gar nicht, so schlimm, wie es scheint! Ihr müßt nur hübsch ruhig und geduldig sein, dann thut euch die große Scheere gar nichts. O, und nachher ist's so Herrlich kühl und leicht! Ihr werdet'S schon spüren; nur keine Angst!" Da kommen sie alle geduldig herbei und lassen sich das dicke Pelzröcklein vom Leibe abtrennen. Und siehe da! So geht es ganz prächtig! Bald ist die ganze Heerde geschoren, und doppelt leicht und frei springen sie nun im luftigen Sommerröckchen auf den Wiesen umher. Die Wolle aber verkauft der Schäfer auf dem Markt. Vom Markte wandert sie in die Spinnerei und wird zu weichen, feinen Fädlein gesponnen. Der Färber färbt die Fädlein fchön himmelblau, grün und roth und wie man's haben will. Dann kommt der Weber und webt gar feines Tuch daraus. Das Tuch bringt er zum Kaufmann. Beim Kaufmann sieht's die Mutter. Da kauft sie es geschwind und bringt es dem Schneider oder der Nähterin. Die machen ein prächtiges himmelblaues Kleidchen daraus! Für wen denn? Ja, das verrathe ich nicht! C. Lechler. ffeuerschaufel und ffeuerzange. Stelle den flachen Theil einer Feuer--schaufe! auf den Fußboden, so daß der Stiel in schräger Richtung nach oben steht, und bitte einen der Anwesenden zu versuchen, die Schaufel in dieser Stellung in'S Gleichgewicht zu bimgen, ohne andere Hülfsmittel als eineFeuerzange zu benutzen. Die Figur zeigt, wie es ausgeführt wird. ES genügt, die eine Endfläche der Feuerzange auf die Fläche der Feuer
schaufel zu stellen, während die andere an dem Stiel aufgehängt wird; nach einigen Schwankungen wird, man sie in's Gleichgewicht gebracht haben. Es ist zweckmäßig, eine Feuerschau fel und eine Feuerzange zu wählen, de ren Handgriffe die Form eines Kno pfeS haben, da das größere Gewicht des Knopfes die Ausführung erleichtert. Sollten die Endflächen der Feuerzange unten zu sehr abgerundet sein, kann man mit einigen Feilenstrichen eine kleine Fläche bilden, auf welcher die Feuerzange ruhen wird, ohne Schwingungen zu machen. DaS Handwer7erspiel. (In der Stube oder im Freien zu spielen.) Von den Kindern, die mit einander spielen wollen, entfernen sich einige und verabreden, welches Spiel : sie darstellen wollen. Dann kommen sie wieder zu den anderen Kindern und sagen:. Es kommen drei fremde Gesellen in'S Land, Mit ihrem Handwerk gar wohl bekannt. In Australien und Afrika, China und Sibirien, Lappland und Italien Haben sie sie sich umgeseh'n . Und gar manches gelernt versteh', 1 Nun kommen sie aus weiter Ferne . Und zeigen ihre Kunst Euch gerne. ' Wer aus den Mienen und Thaten Sie zuerst kann errathen. Der wird zum Minister ernannt." Während die Kinder dieses sprechen ahnen sie eine Arbeit des bestimmten Handwerkers nach, z. B. wollen sie die Arbeit des Zimmermanns nachahmen, so macht der erste die Bewegung des Hobelns, ein anderer die des Sägens, ein dritter hämmert und so fort. Die übrigen Kinder haben zu errathen, welches Handwerk gemeint ist, und diejenigen, welche richtig gerathen haben, können das nächste Handwerk darstellen. Kinder. Anekdoten. ErverbessertedenSatz. , Lehrer: Will Jemand aus ver Klasse diesen Satz verbessern: Johann kann auf dem Esel -reiten, wenn er will?" Ein Knabe mit einem blauen Auge: Johann kann auf dem Esel reiten, wenn der Esel will." Er st dann ging erzuBett. Papa", sagte Wilhelm, darf ich Dich noch eins fragen, ehe ich zu Bett muß?" Papa: Ja wohl, mein Sohn, schieß los! .Wilhelm: Wenn ich Dein Bruder wäre, wäre ich dann mein eigener Onkel?" Meinem Kinde. ; Du schläfst und sachte neig' ich mich
Ueber dem Bettchen und segne dich. Jeder behutsame Athemzug Ist ein schweifender Himn?elsflug, Ist ein Suchen weit umher. Ob nicht doch ein Steinlein wär', .Wo aus eitel Glanz und Licht Liebe sich ein Glücks kraut bricht Das sie geflügelt herniederträgt -, Und dir auf's weiße Deckchen legt. ' ' 0ustad2a!!c.
