Indiana Tribüne, Volume 23, Number 193, Indianapolis, Marion County, 1 April 1900 — Page 7
Nocturno.
Von Vanl BliS. ' 2te Nacht ist schwül und finster, Die Linden duften schwer. Die Lilien und der Ginster S Leuchtenvon ferne her. - ' Die Vöglnn schnxiaen alle, . Eogar die Nachtiqav, : Und heilig ernste Ruh? '. Umfängt das ganze All. ' Ein Spielmann hebt die Geige, Die Töne schluchzen auf, Sie zittern und entschweben Zum Himmel sanft hinauf. j In dunkler Stub' am Zensier Ein Mädchen sitzt und sinnt, : Und während stumm sie lauschet, .' Die Thräne leis ihr rinnt. Der Tag mit seinem Treiben ' Stürmt hin in schnellem Lauf. Und erst in stillen Nächten ' Keimt leis die Sehnsucht auf. Fürstliche Mitgiften.. Die Mitgift einer Prinzessin! Welch' irrige Vorstellungen hat man doch im gewöhnlichen Leben von der Mitgift und Aussteuer, welche die Fürstentöchter als Morgengabe dem Gernahl in's Haus bringen. Das Verrnögen, welches dem Ehemann von der Ehefrau zur Mitbestreitung der ehelichen Lasten zugebracht wird, bildet ebenso in den fürstlichen wie in den Bürgerhäusern das Object, welches oft fcem guten Hausvater manch Stunde der Sorge verursacht. Die Ansprüche der Eheherren, gleichviel ob fürstlichen ' oder bürgerlichen Geblütes, die sie neben Stand, Tugend und Schönheit der Braut erheben, sind sehr große, imnur steigende, und manche projektirte fürstliche Ehe zerschlug sich, weil der Brautschatz nicht in der von dem künf--tigen fürstlichen Bräutigam gewünschUn Höhe aufzubringen war. In Hofkreisen ist es ein offenes Geheimniß, daß die Mitgift, welche die Kronprinzessin - Wittwe Stefanie von Oesterreich bei ihrer Wiedervermählung mit dem Grafen Lonyay diesem als Morgengabe mitbringen wird, zu sehr scharfen Auseinandersetzungen zwischen dem Vater der Kronprinzessin, dem König Leopold von Belgien, und dem kaiserlichen Schwiegervater Franz Josef I. von Oesterreich führte, und daß König Leopold sich weigerte, auch nur die kleinste materielle Beisteuer bei einer Wiederverheirathung zu leisten, und zwar nicht nur bezüglich seiner Tochter, der Kronprinzessin Stefanie, sondern auch gegenüber seiner Enkelin.-deren Tochter, der Erzherzogin Elisabeth. Kaiser Franz Josef I. hat es nun selbst übernommen, für beide Erzherzoginnen Mitgift und Aussteuer zu stellen. Die Kronprinzessin Stefanie erhält 1,500.000 Gulden ls Morgengabe und deren Tochter die gleiche Summe und ein kaiserliches Äut in Nieder - Oesterreich. Ferner wird der Kaiser Franz Josef die Kos!en des auf 250,000 Gulden in Anschlag gebrachten Trousseaus (man kann sich einen Begriff machen, wenn inan erfährt, daß allein die Wäsche ungefähr 130,000 Gulden kosten wird) für seine Enkelin, Erzherzogin Elisabeth, aus seiner Schatulle bezahlen. Es hat jedenfalls auch Staunen in bürgerlichen Kreisen erregt, als man vor einiger Zeit in den Blättern las: ein österreichischer Erzherzog habe der Stadtvertretung von Budapest die ihm gehörigen Margareten-Jnseln verkaufen wollen, um seiner Tochter bei ihrer Verheirathung mit einem Prinzen von Orleans die gewünschte höhere" Mitgift geben und den Trousseau (es kostete die Wäsche hier nur" 87,000 Gulden) reicher ausstatten zu können. Als die Erzherzogin Maria Christine sich mit dem König Alfonso von Spanien verloben sollte, erhöhte die König!n Jsabella im letzten Augenblick die Summe der Mitgift, welche die ErzHerzogin dem König mitzubringen hatte, um die Kleinigkeit - von zwei Millionen. Dieses sehr unkönigliche Feilschen" war dem jungen Herrscher, der endlich wieder eine junge, hübsche Frau in seinen langweiligen Palast zu Madrid heimführen wollte, zu arg, und er tesegraphirte über den Kopf der KLnigin - Mutter und des spanischen Ministerpräsidenten an den Oheim seiner künftigen Braut, Erzherzog Albrecht, daß er sich sehne, öon dem Oheim der künftigen Königin von Spanien in die Arme geschlossen zu werden." Nun war's geschehen, und Königin Jsaöella sammt dem Ministerpräsidenten mußte sich fügen. Aber der Erzherzog Albrecht legte freiwillig später der Mitgift seiner Nichte ein. artiges Sümmchen zu, das er jedoch vorsichtiger Weise auf den Namen der Erzherzogin Maria Christine beiRothschild anlegte, sodaß die Königin nur die Zinsen als Nadelgeld" bezieht. Auch bezahlte der Erzherzog die Kosten des reich ausgestatteten Trousseaus. Am schwierigsten gestaltet sich die Frage der Mitgift für die Prinzessinven und Prinzen in England, da die Königin die Lösung dieser heiklen Ancelegenhcit dem Parlament überlädt und aus derPrivatschatulle gründsätzlich nur den Betrag stellt, den die Zusammenstellung des Trousseaus beansprucht. De Mitgiften für die Prinzessinnen des königlichen Hauses Ijabrn in England immer böses Blut verursacbt. Die Engländer sind wohl die allergetreusten Unterthanen Ihrer Majestät, aber sie sind keine Freunde von Mitgiftsbewilligungen für die Kinder der Königin. Diese" meinte der jetzige Colonialminister Chamberlain, als er noch Führer der demokratischen Partei und noch nicht Minister war, sei reich genug, den Prinjefsn die schönste Aussteuer
unter allen Regenten zu geben, und er sehe sich ve.'anlaht, dieser' Ausbeutung" energisch entgegen zu treten. Wenn die Königin, die (öott erhalten möge, Töchter hat, so soll sie diese aus ihrcr Kasse, wie zeder Bürger Englands ausstatten." Ehedem entnahm der englische Throninhaber die erfor derlichen Beträge feinem großen Privatschatze. Allein Königin Victoria willigte kurze Zeit nach ihrer Thronbesteigung in ein Abkommen, demzufolge die Krongüter National - Eigenthum wurden, wogegen der Fürstin eine Civilliste von 400.000 Pfd. Sterl. zugesichert wurde. Nun fühlte sich aber die Königin keineswegs gehalten, mit dieser Summe auch für ihre Angehörigen zu sorgen sie lehnte dies ausdrücklich ab und wendete sich einfach an die Generosität der Nation, wenn es galt, einen Prinzen zu dotiren oder eine Prinzessin auszustatten. .Ja. da die Königin Victoria sich selbst vermählte, ersuchte sie das Parlament um eine Mitgift und ine Civilliste für ihren Gatten. Das Parlament bewilligte schließlich für jeden ledigen großjährigen Prinzen aus königlichem Geblüt eine Rente von 15.000 Pfund,, den verheiratheten Prinzen 25.000 Pfund. Den Prinzessinnen- wurden 6000 Pfd. angeweisen. Als die Prinzessin Victoria, die Mutter des deutschen Kaisers, den Prinzen Friedrich von Preußen heirathete. betrachtete man in England diese Heirath mit dem späteren Thronfolger des Königreichs Preußen als eine sogenannte gute Partie", und man bewilligte auf die Bitte der Königin ausnahmsweise 10,000 Pfund mehr, also 30.000 Pfund (600.000 Mark) Mitgift. Aber später erhoben sich sowohl in der radicalen Partei Führer Chamberlain als' in der demokratischen Presse Stimmen, welche diese Dotationen und Mitgiftsbewilligungen nicht blos als zu hoch, sondern geradezu als Beraubung der Steuerträger bezeichneten. Als Chamberlain fortfuhr, mit seiner Ausbeutungsrede" das Land aufzuhetzen, ernannte die Königin den damaligen Mayor von Birmingham zum Han--delsminister, und der große Demokrat schwieg ferner und stimmte selbst für die Mitgift der Prinzessinnen. Die jetzige Königin Margherita von Italien brachte als Heirathsgut 500.000 Francs. Das offiziöse italienische Blatt schrieb damals: Es ist auch für Fürsten keineSchande, arme: Leute Kind zu sein. Die junge Prinzessin ist arm, Prinz Humbert nicht reicher; das Haus Savoyen besitzt nur ein UNbedeutendes Familiengut. das außerdem schwer verschuldet ist." ' Die offizielle Beisteuer für die Prinzessin Margherita wurde' von dem Finanzminister auf dem Tische, auf welchem der Contract unterzeichnet wurde, niedergelegt. Es waren die von dem Parlament votirten 500.000 Francs in Gold. Im übrigen wurde mit unglaublicher Sparsamkeit zu Werke gegangen. Die Hosequipagen wurden nur auflackirt, und da die Leute dies wußten, so machten sie spöttische Bemerkungen. Die Kronprinzessin Margherita ging deshalb lieber zu Fuß, als daß sie ferner in den auflackirten Wagen fuhr. Den meisten töchtergesegneten kleinen Fürsten macht die Gewährung einer großen Mitgift, insofern sie nicht einen großen Familienschatz besitzen, manche Sorge. Und die Geschichte manche? Mitgift ist höchst interessant und lehrreich. So machte die fatale Geldnoth im Palais des Fürsten der schwarzen Berge beinahe die Heirath zwischen dem Erbprinzen Daniela und der Herzogin Jutta, seiner nunmehrigen Gemahlin, zu nichte. Auf die Einzahlung der 1,200,000 Mark betragenden Mitgift in die fürstlich montenegrinische Privatkasse hatte Fürst Nikolaus von Montenegro sehr stärk gerechnet, so stark,' daß eine Anzahl Lieferanten mit ihren Guthaben bis nach der Zeit der Einzahlung - des mecklenburgischen Hochzeitsschatzes vertröstet worden waren. Am erbprinzlich Mecklenburgstrelitzschen Hofe aber wünschte man, daß die 1.200.000 Mark außerhalb des Fürstenthums Montenegro -deponirt bleiben sollten. Das war ein entschiedenes Mißtrauensvotum, nicht nur gegen den Fürsten, sondern auch gegen die fürstlich montenegrinische FinanzWirthschaft, und die Verlobung sollte zurückgehen. Es kam zu vertraulichen Verhandlungen zwischen dem Strelitzer Hof und dem in Cettinje, Verlaufs deren schließlich Gerüchte von einer Verschiebung der Hochzeit auftauchten, weil Prinzessin Jutta sowohl wie der Erbprinz plötzlich leidend" geworden seien. Aber die Verhandlungen mußten dem kerngesunden Erbprinzen Danielo mit dem harten Soldatenkopf zu lange gedauert haben, denn er reiste, ohne sich auch nur von seinem Vater, dem Fürsten, zu verabschieden, aus Cettinje ab nach Neustrelitz zu seiner erkrankten- Braut. Unter solchen Umständen A)ar freilich für den Fürsten nichts weiter zu thun, als in die Bedingung der erbprinzlich neustrelitzschen Familie, daß die Mitgift der Herzogin Jutta im Lande der Obotnten bleiben und nur die Zinsen, sogar noch in halbjährigen Raten, gezahlt werden sollten, einzuwilligen. Und zwar geschah diese Einwilligung telegraphisch, bevor noch der Erbprinz in Neustrelitz ankam, um seine sehr gesunde Braut an's liebende Herz zu drücken. . Man sieht, die Mitgiften der Prinzessinnen haben oft ihre Geschichte. m m m i SluS Vuller'S Kindheit.
Ein kleiner Junge lief einst weinend zur Mutter und klagte, beimSoldatenspiel Prügel bekommen zu haben. Warte nur," tröstete die Mutter, wenn Du mal älter wirst, kannst Du noch viel mehr bekommen!" Und der Mutter Scharfsinn bewährte sich: Aus demKleinen wurde später der berühmte General Suller". .
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Won L- Scbu!zBrück. . Am Altar ein Palmenhain, auö dem das gelb: Licht der Wachskerzen hervorglänzt. Ein rother, blumenbestreuter Teppich bis zum EingangsPortal. Bläulich violetter Weihrauchduft in Äen weiten Hallen, bunte Lichtrefleze durch die gemalten Fenster brechend. In den altersbraunen Kirchenstüh len die Zuschauer erhobenen Hauptes, alle nach einem Punkte starrend nach dem Brautpaar. Die schwere Schleppe des Brautkleides fliest in Wellen über die Altarstufen hinunter und liegt schneeglitzernd auf dem rothen Teppich. Darüber weht der Schleier wie eine Wolke von Duft, schwebt wie eine Wolke von Duft Über dem Mhrthenkranz' im hochgepufften, mattblonden Haar der Braut, liegt wie zerrinnender Nebel über dem feinen bleichen Gestchtchen. Neben ihr 'der Bräutigam. Das Myrtensträußchen sieckt im Knopfloch des allermodernsten Frackes wie eine Gardenia, seine Frisur hat den Chic von übermorgen und seine brennenden Augen starren aus dem hochmüthig schönen Gesicht gerade aus, immer auf einen Fleck. Ueber seine Schultern läuft ein Frösteln, während der Pfarrer im . weißen Chorhemde lange lateinische Formeln murmelt. Es ist empfindlich kühl in der Kirche, und diese ganze Komödie ist so altmodisch". Aus den lateinischen Gebeten werden deutsche Worte. Erste leise, murmelnd. Dann erhebt der Pfarrer das Haupt. Laut und eindringlich klingt seine Stimme über die Häupter des BrautPaares hinweg, zu den Hochzeitsgästen und Zuschauern: Und so mahnen wir Euch abermals, daß wenn Einer von Euch etwas weiß, was diese Ehe rechtm'äßiger Weise hindern könnte, er hervortrete und es uns mittheile." Erwartende Stille. Die Myrthe am Hochzeitsfracke des Mannes zittert ganz leise, und sein Blick schweift eine Secunde lang seitwärts. Alberner bedanke! Wie, wenn sie jetzt hervorträte, die schöne .Frau im opalschimmernden Seidenkleide, die dicht hinter ihm steht, mitten unter den Hochzeitsgästen. Er meint beinahe, ihre Schleppe rauschen zu hören, die Brillanten auf.ihrem Busen schimmern zu sehen. Wenn sie hervorträte, wenn sie sein und ihr Geheimniß in die Menge hineinschrie, das Geheimniß, das nur sie efte zu wissen glauben und das doch mancher in dieser glänzendenHochzeitsgesellschaft vlelleicht eben so gut weiß So ermähnen wir Euch, daß. wenn Eine1? von Euch etwas weiß, was diese Ehe hindern könnte Aber sie wird nicht hervortreten. Hat sie ihm nicht beinahe die Braut gefreit? Sie weiß, daß sie ihn noch fester in ihren Banden halten wird, wenn er erst mit diesem unbedeutenden kleinen blonden Mädchen verheirathet ist. Viel, .viel fester. Es war die höchste Zeit, ihn zu verheirathen. Sie hat schon Blicke gesehen, die sie erschreckten, wissende Blicke. Sogar ihr eigener Gatte. Ueberhaupt, ein verheirathete? Freund ist so angenehm! Wenn Einer von Euch etwas weiß, was diese Ehe hindern könnte" Jawohl, sehr angenehm wird es werden; großartig arrangirt die ganze Sache. Man wird denselben Bekanntenkreis haben, dieselben Gesellschaften besuchen, dieselbe Theaterlogi! Großartig. Und das kleine Mädchen an seiner Seite wird eine vorzügliche, bequeme Frau für ihn sein. Zwar, man kann niemals vorher wissen, was aus diesen sanften blonden Geschöpfen wird. Sie entwickeln sich oft ganz anders als man glaubt und erwartet. Fatal ist nur, daß sie in ihn verliebt ist. Zitternd verliebt, backfischhaft, schwärmerisch; und darum vielleicht ihre Eigenthumsrechte unbequem geltend machen wird. Hat sie nicht das Recht dazu? Hat ihr Vater ihn nicht gekauft, den schönen, den heißbegehrten Mann? Und bringt sie. ihm nicht alles mit, was sein Herz verlangt? Kann er nicht durch sie sein glänzendes, gaukelndes Schmetterlingsleben fortfetzen, viel glänzender, viel lustiger, als vorher? - Ohne kleine Unannehmlichkeiten und große Schulden? Immerhin wird damit zu rechnen sein! Aber er ist ja kein Neuling in solchen Dingen: es wird sich alles arrangiren, vorzüglich arrangiren. Der Priester senkt das lauschend erhobene Haupt: Da nun kein Hinderniß. vorkommt, so frage ich Sie im Namen Gottes, des Allmächtigen, ob es Ihre Meinung und freier, wohlbedachter Wille ist, diese hier gegenwärtige : zu Ihrem ehelichen Weibe anzunehmen. Und ob sie gewillt sind, ihr in Allem getreu zu verbleiben, wie es ein treuer Ehegatte seiner Ehegattin nach Gottes Gebot schuldig ist?" .Ja!" Frost. Von Ludwig Fulda. Bis zum Frühling ist's noch weit, Vor dem Fenster steht ein Buchsba'um, Und der Buchsbaum ist verschneite Meine Seele hofft und harrt. Vor der Hausthür quillt ein Bronnen, Und der Bronnen ist erstarrt. Fand' ich nur das Zauberwort! ' Tief im Herzen wuchs ein Gärtlein, Und das Gärtlein ist verdorrt.
Der ZNoldavitenkrieg. Ein fröhliche Geschichte von Max Wundtke. Weib der verehrte Leser vielleicht, was Moldaviten sind? Nein? !!un, so mag er sich mit dem Erzähler trösten, der es bis vor Kurzem, ehe ihm diese Geschichte zu Ohren gekommen, auch nicht gewußt bat. Aber Herr Professor Streithahn und Herr Pro f'ssor Gründlich wußkn es. Wenigins hatten sie jeder ein dickes Buch ul.d zohllose Artikel über die Molda-t-tttn gsschrieben. Daraus darf der fctfnn Menschenverstand schließen, daß sie eö eigentlich verstehen mußten; aber genau besehen, wußten es die beidsn gel-hrtcn Herren just so wenig wie der Herr Leser und der Erzähler. Wie Katte eZ sonst auch zum Moldavitenkrieg kommen können? Und der Moldavitcnkrieg war einmal da und hatte bereits schreckliche Verwüstungen angerichtet. In gährend Drachengift hatte er die Gemüther der beiden Gelehrten, die vorher die besten Freunde gewesen, verwandelt. Das mochten sie jedoch mit sich selber ausmachen. Nun hatte aber auch ein - so herziges Liebespaar darunter zu leiden, und das war bedeutend .schlimmer. Gehen wir als gewissenhafte Erzähler genau systematisch zu Werke, wie sich's für eine Geschichte von selbst versteht, in der zwei grundgelehrte Professoren und ein Pnvatdocent vorkommen. Sprechen wir also zuerst von den Moldaviten und dann von , dem Liebespaar. Im übrigen braucht der verehrte Leser keine Angst zu haben; unsere Geschichte ist weniger gelehrt als lustig. Um es kurz zu sagen: die Moldaviten sind glasähnliche Steine, die man irgendwo in Böhmen in der Nähe von Moldau gefunden hat. Wo diese Steine herkommen und wie sie entstanden sein mögen, darüber zerbrach sich die gesammte Wissenschaft - den Kopf. Die beiden Professoren Dr. StreitHahn und Dr. Gründlich waren Koryphäen auf dem Gebiete der Steinkunde, und als Koryphäen hatten sie nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, sich einen Kopf extra zu zerbrechen. Und so setzte sich denn Professor Gründlich hin und schrieb flugs ein Buch, in welchem er unwiderleglich und auf eine seinem Namen Ehre -machende Weise nachwies, daß die Moldaviten gar nichts anderes sein können, als Berglafungen von früheren vulkanischen Ausbrüchen. Kaum hatte Professor Streithahn dieses Buch gelesen, als sich sein wissenschastliches Gewissen aus's Aeußerste gegen diese Laienansicht, wie er sie nannte, empörte. ' Sodann setzte er sich ebenfalls hin und schrieb slugs ein um volle drei Bogen stärkeres Buch, in welchem er zuerst haarscharf bewies, daß die Ansicht seines lieben Herrn Colegga eine ununterbrocheneKette von falschen Beobachtungen, schiefen Gedanken und irrthümlichen Schlußfolgerungen sei, sodann aber als Triumph menschlichen Verstandes die scharfstnnige Hypothese aufstellte (deren unumstößliche Richtigkeit er selbstverständlich auf's einleuchtendste darthat), daß die Moldaviten gleichzeitig mit den Meteoren als Trümmer untergegangener Welten aus dem Weltraum auf die Erde gelangt seien und auch ferner zu uns gelangen. Darob natürlich eine ebenso scharfe wie scharfsinnige Entgegnung von Seiten Professor Gründlich-, der ein geharnischter Angriff von Professor Streithahn folgte, in welchem er sich in allerlei dunklen Andeutungen von wissenschaftlichem Dilettantismus erging und absolut gern zu wissen, wünschte, was die sonst hoch geschätzte Klarheit des Urtheils bei seinem verehrten Collega getrübt haben könnte.' So war der Moldavitenkrieg im besten Gange. Er nahm geradezu beängstigende Symptome an, als ein Naturalienhändler beiden Professoren je einen echten Moldaviten käuflich ablassen konnte; denn nun konnte man doch dem Gegner mit den Resultaten eigener Untersuchungen und aufGrund experimenteller Deduktionen zu Leibe rücken. Natürlich konnte der andere ebenso viele und noch drei mehr eigene Untersuchungen und expenmenteile Deduktionen für feine Hypothese in's Feld führen, und so tobte der Moldavitenkrieg in gesteigerter Erbitterung weiter. Schlimm nur, daß unser Liebespärchen die Kriegskosten zu tragen hatte. Es war nämlich hier wie bei den Montecchi' und Capuletti: weil ihre alten Häuser in Fehde wider einander entbrannt waren, konnten sie zueinander nicht kommen, und so hatten sie unter dem Moldavitenkrieg am meisten zu leiden. Meta war ein junges frisches Ding und so hübsch, wie sie sich der verehrte Leser nur irgend vorstellen kann. Sie stand auf der Seite der Uraniten, denn Professor Streithahn war ihr Vater, und dessen Meinung war die suprcma lex für den gesammten . Hausstand. Er behauptete, daß die Moldavr.n aus dem Weltraum herkämen, also uranischen Ursprungs seien, und folglich warMeta für den uranischen Ursprung. Professor Gründlichs Sohn aber, Dr. Hans Gründlich, Privatdocent am orientalischen Seminar, ein prächtiger, forscher junger Mann, ganz nach dem Herzen Metas, war Vulkanist, weil er auf die wissenschaftlich: Ueberzeugung seines gelehrten Herrn Papa, der für den vulkanischen Ursprung der Moldaviten kämpfte und litt, Stein und Bein schwor. Meta und Hans batten fi6 sckrecklick lieb, und anfänglich hatten die Väter auch eigentlich gar nichts dagegen ge, habt. Aber c'esjt la guerre! Die Kinder hatten, wenn sie zusammen waren, die Streitaxt auch längst bezraben. Was kümerte' sie der Schlachtruf: Hie Uranist! Hie Vulkanist! Sie waren einander gut, und zwar recht von Herzen gut, und dabei vergaßen
sie gewissenloser Weise ganz,, was sie ihren diversen Vätern, schuldig' waren, und ließen Moldaviten Moldaviten sein.' . Schließlich hatte die kriegerische Erbitterung der beiden Gelehrten so zugenommen, daß sie ihren Kindern auf das . Strengste jeglichen Verkehr miteinander untersagten, und als der Aufstand auf beiden Seiten in hellen Flammen ausbrach ... nämlich Meta hatte ihrem Papa ihre Liebe und ihre Hoffnung, Doctor Hans seinem Papa seine Liebe und seine Hoffnung gestanden ... da spielte sich in beiden Lagern das Gleiche ab: ein furchtbares Wüthen, in kategorisches Nimmermehr!" mit dem feierlichen Gelübde, sich überHaupt nie wieder an den Herrn Gegner und s eine Sipve erinnern zn wollen, bis jener zur Einsicht gekommen sei. Das sind ja recht tröstliche Aus sichten," sagte- HanZ, als er später mit seiner Meta zusammen die Erlebnisse austauschte. Meta war recht niedergeschlagen. Ich kenne meinen Papa meinte sie. Ich glaube, er würde sich eher nach Sibirien verschicken lassen, ehe er seine Ueberzeugung leugnete." Hans konnte dasselbe von seinem Papa behaupten. , Da war guter Rath theuer. Die Zusamemnkllnfte konnten von nun an auch nur noch äußerst selten erfolgen, denn die Alten hatten wachsame Augen und meinten es ehrlich mit ihrer Feindschaft... Der Moldavitenkrieg tobte weiter, wenn auch nicht mehr in der ursprünglichen Heftigkeit, so doch mit zuneh mender Verbissenheit. Meta wurde blaß und traurig, Hans mürrisch und einsilbig. Das ging wohl eine Weile an. aber schließlich wurden die Väter doch stutzig. Und immer wieder das alte Lied: Professor Streithahn erfuhr bei jeder theilnehmcnden Frage, daß die Meta ohne ihren Hans nicht leben könne, und dito mußte sich Professor Gründlich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit belehren lassen, daß Hans ohne seine Meta nicht leben wolle. Das gab natürlich auf beiden Seiten jedesmal Scenen, die an diejenigen des rasenden Ajax crinnerten. Aber Meta wurde immer blasser und Hans immer einsilbiger. Da geschah es, daß ProfessorStreitHahn das Buch seines lieben Eollegen wieder ausgrub und Stunden lang darüber studirte. Nur wenige Wochen später, als Hans Gründlich seinem verehrten Papa Andeutungen gemacht hatte, daß er es hier nicht mehr aushalte und in die weiteWelt gehen wolle, geschah in der Studierstube des Herrn Professor Gründlich etwas Aehnliches. Bald darauf trafen eines Tages die beiden feindlichen Gelehrten auf der Straße zusammen. Wer annehmen sollte, daß jetzt eine Schießerei a la Wild West oder mindestens eine echt englische Boxerscene extemporirt werden würde, ist sehr auf dem Holzwege. Etwas ganz Unerwartetes geschah. Gründlich streckte schon von weitem dem Gegner seine-) Hand entgegen, in die dieser mit freudiger Miene einschlug. Soeben wollte ich Sie aufsuchen, Herr Eollega," sagte Gründlich. Und ich, weiß Gott! war auf dem Wege zu Ihnen." erklärte Streithahn. Wir können bestätigen, daß es sich thatsächlich so verhielt. Wissen Sie." , hob Gründlich' hüstelnd an, ich glaube, ich bin bei Ausbruch unseres Streites doch allzu hitzig gewesen...." ' Das wollt' ich Ihnen eben von mir sagen, Herr Collega!" Erneutes Händeschütteln. Ich habe alle Fakta noch, einmal einer genauen Prüfung unterzog:." Und ich desgleichen, verehrter Herr Collega!" Ich habe dabei gefunden, daß meine Beweisführung doch erhebliche Lücken aufweist." Auch die meinige, lieber Collega!" Und daß ich Ihre Argumente nicht immer gebührend gewürdigt habe." . Oh, oh!" wehrte Professor StreitHahn ab; ich erhebe keinen Anspruch darauf. Ein ähnliches Geständniß wollte ich Ihnen machen, liebster Freund und College." Und so denk' ich, werden wir Frieden miteinander machen können." Wie sich unsere Wünsche begegnen, mein theurer Freund!" rief Professor Streithahn enthusiasmirt. Um es kurz heraus zu sagen: ich habe mich überzeugt, daß Sie recht hatten, daß die Moldaviten thatsächlich uranischen Uusprungs sind. . . ." Streithahn schüttelte melancholisch den Kopf. Ja, ja," sagte er dann, Zn diesem Irrthum war ich in der Thai einmal befangen; aber ich bin jetzt von der Richtigkeit Ihrer damaligen Beweisführung vollkommen überzeugt: Sie hatten durchaus recht, wenn Sie den vulkanischen Ursprung der Moldaviten behaupteten." Nicht doch, liebster Herr Collega," protestirte Gründlich, nur keine Con Zessionen aus purer Höflichkeit! Die Herkunft der Moldaviten ist uranisch oder kosmisch, wenn Sie wollen. Ich beuge mich Ihren Schlußfolgerungen vollständig." Es' sind keine Conzessionen," öeharrte Streithahn, und in der Wis senschaft hört die Höflichkeit auf. Ich habe eingesehen, daß die Moldaviten gar keinen andern als vulkanischen Ursprung haben können." , Aber verehrter Herr College, Sie haben doch früher selber . . . ." Früher!" unterbrach ihn StreitHahn ziemlich heftig. Ich sagte Jhnen ja schon, das war ein Irrthum." . Je'nun, Herr College, ich habe mich von der kosmischen Natur derMoldaviten gründlich überzeugt. Das war es, was ich Ihnen mittheilen wollte." ' Und ich sage Ihnen, sie sind vulkanischer Natur. Ich begreife nicht, wie man das nicht einsehen kann. ES ist
doch' sonnenklar...." Die beiden gelehrten Herren hatten sich vielleicht noch wer weiß wie länge so fort gestritten, wenn nicht eine nasse Dousche, über deren uranische Herkunft sie keinen Zweifel hegten, sie auseinander getrieben hätte. So entbrannte denn der schreckliche Moldavitenkrieg auf neue. Llber um Gottes willen, was ist denn nun geschehen?" jammerte Meta bei ihrer nächsten geheimen Ausammenkunft mit Hans; mein Papa ist doch jetzt ganz der Ansicht von Deinem Papa." Freilich," lachte Hans ingrimmig auf; und mein Papa hat sich zu der Ansicht des Deinigen bekehrt. Jetzt geht die Comödie mit verwechselten Rollen von vorn los. Nein, die Berwirrung ist noch heilloser! Dein Papa ist letzt Vulkanist, Du bleibst was Du warst, Uranist; mein Papa ist jetzt Uranist und ich bin wie früher Vulkanist. Die Geschichte fängt an übers Kreuz zu gehen." Wie Du nur noch'' darüber lachen kannst, Hans!" Ja, ich weiß es eigentlich auch nicht." Was sollen wir blos anfangen?" Hans dachte nach. Plötzlich zuckte es listig über sein Gesicht. Hurra, ich hab' einen Gedanken. Paß auf, so geht's; sie kommen uns schließlich selber!" ' Und nach wenigen Tagen erschien im wissenschaftlichen Journal ein Artikel, in welchem in übermüthigen Ausdrücken die beiden Ansichten vom vulfanischen und uranischen Ursprung der Moldaviten ad absurdum geführt wurden und der ungenannte Verfasser sich erbot, in einem nächsten Artikel den einwandfreien Beweis zu erbringen, daß es sich lediglich um Schlacken einer ehemals am Fundorte gestandenen Gasfabrik handelt. Der Artikel fchlug wie eine Bombe in die Gemüther der beiden KampfHähne. Sie waren außer sich; ihr ganzes Gelehrtenrenommee stand auf dem Spiele; man war im Begriff, sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Das konnte, das durfte nicht geschehen! In der ersten Aufregung war Professor Gründlich zu Professor StreitHahn geeilt, um diesem ein Schutz- und Trutzbündniß gegen den gemeinsamen Feind anzubieten. Streithahn ging in seiner Herzensangst darauf ein. Beide sannen nun über eine gemeinsame Abwehr nach. Da trat Doktor Hans ein. Er erzählte, wie alle Welt von dem Aigriffsartikel spräche, und wie man die Zeit kauw erwarten könne bis zum nächsten angekündigten Aufsatz. Gestern habe er das Vergnügen gehabt, den Verfasser, einen jungen Gelehrten, kennen zu lernen . . sein Leibfuchs von Heidelberg her. Er halte sich nor vorübergehend hier auf und hatte von dem Moldavitenstreit erfahren. Ein ganz patenter Mensch, dieser ehemaligeLeibfuchs Ob man ihn denn nicht vermögen könne. mit Verlaub zu sagen seinen Mund zu halten oder gar zu revociren? Warum nicht? Aber mich .geht's doch nichts an! Sie wissen ja, meine Herren, was sind mir Moldaviten!" Aber etwas muß doch geschehen!" rief Streithahn sorgenvoll. ; Nun," meinte Hans nachdenklich; um einen Preis wollt' ich schon die Vermittlung übernehmen. Geben Sie mir Metas Hand.nnd ich schleife Jhnen den Verfasser sammt seinem Manuscript her, vermöge ihn auch, öffent.lich seinen Artikel für einen muthwilligen Scherz zu erklären." Gründlich sah Streithahn an und Streithahn blickte auf Gründlich. Dann erhob sich Streithahn, ging ins Nebenzimmer und rief Meta herein. Ein doppelter Jubelruf erschallte und die beiden jungen Menschenkinder lagen einander in den Armen. Ja." sagte Hlans endlich, nachdem der erste Freudensturm vorüber war. soll ich denn den impertinenten Menschen hierher citiren oder soll ich die Sache mit ihm allein abmachen?" Und man hielt es für besser, ihn gar nicht erst zu seh?n. Hans aber lacht sich ins Fäustchen. Es ist selbstverständlich, daß er die Angelegenheit mit dem Leibfuchs aufs beste ordnete. Ein Kle.uvahN'Jdyll. Der Zugführer einer Kleinbahn in der Provinz Brandenburg bemerkte bald nach Abgang von seiner Station auf freiem Felde einen Mann, der mit lebhaftem Händewinken andeutete, daß der Zug halten möge. Nach kurzer Zeit stand denn auch der Zug auf freiem Felde, und der Fremdling knüpfte mit einem harmlosen und seelenruhigen Fahrgast, der aus einem Wagenfenster herausguckte, ein Gespräch an. Nach zehn Minuten endlich wurde dem reisenden Publikum und dem Zugführer die so kostbare Zeit lang; man wurde ungeduldig und der Zugführer redete denFrimden also an: Seggen Sei mI, leiw Mann, is Sei dat nu bald gefällig, intaustigen?" Nee, eigentlich nich!" war die Antwort. Wurüm denn nich?" Ick will nich mitführen!" Wat willen Sei denn hier?" Oh, ick hew blot hürt, dat min Fründ, mit dem ick hier red, hüt hier mit de Bahn vörbiführt, un dor wull ick doch de Gelegenheit nich verpassen, um Gun Dag tau beiden un mit em beten äwer de Buren tau kl'änen! Nu sllnd wi äwerst fertig, un nu führen S' man wider! Hüh!" Sprach's und stiefelte querfeldein. Der Zugführer erwähnte eine gewisse schwarze Persönlichkeit, von der er wünschte, daß sie den Fremdling holen und in den ganzen Betrieb dreinschlagen möge, schneuzte sich, psiff und das Dampfroß schnaubte" von dan nen .
ZlKötea $oUt. Vor neunzig Jahren hat der Nationalhelo der Tiroler, der schlichte fromme und getreue Wirth Am Sande" im Passeyer Thale, Andreas Hofer, der kühnste der Tiroler Bergschü tzen im Aufstande gegen die FremdHerrschast die Treue zu seinen: Herrscherhause mit dem Tode besiegelte. Nach dem Wiener Frieden konnte sich H?!ci nicht entscheiden, Tirol zu 'derlassen, wie es viele andere Tiroler tha ten, sondern er zog sich in eine SennHütte zurück. Dorthin kamen tiur sein Weib und wenige seiner Getreuesten, um ihm Speise und Nachricht vonr Lande zu bringen. Viele geheime Boten, sogar aus der Kaiserburg, kamen zu ihm, um ihn zur Flucht zu bewegen, aber er blieb. Da verrieth ihn endlich, durch Versprechungen und Drohungen verleitet, einer seiner Landsleute an die Franzosen. Diese nahmen ihn gefangen und schleppten ihn nach der Festung Mantua. Hier würde er vor ein -Kriegsgericht gestellt und freiavsprochen. Da kam von Napoleon der Befehl, ihn binnen 21 Stunden hinzurichten." Hofer hatte zwar das Todesurtheil nicht erwartet, aber er hörte es an mit dem Muthe eines Mannes. Am Morgen des 20. Februar 1810 ertönte der Generalmarsch; ein Ärenadierbataillon trat an, und Hofer wurde aus seinem Gefängnisse abgeholt. Als er vor dem Molinathore, in welchem die, meisten Tiroler in Haft gehalten wur- ' den, vorüber kam, lagen diese alle auf den Knieen und beteten und weinten laut. Andere, die in der Festung frei umhergingen, legten Trauer an und baten um seinen letzten Segen. Auf einer breiten Bastion unweit'des Thores war die Todesstelle. Zwölf Grenadiere traten vor und Hofer in die Mitte. Der Tambour reichte ihm die Augenbinde, er wies sie aber zurück ! man erinnerte ihn, sich auf die Steine niederzulassen, aber er sagte: Ich stehe vor dem, der mich erschaffen hat, und stehend will ich ihm meinen Geist zurückgeben." Schießt gut", sprach er noch zum befehlenden Corporal, indem er ihm ein Geldstück zuwarf, und dann rief er mit fester Stimme: Feuer!" Aber die sechs ersten Schüsse hatten ihn nur verwundet: er sank in die Knie; noch sechs Schüsse fielen, . und er kämpfte noch immer mit dem Tode. Da mächte der Corporal durch einen dreizehnten Schuß seinem Leben ein Ende. Der Leichnam des Märtyrers bliebnicht auf dem Richtplatze, wie dies bei. anderen Hinrichtungen üblich war, sondern die Grenadiere trugen ihn auf einer schwarz ausgeschlagenen Bahre in die St. Michaels-Pfarrkirche, wo ihin feierliche Exequien gehalten wurden Dann wurde die Leiche im Garten de Pfarrers von St. Michael in aller Stille beerdigt. Aber der Held sollte nicht in fremder Erde ruhen. In den ersten Tagen des Jahres 1822 traf das', erste Bataillon des Tiroler Jäger-Re-gimentes Kaiser, aus dem neapolitani--schen Feldzuge zurückkehrend, in Mantua ein. Fünf Officiere dieses Bataillons, darunter zwei Tiroler, faßten den Enschluß. Hofers Gebeine auszugraben, und diese, mit dem Zeugnisse des Pfarrers Wanchi von St. Michael über deren Echtheit, mit 'sich nach Tirol zu nehmen. Am 20. Februar kam der Transport nach Jnnsbrück, und am 21. desselben MonatK wurde das feierliche Leichenbegängniß und die Beisetzung der Gebeine in der Hofkirche unfern vom Grabmale Kaiser Maximilians vollzogen. Die altesten Schützenofficiere, die unter Hofer: dienten, trugen den Sarg. Jetzt ist ein schönes Hofer-Tenkmal eine der schonsten Zierden von Innsbruck. '
Die schlechte Cigarre. Schimpfen Sie nicht über schlechte Cigarren," sprach der Afrikareisende Wüstenmeier, mir haben sie einmal das Leben gerettet und das ging so zu. Ich hatte bei ein Reise in Afrika zufällig einmal von einem Händler in einer größeren Stadt ganz schlechte Cigarren aufgehängt bekommen. Schon wollte ich dieselben wegwerfen, da ich unnützen Ballast verabscheue, als ich, es war mitten in der Sahara, plötzlich hinter mir ein greuliches Knurren vernehme; ich drehe mich um, wer beschreibt mein Entsetzen, ein riesiger Löwe steht vor mir. Rasch entschlossen blase ich ihm den Rauch meiner Cigarre in die Nase; der Löwe, wie ja jede Katze, stutzt, geht drei Schritte rückwärts, läßt sich jedoch nicht vertreiben und kommt wieder. Eine Cigarre ist zu Ende, ich nehme aus dem Kist-' chen eine zweite und zünde sie an; der Löwe schaut. Wie aber diese zu Ende ist, und er sieht, daß ich aus demselbe:? Kistchen mir wieder eine ansiecke, nimmt er, wenn auch mit Widerwillen, Reißaus und ich war gerettet." Menschen.Urtheil. Wer schätzt wohl diese Welt gerecht? ?)em scheint sie gut urd ?kenem sck!eck?. Denn Jeder mikt ibr Leid nd ßm; An seinem winzigen Geschick. N e u e r A d e l. Der Commerzienrath hat wohl 'nen barbarischen Schnupsen?" O nein er zieht nur immer's Schnupftücherl, um die eingestickte Krone zu zeigen. Trumpf. . . . Weißt Duv lieber Bruder, mein Zukünftiger mu alle guten Eigenschaften haben, in jederBeziehung vollendet sein dabei bleib' ich steh'n!" Rein, Anna sitzen!" Allzu schonungsvoll. Du, Erich, weißt Du, was ich heut Morgen in Deiner Westentasche gefunden habe Deinen Trauring D hintergehst mich also, . lieber Gtte! Was Du gleich denkst! Ich wi2 nur den Ring nicht gleich so abnützen ! .
