Indiana Tribüne, Volume 23, Number 193, Indianapolis, Marion County, 1 April 1900 — Page 6
Sprissmmcn. .April und Weiberwill Aendert sich oft und (VolkZsprichmort.) Glanz-nd fällt ein Sonnensirahl Zzurch das Fenster, und wie aufge scheuchte Kodolde tanzen die Sonnenstäubchen einen munteren Steigen. Der Lenz ist da," jubelt freudig das Menschenherz, und bittende Kinderstimmen werden laut: Mütterchen, die Sonne lacht, Iafc' uns spazieren gehen!" Plötzlich verdunkeln Wolken den Horizont, pfeifend weht der Wino ums Haus und rüttelt an den Scheiben, dann wirbelt es in der einzeltenFlöckchen hernieder, eine leichte Schneedecke liegt auf Bäumen und Sträuchern, und die Blüthen an den Aesten senken trauernd die Blumengefichter. Aprillaunen! Wer kennt eZ nicht, das geflügelte Wort von den Aprillaunen", wer hat nicht all die boshaften Stichelreden in Lied und Sprichwort vernommen, die den wetterwendischen Frühlingsmonat mit dem Frauensinn vergleichen? Heißt es nicht schon von Alters her: Aprilwetter und Frauensinn ist verLnderlich von Anbeginn", und über April- und Weiberlaunen, dürfen Männer niemals staunen"? Ist das Verslein nicht überall bekannt: Herrengunst, Aprilenwetter, Frauenlieb' und Nosenblätter, Würfel und das Kartenspiel, verkehrt sich oft. tret's glauben will!" Aber liegt nicht gerade ein lieblicher Trost in diesem Vergleich der Weiberlaunen" mit öen Aprillaunen"? Flüchtig, nicht tief eingreifend sind sie beide! Sonnenstrahlen küssen die Schneeflocken bald wieder fort, ein Luftzug und die grauen Wolken fliehen, und dem kalten. sturmgepeitschten Tag folgt oft eine linde Lenznacht, ein Tag vollSonnenschein und lauer Luft. Mag auch der April seine Launen haben, er ist darum doch ein gar lieblicher Geselle, der die Bäume mit Blüthen und jungern, knospendem Grün schmückt, dem Wald das erste keimende Laub giebt, die Kelche von tausend Blümchen in Wiesen und Gärten aufschließt und die Weißdornhecken in schneeige Blüthenfülle hüllt. 'Ehrenpreis, Sternbluinen, Hornkraut, Gundelreben und Taubnesseln zieren die Halden, Dotierblumen und Löwenzahn öffnen ihre goldgelben Sterne, und am Bachrand ttinkt das zierliche Vergißmeinnicht; die Schlüsselblume aber wiegt das graziöse Haupt im Winde, als wolle sie sagen: ich bin des Lenzes Schlüssel, pflücke mich, erfreue Dich an meinem süßen Duft, Du wintermüdes Menschenkind!" Dann huschen die Segler der Lüfte, die blauen, zierlichen Schwalben über dem Hausfirst und zwitschern ihrLied; der Kuckuck lockt im Walde, Star, Drossel und Amseln bauen ihre Nester, der Fink schlägt lustig, und die Nachtigall preist laut den vielgeschmähten April als Freudenmonat, als junges Frühlingskind! So viel Liebliches bietet der April. Lassen wir Frauen uns daher nicht verdrießen, wenn man uns mit d:m Sprichwort neckt: Aprilwetter und Weibertreu, das ist allerorts einerlei", oder wenn man uns spöttisch Aprilfeen" nennt! Diese Sprüche beweisen übrigens gar nichts, denn es lassen sich ndere entgegenstellen, die im Volksmund ebenso gebräuchlich sind wie alle vorher genannten, und Männertreu ist wie ein Aprmag" ist ein ebenso verbreitetes Wort wie eines Mannes Lieb und Treu weht wie Aprilensonn' .vorbei"! Wir ersehen daraus, daß im Volksmund Mann und Frau zugleich dem launischen April verglichen werden. Sorgen wir nur immer, daß, wenn je Launen uns anwandeln, wir ihrer schnell Herr werden, daß sie nur slüchtig seien wie ein Schneewehen im April, verjagt von dem Sonnenstrahl der Anmuth und Liebenswürdigkeit. Lassen wir all unser Handeln und Thun so viel segenspendende Triebe und Blüthen aufweisen, wie der April s:e in Wald und Flur zaubert, und wir dürfen dann lächeln, wenn man uns
malitiös sagt: Aprillaunen Wei- . berlaunen" und dürfen auch, ohne boshaft zu scheinen, unseres Altmeisiers Goethe Ausspruch zitieren: Ueber Wetter und Herrenlaunen Nunzle niemals die Augenbraunen, Und bei den Grillen ' der hübschen Frauen Mußt Du immer vergnüglich schauen". Die Macht der Musik. ' Hausfrau (sehr gefallsüchtig und jugendlich thuend, gibt über die von ihr entlassene Köchin Auskunst): . . .Jawohl ich habe diese sonst brauchbare Person nur . wegen ihres Gesanges entlassen und ihr zum Schluß aus demselben Grund Etwas an den Kopf geworfen!. . . Sie müssen aber auch wissen, was diese Person zesungen, um mich aus der Fassung zu bringen. So sang sie täglich, wenn ich Toilette machte: Ach wie bald schwindet Schönheit und Gestalt!". Kam mein Mann von seinem Tarock heim, so konnte er sicher sein, schon auf der Treppe zu hören: Der Graf von Luxemburg hat all' sein Geld verjuckt." Als ich aber letzthin meinen Geburtstag feierte und die unverschämte Person, so oft Besuch kam, mit lauter Stimme schrie: Schier dreißig Jahre bist du alt, hast manchen Sturm erlebt", kündigte ich ihr. Seitdem singt sie nur geistliche Leider über Tod und Verdammniß so daß ich. auf's Höchste gereizt, ihr gestern eine Waschschüssel an den Kopf geworfen" . i (?r,st wenn man fliegen will,, inerkt man, tofe sehr man an der Erde -siebt.
Z)cr Waschcrmädr-Wass. Zu den Wiener Festveranstaltungen, welche noch den Charakter vergangener Tage tragen und wie mit einem Zauberstabe das Wesen und dieStimmung der lustigen Kaiserstadt alter Zeiten neu in's Leben rufen, gehört der Wäschermädl - Ball, der in den Sälen des Etablissements Stahlener stattfindet. Auch diese Säle haben ihre Bergangenheit. Beim Stahlener!" 23 war den Wienern einmal ein gelaust ges und geflügeltes Wort. Dort zog man hin zum Tanz oder auch zuVolkssängern, und der Wiener Frohsinn in seiner guten alten Zeit war wahrlich niemals träge. Heute hat auch dieses Wort manches von seinem guten Klange eingebüßt. Dafür aber liegt in ihm etwas vom Zauber vergangener Tage, der immer wieder lockt und zieht, und dem man sich gern und willig gefangen
Aufforderung zum Tanz. gibt. Wenn wir den Blick werfen auf den mit bunten Lampions und heile rcm G'schnast" festlich herausgeputzten Tanzsaal, in dem sich frohe, Harmlose Menschen drehen, nicht in Glanz und Seide, im enganschließenden Prunkkleid, nein in ihrem gewöhnlichen Sonntagsrock, nur geschniegelter und gebügelter, weht uns da nicht ein Hauch entgegen von echtem Volksgemüth in seiner harmlosen Munterkeit, in seinem anspruchslosen Frohsinn? DasWiener Wäschmädl?" Ist sie unter den Wiener Typen nicht die frischeste, die prächtigste die stramme Gestalt mit dem kurzen Nöckchen, der festen und doch geschmeidigen Figur, dem frischen, gesunden Gesichtchen und den vollen, drallen Armen? - Deutschmeister und Wäschermädl. Bei der Toilette warten sie nicht ängstlich und mit Herzklopfen, ob die Schneiderin sie nicht am Ende sitzen lassen wird, ob die Friseurin auch pünktlich kommen wird; sie brauchen nicht ein paar Stunden zur Toilette, immer hastiger und ungeduldiger, weil der Fiaker schon unten harrt, und es schon weiß Gott wie spät ist, nein, frisch und munter plätschern sie im Wasser herum sie sind es ja nicht anders gewöhnt. Ein Stück grober Seife und frisches-Wasser sind ihre kosmetischen Mittel, ein friscö gebllgelter Rock, kurzes Kleidchen mit weitem Ausschnitt bilden die Balltoilette, womöglich von eigener Hand gefertigt, dazu ein paar funkelnagelneuer schwarzer oder weißer Strümpfe und niedere Ballschuhe. Schnell ist die Toilette gemacht, dann geht's zum Ballsaal im Einspänner oder. Fiaker und W ä s ch e r m ä d l. wenn das Wetter schön ist und die Straßen trocken, sogar zu Fuße, m ei nen Mantel gehüllt, und die neugierig prüfenden Blicke der Vorübergehenden mit frohem Lachen erwidernd. , Hier und da, wenn ein Gigerl sie allzu leck anstarrt, huscht em munteres Ui iegerl. der hat no ka Frauenzimmer g'fegn." über ihre Lippen. Sie sind eben in der besten Laune, sie ha bcn.kein Ballfieber, nicht die tödtliche Angst der Stadtschonen vor dem Sl tzenbleiben, ihre Herzen schlagen höher, denn es geht ja zum Tanz! Und der Tanz als solcher ist wohl auch der Hauptzweck des Abends. Und darum Ziirchtet sich die Schöne auch nicht, daß
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sie ein unbeachtetes Mauerblümchen bleiben werde. Ruhig sitzt sie beim Glase Bier, und wartet, bis der erste Tänzer auf sie zu kommt. Kein tiefes Compliment, kein schüchternes Mein gnädiges Fräulein...." ein kurzes .Vittschön" und schon nimmt sie der Tanzwerber um die Taille und dreht sie hinein ins bunte Gewühl. Und
Eine Frage. kaum hat sie mit hochrothen Wangen Platz genommen, mrkß sie sich schon wieder erheben, denn ein zweiter bittet um einen Tanz. Und dann ein dritte? und ein vierter. Sie ermüdet nicht. Alle Tage kommt es ja nicht vor und einmal kann man's schon mitmachen. Der fesche Deutschmeister mit dem kleinen schwarzen Schnurrbärtchen und den keck blickenden Augen hat sie schon dreimal aufgefordert und nun kommt er zum viertenmal. Aber sie ist wirklich müde und will etwas ausru hen. Und gutmüthig bleibt er vor ihr stehen und plaudert mit ihr, sie dabei verschmitzt ansehend. Sie sieht auch heute prächtig aus. Sie merkt es ganz gut, daß sie manchem in die Augen sticht. Darum aber ist sie gar nicht stolz und tanzt mit jedem, so lange, bis sie ermüdet in einen Sessel sinkt. Es ist ja so schön heute, so wunderschön. Wie viel wird sie. in der Woche gescholten, wie muß sie da arbeiten und sich abplagen. Und hier hier dreht sich eine kleine Welt mn sie. Und der fesche Deutschmeister hat auch schon einen Rivalen erhalten. Und keinen Ungefährlichen! Ein harber Fiaker, und ein solcher, der eigene Rosse hat! Er ist seit zwei Jahren Wittwer, aber noch in den besten Jahren. An' Humor fehlt's ihm nicht, und auch sonst nicht an manchem, das das Leben angenehm machen kann. Die schmucke Schöne gefällt ihm. Er will ohnedies wieder heirathen, aber seine Zukünftige muß ein Mädel sein, ganz nach seinem Sinn. Ob er die richtige gefunden hat? Wer weiß? aber es muß wohl eine nicht ganz unwichtige Frage sein, die er an sie stellt in dem Augenblick, da sie in einer der Nebenräumlichkeiten ein paar Minuten allein zusammen sind. Sie plaudern recht ernst miteinander. Und die Schöne macht ein recht nachdenkliches Gesicht. Dann aber, als er sie wieder in den Tanzsaal führt, ist sie in der frohesten Laune. Ueber ihrem Gesicht liegt ein Heller Schimmer. Sie ist froh, sie ist glücklich. Und wie nun ein alter Drahrer" auf sie zukommt und sie lachend um einen Tanz bittet da wirbelt sie mit ihm im Saal herum, als wär's der jüngste und fescheste. Beim Gemüthlichen. Und dann unten im Gemüthli-, chen",da sitzen sie zusammen mit ande ren und singen und lachen. Und der fesche Fiaker läßt ein Fasse! frisch anschlagen mit der Bemerkung Heus hab' i die Spendierhosen an" und alle müssen mit ihm anstoßen auf künftige Zeiten" und seiner Schönen blickt er dabei bedeutungsvoll in die Augen. Und ein Hoch nach dem andern wird dem harben Weaner", dem edlen Spender" dargebracht, der es stolz lächelnd einkassirt. Erst gegen frühen Morgen, da fährt er seine Auserwählte selbst nach 5aus in seinem Zeugl" mit den zwei Braunen ganz, wie eine Gnädige". Im Zorn. Lump elender! Dir zünd' i' doch noch Tei' Haus an!" ' Und bei Dir lösch' i', wenn's brennt, Spitzbub' ver versicherter!" Bei Gelegenheit. Fremder (flehend): Um Gottes willen helsen Sie mir, Herr Doktor, ich habe eben im goldenen Löwen" eine Nadel verschluckt, die in der Suppe lag!" Adkat: Hm, hm, Arzt bin ich zwar nicht, der wohnt nebenan; aber deshalb sollen Sie doch nicht vergeblich gekommen sein. . . gegen den Wirth setzen wir gleich eine Klage auf wegen Körperverletzung!" Borgebau t. Wittwe: Gut, Herr Doctor. ich gebe Ihnen meine Tochter aber Sie dürfen, nie ' einen Witz über mich machen! "
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San Warino. Zu den merkwürdigsten Gemeinwesen im altersschwachen Europa gehört unzweifelhaft die Duodez - Republik San Marino, deren Gesammtgebiet im Umfange von 62 Quadratkilomelern aus dem Bergrücken des Titan, ca. 19 Kilometer vom Gestade des Adriatischen Meeres belegen ist. So klein aber auch der Freistaat ist, der mehr als ein und ein halbes Jahrtausend alle Wechsel und Stürme der Zeiten, die maxchmal den Fuß seines Berges umtobten, überstand, und der in mehreren Ortschaften etwa 95C0 Einwohner zählt, darunter 1000 in der Residenz auf dem Kamm des Berges, so viel des Sehenswerthen bietet er doch für einen kurzen Besuch, der sich allein schon wcaen des wundervollen Ausblicks von dem 742 Meter hohen Gipfel des Berges auf die Apenninen, die weite Ebene der Emilia und das Adriatische Meer bis hinüber nach Jstrien und Dalmatien lohnt. Der Weg führt zunächst durch anmuthiges Hügelgelände mit reichen Obst- und Rebenpflanzungen, bis er bei dem. Dorfe Serravalle die weiß - blauen Grenzpfähle der Republik passirt. Von hier beginnt der anfangs noch bequeme Ausstieg bis zum Borgo, der Vorstadt
Regenten. von San Marino, hart am Fuß der nunmehr fast senkrecht anstrebenden Felsenwand. Der kleine, ziemlich leb- , hafteFlecken überrascht mit seinen nicht j Übeln Kaufläden und einigen stattlichen, palastartigen Hausern. über denen sich der Uhrthurm aus Marmor graziös erhebt. Außerdem hat die Volksbank von San Marino hier ihren Sitz aufgeschlagen, und ein kleines Theater zeugt von dem Kunstsinn der Bewohner. Vom Borgo führt an Stelle des alten, für Wagen nicht Passirbaren steilen Weges eine neue, in den Felsen eingehauene Fahrstraße in bequemen Windungen zur Stadt hinauf, die, mit Mauern, Zinnen und Vollwerken versehen, recht stattlich in-die Lande ragt. Auf der Höhe angelangt, empfängt uns zunächst eine breite, platzähnliche Straße, mit einem Kapuzinerkloster im Hintergrund, die zu LffentlichenVolksbelustigungen dient. Durch das Thor von San Francisco, das in gothischem Stil erbaut ist, betreten wir die Residenz selber, die außer mehreren Kirchen und Klöstern und einem Gymnasium als größte Sehenswürdigkeiten den Regierungspalast, den Dom und das Theater des Titan bietet. Doch lohnt sich auch ein Besuch der Kirchen, in denen sich manche nicht unbedeutende Gemälde aus der Renaissancezeit und lyrer Nacholuthe befinden. Auf dem Hauptplatz, der Viazza del ; Vianello, grüßt uns zunächst die Sta- ; tue der Freiheit, die det Republik von einer Engländerin, welche sich von ihr den Herzogstitel von Acquivava gej kauft hatte, geschenkt wurde. Hinter ' derselben erhebt sich der neue, impo- '' sante Regierungspalast, der im Stile I der Eommunalpaläste des 13. und 14. ! Jahrhunderts erbaut wurde. In der 1 Front desselben finden wir. unter dem , .... m i fc f& f? 3 i vT 1 U i r rrai rnn 3 , m WMWM ' 7 il trn rm i-r. tt!?? 1 .-,cu, 13 Mi 5 Regierungspalast. ! vieleckigen Balkon das Wappen des Freistaates elngelaNen, drei burggekrönte Berge und drei Straußenfedern letztere wohl, weil die Burgen seit Alters her im Volksmund die drei Federn" heißen mit dem Motto Lidertas", alles umschlossen von einer Krone, als dem Symbol der Souveränität, die wiederum zwei Strahlen von sich' aussendet und mit einer Perle und einem Kreuz darüber geschmückt ist. In der linken Kante . rr . . . c. a c " . L - i-, ves ieoauoes, in ocr Hoye oes eren - Stockwerks, steht das in Erz getriebene Standbild des Stifters der Republik. Im Innern des Palastes bildet der . Thronsaal die Hauptsehenswürdigkeit mit einem Doppelthron für die beiden Regenten, um den sich sechzig Sitze für den Hohen Rath gruppiren. Ueber dem Thron stellt ein arones Wandaemälde den heiligen Marinus dar, wie er dem Volk erscheint und 'es auffordert, stets die Freiheit zu hüten; .die beiden Regenten, umgeben von ihrem Gefolge, leisten den Schwur, während das Volk sich rinas um sie geschaart hat. Im Ar-
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chiv ist ker interessanteste Schatz ein Cchreibcn Napoleons I. an die Regen-
ten, in denen er sie seiner Freundschaft versichert und ihnen dier Kanonen zum Geschenk macht. Der Dom ist 'neueren Datums; cr wurde 1826 38 im alten Basilikenstil erbaut. Seine Vorhalle ruht auf acht edeln korinthischen Säulen, und ebenso trennen zwei lange korinthische Säulenreihen das halbkreisförmig gewölbte Mittelschiff von den flachen Seitenschiffen. In dreizehn Nischen stehen die Marmorstatuen Christi und der Apostel, in vier anderen die Hauptlügenden, und im Chor erhebt sich auf prächtigem Piedestal das majestätische Standbild des Heiligen, dessen Reliquien unter dem Hauptaltar geborgen sind. ' Das Völkchen von San Marino ist einfach, gastfrei und arbeitsam. Als einst eine Gesellschaft den Regenten die verlockendsten Angebote machte, um in San Marino eine Spielhölle nach der Art von Monte Carlo zu errichten, lehnte der Hohe Rath es entrüstet mit der Begründung ab, sie wollten lieber ein armes Volk bleiben, als zum Sittenverderb beitragen. Die Volksfeste bilden einige geschichtliche Gedenktage, an denen die Republik aus Gefahren unversehrt hervorging, der 3.' September, der Geburtstag des Schutzpatrons, und vor Allem der 1. April und 1. October als die Tage der Thronbesteigung der neuen Regenten Der eigenthümliche Wahlmodus derselben wird bereits zwei Wochen vor der Thronbesteigung vorgenommen, indem zwölf Mitglieder des Rathes der Sechzig durch's Loos Dom. erwählt werden, die dann paarweise in Procession in den Dom ziehen, wo nach feierlichem Gottesdienst ein Kind aus einer vom Priester gehaltenenUrne die Namen eines Paares zieht. Alsdann werden die Namen der so Erwählten verkündet und all Capitäne" proklamirt. Am 1. April und 1. October ziehen dann diese beiden Capitäne, welche'den Titel Excellenz führen, in ihrer Amtstracht, einem malerischen Kostüm nach der Art des 15. Jahrhunderts, rnit der Miliz und der Musikkapelle an der Spitze und der Nobelgarde im Gefolge, zur gottesdienstli chen Feier nach dem Dom und von dort 'in den Thronsaal zur Ablegung des Eidschwurs. Dazu krachen die Böller, und die weiß - blaue Fahne verkündet hoch von der jetzt als Gefängniß dienenden Burg das frohe Ereignih vom Fels zum Meer. Von der Pariser Ausstellung. Unter den Palästen, an denen ja die ! Weltausstellung in Paris nicht arm sein wird, nimmt der sogenannte Kleine Pavillon" der französischen Republik, der auf den Champs-Ely-s5es nach den Plänen des Architekten Charles Girault errichtet wird, eine hervorragendeStellung durch die grandiose Einfachheit der Fassade und die in architektonischer Beziehung ungemein ansprechende Gliederung der verrf c c"cri- -i fu scyieoenen acuc cm. vctuue uium i DerkleinePavillon. ten der vielfach mit reichster Phantastik und selbst geschmackloser Ziererei überladenen Bauwerke, wie sie namentlich außereuropäische Staaten zur Schau stellen, zwingt die in den edelsten Linien gehaltene Barockaussührung des Kleinen Pavillons" dem Beschauer wohlverdiente Anerkennung ab. Die im Barock in erster Linie maßgebende Heraushebung von Licht und Schatten, die weiten Ausladungen, das Wirken durch enorme Größenverhältnisse und Rundung der Formen alles dies ist hier in glücklicher Weise zu einem Gesammteindruck von nachhaltiger WirZung vereinigt. Anders gemeint. Reisender (enttäuscht): So, Herr Meier befindet sich auf der Hochzeitsreise? Das bedauere ich sehr!" Wirthschafterin: Nicht wahr. . Der arme, junge Hen!" . . . , .
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Auf der Zugspitze. In diesem Sommer wird der h?ch-
sie Punkt" im deutschen Reich um ein Meter hoher werden als bisher, dann wird das Observatorium auf der Zug-' spitze, dem weithinschauenden Bergriesen des bayerischen Hochlandes, seiner Bestimmung übergeben werden. Der Bau der meteorologischen Hochstation ist auf die Initiative des deutschen uno österreichischen Alpenvereins zurückzu führen, der die dayerischeNegierung für das Unternehmen zu rnteressiren verstand. Der Meteorologische Thurm, wie er kurzweg genannt wird, ist an den Westaiebel des Unterkunftshauses (unmittelbar unter' dem Westgipfel der Zugspitze) angebaut. Der Bauplatz ist aus dem Felsen ausgesprengt. Aus einem Steinsockel von 3 Meter Höhe ruht der quadratische Holzbau des Thurmes von 4,40 Meter Höhe. Die Die H o ch st a t i o n. Plattform des Thurmes überragt den Gipfel um etwa ein Meter, beeinträchtigt jedoch die Aussicht von jenem nicht. Der Thurm enthält zwei Stockwerke; im unteren befindet sich der Wohnräum für denBeobachter.im oberen sind die Instrumente aufgestellt, auch die Einrichtungen für das Photographiren sind getroffen, zu welchem Zweck dU inneren Fenster roth eingeglast sind. Jeder Raum ist im Lichten 4 bei 4 Meter groß und 2.20 Meter hoch. Eine Treppe führt durch die inneren Räume hinauf zur Plattform, die mit einem Eisengeländer umgeben ist. Der Bau ist gegen den Winddruck durch Berankerung gesichert, und zwar sind 16 starke Anker iz Meter tief in die Felsen eingelassen; überdies sind noch vier 2 Centimeter starke Stahlseile über den Thurm gelegt. Ein Schriftstcllcr-Hciln. Wiederholt ist der Gedanke auZgesprachen worden, für alte, verdienstvolle Ritter vom Geist deutscher Zunge eine Zufluchtstätte zu gründen. Aber die Worte verwehten wie Spreu im Wind. Endlich aber wurde der Plan thatsachlich in Angriff genommen, und die Theilnahme beginnt in weiteren Kreisen der Gebildeten sich zu regen. So sind begründete Hoffnungen vorHanden, es werde in nicht zu ferner Zeit die Heimstätte den Beweis liefern, daß ernster, unbeirrt strebender Wille sein Ziel erreicht. Ein Mitglied des Deutschen Schriftstellerverbandzs, Dr. Timon Schroeter, hat für den edlen Zweck ein Grundstück in Jena geschenkt. Seitdem sind nahezu zehn Jahre vergangen. Es wurde alles ver sucht, die Mittel für den Bau zusam Das Heim. menubrinaen. Ein Plan löste den anderen ab, der Schenker selbst war unermüdlich, aber erst seit einem Jahre ist die Arbeit in lebhafteren Gang gekommen. Der Grokherzoa von Sachsen - Weimar hat die Protection des Werkes übernommen, ein Ausschuß von bekannten Männern führt die Ger'kt. : , rr& uyuic, uuv iü otuu lV4Vr uiviui ui l 9urrtH itrn nt Mittel aufzubringen. VV -W M W y v Unsere Abbildung zeigt den von dem Architekten Ludwig Hirsch in Jena berührenden Entwurf zu dem aeplanten Heim. Das Haus soll an einer der schönstenStellen des freundlichen Jena errichtet werden. Der Bau ist so gedackt. dan eine Erweiterung sich leicht bewirken läßt. Das Innere soll zwar zeden Prunk vermeiden, aoer m oer Anlage und Einrichtung den Eindruck eines 5deims wahren, in dem sich die Insassen wohl fühlen. Für den Bau selbst werden etwa 180.000 Mark, für den Betrieb 400.000 bis 500,000 Mk. nöthig sem. Arbeit macht das Leben süß. Gourmand: Sehen Sie, wenn sich mal der Appetit durchaus nicht einstellen will, dann denke ich, ich hätte einen halben Tag lang Steine geklopft, und nachher schmeat's wieder." ' SchlagenderBeweis. Professor: Die Stelle, auf der wir hier stehen, ist vor wenigen Tausend Jahren noch Meeresboden gewesen! Höhere Tochter: Der Herr Professor hat Recht hier ist es noch ganz feucht!Boshaft. Aber Fräulein Melanie, Sie wollen es garnicht gemerkt haben, daß unser Gesangverein Ihnen gestern Abend ein Ständchen oebracht hat? Ist mir nicht ausgesal len, es kamen eben in letzter Zeit 2uf der Straße, so häufig allerlei, Excesse vor!" '
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ber dauern. d V :M.r - m iitf n h w KfH y--. Mr i UJkP r SV Ti X p? . j$sm m r- 72j rz) Der kleine Geschäftsmann. Mgx. die Hiebe, die ich Dir vorhin wegen der eingeschlagenen Fensterscheide gegeben, hast Du wirklich unschuldig bekommen Dein Bruder Moriz hat es gethan!" Ru, schreib' se mer gut!" 4 Praktische Grammatik. Stubenmädchen (naserümpfend) : Dein Bräutigam ist aber th. ungebildeter Mensch; der spricht ja nicht mal richtig deutsch!" Köchin: Det macht nischt, wenn er mal ,mich mit ,mir' verwechselt; aber dein sauberer Verehrer verwechselt sogar ,mich' mit ,dich'!" Stoßseufzer. Donnerwetter ist das dumm! Fordert da mein, alter Herr in seinem Briefe ganz energisch, ich soll' endlich einmal gescheidt werden!" Der ehrliche Dackl. Mir scheint, Ihr Hund stiehlt!" Nur Eßwaaren in Geldsachen ist 'er vollkommen verlässig!" Erfreulicher Fortschritt. Macht Ihre Nichte, die zukünftige Studentin, auf dem Gymnasium tüchtige Fortschritte?" Freilich ; neulich erst hat mich das Mädel auf Lateinisch angepumpt." NurdasEine. Frau Süffel (zu ihrem Mann, welcher niest): Prosit!" Herr Süffel: Ach Unsinn ! ich habe ja gar nichts zu trinken." Vom Kasernenhof. Unteroffizier: Na, Meier, Sie machen ja eine Jammervisage wie das trojanische Pferd, als es statt Hafer ein Bataillon Griechen in den Leib kriegte!" Militärische Blumenspräche. Lieutenant (zum Soldaten, der seinen Bauch über die Front reckt) Hubcr, ziehen Sie Ihr Verpslegungsmagazin ein!" Schwerenöther. Millionärstochter (beim Fischen): Ach, heute will gar keiner anbeißen!" Herr: Dürfte vielleicht ich so frei sein, gnadiges Fräulein?" Ehevonheute. Er (nach der Trauung zärtlich): Jetzt sind wir also einstweilen für's Leben derbunden, Schatz!" Klassisch... Betrunkener Student (zum Dienstmann, der ihn heimbringen soll)! Ich habe das MeiI rtine rlftrm ffiim (3? hn& cyfir !
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