Indiana Tribüne, Volume 23, Number 193, Indianapolis, Marion County, 1 April 1900 — Page 3

Der M KmöMy.

rirmnalromnn von Friedrich ThitM. (7. Fortsetzung.) Um so schlimmer sür das arme - Mädchen." Das habe ich auch gedacht, so ein Herr hält sie doch nur zum Narren, und für einen armen Teufel hält s sich zu gut." Ist das alles, was Sie mir mittheilen können?" Alles." Seine Miene bestätigte mir, daß tt wirklich nichts von Erheblichkeit mehr zu sagen hatte. So liefe ich das Geldstück noch in seine Hand fallen, dankte ihm und entfernte mich rasch. Meine Leit war kostbar. Mir blieben nur -noch zwei Tage, und ich mußte die glücklich erlangte Spur weiter verfolgen. Mein Chronometer zeigte auf zwei Ahr. Gut, so werde ich gerade zur rechicn Zeit eintreffen." Dem Kutscher die Adresse der Rheimischen Weinstuben zurufend, sprang ich in den Wagen. Ha, wenn meine Augen mich nicht trügen Doktor Kainz oder sein Geist." Beides, alter Junge," rief ich dem ziemlich corpulent?n Manne, der mich mit obigen Worten in der Weinstube begrüßte, lachend die" Hand entgegenstreckend, zu. Roderich Valding schütteltech die blonde Löwenmähne aus denfblatternarbigen, wemrotyen Gesicht. Ja, du bist's, ich kenn' dich wieder, Nimmer trügen meine Augen, Das sind noch die treuen Züge, Das ist noch die alte Stimme And die braune Kupfernase!" improvistrte er mit dem Pathos von zehn Königen, meinen ernstlichen Protest gegen seine verleumderische Behauptung mit einer majestätischen Bewegung seiner Rechten als völlig unerheblich und durchaus nicht zur Sache gehörig von sich abwinkend. Nun wohl, so bescheide ich mich," ergab ich mich lächelnd in das Unvermeidlkche. Wer mit Roderich Balding, dem berühmten Heldenvater eines der ersten Theater der Residenz, verkehren wollte, mußte ihn verdauen.wie er war, übermüthig bis zur Tollheit, sentimenial bis zur Schwermuth, mit einem. Brillantfeuerwerk mehr oder minder geistreicher Witze geladen, laut, excenirisch, ein Mischmasch aller möglichen Tugenden und Untugenden, und Nieznand 'vergleichbar als sich selbst. Heda, Ganymed, eine Flasche Rüdesheimer für den alten Zecher da," donnerte er freudestrahlend den Kellner an. Nicht doch, Balding, was fällt dir ein ich habe kaum zehn Minuten Zeit. Ich wünsche nur wenige Worte in einer wichtigen Angelegenheit mit dir zu sprechen." Zehn Minuten? O du Duckmäuser, sind das nicht übergenug für ine lumpige Flasche? Allons, Platz geiromnun, stillgesessen! Und keine Silbe von deiner Absicht, bevor du nicht treu gebeichtet, wie Lohengrin, der Ritter init der langhalsigen Gans: woher die Fahrt und wie , dein Nam' und Art. Oder zu deutsch: woher du kommst und was du in Berlin ausfressen willst. Man schlägt nicht wie der Blitz aus München in die Reichshauptstadt ein, um seine Freunde per Eztrazug zu interviewen und dann wieder auf den Flügeln der Elektricität zu verduften." Balding hatte imGrunde recht, wes-. halb ich ihn in thunlicher Kürze über meine Schicksale während der letzten Jahre bis zur Stunde meines Einzuges in Charlottenburg informirte. Also schon vierzehn Tage hier und noch nicht bei mir gewesen?" Es war mir beim besten Willen nicht möglich." Und heute nur gekommen, mir ein halb Dutzend Fragen vorzulegen und dann zu retiriren. O du Pharisäer du Oterngezücht, du nennst dich Freund?" Geduld, alter Freund, Geduld! Meine Absicht war, dir dieser Tage feierliche Visite zu machen, mich zurStelle zu melden und meinen Platz in eurer Tischrunde wieder einzunehmen. Heute muß ich aber allen Ernstes noch um Dispens bitten thu mir das einzige Mal den Gefallen. Roderich, steh mir fünf Minuten Rede wie ein Zeuge einem Gerichtspräsidenten." Es sei es sei," sang der lustige Mime in so lauten Vaßnoten, daß das Gewölbe in der That von ihrem Klanc,e wiederhallte und die übrigen Anwcsenden, die ihren Pappenheimer schon kannten, sich lachend die Ohren zuhielten. Dann setzte der Heldenvater sich in Positur, stülpte seinen Klemmer auf die Nase, preßte, die Linke auf dieBrust und sah mich mit durchbohrenden Augen an Herr Präsident, ich bin bereit." Du kennst doch den Baron Franz von Rabenau?" Zu Befehl." Verkehrst du noch mit ihm?" Wir waren erst gestern Abend zusammen." Wo?" . Im Genieclub." Was ist das für ein Club? Bitte, antworte mir leise, ich möchte, nicht, tah wir aebört würden Auch das noch? Du verlangst Opfer auf Opfer." In der That, Valding war so gewöhnt, seine Rede an die gesammten Gäste zu richten, daß ihm die Vergewaltigung seines sonoren Organs schwec genug wurde. Trotzdem brachte cr, wie er mit feierlicher Verbeugung erklärte, .der Freundschaft auch dieses Opfer. Der Genieclub ist, wie schon der Name besagt, eine Vereinigung genia-' ler Charaktere, vor zwei Jahren ge-

gründet, um eimm tiefgefühlten Bedürfniß abzuhelfen. Ursprünglich sollte es ein Künstlerverein Zierden, doch gehört diese edle Absicht.-Gott sei es geklagt, längst einer dunkeln Vergangen-

heu an. Gegenwärtig bln ich der einzige Künstler, der den Club verHerrlicht,, und wenn meine Bescheidenheit sich diese Behauptung erlauben darf vielleicht auch der einzige gemale Charakter darin. Im übrigen besteht der Club aus Angehörigen der Jeunesse Doröe, es wird getrunken, geliebt, gespielt und das Geld auf alle mögliche und unmögliche Weise todtgeschlagen hol's der Teufel, ich langweile mich schon lange mörderlich in der Gesellschaft, und wenn nicht meine Leidenschaft für das Spiel wäre " ' Roderich balding stand im Begriff. einem der bei ihm häufigen jähen Stimmungswechsel zu unterliegen, daher beeilte ich mich, ihm in's Wort zu fallen, indem ich ohne weiteres Zögern auf den Gegenstand meiner Recherchen zu reden kam. Verkehrt in eurem Club ein Doktor Gembalsky aus Riga?" Zum ersten Male völlig ernst, fragte er erstaunt: Kennst du ihn?" Rein, aber ich möchte ihn kennen lernen." Der Mann ist mir aufgefallen," bekündete der Schauspieler in tiefnachdenklicher Weise das besondere Jnteresse an der räthselhasten Persönlichkeit, welches jeder mit derselben in Berührung Gelangende an ihr zu nehmen pflegte. Noch bin ich allerdings erst zweimal mit ihm zusammengetroffen und weiß nicht, was ich von ihm halten foll. Er besitzt Geist und muß reich sein, denn er spielt mit wahnwitziger Kaltblütigkeit. Man bewundert ihn allgemein." Er soll zahlreiche galante Abenteuer haben?" So sieht er mir aus, doch ist mir nichts davon bekannt." Kennst du nicht eine junge Dame, die den Vornamen Olga führt?" Ich stellte die Frage auf's Gerathewohl, ohne Vorertlärung, ohne Verbindung. Olga? Olga wie kommst , du darauf?" Der Name wurde in Beziehung zu Doktor Gembalsky genannt, und mir liegt viel daran, zu erfahren, wer die Dame ist." Der Heldenvater besann sich. Olga, wer heißt nur Olga?" murmelte er, seinem bildsamen Antlitz den Ausdruck verleihend, mit dem Hamlet sein berühmtes Sein oder Nichtsein" vom Stapel, läßt. Sonderbar, Doktor ich habe den Namen allerdings nennen hören, und das erst kürzlich" er beschattete seine großen Augen mit der Serviette, um besser nachdenken zu können, ja, ja, kürzlich war es nicht auf einem Balle bei Gelegenheit des letzten Künstlerfestes. Olga hieß die Schwester . eines Clubgenossen von uns, des Assessors von Haldenborn. Ein schönes Weib, Doktor, und reich beim Zeus! Ein Engel von LiebensWürdigkeit und Geist, nur etwas sehr schwärmerisch veranlagt." Ich zweifelte keinen Augenblick, daß Olga von Haldenborn die richtige Olga sei, und fragte mit fast , fieberhafter Spannung, ob auch Doktor Gembalsky an jenem Feste theilgenommen habe. Allerdings ich erinnere mich, daß er mir dort zuerst vorgestellt wurde. Ganz recht, er tanzte mit der Dame, und zwar mehrfach, so daß man ihr und ihm schließlich zu der gegenseitigen Eroberung gratulirte." Kannst du nichts Näheres hierüber erkunden? Doch ohne daß man die Absicht merkt " Was willst du wissen?" Ob in der That ein näheres Verhältniß zwischen den beiden besteht? Und was für Pläne DoktorGembalsky verfolgt oder zu verfolzen vorgibt?" ' Warum nicht, wenn es sein muß." Aber mein Name muß durchaus verborgen bleiben Hältst du mich für einen Anfänger? Doktorchen, ich bin nicht umsonst so und so viele Jahre Intrigant gewesen stell dich heute Abend wieder hier ein, so sollst du genauen Rapport erhalten." Es gilt, ich werde um neun Uhr da f M ein . . . . Mein nächstes Ziel war die Norddeutsche Weißbierhalle in der A straße. Die A straße befand sich im entlegensten Norden; ich hatte Zeit genug, mir über die bisherigen Erfolge meiner Untersuchung Rechenschaft abzulegen, während ich in meiner Droschke übe? das Pflaster der Millionenstadt dahinrasselte. Unzweifelhaft durfte ' ich mit den bisherigen Ergebnissen meiner Forschung zufrieden sein, insofern es mir ' gelungen war, einen sich immer klarer gestaltenden Einblick in das Treiben des mysteriösen Fremden zu gewinnen. Dagegen vermißte ich in meinen Ermittlungen noch jedes auf das Verhattniß des Russen zur Gattin meines Freundes bezügliche Moment, m Umstand, der mich etwas entmuthigte. Indessen vertiefte sich ja die Spur, der ich folgte, mehr und mehr, und ich hoffte bestimmt, daß auch der zarte Fuß Michaelas an der rechten Stelle seinen leichten Eindruck zurückgelassen haben würde. Wenn sie nicht unschuldig ist was mich jetzt noch mehr beglückt hätte als heute morgen, denn nunmehr wußte ich, daß Doktor Gembalsky nicht die Wege eines Ehrenmannes ging. Er spielte, verpraßte viel Geld, versuchte sich ein Ansehen zu geben was für Absichten . mochte er in Berlin verfolgen? , In Wiesbaden hatte er mit so gutem Erfolg gespielt, daß man ihn als Falschspieler aus der Gesellschaft ausstieß hier verlor er offenbar, warum ließ ihn jetzt sein Glück oder sein Geschick im Stich? Oder verlor er absichtlich? Warum bewarb er sich gleichzeitig um die Gunst einer vornehmen und reichen jungen. Dame., und eines einfachen Mädchens aus dem Volke, dem er sich

vielleicht unter der Maske eines schlichten Arbeiters näherte? Hoffentlich würde es mir gelingen, in der Norddeutschen Weißbierstube ein Mehrcres hierüber zu vernehmen deshalb lohnte ich, um nicht von vornherein Mißtrauen zu erwecken, meinen Kutscher in einer Nebenstraße ab und begab mich zu Fuß in das bescheidene Restaurant, dessen Aeußeres weder weniger noch mehr versprach als die Berliner Destillen im allgemeinen erwarten lassen. Mehrere Stufen führten in ein geräumiges Souterrainlokal, worin sich einige Tische und eine größere Anzahl Stühle befanden. Die braun tapezierten Wände schmückte ein alter Stahlstich, die Schlacht von KLniggrätz darstellend, nur schien eS mir, als hätten die Fliegen weit mehr sichtbare Spuren in dieser Schlacht zurückgelassen als sämmtliche Kanonen der feindlichen Armeen. Außerdem erblickte ich verschiedene mit mehr Aufdringltchkeit als Geschmack illustrirte Reclamen von Brauereien, Brennereien und Fabriken von Selters- und Bitterwässern, sowie ein automatisches Musikinstrument primitivster Construction, wie es heute in keiner deutsehen Kneipe mehr fehlen darf, vor zehn Jahren aber jedenfalls noch zu den besonderen Sehens- oder richtiger Hörenswürdigkeiten eines Restaurants gehörte. Ein kleines Büffett trennte, das Zimmer in zwei verschieden große Theile dahinter stand, im Schutz einer Batterie von Flaschen und Gläfern, ein junges Mädchen im Alter von etwa zwanzig Jahren, in dem ich ohne Schwierigkeit die Tochter der Besitzerin, die rothe Käthe, erkannte. Die rothe Käthe durfte sich wahrlich sehen lassen mit ihrem goldrothen, üp-

pigen Haarschmuck, ihren dunkelblauen, meerhesen Augensternen, ihrem schneeweißen Teint, ihrer stolzen Figur, ihren herrlich gebauten Schultern. Mit Recht hatte der Kellner Barnetzky sie die Schönheit ihres Viertels genannt nur em Zug von Leidenschaft, der sich in ihrem Antlitz ausprägte, beeinträchtigte den vollen harmonischen Genuß derselben, ihr Blick erhielt' dadurch etwas Düsteres, Versengendes: ein Feuer brannte in ihm. das, wie es sie selbst innerlich verzehrte, auch andere mit seiner Glut verNichten konnte. Um alles in der Welt möchte ich nicht von dieser Brnnhilde gehaßt sein. dachte ich, als sie mu leichter Verneigung das bestellte Glas Bier vor mich hinsetzte. Sie that es ruhig, wortlos, mit natürlicher Grazie, aber in ihrem Wesen verbarg sich ein Anflug von Belümmerniß, der mir der Vorbote von Stürmen dünkte. Sollte daran Doktor Gembalsky bereits betheiligt sein? Wenn Baron Wardoff nicht blos ein Wüstling war, der die Rosen zu pflücken versuchte,' wo er sie fand, sondern, was mir weit annehmbarer schien, ein gewissenloser Intrigant, der die Verhaltnisse nach Möglichkeit m den Dienst seiner finsterenPläne stellte, r. r, . . . jt . c 10 uano la? vor ver niyuuung eines Gewebes, von dem sowohl Michaela, als jene Olga und dieses bildschöne Naturkind nur Maschen bildeten. Die rothe Käthe hatte den seltsamen Mann tn dem vornehmen Hotel ausgesucht, wo sein Quartier sich befand; sie war demnach eingeweiht in seine eigentliche Stellung, vielleicht auch in einen Theil seiner Geheimnisse. Aber wie sie zum Sprechen bringen? Es war um die vierte Nachmittagsstunde, wo die meisten Berliner Arbeiterschenken verlassen und öde sind. Auch hier sah ich mich als einzigen Gast diesen Umstand galt es zu benutzen. Das Wetter mußte, wie immer, den Vermittler spielen. Ein schöner Tag heute, Fräulein," bemerkte ich leichthin. .Ja Sie lehnte sich wieder in ihren Stuhl hinter dem Schanktisch zurück und senkte die Augen auf eine Näharbeit. 's ist heute so still hier, daß man gar nicht glaubt, in Berlin zu sein die Straße ist wohl sehr ruhig?Nur um die Nachmittagszeit. Sobald in den Fabriken und Werkstätten geschlossen wird, herrscht bei uns Leben genug.- Ohne auch nur auszublicken, gab sie mir mit ruhiger, fast müder Stimme diesen Bescheid. Wann geschieht das?" Um sechs Uhr." Also noch zwei Stunden. Ich mußte mich beeilen, wenn ich noch etwas erreichen wollte. Aber wie es anfanaen? Nach einigen Augenblicken Ueberlegens beschloß ich, den gordischen Knoten einfach zu zerhauen. ' i Sie entschuldigen, Fräulein, mich führt ein besonderer Anlaß in Ihr Lokal. Ich beabsichtigte, hier Jemand aufzusuchen." . Wen denn?" Einen Freund, von mir: Herrn DoktorGembalsky." Meine Augen bohrten sich förmlich in das zartweiße Antlitz ein, um die Wirkung der jähen Frage zu erforschen. Aber nichts deutete auf besondere Erregung hin, als ein leises, kaum merkbares Zusammenzucken; ihre Stimme klang beinah? gleichgültig, als .sie erwiderte, dann irre ich mich wohl im Lokal. ' D nein, Fräulein, durchaus nicht. Ich weiß, daß der Doktor hier verkehrt. Er hat es mir vor einigen Tagen selbst gesagt." Die ruhige Sicherheit meiner Aeußerung täuschte sie. Der Herr Doktor ist 'zur Zeit nicht hier," antwortete sie leiser als vorher. Er kommt meist erst Abends." So? Ich hoffte gerade, ihn Nachmittags ich muß ihn dann falsch verstanden haben." Allerdings ist er auch Nachmittags schon dagewesen." Treffe ich ihn heute Abend?" Ich weiß nicht er war schon seit drei Tagen nicht mehr bei uns." Das rme Kind in ihrem gepreßten, vibrirenden Tone spiegelte sich eine Be-

soigniß wieder, die sie vergebens zu unterdrücken sich bemühte. Der Schurke hatte zweifellos Hoffnungen in dies vertrauensvolle Herz gepflanzt, die er nie zu erfüllen gedachte. . Wenn er kommt, kann ich ihn von Ihrem Besuche benachrichtigen," setzte sie nach kurzem Nachdenken hinzu. Wenn Sie so gut sein wollen, mir Jhren Namen zu nennen?" Ich heiße Hartwig Banquier Hartwig " Wieder betrachtete ich sie aufmerksam. Nein, die Eröffnung brachte keinen Eindruck auf sie hervor. Sie kannte Niemand, der den Namen Hartwig führte. ' Da zog ich langsam eine Photographie aus der Brusttaschc. Es war die Michaelas, in Geschenk meines Freundes, das er mir am Tage vor unsrer nächtlichen Entdeckung mit glückseligem Lächeln dedicirte. Ich hatte sie für alle Fälle zu mir gesteckt.' Vielleicht wären Sie so freundlich, ihm diese Photographie zu überreichen? Ich habe sie ihm versprochen; da ich aber morgen abreisen will, treffen wir schwerlich im Club wieder zusammen." Gefällig trat sie aus ihrem Verschlag hervor, auf mich zu. Absichtlich hielt

j ich ihr das Bild so entgegen, daß sie den j Blick darauf hatte richten'müssen, auch wenn sie nicht wollte, ihre Züge verriethen jedoch eine innereSpannung ohne- ' gleichen, und wie sie nur die Umrisse der Gestalt erfaßt hatte, rief sie lebhast: Ah, das ist ja eine Dame!" Freilich, und eine schöne Dame gefällt sie Ihnen?" Ich reichte ihr das Porträt, das sie einige Augenblicke fast mit den Blicken verschlang. Ihre Stirn umwölkte sich dabei, ihre Augen nahmen einen drohenden Ausdruck an, ihre Brust wogte. Noch bezwäng sie sich indessen und fragte kurz: , Wer ist das? Geben Sie her. wir wollen es ein wenig einhüllen." sagte ich mit verstellter Gleichmütigkeit. Käthe hielt daö Bild jedoch fest in der zitternden Hand und starrte es unentwegt an. Einen Augenblick fühlte ich Reue, aber nur einen Augenblick. Noch datirte die Bekanntschaft des jungen Mädchens mit dem russischen Abenteurer nur wenige Wochen zurück, unmöglich konnte sie bereits so tiefe Wurzeln in dem Herzen der Schönen geschlagen haben, um das Uebel jeder Möglichkeit der Heilung zu entziehen. Je eher ihr die Augen über die wahre Natur des Schurken geöffnet wurden, je besser für sie ihr leidenschaftliches Temperament fand sich jetzt vielleicht noch mit der als unwürdig erkannten Neigung ab. Wer ist das?" wiederholte sie rauh, beinahe befehlend. Wozu wünschen Sie es zu ersahren?" Ich will es wissen." Wenn es nun eine Person darstellte, die dem Herzen des Doctors nahe stünde? Doctor Gembalsky ist ein interessanter Mann, von der Art, wie die Frauen ihn lieben soll es einem Manne verboten sein, eine zärtliche Neigung zu empfinden?" , Ich blickte zu ihr auf. Ihre Wangen wechselten zwischen glühendemRoth und fahlen Weiß, ihre dlauen Augen sprühten Blitze des Zorns und der Verzweiflung. Der Sturm war im Anzüge. Doch mir, dem Fremden gegenüber, raffte sie alle Kraft der Veherrschung zusammen. Sie fühlte, daß ihr in so eigenthümlichem Tone vorgetragenes Ersuchen mir auffallen mußte, so bemühte sie sich, mir die Antwort durch eine List zu entlocken. Ich kenne die Dame, es ist dieselbe, die mehrmals hier !var," erklärte sie mit kaum behaupteter Fassung, deshalb interessirte es mich, zu wissen, wer sie ist, aus keinem andern Grunde." Ihre Erwiderung veranlaßte mich, meine Tactik, die ich eben zu ändern im Sinne gehabt, . beizubehalten. Ihre Wißbegier, den Namen Michaelas zu erfahren, war aufrichtig genug, ' um mir anfangs die Meinung einzuflößen, daß sie die Gattin des Bankiers nicht kenne. Damit fiel mein Plan, insoweit das Verhältniß zu dem Baron in Frage stand, an dieserStelle in's Wasser, und ich beabsichtigte schon , das arme Kind über die Beziehungen . des Originals der Photographie zu dem offenbar von ihr geliebten Manne zu beruhigen, als ihre Rede mit einem Male den Sachverhalt grell beleuchtete. Also hatten doch geheime Zusammenkünfte zwischen Michaela und dem Baron Wardoss stattgefunden hier, in dieser entlegenen Restauration, in der Niemand' Gäste . vom Range des mysteriösen Russen und derFrau Commissionsräthin . suchte.. Sofern, die Aeußerung der rothen Käthe sich nicht als eine bloße Falle entpuppte, . durch welche sie mir den bewußten Namen zu entlocken gedachte, wa? durch diese Thatsache die Schuld Michaelas unwiderleglich bewiesen! Und ich glaubte nicht an eine so raffinirte Verstellung des Naturkindes sie benutzte ..die Wahrheit zur Erreichung ihres Zwecks, darin bestand ihre List. Unter irgend einem Vorwande hatten sich der Baron und dieGattin Hartwigs hier ihre Rendezvous gegeben, um, ihre geheimen Pläne miteinander zu besprechen, denn nicht Liebe allein wenn .überhaupt von Liebe die Rede sein konnte fesselte diese beiden räthselhaften. Charactere aneinander, sondern eine Verbindung andrer Art bestand zwischen ihnen, unergründlich in ihren Ursachen, ihren Zielen, ihren Mitteln! Schon längst hatte die Erscheinung der fremden Dame, deren Herkunft, Name und Absicht man ihr vorenthielt, vermuthlich die Eifersucht der Tochter des Hauses wachgerufen; das dreitägige befremdliche Ausbleiben' des Geliebten hatte ihr Mißtrauen ..verstärkt,, mein Verlangen, in Verbindung mit der Andeutung, die ich gemacht, verwandelte in' der erregbaren Brust den 'Verdacht zur entsetzlichen' Gewißheit. ' ;

So legte ich mir den Hergang zurccht und irrte mich nicht. Infolge meiner juristischen Vergangenheit besser in der Lage als die rothe Käthe, meine Gefühle für micb zu be-

j halten, verbarg ich meinen Triumph : fest in meinem Innern und entgegnete j in derselben gleichmüthigen Weise wie viölzer: Sie kennen die Dame? Weshalb fragen Sie mich dann?" Ich kenne sie von Ansehen, aber ich weiß nicht, wer sie ist." War sie denn nicht verschleiert, wenn sie kam?" Doch immer ich " Sie haben gelauscht?" ' Wie vorher der Zorn, so trieb nun die Scham der Unglücklichen das !ütyt in die Wangen. Durch Zufall vermochte ich einmal einen Blick in ihr Gesicht zu weisen bitte, sagen Sie Herrn Doctor Gembalsly nichts davon, wenn Sie !htt sprechen. Er würde mir zürnen. Der Name soll wohl verborgen bleiben?" setzte sie leise hinzu. Ich weiß nicht ich hatte überHaupt keine Ahnung, daß Sie in die Sache eingeweiht sind." Verzeihen Sie meine Neugier es war nur mein Interesse für sterni j Gembalsky, das mich danach forschen ließ; vie Dame ist wohl seine Braut?" O dieser angstvolle, qualdurchzuckte Blick, diese blauen, von schmerzlicher Spannung vurcygluyten Sterne! Gott weiß, ich empfand inniges Mitleid mit ihr, und doch zu ihrem und meines Freundes Heil zwang ich mich zu der Entgegnung: So ist es, Fräulein. Es ist meine Nichte, seine Braut. In ihrem Auftrage bringe ich ihm das Bild." Im nächsten Augenblick lagdas Bild zerrissen vor meinen Füßen; krampfHaftes Schluchzen brach aus dem ?osigen Munde hervor, indeß die kleinen Hände sich in grimmiger Verzweiflung vor das zornglühende Antlitz preßten. Gleich darauf befand ich mich allein in dem primitiven Raum, aber aus dem benachbarten Zimmer heraus vernahm ich ein verzweifeltes, heiseres Geschrei, vermischt mir abgerissenen heftigen Ausrufen und Verwünschungen und unterbrochen von. den weniger exaltirten Worten einer 'andern Stimme, die besänftigend auf die tobende Schöne einzuwirken versuchte und allem Anschein nach ihrer Mutter, dtt Besitzerin der Norddeutschen Weißbierhalle, angehörte! , 5 Da saß ich nun, halb reuevoll, in tödtlicher Verlegenheit. Was sollte ich thun? Unruhig raffte ich die beiden Stücke der Photographie zusammen, sie sorgsam in meiner Brusttasche bergend, dann erwog ich in fieberhafter Aufregung bei mir selbst mein ferneres Verhalten. Was war das beste. Gehen oder Bleiben? Während ich noch meditirte,' wurde es ruhiger neben mir.. Der Paroxysmus verhallte in dumpfem, halblautem Gestöhn, und plötzlich stand, wie aus der Erde gezaubert, eine ältliche Frau von rundlichem, sauberem Aeußern vor mir und bat mich in höflicher Form, gütigst einen Augenblick mit hinüberzukommen. An der Aehnlichkeit verrieth sich unschwer Käthes Mutter. Trotzdem fehlte in ihrem Gesicht der characteristische Zug aus dem der Tochter, derjenige der elementaren Leidenschaft, der vielleicht ein Erbtheil des Vaters war. Frau Friedrich so hieß nach der Firma auf den Bierglasdeckeln die Inhaberin des Etablissements trug eher ein ruhiges, gehaltvolles Phlegma zur Schau, dem sie wohl auch die behäbige Fülle ihres wohlgepflegten Leibes verdankte. Mehr als bereitwillig entsprach ich ihrem Wunsche, da die Erfüllung nicht nur mit meinem eignen Interesse über- , einstimmte, sondern auch meinem aufrichtigen Verlangen, dem betrogenen Mädchen gründlich die Augen zu offnen, Befriedigung versprach. Ein einfach ausgestattetes Stübchen öffnete sich vor mir, mit einem lafelförmigen Clavier als hauptsächliHem Schmuckstück. Die Tochter verharrte in halb liegender, halb sitzender Stellung auf dem braunüberzogenen So- , pha. das Antlitz drückte sich fest in das ! Polster, die linke Hand hing lang an i ihrer Seite herab. Als ich eintrat, sprang sie hastig auf und entfloh durch eine Thür, ohne mir den Anblick ihres Schmerzes zu gewähren. Käthe, bleib doch!" rief die rundliche Frau ihr nach, doch vergebens. Was müssen der Herr nur von uns denken," klagte die Wirthin, mir einen Stuhl hinschiebend, auf den ich mich ' niederließ. Das thörichte Mädchen, sie hat em so aufgeregtes Temperament! Nehmen Sie es nur ja nicht übel." Im Gegentheil, ich bemitleide Ihre Fräulein Tochter von ganzem Herzens Die alte Frau nahm auf dem Sopha Platz, faltete die Hände auf ihrem Schoß und erzählte: Sie werden bereits den Grund ihres Benehmens errathen haben. Sie liebt den Herrn Doctor Gembalsky, von dem Sie ihr jene Mittheilung gemacht haben. Nicht etwa auf's Gerathewohl oder in leichtsinniger Weise, lieber Herr meine Tochter ist ein apartes Mädchen und nicht freigebig mit ihren Gunstbezeigungen sondern mit allem Anstand und in bestem Glauben. Der Doctor ist em Mann, . . . em . - oer es einem jungen caocyen roogi an thun kann, und er hat ihr fest zugeschworen, daß er es ehrlich meint." Hat er das wirklich?" . Weiß Gott, lieber Herr, ich würde gewiß nicht schwören, wenn ich nicht die lautere Wahrheit spräche. So leid es mir um Ihre werthe Nichte ist, aber, ich bin Mutter und mein Kind ." &ie hielt schluchzend inne und wischte

sich ein paar Thränen von den Wimvern. '.So besteht zwischen ihm und Ihrer FräuleinTochter ein vollkommen regelrechtes Verbltniß?" . - Die gute Frau nickte. Verlobt sind sie natürlich nicht, es ist ja auch erst drei Wochen her, daß sie sich kennen lernten. Ich war auch von Anfang an dagegen, aber der Herr wußte so schön zu sprechen und zu phantasiren, dem hört man's gar nicht an, daß er tU Ausländer ist, so fließend redet er deutsch. Vom ersten Tage an hatte er sein Auge auf Käthe und auch sie, die sonst so spröde ist, fühlte sich von ihm angezogen, wie von ein'emZauber." Wie fand er denn eigentlich den Weg in Ihr Haus?'' ' Die alte Frau schwieg verlegen. Ich habe oben noch ein größeres Local, worin sich alle Wochen ein Verein versammelt, dem der Doctor als Mitglied angehört." gab sie mir endlich zur Antwort. Vor drei Wochen war er zum ersten Mal da; sobald er Käthe, die oben bediente, gesehen hatte, interessirte er sich für sie und kam dann alle Tage, um bei uns Abendbrot zu essen und sein Bier zu trinken." So, so." Was für einem Verein gehörte denn der Baron an, der sich in diesem abge-

legenen geringen Restaurant versammelte? Nach einigem Besinnen stellte ich unbedenklich die Frage. Ja, ich weiß wahrhastig nicht, was die Leute für Tendenzen verfolgen erklärte Frau Friedrich mit merkbarer Unbehaglichkeit. Es sind meist Arbeiter aüs der Nachbarschaft. Ich be kümmere mich nicht viel um meini Gäste, wenn sie sich nur ordentlich betragen und mich pünktlich bezahlen. Doch was ich gleich sagen wollte," sprang sie hastig auf ein andres Theme über, der Herr haben meiner Tochter eine Photographie übergeben, und das 'dumme Gänschen hat, sie in ihrer Aufregüng zerrissen. Darüber bin ich Jh nen noch eine Erklärung schuldig. Zl wiederholten Malen traf nämlich bei uns eine tief verschleierte Dame mit Doctor Gembalsky zusammen, wie er sagte, eine Landsmännin, die Frau eines Freundes von ihm. Ihr armer Mann Ichmachte in Sibirien, sie selbst befinde sich in bedrängten Verhältnissen, halte sich auch nur heimlich in Deutschland auf und habe sich in ihrer Noth an ihn gewandt. Er habe ihr .einige Bittschriften an hohe Persönlichleiten zu Gunsten ihres Gemahls abgefaßt. Wir hatten natürlich kein Arg bei der Sache, denn sie blieb stets nur wenige Minuten bei ihm. Meine Tochter konnte sich zuletzt aber doch nicht überwinden, sie mußte ihr wenigstens einmal in's Gesicht sehen. Wie nun die Dame das letzte Mal da war" Wann war das?" Tkis weiß ich nicht mehr genau clso wie sie das letzte Mal hier war. da hat sie ja, da ist es ihr geglückt, einen Blick in das Gesicht der Fremden zu werfen. . Sie sagte, es wäre eine schöne, junge Dame gewesen." Sie hat wohl durch's Schlüsselloch gesehen?" Die Alte lächelte pfiffig. Wie's eben die Jugend macht! Welches Mädchen wäre nicht ein wenig eifersüchtig? ! Seitdem ist das Mißtrauen in ihr Herz eingezogen und weil nun der Doctor sich schon drei Tage nicht hat sehen lassen. Aber freilich, wenn er eine andre hat und gar dieselbe ist es, sagt mir Käthe, die ihn hier besucht. Pfui, das ist mir auch eine nette Person, nehmen Sie es mir nicht übel, ich muß es sagen, wenn es auch zehnmal Ihre Nichte ist! Da hat die Käthe doch recht gehabt mit ihrem Verdacht." Sie hat recht gehabt," sagte ich ernst und warf einen Blick .inniger Theilnähme auf das unglückliche jungeMädchen, das jetzt hereintrat, mit wiedergewonnener, wennauch mühsam behaupteter Fassung auf einen Stuhl sinkend. Aus ihrem schönen Antlitz waren die Spuren der vergossenen Thränen entfernt, höchstens deuteten die Blässe ihrer Wangen und der düstere, schmerzlich verzogene Ausdruck auf eine vorhergegangene seelische Catastrophe hin. Hast du den Herrn gefragt, Mutter, ob es wahr ist?" wandte sie sich ' mit mürrischer Kürze an die rundliche .Frau ,Ja freilich, Herzchen nicht wahr, ' lieber Herr, wir haben uns gehörig ausgesprochen. Dem armen .Herrn ist's eben auch keine . erfreuliche Entdeckung, Käthe, der Doctor führt seine Nichte vermuthlich genau so an der Nase herum wie dich." ' . O nein, denn sie ist wahrscheinlich reich und gibildet," erwiderte die rothe Käthe mit schneidender Schärfe. Ich erachtete damit den Augenblick für gekommen, mein Enthüllungswerk zu vollenden. Mit ernstem Tone redete ich die Frauen an: Wollen Sie mich eine Minute anhören, meine Damen? Ich will Ihnen die volle Wahrheit über die leidige Angelegenheit mittheilen. . Vor allem: diese Dame ist weder meine Nichte noch Doctor Gembalskys Braut." Das junge Mädchen sprang mit flammenden Augen empor. , . Sie 'haben' mich belogen? . Mit meinen heiligsten Gefühlen Spott getrieben?" schrie sie in gellenden Lauten wilder Empörung. ' . (Fortsetzung folgt.) m m m K Kinder der Zeit. Lehrer: Sagt mir, welchen Nutzen zieht die Menschheit aus dem Element des Feuers?" Schüler: Daß die Versicherungsanstalt den Brandschaden ersetzen muß." . - , Zerstreut. Wer hat mir denn das . Bouquet ins .Zimmer gestellt?" Ich, lieber. Mann." Weshalb denn?". Nun, heute ist . doch Dein Hochzeitstag!" So? Na, erinnere mich, wenn Deiner ist, dann werde ich mich revanchiren!"

Für die Mcge. Gemüsepüree - Suppen. Die Suppen bereitet man aus weißen Rüben, Steckrüben, gelben Wurzeln oder Mohren, Sellerie, Spargel, Blu menkohl, Kartoffeln etc. Sie bedürfen sämmtlich einer genügenden Kräf tigung durch Liebiz's Fleisch-Extralt. Der Verdaulichkeit wegen das Gemü. se, aus welchem man Suppe bereiten will, nach dem Reinigen und Waschen unzerschnitten in Wasser weich gekocht und auf ein Sieb geschüttet. Dann rührt man das betreffende Gemüse durch das Sieb, verdünnt das erhal-' tene Püree mit Wasser, giebt auf 1 Quar? Suppe 2 Theelöffel frische Butter hinzu, Unze Liebig's Fleisch-Extrakt geh. Theelöffel), läßt unter fortwährendem Aufrühren die Suppe nur noch einmal aufkochen und richtet sie mit Croutons an. Für Kranke und den gewöhnlichen Tisch röstet man Semmelscheiben oft ohne Butter, um sie in oder neben der Suppe zu serViren. Hecht mit Sauerkraut. Ei nem mittelgroßen, gereinigten Hecht wird der Kopf abgeschnitten und derselbe, nachdem man die Leben in den Rachen geklemmt hat, in ewem Fischsud weich gekocht. Der übrige Hecht wird gesalzen, in zweifingerbreite Streifen geschnitten, in Mehl umgewendet, in Backfett gelbbraun gebacken und das Fleisch von den Gräten gelöst. Dann schichtet man das Fischfleisch lagenweise mit gut geschmalztem, weich gedämpften Sauerkraut auf eine . Schüssel; die oberste Lage bildetSauerkraut. Auf diese vertheilt man eine Tasse recht dicke süße Sahne, streut etwas geriebenen Zwieback darüber und schiebt die Schüssel noch j Stunde in einen mäßigen heißen Ofen. Feine , Leberfilets mit Rothkraut. Eine schöne Kalbsoder auch Schweinsleber wird gehäu:et und in einen Zoll dicke Scheiben geschnitten. Jede Leberscheibe wird alsdann mit feinen Fettstreisen gespickt und mit Eidotter bestrichen, sowie mit Mehl, Salz und Pfeffer bestreut und kurz vor dem Anrichten in brauner Butter gebraten. Hierzu reicht man Sauerkraut oder wie folgt bereitetes Rothkraut: Man rippt die Köpfe aus, hobelt das Kraut fein, begießt es dann mit etwas Weinessig oder auch Citronensaft und läßt es so eine halbe Stunde lang stehen. Hierauf legt man in eine Kasserolle etwas Butter und kleingeschnittenen Speck, läßt denselben ausbraten, gießt sodann etwas Essig hinein, legt das Rothkraut mit etwas Salz hinzu, läßt es weich dünsten und gießt dabei nach und nach etwas Fleischbrühe hinzu, schmeckt es mit Rothwein ab, stäubt, um es zu binden, etwas Kartoffelmehl daran und giebt sodann den Kohl auf. Liebhaber von Zwiebeln lassen drei fein gewürfelte Zwiebeln mit dünsten. , Nun wird der Kohl angerichtet. Zur Leber reicht man außerdem noch geröstetete Kartoffeln. Ragout von Kalbskeule. Man schneide von einem gut gebratenen Kalbsschlegel etwa einen halb:n Zoll dicke Scheiben, rühre 5 6 Sardellen mit etwas Butter flaumig, vermenge mit der Butter drei hart gekochte, durchgestrichene Eidotter und bestreiche jedes Scheibchen messerrückendick mit der Butter. Die Coteletts werden in eine Pfanne zusammengelegt, etwas Brühe darüber gegossen und in einer verdeckten Kasserolle schnell ausgekocht und das sehr wohlschmeckende Gericht dann zur Tafel gegeben. Rinder - Schwanzstück. Ein recht alt geschlachtetes Mittel. Schwanzstück wird tüchtig geklopft, mit feinem Speck gespickt und mit Butter. Salz, Gewürzen, ' Zwiebeln. Petersilien - Wurzeln. Mohrrüben. Chalotten. etwas geschälter CitronenSchale, einer halben Flasche Weißwein und eben so viel Weißbier langsam weichgedämpft. Nun rührt man 2 Löffel Mehl mit Butter, ein paar Zwiebeln, einigen Scheiben rohem Schinken auf dem Feuer gelblich, gießt den entfetteten Fond des Fleisches, das Fette selbst füllt man über da3 verdeckt warm zu haltende Fleisch, dazu und läßt die Sauce tüchtig durchkochen. Ist dies geschehen, wird sie, mit Bordeaux-Essig und ein wenig Rum abgeschärft, durch ein Sieb geschlagen, bis zum Anrichten warm gestellt, und dann zum Theil über das in feine Scheiben tranchirte Fleisch gefüllt, zu dem man ein Kartoffel-Püree servirt. Maccaroni mit Sardell e n. Feme Maccaroni werden in kochendem Salzwasser weich gekocht. Inzwischen werden in kleinem Pfännchen verschiedene fein gehackte Kräuter, Petersilie, Schalotten, wie auch eine Kleinigkei." Knoblauch in einem Stückchen Butter gedünstet und einige verwiegte Sardellen und etwas , Fleischextrakt beigefügt. Die gut abgetropften Maccaroni mischt man schließlich mit der pikanten Tunke. Auflauf von Fleisch rest e n. Fleischresie hackt man fein mit ein wenig 'Citronenschale. Kapern, Sardellen und vermengt dieselben mit einigen Löffeln geriebener Semmel, die vorher in Butter geröstet sind. Auf eine mittlere Form rechnet man drei ganze und drei Eigelb, rührt diese darunter nebst etwas saurer und süße? Sahne, beides vermischt, und salzt nach Gutdünken. Ist viel Kalbfleisch darunter, so nimmt man noch etwas ge hackte Petersilie dazu, ist es Hammel oder Wild, eine fein gehackte Zwiebel und einen Theelöffel Citronensaft. Nun bestreicht man die Form gut mit Butter, bestreut fi: mit Semmelkrummen und füllt die Masse hinein und bäckt sie im Bratofen oder kccht sie im Wasserbad, bis sie schön hoch aufaeht. Gestürzt giebt man eine feine Sardelltunke oder Champignontunke dazu.