Indiana Tribüne, Volume 23, Number 186, Indianapolis, Marion County, 25 March 1900 — Page 3

Jer M IJemfiassßi),

Xliimtnolroman von Friedrich SJtac (6. Fortsetzung.) Ich für meine Person nar schwer zu überzeugen, ich fuhr innerlich fort, der Frau des Hauses mit einer Spur von Mißtrauen zu begegnen. Der Qtiif entfallt trn fvnilV rnftnfS f&rntnbfä gestaltete sich infolgedessen für mich peinlich, und ich fühlte, daß auch der Zungen Frau der beständige Anblick des Zeugen ihrer Handlungsweise UNongenehme Empfindungen wachrief. Ohnedies stand die Familie vor ihrem Umzug nach Westend so benutzte ich die Störung und die Nothwendigkeit meiner eignen Einrichtung als Vorwand, mich vorläufig zu verabschieden, sine Ceremonie, welche Michaela VerQnlassung zu der wiederholten Versicherung bot, daß sie mir dieselbe Stelle in ihrem Hause und Harzen einräume wie ihre Vorgängerin, ich nahm mir jedoch innerlich die Freiheit, mindestens diesmal an ihrer Aufrichtigkeit zu zweifeln und bei mir vorauszusetzen, daß sie gerade ' deshalb so freundschaftliche Empfindungen kundgab, weil sie sich freute, mich los zu werken. Etwa acht Tage verflossen unter den ngestrengtcn Bemühungen meinerseits, mir mein Heim nach meinem Gcschmack zu gestalten. Bereits am dritten Tage hatte ich ein passendes Nest gefunden, worin ich alter Vogel inich für den Nest meines Lebens wohl enug zu fühlen hoffen durfte. Drei Limmer in einer stillen, villenartigen I Straße im schönsten Theil der Residenzstadt Charlottenburg, still, groß, hoch und freundlich, mit der lieblichen Aussicht auf ein wahres Paradies von einem Garten, den der Besitzer des Ge bäudes mit zärtlicher Leidenschaft pflegte. Kein Clavier unter mir, über mir unbewohnte Bodengelasse; hier mochte ich wühlen und hausen unter meinen geliebten Büchern, ungestört wie ein alter Maulwurf, der sich in trns Allerheiligste seines Baues zurückgezogen hat. Meinen Freund und die Seinen bekam rch in dieser Zeit emsiger Geschäfiigkeit nicht zu Gesicht, kaum ging ich vor die Thür, so ruhig arbeitete ich an 1)erHerstellung meiner gewohnten Ordnung; stellte Bücher auf. sichtete Manuscripte, schrieb Briefe und schwelgte -in der neuen Umgebung. Uebrigens wollte ich auch Hartwigs Zeit lassen, sich in ihrem Tuskulum einzurichten, Xcvcr ich als Störenfried zwischen sie fuhr. Länger dachte ich meinen Freund in"dessen nicht warten zu lassen. Ich ertot mir den Sonntagnachmittag zu meiner Amtsvisite den Vormittag war ich bei mir selbst zu Gaste, saß im Hausrock am geöffneten Fenster meiner Wohnstube, rauchte meine lange Pfeife, las in einem Buche und .hörte die Amsein und Finken im Garten schlagen. Da klingelte es draußen, und einen Augenblick später meldete meine AufWärterin Fräulein Hartwig. 3st's möglich? Jrmgard?" rief ich aufspringend, indem ich der jungen 'Dame entgegeneilte.' In der That, die liebliche Mädchenblume stand vor mir. Bist du's oder dein Geist wie hast du mich denn ausgefunden in meiner einsamen Klause?Das schöne Mädchen öffnete ihr Ge?nüth in einem snlenvollen Lächeln, "das Wie ein schmeichelnder Gruß zu meinem Herzen sprach. Du hattest ja Papa deine neue Adresse mitgetheilt," hauchte sie, doch 'twas verlegen über ihren Schritt. Ich Zog sie freudestrahlend in mein Wohnzimmer. Und du wolltest die erste sein, die "btxi alten Onkel in seiner Burg heim suchte o wie oft bist du früher bei mir gewesen, stundenlang, Jrmgard weißt du noch? In meine Bücher versenkt, hocktest du alle Tage im Fensterwinkel, so daß ich manchmal deine Anwesenheit völlig vergaß. Setz dich, Kind, mach dir's bequem" wobei ich sie in eine Ecke des Sofas niederdrückte und verzeih, wenn ich mich auf die Honneurs nicht so vorzüglich verstehe wie eine gewisse junge Dame." Wie gut du bist, Onkel, immer noch der alte." Freilich, so wie du hab' ich mich in den drei Jahren nicht verwandelt höchstens ein bischen grauer bin ich geworden. Alles wohl daheim, Papa. Mama. Walter? Doch nichts passirt?" ergänzte ich beunruhigt, als ich durch meine Frage einen fast schmerzlichen Zug in ihrem holden Antlitz ausgelöst sah. Nein. Onkel, nichts wenigstens nichts Erhebliches." Vor sich niederstarrend schwieg sie einen Augenblick, plötzlich bemerkte ich Thränen in ihren Augen. Um Gottes willen, Jrmgard, was giebt es?" Ich ich muß dich in einer wich iigen Angelegenheit um Nath und Hilfe bitten, Onkel, deshalb bin ich hier. Deshalb? liebes Kind." ich legte meme Hand liebkosend aus ihre Schul ier. Dein alter Onkel war von jeher dein getreuer Beichtvater; schütte nur oein volles Herz aus. Aber eins sage ich dir gleich, betonte ich mit schalkhas . tem Augenblinzeln, denn ich glaubte jetzt den Grund ihrer Aufregung zu errathen; in Liebesangelegenheiten bin ich nur' ein schlechter Sachverständiger, Jrmchen. Jrmgard lächelte schwach. Was du denkst, Onkel, es handelt sich um Papa. Um Papa?" Und Mama " Ich warf einen unruhigen Blick auf die graziöse, mädchenhaft zarte Gestalt. Hatte sie durch irgend' einen Zufall unser Geheimniß erfahren? .WaZ ist mit ihnen?-

Du hast ja nun Mama kennen qo lernt, Onkel, und auch Papa in seines neuen Ehe." Ja. er ist sehr glücklich." Ich glaub' es," entgegnete , das junge Mädchen mit einem Schatten auf ihrem Gesicht. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen. Er ist 10 gut. so herzensgut. Nur fürchte ich, sein Glück wird nicht von Dauer sein." Warum nicht?" 0, weil weil nun, dir kann ich s ja gestehen: ich hab kein rechtes Vertrauen zu Mama." Läßt sie es an Güte und Herzlich keit gegen euch fehlen?" Jrmgard schüttelte lebhaft das Köpfchen. Im Gegentheil, sie fließt über von Liebenswürdigkeit und Zartlichkeit. Sie erstickt uns beinahe in Küssen und Umarmungen. Walter ist ganz stolz auf sie, er vergöttert sie. Anfangs war ich ebenfalls begeistert von ihr, ohne jemals meine theure Mama einen Augenblick darüber zu vergessen, Onkel," beeilte sie sich hinzuzusetzen, indem sie aus ihren blauen Augen einen Strahl auf mich fallen liß, in dem die ganze edle Treue ihres Innern sich widerspiegelte. Meine Erwiderung, bestand nur in einem Blick er gab denselben Empsindungen Ausdruck wie der ihre und bestätigte meinen unerschütterlichen Glauben an ihre Kindesliebe.. Ich weiß nicht," fuhr sie ruhiger fort, warum ich mit der Zeit gegen ihre Zärtlichkeit mißtrauisch geworden bin. Unangenehme Empfindungen beschleichen mich, wenn sie mich mit ihren Sirenenaugen anlächelt, ich will ihr nicht unrecht thun.Onkel, bewahre mich der Himmel davor, aber ich kann mir nicht helfen, ich denke manchmal, sie ist nicht aufrichtig!" Solltest du nicht ein wenig parteiisch urtheilen, Jrmgard? In deinem Herzen lebt das Ideal einer Mut ter, wie sie wenige Kinder das Glück zu besten haben, Jrmgard. Das darfst ou nicht vergessen. Im Vergleich mit ihr muß Michaela natürlich verlieren. Bemühe dich, gerecht zu sein, mein Kind, sei freundlich und aufmerksam gegen sie; halte das Beste von lhr. solange sie dir nicht Anlaß giebt, anders zu denken.." O, das thue ich gewiß. Und doch " Nach kurzrm Nachdenken vervollständigte sie den unterbrochenen Gedanken, indem sie plötzlich ausrief: Papa will mit ihr nach Rußland xt sen, Onkel, das ist's, was mir Sorge macht. Ich angst 'je mich um Papa!" Nach Rußland? Da wirkte unertvartet eine Nachricht auf mich, die meiner höchsten Theilnahme würdig war. Mein Freund beabsichtigte also, mit Michaela eine Reise nach Rußland zu unternehmen, nach Allem, was vorgegangen, oder vielleicht gerade des-

halb? Und dieses gute Klnd wußte nichts von den Ereignissen der letzten Tage, und doch lebte in ihrem Herzen eine ruhrende Sorae. ihr kindlicher Jnstinct ahnte die Gefahr, welche unser Verstand sich ängstlich zu leugnen bemuhte! Sonderbar das Prosect wollte auch mir nicht gefallen. Mein Vertrauen zu Michaela war noch nicht zurückgekehrt. Das junge Mädchen sprach unbewußt Gefühle aus. denen ich wahrend der verflossenen Woche wiederholt und angelegentlich Raum gewahrt hatte. Davon höre ich das erste Wort wann ist denn der Vlan auf der Tagesordnung erschienen?" Gestern Mittag sprach Papa zuerst davon." Der Wunsch geht naturlich von Mama aus?" Ja. Sie war in der lenten Wocke leidend und verstimmt seit dem Anfall an jenem Abend, von-dem du Zeuge warst, ist sie nicht recht die alte geworden. Sie klagt über Heimweh, m . . . . ' uoer Sehnsucht nach ihrer Mutter, da hat sich denn der Papa, der ihr ja alles von den Augen absieht, entschlossen. mit ihr nach Petersburg zu fahren." Wann soll die Abreile stattfinden?" Vielleicht schon in den nächsten Tagen." Und sie reisen allein?" Allein. Eben deshalb beunruhige ich mich. Mir ist bange um den guten Papa, ich fürchte, es könnte ihm etwas zustoßen. Was denn?" Frage mich nicht, Onkel, ich habe keine Antwort darauf. Bei dir hoffte ich für meine Herzensangst Verständnin zu slnoen. Furchtest du, Michaela könnte ihrem Gatten ein Leid anthun?" . Srtlril" rtßf rmnnr mirs 5?.. bend anblickend. oa"vf inu ' Ja, mein Kind, wenn wir uns über etwas Sorge machen, so müssen wir uns doch klar werden, ob wir eigentlich Ursache dazu yaoen, und welcher Art die Gefahren, die uns erschrecken, sind. Oder besorgst du, Michaela strebe nach cwY.ir.i : l it 1 einem nucrni ein mu iym, um iyreii Einfluß auf ihn ungehindert und rücksichtslos zu ihrem Vortheil geltend zu machen?" Daran habe ich noch gar nicht gedacht." Auch nicht? Woran hast du denn eigentlich gedacht?" Daran, dich zu bitten, die Reise zu hintertreiben! Du sollst mit Papa sprechen, ihm Vorstellungen machen, all' deinen Einfluß aufbieten. D'l bist meine letzte Hoffnung , in dieser Sache, lieber Onkel." Sie stand auf, um Abschied zu nehmen. Noch einmal,, ihr Köpfchen vertrauend an meine Brust 'legend und die blauen Vergißmeinnichtaugen hoffnungsvoll zu mir aufschlagend, wiederholte sie: Du kommst doch, lieber Onkel?" ' Sei unbesorgt, heute Nachmittag bin ich bei euch." Ein Kuß, ein herzliches Lächeln von der Thür aus Jrmgard schwebte davon ... Am Nachmittag hatte ich eine lange und ernste Unterredung mit dem Vanlier. Ich fand ihn von allen Zweifeln geheilt, welche die ereignißreiche Nacht

etwa in seinem Innern noch zuruckgelassen haben konnte. Er war wieder, der er bei meiner Ankunft gewesen, der

Sclave semer schonen Frau. Er liebte sie nicht, er betete ste an. Meine Anspielungen auf den mysteriösen Vorfall nahm er ordentlich ungnädig auf. Er r.i t c V . , , ei Illliimcyr uoer oen sacyoeryail mix ich völlig im Klaren, er habe in diesen Tagen viel über die bewußte Materie gelesen, und aus jeder, selbst der vorsichtigsten Darstellung, die Ueberzeugung von der Wahrheit der Betbeuerungen Michaelas geschöpft. Ob er in der That nach Rußland zu reisen gedenke? Ja, er gedenke es. Wann? In drei Tagen. Warum? Weil seine Gattin infolge der Anwesenhelt ihres Dämons sich rn Berlin nicht mehr wohl fühle. Und er auch nicht. Das Heimweh nach dem Vaterland sei ungestüm in ihr erwacht ; ihn selbst dünke die Abreise eine Erlösung. Er könne nicht ruhig sein, solange er sich in einer Stadt mit jenem rathfelhaften Menschen wisse. Wie lange er bleiben wurde? Er wisse es nicht,-drei, vier, sechs Monate, vielleicht noch länger. .Du verzeihst einem treuen Freunde eine Jndiscretion, aber ine so weite und lange Reise birgt mancherlei Gefahren in sich. Hast du deine geschäftllchen und hauslichen Angelegenheiten in vollständiger Ordnung?" In völliger Ordnung. Du hast testirt?" Ja." iJst Michaela in dem Testament bedacht?" Naturlich kann und darf ich meme Frau nicht auf die Gnade meiner Kinder verweisen, so edel auch ihre Denkungsart sein mag. Sie erhält den drittenTheil meines Vermögens, Jrm gard und Walter theilen sich m das Uebrige." Hat Michaela diese Sicherbett von dir verlangt?" Einen Augenblick' hielt er mit der Antwort zurück. Dann sagte er: Nein. Ich selbst habe die Frage seinerzeit auf's Tapet gebracht. Es war meine Pflicht." Und du fürchtest dich nicht, nach Rußland zu gehen, wo du mit genauer Noth den Schrecken Sibiriens entgangen bist?" O, daran denkt Niemand mehr. Wir werden sehr zurückgezogen leben , und keinerlei Gesellschaften aufsuchen, wo mein politisches Empfinden in Versuchung geriethe." Ich unterließ jeden weiteren Vorhalt als unnütz. Aber reisen sollst du doch nicht, entschloß ich bei mir selbst, und als Jrmgard mich vor meiner Rückkehr nach Charlottenburg leise über den Erfolg meiner Intervention interpellirte, gab ich, ihr die beruhigende Versieherung, daß ich morgen das Mittel sinden würde, ihre Väter zurückzuhalten. Worin bestand dieses Mittel? In der Entlarvung des Barons von Wardoff und der Gattin meines Freundes! Das Project der russischen Reise bildete das fehlende Glied in der Kette meiner juristischen Reflexionen. Fortan wurzelte in mir die feste Ueberzeugung, daß Michaela eine Betrügerin fei. Wovor die liebende Tochter aus Gründen kindlichen Instinkts eine ungeklärte Scheu empfand, das fürchtete ich aus den Motiven bewußter Ueberlegung. Mein Freund durfte nicht reisen, denn mein Glaube stand felsenfest: er würde nie wieder nach Deutschland zurück kehren! Was für Pläne die schone Jntrigantin verfolgte, ahnte ich nicht, konnte ich nicht ahnen. Daß sie ihn unter dem Vorwand der Reise völlig in ihre Gewalt bringen wollte, daran zweifelte ich nicht. Im fernen Russenreiche bot kein andrer Einfluß dem gefährlichen der geistvollen Frau die Wage, kein Freund stand ihm berathend zur Seite, Niemand klärte ihn auf, Niemand schützte ihn! Daher durste die beabsichtigte Reise unter keinen Umständen stattfinden ! Doch wie sollte ich sie verhindern? Nur zwei Tage blieben mir zur Benutzung. Würde mir dieser kurz bemessene Zeiträum genügen, meinen Entschluß zur Thal zu gestalten, meinen Entschluß, der geheimnißvollen Persönlichkeit des Barons Wardoff auf die Spur, zu kommen und meinemFreund den Nachweis zu liefern, daß das Verhältniß seiner Gattin zu dem Abenteuer nicht allein das des willenlosen Opfers zum Ezperimentator sei? . Aber am Ende war Michaela dcch unschuldig? Bei Gott, ein Rest von Bewunderung für die herrliche Erscheinung ließ mich den Wunsch ausrichtig in mir nähren. Nun. wenn sie es war, so mußte meine Untersuchung ihre Unschuld an's Licht bringen, dann wollte ich ihr auf den Knieen meinen Verdacht abbitten und meinen Freund selbst nach dem Bahnzuae begleiten. Schuldig oder unschuldig' ich mußte Klarheit schassen; um Arthur und seiner Kinder willen! In meinen jungen Jahren hatte ich mich oft und viel mit der Lösung schwieriger . kriminalistischer Probleme abgequält. Allerdings nur in der Tdorie. Die Prazis ging mir ganz ab. Doch ich war ein kräftiger Mann und besaß Muth und Scharfsinn.. Der Montag sollte einen richtigen Detective aus mir machen. Die halbe Nacht widmete ich dem Nachdenken 'über mein Vorhaben und die zunächst zu unternehmenden Schritte. Gegen acht Uhr verließ ich meine Wohnung, gekleidet wie immer, anständig, aber .einfach. Ich - erblickte keine Veranlassung, mein ehrliches Gesicht zu verstecken. Wie ich es mit meinem ehrlichen Namen zu halten genöthigt sein würde, hing von den Umständen ab. , Zunächst galt es, den Aufenthaltsort dieses Barons Wardofs zu erkunden. Ein Mensch ist nirgends leichter ausfindig zu machen, als in Berlin wenigstens, wenn er sich finden lassen will. . ZuverlägiZ versuchte sich nun

mein Mann, wie seine Zwecke dieS erheischten, -wie in Wiesbaden und Peteröburg, so auch in Berlin, in die vor-

nehmsten Kreise einzudrängen, es lag also nicht in seiner Absicht, Versteckens zu spielen, er mußte m der Lage sem, überall offen ein und aus zu gehen, ja möglicherweise legte er sogar Werth darauf, die Aufmerksamkeit zu erregen. Mein erster Gang' galt daher einer öffentlichen Lesehalle, wo ich die während der letzten vier Wochen erschiene1. l 1 1 - 1 nen Nummern oes remoenoialles einer sorgfältigen Durchsicht unterzog. Unter irgend einem Namen mußte ich ihm unter den Gästen der Berliner Hotels begegnen, unter welchem, war freilich schwer zu errathen. Trotzdem vertraute ich meinem Spürsinns . Der Baron würde in Berlin, calculirte ich. zweifellos in einer russischen Maske auftreten, da er über die russischen Verhältnisse am besten unterrichtet war. Ob er selbst mit Recht die Nationalität , eines Russen für sich in Anspruch nahm, vermochte ich nicht zu sagen, so wenig wie ich die Quelle seiner zweifellos doch ausreichenden Legitimationspapiere zu errathen lm Stande war. Ich schloß aus dem. was ich bisher von Baron Wardofs in Erfahrung und Wahrnehmung gebracht, daß er sich keins der letzten Hotels der Hauptstadt zu seinem Domicil auswählen wurde, so durste ich denn hoffei;, unter den wenigen russischen Adressen, die mir aufstoßen würden, die rechte mit leichter Mühe auszuforschen. Zu meiner Freude blieb mir die Arbcit des Auskundschastens erspart. Gleich in einer der ersten Nummern, die ich nachschlug, winde ein Doctor Gembalsky aus Riga" als im CentralHotel abgestiegen gemeldet. Das konnte kein anderer sein als der Gesuchte. Unverzüglich nahm ich mir. eine Droschke erster Classe und fuhr nach dem Centralhotel. Schon der Portier bestätigte die Richtigkeit meiner Vermuthung. Logirt hier ein Herr Doctor Gem-balsky?-Zu dienen, mein Herr. " Doctor Gembalsky aus Riga." Ein langer, hagerer Mann " Jawohl, lang und hager, etwa dreißig Jahre alt, schwarzes Haar, schwarze Kleidung, echt aristokratische Ersckxinung." Ganz recht, den meine ich." Wünschen Sie ihn zu sprechen? Er ist momentan nicht anwesend, kommt auch kaum vor Abend zurück." Sehr gut, dachte ich bei mir, und erwiderte, daß ich das lebhaft bedauere. Wäre er zugegen gewesen, so hätte ich ihn von N. oder X. grüßen lassen, mit dem Hinzufügen, ich wünsche ihn so früh nicht zu stören und' wollte später wiederkommen. Die fo günstige Situation beschloß ich auf der Stelle weiter auszunützen. Wissen Sie, wo er sich hinbegeben hat?" Bedaure, er hat nichts, hinterlassen." Dinirt er im Hotel?" Nein, mein Herr." v Wissen Sie, wo und wann er zu Mittag speist?" Ich weiß es nicht. Vielleicht kann Ihnen der Kellner, der ihn bedient, Auskunft ertheilen." Der höfliche Mann, dessen BereitWilligkeit e:n kleines Trinkgeld noch erhöhte, rief sofort den yewünlchten dienstbaren Geist, der meine Frage leider mit der Erklärung beantwortete, daß er zur Crtheilung der gewünschten Auskunft nicht im Stande sei. Achselzuckend fügte er hinzu: ' Ich bin erst seit drei Tagen in dem betreffenden Revier angestellt. Mein Vorgänger würde sicherlich Bescheid wissen." Kann ich ihn sprechen?" Bedaure. er ist vor einigen Tagen wegen ungebührlichen Verhaltens entlassen worden." Schade, wie hieß er denn?" Barnetzky Joseph Barnetzky." Wissen Sie zufällig, wo er wohnt? Wenn es nicht weit von hier ist mir liegt unendlich viel daran. Herrn Doctor Gembalsky so bald als möalick zu treffen." Rizdorf, Ziethenstraße dieNummer ist mir freilich nicht bekannt." Hm, das ist mir denn doch zu weit." erwiderte ich gedehnt, da ich es nicht für aerathen fand, ein über das gewöhnliche Maß hinausgehendes Interesse zu verrathen. Na. dann hilft es eben nichts ich komme heute Abend wieder." Soll ich dem Herrn vielleicht "' Danke, ich will ihn überraschen." Mit diesen Worten verließ ich , das Hotel, um meinen Kutscher unverzllglich nach Rirdorf zu dirigiren. Die Entlassung des Herrn Barnetzky kam mir vielleicht ganz gut zu Statten, vorausgesetzt, daß ich den Gesuchten überhaupt auffand, und wenn mir dies gelang.' ihn in seiner Wohnung antraf. Und auch dann- war es noch zweifelhaft, ob ich von ihm irgend eine mir dienliche Mittheilung erhielt. Gegen zwölf Uhr kam ich nach Rix dorf. .Wir fraaten in mehreren Re ftaurants ' und Häusern der Ziethen straße nach der Wohnung des Kellners, ohne unsern Zweck zu erreichen, schließlich begab ich mich kurz entschlossen nach dem Polizeiamt, wo ich auf der Stell: den ersehnten Bescheid erhielt. Der Gesuchte hauste m einem Dach logis hinten hinaus, - dessen ärmliche Ausmobiirung mHl gerade aus glan zende Umstände , hindeutete. Eine nicht mehr zu junge Frau mit einem etwas unsauberen Säugling auf dem Arm , empfing , mich Mit mürrischem, mißtrauischem Gesicht, erst als .ich dem Kinde freundlich die Wange streichelte und ihm ein Nielstück in die Hand drückte, zeigte sie sich mittheilsamer. Ihr Mann, sei nicht zu Hause, werde aber in spätestens einer Stunde zurückkommen. ' Gut. so wede ich auf ihn warten. Ich würde die Pause benutzen, um irAnbVni ? TOilTj it 11 j jjmw im vu xMi g Ultttuj $n speisen. , . :v

Was Ich von ihm wolle, ob sie es nicht ausrichten könne.? Nein, gute Frau, ich muß mit ihm selbst sprechen. Es soll sein Schade nicht sein. Er ist wohl jetzt außer Stellung?" Der armen Frau traten die Thränen in die Augen. Mit kummervoller Miene erwiderte sie: Ach ja. lieber Herr, leider, der Joseph ist s? ein tllchtiger Mann in seinem Berufe, aber wenn er getrunken hat. ist er unverträglich. Ich war so froh, daß er den guten Posten im Centralhotel bekam, nun sitzt er schon wieder zu Hause, und wer weiß, ob er bald wieder einen Platz findet." Trinkt er denn öfter?" Die Frau. seufzte. Nicht allzu oft. wenn er aber einmal anfängt, reibt er's auch arg genug. Wenn er, nur erst ein paar hinter der Binde hat, dann fühlt er sich als Baron. Dann fliegt das Geld nur so fort bis zum letzten Pfennig. An Weib und Kind denkt er dann nicht mehr. Und am andern

Tage liegt er zu Hause und heult wie ein iVchutdube. da bereut er's bitter und verflucht seine Geburt und sich. seider und sein Schicksal. Als Sie hereintraten, dachte ich, Sie wären so ein Saufcumpan von ihm, daher war ich so unhöflich. Nehmen Sie es mir ja nicht übel." AIs ich eine Stunde spater m das ärmliche Logis zurückkehrte" trat mir Joseph Barnetzky in der Person eines lang aufgeschossenen, blassen Menschen mit dem typischen Kellnergestcht entgegen. tin Wesen, obwohl geschmeidig und zuvorkommend, verrieth seine nieoergedruate Stimmung. Mit gedämpster Stimme erkundigte er sich nach meinem Anliegen. Kann ich Sie kurze Zeit unter vier Augen sprechen?" , Der Kellner warf einen unruhigen Blick um sich her. ) ja, warum Nicht, sagte er unsicher, worauf er mich einlud, Platz zu nehmen, und sich emen Augenblick in die benachbarte Kammer begab, um seine daselbst befindliche Familie von meinem Wunsche in Kenntniß zu setzen,. o, wir werden nickt aestort wer-' den," beschied er mich dann, doch bitte, sprechen der Herr leise, die Wände hier sind dünn, jedes lautgesprochene Wort dringt hindurch." Mit auf der Brust verschränkten Armen harrte er meiner Eröffnungen. Sie waren im Centralhotel?" Ja, Herr." Wie lange?" Etwa zwei Monate." Haben Sie nicht dort einen Herrn Doktor Gembalsky aus Riga bedient. der vor etwa vier Wochen hier erngetroffen ist?" So ist es." Seine matten, fahlen Züge vertieften sich zu schärferen, energischeren Formen, wodurch sich seine erhöhte Aufmerksamkeit kund gab. IQ mochte gern moauchst genaue Auskunft über diesen Herrn haben," schoß ich nunmehr direct auf mein Ziel los. Versteht sich, gegen gute Entschädigung." Sem glattes Gesicht leate sich m bedenkliche Falten. - . Darf ich fragen, was Sie für ein Interesse an dem Herrn nehmen?" Ich legte mit bedeutsamem Lächeln ein Zwanzigmarkstück auf den Tisch, indem ich ihm erklärte, darüber würde ich mich später auslassen. Oder verpflichtet Sie Ihr früheres Engagement zur Verschwiegenheit?setzte icy hinzu.' Seine grauen Augen hafteten aieria aus dem Goldstück. Ich bin Niemand Rechenschaft schuldig," fuhr er nach kurzem Bedenken ordentlich heftig auf. Was ich weiß, will ich Ihnen gern verrathen. es ist nicht viel, das sage ich Ihnen im Zlloraus. Wissen Sie, wo Doctor Gembalskö sein Dmer einnimmt?" Bei Dressel. Ging er viel aus?" Alle Tage. Er brachte kaum die m i i im nayie im Holet zu. Sie sagen kaum , gab es auch Nächte, in denen er nicht in das Hotel zuruaieyries Hi.(.l.A Barnetzky mate schlau. Aber Sie wissen nicht, wo er sich oa ausyieit k .. ' Wo wird er sich aufaehalten haben? Die Erklärung liegt nahe genug. Je der Fremde studirt das Berliner Le ben." Empfing der Herr zahlreiche Besuche?" Soviel ich weiß, nur den einer tim zigen Person, die aber wiederholt bei ihm war. Einer Dame? Nein, eines Herrn." Kannten Sie denselben?" Ich hörte einmal durch Zufall sei nen Namen, als ich den Herren Burgunder servirte. Doktor Gembalsky yoo lern isias uns leerte es aus das Wohl des Herrn Barons von Na benau. Ich qmttirte über diesen Namen mit einem Ausdruck des Erstaunens. Baron v. Rabenau zählte zu den dekanntesten, und berüchtigtsten Roues der auvinaoi. Züuperoem nano er im fi t r r l t Rufe eines verzweifelten Spielers Edle Seelen finden sich, dachte ich und fragte weiter: Also eine Dame sprach nie bei ihm . nu vor Niemals."Auch einen von Damenhand ge i iWrieoenen ner oar er niemals empfangen?" Der Kellner lächelte. Nicht blos einen, sondern mehrere." Bon derselben Hand geschrieben?" : Ich verstehe mich wenig auf dergleichen," meinte Joseph Barnetzky mit psissigem Grinsen. , Indessen die Adressen schienen mir von verschiedenen Personen herzurühren." Seht, seht, welch ein Don Juan." warf ich im Scherze hin. Hätte ihm das gar nicht zugetraut." O, der verstand .es," platzte' der Kellner heraus. , Wieso?-

Ich glaube, der war ein Gentleman durch und durch, es war ja auch ein schöner und' reicher Mann." Woher wissen Sie, daß er' reich war?" Er brauchte dtth vieles Geld, auch bekam er mehren-mal größere Summen. Ich habe selbst einmal .zehnt:-'

end Mark für ihn auf der Neichsbnk erheben müssen." Der Herr Doltbi spielten wd!?" So schien es mir. Einmal früh. als eben der Baron von Rabenau bei ihm saß, war er ganz wüthend über das' Pech, das er am Abend vorher gehabt. Der andere lachte ihn aus und erwiderte: Dafür haben Sie um . so mehr Glück in der Liebe! Wie meinen Sie das? fuhr ihn der Doktor heftig an. Lassen Sie Olga diese Frage beantworten, versetzte der Baron das olgende vernahm ich nicht mehr, da ich das Zimmer verlassen mußte." . . , , Wissen Sie noch mehr von ihm? Er zuckte die Achseln. Nein." Rasch entschlossen legte ich ein zwei'es Zwanzigmarlstück neben das erste. Haben Sie nie einen der an ihn gegelangten Briefe gelesen?" Nein." Schrieb er auch Briefe?" , O er schrieb viel, besonders des Morgens." An wen wissen Sie Nicht? Nein, er besorgte alle seine Briefe persönlich." ' Und wo bewahrte er diejenigen, auf. die er erhielt?" Die verbrannte er. Ich fand ein paarmal im Ofen seines Zimmers die Asche verbrannter Papiere."' Seltsam.' Das deutet auf geheime Handlungen, die er vor der Welt vei,boraen zu halten wünschte! Ich erhob mich etwas enttäuscht. Die Nachrichten, welche ich von Joseph Bar netzky erhielt, intcressirten ' mich zwar in hohem Grade, befriedigten mich aber mcht vollständig. Ich hatte mehr vlwartet. So machte ich mich denn mir der Frage: Weiter können Sie mir wirklich nichts mittheilen?" zum Gehen bereit. Eine gewisse Unentschlossenheit, die. er an den Tag legte, veranlaßte mich,. an der Thur noch einmal stehen, zu. bleiben. Herr Barnetzky," redete ich ihm mit vertraulichem Augenblinzeln an, .Sie mißtrauen mir. O nein. Doch, Sie halten noch etwas hinter dem Berge. Sprechen Sie ruhig, ich halte die Quelle, aus der ich schöpfe. streng geheim, Sie brauchen durchaus keine Unannehmlichkeiten zu fürchten." Um ihn 'noch mehr anzureizen, entnahm ich meiner Börse noch ein ZehnMarkstück und ließ' es verlockend vor. ihm in der Sonne funkeln. Sind der Herr nicht ein Detektive?" erkundigte er sich nach verlegenem Schweigen zögernd. Ich? Nein, nichts weniger als das. Ich bin ein einfacher Bürger. Mein Beweggrund ist ein rein privater. Es mag Ihnen genügen, daß es sich um die Ehre einer Dame handelt. Wollen Sie mir nun Ihr' Vertrauen fchenken?" ... Noch immer zögerte der Kellner einen Augenblick, dann trat er dicht an mich heran und flüsterte mir mit geheimnißvoller Miene in's Ohr: Wenn Sie mir auf Ehrenwort versichern, daß mein Name nicht in's Spiel" Statt aller Erwiderung reichte ich ihm die rechte Hand. Nun wohl, mein Herr," fuhr er in dem gleichen Mustertone fort, vorige Woche kam Doktor Gembalsky spät in der Nacht in ganz eigenthümlicher Verfassung nach Hause. Statt seines ge wöhnlichen . eleganten Anzugs trug, er eine blaue Arbeiterbluse und auf dem Kopfe einen Kalabreser, wie ihn die Arbeiter zu trägen pflegen. Im. ersten Moment erkannte ich ihn gar nicht. Zu seiner Entschuldiaunq bedeutete er mich, es handle sich um ein kleines ga t t i t m i lanles Aoemeuer, trn sollte reinen Mund balten." Der Herr scheint ja auf sauberen Pfaden zu wandeln. Ja, wenn er die Wahrheit gesagt hat " Sie glauben ihm nicht?"Nein, unter uns. nicht ich allein. sondern auch meine Nemercollegen hm ten ihn für einen russischen Spion." Warum nicht gar?" Der Kellner nickte schlau. Haben Sie noch irgend welche be sondere Umstände beobachte welche diese Vermuthung bekräftigen?" Das nicht. Aber oedenken Sie doch die Geheimnißthuerei, die verbrannten Briefe und Papiere, die Ber kleidung " Wer weiß, wozu der Mummenschanz gedient hat. Ja, wer weiß, wozu wiederholte Barnetzky mit Bedeutung. Daraus. feine Stimme wie vorher dämpfend sprach er weiter: Einmal hat er doch einen Damenvesuch emp sangen. Wirklich?". , Ja nur einmal." Was war es für eine Dame? Sind Sie im Stande, dieselbe zu beschrei u ou ucii Nicht allein das, ich kenne 'ihren Namen und ihre Adresse." - Mein Herz begann rascher zu schlagen. alle meine Nerven spannten sich an. . Darf ich beides erfahren?" Ich selbst kannte sie nicht, aber einer meiner Collegen. Es war - die roth , Käthe aus der Norddeutschen Weiß bierhalle in der A straße." Wiederum enttäuscht erkundigte ich mich, wer das sei. Die Tochter der Besitzerin der Weibbierhalle, ein Mädchen wie Milch und Blut. Ihre Schönheit und Ehrbarkeit ist im ganzen Viertel bekannt. Im Restaurant ihrer Mutter verkehrt gerade nicht die beste Gesellschaft, aber die Käthe darf Niemand schief ansehen. Die versteht es. sich in Respect zu erhalten, versichere ich Ihnen." (Fortsetzung folgt.)

Für die Küche. Fischsuppe. Man nimmt gewöhnlichen, billigen Fisch und kocht ihn, nachdem er ' ausgenommen und hergerichtet, in folgender V'u'he weich: Salzwasser mit einem Eitronenrädchen, ein kleiner Löffel voll guterWeinessig, zwei gelbe Rüben, eine ganze Zwiebel, Lauch, ein wenig Petersilie und ein paar Wirsingblätter. Ist der Fisch weich, so nimmt man ihn her-

aus, löst das schönste Fleisch ab und giebt das andere in die Brühe zurück. n welcher man es noch kochen laßt mit einer alten schwarzen Brotkruste. Die Brühe wird dann durchgeseiht und beiseite gestellt. Nun entgratet man das Fischsleisch, hackt es fein mit Eitronenschale Zwiebel oder besser Schalotten. würzt, giebt Eigelb und etwas Mehl dazu und formt kleine Klößchen. Man backt sie schon hellbraun rn But terschmalz. Nun wird die Brühe nochmals erhitzt, probirt und qewürzt und die Klößchen sammt einigen gerösteten Semmelschnitten mit derselben in die Terrine gegeben. Krautrouladen. Von 1 bis 2 großen Krautköpfen löse' man die großen äußeren Blätter, übergieße sie mit kochendem Wasser und lasse sie zu gedeckt eme Stunde stehen. Nun bereitet man eine Fülle: Das Innere der Krautkopfe hackt man klein, sowie eine Zwiebel, und dämpft dies mit etwas Butter oder Fett ziemlich weich; hierunter rührt man ungefähr 3 Semmel ,ine halbe Tasse Milch, 2 3 Eier, etwas Salz, Muskat, Majoran und ein klein wenig Eitronenschale und Pfeffer, sodann Z Pfund gehacktes rohes oder übriz gebliebenesRind- und Schweinefleisch. Von dieser Fülle giebt man in jedes Krautblatt einen aeoautten 5rnotm voll und bindet diese dann mit einem Faden, wie Rouladen. Diese werden in einer Kasserolle Stunde in Butter gedampft, dann füllt man etwasFleischbrühe nach und läßt sie noch eine Stunde dünsten. Schweriner Rindslende. Die gehäutete und gespickte Rindslende, welche auf gewöhnliche' Art gebraten wird, richtet man auf folgender Un terlage an- Drei geschälte und zerfchnitteneKnollen Sellerie schwitzt man mit etwas rohen Schinken- und Pfef ferkörnern und einer Zwiebel durch. giebt emige Losfcl Fleischbrühe hinzu und dämpft ihn weich. Der Sellerie wird dann durchstrichen in Butter et was Mehl geschwitzt, und dann die Mehlschwitze mit dem Sellerie und einem Löffel Tomatenbrei sowie einer Messerspitze Fleischextrakt zu dickem Brei gekocht. Die zerschnittene- Rindslende wird auf dem Brei, angerichtet und mit Häufchen jünger, in Butter geschwenkter BUchsenerbsen' und gerösteten Kartoffeln garnirt. Kalbfleisch - Frikassee m i t' Sch w a r z w u r z e l n. Man kocht dazu das Kalbfleisch in einem schon vorher zugesetzten und stark kochenden Wurzelwasser' (d. h. worin die Schwarzwurzeln , gekocht wurden), dem man eine Citronenscheibe zugesetzt hat, ab, legt es. mit den Schwarzwurzeln beraartig auf eine runde Schüssel- und- giebt eine feine Ragout S.auce darüber, welche man bereitet, indem man einen guten Stich Butter mit 3 fein gewiegten. Zwiebeln und 1 2 Sardellen, welche mit etwas Citronenscheibe 'durchwiegt, werden, gut. durchschwitzt, dann 2 groe Löffel feines Mehl nach und- nach hinzurührt und endlich erst mit Wasser, dann noch mit- Kalbfleischbrühe auslöst. Darauf läßt- marr das Frikassee durchlochen, fügt" den Saft einer Citrone hinzu. giebt es' durch ein Sieb und zieht eö mit-1 2. in Wasser klar gequirltm Eidottern ab; Es bleib' im Wasserbade stehen oiS es gebraucht wird. Feiner-Schmorb'rcrren.Mau nimmt drei Pfund Rindfleisch (möglichst settes)) vom Schwanzstück, klopft es gut und legte es' über Nacht inBier. dem man ein Lorbeerblatt drei Relken. sechs Gewürzkörner, zwölf weiße und zehn schwarze Pfefferkörner hinzufügt. Man bedarf hierzu einer Flafche Lagerbier, da? mit einer halben Vierflasche doll Wasser verdünnt wird, oder mit einer großen Flafche Kutfcherbi'er. Am anderen Morgen, drei Stunden vor dem Anrichten, läßt man in einer Kasserolle 2 UnzenButter sieigen und. fügt ein Stückchen Parmesankäse oder einen Eßlöffel geriebenen Käse hinzu. In dieser Lake läßt man das, Fleisch ringsherum anbraten, bis es hellbräunlich wird, giebt sodann fünf rn Scheiben geschnittene Zwiebeln und nach und nach cruch die Marinade hinzu. Fest zugedeckt muß das nun zu falzende Fleisch l zum Anrichten schmoren. Es be darf keiner weiteren Abwartung, als daß man ein: Stunde vor dem Anrich ten entweder zwei Obertassen guter Mehlfuppe oder ebenso viel Wasser, in welchem ein Kochlöffel voll Weizenmehl verquirlt wurde, hinzugiebt. Zuletzt kommen vier Löffel bester Weinessig und ebensoviel saure oder süße Sahne (in Ermangelung von Milch) an das Fleisch, bei welchem man eine sehr .oo-hlschmeckende Sauce finden wird, welche durch einSieb gegossen und zum Braten gegeben wird. Beim Schmoren sei das Fleisch fest zugedeckt oder verschraubt. Bei bloßem Zudecken thut. man gut. den Deckel mitPlättbolzen zu beschweren. ' Gedünstetes Sauerkraut. ZNan nimmt das Kraut, wie es aus dem Fasse kommt, und wäscht es nur dann ab. wenn es sehr sauer istMan setzt es ohne Wasser in einer Kasserolle mit einem guten (etwa eigroßem) Stück Schweinefett zum Feuer und läßt es unter öfterem Umrühren nicht länger als 7 10 Minuten bei guter Hitze schmoren. Sehr fein zu Lenden, braten, Schweinebraten und Wild.