Indiana Tribüne, Volume 23, Number 165, Indianapolis, Marion County, 4 March 1900 — Page 7

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Ioerensrauen. Von Peter Lem. wirb gesagt, daß man die Cultur 0:.:$ Volkes am klarsten an seinen Jjfruu-ii nennen und bemessen könne; un ist ,'ewiß richtig. Wenn wir nun r:".; der. Boerenfrauen erzählen sollen, o .r.uS ns der geneiete Leser nicht mi: seifte Voraussetzungen entgegentretel:. In r Höhe, Feinheit und Schönheit Cultur liegt betanntlich die E:ärke des BoerenvolkeZ nicht, und so können wir auch nicht die Bilder von geistreichen, tiefgebildeten, feinerzogencn Damen, von eleganten Schönheiten, von leidenschaftlichen Wollnaturen vorführen. Kurz gesagt: die Boerenfrau bildet einen mehr interessanten, merkwürdigen, charakteristi sehen, als anziehenden oder reizenden Typus. Freilich hat die neueste Zeit an diesem TypuS hier und da auch schon nivellirend gearbeitet. Die Boerenfrau, die in Bloemfontein, der Garrenstadt, in der Goldstadt Johannesburg oder in Pretoria lebt, ist doch schon von der Cultur beleckt", hat den europäischen Lcbensgewohnheiten Concessionen gemacht. Doch diese modernisirten Boerenfrauen interessiren uns hier nicht. Wie den echten Boeren, so muß man auch die echte Boerenfrau in der einsam entlegenen Farm aufsuchen, wo sich das Leben noch heute in denselben Formen wie vor Jahrzehnten abspielt, wo der nächste Mensch-, d. h. Weiße, meilenweit entfernt wohnt und ringsum nur Volk-, d. h. Schwarze, BoesjemanS oder dergleichen leben, wo die Büchse der treueste Freund des Farmers ist. Dort haben sich seit vielen, dielen Jahrzehnten die charakteristischen Eigen ihümlichkeiten der Boerenfrauen langsam herausgebildet und sie sitzen so fest, dab schließlich auch in der Stadt durch den dünnen europäischen Firniß immer wieder körperlich wie geistig die alte Farmersfrau herauszuerkennen ist. Dieser Schlag ist nun mal nicht so einfach zu europäisiren, oder wenn man will: zu cultiviren, und Tante Krüger" ist auch als Präsidentin nichts loeniger als eine Dame. Gehen wir zunächst auf den Punkt ein, nach dem die Männer bei dem weiblichen Geschlechte doch immer zuerst fragen, so können die Boerenfrauen im Allgemeinen allerdings nicht als Schönheitsideale gelten. In ihrem überkräftigen, massiven Körperbau ha den sie schon von Haus aus etwas Mannweibliches, und was ihnen doch noch etwa von weiblicher Grazie eigen, das pflegt bald die landesübliche Wshlbeleibtheit zu zerstören. Die Gründe dieser für die Boerenfrau geradezu charakteristischen Corpulenz sind mannigfach; das natürliche Phlegma, die in der Regel überaus stille, eintönige, behäbige Lebensweise und die wenig anstrengende häusliche Beschäftigung vereinigen sich da mit der reichlichen nimalischen-Nahrung und mit der Milde des südafrikanischen Klimas, das erfahrungsgemäß überhaupt die Magerkeit nicht recht duldet. Der echte und rechte Boer sieht aber in dem statt-

lichen Embonpoint seiner Eheliebsteirkeinen Nachthell, sondern eher eine Schönheit, und er spricht eine Anerkennung aus, wenn er die Gattin nioie fett" nennt. Auf den Fremden aber macht solch' eine massige, schwerfällige Riesendame natürlich nicht den bestechendsten Eindruck, und dieser Eindruck wird auch durch die geringe Reinlichkeit der Boerenfrau nicht verbessert. Wohl gibt es Boerenfrauen, die die traditionelle Sauberkeit Alt-Hollands auch in Süd - Afrika bewahren, aber die Regel auf der Boerenfarm ist doch ein sehr sparsamer Verbrauch von Seife und Wasser und eine allgemeine Geringschätzung des Reinlichkeitssinnes. ' Geht man dort doch vielfach noch in voller Kleidung zu Bett, und ein kürzlich bekannt gewordener Scherz einer Zeitung, durch die die in Ladysmith eingeschlossenen Engländer sich die Zeit und die trüben Gedanken zu vertreiben suchen, läßt darum die Frau Präsidentin klagen, ihr Mann werde ihr zu englisch er gehe schon ohne Hut und Stiesel schlafen. Freilich mag sich diese wenig angenehme und wenig gesunde Ge wohnheit wohl noch aus der schweren Zeit erklären, da der Aoer und die Seinen Tag und Nacht in voller Bereit H schaft eines Ueberfalles der Schwarzen sein mußten und darum die Kleider nicht ablegen durften. Und so wird der, der sich die Lebensgeschichte einer Boerenfrau vergegenwärtigt, auch un schwer verstehen, warum sie geistig ein beschranktes Wesen von geringen In tcressen sein muß. Bis in ihr 13. Lebensjahr wächst das Mädchen auf der Farm sozusagen wild .auf. und der Unterricht, den sie dann erhält,, pflegt hauptsächlich ein religiöser zu sein. Die Ansichten, die lhr da beigebracht werden, sind ortho dox und streng: die echte Boerenfrau .a r.n k? y i ' l yan es leiou sur unrrcyi, einem anoe ren Manne, .als ihrem Gatten, die &md zu reichen. Nun ist das Mädchen in das Backfisch und Jung frauenalter eingetreten; aber keine der Unterhaltungen, die bei uns in dieser Zeit den jungen Damen oft zu reich lich: zu Theil werden, ist ihr beschie den. . In völliger Einsamkeit lebt sie fort, und wenn die Nachbarn zu Besuch geritten kommen und bedächtig die Ta gesereignisse mit einander bereden, so hat sie sich bei Seite zu halten; auch konnte sie aus diesen Diskursen über Wetter und Viehstand nicht viel Anre gung schöpfen. Eine Festlichkeit lebt sie kaum jemals, ein Tänzchen kennt' sie in der Regel gar nicht; der puritanische Boerengelst liebt derlel weltliche Vergnügungen nicht, und überdies: woher sollte das Boerenmädchen. - an deren Wiege die Grazien gewöhnlich nicht ge standen haben, wohl tanzen können, da es auf Meilen keinen Tanzmeister gibt? D)e einzige große Unterbrechung dieses monotonen Daseins ist die einige Male 'w..Jshre stattfindende Reise in'Z

Kirchdorf zum Abendmahl, oder, wie sie dort sagen, zum Nachtmahl. Be. dieser großen, gewöhnlich eine ganze

Woche dauernden Versammlung 'aller Woa dauernden Versammlung 'aller Nachbarn aus dem wtesten Umkreise wird denn auch alles Weltliche ausgiebig erledigt. Da werden Einkaufe all Art gemacht da w)rd bei der Modistin die Toilette ausgewählt, da ist die einzige Gelegenheit, wo die MadJL . h . M Vt VI. U ). .4 . uuu ic luimwi ariiuuw uaw w fcZL m ttnn I 2 "t T liV Tx w freilich Beide Mgmatisch und Beide ungeschickt, doch Gott Amor weiß auch f.?. itiCuI nnkin unK nu

5T A U Wiffu"" ' 7 Thürme das Sonnenlicht spiUen leyen, Nachtmahlsfeier geht selten ohne ein Unb mancherKunstliebhaber unterpaar Verlobungen vorüber. brack wobl seine Reise für ein paar

Uebrigenö wird die Eheschließung gemeiniglich sehr nüchtern und geschäftlich behandelt, und die materielle Seite des Bündnisses wird sehr genau beachtet und geprüft. In Rücksicht aus die seltenen und mangelhaften Gelegenheien ver elannncyan nno oie wa. hen oft schon lange vorher von den Eltern bestimmt worden, und das , Boeren???t Swohnt, dem Willen der Hauflg Pnd ! dabei Ehen unter MUglieUWPnJpFtl' "u5"s bilden sich so mit der Zeit zene naturlichen KoRede war. Die Madn w die Manner pflegen sehr lung in die Ehe zu ireren, a mt oiegrunoung eines emenen Hausstandes dort zu Lande , . " m w r r n rr- n . c l ein bringend duifntB i 0 steht denn das Boerenmädchen vor der schonrt r i c cm l 0.21 fttn Snljti Mutti: vor der Zeit dkr iungn Lbe. m, auch s lami : n Ee,,l niflira mata ran, & kidenschafUlch daber zu. Whl kmmt der tuno Boer in's 5aus der Erloreder 0 r i "a L n rr . w r.x . um sich ihr vorzustellen und sich nen, , , I . , , . " i-w - I . V. I -. L"" TÄK '"0. i" ' l."y;r"?:: sprach" tetetairiB AXLlI ,vV, ""' lQr 4 . gesproHn hat. In alt Tagen hatte es die Form daß der Boer das Mad1 k 1 t7' iJnSS sammen weiden lassen wollten weiß ti , , . . v:r I ntcht. ob's anders worden m dieser

m iTr t m rf s.r Platz, das Rathhaus, ein nüchternes Nun ist sie verlobt Der Ankauf der Z htx gegenüber. Ringsttung ist keme so umständlich um, wie' gesagt, nur Armeleutewoh-

lllye, wie vzi un, wi wwuun u?d 'd.s ausgestat Wa che. xam otu au, Bedmgung n Haus. rr-r,.:. ?rx , r zr. r. . rx . . 'k c m . in I ?" ?'?!uw d B''?, 'st .b)' in 19 wtnwr ttrtn nrvnn,nitm I um. ii"" , iia : .r J.L I !Ä ."nÄf "l4 ? ? T !S- ATi w Urenkel gebracht. Sobald die Boerenfiati i fflluttet kworden ,st nimm sie rrn Hause, auch der ch m imu t ftOAn it f.v t imTtrt f 1 rittst nr rv.n . "7 fl Ö -r ' 1 1 , aber bietet chrwö Leben mcht mehr. als e:nst dem Madchen aus der vatc llchen Farm. Gleichmäßig unendlich monoton rollen die Tage dahin; kerne Geselligkeit, kern Fest unterbricht sie; keine Anregung erreicht das yauS? mil unzer lvlvalritt vclu ii Tag um Ta ch ,lnfochen Pflichten, sitzt dann strickend und nayeno am xuizx unu auf das unveränderliche, ihr wohlbekannte Bild oder sie greift zu der stets auf dem Sisch liegenden Bibel, fast unmet dem njisten auflje an vem r :I i i? 3 noch wruber spotten wenn die Boerenfrau trage, glechgiltig und beschrankt V.eiVtk v , Und wohl ihnen noch, wenn das er- ... . sri y r x ubeude Gleichmaß ihrer Tage durch mchts AndereZ als einen seltenen Bei 7 ! Ti . ' nfw!r etwas erlebt haben haben gewohnlich k,Msch.K iu u. m Bi u;w . utiuuuen Briten, sie haben dle.fflammen aus i ....r ' crf ..-w r j ? lenken Schwarzen sie umtanzen, sie 1 f mi crr" . . ycocn 11 :unr.. c?n ÄÄSJ. 4kil, VtllUUVII VVttV VVt UfVlVIlltUU k v7 ""U"?"VUl in-, uuu u. die Englander die Boeren erst in der Kapcolon. dann in Natal bedrängten C 1 W " Jl L . 1 t m und unlerdiuckk da wann d Boe. ?ttaUK SW ?V."",Ä in dem Entschlüsse, das englische Joch mcht zu ertragen, und der britisch er ' rr" r i r. ' i v O' Commissar muble berichten. wFrauen der Boeren hakte und verachteten d,e fenglani vlle,qt och mehr, alsd Männer. So ist auch heule noch iede e,nlne Boerenfrau eine glühende , rr . c c o c , EnälandMetin und für dnF,hlts. lampf gibt fc tt.lltg Mann und Sohne h,n.Ja. d,e ffrauen selbst ha. ben mehr als einmal mit ihrem Blute 1 llidafrilanischen Boden gedüngt und der Nam,.Weenen- erinnert noch C .1. v 3 ir tf-f -f r , . w. W von Ä?'v Jtl lUtstvlnrlTSTi"LtaU & Ä?S $ iMÄLEf Hausfrauen walten, mit welch' ruhi : rZll gem Muthe sie den Gefahren in der Einöde in's Auge blicken. Und um die südafrikanischen Länder fleißiaen Menschen zu erschließen, dazu bedarf es vielleicht eher dieser schwerfälligen, unschönen, beschränkten, aber auch treuen, ruhigen, tapferen fsrauen, als feingeistiger, anspruchsvoller Englih ladies. Q r d n u n g ist die beste Stube ' der Hausfrau. '

?i ;- ,?.. .. Das Gäfzchen war so sömal. daß lein chni, h für s begonnen. Jetzt tre- m hindurchfahren konnte, und ten die Mutter lichten n sie heran. , .k,.. m

r t - r 1 v hm 1 v H STTfl Sonnenstrahl i hellte. Aber sobald u"b b'"Ä?.nÄ br n, lausen konnten, dann hielten sie sich

Ein Zonncnftrahl.

Skizze von B. Rttweger. ein freundliches Städtchen so ur. ' lten ohl die Reisenden, die von x au3 bic haschen gartenum. Untn Jillen. den Kranz von hohen der sich um die eigentliche tadt zog und über dem die beiden ervollen gothischen Kirchthürme t i i . - l aufstrebten, bemerkten. Wenn die e- ' 9 . i. leuchtung günstig war, dann loiraxe sogar zwischen den durchbrochenen 'Sandsteinzierrathen der schlanken ' ... ....... um das Städtcken. der Herrlieben Kircbe zuliebe, näher zu besichti. aen. Dann freilich erfuhr er, vag I ' ... . - " . jedes Ding zwei Seiten hat. Von der schönsten zeigte sich die Stadt, wenn man sie vom Vahnhos aus oetral. 3üic traben, die außerhalb des 2BalIc3" fcflen?to'aten trefflich angelegt, breit Hser undGärt durchweg geschmackvoll und dem Auge wohlgefällig. Innerhalb Falles aber zogen sich die Strabedrückender Enge zusammen, unschön, schmal und hoch. bildeten ein unordentliches Gewirre. 3 waren die Einwohner der guten dt fc0n Alters her gewohnt und sie j u fS Ht. Nur für .2 .s mnJTitiiiwt iuui i ni verwunderte Blick fiel auf die Li. h 1tm& Wt lui uituiitwuuniit u IT . f um p eder oufju. ' l5n ' Izückm beim Anblick j irche. Aber wenn die Augen kunstverständiger Menschen erst froh foatn,Mt dch regelmäbiz ' r..lyrer run ein euizer. zin 2cu jet J 6 . md dieser Vrobe ta suxtrtl gewährte dem Beschauer t aS mehr Freiheit; von den drei anderen Seiten aus war es fst unmöglich, sich zu erfreuen an den edlen formen dieses Gotteskau es. An dieses dicht herangedrängt lagen w Wohnstätten der .kleinen Leute", lche harrten in der Neuzeit noch hier aus in diesem winkligsten, y2V W,w mlU uuuii uu jcijuii. uu wrnvi v le lagen an dem freien nimrt,n s?. :mm..f,:n il!m yfi-js A Kg leidlich" 7r schienen. Aber an der Rückseite der Kirche hin . ein BerbinduuaZgäkchen. das dem. tf zum erstenmal betrat, sicher uf r s,uätm mmu. T rf ! v Sfiy ri(r( vfciui iu (iti uivitfc jyiutiii jiwi ujui die Häuser stellte und die Arme aus- - ... ' ... .. Tim t ttti rn ?Tinrvfcfcitufc, 1 (vutku vfc mi vv iiiihhspiden die gegenüberliegenden Wände berühren. Die Häuser waren sämmt- , 7. ... :z ' I 1111 II II 1 1I1J111 II1L LII1J111II. I 1LL - f , Lust herrschte jahraus, f zh; . . . w ' - ' . .' . eine ziemliche Lange hatte. Wer mcht gezwungenwar. es zu passiren. der .$)L Nur in großer y Jemand, der dort ghntiesen We um Zeit zu spaenn das Gäßchen bildete die kür..k ,mZs., Geschäftss..x.. n s?,. 5??s.. wieder heraustrat, dann seufzte er willkürlich auf, ganz unbewußt, und freute sich, .daß er athmete im rosigen 9:,., ch g föor tcn Menschen in dem viele Menscken arme Mensch jahraus, jahrein! Ganz arme Menschen, die froh waren, eine Stätte ihr Haupt hinlegen Zen. Und mit ihnen hausten da N.vs! ttv?k?t L, I k Ittttt tV ,ti, unu 1,, 7 uvuuuawv iiw tu uiiv luu vt mußten sich wohl so recht behaglich mUxt demGäßchen. denn ihreZahl nahm überHand, ganz entsetzlich. In dem allerärmlichsten dieser. Häuser treppe hoch, ein Schuster. schon seit Jahren. Ein armer Flickschuft", geschickt in seinem Handwerk, ,1.. nkm? rtl Acn lln tirnmirnnS . rk. : ... W "Ub . Willi, uui (tu ivuu schuster blieb und sich ehrlich und red-l-t ,rJi0 1 K w. i iui wuvw vuwvuuiv uuv vkv Seinen: ein Weib und drei Kinder. an, merkwürdig gediehen diese Iefetc w M s b -j; f hinaus in die , onne und in die frische Luft. im s:m .., : m;J.. i Vili WVIUIliWV UliW (ttk Xli4Vi. a;u3 Allerlleinste gehütet don der Mutter. bis die Gröberen ihr das Amt abneh mttt hmttl viel Zeit zum i,..,,.,., vs. m,..,.. niivviivuttvii uutu vii, juuttbv tuuy, d plättete für die Leute , W f fc ' Doch m nb 64(i g fl , g i(i Aind?! starb die Mutter. ,., ! r.:. viuu vryuiw uuv uvu 1111 in nem Schicksal ab. so gut e eben gehen y1 all! Muhme. Halblaub h ' ' , oteiÄraII3 im Gäkchen ae. un Sl'llbchen zu ihm und sorgte, ...... ., rr. c . iv uut vv luyikLiyi, iviw ivb vvtv stand.' für diFamilie. ES war nun nicht mehr, wie es gewesen. Die Mutter .war in ihrer sanften, lieben Weise ein Sonnenstrahl gewesen für Mann und Kinder.' Mit ihr war ia wärmende Element gegangen, für immL Der Schuster saß nun Tag für Tag ?!umdfsi.nnig an seiner Arbeit, eö aab nichts, das ihn hätte mehr erheitern können. Die Kinder lagen auf der Straße, bis sie zur Schule mußten, die Muhme ging still ihr Weges und besorgte, ohne Worte zu machen, daS Nothwendigste. Am Feierabend verließ der Schuster seinen Schemel und I ging hinaus aus dem engen Gäßchen, iur Mnme? in's Freie, im. Wnte?

I tn nr nitmhfn iVinn nt

m's Wirthshaus. Er war kein Säufer etwa, er war sogar einanz ordentlicher Mensch, aber mit den Bindern wußte er nichts anzufangen, seit sein Weib von ihm gegangenund das Elend mit dem Jüngsten immer mit anzusehen, hielt er für unnötig. Der arme Kleinste! den die Muner vergessen hatte, mitzunehmen. als sie das enge, finstere Gäßchen verließ! Er blieb ein jämmerliches Pflänzchen. Die Muhme that an ihm.was sie vermochte, aber das war nicht viel. Sie nahm ihn nicht in ihre Arme, ihn hinauszutragen in die Sonne, wie das die Mutter gethan hätte. Sie hatte keine Zeit dazu und auch keine Lust, und das Jüngelchen war ja auch viel zu elend, als daß man's hätte unter die Leute bringen mögen. Wenn es erst laufen konnte, dann würden es die Geschwister schon mitnehmen. Aber es lernte niemals 'laufen. Es zahnte durch die Glieder", und die armen Beinchen lernten es niemals, sich selbstständig zu bewegen. Ein gelähmtes 5dind! Wohl war's dem Schuster weh um's Herz, als sich das zeigte, und er that sogar etwas, was er noch niemals gethan hatte: er holte einen Arzt. Der

kam dreimal und meinte, da ser mmt viel zu machen. Recht kräftige passende Kost, viel frische Luft! Er schrieb auch ein Necept und einen Zettel, was das Kind genießen sollte. Das Recept ließ der Schuster zweimal machen, es war sehr theuer, und da es nicht half, unterblieb es ferner. - Den Zettel leate die Muhme in ihr Gesangbuch, nachdem sie ihn mit Mühe entziffert hatte. Lieber Gott, wie hatte sie denn das. anfangen sollen, für das Würmchen extra zu kochen und zu braten! Mageres, leicht gebratenes Fleisch stand da unter anderem. Wo doch die ganze Woche überhaupt kein Fleisch auf den Tisch kam, und Sonntags nur gekoch tes. Und viel Milch! Jawohl, das halbe Liter zehn Pfennig! Was der Doctor sich wohl dachte! Merkwürdigerweise blieb das Jün gelchen am Leben bei Eichorienbrühe und Kartoffeln und was sonst die schusterllche Küche bot. Uno so elend sein Körper blieb, so schwach die gelähmten Beinchen, so rege wurde sein Geist. In die Schule konnte der Kleine naturlich nicht, und in die frische Luft auch nicht er konnte ja nicht gehen. Aber der große Bruder, em gutmüthiger, geweckter Bub, der setzte sich, als er merkte, wie hübsch der Kleine ihm zuhörte, gar manchmal eine Stunde neben den alten Lehnstuhl, der tagsüber demBrüderchen zum Aufenthalt diente, und erzählte ihm Geschichten und las ihm vor und berichtete ihm, wie es draußen" sei. Und der Kleine hörte ihm mit sehnsüchtigen, leuchtenden Augen zu. Und der große Bruder brachte ihm Blumen mit und Grün im Sommer, und einmal holte er ihm im Winter eine Schüssel voll Schnee und im Frühling brachte er ihm einen jungen Sperling,.der aus dem Nest gefallen.war, und ein andermal zeigte er ihm ein junges Kätzchen, und Schiffchen auS Baumrinde baute er und ließ sie imWaschnapf schwimmen, so in unbewußter Geschicklichkeit dem Kleinen eine Fülle von Anschauungen beibringend. Aber eins konnte er ihm nicht zeigen die Sonne! Und doch hörte es der Kleine am liebsten, wenn der Bruder ihm von der Sonne erzählte. Die er nie gesehen hatte, die hell ist und warm, die am Himmel steht und über Gerechte und Ungerechte leuchtet! Den Bibelspruch hatte der Große einmal auswendig gelernt am Sessel des Kleinen, und von da an fragte sich der immer wieder, was er nun wohl sei. Kein Gerechter und kein Ungerechter, denn über ihn leuchtete doch die Sonne nicht, niemals. Richt der flüchtigste Strahl vermochte es, an die Wohnung in dem engen Gäßchen zu dringen. Der große Bruder wußte oft gar nicht mehr, was er dem Kleinen noch berichten sollte von der Sonne. Er wurde ganz erfinderisch und klebte eines Ta ges ein Lichtstümpfchen auf einen runden Pappendeckel und drehte die Scheibe, nachdem er das Lichtchen angezündet, im Kreise herum, aber der Erfolg war sehr kläglich. Die Beschrcibungen waren kiel besser. Und so beschrieb er immer wieder, wie die Sonne Wunder thut, wie sie Blumen aufweckt und wie sie die Vögel singen läßt, und wie ohne Sonne alles finster und kalt und todt ist! Und der Kleine liebte die Sonne, ohne sie zu kennen, und wenn es ein5 - m, m mal einen epern neuer als ion u m der düsteren Stube war, wenn er die Spatzen zwitschern horte, dann freute er sich und dachte: das thut die liebe Sonne! Und er wartete immer auf die Zeit, da er gesund sein würde und hinaus könne, sie zu schauen. Einmal mußte die Zeit doch kommen. Er gab seiner Sehnsucht keinen lauten Ausdruck, denn das war er mch gewöhnt selbst dem Bruder erschloß er sein Innerstes mcht ganz. Er furch tete. immer, ausgelacht zu werden. Die Schwester, die war so laut und stur misch, und der anoereBruder, der kum merte sich gar nicht um ihn. Vor dem Vater fürchtete er sich auch ein wenig Der trat jeden Morgen zu ihm, strich ihm über die Surn und fragte: Na wie geht'?, armer Junge?- Aus ne Antwort wartete er memalö. und dn Kleine gab auch keine. Aber.daS armer Junge", d5 gab ihm jedesmal emen Stich in'ö Herz. . Eine Zeit verging wie die andere. Der kleine Krüppel war nun,fchon acht Jahre alt. trotzdem er aussah, wie höchstens fünf. Nur die Augen, die hatten den Ausdruck eines erwachsenen Menschen. In der Stadt hatten sich in den letz ten Jabren aroße Dinae vorbereitet. Ein reicher Bürger hatte die erste An regung dazu gegeben und ein bedeuten des Kapital dazu gestiftet: zur allmä ligen Freilegung der schönen alten Kirche. Die Baupolizei hatte ohnedies sckou lanae ibre N-nken aeaen die

immer meyr' verfallenden, elend Fachwerkbauten nahe bei - der Kirche. Es wurde beschlossen, daß mit dem nächsten Frühling ein Theil der Häuser niedergelegt werden solle. Die An-

gelehenheit wurde natürlich überall lebhaft besprochen es gab das übliche Für und Wider, auch in der Schusterwohnung kam einmal die Rede daraus, und der gelahmte Kleine horte, wie der Vater der Muhme in's Ohr schne, ob so etwas wohl erHort sei, so 'n neumodischer Unsinn Häuser ein zureißen, damit die Leut' die Kirche besser betrachten könnten! Weiter hörte das Kind nichts darüber. An einem ersten warmen Frühlingstage wurde mit dem Abbruch begon-, nen, und das Klopfen und Brechen, j das Prasseln der Steine, das Krachen der Balken schallte durch's Gäßchen bis zu dem Kleinen, der verwundert dem ungewohnten Geräusch lauschte. Eine ganze Reihe schöner sonniger Tage folgte, und die Arbeit konnte schnell gefördert werden. Der kleine Krüppel lag jetzt fest in seinem Bett, das im Hintergrund der ärmlichen Kammer stand, so, daß er gegen das Fenster schauen konnte. Er war' so schwach geworden in der letzten Zeit und hatte nur noch wenig Theilnahme sur seine Umgebung. Er wollte auch nichts mehr erzählt haben von dem großen Bruder,. nur, wenn der von der Schule heimkam und an sein Bett trat, dann kam zedesmal die gewohnteFrage von den blassen Lippen: Scheint die Sonne?" Und jedesmal, wenn die Frage bejaht wurde, glitt em frohes r" jr ? c . . 14. , , ' acyein uoer oas meiie ANiily. Wieder brach ein wonniger Frühlingsmorgen an. Der Schuster saß fleißig an seiner Arbeit in der düsteren Stube. Die beiden Großen waren zur Schule, der kleine Bub auf der Gasse, wie gewohnlich. Die Muhme ging seufzend ihren Geschäften nach sie hatte daS .Reißen in den Gliedern und an solchen Tagen war sie noch murnscher, als gewöhnlich. Sie kümmerte sich nicht darum, daß der Kleine nicht einmal seine Eichorienbrühe getrunken hatte. Sie hatte ihm das Töpfchen auf den wackeligen Stuhl vor's Bett gestellt mehr konnte man doch nicht verlangen. Sie bemerkte auch nicht, daß daS Kind lange Zeit ganz still und regungslos mit geschlossenen Augen dalag. Niemand bemerkte, daß nach einer Weile die weißen mageren Finger unruhig aus der Bettdecke umher grlffen, als wollten sie etwas suchen, etwas, was nicht da war. Niemand sah die Schweißtropfen, die von der Stirn des sterbenden .Kindes flössen. Niemand wußte, daß der Todesengel seine Fittiche ausbreitete in dem engen Raume! Am Hause gegenüber schafften die Maurer und die Zimmerleute. Sie bauten nicht auf. sie zerstörten in kurzer Zeit, was frühere Generationen einst aufgebaut, sie brachen den Stein und das morsche Gebälk und, es war ein Wunder: -plötzlich fiel ein Sonnenstrahl in die ärmlichen Zimmer. Es drang hinein bis in die Ecke, wo daS Bett stand, in dem das Kind seinen letzten Kampf kämpfte. Und die unruhigen Hände hielten inne in ihrem Greifen und Suchen, -die geschlossenen Augen öffneten sich noch einmal, von dem Sonnenstrahl geküßt ein Glanz, ein schier überirdischer Glanz übergoß das schmale Antlitz des sterbenden Kindes, und die Lippen, die schon für immer verstummt zu sein schienen, flüsterten: Das ist dieSonne! Ein seliges Lächeln begleitete diese Worte, und dieses Lächeln lag noch eine ganze Weile auf dem blassen Todtenantlik. Und die Sonne schien freundlich in das Kämmerlein, viele Stunden lang an diesem Tage und an vielen, vielen folgenden. In der Stadt herrschte freudige Erregung, als die Kirche sich um so viel schmucker präsentirte Man hoffte. daß diese Perle der Baukunst m im mer weiteren Kreisen bekannt und ge würdigt werde, .daß der Fremdenzu fluß neues Leben und reichen Gewinn bringen wurde. 'Niemand aber ahnte,' daß die Frei'' legung der Kirche einem Aermsten un ter den Armen die Scheidesiunde mit Sonnenglanz erfüllt, die Sehnsucht eines ' verkümmerten Lebens gestillt hatte. - Die Verlobung im Backofen. Ein Junggeselle in einem Dorfe bei Nienburg, nennen wir ihn Heinrich, hatte schon lange ein Auge auf seine Magd und Haushälterin Mmna ge warfen. Er konnte sich nur nicht ent schließen, ihr sein Herz zu offenbaren. Und ebenso ging eö Minna. Sie hatte einige hundert Thaler Erbthcil, dazu noch ebenso viel sich selbst erspart. Auch sie hätte Heinrich gern als. Bräutigam gehabt, wollte ihm aber um alles in der Welt nichts merken lassen. Bei passender Gelegenheit holte Heinrich den Rath einer weisen Frau, welche mH rathsvermittelungen Fachkenntnisse haben sollte, em. Die Frau war be reit, Heinrich einen guten Rath zu er theilen. Er sollte in einer bestimmten Vollmondnacht nach dem X.'schen Back hause gehen und gerade um' Mitter nacht in den Backofen hineinsehen. Da wurde er wohl em Gesicht sehen, daZ selbe sei dasjenige seiner, zukünftigen Ehehälfte. Der Zufall bringt es nun mitunter mit sich, daß zwei ein und denselben Gedanken haben. Minna hatte gleichfalls die gute Frau in ihrer Herzensangelegenheit aufgesucht und den Rath erhalten, sie solle in den be treffenden Backofen kriechen und das Gesicht heraussehen lassen. Natürlich gab sie der Minna eine etwas frühere Zeit an. Um ja recht sicher zu sein, ging diese rechtzeitig nach dem Back hause, kroch in den Backofen, welcher noch etwas warm war, da TagS zuvor Brod darin gebacken worden, und harrte der Dinge, die da kommen soll

ten. Minna atte auch kaum eine

halbe Stunde in' dem molligen Backofen zugebracht, als ein ihr wohlbekanntes Gesicht, und zwar das des Heinrich, in den Backofen hinein sah. Heinrich hatte sich, nachdem er das Gesicht Minnas erblickt, ebenso geräuschlos, wie er gekommen, wieder entfernt. Das Manöver hat zum Ziele geführt. denn :n l4Tagen feierten Heinrich und Minna Hochzeit. ConkurrenZ'Strelche. Sanri Löw und'Jtzia Hersch sind wüthende Eonkurrenten der Leinwand brauche, deren Läden sich gerade gegen über befinden. Hatte Sami Löw ein neues Arranqe r.ient in seiner Auslage getroffen, und das Publikum dadurch vom Laden sei nes Widersachers weg an den eigenen gelockt, so brachte ihm der nächste Tag jedesmal die für ihn unangenehme Ue berraschung, daß Jkig Hersch eine noch viel kühnere Auslage Ausstattung zur Schau stellte und dadurch das Publlkum wieder vor seine Schaufenster hin überzog. Sann Löw. der überhaupt derieniae mit den - kleinerncn Hülfsmitteln Aus gestattete war, sah ein, daß er den Kampf gegen Jtzig Hersch durch einen Geniestreich beenden müsse, wenn er nicht durch die Reklamen Ausgaben finanziell zu Grunde gehen wollte. Er sann und sann, aber es wollte ihm nichts Passendes" einfallen. Jtzig Hersch. der von feinem Laden auS die Niedergeschlagenheit feines Gegner be obachtete, rieb sich vergnügt die Hände nun sollte der Plan, den er schon längst sertig m sich trug, ausgcsührt werden, um d:n Feind gänzlich aus seiner Position zu vertreiben. In der folgenden pechschwarzen Nacht strich er die Eisenstangen, auf die sich die Beschauer der Auslage seines Gegners ac wohnlich mit den Händen zu stützen pflegten, mit schnzarzer Oclfarbe an und der folgende Tag war für Sami Löw ein schrecklicher, denn das angeschmierte" Publikum'bätte ihn fast gelyncht: bei dem falschen Jtzig Herjch aber ging das Geschäft um so flotter. Sami wußte wohl, wer ihm den bösen Streich gespielt hatte, aber es fehlte ihm an Beweisen, um gegen Hersch vorzugehen. Dagegen ließ ihn die Kampfesweise desselben auf jede Schonung ver zichten. ihm wäre nun jedes Mittel recht gewesen, den Sieg zu erringen wenn ihm nur eins eingefallen wäre. In düsterer Stimmung durchschritt er die leeren Ladenräume und es that ihm wohl, daß er seinen Ingrimm an Jemanden auslassen konnte, um nicht zu ersticken. Dieser Jemand aber war Kohl, der Ausgehe?, welcher sich in einem Winkel zum Frühstück niedergclassen und einen infam duftenden Limburgerkäse mit dem denkbar größten Appetit verzehrte. Sami Löw überschüttete den armen Kobi mit Ausdrücken, die besser unerwähnt bleiben und deren Schlußpunkt die Worte bildeten: Glauben Sie, ich lass 'mer vertreiben durch diesen niederträchtigen Geruch, den letzten Nest von Kunden, der mir ist geblieben V Doch auf einmal ging eine eigenthüm liche Veränderung in seinen Zügen vor, es warwie wenn' nach einem letzten Donnerschlage bei emem Gewitter die Sonne sich schon wieder bemerkbar macht; ein leichtes Lächeln zeigte sich im Gesichte Sami's, das schließlich zum Lachen und Jodler wnrde. Das Per sonal dachte nicht anders, als daß .der geplagte Chef durch die EonkurcnzEhikane plötzlich verrückt geworden wäre und man wollte ihn festhalten, als er aus dem Laden über die Straße stürzen wollte. Sami jedoch beruhigte seine Leute und verschwznd in dem Hause, in dem sein Todfeind seinen Laden hat te, und stieg zum Hausherrn empor, mit dem er eine lange Unterredung hatte, dessen Endresultat das Unterschreibcn eines gegenseitigen Eontraktes war. ' Nicht lange darauf constatirten die Besichtiger der Auslage von Jtzig Hersch einen an dieser herrschenden Limburgcr käsegcruch, der das Verweilen daselbst ganz unmöglich machte. Das Publikum mied daS Trottoir und belebte die Seite, auf der Sami Löw die wunderbarsten Novitäten ausstellte, um dasselbe festzuhalten. Jtzig Hersch war in Verzweiflung, seine lange Nase schnupperte so lange, bis er den Ort entdeckte, von dem der schauderhaste Geruch ausströmte, schließlich hatte er es heraus; er kam aus dem Kellerfenster, direkt unter seinen Auslagefenstern!! Natürlich lief.er sofort zum Hausherrn, und eö umfing ihn dort eine Ohnmacht, als ihm dieser er klärte, daß Sami Löw den Keller auf sünf.Jahre gemiethet hatte, um dort Limburgerkäse reif werden ;u lassen!!! Jedankenspähne. Je kleener sich Ener vor uns macht, Vesto jroßer kommen wir uns vor. ..... Keene Appelsine is fo faulig. det fe nlch ihren Jurmang find t. . . . ..... In die verbotensten Jnjänge möchte man am liebsten rin. ... Mein Fremd Knaucke is der jeborene Festredner. Et jibt keene Feierlichkeit, bei die der sich nich fest red't. Manche Damens kennten sich bei ihre erste"Morjentojelette als Verwandlungskinstlerinnen sehn lassen. . Das besondere Merkmal hervorragenderDamlichkcit i5 dic Unverschämt heit. . Praktisches Kalkül. Sohn (welcher Medizin studirt): ES bleibt dabei, ich werde Spezialist für? Kopfkrankheikn." Vater: Warum nicht lieber für die Zähne? Kopf hat der Mensch nur einen, aber Zähne hat 32."

TaS taubstumme Kind.

Von Tettev von Liliencro. Von dichter Kinderschaar umgeben - Pausbäckig alle und gesund, - . Schien wolkenlos der Mutter Lebcrr, l Und alles stand auf sicherm Grund, i Nur eins von all den Glücksgewinnez Ein Mädelchen im lustigen Schwarz War taubstumm und von blöden Sin nen. Lag täglich fast dem Tod im Arm. Verdreifacht hält der Liebe Posten Vor ihrem Stäbchen seine Wacht, Und keine Mühe, keine Kosten Erschüttern seine Heldenmacht. Und weite? athmet, lebt die Kranke, Nun ist sie dreizehn Jahre schon. Doch immer bleibt dieselbe Schranle Versagt ist ihr der Menschenton. Der Mutter heißeste der Bitten. Der Wünsche heißester ist nur. Bevor ihr Liebling ausgelitten. Eh abgelaufen ihre Uhr: Daß sie ein einzig Mal nur sage. Ein einzig Mal das eine Wort Mutter" und wegfegt alle Klac Und alle Trübsal ist verdorrt. ' DaS Mädchen starb. Mit reinem Ha ' zen Sank oben sie an Gottes Brust, Die Mutter blieb imLand der 5$mcr zen Und gab sich schwer in den Verlust. ' Dann starb auch sie nach vielen Jahrerr, Nach Plag und Arbeit, wie's so geht. Wir alle müssen's ja erfahren. Wie scharf der Wind auf Erden tx&Als sie nun schritt auf HZmmelswegcr. Be: Gottes Thron am heiligen Ort, Trat ihr das Töchterchen entgegen, -Und Mutter" jauchzt ihr erstes Wort. Llnerkennunz. Daß der Mangel an Anerkennung manches Talent lähmt, manche Frur--digkeit des Willens hcrabdrückt, marr che Verstimmung in die Seele wirft weiß jeder. Er ist aber auch ein recht trüber und grauer Schatten auf denr. persönlichen Verkehr, ohne dessen ÄorHandensein viel mehr Lust und Freu--digkeit, Helle und Humor im Men schenleben . läge. Und es ist mit der Anerkennung so seltsam bestellt: sie. liegt ost im Herzen und drängt mit.' warmem Pulse hervor; aber auf dier Lippen tritt sie nicht. Warum nicht ? fragt sich der edle Menfch. Ja, waruur. nicht? Der Betreffende würde es selbst,, nicht zu sagen wissen. Es ist mcht; Neid, der ihn schweigen heißt aber, es ist ein kleines Theilchen davor. Vielleicht auch ist eL Scheu. Er Willi nicht als Schmeichler gelten, will nicht.' den Eindruck wecken, als lobe er jetzt, um vielleicht später etwas zu erlangen. Eine Herbe des Gemüthes liegr in manchem Menschen, die ihn rnt mer wieder zum Verstummerr Zwingt. Warum kann" er nun einmal nichr lobende Worte. Worte der Anerkenn nung aussprechen? Weil er es nicht gewohnt ist. Weil seine Erziehung viel leicht einseitig oder gar mangelhaft war. Darum, ihr Mütter, lehrt doch schon das Kind, achtsam dort zu sehr, wo .S zu danken hat, und lehrt es seinen. Empfindungen freien Ausdruck zu geben. Die Grenze hierfür weist Euch ja der eigene Herzensakt. Aber sicher giebt es. nichts Lieberes, Anmuthizeres, als ein gut erzogenes Kind, daS für alle kleinen Liebesbeweise und Geschenke nicht bloß die Eltern danken läßt, sondern in kindlicher Freude, in. kindlichen Worten selbst dankt. AuZ dem Dankempfinden entsteht später der Ausdruck der Anerkennung, den man gern und willig dort zollt, wo er dem andern zukommt. Und welcher Segen liegt darin! Wer eine Anerken nung erfährt, der athmet so froh, leicht und schafsenslustig, als träfe ihn ein Sonnenstrahl und verschönte seine Wege. Anerkennung leere Worte!"' wehrt ein Griesgram ab. Ist denn der: Sonnenstrahl baares Wechselgold? Und . doch, wer möchte seine segnende: Wirkung leugnen? Das Unterdrücken lobender Worte.' ist' anfangs wirklich nur eine Gewöhn-' heit, halb auS Scheu, halb aus Neid' gemischt; sie wird aber nur zu baU. eine unliebsame Charaktereigenschaft Deshalb, kostet es Dich auch ctwsäUeberwindung, und wollen die Worte-, nur schwer über Deine Lippen: Ueber-. winde Dich und sprich sie dennoch au55 Sprich sie nicht wie viele thun, nrn ihr Gewissen zu beruhigen zrr Fremden als Lob des einen, sage sie auch dem einen direkt. Ob er Werth, darauf legt? Sieh das Aufleuchtar seines AugeS, siehe die Freudigkeit, mir der er sich welter feinen Arbeiten zuwendet, und Du hast die Antwort. Noch.' viel klarer aber würde Dir seine' Antwort sein, könntest Dn in sein Herz sehn, daS voll trüber Schat ten lag, und das nun mit einermnal vom herrlichsten HofsnungSleuchten füllt ist. Gute Ausrede. Polizifk: 'Sie waS klettern Sie dort auf best? Dache herum?" Gauner: Ich? Ich bin auS einem Luftballon 'ransge-. fallen!" Frauen -Bosheit. Frnr N.: Ich hätte nicht gedacht, Fta Huller, daß Sie mich wieder erkennen da Sie mich vor zwei Jahren nur ein-' mal gesehen hatten Frau Hulleri O, ich habe Sie an dem Kleide er kannt, daS Sie damals ebenssüö te aen." . .... ;