Indiana Tribüne, Volume 23, Number 165, Indianapolis, Marion County, 4 March 1900 — Page 6

ßin unheimlicher Aass. Uniei Schleier und MaSke knüpfen slch Intriguen und spinnen sich Fäden, rinb bei den Klängen der Tanzmusik flattern scherzende Worte und tändelnU Blicke aus, und sorglose Lust scheint durch die lichterfülltenRäume zu schweJen, in denen Sorge und Ernst ein fremder, nie erschienener Gast scheint. Und dennoch deckte der Sammet der SLartx gar oft ein schmerz- und WuthDeizernes Antlitz, und die fröhlichen Weisen übertönten den Aufschrei eines gequälten Menschcnherzens, ja selbst das Todcsröcheln eines Sterbenden. Auf einem Maskenbälle im März 1792 tüüx es, als König Gustav der Dritte Jovr Schweden in Stockholm, während er sich an der Seite des Grasen Essen ins Gewühl der Masken mengte, durch inen Schuß in den Nücken tödtlich der undet wurde, während einer der Mitverschworenen, um die Aufmerksamkeit der Umstehenden abzulenken, einen Äugenblick vor dem Attentat dem KöTilge mit den Worten Bon jour beau niasque"! auf die Schulter klopfte. Ein Jlhr nach diesem Mord, am 21. Januar 1793, endete ein anderer Monarch,.Ludwig der Sechzehnte, auf dem Schaffot, und der Gedanke an seinen königlichen Herrn und die Erinnerung an seinen Tod verfolgte einen seiner ONgeblichen Getreuen" noch Jahre danach bis in den Traum seiner Nächte, bis unter die strahlende Lichtfülle in den Sälen seines Palastes, in dem Fest cm Fest sich reihte. Sechzehn Jahre nach jenem Januarmorgen, an dem Ludwig der Sechzehnte sein Haupt uniei das Henkerbeil legte, widerhallte 'Paris unter dem Scepter Bonapartes fcom Jubel der Festlichkeiten, ein Ball folgte dem anderen, und in der reichen La'hl der feenhaften Veranstaltungen Ivaren jene, die ambacereZ, der HerLog von Parma und Erzkanzler Frankreichs, veranstaltete, zweifelsohne die glänzendsten. Als Mitglied des Natioixllconvents hatte er, Jahre vorher, die Schuldfrage im Prozeß gegen König Ludwig XVI. bejaht, und trotzdem er sich später auf das Entschiedenste dagegen verwahrte, wurde ihm dennoch die Mitschuld an der Beurtheilung und Hinrichtung des unglücklichen Monarchen zugeschoben. Trotz dieser Ber'Wahrung muß den Herzog sein Gewissen nicht frei von aller Schuld gesprochen haben, sonst hätte ein Vorkommniß sich nicht ereignen können, wie cs slch thatsächlich sechzehn Jahre später in den Räumen seines glanzvollen Palastcs in der Rue Saint - Dominique abspielte. Ein Maskenball vereinigte am 21. Januar 1809, sechzehn Jahre nach jenem bluterfüllten Tage, den gesammien Hof und die Spitzen der französisehen Gesellschaft bei Cambaceres, dem euch der Kaiser zugesagt hatte, das Fest durch seine Gegenwart zu beehren. Seine Ankunft verzögerte sich, und etDas ermüdet zog sich der Herzog auf einige Augenblicke in einen kleinen SaIon zurück und versank, in die Kissen mes Fauteuils gelehnt, in tiefes Sinnen. Plötzlich schreckte er auf. Vor ihm stand eine in düsteres Schwarz gehüllte ritterliche Gestalt, und aus der schwarzen Maske, die das Antlitz des Anbekannten bedeckte, blitzten dunkle Augen voll tödtlichen Hasses hervor. Stumm betrachtete dieErscheinung den Kanzler, der wie erstarrt seinen unbrimlichen Gast firirte. Endlich ver

suchte er den Bann, unter dem er sich zu befinden schien, abzuschütteln und fragte den seltsamen Ritter, der in seintx Regungslosigkeit dem Grabe zu entsteigen schien, ob sein Fest denn nicht schon genug sei, um seine Trauer zu verscheuchen. Dein Fest-, erwiderte ihm der Andere mit tonloser Stimme Dein Fest stimmt nicht zu diesem Gedenktag!" Nun denn, wisse, daß mein Monarch mir sein Erscheinen zugesagt," unterbrach ihn Cambaceres. Dein Monarch in der That aber Du erwartest nicht, ihn zu sehen," znurmelte der geheimnißvolle Gast. Ich verstehe Dich nicht, der Kaiser versprack) mir doch - Wer spricht vom Kaiser!" fiel ihm jener hohnlachend ins Wort. Ich spreche von Deinem Monarchen, den Du verbannt, verleugnet, verurtheilt hast! Erinnerst Du Dich nicht mehr jenes 21. Januar?? " Während dieser Worte legte sich die Hand des Ritters, dieGrabeskätte auszuströmen schien, centnerschwer auf den Arm des Herzogs, den tödtlicher Schreck auf seinen Sitz bannte. Lerne ihn kennen. Deinen ungeladenen Gastirnd mit einer Bewegung zog er die Larve von dem bleichen Antlitz, das die schmerzlich-verzerrten Züge des hingerichteten Königs trug. Mit einem gelZenden Aufschrei sank Cambaceres zu Aoden. Trotz eifriger Nachforschuncpn, trotz der Bemühungen des Grafen Dubois, des damaligen Polizeipräfectm. gelang es nicht, die Spur des schwarzen Ritters aufzufinden er blieb verschwunden. Napoleon, den man in Hofkreisen Hennlich als den Veranstalter undDarsieller jenes geheimnißvollen Abenteutr3 vermuthete, verstand es jedenfalls daö Vorkommniß in geistvoller Weise cnZzunützen. Als Cambaceres an nein der darauffolgende Tage dem Kaiser jene räthselhafte Scene schilderU, erwiderte ihm dieser: Mein armer Freund. Sie sind entweder das Opfer einer Mystifikation geworden oder, 5va5 wahrscheinlicher ist, sind Sie, er?nüdct,.von den Anstrengungen des Mends eingeschlafen und baben Ihren schwarzen Ritter im Traum erblickt. 'Gleichviel,- fügte er hinzu, indem er seinen Kanzler lächelnd am Ohr zog, fthen Sie. das kommt davon, wenn xnan seinen Monarchen zum Tode verurtheilt! Merken Sie sich das!!" Wunsch. Fräulein (unlückUch liebend): Ach, gäbe eS doch auch ne Herzensnothlein:!-

ßin Kcrzensroman. Gilt es auch allgemein als feststehend, daß Herzensromane, überall leichter zu Stande kommen als in der kühlen Atmosphäre, die in den Familien der regierenden Häuser weht, so wird man doch nach den Vorkommnissen der jüngsten Zeit in dieser Beziehung als Ausnahme von der allgemeincn Regel das österreichisch - ungarische Herrscherhaus betrachten müssen, an dessen Hos die blaue Blume der Rcmantik ganz prächtig gedeiht. Der präsumtioe Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand d'Este, von dem man geglaubt hatte, daß er die Tochter der Kronprinzessin - Wittwe Erzherzogin Stephanie heirathen werde, . hat sich eineGräfin Chotek zur Gemahlin erkoren und in den nächsten Tagen soll nun auch die Vermählung der KrönPrinzessin - Wittwe Stephanie mit dem Grafen Lonyay stattfinden. Ehe die Erzherzogin vom Kaiser die Erlaubniß zu dieser Eheschließung erhielt, hatte sie nicht bloß auf das Recht der Thronfolge, sondern auf alleNechte

wwk&Ti ?-tlz ErzherzoginStephanie. einer Erzherzogin zu verzichten, und Graf Lonyay mußte vom reformirten zum katholischen Glauben übertreten Die Kronprinzessin Wittwe, welche am 21. Mai 1864 als eine Tochter des belgischen Königshauses geboren wur-' de, war bekanntlich mit dem Erzherzog - Thronfolger Rudolf 'vermählt, der mit eigener Hand seinem Leben ein Ende machte; aus dieser Ehe ist eine Tochter entsprossen. Graf Elemer Lonyay v. NagyLonya und Vasaros - Nameny gehört zu den angesehensten Mitgliedern des ungarischen Hochadels. Er wurde am 24. August 1863 zu Bodrog - Olaszi im Zempliner Comitat geboren und ist sonach nur um neun Monate älter als seine Braut. Nach Beendigung seiner Mittel- und Hochschulstudien trat er im Jahre 1883 als Conceptsadjunkt in das gemeinsame Ministerium des AeuGrafLonyay. ßeren ein.' Als er drei Jahre später die diplomatische Prüfung bestanden hatte, erhielt er seine Ernennung zum Gesandtschaftsattache. Als solcher diente er erst in Bukarest, dann in St. Petersburg und im Jahre 1890 in Brüssel. Als Attache wurde er nur noch in London verwendet. Im Jahre 1892 avancirte er zum GesandtschaftZsekretär. und als solcher war er erst der Petersburger, dann der Pariser und der Londoner österreichisch - ungarischen Botschaft zugetheilt. Hiernach einer anderen Version in Abbazia machte Lonyay. die Bekanntschaft der Kronprinzessin - Wittwe Stephanie. Nachdem Graf Lonyay später noch der Botschaft in Rom angehört hatte, trat er aus dem diplomatischen Dienst zurück und lebt jetzt auf seinem Gute Bodrog - Olaszi, wo auch das neuvermählte Paar seinen Wohnsitz behalten wird. Bequem. tmm Kellnerin: .Der Hauptmann schickt , 's Bier zurück, weil a' Flieg'n d'rin r f . i Ad icywtmml! Wirth: No. no, der hatt' sich auch nit die Finger verkühlt, wenn er selbst 'raus'zogen hätt'!Vorstellung. Vater: Das hier ist meine Aelteste sie sieht aber jünger aus!"

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AlteWoden. Niemals hat wohl die Mode so starke Wandlungen durchgemacht wie im neunzehnten Jahrhundert. Auch hierin sind wir schnelllebiger als unsere Vorfahren geworden. Am Anfang des Jahrhunderts das schlichte,' griechische Gewand der Empirezeit, wie es unser Modebild von 1800 aufweist. Eine ideale und bequeme Tracht, abgesehen von der Schleppe, die aber den weiblichen Gestalten etwas Würdiges gab. Wen!ger bequem war die Männerkleidung; doch waren auch die Männer im 23c

1800., griff, von der bunten Tracht früherer Zeiten, den gestickten Röcken, den Bändern und Spitzen überzugehen zu einer ernsteren, schlichteren Kleidung. Neben den Kniehosen und Wadenstrümpfen waren die etwas längeren engen Beinkleider mit kleinen Schaftstiefeln aufgekommen. Heiterer und lustiger gab sich die Frauenmode zwanzig Jahre später. Die fußfreien Röcke mit Tollen und Rüschen waren nicht unkleidsam, die großen Hüte zum mindesten im Som mer praktisch. Eine Art Schinkenarmcl" war auch damals schon Mode; überhaupt ähnelte von allen Moden des Jahrhunderts die der zwanziger Jahre wohl am meisten der heutigen. Kleidsam waren auch die duftig'N Spitzenkragen. Doch leider wich man 1825. bald von dieser gefälligen Tracht ab. Um 1840 begann die Crinoline ihre Herrschaft; die Haartracht, die schon zwanzig Jahre vorher recht excentrisch geworden war, wurde jetzt höchst unkleidsam. Mit der glatt gescheitelten Stirn und den Locken (PfropfenzieHern) über beiden Ohren machten zwar hübsche Gesichter nach wie vor ihre Eroberungen, und der goldene Reif, wie er das Haupt mancher jungen Dame schmückte, gab ihrem Antlitz etwas Madonnenhaftes. Die Röcke wurden fast ganz glatt, der gute und solide Stoff mußte wirken, und so kommt es, daß die Enkelin sich heute aus dem Seidenen der Großmutter noch ein modernes Kleid machen lassen kann. Die Crinoline nahm immer riesigere Formen an; es war eine Kunst für die Frau, Arm in Arm mit dem Gatten auf derStraße zu gehen oder sich selbst in einem Wagen geschickt unterzubringen. Doch man sieht, welche Vortheile 1840. " ' ' die Wandelbarkeit der Göttin Mode mit sich bringt; das Häßlichste verschwindet ebenso schnell wie das Hübsche wieder von der Bildfläche. Im Jahre 1870 war die Crinoline überwunden, allerdings um einem recht steifen Schnitt der Kleider, Jacken und Mantillen Platz zu machen. Das Prinzeßkleid, bei dem Ueberwurf und Taille zusammenhängen, war gefälliger. Seitdem sind wir über das Cul de Paris" und die Schinkenärmel zum Sackpaletot gekommen, was wird das Morgen bringen? Bei. der Herrenmode sind seit der Einführung des langen Beinkleides in den ersten Jahrzehnten . des Jahrhunderts die Formen im Großen und Ganzen geblieben, nur der Schnitt hat gewechselt. Die Männer waren auf diesem Gebiet beständiger als die Frauen.' ' von anderen Gebieten schweigt deö Sängers Höflichkeit. Eine Spröde. A.: Wie, Sie haben von Ihrer Braut noch keinen Kuß gekriegt?" B.: Doch, einen einzigen; aber das war in dem Wohlthätigkeitsbazar, und da habe ich $5 dafür bezahlen müssen!" Zuw'örtlichqenommen. Arzt: So, da haben Sie das Recept! Lassen Sie das Medicament in der Apotheke machen und nehmen Sie Abends vor dem Schlafengehen einen Eßlöffel Medicin mit vier Eßlöffeln Wasser!" Michel: Dös geht aber schwer, Herr Doctor mir hob'n z' Haus nur drei Eßlöffel!" ' . .

Monaco.

Was die Natur Großes und' Schones. was das Glück seinen ihm rastlos nachlaufenden Jägern bieten kann, was die menschliche Leidenschaft sucht und fast niemals findet, das alles vereint sich in dem Fürstenthum Monaco, dem kleinen, vom Meer umspülten, von Felsen umgebenen und vom blauen Himmel überspannten Paradies. &ä2 Fürst Albert. "p 1 Das Ländchen, dessen Flächeninhalt ca. 6 engl. Quadratmeilen beträgt und das von 15,180 Menschen bewohnt wird, zerfällt nicht in Provinzen und Städte, nicht einmal in Dörfer. Es besteht aus drei Theilen, die man mit unbewaffnetem Auge übersehen kann. Hoch oben auf dem Felsen liegt das eigentliche Monaco, dann geht es sanst abwärts nach Condamine, das im Grunde genommen nichts weiter ist, als ein von Monaco nach Monte-Carlo führender Weg. Auf Condamine, das dicht am Meere liegt, stehen die billigeren Hotels, dann geht's wieder aufwärts, und in wenigen Minuten ist des FUrstenthums wichtigster Theil, MonteCarlo, erreicht. Gewöhnlich identificirt man Monaco mit Monte-Carlo. Beide sind, wie gesagt, örtlich getrennt, sie bilden die An-fang-und Endstation des Landes, manchmal auch der Menschen, die letzteres aufsuchen. Kommt man nach Monaco, dann hat man gewöhnlich die Taschen voll, reist man aus MonteCarlo ab, dann hat man sie meistens leer, das ist das charakteristische Merkmal der beiden einzigen Stationen des Fürstenthums. Im Casino von Mon-te-Carlo befindet sich jener berühmte Spieltempel, der nicht nur die Leidenschaften einzelner Menschen, sondern ein ganzes Fürstenthum beherrscht. Die Bank bezahlt dem Fürsten jährlich eine Million, die Bank besoldet die Behörden. die Bank sorgt für Kirchen und Schulen, die Bank macht moderne Anlagen und' Verschönerungen, . die Bank ist alles, von ihr ist die Existenz des ganzen Fürstenthums abhängig, denn vom Herrscher bis zum letzten Unterthan, leben alle von der Bank, mit deren Bestehen die Existenz des Landes verknüpft ist.' Das aus dem vom Meere umringten Felsen amphitheatralisch aufsteigende Monaco ist die Residenz des Fürsten und hier, an des Felsens äußerster Spitze liegt das fürstliche Schloß. M 7r?' t 2tt nM. eMZ ' Daö Casino. Monaco, die Hauptstadt, oder richtiger ausgedrückt, die Hauptstätte des Fürstenthums, hat den Charakter einer freundlichen, lebhaften, italienischen Stadt, vor der es sich jedoch durch eine größere Sauberkeit auszeichnet. Viel zu regieren hat der Fürst in Monaco nicht. Der Herrscher hatzwar einen aus fünf Mitgliedern bestehenden Staatsrath' zur Seite, das Fürstenthum auch einen Generalgouverneur, Staatssecretär, Generalschatzmeister u. s. w., aber da die Unterthanen von Monaco keine Steuern ' zu zahlen brauchen und Staatsschulden nicht existiren, so ist das harmonische Verhältnib zwischen Herrscher, Behörde und Volk von selbst gegeben. Der derzeitigeHerrscher von Monaco ist Fürst Albert I., der mit Alice, verwittweten Herzogin Richelieu, geborenen Heine, vermählt ist. Ihren Fortbestand hat sich die Spielbank auf weitert 60 Jahre durch einen Vertrag mit dem Fürsten gesichert, der für die Concession die Kleinigkeit von 30.000,000 Francs in drei Raten erhält. F r a u e n l i p. ffomx . r rVJ, 7&&gA V Frau Rath: Sehen Sie, meine Liebe, die dicksten Männer sind immer die gutmüthigsten. Daher geb' ich auch meinem Manne nur fette Sachen zu essen, und jetzt habe ich ihn bald so weit es fehlen nur noch zwei Pfund an seinem Gewicht daß er mir einen Fuchspelz kauft!" SchlechteErziehung. Ein Backfisch, der große ßile hat, versucht den gerade abfahrenden Wagen der elektrischen Bahn durch Laufen noch zu erreichen und ruft dem im Innern beschäftigten Conducteur vergebens zu, zu halten. Arbeiter: Dat is nu' de Bildung von hüt'! Französisch parliren un' Klavier spelen, dat lernt de Fräuleins aber up de Finger fleiten. das lernt lenich. ,..' r

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Elektricität an Eanälen. In unserem Jahrhundert der Eisenbahnen sind die Canäle bis vor Kurzem stiefmütterlich behandelt worden. Die Güterbeförderung auf Canälen galt im Vergleich zu der aus Eisenbahnen als eine veraltete Transportmethode und deshalb kamen alle technischen Verbesserungen im Verkehrswesen den Eisenbahnen zu Gute. Erst in neuester Zeit ist ein Umschwung zu Gunsten des Canalwesens eingetreten und zwar sowohl im Jnlande wie im Auslande, namentlich seitdem man im Canalbetrieb ein neues Arbeitsfeld für die Elektricität gefunden hat. Sowohl zur Bedienung der Schleusen wie als Zugkraft kommt die Elektricität in immer ausgedehnterem Maße zur VerWendung. Auf dem Eriecanal-sollen 200 Motoren zum Ziehen von Booten in Betrieb gesetzt werden. In Deutsch-

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Locomotive. land ist die weltbekannte Firma Siemens.ck Halske auf diesem Gebiete bahnbrechend; dieselbe hat mit staatlicher Unterstützung in der Nähe von Eberswalde am Finowcanal eine Versuchsanlage für elektrische Schleppschifffahrt errichtet. Die Versuche wurden mit zwei verschiedenen Systemen ausgeführt, dem des Amerikaners Lamb und dem von Köttgen. Die Wahl der etwa 1000 Meter langen Versuchsstrecke war so getroffen, daß auf ihr die charakteristischen Hindernisse, wie Vrückenpassagen, starke concave und convexe Krümmungen sowie eine Ladestelle, vorkamen. Der Betrieb beider Systeme erfolgte durch Gleichstrom von 500 Volt. Bei dem Lamb'schen System werden die Schiffe durch kleine Locomotiven gezogen, die auf einem ungefähr 16 Fuß über dem Treidelweg an starken Holzmasten befestigten Tragseil laufen, und die sich an einem zweiten, bedeutend dünneren Tragseil vorwärts winden. Diesem wenig -anpassungs-fähigen System gegenüber weist das neue Köttgen'sche gewisse Vorzüge auf. Nach demselben gestaltet sich die elekirische Schleppschifffahrt folgendermaßen: Längs des Canals läuft auf ! Schleppschiff. dem Treidelweg eine schmalspurige Schienenbahn, auf der sich eine kleine elektrische Locomotive bewegt. Dieselbe erhält ihren Betriebsstrom durch eine Rolle, die, entgegen der üblichen Anordnung, auf der oberen Seite des Contactdrahtes gleitet und ebenso gut vorwärts wie rückwärts läuft. Die Locomotive ruht mit ihrer Hauptlast nur auf einer Schiene, während die andere als Führung dient und fortfallen kann, wenn der Treidelweg chaussirt ist. In diesem Fall erhält die Locomotive zwei größere Räder mit glatj tem Mantel und läuft mit demselben ! wie ein Wagen auf dem Weg, während das andere Raderpaar auf de? einzigen Schiene geht. Seitlich an der Locomotive ist ein Sitz für den Führer angebracht, von dem aus derselbe den Canal bequem überblicken kann. Mit seiner linken Hand bedient er den An-laß-und Regelungsapparat, mit der rechten die Bremse. Von der Locomotive läuft ein starkes Seil zum Schiff, an dessen Treidelbaum es befestigt ist. Militär -Angelegenheiten. Frau: Haben Sie noch Bedingungen zu stellen?" Köchin: Ja, in Militär - Angelegenheiten darf mir nichts dreingeredet werden!" Sch'öneAussicht. Gläubiger (ungeduldig): Können Sie mich denn noch immer nicht zu dem Herrn Grafen hineinführen?" Diener: Aber warten Sie doch! Erst rrnift ick doch den anderen Herrn herausschmei- . I ßen der noch bei ihm ist!" , I

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Daö NathliauS in Leipzig. Stolz wird sich dereinst das neue

Rathhaus an einem der schönstenPlätze von Leipzig erheben. An Stelle der alten Plelßenourg. die hier einst eine besonders starke und widerstandsfäbige Ecke der Stadtbefestigung bildete und Ipater als Kaserne ausgebaut und Verwendet wurde, wachst der Neubau empor, der für die mächtig anwachsende Großstadt längst ein Bedürfniß geworden ist. Das alte Nathhaus in der inneren Stadt mit feinen geschicktliehen Erinnerungen, aus dem der 'caly oer ?tadt icyon.löLl dem einziehenden kaiserlichen' General Tilly entgegenging, erwies sich längst als zu ktem.' E:n Ausbau verbot sich, wnl das Gemäuer ihn nicht ertragen hätte, auch würde das alte Rathhaus, das jetzt bestehen bleiben soll, zerstört worDas neue Rathhaus. den sein. Anderen Plätzen der innercn Stadt wurde die Pleißenburg. die infolge Neubaues der Kasernen frei wurde, vorgezogen. Aus einem Wettbewerb, der von 60 Künstlern beschickt wurde, ging Stadtbaurath Hugo Licht in Leipzig als Sieger hervor. Die Kosten des in Anlehnung an den deutschen Stil des 16. Jahrhunderts auszuführenden giebelreichen Baues, der über 10.000 Quadratmeter Flächenräum einnehmen wird, werden etwa 7 Millionen Mark betragen. Das BauMaterial ist unten Granit, oben sächsischer Sandstein. Das Untergeschoß ist für einen großen Rathskeller bestimmt. Bocrcn-Attillcne. Durch Jameson's Einfall wurden den Boeren die Augen über die wahren Absichten der Engländer geöffnet und die Erkenntniß von ihrer gefährdeten Lage veranlaßte sie zu einer allmäligen Reorganisation der Landes - Bertheidigung. Zunächst wurde die ArEin Positionsgeschütz. tillerie verstärkt und so konnten sie mit ungefähr 80 bis 90 Geschützen den Engländern gegenüber treten. Bei' der Cernirung von Ladysmith spielen die Positionsgeschütze von 15.5 Eentimeter Kaliber, welche sie von SchneiderCreusot erworben hatten, die größte Rolle. Schofle Noblesse. Heruntergekommener Baron: Sind Sie Hoflieferant?" Metzger: Ja!" Baron: Dann geben Sie mir für 10 Pfennig' Leberkäs?" Aus der Jnstruktionsst u n d e. Unteroffizier (zum Rekruten): Sie, Müller, sagen Sie mir, warum schneit es im Winter?" Rekrut: Weil es im Winter kälter ist, als im Sommer." Unteroffizier: Ach, Unsinn, es schneit im Winter, damit sich der erfrorene Soldat mit Schnee einzureiben hat." Darum. A: Die beiden Tenoristen scheinen sehr gute Freunde zu sein." B: (Kapellmeister: Ja, Jeder glaubt, der Andere könne nicht singen!" Wechsel. Alte Jungfrau (seufzend): O. diese Männer! Sonst nannten sie mich schöne Zauberin" und jetzt sagen sie alte Hexe!" Splitter. Wenn eine Frau graues Haar bekommt, sagt ihr dies nicht der Spiegel zuerst zu, sondern eine gute Freundin. Treffend. A: Sehen Sie nur die Dame dort, welch' jugendlichen Anstrich die hat." B: Jawohl, aber mehr Anstrich als Jug:nd." , Der Traum. Student: Denke Dir, Tante, letzte Nacht habe ich vom Feuer geträumt." Tante: Das bedeutet Geld." ' Student: Darf ich Dich daraufhin um einen kleinen Vorschuß bitten?". Wieer'sverstand. Ria ter: Hatten Sie einen Genossen, als Sie den Diebstahl begingen?" Angeklagter: Nee, Herr Jerichtshoff, ick hatte noch keenen'jenossen, ick war total nüchtern." '

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Der galante Obsthändler.

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Jessas! Jetzt schauen S' wie es regnet, und ich hab' keinen Schirm mit!" ,No bit schön gnä Fräulein wenn Sie gestatten, werde ich Sie nach Hause begleiten." BordemMusik-Automaten. Warum werfen Sie denn 20 Pfen nig' hinein? Es kostet doch blos 10!" Damit er halt recht schon spmt i i Zwecklos. Sarah, Du wirst ablegen müssen Deinen Kragen in der Garderobe!" Was thu' ich damit in der Garderob', wo ihn nix sehen können de Lait?" JnderEhe. Frau (zum Manne, der pfeift, als sie n?egen eines ihr abgeschlagenen Kleides weint): Früher hast Du nicht gepfiffen, wenn ich weinte." Mann: Ich wollte, ich hätte früher schon daraus gepfiffen." Berlocken. Parvenu (bei der Werbung, der Dame seine ringgeschmückte Hand hinstreckend): Fräulein, ich biete Ihnen Herz und Hand! Sehen Sie sich die Hand einmal an!" P a r i r t. Student, (zur Logisfrau): Das nenne ich pünktlich, ich wollte doch meinen Kaffee um acht Uhr haben und jetzt ist es schon um neun Uhr.".. Logisfrau: Das ist ja noch nichts, Sie haben schon vor zwei Monaten gesagt, Sie wollten bezahkn!" Mißtrauisch. Herr: Sie gehen heuer nicht auf's Land?" Frau: Nein, mein Mann hat sich dazu etwas zu bereitwillig gezeigt!" Ein Egoist. Metzger: Wenn's Fleisch aufschlagt, schiinpfen die Leut'; geht der Preis herunter. , schimpf ich! . . . Da laß ich doch lieber 1 die Leut' schimpfen!"

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