Indiana Tribüne, Volume 23, Number 158, Indianapolis, Marion County, 25 February 1900 — Page 7
5Zedel.
1 P?nn sha 5?fQti , Ä Ktbf. Wie ringsum , Nebel schläfrig brauen Und weithin Flur und Auen ( l So stumm! Ä?rt streichen schwarzbeschwmgt Die Raben durch die Felder; Ihr Krächzen schrill die Wälder Durchdringt ' i Das Zweigwerk streckt sich nackt Wie betend aus dem Nebel, Lom Hieb der krummen Schnäbel Zerhackt. - Wie still das Feld, wie leer! Vom Himmelszelt, dem düstern, , Weht seufzergleich ein Flüstern Daher. Es ruft mir zu: O komm! Auf's Thal die Wolken hangen. Du Aermste mußt dich bangen, D'rum komm! Araucnschönyeit. Bon Emil Graniistädten. Der Pariser Kunsthistoriker 5vayot hat ein überaus gelehrtes Buch über Frauenschönheit und ihre Typen in den verschiedenen Entwickelungsepochen der Menschheit geschrieben. Ein solches Studium ist anregsam und auch dann interessant, wenn man dabei von der Geschichte der Frau selbst und ihrer Stellung im Hause, im Staate und in der Gesellschaft absieht. Nur ist leider das Material für solches Studium ein unvollkommenes. Wenn wir wissen wollen, wie die Frauen vergangener Zeiten aussahen,' was an ihnen als schön bewundert wurde, sind wir auf die Werke der Kunst aus jenen Zeiten, auf Bilder, Statuen und auf Beschreibungen angewiesen, wie wir sie in den Büchern finden. Nun aber gab es zu allen ' Zeiten zwei grundverschiedene Typen der Frauenschönheit, nicht blos für den Geschmack der Männer, sondern auch für den veredelten Kunstgegeschmack. Die galanten Franzosen haben für beide Typen die Worte geprägt, die auch in der deutschenSprache Heimathsrecht erlangt haben: die rps c c ? t.ii. i7. 1t.. 1 zame uno oie ouoreiie. xxx unici schied reicht naturgemäß bis in die Urzeiten zurück, von denen uns nur mehr die Bilder der Heldensage erzählen. Von Nausikaa, der Tochter .des Phäakenkönigs, sagt die Odyssee: .Denn ob allen att Scheitel und Antlitz ragte die Fürstin Leicht zu erkennen empor; doch schön sind alle die Nymphen." Aber es war eben eine andere, mehr bürgerliche Schönheit, welche dieMägde zierte. Von dieser Art Schönheit sind uns bis zur Epoche der Renaissance, da die niederländischen Meister mit dem realistischen Genrebild der Kunst ein neues Feld eröffneten, nur sehr wenig Denkmale verblieben. Die einzig lebenswahren und unmittelbar ' überzeugenden Bilder dieser Nymphenschönheit, im Gegensatze der Königinnen und Göttinnen, haben sich in den Kunstdenkmälern Egyptens gefunden. Da existirt aus der Zeit Rhamses' II. ein Sphinxtyphus von lachendster Soubrettenanmuth: vorstehender Backenknochen, allerliebste Stumpfnase und ein kleiner, aber üppiger Kußmund, etwa wie eine wirklich bildhübsche mecklenburgisch - obotritische oder bohmisch-czechlsche Vauerndirne. Und dieser Kovf arühi mit lackenden. i r i o w " 7 ' lockenden Augen aus einer vor etwa 4000 Jahren gemeißelten Sphinx. Im Königlichen Museum - in Berlin finden wir diesen Typus in einer Reihe von Portraitstatuetten vertreten; die Sphinxe dieser Art stehen im Wiener Museum. Die zweite Bildnißserie dieser Art danken wir dem Gräberfunde von Fayum mit den Portraitköpsen, welche als Bilder die Mumienhüllen zieren. In diesen Bildern finden wir alle Varianten auch der modernsten Frauenschönheit. Wenn nun auch die hochragende schlanke Figur zu allen Zeiten als die Krone der weiblichen Gestaltung erschien, so hat es doch in den verschiedenen Culturepochen gewisse Bevorzugungen des allgemeinen Geschmacks gegeben. Homer ist sonst in der Beschreibung " von weiblicher Schönheit ziemlich wortkarg. Die beiden berühmten Bilder des athenischen Meisiers Zeuxls von Helena und Penelope sind uns verloren gegangen. ' Aber zwei Schönheitsbezeichnungen sind uns im Homer erhalten geblieben; sie beziehen sich auf die Augen. Er hat für die Göttinnen zwei Augentypen: die farrenäugige-, das große, braune, treue Auge des Rindes und die strahläugige", das zwischen grün und gelb schimmernde Auge, welches schier einen Goldglanz ausströmt, wenn seine Farbe auch dem Auge der Katze gleich ist. Frau Venus ist die strahläugige, die gestrenge Juno war die farrenLugige Göttin. Die nächste Laune in den Typen der Frauenschönheik finden wir im Rom der Cäsaren, da die vornehmen Römerinnen mit Staunen und Eifersucht das röthlich schimmernde Blondhaar der gefangenen Germaninnen sahen und nun auch ihre Haare rothblond färbten. Diese Mode hat im . 19. Jahrhundert bekanntlich ihre fröhliche Auferstehung gefeiert. Mit dem Verfall des römischen Reiches und des Heidenthums, mit dem Einsetzen der in ihren Anfängen asitisch-keuschen christlichen Kunst Verlierer, wir auf Jahrhunderte die Spurr, und Typen der idealischen Fragens, nheit. Um so mächtiger und UxzV..rtix erblüht ihr Cultus in der ?t?':.'!ss-.7'.ce,- Epoche, in der Blüthezeit dr: 7V?ßen italienischen und Niederlanden Spulen. ES ieIe weit über- trvfta$.mm dieser
Skizze hinausgehen, wollten wir deS näheren die schwärmerisch-zarten Marienköpse Carlo Dolcis. die königlichen Jung-Mutter-Gestalten - Tintorettos, die Unterschiede in den drei Rafaeltypen der naivbäuerlichen Madonna Sedia, der streng-aristokratischen Madonna im Grünen und der himmlischen Sixtina und endlich den wunderbaren TypuS der üppigen Blondine, wie er uns' in den ViolanteKopsen Palme Vecchios entgegentritt, erörtern und mit den 100 anderen Denkmälern idealischer Frauenschönheit aus jener Zeit vergleichen. Als das gegensätzliche Moment erscheint in stlfcü dies Gestalten die adelige Schlankheit der Formen bei den meisten italienischen Bildern und die frauenhafte Ueppigkeit des Körpers in den Werken der Niederländer. Hier der in idealischer Reinheit der Mädchenform vonturirte Leib der Danae im Goldregen" von Tizian, dort der den Segen der Mütterlichkeit kündende, mit den zartesten Capricen des ersten Fettansatzes fast kokettirende Körper der Helene Fourmont, der zweiten Frau von Peter Paul Rubens. Man würde Unrecht thun, wenn man der schlanken Mädchenform so unbedingt und allgemein den Vorzug gäbe, welchen unser Kunstgeschmack ihr ja unbe.dingt einräumt. Von den Neaern ganz
abgesehen, welche vielfach die Frauenfjr.' . "i r. c n ;jti. rjtvi.: ! langen nary oem vcroicqic jcgagen, hat es bei vielen Völkern und in vielen Epochen maßgebliche künstlerische Geschmacksrichtungen gegeben, welche die üppigm Formen bevorzugten. Bis zur Gegenwart, bis zu den Gegensätzen der derben, weltlich ausdrucksvollen Frauenköpfe der Bäuerinnen Leibls und der schwärmerischen Schönheiten, die Gabriel Max auf die Leinwand zaubert, sind die Haupttypen der Frauenschönheit: Göttin und Nymphe, Dame und Soubrette in allen Varianten und Vermengungen beinahe gleich sieghaft geblieben. Nur in einer Richtung ist für Kunst und Geschmack seit dem Alterthum bis zur Gegenwart ein Urtheil oder Vorurtheil in Ansehung idealischerFrauenschönheit beständig und allgemein geblieben: Das Blondhaar vom Fuchsroth bis zum Flachsblond gehörte und gehört zum Wahrzeichen der wahrhaft schönen Frau. Die Idealfiguren in Historien und Allegorieen, Eva, Aphrodite, Helena, Gretchm, sind alle blond, und wenn auch die moderne Kunst bemüht ist. auch dem Schwarzhaar zu seinem Schönheitsrecht zu verhelfen der Deutsche wenigstens hält's' hoch und niedrig mit der Blondine, mag sie nun Lorelei 'sein oderHofmagd. Der Aelpler singt, es ja: Du flachshaarets Derndel, I han Di so gern. Um Di möcht' i glei A Spinnradel wern." Das Volkslied kündet den Volksgeschmück. Deö Handschuhs Ende. Die neueste Originalität in der Welt der Mode ist. daß der Handschuh gänzlich außer Gebrauch kommt. Jene Damen, die in Paris Mode machen, tragen keine Handschuhe mehr; die Herren haben bekanntlich diesem Luxus schon seitJahren theilweise entsagt. Im Theater, in Gesellschaften kann man jetzt die Schönsten der Schönen mit enthüllten rosigen Fingerspitzen sehen. Die Aermel reichen bis nahezu an die Finger, diese selbst sind mit einer Unzahl von Ringen bedeckt; die Nägel hat eine geniale Manicure" mandelförmig abgerundet, polirt und rosenroth gefärbt; was sollte also da noch einHandschuh? Selbst auf der .Straße weiß man den Handschuh zu entbehren, wenigstens theilweise; er verhüllt nun, wie may bei den Visiten constatiren kann, einzig die linke Hand, die rechte bleibt entblößt und läßt die Ringcollection bewundern. Kvmmt sie dann auf der Strafe in Contact mit der kalten Luft, schlüpft sie eilig in die an der funkelnden Diamantkette hängende Muffe. Auf Bällen trägt man keine oder nur seidene Halbhandschuhe. So sehen die Erzeuger der traditionellen Lederhandschuhe die Zukunft grau in grau. Selbst Yvette Guilbert, die Erfinderin der berühmten langen, schwarzen Handschuhe, hat auf dieses bei ihr typisch gewordene Toilettedetail verzichtet; man konnte bei den letzten Vorstellungen, die sie vor ihrer Erkrankung gab, bemerken, daß sie keine Handschuhe mehr trug. Die Pariserinnen sind auf diese neueste Ersparniß nicht wenig stolz; trotzdem ein Dutzend monumentaler Ringe, die jetzt ein unentbehrlicher Toilettenartikel geworden, mehr kostet. Fortschritt. Eliza Jchenhäuser schlägt statt des unzeitgemäßen, herabwürdigenden Titels: Dienstbote", Hausgehilfe" vor. Seitdem sind zahlreiche Petitionen dienender Leute an die edle Vorläuferin eingelaufen, darunter befinden sich folgende berechtigte Abänderungsvorschlage: . Kuhmagd Kuhgouvernante. ' Stallknecht Stallhofmeister. Gänsehirtin Gänsezofe. Oberdirn Primadonna. Unterknecht Sousches. Grob. Wirth (schmeichlerisch): Der Herr Baron haben sich einen neuen Winterüberzieher zugelegt? Ein wunderschönes Futter darin." Gast: Na ja, besser als das Futter hier in Ihrem Restaurant ist es schon!" Offenherzig. Braut: EZ gibt doch Liebes- und Vernunftheirathen? Ist unsere Heirath eine Ver-nunft-oder Liebesheirath?" Bräuti. gam: Aber liebe Lina, von Vernunft ijt keine Rede!"
Zier Feigling. . Von Koloman Jan?. . Ihr Gatte bemerkte es gar nicht, als sie in 's Zimmer trat. Es war wohl etwas dunkel und die wohlthuende Ruhe be? Abenddämmerung lag. über dem ganzen Hause ausgebreitet. Und auch ihr Schritt war fo leise, als sie eintrat. ..Hier bin ich. Ich bin zurückgekommen. Erst bei diesen Worten erwachte Er win Kraft. Er hatte die kleine Wiege geschaukelt und leise ein Schlummerlied gesungen. Seine Seele weilte in der Ferne, kehrte aber immer und immer wieder zu dem kleinen Schläfer zurück, der schon morgen doppelt verwaisen sollte. ' Er hatte seine Frau mit jenem star ken, doch ruhigen tiesinncren Empsin den geliebt, dessen nur ein gereifter Mann fähig ist und jetzt hatte sie ihn mit einem unreifen Jungen ver lassen. Seit gestern Abend hat er fortwäh rend darüber pbilosophirt, aber seine Philosophie stand auf schwachen Füßen. Er versuchte es, das Geschehene von allen möglichen Standpunkten aus zu beurtheilen, doch kam er schlieklich im. mer nur darauf zurück: daß er diese Frau dennoch liebe. Und auch das wußte er, daß nicht die Schmach, auch nicht die der verletzten Eitelkeit, sondern nur die Liebe ihm die Waffe in die Hand drücken würde. Er könnte nicht leben in dem Bewußtsein, seinen Ab gott verloren zu haben. Erwin, darf ich mich niedersetzen? Darf ich meinen Hut ablegen? O, ich bin so müde " Der flehende Ton weckte ihn aus sei nen Gedanken. Schroff wollte er ihr antworten, doch die Stimme versagte ihm. Dann wurde er weich. Setze Dich, Anna." sagte er lang sam. Weißt Du auch, wie daö enden wird? Warum bist Du zurückgekom inen?" . Die Frau schob einen Sessel neben ihren Gatten und fetzte sich. Erst dann antwortete sie, daß ihre Stimme nur im Geringsten gezittert hätte. Sie lächelte sogar. Und es schien, als wäre das Zimmer von diesem schwachen Lä cheln erhellt worden. Ich weiß, ich habe Dich ja während der zwei Jahre kennen gelernt': Tu wirst mich tödten aber dann wirst Du auch Deinem Leben ein Ende machen. Ein anderer an .Deiner Stelle würde mich davonjagen und sich dann sein Leben so gut als möglich einrichten." Erwin strömte das ganze Blut zu
Kopfe. Eine namenlose Wuth erfaßte ihn. Daß sie so zurüalehren könne, hatte er nicht bedacht. Wenn sie weinend zu seinen Füßen läge, um Ver zeihung flehend, dann könnte er sie mit kaltem Blute tödten. Und nun kommt sie und räth ihm das, woran er selbst nur angstvoll gedacht. Sie weint und fleht nicht. Er drückte ihren Arm so fest, daß sie schmerzlich aufseufzte. Nein, Frau, so nicht ! Ich will AlleS wissen Alles, hörst Du ! Von der ersten Minute bis zur letzten. Wenn Tu schon schlecht geworden bist, will ich wenigstens wlen, wie alles kam, eS wird mir nicht mehr weh thun. Der heutige Tag hat mich so abgestumpft Nur das eine Vergnügen will ich noch durchkosten : Von Dir selbst will ich alles hören und auch das sollst Du mir sagen, wie stark seine Liebe zu Dir ist und wie glücklich Du Dich in seinen Armen fühl st?" Er schrie so laut, daß das Kind er , wachte und zu weinen begann. Anna wollte zu ihm eilen, doch er wehrte es ihr. ES ist doch mein Kind!" rief sie. Gewesen! ES ist nicht mehr daS Deme. seitdem Tu eS unnatürlich ver lassen. Und ich sehe darin meine letzte Aufgabe, zu verHuten, daß es t erfahre. wer seine Mutter gewesen, daß sie eine Verworfene war, die Ehre und Pflicht und AlleS lhrer fündigen Lust opferte. Wie stark die Frau auf einmal ge worden war! Sie befreite sich aus den Griffen ibreS Mannes, ihre Gestalt schnellte empor und ihr blitzendes Auge verscheuchte fast das Dunkel. Fast kreischend, wurde ihre Stimme, als sie tief erregt ausrief: Du lügst. Ich stehe vor Tir, wie ich Dich verlanen.". In seinem Kopse war eö todt! Aber er verstand, was die Frau gesprochen. er klammerte sich an ihre Worte, die wie ein warmer Strahl in seine Seele gefallen waren. Wenn sie die Wahr heit sprach! Kehrte sie nicht zurück zu ihm und dem Kinde, stand sie nicht vor ihm in so überzeugender Ruhe? Schon schämte er sich, sie so roh behan delt zu haben. Doch die vielen Worte, die sich ihm auf die Lippen drängten, vermochte er Nicht auszusprechen. DaS Meinen war ihm nahe, aber er will und darf nicht schwach vor ihr er scheinen! Sprich!" preßte er hervor. Für eine Minute wurde e3 still im Zimmer, nur der schwere Athem der Beiden war zu bören. Sprich" sagte er nochmals quäle mich jetzt nicht durch Dein Schweigen." ES ist, wie ich gesagt," kam eS fltti fternd von ihren Lippen. Der Schur ke hat mich bethört. Wankt nicht auch der Stärkste einmal? Ich war verwirrt. ich weil; nicht, was ich tbat Erwin hatte seine Ruhe zurückgewon nen. mt vrau hielt q kaum auf den Füßen. Er 'griff nach deS WeibeS Hand) die er einen Augenblick umklam. merte. Tann lieft er sie plötzlich los: Setze Dich und dann beichte, aber Alles, hörst Tu Alles." Sie kauerte sich in eine Sofaecke. Der Verführer hatte sich den. besten Zeitpunkt ausgewählt. Vorige Woche warst Du so mürrisch, ich wußte nicht, weshalb. Jetzt ' weiß ich es. Doch jener Mensch verstand es, mir glaubhast zu machen, dab Tu mich nicht, mehr
Nebst, daß Tu meiner überdrüssig ae
worden,' daß Du nur zu Hause so mür risch. wärest. Er krampfte mir das Herz zusammen, aber ich glaubte ihm. Er wunte mich mit schonen Wmten zu bethören, heirathen wollte er mich, auf seinen Gütern sollte ich fortan leben, gehegt und geliebt ich war ja wahn sinnig!" Erwin wurde sich dessen gar nicht bewußt, daß er sich selbst vertheidigte, als er leise vor sich hinmurmelte: ES ist mcht wahr. Nur wegen meines Bruders war ich " Ich weiß. Ich habe AlleS erfahren. Ter Elende selbst hat es mir gesagt. AIS wir im Coupe saßen und er immer und immer wieder seine heiße Liebe be ttzeuerte, da wurde plötzlich daS Rasseln und Schnauben des Zuges, da wurden seine süßen Worte übertönt durch daS Weinen meines Kindes, ich vernahmS so deutlich, eS schnitt mir m die Seele. Und in diesem Augenblick wurde es mir klar, was ich beginnen wollte, sei ein Verbrechen!" Sie hielt inne, denn ihre Stimme drohte zu ersticken und ihr Herz schlug rasend. Doch sie zwang die Erregung nieder. Und dieS Kinderweinen zeigte mir den Weg. den ich einzuschlagen hatte. Ich sprang von dem rollenden Zuge, sinnlos, ich fühlte nur: zu Dir, zu meinem Kinde, nur zurück, dahin, wo ich mein Herz gelassen, damit Du mich strafst, mit mir thust, was Dir beliebt. Schau!" Sie wollte den Aermel aufschürzen und da er zu eng war und nicht nach gab, riß sie ihn auf, ihr schneeweißer Arm war mit blutenden Wunden, mit grünen Flecken bedeckt. Dem starken Manne wurde eS heiß umS Herz. Er trat nahe an sie heran und mit stockender, schluchzender Stimme sagte er: Anna! Wenn das eine Lüge wäre?" Ich habe die' Wahrheit gesagt," antwortete sie ruhig. Die Fenster wa, ren geöffnet. Der stillen Abenddäm merung folgte eine ruhige mondhelle Nacht. Ein leiser Wind hatte mit dem Tust der Blumen die verhallenden Töne eineS alten Liedes hereingeweht. Arme; arme Anna! O, warum hast Tu das gethan!" Erwin hatte neben seiner Frau Platz genommen und war ihr immer näher auf den Leib gerückt. Unbewußt um schlangen seine Arme ihren schlanken Leib. Sie lehnte müde ihren Kops an seme Brust und schluchzte lange glück lich. Und ihre Lippen fanden sich zu einem Alles vergessenden, verzeihenden Kuß. DaS kleine Geschöpf ,in der Wiege kramte im Halbschlummer sein ganzes Wissen aus." .Papa, Mama." Und ich hörte in einer großen Gesell schaft davon sprechen, was für ein schwacher, feiger Mensch dieser Erwin sei, der nicht den Muth fand, die Frau, die ihn betrogen, .die ihn in Schmach aestürzt hat, davonzujagen. Ztte Mcibersemde. Humoreske von Tlzeo.Wolff. Im verschwiegenen traulichen Hin terstübchen saßen sie, die drei lustigen Brüder und tranken immer noch eins. Ein fröhliches Wiedersehen war eS, das sie begossen, und ihre Herzensfreude ob dieses glücklichen t Ereignisses äußerte sich in einer wilden Vertilgungswuth, der schon eine wahre Batterie schlank halsiger Flaschen zum. Opser gefallen war; doch immer neue Fluthen edlen Rebensaftes mußten heran, um den schier unendlichen Durst der wackeren Drei zu löschen. Vor fünf Jahren war eS gewesen, da hatten die verschiedenen Berufe die seit frühester Jugend fast Unzertrennlichen zum ersten Male auseinander geführt; fünf lange Jahre hatten sie von einan der weder gehört noch gesehen, bis end lich ein glücklicher Zufall das so lange in seine einzelnen Bestandtheile aufge löste und in alle Winde zerstreute Klee blatt wieder vereint hatte. Deshalb mußten jetzt immer mehr der edlen Flaschen ihren duftigen Inhalt lassen, immer öfter klangen die Gläser anein ander, immer feuchtfröhlicher ward die Stimmung. . Fünf lange Jahre, fünf Cwigkei ten!" sagte HanS, der Senior der lu stigen Drei. Wie oft habe ich den heutigen Tag herbeigesehnt; danken wir dem gütigen Geschick, daS uns wie derum vereint hat!" .Fünf lange Jahre,-ja," wieder holte Leo. Was hat sich da nicht alles in der Welt geändert?! Nur wir sind die Alten geblieben." Ja,' daS sind wir," bekräftigte Theodor, der jüngste im Kreise. Wenn wir auch ' gereifter geworden sind, er fahrener und vorsichtiger." Warum betonst Du das letzte Wort so eigenthümlich?" fragte HanS ver wundert. ' Nun", entgegnete Theodor, ich denke, wir werden wohl alle drei nicht mehr so voreilig fein wie einst, nicht mehr so schnell fertig mit Wort und Handschlag." Plötzliche Stille trat ein. - Kinder", fuhr Theodor dann fort, ich wette, wir denken jetzt alle drei an ein und dasselbe. Holla, Freunde, wie steht'S mit unseren damaligen Ge lübde? Erinnert ihr euch noch?" O, sehr gut noch!" Ganz genau." An unser vor fünf Jahren feierlich beschwocenes und mit einem kleinen Ocean von Rebensaft begossenes heili geö Gelöbniß, nie und nimmer zu he rathen?" Allerdings! Niemals ein Weib zum Traualtar zu führen," bestätigte Leo. Und eher daS Leben als die Frei heit hinzugeben," bestätigte HanS. Ganz recht! Ewig wollten wir dem ehrbaren Junggefellenstandetreu blei den, nie sollte das bewußte Ringlein an unserem Finger glänzen, so schwuren wir damals hoch und theuer"
Aber selbstverständlich." meinte
Leo. Wie hätte ich'daS vergessen kön nen?" fragte Hans. . .. Nun, und ebenso selbstverständlich habt ihr doch euren Schwur gehalten?" forschte Theodor weiter. Leo hüstelte ein wenig; es schien ihm etwas Wein in die Kehle gekommen zu sein. Wieder trat ein sekundenlanges Schweigen ein. Plötzlich räusperte sich Hans ener gisch. Ich will euch etwas sagen," meinte er. Tu hast recht, Theodor. Thö richt und unvorsichtig war unser da maliges Versprechen. Ich wenigstens habe eingesehen, daß es sicherlich für uns drei besser gewesen wäre, wenn wir uns nicht durch ein solches Verspre chen gebunden hätten. Wie oft habe ich gesehen, daß wahres Glück nur im Hafen der Ehe gefunden wird, und Freunde soll ich es gestehen, ich habe mein Wort schlecht gehalten. Seit sechs Wochen bin ich verlobt, mit einem En ftel, sag' ich euch." Jubelnd fiel Leo ein. Hans, alte Seele, Du bist verlobt, wirtlich ' verlobt? Herzlichen Glück. Wunsch, laß Dich umarmen, alter Junge. Dies Glas auf das Wohl Deines Engels!" So muß ich denn Dich wiedersin den," citierte Theodor lachend. Ein netter Weiberfeind bist Du ja,-wie er im Buche steht. Aber trotzdem, auch meinen herzlichsten Glückwunsch für Dich und Deine Braut. Auch mein GlaS soll ihr gelten, prostt!" Auf das Glück des frischgebackenen Braut und künftigen Ehepaares," schrie Leo begeistert und trank sein GlaS in einem Zuge leer. Besten Dank, treue Seele," erwi derte HanS. Hoffen wir, daß auch Dir einst daS Glück blühe wie mir." Hoffen wir, sagst Du? Ja, hoffen wir, daß mein Glück so weiterblühen möge wie jetzt." entgegnete Leo. Daß ihr's denn wißt, auch mich haben Bande der Liebe schon längst umschlungen. Aber nicht verliebt, nicht verlobt bin ich, nein höret und staunet bereits verheirathet, und zwar mit einem Weib chen, wie es kein zweites unter der Sonne gibt." Leo, Du auch, und sogar verhei rathet?" jubeltei Hans. Hurrah ! Na, aus vollstem Herzen meinen mma sten Wunsch für euer beider Glück. Welche Uederraschung, wer 'hätte das geglaubt?" Ja wer? Ich zu allerletzt" sagte Theodor. Leo, kann . ich Dir denn wirklich glauben? Nun, des Himmels Gluck und Segen für euch beide.'' Für uns beide? für uns vier, lieber Theodor. Ja Freunde, noch malS stoßt an und laßt meine beiden JungenS leben, die uns der Storch in den drei Jahren unserer Ehe gebracht hat. Prachtbengels. ihr könnt eö glauben." Donnerwetter, zwei JungenS auch schon? . Freund, komm an mein Herz und laß Dich küssen!" rief HanS ent zückt und umarmte stürmisch den Freund. Ich kann Dir nur eins wünschen," lachte Theodor, daß Deine Herren JungenS ebensolche Weiberfeinde wer den, wie der Herr Papa einer ist, sie sollen beide leben. Ex!" Gerührt dankte der glückstrahlende Väter. Plötzlich ergriff er Theodor's Hand. ' Theodor, Mensch, mach keine Flau sen, ich sehe es. dem geheimnißvollen Schmunzeln Deines Gesichtes an. Ge stehe, auch Du hast Amors Macht ken nen gelernt. Das glaube ich auch," sagte Hans, den Freund erwartungsvoll anblickend. ES müßte za mit dem Teufel zuge hen, wenn eS anders wäre. Theodor, mcht wahr. Du bist verheirathet?" Kein Gedanke," entgegnete Theo dor. Wie, wirklich nicht?" fragte Leo zweifelnd. . Nein, durchaus nicht." Schade, schade," entgegnete Hans bedauernd. Ich bm verlobt, Leo ist verheirathet, und und Du " Mach Dir keine Sorgen," unter dracy um Theodor ra q, im v l n bereits geschieden!" i . Der Teufel auf der Eiseuvahn. A)er veruyntte najjltt carw, ein Stern der Dresdener Hofoper, hatte einst im Musentempel von Elbflorenz 4s i M den Mephisto in Gounods Faust und Margarethe esungen,. als er beim Eintritt in seine Garderobe mi Schrecken bemerkte, 'daß zum Abgang des Nachtschnellzuges nach Wien nur noch eine Viertelstunde fehlte. Diesen Zug mußte er aber benutzen, da am folgenden Tage sein Gastspiel in Wien beginnen sollte. Zum Ablegen deö Co stüms war keine Zeit mehr, er mußte sich in eine Droschke stürzen und nach dem Vöhnischen Bahnhof jagen. Eine Minute vor Abfahrt des Zuges stieg Mephisto m emen großen vülanttl ge hüllt in das Coupee. Unterwegs wurde es dem Künstler zu wqrm, er entledigte sich seines Mantels und spazierte, zum Entsetzen der Reisenden an den Coupös vorbei. Anfangs glaubte man es mi einem Verrückten zu thun zu haben dann vermuthete man, daß der teuflische Reisende zu einer Maskerade fahre, endlich aber löste der Künstler selbst das unheimliche Räthsel, indem er im Mäntelchen von starrer p& die Hahnenfeder auf dem Hut" mt no thige Erklärung gab undnun unte stürmischer Heiterkeit der Mitreisenden als rother Teufel auf dem Dampfroß nach Oesterreichs friedlichen Gefilden eilte. . Aus der Jnstructions stunde, Tapferkejt ist also dik allererste Soldatentugend: wenn , euch also z. B. 'mal eine Kanonenkugel bttj Schädel wegreißt,' so braucht ihr nicht gleich den Kops zu verlieren."
Oin fürstlicher SZüßigrettSorden. Auf Anregung des Landgrafen Mo-
ritz von Hessen stiftete Kurfürst Friedrich IV.. der Vater des unglücklichen Winterkönigs, im Verein mit einer Anzahl hoher Herren tm December 1601 zu Heidelberg einen Mäßigkeitsorden (Ordo Temverantiae"), dessenSatzungen alsbald bestimmt und, eigenhändig von den Theünehmern unterzeichnet wurden. Gleich eingangs verpflichlct ich Jeder, vom Tag der ' Gründung (14. Dec. 1601) bis zum 25. Dec. 1602 alles Vollsaufens. m waö tränk das auch sein mag, sich zu enthalten-. Während dieser Zeit soll es nur gestattet sein, auf eine Mahlzeit nicht mehr als sieben Ordensbecher m't Wein auszutrinken". Das Maß eines solchen Ordensbechers ist uns leider nicht bekannt, es dürfte im Verhältniß zu den sonst üblichen Humpen der Zeit wohl nur em geringes gewesen sem. Kein Ordensverwandter , hecht es weiter in strengem Ton, soll in 24 Stunden mehr als zwei Mahlzeiten halten, da dann bei jeder Mahlzeit sieben Ordensbecher Mit Wem zu tunken erlaubt sein sollen; außerhalb Mahlzett aber, es sei zur Supp, zwischen den Mahlzeiten oder nach der Abendmahl zeit zum Schlaftrunk soll Keinem erlaubt sein, einen einzigen Trunk, Glas oder Becher Wein mehr zuzusetzen." Wenn aber gleichwohl Jemand auß;rhalb der Hauptmahlzeiten Wein trin. ken muß oder will, so soll ihm das un verwehrt sein, mit der Bestimmung, daß das genossene Maß in die erlaubten sieben Ordensbecher mit emgerechnet. für den ganzen Tag also das festgesetzte Quantum mcht überschritten werde. Fürsorglich ist beigefügt: Damit Keiner über Durst zu klagen habe, so soll emem Jeden zu. jeder Zeit erlaubt sein, Bier, Sauerbronnenwasser, Juleb (gleich eine Art Syrup) und dergleichen schlecht Getränk mit zu trmken, doch so, daß der erste Satz nicht überschritten werde." Dagegen ist es nicht erlaubt, die Ordensbecher mit gebrannte, hispanischen, welschen oder andern starken oder gewürzten Weinen auszutrinken, darunter auch starke Meth und trunkmachendes Bier, als Hamburger Bier u. dgl. begriffen sein sollen." Bezeichnend ist der Zusatz, daß Keiner die sieben Ordensbecher auf einen oder zwei Züge auszutrinken Machk habe, sondern er soll zum wenigsten davon drei Trink thun". Jedes Ordensmitglied ist verpflichtet, m Uebertretungsfällen sich selbst sowohl als Andere dem Patron un'den Stiftern des Ordens anzuzeigen. Dni unschuldige Ordensverwandte" sitzen sodann über den Verbrecher" zu Gericht und urtheilen, ob er mit der größten, mittleren oder geringeren Strafe zu belegen fei. Die größte Strafe aber soll die sein, von dato seiner Verbrechung bis über ein Jahr in keinerlei Ritterspiel, zu Roß oder zu Fuß sich gebrauchen zu lassen". Die mittlere Strafe verbietet innerhalb der gleichen Zeit jeglichen Weingenuß. Wer der geringeren Strafe verfällt, soll' zwei seiner besten Pferde oder 300 Thaler in Monatsfrist dem Orden erlegen. Gegen das Erkenntniß giebt es weder Berufung noch Widerspruch. Dem .Ordensgericht gegenüber sind alle Mitglieder gleichgestellt. Keiner soll ausgenommen sein. Die Ordensverwandten sind gehalten, ihreGrundsätze auch nach außen hin würdig und energisch zu vertreten, einander hierin gegen Spott und Angriff zu vertheidiaen, sich geJenseitig oder Anderen mchi Bescheid zu thun und sonstwie Trmkzwang auf zuerlegen. Aufnahme in die Gesell schaft kann nur rittermäßigen Perso nen gewährt werden. Jedes Mitglied empfangt semen Ordensbecher und sein Ordenszeichen. Dieselben sind wohl zu verwahren und auf Verlangen vorzuzeigen; wer innerhalb 24 Stunden dazu nicht im Stande ist. verfällt dem Strafgericht der drei Obmänner. Pfalzgraf Friedrich IV. wird als Patron', Landgraf Moritz von Hessen als Stifter des Ordens feierlich anerkannt. AIs weitere Thellnehmer haben die Urkünde unterzeichnet: Markgraf Johann Georg, Landgraf Ludwig zu Hessen, Friedrich Heinrich von Nassau, Graf tSmich zu Lemlngen, Graf Friedrich Magnus zu Erbach, Graf Otto zu Solms, Graf Philipp zu Solms. Ludwiq zu Erbach, Wild- und Rheingraf Johann, Freilerr Wilhelm zu Winnenberg, Burggraf Abraham von Dohaa, Hermann von Wittenhorst. Ueber die Schicksale und über die Dauer dieses fürstlichen MäßigkeitsVereines sind wir leider nicht unterrichtet. Allem Anschein nach ist sein Einfluß auf das gesellschaftliche Le.n der Ze:t Nicht tiefer gehend und nachhaltig gewesen. In der Schule. Lehrer: Wer weiß, wer Beethoven und Wagner sind?" Schüler: Das sind zwei Gypsfiguren, welche auf unserem Clavier stehen."' Die höhere Tochter auf dem Lande. Sei so gut, lieber Papa, und sage der Kuhmagd, sie soll der Kuh Citronen zum Fressen geben!" Warum denn, mein Kind?" Weil ich gerne saure Milch trinken möchte!" . , O weh ! Lieben Sie mich auch wirklich, Herr Assessor? Ich bin doch 'gar nicht so schön!" O. auf
Schönheit gebe ich nichts.- Was? Unverfchämtheit, mir so etwas zu sagen! Gleich, machen Sie, daß Sie weiter kommen!" Für alleFälle. Baron v. A.: Jehört, Egon? Vetter Waldemar. den sie vor Jahren bei der Jarde je wimmelt haben und der dann drüden in New Jork als Stiefelputzer anje-, fangen, ist jetzt Millionär!" Don! nerwetter, da will ich jleich mal probi ren, ob ich auch so'n Stiebel blanl krieje!" j
Die Totletten der Zarm.
Die russische Kaiserin liebt es, einefast übertriebene Einfachheit in ihrer -Kleidung zur Schau zu tragen. Dah diese Thatsache den reifen Schönheiten an ihrem Hofe fchon manchen Verdruß bereitet hat, läßt sich wohl denken. c Damen wagen kaum ihre zweit- oder drittbesten Roben zu den intimerenGe. sellschaften anzulegen. Es gehört in-, der That ein gewisser Muth dazu, dem durchdringenden Blick standzuhalten mit dem die ernste junge Herrscherin ' zede über die Schwelle ihres SalonZ. tretende weibliche Persönlichkeit musiert. Wehe der Aermsten. die das Unglück hat, der strengen Kritikerin zu mißfallen. Sie wird den ganzen Abend keine frohe Minute haben. Die Kaiserin selbst -erscheint bei diesen kleinen Soir6en gewöhnlich in einem dunklcir Sammetkleide, das vorn nur ganz wenig en coeur ausgeschnitten ist, und an diesem Ausschnitt prangt als einziger Ausputz ein kostbares Schmuck--stück.. Kein juwelenblitzender Kamm, ziert das schlicht frisirte Haar. kein. Armband daL etwas breite Handgelenk. Nur zwei oder drei Ringe bemerkt , man an ihren gerade nicht konisch geformten Fingern, die wie die Zarirr. zu sagen pflegt niemals einen Bildhauer begeistern dürften. Diese äußere ordentliche Anspruchslosigkeit ist um so mehr zu verwundern, als der Zar eine Schwäche für schöne Toiletten besitzt und seine Gemahlin am liebsten in Gewandern von orientalischer Prachtentfaltung sehen möchte. Nikolaus II. hat es zwar längst aufgegeben, seine. Zanna zu anderen Ansichten zu bekey--ren, doch kann er sich manchmal, wenn: Alexandra in Bezug auf ihre Kleiduna,. aar zu wenig die- Kaiserin heran 4kehrt, nicht enthalten, ihr in scherzen - dem Tone zu sagen: Cousine Alix diese Robe läßt Deine Schönheit aber nicht sehr zur Geltung kommmen. Der Klang ihres Mädchennamens verfehlt nie, ein Lächeln auf das etwas', melancholische Gesicht der Kaiserin zu zaubern, und sie macht dann wenige stens ein- oder zweimal den Versuche ihrem Gatten besser zu gefallen. Ganz kürzlich bei Gelegenheit eines großen Balles im Winterpalast gelang ihr dies auch vorzüglich. Die junge Kaiserin sah. obwohl auffallend bleich, ent--zückend aus, als sie mit einem Gefolgevon hundert Ehrendamen den Niko--laussäal betrat. Dieser Raum, von des-' sen enormer Ausdehnung man einen. Begriff erhält, wenn man' hört, daß 3000 Gäste sich mit Bequemlichkeit darin bewegen, macht mit seinen weißge-. täfelten, mit hohen Spiegeln geschmückt tenWänden und der einem winterlichen.. Sternhimmel ähnlich, mit Tausenden elektrischer .Flämmchen ausgestatteten blauen Decke einen wahrhaft! blendenden Eindruck. Die Zarin trug diesmal eine so prunkvolle Toilette daß die durch die sonstige Schlichtheit, ihrer Herrin schon recht bescheiden ge--' wordenen Hofschönen vollkommen in' den Schaitten gestellt wurden. Eine cremefarbene, mit wundervollen Diamantstickereien bedeckte Sammetrobe, ließ die mädchenhaft schlanke Gestalt' der Kaiserin fast üppig erscheinen. Der: Rock öffnet sich über einem Tablier von jenen eigenthümlichen blaßgelbea Spitzen, die nur die jetzt nahezu ausgestorbenen Spitzenwirkerinren aus. den Steppen bei Archangel anzuferti--gen verstehen. Die Erzeugnisse ihrer Kunstfertigkeit lieferten diese Frauen ' von jeher ausschließlich den russischen Herrscherinnen. Einen höchst eigenartigen Kopfputz hatte Alexandra zu ihrer prächtigen Toilette gewählt. Mi! ausgebrcitetenFlügeln ruhte ein schneeweißer Vogel von der Größe einer: halbwüchsigen Taube auf ihrem hoch-' toupirten Haar. Das Gefieder deS ans Weißen Meer häufig gesehenen VogelZ erschien wie mit Brillanten übersät, seine Augen waren durch Rubinen ersetzt und sein Schnabel bildete einStuck Koralle. . Mit diesem ungewöhnlich kleidsamen Haarschmuck sah die blasse Fürstin aus wie die Heldin eines skan--dinavischen Märchens. Fräulein Doctor. Einer der ersten Fälle, daß einer Deutschen die akademische Doktorwür de auf Grund des vor der Facultät be. standenen Examen riporosum ver--liehen wurde, ereignete sich in Göttin gen. Die Candidatin war die siebzehnjährigeTochter Dorothea des namhaften Göttinger Historikers, Hofrath! Professor August Ludwig v. Schlözer. Dorothea v. Schlözer unterzog sich vori der gesammten philosophischen Facultät unter dem Vorsitz des Dekans. Prof. Michaelis einer dreicinhalbstün--digen Prüfung, die sich auf ' Horaz,. Bergbau, Baukunst und Algebra erstreckte. Die junge Dame bestand die Prüfung, und beim S0jährigen Stiftungsfeste der Göttinger Georgia Aügusta, am 25. August 1787, wurde Dorothea v. Schlözer im öffentlichenFestaktus zum Doktor der Philosophie promovirt. Der Wunsch ihrer Brüder, sie möge den Männerhut tragen bis die Haub' ihn deckt und drückt. und ein jüngerer Decanus dir statt Lorbeern Myrthen pflückt'. ging bald -in Erfüllung. Fräulein Doktor helrathete den Oberbürgerme!ster v. Rodde in Lübeck; sie starb 1825. E r k l ä r l i ch. A.: Warum sieht Sie der Herr dort immer so mit leidig an?" B.: Ich hab' seine ge schieden Frau geheirathet!" Logisch. Vater: Wannr willst Du den Kaufmann Weinberg nicht heirathen?" Tochter: Wil er mcht reich ist!" Vater: Lächerlich, bist Du denn reich?" Tochter: Also, ebeu. darum nicht!" '
