Indiana Tribüne, Volume 23, Number 151, Indianapolis, Marion County, 18 February 1900 — Page 7

Der Schuliplattter. . ', Von H. A. Revel. ' Kennt ihr den Cepp? Den Sepp Rauthaler, den schneidigsten Bauernbursch.'n der Almgegend um Tegernf? De.: Sepp mit seinem Gemsbu schen am Lvvenhütl, Wenn's regnet mit der Spielhahnfeder, wenn d' Sonn lacht? Sie kannten ihn alle dort droben auf der Alm und im Thal die Einheimischen und die Auswärtigen. Hatte der Rauthaler Seppl doch so oft Fremde hinein in die schweizerischen Berge geführt, mit lautem Juchaza- die höchsten Gipfel erklimmend. Und besonders das Weibsvolk! War doch keiner so fesch und so schneidig auf dem Tanzboden wie er. Dort ist's wo die Lieb' erwacht, dort aber auch ist's, wo der Neid gärt, woher dieRache stammt. Sobald er das Tanzlokal betrat, warf er der Musik einen Thaler zu. Dann nahm er sich die schönste Dirn und tanzte mit ihr zweimal herum. Die Käser (Almer, welche Käse zubereiten) hatten ihren eigenen Tisch. Lauter stramme, herrliche Gestalten treue Gesichter mit ehrlichen Augen. Dann tanzten sie ihren Schuhplattler, und keiner erreichte in dieser Kunst den Sepp; die rechte Hand hielt er mit gewendete: Handfläche über die Schulter, Dnd mit dem rechten Fuß nach oben ausschlagend, reichte er die Hand, jzas machte ihm keiner nach. Zwei Stunden von Reith im Winkel zu steigen war's, wo dieKäserhütte des Sepp lag, worin er und sein Hund Spezi hausten. Und wenn es dunkelte und die Almwiese sich mit dem tiefen Blauschwarz der sie umgebenden Tannen vermählte, wenn die Bergesgipfel in weiter Höh purpurn erglühten, da schlich sich Sepp durch den dämmernden Wald, von Spezi begleitet, der den Weg ganz genau kannte hinüber zur Nachbarulm, wo die blonde Resl auf ihren Bua wartete. Zwei juchzende Jodler von hüben und drüben derkündeten sein Kommen und ihr Erwarten. Eh die Sonne stieg verließ er sein Dearndl, und der leuchtende Tag fand ihn schrn wieder bei der Arbeit. Samstag ging's hinunter ins Dorf schuhplatleln; natürlich war Resl auch dabei und von Sepp im Tanzen bevorzugt. Selten sah man sie in eines anderen Arm als in dem Sepps. Naturlich regte sich in dem Herzen der Hölzer und anderen Bauernburschen ein gewisser Groll, doch keiner wagte es, mit dem riesenhaft gebauten Sepp anzufangen. Schon lange hatte der Commandant", wie dort der GendarmerieWachtmeister genannt wurde, ein böses Auge auf den Rauthaler, insbesondere da er diesem nichts Strafbares nachweisen konnte und Sepp ausnahmsweise nicht wilderte. Er nahm jede -Gelegenheit wahr, Sepp durch kleine Sticheleien zu reizen und ihm den ungebildeten Bauernburschen vorzuwerfen. Er als .Städter" glaubte sich rasch die Herzen toex Dirnen zu erobern; doch diije gingen ihm scheu aus dem Wege, verletzt durch die brutale Art und Weise seiner Anträge, welche zeigten, daß er die Bauernmädels nicht für volle Menschen ansah. Besonders auf Resl hatte er sein Aug geworfen. Doch sie würdigte ihn keines Blicks und wies alle seine Anträge auf dem Tanzboden schweigend zutück. 5 Der Commandant erkannte bald, daß zwischen Sepp und der Resl etwas innigere Beziehungen vorherrschten, und begann zu spioniren. Mehr als einmal ertappte er den Mädchenwilderer auf seinem nächtlichen Gang, und bald war es ihm Gewißheit geworden, daß Sepp der Bua der Resl war. Zu einem Tanzabend, den die Käser veranstaltet hatten, war auch derComMandant geladen worden. Es war bereits die Damenwahl, als Sepp den Tanzboden betrat. Ohne sich weiter zu besinnen, keck und übermüthig, wie er war, ging er auf sein Rest los und führte sie zum Tanz, urjne erst lange abzuwarten, bis ihn ein Mädel geholt hätte. Ein Thaler um den andern flog auf den Musikantentisch, und bald hatte Sepp fast seine ganze Baarschaft vertanzt. Während der Pause kam der ComMandant auf Sep- zu und sagte ihm höhnend: Trn hast wol nit wart'n können, bis daß d' selber von aner Dirn g'holt wirst, Du muaßt ja wiss'n warum." Dös geht di wol nix an, Commandant," gab ihm Sepp finster zurück. Wir san hier z' Haus, und Du bist nur der G'ladene. Kümmer' Di um Dei Sachen und laß mi zufrieden." Brauchst nit glei fo aufz'fahre, Sepp. J mein' hatt nur, wennst so weiter thuast, wird Dei Dirn ohne Kränzel zum Altar geh'n können." Eine Blutwelle schoß in Sepps Gesicht. Doch er hielt sich zurück. Er steckte die Finger in den Mund und ließ einen schrillen Pfiff ertönen. Die Musik verstummte, und die Burschen sammelten sich um den Sepp. Buavn, !do is einer, dem's bei uns herinnet nit behagt. Vielleicht g'fallt's ihm draußt besser. Kommt's helft's mer!" Und eh sich's der Commandant dersah, war er an die Luft gesetzt. Folge davon war, daß der Commandant den Sepp verklagte, und dieser auf drei Wochen eingesperrt wurde. In der treuen und ehrlichen Aelp lers Seele war in dieser Zeit eine VerWandlung vorgegangen. Eine furchtbare Bitterniß hatte sich seiner bemächtigt, und er selbst hatte, sich geschworen, dem Commandanten bei nächster Gelegenheit eine verirrte Kugel aus seinem Stutzen nachzujagen. Er ging auf einige Zeit hinüber nach der Schweiz und kam auch nach Schliersee, wo ihn Xaver Terosal schuhplatteln sah und ihn für die Drejer'sche Schlierfeetruppe warb.

Freudig folgte er dem Ruf des vortrefflichen Schauspielers, glücklich, ehrt Gelegenheit zu finden, der Versuchung, die ihn furchtbar bedrängte, zu entgehen. Bald war Sepp, roohm Dreher mit seinen Schlierseern kam, als erster Schuhplattler bekannt und berühmt. Er lernte die Welt kennen, sah neue Menschen, neue Sitten; doch immer mehr und mehr zog er sich schweigsam zurück, nur ab und zu mit HaNs Meier oder Sepp Ertl oder dem Nickel, den jüngeren Mitgliedern der Truppe, verkehrend. Er wohnte Chambre garnie, kochte seine Maylzeiten selbst und vermied die Öffentlichkeit. Während sich sonst eines Aelplers ganzes Sinnen und Trachten auf das Tanzen concentrirt, während er 1 die ganze Woche von Sonnenaufgang bis in die Nacht arbeitet, nur um so viel zu verdienen, am Sonntag tanzen zu können, sich zu diesem Zweck selbst oft die Nahrung versagend war ihm dies tagtägliche, gewerbsmäßige Schuhplatteln ziemlich gleichgiltig geworden. Ein neuer Ehrgeiz regte sich in ihm: Er las Zeitungen und freute sich, wenn es hieß, er sei der erste Schuhplattler. Heimlich beobachtete er die anderen, ob sie ihm gleich- oder näherkämen; und so plattelte er selbst zum Entsetzen der unter ihm wohnenden Parteien, die erst glaubten, daß das Haus einstürze daheim in seiner kleinen, engen Stube. Die Technik wuchs, die Tempi wurden rascher, die Füße flogen höher, und Sepp war mit sich selder immer mehr zufrieden. Die guten Recensionen schickte er nach Haus, und die Kunde, daß Sepp ein großer Künstler geworden wäre ja, daß er selbst vor dem Kaiser getanzt hatte, ging von Dorf zu Dorf. Jeder Brief aus seiner Heimath enthielt die innigsten Wünsche, Sepp möge doch bald wieder heimkehren und seine Kunst zeigen. Und wenn der Rauthaler Sepp allein an seinem Fenster saß und auf das Gewühl der Fußgänger, Droschken und elektrischen Wagen hinabsah, leuchtete es in seinem lieben, rreuen Auge, und im Geiste sah er sich daheim auf dem Tanzboden, umringt von den Burschen und Dirnen, die ihn bewunderten; und was ihn am meisten freute war, daß sich der Commandant grün und blau ärgerte. Er konnte ihm nichts mehr anhaben, denn Sepp war der berühmte Rauthaler geworden. und der Kaiser hatte mit ihm gesp rochen. So träumte er sich zurück in seine lieben Alpen; er athmete Waldesluft, pflückte Alpenrosen und Genziane, sah seine Almhütten wieder, sein liebes Dorf und dort das Reserl, das ihm zuwinkte. Eine heiße Sehnsucht überkam ihn oft, dorthin zu eilen, wo er jeden Stein, jeden Strauch, jeden Menschen kannte und wenn er aus seinrn Träumen erwachte, legte er seinen Kopf in die Hand und weinte, wie's eben nur ein Naturmensch kann. Abends auf der Bühne, vor vollbesetzte'm Hause vergaß er oft, daß das ein Berliner Publikum war; er stellte sich vor. das wären die Seinigen da drunt'", und er plattelte wie außer Rand und Band vor Freud'. Wenn sie applaudirten und Bravo!" riefen, dann dachte er sich: Wie werden's erscht dahoam schrein, wenn's mi jetzt platteln sehn" Der Junge war selig in dem Gedanken, wie sie ihm daheim danken werden was für ein Ansehen er daheim genießen werde! Da traf ihn die Kunde, daß die Resl sich verheirathet und den Spezi, seinen Hund zu sich genommen habe. Um seine frühere Dirn reinzuwaschen, schrieb er ihr einen Brief, worin er ihr nachträglich die Erlaubniß zur Hochzeit mit dem Miesbacher Franzl gab, weil er doch ein Freund von ihm sei". Und ohne Haß und ohne Groll gedachte er seiner Liebsten. Sie hatte ihn ja vor der Abreise gefragt: Sepp! Werden wir uns heirathen?" Und er hatte damals gesagt: Nein, Resl! Schau! Du hast nix und i hob' a nix, und aus nix wird nix. Du wirst no an Mann krieg'n, der was hat und wenn er sunst brav is, wirst glückli. Und wenn i nix hab und's Madl a net dann bleib' i ledig". Jetzt allerdings hatte er schon so viel, um sich ein kleines AnWesen in der Heimath zu kaufen, denn er war sehr sparsam und verdiente ganz schön. Der Sommer kam. und die Schlierseer kehrten in die Heimath zurück. Terosal und Sepp wurden besonders gefeiert und jubelnd begrüßt. Da waren sie wieder, die tiesdunklen Berge, die schwarzblauen Seeen da war Freiheit. Luft und Licht. Und. dem Sepp war's, als hätte er die ganze Zeit über nicht gelebt, seit er seine Berge verlassen und einen Juchezer über den andern stieß er jubelnd in die Thäler h'.nein. In der ersten Woche mußte er allen' immer und immer wieder erzählen, was er gesehen und was der Kaiser mit ihm gesprochen hatte. Endlich kehrte er zurück auf seine Alm und fing wieder an zu käsen. Am Sonnabend mußte er wieder herunter nach Schliersee. weil Sonnabend und Sonntag im Bauerntheater gespielt wurde. Darauf sollte Tanz sein und Sepp zum ersten Male zeigen, was für ein herrlicher Schuhplattler er geworden sei. Sepp bebte die ganze Woche vor Aufrequng, und das Käsen ging ihm nicht recht von der Hand. Im Geiste sah er sich schon als Schuhplattlerkönig von den Burschen getragen Juchu! Und die Berge erwiderten seinen jubelnden Ruf, als wollten sie ihm Glück wünschen. Mit einem solchen Herzen voller eligkeit stieg er in die Niederung. Der große Tag war gekommen. Seit vielen Jahren hatte der Tanzboden nicht so viele Menschen getragen. Erst tanzten die andern. Endlich trat

Sepp vor, warf drei Thaler auf den Tisch und plattelte los. Kopf an Kopf standen sie um ihn .herum und sahen zu; 's Reserl war auch darunter, auch der Commandant. Sepp plattelte so schön wie nie. Doch. kein Jubelruf erschallte, keine Hände schnalzten oder patschten im Takt tiefe Ruhe um ihn; nur das Stampfen seiner Almschuhe. Die Burschen sahen sich an, die Dirnen sahen sich an. Ja, ja .Das war der Schuhplattler, aber er war's doch nicht. Da war was Städtsch" drunter daß war hohe Kunst, nicht der echte Naturtanz. Scheu und verdutzt sahen sie auf den Sepp, der ihnen plötzlich ein Fremder geworden war. Und die Bauern waren ihm fremd geworden. Jäh überkam ihn das Ge fühl, und ihn, den es sonst auf den steilsten Höhen nie geschwindelt hatte, schwindelte es nun zum .ersten Mal. Eine dunkle Nöthe der Scham zog über sein treuherziges Gesicht, und er, der vor dem kritischsten Kunstpublikum nicht gezittert, zitterte heute vor seinen Heimathsdörflern. Noch einmal drei Thaler warf er den Musikanten zu; noch einmal plattelte er los. In manchen Gesichtern zuckte es wie verhaltenes Lachen, und nur der Umstand, daß der Kaiser mit ihm gesprachen hatte, hielt das Lachen zurück. Da ertönte plötzlich des Commandanten Stimme: Dös is ja der reine Hanswurschtel word'n." Damit war das Eis gebrochen; ein schallendes Gelächter war die Antwort auf diese Bemerkung, und von allen Seiten riefen sie: Hanswurschtel!" Hanswurschtel hat er g'sagt!" Hilflos sah Sepp um sich heru.m. Am liebsten hätte er den Commandanten niedergeschlagen; aber er sah, daß er keine Unterstützung gefunden hätte. Verhöhnt war er, verspottet er hatte da draußen, beim Erlernen der großen Kunst, seine Urwüchsigkeit, seine Natur verloren er war nur noch ein Fremder. Und immer noch lachten sie, schlugen sie sich auf die Schenkel und fchrieen: Hanswurschtel hat e? g'sagt." Auch die Resl lachte und der Miesbacher Franzl. Das war zu viel. Er stürmte hinaus. sinnlos weg, nur weg, hinaus in die schweigenden Wäldtt, die sich rauschmd über ihn schlössen. Die Resl hatte gelacht sie! Man forschte nach ihm allenthalben doch Sepp Rauthaler blieb verschollen. ,

Er muß. Kathrine, guck, wie 's stermt un schneit Ich trau' mich gar nit 'naus! 's is Sunndag zwar, un' an dem Dag Do bleibt keen Mensch zu Haus. Doch guck ich 'rum, kummt mer die. Stub' Heit so gemüthlich vor, 's Feier brennt, de' Kaffee, kocht Schau' nor des glüh'nde Rohr! Un' 's Kind sieht aach so schön heit' aus, Wie 's in sei'm Bett d'rin licht. Ich ging' nit fort, ich blieb' deheem Alleen mich ruft die Pflicht. De' Hannes Hot n' neie Wein, Der werd vun uns browirt, Un' ich hab' viel Erfahrung d'rin, Als hett' ich lang ftudirt. Bin ich um' Acht noch nit deheem, Schließ's Dhor un' ruf em Knecht, Guckt nach de' Gail un' Küh', un' denk', Der Wein is,- scheint's, nit schlecht. Un' bin um Neun ich noch nit do, Dann geh' in's Bett nor nein, Le' dich uf's Ohr un' denk, es muß A' guter Droppe sein. Un' bleiw ich aach um Zehn noch aus. Dann mach' die Aage zu, Denn dann loßt mer. du weescht, de' Wein Aach noch um Elf keen Ruh'. Hol' msr de' Mantel außem Schrank, Die Belzkapp' un' de' Stock, Un' weil ich geern was uf mich halt', De' waarme Sunndagsrock. Adchee,'ich geh' jetzt, noch fer dich Un"s Kind n' Abschiedskuß. Ich blieb jo geern bei Aich deheem Alleen, du weescht, ich muß! . Löwenfang. Heuer kolossalen Erfolg mit Löwenfang gehabt!" erzählt der Reisende Ehrlich. ..Hatte von (.agenbeck Auftrag, für 25 Stück, das Kilo zu 25 Mak. Fand nun feudale Idee. Ganz emminet. Bekanntlich stürzt sich Löwe, wenn eingekreist, immer auf den Nach sten und frißt ihn. Auf diese Gepflogenheit habe ich meine Spekulation gebaut. Ließ meine Leute sich genau in tadellosem Kreis um. schlafenden Löwen stellen und diesen dann auwecken. Löwe, noch schlaftrunken, fährt! empor, sucht Nächsten, um diesen zupressen, findet ihn aber natürlich nicht, weil Alle gleich weit entfernt, drcht sich deßhalb forschend im Kreise '-7 noch einmal noch einmal immer schneller, bis er duselig wird und 'ohnmächtig hinfällt. Dann selbstverständlich gefahrlos Tatzen zusammengebunden und eingesackt. . .Gletschitös, was?" , Die strenge Mama. Fritz chen: Papa hat gesagt, wir haben Sonntag eine totale Mondfinsterniß!" Mutter: Ja aber nur, wenn 3& recht brav seid. Kinder!" .

Das lektc Zplel. von E. v. Angern'Sternberg. Bleich und verstört betrat er eme Wohnung, warf mit einer nervösen Bewegung feine Handschuhe auf den Tisch und eilte in das Zimmer seiner Frau. Hans, was ist Dir geschehen!" rief diese ihm erschreckt entgegen. Er antwortete nicht, blieb am offenen Fenster stehen nnd schaute wie geisteSabwesend in das Gewühl der Straße, dann wandte er sich plötzlich mit einer

brüsken Drehung zu lhr. Marie", stieß er hervor, ich komme, mir Deinen Brillantenschmuck holen", und als sie ihn abwehrend mit erstaun ten Augen ansah, fuhr er mit eigensin Niger Energie fort; Du mußt ihn mir geben, es ist ja alles zu Ende ". Spricht vernünftig", sagte sie ernst, .was ist vorgefallen'" Q nichts, Marie nurschieße ich mir, wenn ich bis morgen Mittag nicht 10,000 Mark aufgebracht habe, eine Kugel durch den Kopf, das ist alles weiter nichts, oder ich komme in's Ge fängniß, werde aus dem Regiment gestoßen und unser ehrlicher Name und der unsers Kleinen geht an den Pranger Willst du noch mehr wissen?" Jetzt war auch sie bleich geworden und langsam auf ihn zutretend, legte sie ihm beide Arme auf die Schultern und blickte ihm fest in die Augen. Wa rum bist Du nicht früher zu mir gekom men?" Ein tiefer Vorwurf zitterte in ihrer Stimme., Ich ahnte e3 lange. daß es mit Dir nicht richtig stand. Tu hast gespielt?" Ja' hauchte er. Die Erinnerung an Weib und Kind, die Du in's Elend stürzt, konnten Dich nicht abhalten! Aber zu Vorwürfen ist es zu spät und Du sollst einen tapse ren Kameraden in mir finden. Wer hat Deinen Wechsel?" Er blickte zu ihr auf, dann nannte er den Namen eines bekannten Wucherers. Also auch das und Du kannst das Geld zur Deckungnicht beschaffen?" Unmöglich," antwortete er, wieder regungslos vor sich hinstarrend. Ich bin in der letzten Woche wie ein Verzweifelter durch die Stadt gelaufen, habe an alle Thüren geklopft, vergebens, mein Kredit ist erschöpft, alle Welt hat sich gegen mich verschworen. Hier 50 Mark, ein guter Kamerad hat sie mir heute geliehen." Sie strich ihm über die Stirn, als wolle sie ihm die tiefen Furchen glätten. Dann dachte sie nach: 2j)enn ich Dir auch meine Brillanten gebe" und die Thränen traten ihr in die Augen, dieser Schmuck war ein theures Andenken an ihre Mutter so wirst Du doch kaum mehr als 2000 Mark dafür bekommen. Aber kann denn dieser Mann nicht auf ein Arrangement eingehen vielleicht wenn wir alles verkaufen " Nein, nein!" schrie er in seiner Verzweiflung. Der Mann hat kein Herz, er will nicht. Er weiß ja, daß ich ihn bezahlen muß und daß er für die 0000 Mark, die er mir geliehen, 10,000 Mark erhalten wird 0, er weiß alles!" Und wenn Du ihn anzeigst, daß er Deine Nothlage mißbraucht hat, vielleicht könntest Du durch diese Drohung Zeit gewinnen, meine Schwester würde mir ihre Mitgift opfern und wir wür den es ihr allmählich bei der größten Sparsamkeit zurückerstatten ja ge miß. so muß es gehen," rief sie beinahe freudig, fasse nur Muth und schwöre mir, nie, niemals wieder eine Karte anzufassen." Ich kann es nicht länger ertragen, Marie," flüsterte et, jäh aufspringend, die Unterschrift auf dem Wechsel ist falsch, ich bin zum Schurken gewor den. Da weiß er und deshalb ist alles vergebens, meine letzte Hoffnung ist noch, daß er beim Anblick der 2000 Mark Vernunft annehmen wird. Sonst ich bin so furchtbar tief gesunken, 0 wie hart trifft mich die Strafe für ei nen einzigen leichtsinnigen Augenblick." Sie stand wie- gelähmt; vor ihren Augen wurde eZ dunkel, dann begann sich das Zimmer in schnellem Kreislauf um sie . herum zu drehen. Aber mit übermenschlicher Gewalt schwankte sie in's Nebenzimmer und kehrte bald darauf mit einem sammtenen Etui in der Hand zurück. Nimm!" sagte sie, das ist alles, was ich habe. Gott beschütze Dich, Hans, und rergebe Dir, wie lch D.r tergebe, während Dn drau ßcn bist, werden Fritz und ich für Dich beten geh!" und als er mit dem Etui in der Hand zur Thür wankte, ertönte im Flur eine fröhliche Kinderstimme: Papa. Papa, ich habe in der Schule ein Lob bekommen." Er beugte sich zu dem Knaben hinab, drückte ihn ,an'S Herz nnd stürzte in's Freie hinaus. MU den 2000 Mark, die er nach die ler Mühe für den Brillantschmuck erhalt ten hatte, hatte er klopfenden HerzenS an die Uhür des Wucherers gepocht, das Gold schien ihm neuen Muth gegeben zu haben, und fast seiner Sache sicher, warf er sie dem Manne auf den Tisch mit der Bitte, dieses Geld als Abzah lung zu betrachten und einen Wechsel für die Restsumme zu acceptiren. Es war umsonst, der Wucherer . wollte sich auf keinen neuen Wechsel einlassen. Wie im Wahnsinn war HanS in'S Freie getreten. ES gab also keine, gar keine Rettung mehr für ihn! Und als er nun ziellos durch die Straßen irrte, durchlebte er in der Erinnerung noch mal die lebten furchtbaren Tage. Zu erst der leichtsinnige Verkehr mit einigen Bekannten, dann Ausgaben, die sein bescheidenes Budget überschritten, 'chließlis ein kleines Spiel im Elub, in dem er bald einiae tausend Mark cuf Ehrenwort verloren hatte, sein verzweiseltes Suchen nach Geld und dann.' alles das andere, das ihn in wenigen' Tagen aus einem glücklichen Menschen,aus einem zärtlichen Gatten in einen Ehrlosen verwandelte und zum Selbst, mord treiben mußte. Nachdenklich war er vor einem Was1 fenladen stehen geblieben und betrachte

te die ausgestellten Revolver, trat dann , mit schnellem Entschlüsse in den Laden, kaufte sich eine Pistole und steckte sie in die Tasche. Warum sollte er die Sei nen dem Schmerze des Wiedersehens aussetzen? Es war ja' doch alles umsonst, eö galt jetzt nur' einen ruhigen Ort zu finden, in dem er sich zum Ster ben vorbereiten konnte. Plötzlich sah er die erleuchteten Fenster des Clubs vor sich. Ein wahnsin nige? Gedanke beschlich ihn. Vielleicht und ohne sich weiter zu besinnen eilte er die Stufen hinauf. Tort saßen bereits mehrere Herren um den grünen Tisch und das Spiel ging hoch. Wie hoch ist die Bank? fragte er gleichgültig. ,',Jeden Satz den Sie belieben," ant wortete einer der Herren. Gut, 2000 Mark auf's Aß," und todtendleich, wenn auch ohne das geringste Zittern in seinen Muskeln, häufte er die Banknoten auf dem Tisch. Er gewann und ließ den doppelten Satz stehen. Der kalte Schweiß perlte ihm über die Stirne. Er gewann wieder und als er noch mals den vollen Satz auf dem Tische lieaen ließ, da war seine Aufregung so ungeheuer, daß er seiner nicht mehr mächtig war. Beim fünften Spiel lagen runde 32,000 Mark vor ihm auf dem Tische. Hören Sie-auf, Kamerad! Ver suchen Sie nicht den Teufel!" flüsterte ihm ein Kamerad zu. Da endlich kam er zur Besinnung und raffte das Geld mit nervöser Hast zusammen. Morgen, Revanche, nicht wahr?" Aber er hörte bereits nichts mehr und eilte auf die Straße hinaus. Gerettet, durch ein Wunder, aber das schwor er sich, nie wieder eine Karte zu berühren. Gott war ihm diesmal gnädig gewesen. Nun wollte er ein neues Leden beginnen. . Zu Hause erwartete ihn seine Frau in wahnsinniger Angst. Hans! rief sie- ihm jubelnd ent gegen. Gott sei Tank, daß Tu wie der da bist" und ehe er zu Worte kom men konnte, hielt sie ihm eine Menge von Banknoten entgegen. Hier sind 8000 Mark, die mir die Schwester von ihrer Mitgift gegeben hat mit den 2000 Mark, die Du für die Brillanten erhalten haben wirst " Er warf sich ihr zu Füßen und küßte ihre Hände. Marie, ich bin Deiner nicht würdig. Du bist zu gut und zu edel; auch ich habe Geld, und weit mehr als ich mor gen bedarf, aber wenn Tu wüßtest wie ich es erworben ein nervöses Zittern überflog seinen Körper als er der gela denen Pistole in seiner Tasche und sei nes sinnlosen Spieles im Club gedachte, wenn e: die 2000 Mark verloren hätte und knieend gestand er ihr alles. Wenige Tage darauf hatte Hans nun seinen Abschied eingereicht; Maria hat te darauf bestanden und auch er war es aus ganzem Herzen zufrieden. In Mexiko hatte ein Verwandter große Plantagen angelegt und nach anstrengender Arbeit ausgezeichnete Resultate erzielt, er wollte den Vetter gerne bei seinen Unternehmungen betheiligen dort winkte neue Arbeit, ein neues Leben und mit freudigem Muthe bestie gen sie den Dampfer. Das letzte Spiel hatte Glück gebracht, und das so häßlich erworbene Geld sollte in schwerer Arbeit gereinigt werden und nützliche Früchte tragen.

Auf dem Sindcrvall. Ton Martha Feldern. , Tiefe Stille herrscht in dem elegant ten, im neuenglischen Stil eingerichteten Salon tiefe, erwartungsvolle, ehrfürchtige Stille. Wenn die rothseidenen Schirme auf den Lampen nicht ein magisch rothes Licht verbreiteten, würde man sehen können, daß die Gesichter ringsumher erbleichten. Denn in den nächsten zehn Minuten soll sich's entscheiden, wer von den kleinen Damen sitzen bleiben wird. Dort hinter 'den anderen Cavalieren, die sich mit blasirten Mienen in 'der Thür drängen, steht ein etwa 12 - jähriger Knabe'mit trotzig zusammengepreßten Lippen, auf den ein paar junge Frauen eifrig einsprechen. Ein hübscher Junge im Grunde, aberdennoch präsentirt er sich in seinem einfachen grauen Jaquetanzug nicht sonderlich vortheilhaft' gegenüber den anderen, die allesammt Matrosenkittel aus weißem Loden oder dunkelfarbigem Sammet tragen. Aber Reinhold " sagt die eine der Damen jetzt eben scherzend zu ihm, wer wird denn so sein! Solch' hüb-, sche junge Damen, ünd Sie wollen nicht mit ihnen tanzen? So holen Sie sich doch eine." Ich kann nicht tanzen!" stößt der Junge heftig heraus. Aber Polonaise kann doch amEnde jeder tanzen. Man geht ja nur." So will ich eben nicht." Das ist aber 'recht unritterlich". meint die Dame noch immer scherzend, trotzdem ihre Stimme sich unerkennbar verschärft hat. Denn wenn Sie bei Jkrem Willen beharren, bleibt die eine von den Dämchen übrig." Eine Weile reden die Nrauen dem Jungen noch zu, dann ziehen sie sich achselzuckend zurück. Indessen schlägt bic bezahlte Svielerin an dem Flügel die ersten Töne einer Polonaise an. Die kleinen Herren zupfen ihreHandschuhe zurecht und richten sich stramm auf, dann schreiten sie würdevoll durch den Salon zu den kleinen Mädchen, machen mit tadellofem Anstand rhre Verbeugung, worauf diese sich erheben, graziös knixen und ihre Arme in die dargebotenen der Tänzer legen. . Die Paare haben sich geordnet, das Haustöchterlein in einem ausgeschnittenen Blousenkleidchen aus weißen Spitzen,, Rosenknospen im Gürtel, ein winziges Rosenkränzchen . Ichief jlxl

die gebrannten Locken gesetzt, eröffnet an der Hand eines langaufgeschossenen, stutzerhaft aussehenden Jungen den Zug. Durch die Reihen deo V!ütter geht ein erleichtertes Aufathmen Gottlob, die Kleine, die Mauerblümchen spielt, gehört keiner von ihnen, es ist ws Kind einer weitläufigen Verwandten des Haufes, das man, wie die

Gastgeberin erzählt, aus Mitleid ein-. geladen hat. Ach so", meint eine der Damen, das ist die ", und nun folgen ein paar mit halber Stimme . geflüsterte Worte. - Die Hausherrin nickt. Ganz recht, der Vater schoß sich todt, als die ReVision so unerwartet kam, und die Mutter ernährt sich seitdem kümmerlich durch Clavierunterricht. Ich war eigentlich nicht dafür, das Kind einzuladen, aber mein Mann bestand darauf. Er meinte, das arme Kind müßte auch einmal ein Vergnügen haben. Sie wissen ja, wie er ist." Die Damen geben durch leichtes Neigen des Hauptes zu erkennen, daß sie es wissen, worauf alle zusammen das arme Ding" mustern, das in seinem hellblauen, hochgehenden Empirekleidchen mit dem breiten, gehäkelten Spitzenkragen und den in der Mitte gescheitelten welligen Blondhaaren wie ein van Dycksches Kinderbildniß ausschaut. Es ist ein süßes Geschöpfchen, im ganzen Saale kommt ihm kcins an Liebreiz gleich, und wie es eben so verschüchtert und ängstlich blickt, sieht es .noch rührender aus als sonst. Doch noch jemand außer den Müttem betrachtet das Kind. Es ist der Junge, der nicht tanzen ivollte. Als er es sich jetzt klar gemacht, daß die Kleine um seinetwillen auf das Vergnügen verzichten muß, ergreift ihn heißes, reuevolles Bedauern, und sich zu einem mannhaften Entschluß ai raffen, geht er rasch durch den Saal zu ihr hin und faßt sie, ohne viel Umstände zu machen, bei der Hand. Komm", sagt er kurz. Das Kind schaut ihn aus seinen großen Märchen.augen verwundert an. aber dennoch folgt es ihm gehorsamst insRebenzimmer, wo er es herrisch anweist, sich neben ihn aufs Sopha zu setzen. Du bist wohl sehr böse auf mich, weil ich nicht mit Dir tanzen wollte?" fragte er in der vorigen barschen Weise. Sie schüttelt den Kopf. Ich bin froh, daß Sie mich aus dem Saal fortgebracht haben. Die anderenMädchen wollen ja doch nichts von mir wissen mein Kleid ist ihnen wohl nicht fein genug. Aber meine Mama hat kein Geld, um mir ein theueres, zu kaufen." Mir gefällt Dem Kleid viel besser. als das der Anderen," entgegnet er wohlwollend. Aber die Mädchen sind alle Gänse und die Jungen Affen; deshalb wollte ich auch bloß nicht tan zen weil ich keinen Sammetkittel anhabe, wie sie." Sind Ihre Eltern auch arm? forscht die Kleine. Doch kaum sind ihr die Worte über die Lippen, als sie daruber erschrickt und aus Verlegenheit dunkelroth wird. Doch der Junge, dem Euröpens übertünchte Höflichkeit noch ziemlich fremd ist, findet die Frage, durchaus nicht indiscret. Ach nee", sagt er, das nun gerade nicht, mein Vater meint nur, Sammetkittel und so was, das sind Narrenspossen. Aber weißt Du, Du mußt nicht immer Sie zu mir sagen, das sind auch Narrenspossen. Ich heiße Reinhold und Du wie heißt Du?" Gerda." . Und nun, da das Eis gebrochen ist, werden die Kinder' ganz vertraut mit einander. Gerda erzählt ihrem neuen Freund, daß sie einen Canarienvogel besitzt, der immer singt, wenn die Mama Clavier übt, daß sie zu einer Märchenvorstellung ins Theater gehen soll, und was dergleichen interessante Dinge noch mehr sind, und er schüttet ihr sein Herz betreffs seiner wenig freundschaftlichen Beziehungen zu dem Jungen, der mit dem Haustöchterchen Polonaise tanzt, aus. Sie besuchen dasselbe Gymnasium und sitzen sogar auf einer Bank, aber der Bergmann" das ist sein Feind macht sich immer über ihn lustig, weil er noch keine Taschenuhr hat. Er soll sich nur in Acht nehmen", schließt Reinhold mit blitzenden Augen, einmal hab' ich ihn schon untergekriegt, und ich hätt' ihn gründlich verhauen, wenn er nicht so schwächlich wäre. Mein Vater sagt immer, der Starke muß großmüthig ge. gen den Schwachen sein." Unterdessen nimmt der Ball seinen Fortgang.. Auf die Polonaise folgt ein Walzer, auf den Walzer ein Polka ; doch die beiden Kinder sitzen noch immer zusammen und plaudern. Erst.als es zumAbendbrot geht, mischen sie sich unter die übrige kleine Gesellschaft. Beim Braten sind sie, ebenso wie die anderen Kinder, noch, etwas zurückhaltend gegen einander, bei der süßen Speise aber, zu der man viel süße Ehampagnerbowle trinkt natürlich heißt der Champagner in Wahrheit Selterswasser thauen die Herzen allgemach auf, und Gerda vertraut mit niedergeschlagenen Augen ihrem Freunde an, daß sie fast zu allen Tänzen engagirt ist. Du mußt nicht böse sein", fügt sie entschuldigend hinzu, daß ich nicht bei Dir bleiben kann, aber die anderen Knaben baten so. Doch für den Eotillon habe ich gedankt. Da plaudere ich wieder mit Dir." Na, weißt Du ", meinte er nun seinerseits etwas verlegen, dann tanzen wir ihn doch lieber zusammen. Denn daß ich Dir's offen saqe ich , bin auch engagirt, , die dummen Mädels ließen mir keine Ruhe. Aber den Cotillon hab' ich Dir aufgehoben, und

auch bei allen änderen Tänzen tanzen: wir viele, viele Extratouren mit einFander." Kinder! Kinder! Warum läßt man sie's nicht ganz sein? ... . Zur Gesundheit!" Wenn ein Reiz z. V. durch Schnupf tabak, Pfeffer, durch Hineinsehen irr das grelle Sonnenlicht, durch katarrhalische Congestionen u. s. w. auf die Nasenschleimhaut ausgeübt wird, so entsteht zunächst eine tiefe Einathmunc; und dann eine heftige, kurze, oft krampfhft , beschleunigte Ausathmunz bei halb gehobenem Gaumensegel, so daß der starke' Luftstrom durch den ' Mund und die Nase zugleich hervor strömt. - Hierbei entsteht ein mehr oder wemger lautes Geräusch, das seine Art je nach dem Grade der Betheiligung de Mundes und der Nase etwas ändert. Oft kommt das Niescn zur tieferr. Einathmung, nicht aber zur Explosion des Ausathmens; dann bleibt immeri ein unbefriedigtes Gefühl zurück. . Pas Niesen kann auch bis zu einem, gewissen Grade durch energischen Wil--len unterdrückt werden. Gewöhnlich begleitet daä Niesen das erste und letzte Stadium des Nasenkatarrhs (Schnupfen); bei Kindern ist. es gewöhnlich ein Zeichen von schweren!. Zahnen oder von Würmern im Darm. Denn das Niesen kann auch durch' Reizungen entstehen, die nicht von der Nasenschleimhaut, sondern vom Rückenmark oder dcn Bauchganglien ausgehen, wie bei Unterleibsleiden; dann, tritt eben das Niesen als Krankheits--symptom auf. Die Gewohnheit, dem Niesenderr Glück zu wünschen, ist so alt, daß schon Aristoteles (geb. 384 v. Chr.) deren. Ursprung nicht mehr angeben konnte. Nach griechischer Mythe war daZ' erste Lebenszeichen, welches der von Prometheus gebildete künstliche Mensch von sich gab, ein kräftiges Niesen, das in dem Momente erfolgte, als ihm sein Bildner ein Fläschchen mit geraubtem. Sonnenlichte vor die Nase hielt. Die Griechen schätzten das Niesen so hoch, daß sie die Niesenden mit gebogenen Knien grüßten. Auch die Römer grüßten einander beim Niesen. Plinius erwähnt, daß. nach rechts hin zu niesen für glückbrin gend nach links hin für unglückverkündend galt. Es herrschte der Glau-' be. das Niesen enthalte Fingerzeigekünftiger Dinge und man müsse die Sache durch Glückwünsche zum Guten, lenken. Tiberius vergaß niemals. Niesenden'. Glück zu wünschen, verlangte aber auch ? für sich ein Gleiches; ja, er erließ eineVerordnung, daß Jedermann ihm,, wenn er ausfahre und niese, die übliche.Glückwunschformel zurufe, damit er gegen alles Ungemach, das ihm auf dem Wege begegnen könne, geschützt, sein möchte. Wenn der König von Monomopatar niest, rufen Me, die zugegen sind, ihm den Glückwunsch so laut zu, daß es in Vorzimmer gehört wird. Dort wird

eingestimmt und ebenso m allen anstoßenden Zimmern. Die Diener in den Vorhallen geb'N den Zuruf weiter auf die Straße, unD so verbreitet er sich durch die ganz: Stadt. Wenn im Staate Siam Jemandniest, so sagen die Umstehenden: Möge der oberste Richter in seinem Buche nur Gutes von Dir lesen!" Die Sismesen glauben nämlich, daß. der oberste Richter des Himmels be ständig im Lebensbuche der Menschen blättere, und daß Derjenige, dessen Leben das aufgeschlagene Blatt enthält niesen müsse. Wenn ein Hindu niest, sagen die Da--nebenstehenden: Lebe!" Und der Niesende erwidert: Mit Euch!" Wenn ein Zulu niest, sagt er: Nrnr. bin ich gesegnet; der Iohlozi (Geist ei nes Ahnen) ist in mir, er ist zu mir gekommen. . Laßt mich eilen und ihn lo ben, denn er veranlaßt mich, zu nie--sen!" So lobt er die Manen der Familie und bittet um Vieh und Weiber und Segnungen. Niesen ist ein Zeichen, daß ein'Kranker wieder genesen wird wenn er geniest hat, stattet er seinen Dank ab, indem er sagt: Ihr Männer von den Unserigen, ich hab das Glück, erlangt, dessen ich bedürfte; fahret fort mit Gunst auf mich zu blicken!" Wenn Jemand krank ist und nicht niest, so fragen die Besuchenden, ob er geniest hat oder nicht; wenn er nicht geniest hat, murren sie und sagen: Die Krankheit ist groß!" . Wenn ein Kind niest, sagt man zir ihm: Wachse!" denn es ist ein Zeichen, von Gesundheit. So hat das Niesen verschiedene und mannigfache Bedeutung in den La.rdern des Erdballes; in Ober-Oster-reich z. B. meint man, jedes neugebo--rcne Kind müsse niesen, und wenn dieEltern nicht sogleich Helf Gott!" rufen, so kommt der Teufel und tausch! das Kind gegen einn W:chse!balg aus. Ueberiroffen. Erster Re:- ' sender: In Borsdorf hat ein Gärtner neulich den Versuch gemacht, abzeschüttclte Äepfel zu ziehen, und es ist ihm gelungen!" Zweite: Reisender: Recht anerkeniieusnerth, aber auf unstr.'N Besitzungen in Messt na wachsen Orngen in Scidcnpapiir einzeielt mit unserem Stempel d'rauf." Unter s i ch. Greifmann: Sapperment, das ärgert mid?." Schnapper: Was denn?" Greifmann: Ich hab' vorhin in einem Restaurant deinen feinen Regenschirm mit Silber arlff steh'n lassen. Schnapper: Wa-

rum gehst Du denn nicht zurück und ' holst ihn?" Greifmann: Zu spat! ' Der Herr, dem er gehört, wird mzk schen schon fort fein und ihn raitgerwQM . men haben." . - '