Indiana Tribüne, Volume 23, Number 151, Indianapolis, Marion County, 18 February 1900 — Page 3
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Kriminalroman von Friedrich Thicrue. Erster Theil. Es war an einem Maitage des Iahres 1837, als ich nach mehrjähriger Trennung meinen Freund Hartwig in seinem Hause in der Leipzigerstraße besuchte. Der Zufall hatt: uns auseinander gebracht, und der Zufall führte uns wieder zusammen. Solange ich in der Neichshauptstadt meinen Functionen als Redacteur einer angesehenen juristischen Zeitschrift oblag, war ich fast täglicher Gast in dem Hause des reichen Banquiers und Commissionsrathes. Er besaß ein Heim, eine liebenswürdige Gattin und zwei gutgerathcne Kinder; ich war ein alter Junggeselle, dem das Alles abging und der sich doch in dem traulichen Kreise der trefflichen Familie so unendlich wohl fühlte. Der Tod seiner edlen Gemahlin riß die erste Lücke in unseren Zirkel. Kaum drei Monate später zwanaen auch mich die Verhältnisse, die stärker sind als unser Wille, zum Abschied. ' Meine Zeitschrist ging ein, eine ähnliche, meinen Kenntnissen und Forderungen angemessene Stellung bot sich mir nicht, so daß ich mich genöthigt sah, Berlin den Rücken zu kehren, um meine redactionelle Thätigkeit anfangs in München, später in Stuttgart fortzusetzen. Inzwischen standen wir wohl in lebhaftem Briefwechsel; auch dieser erlitt jedoch eine länger dauernde Unterbrechung. als, der Commissionsrath in Ausführung eines lange gehegten Lieblingswunsches eine mehrmonatliche Reise nach Rußland unternahm. Die Beweggründe, welche ihn zu dem Ausfluge in das Land jenseits der Weichsel veranlaßten, wurzelten in der Anhänglichkeit an einen in Odessa seßhaften Stiefbruder, dessen Anblick ihm das Schicksal seit länger als zehn Jahren versagt hatte. Die Nachricht von einer schweren Erkrankung dieses geliebten Verwandten veranlaßte ihn endlich zum sofortigen Antritt der immer wieder aufgeschobenen Reise. Als er am Orte seiner Bestimmung eintraf, fand er seinen Bruder als Leiche und die Hinterbliebenen in tiefer Trauer. Tiefergriffen wohnte er dem Begräbniß bei und half der Familie nach Kräften bei, der Ordnung der Hinterlassenschaft, dann verließ er Odessa, um, die seltene Gelegenheit benutzend, Land und Leute im großen Reußenreiche ein wenig kennen zu lernen. Alles dies erfuhr ich aus den wenigen Karten und Billets, welche ich während seiner Reise von ihm erhielt. Nach etwa zwei Monaten wurden die Berichte immer spärlicher, endlich blieb ich während mehrerer Wochen ganz ohne Nachricht. Schon fürchtete ich, daß meinem Freunde in der Ferne etwas zugestoßen sei, als mich ein Telegramm aus Berlin über sein Schicksal beruhigte oder auch nicht beruhigte, wie man es nehmen will. Denn man stelle sich mein Erstaunen vor, als ich außer der Mittheilung seiner glücklichen Rückkehr gleichzeitig auch diejenige seiner Verlobung erhielt. Ich las die Depesche dreimal, aber es war keine Täuschung! Da stand es in großen, deutlichen Buchstaben: Gestern glücklich wiedergekehrt, habe mich heute mit Fräulein Michaela Rawinska, meiner Retterin, verlobt. Aeußerst romantische Geschichte! Näheres später. Dein Arthur." Die Hochzeit fand wenige Wochen später statt, und als ich an dem erwähnten Maitage das Zimmer meines Freundes betrat, war er bereits feit drei Monaten glücklicher Ehemann. Die äußerst romantische Geschichte aber ' war er mir noch immer schuldig, denn ein Neuvermählter schreibt nicht gern' lange Briefe. Ich mußte mich also mit einigen vagen Andeutungen begnügen, die mich auf die Kenntniß des ausführlichen Sachverhalts nur um so begieriger machten. Die Einladung zur Hochzeit hatte ich ablehnen' müssen, da ein Krankheitsanfall zu jener Zeit mir die weite Reise unter allen Umständen verbot. ' Nunmehr jedoch betrat ich mein geliebtes Berlin, um es nicht mehr zu verlassen, sondern nach Aufgabe meiner Stellung als freier Schriftsteller daselbst zu leben. .Mein nicht unkträchtliches Privatvermögen setzte mich zur Ausführung dieses lange gehegten Lieblingsplanes inStand, ohne daß ich durch dieselbe die Mißlichkcit einer unsicheren Existenz heraufbeschwor. Es war gewissermaßen eine Art Ruhestand, in den ich mich selbst' versetzte, und den ich mir im Alter von fünfundfünfzig Jahren wohl gönnen durfte. Mein Freund saß an seinemSchreibtische, als ich heieintrat. Mein Besuch rjti. !t ' r t .11. . uoerraic lyn, oenn icy qaxie micy weder vorher angekündigt noch durch den Diener anmelden lassen. . Er wandte sich ein wenig erstaunt um. als er die Thür gehen hörte. Wie er mich aber erkannte, sprang er auf . , , rr . uno eine in meine arme. Du, Walter und so unverhofft? Welche Freude für mich und die Meinen! Hoffentlich bleibst Du recht, recht lange bei uns!" Ich komme, euch nie wieder zu verlassen. Ich habe mich ganz frei gemacht und gedenke, mich in Berlin meinen schriftstellerischen Projekten zu widmen. Ich werde in Charlottenburg mein neues Domizil aufschlagen." So nahe bei uns wie schön von Dir. Wie lange haben wir uns nicht gesehen?" Wohl zum vrten Male drückte er von Neuem meine Hand. Lange nicht," erwiderte ich wehmüthig lächelnd. Wenigstens drei Jahre. Ich habe Dir noch 'nicht einmal persönlich Glück zu Deiner neuen
Verbindung wünschen können. Laß mich das hiermit nachholen."
Ern weiterer Hanoedruck. Ich bttate ihn forschend an als ich obige Worte sprach. Offen gestanden: seine Handlung hatte nicht meinen Beifall. Ich wußte, wie' er seine abgeschiedene Gat tin geliebt hatte, wie werth sie dieser Liebe gewesen war. Ich glaubte nicht, daß er sie je werde vergessen, daß er je eine andere an ihrerStelle werde ertragen können. Ich zweifelte, daß auf die Dauer ihr Andenken in ihm so weit erlöschen würde, um ihn ein volles Glück an der Seite einer andern genießen zu lassen. Und ich zweifelte noch mehr, ob der Gegenstand seiner Wahl ihm dieses Glück zu bereiten im Stande sei. Noch kannte ich seine Frau zwar nicht, sie mochte ein Engel von Schönheit und Tugend sein, aber die Verbindung trug zu sehr denStempel des Unüberlegten. Hastigen, Unvorbereiteten, als daß ich an ihre vollkommene Solidität hätte glauben mögen. Im Stillen war ich daher um Arthur besorgt, und der Ausdruck seiner etwaS müden Züge beruhigte mich nicht. Nicht, daß ich ihn nicht blühend und wohl' gefunden hätte. Seinem Alter angemessen er zählte nur etwa fünf Jahre weniger als ich sah er gesund und rüstig aus. Er stand auf der Höhe männlicher Kraft. Aber auf seinem wohlgenährten, vollen Gesicht lag ein Schatten von Nachdenklichkeit, der mir ebensowenig gefiel als die etwas reservirte Stimme, mit welcher er mir antwortete: Ich danke Dir von Herzen, Walter. Setz Dich zu mir." Wie ließen uns nebeneinander auf das Sopha nieder. Der Cvmmissionsrath klingelte und ließ Rüdesheimer und Cigarren bringen. Alles wie einst. Er kannte meine Leidenschaft. Du bist geschmückt wie ein Bräutigam," bemerkte ich lächelnd, mit einem Seitenblick auf seinen eleganten Anzug und die Rose in seinem Knopfloch. O, wenn man eine junge Frau hat!" entgegnete er nicht ohne Berlegenheit. Und Du bist ganz glücklich?" ' Ganz." Das freut mich." Ich glaube, wir waren in jenem Momente beide nicht ganz aufrichtig. Mir schien in dem Tone, womit er das kleine Wörtchen ganz" sprach, eine stille. Sorge zu lauern, die er sich und andern vergebens zu verhehlen suchte. Und was mich selbst betraf, so gab ich einer scheinbaren Befriedigung Ausdruck, die ich nicht empfand. Ich glaubte ihm nicht. Er verstand 1 meine Zweifel. Du findest mich heute etwas aufgeregt," nahm er hastig das Wort. Das hat seine guten Gründe. Ich fxue mich, daß Du gekommen bist, um über die Sache mit Dir sprechen zu können. Du bist ja auch ein halber Criminalist." Was gibt es?" fragte ich, aufmerksam werdend. Doch nicht einen Kassendiebstahl?" So etwas Aehnliches!" erwiderte er gepreßt. . Wahrhaftig?" Ich blickte ihn betroffen an. Hoffentlich keine bedeutende Summe?" Nein," sagt er, Gott sei Dank, nicht. Die Summe ist an sich unerheblich. Das ist's auch nicht, was mich besonders alterirt. Aber es ist innerhalb vierzehn Tagen bereits das zweite Mal." Das zweite Mal?" Ja. Aber selbst das ist nicht das Befremdende, sondern die Art und Weise, wie die Diebstähle ausgeführt worden sind." Hast Du Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet?" Nein." Du willst nicht?" Nein. Ich möchte Niemand ungerecht in Verdacht bringen. Die Vorkommnisse beunruhigen mich auch, wie schon gesagt, nicht des unerheblichen Verlustes wegen, sondern nur, weil ihre Erklärung mir außergewöhnlich schwierig erscheint." Da bin ich doch gespannt!" Ich lehnte mich rauchend in die Sophaecke zurück, um seiner Erzählung zu lauschen. Es war vor etwa vierzehn Tagen," hub er an, als mein Kassirer ganz bleich und verstört in mein Privatcomptoir trat, um mir zu melden, ah man während der Nacht die Kasse bestöhlen habe. Es fehlten genau zehntausend Mark. Nun, diese Summe war nicht erheblich. Ich suchte deshalb den armen Teufel zu beruhigen, und wir begaben uns an die Untersuchung des Falles. Doch nicht das geringste Auffällige war zu entdecken. Der feuerfeste, eiserne Geldschrank war so wohl verschlossen gewesen, wie ihn der Kassirer am Abend vorher verlassen. Die Thüren, Schlüssel, alles hatte sich als wohlverwahrt erwiesen." Und ein Irrthum in der Buchführung oder ein-Versehen Nattmer's bei der Auszahlung von Beträgen war nicht möglich?" Nein. Die Bücher haben wir genau controlirt. Weder eine falsche Buchung noch ein Berechnungsfehler lag vor. Das Geld fehlte wirklich. Ein Versehen bei der Auszahlung aber war deshalb nicht anzunehmen, weil gerade ein Betrag von rund zehntausend Mark in Frage kam. Wenn einooer zweitausend gefehlt hatten, )o konnte man wohl vermuthen, daß der Kassirer sich verzählt habe, aber so es wäre wuthch wunderbar. Allerdings." Um o wunderbarer, als gerade zehn einzelne Tausendmarkscheine ver.mißt wurden. Selbst der jüngste Lehrling würde sich nicht um zehn Scheine zugleich oder zehnmal an einem Tage irren, geschweige denn ein so gewandter Fachmann wie Nattmer." Wie aber, wenn das Geld nicht mit einem Male, sondern nach und nach abhanden gekommen wäre? Wenn der 9 fr r rw r t ainrer ncy eniaje aie verieyen uno
sich als Resultat dieser Irrthümer schließlich das genannte Defizit ergeben hätte?" Unmöglich, da die Kasse alle Abend nachgerechnet wird, ein während des Tages vorgekommener Fehler also schon am Abend mit absoluter Sicher-
Heu entdeckt werden', muß. Und dann hat sich ja auch der Defekt wiederholt. , Ah richtig. Wann war das?" Heute Morgen. Nattmer theilte mir mit noch bestürzterem Gesicht mit, daß wiederum zehntausend Mark in Tausendmarkscheinen aus der Kasse entwendet worden seien. Und wiederum entdeckten wir nicht die geringsten Spuren eines Diebstahls, einer gewaltsamen Eröffnung des Bureaus oder des Geldschrankes." Sonderbar." Allerdings sonderbar." Und auch diesmal kann kein Irrthum unterlaufen?" Unter keinen Umständen. Diesmal noch weniger als das erste Mal, denn der gestrige Tag war ein Sonntag. Am Sonnabend habe ich mit Nattmer tlbt vie 5iat revldirt uno in Ordnung befunden. Gestern, am Sonntag, blieben die Bureaux geschlossen, er kam daher gar nicht in die Lage, Gelder auszuzahlen oder einzunehmen. Trotzdem vermißte er heute früh das Geld!" Ich stand auf und schritt einige Male nachdenklich im Zimmer auf und ab. .Was gedenkst Du zu thun?" fragte ich. Ich weiß es nicht. Anzeige erstatten möchte ich zunächst ' auf keinen Fall. Ein Geschäftsmann muß unliebsames Aufsehen vermeiden. Außerdem, sagte ich Dir schon, mochte ich meine Beamten nicht unnöthig verdächtigen. Nach Lage der Sache kann gar keiner von ihnen seine Hand im Spiele haben." Hm -". ' . Ich dachte," fuhr der Banquier fort, mich sinnend ansehend, Du solltest mir einen Rath ertheile'. Du bist doch Jurist hast so manche interessante Kriminalgeschichte verfaßt " Ich lachte. Praxis und Theorie sind zweierlei, Arthur. Doch will ich immerhin versuchen, mein möglichstes zur Ausklärung zu thun, wenn Du so gut sein willst, mir alle meine Fragen so präzis zu beantworten, als wenn Du vor dem Untersuchungsrichter stündest." Mit Vergnügen. Frage nur." Also vor allem: wer hat alles zu Deinem Geldspind Zugang?" Ich und mem Kassirer. Sonst Niemand?" Niemand." Befinden sich die Schlüssel in Nattmer's Verwahrung?" Nein, in der memigen. Er holt sich dieselben früh hinunter und liefert sie Abends wieder ab." Ich muß hier einschalten, daß sich die Privatwohnung Hartwigs in der ersten Etage seines Geschäftsgebäudes befand. Personlich? inquinrte ich weiter. Meist; nur manchmal. schickt er einen Lehrling, der natürlich in den wenigen Minuten keinerlei Mißbrauch mit den Schlüsseln treiben kann." Nimmst Du sie stets auch Personlich in Empfang?" Ich oder meine Frau manchmal auch eins meiner Kinder oder der Diener, der sie mir aber in jedem Falle sofort aushändigt. Seit dem ersten Diebstahl hat mir Nattmer die Schlüssel nur noch persönlich überliefert." Und wo bewahrst Du sie Nachts auf?" In meinem Schlafzimmer in der Schublade eines an meinem Bett siehenden Tischchens." Hat hiervon Jemand Kenntniß?" Nur meine Familienangehörigen Gut. Also Du fandest nirgends Spuren einer gewaltsamen -Eröffnung des Comptoirs und des Schrankes?" Nirgends." Der Dieb wir wollen den Fall setzen, daß ein Diebstahl vorliegt muß also unter allen Umständen unter Zuhilfenahme der echten Schlüssel den Diebstahl begangen haben?" Unter allen Umständen." Könnte nun nicht die Möglichkeit vorliegen, wenn Eure Zahlen in Ordnung sind und kein Versehen des Kassirers in Frage kommt , daß sich entweder einer Deiner Kunden oder einer Deiner eignen Leute die Scheine während der Geschäftszeit angeeignet haj" Auch das ist nicht anzunehmen. Wir führen nämlich zwei Kassen, die Hauptkasse und die Tageskasse. Nattmer entnimmt jeden Morgen so viel Geld, als er tagsüber zu brauchen denkt oder etwas mehr, dem Geldschranl und bringt dasselbe in einem andern, in dem für das Publikum bestimmten Kassenzimmer stehenden Schrank unter. Alle Zahlungen erfolgen durch ihn und den zweiten Kassirer. Das Publikum haf in das Zimmer, worin der Haupt schrank steht, keinen Zutritt, auch Niemand vom Personal, es sei denn, das; ich selbst oder Nattmer darin gegenwärtig bin. Die Thür ist stets verschlössen, ebenso der-, Schrank selbst. Nur selten , geschieht es, daß sich Nattmer, wenn unvorhergesehene größere Ausgaben an uns herantreten, aus dem Hauptschrank Reserven holen muß. Abends wird dann die Tageskasse genau geprüft und erst dann wiederum dem Hauptschrank anvertraut. Du siehst also, daß, wenn beim Hineinlegen der Gelder in den Schrank diese gestimmt haben, von einer Entwendung im Geschäft selbst während der Tageszeit nicht die Rede sein kann." Allerdings nicht," bemerkte ich sinnend, worauf ich mit erhobener Stimme hinzusetzte: Dann sind aber nur drei Fälle möglich: Entweder der Dieb wußte sich in Besitz der Schlüssel zu setzen" Unmöglich!" Warum unmöglich? Kann nicht einer Deiner Bediensteten den Aufent ialtsort derSchlüssel entdeckt, dieselben
Nachts heimlich fortgenomnien. . die Diebstähle ausgeführt und die Schlüssel wieder an Ort und Stelle gelegt haben?" Das kann nicht sein." Ja. warum denn nicht?" Weil außer mir und Nattmer Nie-
mand tn die Mechanik des Geldschran kes eingeweiht ist; ihn also Niemand außer uns zu öffnen vermag." O Arthur, es gibt unter den Spitzbuben außerordentlich geschickte Schlosser und Mechaniker." Aber mein Zimmer wird Nachts von innen verriegelt." Es gibt viele Möglichkeiten, in ein verschlossenes oder verriegeltes Zimmer zu gelangen. Dein Zimmer hat, so viel ich mich entsinne, mehrere Thüren?" Zwei. Die eine führt auf den Corridor, die zweite in das Schlafzimmer meiner Frau, deren Aimmer ebenfalls eine nach dem Corridor sich öffnende Thür besitzt. Aber auch sie verriegelt die letztere regelmäßig von innen." So etwas wird doch hin und wieder vergessen." Ich selbst habe mich überzeugt, daß es mindestens in den letzten vierzehn Tagen nicht vergessen worden ist. Walter, ich glaube nicht an diese erste Möglichkeit!" So wirst Du vielleicht der zweiten mehr Wahrscheinlichkeit zugestehen. Wenn der Dieb Deiner Meinung nach keinesfalls in Besitz der echten Schlüssel gelangen konnte, so hat er sich zweifellos nachgemachter bedient." Mein Freund lächelte nurklich. ' Sieh Dir die'' Mechanik meines Geldschrankes an," versetzte er mit einem Anfluc kaufmännischen Stolzes. Mit Nachschlüsseln ist da nichts zu erreichen, oder der Dieb müßte ein Genie ersten Ranges sein. Und wenn er sich selbst die Schlüssel hätte anfertigen wollen, er würde viele Stunden brauchen, auch nur die Modelle herzustellen, und das letztere könnte er doch nicht, ohne von meinem Kassirer oder mir oder einem sndern meiner Leute bemerkt zu werden." Wo befinden sich dieSchlüssel tagsüber?" In der Tasche des Kassirers." Ich schüttelte unbefriedigt den Kopf. Dann bleibt nur noch ein dritter Fall übrig," sagte ich entschieden. Welcher?" Ich zögerte einen Moment, ehe ich antwortete. Es wurde mir schwer, auf Grund bloßer Vermuthungen eine Beschuldiguna auszusprechen. Die beschuldigte Person that mir im voraus leid aber es ging nicht anders, mein Freund verlangte meine rückhaltlose Ansicht. Welcher?" wiederholte der Banquier voll Spannung seine Frage. Dann," erwiderte ich leise, aber nachdrucksvoll, kann nur Nattmer selbst der Dieb sein." Arthur sprang erregt auf. Undenkbar," rief er, indem er sich mit dem Taschentuch über die feucht gewordene Stirn fuhr. Du kennst ja meinen alten Nattmer ein Ehrenmann vom Scheitel bis ?ur SohleZ Er ist seit fünfzig Jahren in unserem Geschäft und war schon der Vertraute meines Vaters." Du hast recht, es ist ein schwer zu fassender Verdacht.' Aber noch seltsamer wäre es wohl, anzunehmen, daß ein Kobold das Geld Dir Nachts aus dem verschlossenen Schrank entführt! Außerdem unmöglich ist nichts in der Welt! Ich kenneMenschen. die nach einem langen Leben voll Ehre und Reinheit noch mit grauenHaaren in die Schlingen der Versuchung fielen. Es können Umstände im Leben eines Menschen eintreten, die eine vollständige Aenderung seines Charakters bewirken." Der Banquier setzte sich wieder. Nein, nein," sagte er, energisch den Kops schüttelnd. Ehe ich ein: Verschuldung meines alten Nattmer annehme, eher glaube ich, daß ich selbst die Summe gestohlen habe. Eins ist so ausgeschlossen als das andre." Bei näherer Ueberlegung neige ich mich ja ebenfalls Deiner Ansicht zu," bestätigte ich grübelnd. Plötzlich kam mir ein neuer Gedanke. Ohne Zögern sprach ich denselben aus. Arthur," sagte ich, mich vor ihn hinstellend, Du erklärtest, daß außer Dir und dem Kassirei: kein andrer Mensch den Geldschrank zu öffnen ver möchte?" So ist es." Warum kann es Niemand?" Weil die Mechanik nicht nur äußerst complicirt ist, sondern die Eröffnung auch noch die Anwendung eines , besondern Kunstgriffs erfordert. Und Du hast niemals Jemand diesen Kunstgriff mitgetheilt?" Niemand " Der Commissionsrath stockte plötz-, lich. - Also doch?" Meiner Frau und Tochter allerdings für den Fall ich einmal verreist und Nattmer durch Krankheit am Erscheinen verhindert wäre." Also doch?" erklärte ich triumphirend. So wissen, also nicht zwei, sondern vier um das Geheimniß, und ein Frauenherz ist nicht immer Du nimmst mir das nicht übel - der schweigsamste Bundesgenosse." Ich sprach die letzten Worte in scherzhaftem Ton. um ihn nicht zu verletzen. O," beeilte sich mein Freund zu versichern, der hier in Frage kommenden Personen bin ich sicher. Du kennst Jrmgard's treues Gemüth " Ich vertraue ihr unbedingt." Und meine Frau kennst Du zwar noch nicht, wirft mir aber, wenn Du sie nachher gesehen hast, wiedersagen, daß auch ihre Schwäche weibliche Plauderhaftigkeit und Vertrauensseligkeit nicht ist. Sie besitzt fast den entschlossenen Charakter eines Mannes." Um so besser oder eigentlich um so schlimmer, denn dann fallen eben alle unsere Combinationen in sich zu.
sammen. Dann ist und bleibt der Vorfall eben unerklärlich!" Ist und bleibt er unerklärlich," bekräftigte Hartwig mit einem Seufzer. Und gerade das Räthselhafte der Angelegenheit ist es, was mich so alterirt und beunruhigt. Alle Sicherheit und
Behaglichkeit geht dadurch verloren. Schade, schade, ergänzte er, Pagodenhaft mehrere Male den Kopf bewegend, als ich Dich vorhin eintreten sah, ging mir ein Hoffnungsstern auf. Ich erblickte in Deiner plötzlichen Ankunft fast eine Fügung des Himmels. Und nun bist auch Du am Ende Deiner Weisheit und versuchst Deine Zähne vergebens an einer Nuß. die zu knacken wir wohl alle Hoffnung aufgeben müssen." Ich nickte, gezwungen lächelnd,' und trank, immer noch über die Ereignisse nachdenkend, ein Glas Wein. Du bleibst doch bei uns?" fragte der Banquier, das Gespräch nunmehr auf ein anderes Thema lenkend. Bet Euch, ja .das heißt, ich aedenke in Charlottenburg zu wohnen." Hast Du schon ein geeignetes Logis?" Noch nicht. Ich bin etwas wählerisch. denn ich wünsche, meine Neigungen, nachdem ich ihnen endlich leben kann, auch in dieser Hinsicht befriedigt zu sehen, um keine unausgefüllte Stelle tn mir zurückzulassen. Um so besser für uns. Dann bleibst Du unser Gast und führst Deinen Plan mit Muße aus." Ich nehme Dein Anerbieten dankbar an," antwortete ich fast mechanisch, denn ich dachte noch immer ausschließlich an die geheimnißvallen Diebstähle. Ein halbminutenlanges Schweigen entstand. Ich muß wohl währenddessen halb geistesabwesend dagestanden haben, denn plötzlich fühlte ich.die Hand meines Freundes auf meiner Schulter. Vergiß die ärgerliche Geschichte," redete er mir zu. Du zerbrichst Dir umsonst den Kopf. Laß mich Dich meiner lieben Frau vorstellen, sie wird sich unendlich freuen, Deine Bekanntschaft zu machen. Ich habe ihr so viel vor Dir erzählt." Wie gut von Dir." Ich drehte mich um, ihm zu folgen mit einem Male blieb ich stehen, erfaßte seine Hand und hielt ihn zurück. Arthur, es kann nicht anders sein." Was denn?" Nur ein Hausgenosse von Dir oder doch Jemand, der ungehindert in das Haus Zutritt erlangt und alle VerHältnisse desselben genau kennt, kann die Diebstähle ausgeführt haben." Wie soll er aber in Besitz der Schlüssel gelangt sein?" Das war nicht allzu schwer. Wenigstens sind schon ganz andre Dinge möglich gemacht worden." Aber die Mechanik, der Kunstgriff Hier liegt allerdings noch ein Geheimniß vor, das ich vorderhand nicht zu enträthseln vermag. Doch lösen muß es sich, das beweist schon die einfache Thatfache des Diebstahls. . Auch erscheint es mir als die Hauptsache, erst einmal den Dieb zu ermitteln, der wird nachher die nöthigen Erklärungen schon geben können oder, wenn das nicht möglich ist, wenigstens die Fortsetzung der verbrecherischen Handlungen zu vereiteln." Du hast recht. Was zweimal unentdeckt geglückt ist, dürfte noch öfters versucht werden." Vielleicht eher, als wir denken, nachdem der Spitzbube nun sicher geworden ist. Werden Deine Geschäftsräume Nachts bewacht?" Zur Zeit noch nicht. Es ist bis dahin ja nie etwas vorgekommen, waS eine solche Vorsicht nothwendig erscheinen ließ." Aber jetzt ist sie doch nothwendig ?" Ich habe auch bereits Anstalten getroffen, aber ohne Beziehung zu den Vorgängen. Nächsten Ersten siedeln wir in meine neue Villa nach Westend über " Nach Westend?" Arthur nickte lächelnd. Du weißt, meine selige Gertrud wollte die Wohnung in der Stadt nicht gern aufgeben. Eine junge Frau dagegen wer will es ihr verdenken huldigt der Mode. Alle meine Berufsund Stlndesgenossen'babcn ihre Villen in - Westend oder anderswo und meine Verhältnisse," setzte er, den Kopf bescheiden hinweg wendend, hinzu, gestatten es ja." Selbstverständlich," stimmte ich zu. Also am Ersten zieht ihr ein? Das ist ja schon in vier Tagen?" Er bejahte. Und danr stellst Du einen Wächter für die Nacht an?". Er ist schon angestellt. Mein Kassenbote Wolf übernimmt den Posten. Er zieht vom Ersten ab in das Hinterhaus, schläft aber die Nacht innerhalb der Geschäftsräume, .ro bereits neben dem Zimmer, worin sich der Hauptschrank befindet, ein Stübchen für ihn zurechtgemacht wird." Alles recht schön," entgegnete ich. Was geschieht aber in den drei Tagen bis zum Ersten, um weitere Eingriffe zu verhüten?" O, in den drei Tagen Du vergißt, daß zwischen dem ersten und zweiten Diebstahl zwei Wochen liegen." Wenn aber, wie ich mit Bestimmth:it annehme, ein Hausgenosse derVerbrecher ist, so erfährt er auch von Deinen Maßregeln für die Sicherheit Deines Eigenthums, weiß er, daß Du in wenigen Tagen das Haus verlassen willst. Vielleicht, wenn er zum engeren Haushalt gehört, ist er sogar genöthigt, euch zu folgen. Um so mehr sieht er sich in die Lage versetzt, die ihm nachher entschwindende Gelegenheit noch einmal, und das reckt tüchtig, zu be nutzen. Wie viel Leute hast Du im Hause vom Geschaftspersonal aoge sehen?" Nicht viel. Die Gesellschafterin.
den Diener, d!e Köchin und das Stu-
benmädchen." Und wer geht sonst noch täglich auö und ein?" , Der Musiklehrer und der Barbier " Sind alles vertrauenswürdige Per sonen?" Alles, soweit ich urtheilen kann. Ins Herz kann man natürlich Niemand sehen, v Gut. Arthur, ich preßte wieder um seine Hand. So weiß ich ein Mittel, den Dieb, sofern er überhaupt noch einmal wiederkommt, zu . entdecken." Er sah mich gespannt an. Du läßt heute noch das für den Wächter bestimmte Gelaß einrichten. und lch übernehme wahrend der nachsten drei Nächte die Wache darin. Eine solche Aufgabe ist ganz nach meinem Geschmack. Es würde mir eine Freude sein, wenn es mir gelänge, dasRäthsei zu losen und Dem Herz von der da rauf ruhenden Sorge zu entlasten." Du Du wolltest wirklich " Der Banquier brach erstaunt ab und starrte mich an. Ich will. Das Abenteuer entspricht, wie Du weißt, meinen Neigungen. Ich lasse mich nicht zum erstenmal auf dergleichen romantische Geschichten ein. Aber ich stelle eine Bedingung." Nun?" Niemand darf um mein Vorhaben wissen, auch Deine Kinder, auch Deine Frau nicht; Irgend ein unbedachtes Wort von einem von ihnen kann alles verderben. Ich bekomme mein Zimmer wie früher angewiesen, dorthin be gebe ich mich Abends zur Ruhe. Jeder im Hause muß mich dort glauben, während ich mich heimlich nach dem mir angewiesenen Gemach im Parterre, das ich mir nachher einmal näher an sehen will, hinabschleiche und dort meinen Posten einnehme. Auch vom Personal darf Niemand eine Ahnung haben, vor allem der Kassirer nicht. Du verstehst: nur Du und ich allein dürfen in den Plan eingeweiht sein. Willst Du mir das feierliche Versprechen der Discretion in dem von mir begehrten Umfang ablegen?" Arthur Hartwig überlegte ein wcnig. Du übertreibst ,Deine Vorsicht indessen, mir kann es recht sein. Die räthselhaften Vorkommnisse liegen wie in Alp auf meiner Brust. Ich würde Dir von Herzen dankbar sein, wenn Dein Unternehmen zum Ziele führte. Hier, meine Hand." Wir sprechen noch weiter darüber," erklärte ich ruhig. Jetzt zu Deiner Frau ich bin gespannt auf ihre Bekanntschaft." Ich war allerdings gespannt. Nach den begeisterten Jnterjectionen, mit welchen mein Freund in. seinen aphoristischen Billets der letzten Monate sie gefeiert hatte, durfte ich mit Recht eint ausgezeichnete Schönheit erwarten. Fünf Minuten später stand ich vor ihr. Man sagt, zu hoch getriebene ErWartungen haben stets Enttäuschungen im Gefolge. Das Sprichwort traf in diesem Fall nicht zu. Meine Erivartungen wurden übertroffen.' Michaela war in der That eine schöne Frau. Keine zarte Elfe von schlankem Gazellenbau, sondern eine hohe, edle, imponirende Erscheinung. Ihre Formen waren voll entwickelt, ohne doch durch Uebermaß den Ausdruck des Graziösen' zu verlieren. Von dem Typus ihres Volksstammes besaß sie nur das braune, üppige Haar und die gleichfarbigen, ' durchdringenden, blitzenden Augen, doch waren letztere nicht klein, sondern im Gegentheil von wunderbarer Klarheit und Größe Durch die Länge der seidenen Wim, pern erhielt ihr Blick etwas Träumerisch - Verschleiertes, das ihrer Natur in Wirklichkeit fern lag. Ihr Wesen charakterisirte vielmehr eine würdevolle Natürlichkeit, sie gehörte dem Leben und der Zeit an, in der sie lebte, mit vollem Bewußtsein, ohne Schwärmerei, ohne Sentimentalität, ohne Koketterie. Ihr Mund war klein, wie der aller Großrussen, die Stirn dagegen durchaus nicht niedrig, obwohl sich die zierlichen Löckchen des braunen Haares auf sie herabringelten, auch war die Nase von der edelsten Form, ihre Haltung stolz, ihr Organ war voll und sanft und ihre Aussprache des Deutschen für die kurze Zeit, welche sie erst in, unserem Vaterlande verweilte, erstaunlich rein und correct. Nur ihr Lächeln gefiel mirjricht so liebenswürdig es auch erschien, vermißte ich darin jenen Strahl von germanischer Aufrichtigkeit, wie er uns aus den Augen eines deutschen Weibes entgegenblitzt. Wenn Michaela lachte, so schien ihr Lachen nicht die volle Ergießung ihrer Seele zu repräsentiren, sie behielt Empfindüngen in Reserve, die nicht immer mit den Gefühlen correspondirten, die sie im Augenblick zur Schau trug. Gewiß, mein Freund hatte eine glückliche Wahl getroffen. Seine zweite Frau mußte berückend genannt werden. Ihre nicht allein mit Geschmack, sondern mit Berechnung erlesene Toilette ließ sie noch glänzender erscheinen. Der schneeweiße Hals erhob sich schwanenartig aus der in zarter Lasurfarbe abgetönten Spitzenrüsche, welche die kunstvolle Krone der eng angeschmi.'gten weißen, durch einem blauen Atlasgürtel gehaltenen Musselinrobe bildete. An der welligen Brust funkelte eine werthvolle Rubinbrosche, um den linken Arm ringelte sich ein kostbares, ebenfalls mit Rubinen besetztes Armband. Die zierlichen Schuhe von blauer Grundfarbe stimmten so vorzüglich zu dem Gürtel und dem Halsbesatz des Kleides, wie die mit blitzenden Steinen geschmückten Haarspangen zu dem seidenen, dunklen, weichen Braun ihrer geschmackvollen Frisur. (Fortsetzung folgt.) Na Meier, Sie machen ia eine Jammervisage, wie eine Drahtseukunstlerrn, du lernen Draht hat!"
Kür die Mcye. Zwiebelsuppe. 3 bis 4 große
in Würfel geschnittene Zwiebeln werden mit Butter schön goldbraun weich gedampft; ehe sie ganz fertig sind, verrührt man einen Löffel Mehl, das auch gelb werden muß, und gießt genugend Fleischbrühe daran, salzt nach Geschmack und laßt die Suppe gut durchkochen. 'ie wird durch ein feines Haarsieb geschlagen und über Brotwürfeln angerichtet Gefüllte? Blumenkohl. 2 Unzen rohes Kalbfleisch. 1 Pfund Butter, ein Theelöffel gehackte Petersilie und ein Eßlöffel geschnittene Zwiebeln werden mit einem in Milch geweichten und wieder ausgedrückten Weistbrödchen, fein gewiegt, dann in eine Schüssel gethan und mit etwas Salz. Muskatnuß und zwei Eiern zu einer Farce durchgemengt. Der vorher gut verlesene und abgekochte Blumenkohl wird auf einen Teller gelegt und zum Erkalten Eingestellt. Hierauf breitet man in einer Casserole ein fett mit Butter bestrichenes Papier aus, thut von der Farce einen Finger dick darauf und setzt den Blumenkohl, seiner ursprünglichen Form möglichst ähnlich, darauf, doch so. "daß die Blume nach unten steht.' Die übrige Farce wird behutsam über den Kohl gestrichen, darüber wieder ein mit Butter Gestrichenes Papier gelegt und das Ganze eine Stunde lang im Ofen durchgebacken. Alsdann entfernt man das Papier, stürzt das 'Gebackene auf eine Schüssel und richtet es mit Buttersauce an. L e b e r p a st e t e. Eine frische, große Schweins- oder Kalbsleber wird enthäutet, alle Sehnen herausgenommen und ganz fein gehackt. Dann läßt man 4 Unzen Butter zergehen, gibt 4 Unzen fein gehackten Speck, die Leber 2 Unzen altgebackenes, abgeschältes, eingeweichtes und ausgedrücktes Weißbrot, einen Eßlöffel Rahm, einige gut gewässerte und gehackte Sardellen, einige geriebene Zwiebeln, Pfund gehacktes Rindfleisch dazu, würzt dies nach Geschmack mit Salz, weißem Pfeffer, Nelken und gibt 4 ganze Eier und 4 6 Löffel starke Bouillon in foie Masse und rührt sie durch einen nicht zu großen Durchschlag. Nun streicht man eine Puddingform mit Butter aus, füllt sie mit der Masse, die man 3 Stunden kochen läßt. Die Pastete wird kalt in 'Stücke geschnitten und mit saurem Gel6e und einer pikanten Eiersauce servirt. Holländisches Rind, f l e i s ch. Ein Stück dünner Rostbraten wird tüchtig geklopft und gesalzen und bleibt auf dem Brette liegen. Nun werden entweder vier Stück reingeputzte Sardellen oder eine Handvoll gewaschen Sauerampfer recht klein geschnitten und mit Fett in der Kasserolle anlaufen gelassen; dann stäubt man ein Kasfeelöffelchen Mehl daran, giebt etwas Rahm dazu und läßt es einmal aufkochen. Mit. diesem Beiguß wird das Fleisch eingeschmiert, in Bröseln gewälzt und auf dem Rost gebraten. Während des Bratens muß dasFleisch öfter mit heißem Fett begossen werden; ist es gar, so giebt man es auf eine Schüssel und gießt die übrige Rahmsauce darüber. Polnischer Kar.toffe l-S ala t. Eingemachte rothe Rüben, einen tiefen Teller voll, nimmt man in eine Schüssel, thut Weinessig, etwas Zucker, gestoßenen weißen Pfeffer (eine kleine Messerspitze), etwas Salz und eine halbe TasseOlivenöl hinzu. Nun schält man kleine, gekochte Salatkartoffeln und schneidet sie in Scheiben, noch warm, hinein. Man mengt alles behütsam durcheinander und giebt es warm zu Tisch. Gebackener Reis. Ein halbes Pfund Reis, drei kleine Zwiebeln, feingehackt, in einem Liter halb Milch, halb Wasser weichgekocht. Ist die Masse abgekühlt, werden drei Eier, ein Stück Butter, etwas Salz und feingehackte Petersilie darunter gemengt. Nun wird eine Form gut mit Butter ausgestrichen, die Masse eingefüllt und eine halbe Stunde gebacken. Gestürzt servirt, paßt diese Speise zu allen Sorten Ragout oder Fricandeau. Galantine von Huhn. Man schneidet ein größeres junges Huhn, längst des Rückens auf und schabt mit einem kleinen scharfen Messer das Fleisch, von dem Gerippe, wobei man trachten muß. die Haut nicht zu zerreißen. Den Hals und das erste Glied von Flügeln und Schenkeln hackt man ab, löst vom zweiten Glied Fleisch und Beine aus und zieht die Haut in den Körper. Dann schneidet man das Fleisch so ab, daß eine gute Schichte davon an der Haut bleibt wo sie. dünner ist. legt man Fleischblättch?. auf aus dem übrigen macht, man mit Kalofleisch, Geflügelleber. Speck, feinen Kräutern, Gewürzen und Semelbeschamel eine feine Farce womit man die Haut voll füllt. Hierauf näht man sie zu, umbindet die Galantint mit Speckschnitten, bratet sie und- läßt sie 1 bis 2 Tage an einem kalten Orte abliegen, ehe man sie kalt aufschneider. . Rosenkohl - Salat. Der in siedendem Wasser weich gekochte Rosenkohl wird abgegossen, mit frischem Wasser abgekühlt, abgetropft und mit einer guten Salatsauce angemacht.' 23 hartgekochte Eidotter werden fein zerrührt, mit Oel etwas Senf, Essig, Sal? und Pfeffer vermengt und über die Röschen gegoren. I n der Saison. Ach Weibchen, träume von mir!" Jetzt in der Saison träume ich nur von Hüten!" Strafe. Parvenu (zur Gattin): Emma, wenn Du mich noch lange ärgerst, mußt Du mit mir gU? Strafe in ein Freiconcert gehen.
