Indiana Tribüne, Volume 23, Number 144, Indianapolis, Marion County, 11 February 1900 — Page 6
' Me. Sliz.ze vr-n M. L. Wieder liegt der Schnee cuf-vc: Welt und die Flocken drehen sich .w lautlosem Tanz. Sin Schlitten fährt vorüber. Erst klang sein Schellen gedämpft durch die Winterluft, denn wird es stärker, und jetzt loat mich das neckische Geklingel ans Fenster. Ich öffne es und schaue und horche, ihm nach: Schimmelpferde und rothe Staubdecken. Hei! wie es hinsaust in das wirbelnde Grau, wie die Glocken verhallen! Ja, Schimmelpfcrde mit ?oth:n Decken und neckisches Schcllenklingeln ! Wo war das noch? Und Ton und Farbe lassen mich nicht los und w:ck:n eine liebe Erinnerung Es ist Winter. Auf dem Stadtberg ist eine glatte Schneebahn. Wir sausen hinunter auf unsern Käschütschen, groß und klein, eine: hinter dem andern. Den Äerg hinauf aber müssen wir ziehen. Um vier Uhr ist die höhere Töchterschule aus und als wir uns eben wieder in Reihe setzen, kommt sie gestürmt, die wilde, schwarze Nose, eines KämeTaden Schwester. Hierher, Rose! Hierher! Auf m:!men Schlitten!" so umringt man sie, werbend und eifersüchtig. Aber Rose hält Wort und kommt zu rnir. Als Letzte sausen wir die lange Bahn hinab. Sie hält sich an meinen Schultern fest, und ich fühle ihre. warmen Athem an meiner Backe. Fein", jubelt sie, fein!" und klatscht in die Hände.' Nicht bremsen!" und in kühnem Vl,gen nehmen wir die Straßenbiegung.' Ihr Jauchzen hat mich kühn gemacht: rechts von 0:1 Straße ab geht die Kuhtrift in steilem F?all zu Thal. Das hat noch Keiner gewagt! Mit einem Ruck biege ich ein, und jetzt geht es mit Fallgeschwindig teit hinab! Da. als der harte Schnee wie ein Sprühfeuer hinter uns nach beiden Seiten spritzt, fajji sie ein Schwindel: sie schlingt ihre Arme um meinen .Hals, nimmt mir die Luft und krach ! liegen wir im Schnee: nebeneinander, aufeinander, wir kugeln um und um! Wer den Anfang machte, weiß ich -nicht; aber als wir uns endlich ausgekugklt hatten, lagen wir da und küßten .uns, wild und unaufhörlich! Rose, Rose! Wie glüthest Du in dem weißen Schnee, wie verwirrt war Dein schwarzes Haar! Endlich kamen wir zur Besinnung, standen auf und schüttelten lachend den -Schnee aus den Kleidern. Ein Dorn hatte ihre Hand geritzt, und ein Tröpfen nach dem andern färbte d:n Boden. Ich wickelte mein 'Laschentuch um die Wunde, dann setzen wir uns an den Wegrand auf unsern Schlitten und vergaßen in einträchtig gern Plaudern Frost und Stunden. Du," meinte sie, noch schöner sind große Schlitten mit Pferden. Und roerm wir verheirathet sind, schenkst Du mir einen mit Schimmeln und rothen Staubdecken. Nicht? So roth wi; das Blut im Schnee!" Und herrliche Luftschlösser erstiegen vor unsern "Augen. Einen Kutscher müssen wir freilich auch haben! Der sitzt hinter uns und lenkt. Die Zügel gehen zwischen un beiden hindurch!" Ach was," versetzte ich, wir kutschiren selber. Das ist viel schöner." Nein, wir müssen ci'nen haben: alle reichen Leute haben ei.nen Kutscher, der sitzt hinten und Hai ein Pelzmütze aus!" Sie 'läßt sichs nicht ausreden und
bald sind wir im heftigsten Streit! '.Zornig springt sie auf, wirft mir das! .blutige Taschentuch vor die Fuße und geht schluchzend fort. Da. packe ich trotzig Taschentuch und Schlitten und mache mich auf nach der Stadt. Es schlägt fünf Uhr vom Schloßthurm. Herr Gott ! Da geht im Alumnat die Arbeitsstunde an! Ich tilt. Einmal drehe ich mich um. da steht die Rose immer noch unten am Berg 3ind weint. Es ist mir recht weich umZ crz. Soll ich zu ihr zurück? Nein! sagt mir der Trotz und ich laufe ohne Amsehen bergan. Jetzt schlägt es viertel. Schon bin ich bei ihrem Haus, das tief im Garten drin steht. Es wird dunkel. Ich gehe .langsamer und überlege und kämpfe ei? nen harten Kampf. Da! Weiche Tritte höre ich hinter mir. und schon hängt es lachend und weinend an meinem Hals. Rose! Sie Zeugt meinen Kopf bis an ihren Mund und flüstert: Meinetwegen brauchen wir den Kutscher nicht!" Und nun stehen wir lange im Schat ien der Gartenhecke und küssen. uns in erster, leidenschaftlicher Liebe Sechs Uhr hat es geschlagen, mit -mahnendem Nachhall. Da reiße ich znich los. Morgen um 4 Uhr, Rose!" Ich laufe, was ich kann. Eben bieg ich um die Ecke, da, platsch! schlägt rnir ein Schneeball die Mütze vom 'Kopf, und ein neckisches Kichern verhallt im Dunkel des Gartens. Rose, Du lieber, wilder Kamerad! Mit dem Gedanken trete ich gesaßt vor den Inspektor. Die beiden mächtigen Ohrfeigen fühl ich nicht aber morgen Nachmittag Haus irrest ! ! In der Nacht wird das Taschentuch mit den rothen Flecken naß von bittern Thränen. Aber dann träume ich von Schimmeldecken und rothen Staubdecken! und von Rose! Was ist aus Dir geworden, Du, sie ich liebte, zu heiß für meine fünfzehn Jabre! Du schwarze Rose am Ende warst Du es, die heute in dem Schlitten voruberfuhr: ein anderr hat Dir unser Luftschloß verwirklicht! Schimmelpferde und rothe Staubdecken, und neckisches Glockenklingen in Winterluft!
Actttftr Lootscndienst. ." ' , ' ; r - ' Wohl kennen die Schiffscapitäne das Meer und. die Fahrstraßen" darin ganz genau, wohl wissen sie auch an den Küsten Bescheid, aber bei der ungeheueren Verantwortung, die in Bezug auf Menschenleben, Schiff und Ladung auf ihr-cii ruht, werden sie doch wohl selten ode? uie wagen, wenn sie . nicht eben absolut müssen, ohne Lootsen nach einer längeren Reise selbst den ost angelaufenen Heimathshafen zu gewinncn. Die Küsten fallen ja nicht überall steil wie eine Wand in's Meer ab, so daß man sicher bis dicht heran fahren und vor dem Ufer Anker werfcn kann", wie der Laie sich das ost vorj:ellt. Entweder ist die Küste gebirgig, ode: es ist eine Flachküste. Ist es eine
cT'mm
Loorsendampfer. tfe&kufte, dann laufen die Felsen uch 2toch unter Wasser wie kleinere oder größere Gebirge weiterhin fort, und nur der ganz genau mit jeder Stelle Vertraute kann wissen, wie hoch das Wasser hier und wie hoch es da über solch' einem, Riff oder Klippe genannien unterseeischen Gebirgskamme steht, und durch welche' Thäler zwischen zweien dieser unsichtbaren Gebirgskämme das Schiff fahren kann, ohne daß das scharfkantige Gestein dem stolzen Schiffe ein Loch in den Rumpf reißt und es noch im Angesicht des Landes zum Sinken bringt. Wnn aber das Land allmälig abflachend ausläuft, hier sandiq und wo anders schlammig oder in lehmartiger Beschaffenheit, dann verändern die tägliche Ebbe und Fluth, verändert jeder Sturm den Wassergrund in Landnähe. Solche Formationen und derartige Veränderungen haben, außer anderen Ursachen, die Berufsklasse der Lootsen entstehen lassen, in allen Erdtheilen, an allen Küsten, wo nicht lediglich die kleine Küstenschiffahrt betrieben wird. In vielen Ländern ist das LootsenwetrSlF SM Lootsenschooner. sen sogar dem Staate unterstellt und von diesem organisirt. So auch in Deutschland. Die Lootsen werden bestimmten Lootsen - Stationen" zugewiesen denjenigen selbstverständlich, tn derett Gewässern sie vor Allem genau Bescheid wissen und die Stationen unterstehen je einem Lootsencommandeur, der zumeist ein erfahrener, Capitan a. D. ist und jedenfalls ein Mann von umfassender theoretischer Ausbildung wie langjähriger Praxis sein muß. In Preußen hat der Lootsencommandeur nur den Regierungspräsiden'ten über sich; unter ihm steht der Oberlootse, der das Haupt des Stationsvölkchens ist. Je nach der Wichtigkeit des Hafens, nach der Größe des Schiffsverkehrs in den Gewässern davor, richtet sich die Zahl der Lootsen einer Station. Sie schwankt zwischen 10 und etwa 40 Mann. Nach ihr richtet sich nun wieder die Zahl der Stations - Schooner, die in Dienst gestellt sind, um weit draußen, noch auf offenem Meere, den einkommenden Schiffen Lootsen geben zu können. Auf der Elbe z. B., die gleich der Weser eine stark besetzte, äußerst wichtige Station hat, ist eine Fackelfeuer. cmze Flotille von rasch segelnden Schoonern in Dienst, ja seit geraumer Zeit ist man bereits dazu übergegangen, fu so stark in Anspruch genommene Stationen Lootsendampfer einzustellen. Die Lootsen rekrutiren sich natürlich aus dem besten Schlffermaterial. Sie müssen eine bestimmte Zeit zur See gefahren und dann ein specielles Examen bestanden haben. Es sind wortkarge Leute von ernstem Wesen; dazu macht sie ihr namentlich im Winter, zur Zeit der Stürme und deö Eises so schwerer Beruf und die auf ihnen lastende Berantwortlichkeit. Denn sowie der Lootse das Schiff betreten, übernimmt er das Commando des Capitans und damit auch dessen Verantwortlichkeit, bis er entweder im Hafen oder (auf der AuSreise) in offener See, diesem Führung und zugleich Verantwortlichkeit zurück-
j -z0 yA
saw
jasr-r ""S ' ! H ji . ' . V'Cjll, Zm J -Ja.. V'S wSjl v,r- fc-aC'J 9 Kt' A,! r- J Ä "V wr JF, v iVtY-' jr '
gegeben. Passirt" inzwischen etwas, so kommt au.ch nicht der, Capitän, sondern der Lootse vor das Seeamt und, im Berufungsfalle, vor das OberSeegericht in Berlin. Aber die Schwere des Berufes be-
ginnt nicht erst an Bord des zuzeitenden Schisfes. Schon der Aufenthalt auf dem Lootsenschooner im Wintertürm oder b prasselndem Hagel'chauer hat seine Beschwerden. In I tockdunkler Nacht nützt natürlich auch das beste Nachtglas nichts weder dem ; schifsssuchenden Lootsen, noch dem lootsensuchenden Ausguckmann auf cinem großen Schiffe. Da wird denn auf den Lootfendampfern das Fackel - feuer" zu Hllfe genommen, durch das vermittels eines auf der Kajütkappe stehenden Apparates Zeichen gegeben werden. Sie sind so eigenartig, daß sie nicht mit anderen Lichtern oder Signalen verwechselt werden können, und zeigen dem spähenden Schiffer wie auch dem von einem hinausgeleitetcn Fahrzeuge wieder zurückkehrenden Lootsen den Ort des Lootsendampfers an. Für den Lootsen ist die häufigste Gelegenheit, zu verunglücken, das Versetzen bei schwerem Wetter. Vom Boot aus das Fallreep bei ruhiger. See zu erklettern, auch wenn 'der Dampfer in Fahrt ist. das ist dem Lootsen in Kinderspiel. Aber etwas Anderes ist's, wenn ein Orkan über die See braust! Dann heißt's, mit kühnem Grisf nach dem Fallreep greifen, just in dem Moment, wo das Boot im Schwung von einer Woge daran vorübergewippt wird, und nur zu oft hängt dann der Lootse halben Leibes im Wasser, wäh Schweres Wetter. rend sein durch Flaschenzug eingeholter Packen trocken an Bord kommt. Er kann aber auch leicht mitsammt den Kameraden imBoot an den Eisenplanken zermalmt werden durch die furchtbare Wucht eines Wellenberges, oder in der Tiefe begraben werden. Dann warten daheim Frau und Kinder vergeblich auf den Wackeren, der ein Opfer seines Berufes geworden. Aber so groß die Gefahr, so schwer der. Dienst, so kastend die Verantwortung ist es fehlt nie an Männern, die sich dem Lootsenberufe widmen. An der Waterkant" weiß man, daß die Schifffahrt der Lootsen bedarf, wie die Menschheit der Schifffahrt ; all' den Männern dort gilt ja von Jugend auf als unantastbare Wahrheit, was als Spruch über dem Thor manchen SeemannsHauses steht: navigare necesse est, vivere non necesse - seefahren i st nöthig, leben nicht! Bo?ren-Markctcnder. Bekanntlich sind die freiheitsliebenden Bewohner der Boerenrepubliken ein überaus frugales Volk und, sobald sie zum Schutze des Vaterlandes zu den Massen gerufen werden, in Bezug auf ihre Verproviantirung durchaus nicht wählerisch. Mit einigen tüchtigen Rationen gedörrten Fleisches versehen. Marketendecwagen. folgen sie der Ordre ihres Feldcornets unverzüglich. Trotzdem aber verlangt auch der Boerensoldat zuweilen nach einer flüssigen Erfrischung und für die Beschaffung dieser hat der Marketender zu sorgen. Ein schwerfälliger Wagen dient zur Beförderung alles dessen, was den Krieger seine vielen Mühseligkeiten leichter ertragen läßt, und Kaffernknechte bilden die Gehilfen des Ganymeds auf dem afrikanischen -Kriegsschauplatze. Boshaft. Frau: So, Sie haben meinen Mann in Baden-Baden gesehen. Wie sah' er denn aus?" Freundin: Ganz glücklich!--Bezeichnend. Welchen Philosophen halten Sie für den tiefsinnigsten? Hegel! ... Wissen Sie, den versteh' ich am wenigsten! Weiblich. "Ader, mein Herr, wie können Sie mir 'solche Sachen von meiner Freundin erzählen! Schämen Sie sich!- Ich habe ja noch gar nichts erzählt, das Schlimmste kommt erst Na. dann erzählen Sie! Durchschaut. Redacteur: Na. bringen Sie den neuen Roman? Schriftstellerisch nicht ;aber er ist erst ! ... r . rc n v , - c ... 1 Vls zu oem vsezoilmvlv meines et.oen ! gediehen! Redacteur: So, so, und da sind Sie woyi gekommen, um sich einen Vorschuß für das Begräbniß zu holen? Ein famoseS Zuchthaus.' Gast (aufhorchend, als in der Nähe die Melodie Weh. daß wir sch:iden müssen" gesungen wird): Was Ist denn das für ein Gesangverein?Wirth: Ach, das ist der Männerchor drüben im Zuchthaus. . . da wird jedenfalls wieder einer entlassen!"
rrC' r7y' lUr 9 fio LM 'DH '
Milder aus Arussel.
Nicht nach den Bauten, sondern ' nach dem Eharacter soll man eine Stadt beurtheilen. Wie der Mensch, so verwandelt sich auch das Aussehen eines Städtebildes; nur geht diese Umwandlung bei den Menschen etwas schneller vor sich, manchem zu schnell. Sein Grundcharalter aber bleibt, wie ihn die Natur und die Vorsehung geschaffen haben. Und so läßt sich auch der Charakter einer Stadt nicht modein und umwenden, wenn auch ihre Architektur andere Züge und Stile annimmt. Die Geschichte Brüssels ist in dieser Beziehung besonders lehrreich. Der Hauptstadt des modernen Belgiens fliegen die Fremden in der guten Jahreszeit wie die Motten zu, denn sie gilt als eine äußerst fröhliche, schöne und elegante Kokette, die mit ihren weichen Armen den Fremdling nicht wieder leichten Kaufes ziehen läßt. Reißt er sich aber dennoch von dieser nordischen Circe los, so stirbt ihm die Sehnsucht nach ihr nimmermehr im Herzen. Er kehrt, wann und wie er nur kann, immer wieder zu ihr zurück. Nun lehrt uns die GeDas Rathhaus. schichte Brüssels, daß dem schon zu allen Zeiten so gewesen ist. Schon damals, als dieses noch in seinen Kinderschuhen steckte und gar nicht so lieblich und verlockend dreinschaute wie heutigentags, war dem genau so. Die alten Grafen v. Löwen verließen ihre reiche Residenzstadt und bezogen ein Schloß an den Ufern der Senne, welches der letzte der Karolinger erbaut hatte. Philipp der Gute und Karl der Kühne machten aus dein Schlosse der Brabanter Herzöge auf dem Coudenberg ihre Lieblingsresidenz. Die Namen Karl der. Fünfte, Albert und Jsabella bis hinab zu den Herzögen und Grafen aller Nationen knüpfen sich an die achthundertjährige Geschichte dieser unerklärlichen Reize Brüssels. Natur, Sitten und gewisse Eigenschaften der Bewohner haben sick von jeher vereinigt, um aus dieser Metropole der Brabanter Eben ein Eldorado fifc die beschaulich und für die überschäumend genießende Lebensfreude zu machen. liLii JtiüLiLlQMÄilitL lTCrIy3TöriJ i iwis :u ' T-n Willi" Ji. "'.t fön m Utt m RM Das B r o t h a u S. Es wäre nun aber vergeblich, in Brüssel noch viele Anklänge an die alten Zeiten städtischer Herrlichkeit suchen zu wollen. Selbst der steinernen Zeugen aus den Tagen der spanischen und österreichischen Herrschaft gibt es nicht mehr viele. Was davon noch vorhanden ist. sucht man durch schleunige Restaurirungs - Arbeiten zu retten, während man gleichzeitig die häßlichen. uralten Häuserquartiere, die nichts erhaltenswerthes bieten, abträgt. Vorbei für immer sind dieZeiten der Corporationen und Gilden. Zum ewigen Gedächtniß ihrer Thaten und Unthaten hat man ihre Abbilder rings um die Gartenanlagen des Petit Sablon" aufgestellt, in deren Mitte sich das Denkmal der Grafen Egmont und Horn erhebt. Wohl erklingt auch noch mittäglich das Glockenspiel aus dem Gebäude reinster gothischer Re.naissance, welches durch geschickte Auffrischungen Brüssel erhalten worden Die RathSwage. ist, aus dem Vrothause oder Maison du Roy , von welchem aus die bewen Opser des treulosen Alba ihren letzten Gang zum Schafott antraten. Noch bildet die Grande Place- mit ihrem Stadthause, der Rathswage, den Gil dehäusern die Perle Brüssels. Aber selbst die unverfälschte Schönheit der alten Hauser der Grande Place ver schwindet mehr und mehr. der oberen tadt flutbet da? Le!en der Aristokraten der Geburt, des Geistes und des Geldes vornehm still und elegant dahin. Die herrliche
iiü TtfPvn riÄ-'lJEtt b- H&aüA s WMMMMW
. h j m m a wwrw auya
schattige Avenue, die sich von der Tiefe des Botanischen Äartens aus die Höhe hinauf, an den ehemaligen Thoren ron Löwen, Namur und Hall vorbei zum Südbahnhof hinzieht; die prächtige Avenue Louise, die in das Bois
UNs VMDWE!ss, m m ii. riri Sm Lj'ü UJlf i fl , Ut-I IPfll- CM Bte .WWWNMM JNUZWV ' , . SiiiJoä fzzzzzzu -
Das Gildehaus. de la Cambn" hinauMhrt, vor allem der Park Royal. sind die Erho-lungs-und Sammelpunkte für die gute Gesellschaft der belgischen Hauptstadt. Erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wurde der Park in seiner jetzigen Gestalt dem Publikum als öffentlicher Spaziergarten übergeben und von seinen früheren Wasserkunsten blieben nur die beiden schönen Bassins erhalten, deren eines gegenüber dem königlichen Stadtschlosse, des andere gegenüber dem Abgeordnetenhause, dem Palais de la Nation" gelegen ist. Das erstere ist wohl die ödeste königliche Residenz derWelt und ihr Heller Anstrich 'läßt ihre Häßlichreit um so deutlicher hervortreten. Einen grellen Gegensatz zu diesem wenig einnehmenden königlichen Wohnsitz bildet auf der anderen Seite des Parres das zierliche und geschmackvolle Haus, welches Guimard für die Vertreter des Volkes an Stelle des einstigen Lusthauses Karls des Fünften aufgeführt hat. Der Wahrzeichen Brüssels gibt es drei; man nimmt sie schon aus weitester Ferne wahr. Als erstes ist zu nennen der städtische Schutzpatron St. Michael, der auf der schlanken Spitze St. Gudula' Kathedrale. des Belsriedes des Ratbbauses sein tapferes Schwert über dem zu Boden geworrenen Teufel schwingt. ie Kuppel des Justizpalastes, der dräutn über dem Bolksviertel der Marollen aufragt und ein so unvernünftig colossales Bauwerk ist, oafc snn Schöpfer Polacrt darüber wahnsinnig wurde, ist das Zweite Merkmal der Nähe der Stadt. Das dritte sind die unvollendeten Thurme ver evensaus bockiaeleaenen Kathedrale zu der heiligen Gudula und Michael, eines der schönsten Denkmäler der Gothik. Den Grund zur Kirche der heiligen Gudula legte Lambert. der Sohn der sch'önen Jrmengard, der von emem veigi scken Grafen entführten Tochter Kai sers Ludwig des Deutschen, auf dem soaenannten Mublenberae. als er ge gen den vom Kaiser ernannten Herzog von Brüssel das Schwert zog. wtz Bischof von Cambrai. zu dessen Kirchspiel das damalige Brüssel noch gehörte, weihte die Kirche am 16. November 1047 ein. Der Geist, der-das neuzeitige Brüssel durchwogt, hat seine zwei scharf ausgesprochenen Strömungen. Während die gebildeten Leute der besseren Klassen sich in Wesen, Sprache. Kleidung und Sitten durchaus nach Paris richten, hält das Volk treu an der ererbten Moedertael", dem Vlämischen, fest. Merkwürdige Auffassung. Denken Sie sich, nennt mich dieser Mensch einen Esel!-" Unsinn! Sie sind ja blond!" Literarisches. Nachbar (ironisch): Was war das denn für eine lange Vorlesung, die Ihnen gestern Abend Ihre liebe Frau gehalten hat?" Hausherr: Das war, der Text zu den drei Reiherfedern, die Sie heute auf ihrem neuen Hut sehen!" Eine kalte Douche. Nach der Premiöre Ihres Stückes hab' ich die ganze Nacht schlaflos zugebracht." Dichter (erfreut): So o ??" Ich habe mich nämlich schon während ider Vorstellung ausgeschlafen." K u r i o su m. A.: Wer waren die bekden Herren, mit denen Sie sich so lange unterhielten?" B.: Der eine war ein Herr Weiß, Rothgerber aus Braunschweig, und der andere ein Herr Schwarz,' Gelbgießer aus Graudenz. Sie hat- Recht. Hertha: Du Hilda, ichcbin dahinter gekommen, daß Du mich belogen hast. Hilda: Womit? Hertha: Mir hast Du gesagt, daß Du nie tadeln gelernt hast, und jetzt erfahre ich, daß Du seit mehreren Jahren und auf mehreren Lehrbahnen die krampfhaftesten Versuche machst. Hilda: Und was weiter? Hertha: Wie kannst Du da. behaupten, Du hattest nie radeln gelernt? Hilda: Na, hab' icZ vielleicht geleint?
Ifa M I Pf ' v I j I ärfgzi - .fc-TTTT4 j j i vnTraj i a' . " ...
Jockcle. sperr! "Die .freundliche Universitätsstadt Tübingen im schönen Schwabenlande hat eines seiner interessantesten Wahrzeichen verloren. Die alte Neckarbrücke ist abgebrochen worden.um einer neuen, den modernen Verehrsverhältnissen entsprechenden Brücke Platz zu machen. Die alte Neckarbrücke wurde unter dem Grafen Eberhard im Bart erbaut, der die Stadt Tübingen auch mit der Universität beschenkte, und fast gleichzeitig mit der Entstehung der Brücke erfolgte die Eröffnung der Holzflößerei auf dem Neckar, die nun ebenfalls ihr Ende gefunden hat. Einem zwischen Preußen und Württemberg abgeschlossenen Staatsvertrag zufolgte mußte spätestens bis zum 31. December v. I. die Straße zwischen Glatt und Neckarhausen vollendet und dem Verkehr übergeben sein, und von diesemZeitpunkt an das Flößergeschäst auf dem Neckar oberhalb der Enzmündung aufhören. Damit war der Neckarflößerei überhaupt das Urtheil gesprochen, und die Baumriesen aus dem unteren Schwarzwald, die bisher, wohl aneinandergereiht und vom Jockele" kundig gelenkt, den Strom hinabglitten, müssen fortan auf dem Landwege befördert werden.
j,5üW
ZMMWMW fTVrr
. -fi'izrsrWKf
Die alte Brücke. Für Tübingen aber und zumal für die dortigen Studenten ist damit ein seit Jahrhunderten geübter Brauch zu Ende gegangen. Wenn nämlich auf dem Neckar die Floße sich zeigten, so versammelte sich einer uralten Ueberlieserung nach die Studentenschaft, soweit sie die Zeit sich irgend abmüßigen konnte, auf der alten steinernen Neckarbrücke, und vielhundertstimmig ertönte der Ruf: 'Jockele sperr! Jockele war der uralte Spitzname der Flößer; und sperr" wollte besagen. daß der Floßer nicht vergessen solle, unter der Brücke vorschriftsgemäß die am Ende des Floßes angebrachte Sperrvorrichtung in Betrieb zu setzen. Dann gab's unausbleiblich zwischen den Männern auf dem Strom und den Spaßvögeln auf der Brücke ein Wortgeplänkel, das alles eher als parlamentarisch genannt werden konnte, und zum Schluß wurden mit größter Rc gelm'aßigkeit aus den Fenstern der benachbarten Hauser viele Paare Kano nenstiefel geschwungen, womit die Flö ßer in ihren hohen Wasserstiefeln geneckt werden sollten. Dieser Scherz ist uralt, denn schon am 10. Juni 1584 beschloß der Universitätssenat mehrere Studenten auf 8 Tage rn's Karzer zu legen, weil sie die vorüberahrenden Floßer vexieret." Eine Statte der Kuust. Zu den großen Städten des Deutschen Reichs, die mangels jeglicher Staatsbeihilfe ihre Kunstanstalten aus eigenen Mitteln zu schaffen wußten, gehört wohl mit in erster Linie die Rheinmetropole Köln. Unterstützt von dem localpatriotlschen Opfersinn rer cher Mäcene ist hier im Laufe der letz ten Jahrzehnte eine Reihe von Kunststatten entstanden, die die Aufmerk samkeit der ganzen gebildeten Welt in Anspruch nehmen. Wir rechnen hierzu m erster Llme das Wallraf - Richartz Museum, das nunmehr in dem der Vollendung entgegengehenden Kunstgewerbe - Museum ein würdiges Seiten stück erhalten hat. Wie ehedem der Patricier Richartz die Errichtung des Wallraf - Museums schenkte, so er freute jetzt Commerzienrath Andrea die Stadt Köln mit der reichen Spende von 400.000 Mark zum Bau eines Kunstgewerbc - Museums. Nachdem die Stadt Köln an einem der schönsten ir FMZMM ,MMM-RM x&dLr v ii-TTj1. ir. tM t r ifliTt?, NMMW umm. Das Museum. und verkehrsreichsten Punkte der Neustadt, dem stolzen Hansaring, dem neuen Museum einen passenden Platz angewiesen hatte und der Nest der auf etwa 700,000 Mark sich beziffernden Bausumme sichergestellt worden war, erfolgte die Ausschreibung der Concurrenz,.aus der .der Kölner Architekt Franz Brantzky als Sieger hervorging. Das imposante und dennoch rn den zierlichen Formen der Frührenaisj sance ausgeführte Gebäude trägt mit ' seinen hohen Giebeln, seinen zierlichen . Thürmen und Erkern dem architektoni- ' schen Lokalkolorit der alten Hansestadt am Rhein gebührend Rechnung und aereicht dem ausführenden Architekten, der auch bei der Concurrenz um den Bau der Bergschule in Bochum den ersten Preis errang, zur größten Ehre. Die Eröffnung des stolzen Kunsttem;,ls dürfte im Frühjahr 1900 erfolgen. . . Ueberraschende Antwort. Bräutigam (der mit seiner Braut im Restaurant ißt): Das Essen ist heute wieder miserabel; weißt Du', ich freue mich, wenn wir endlich verheirathet. sind.- Braut: Kannst Du denn kochen?"
kr
;a Avm f&f v)
illVfUz!W 4
i
kfC-f-r.Tw
mmi im u
t-mrww
I'-l JTTMTl II H M n 1IMI ri ll Lllu.
i i mu m i n w.i . ,, 1
" Damenturnen in Berlin. ' ' ... . t Der gesundheitliche Werth der Turnübungen für das weibliche Geschlecht ist so allgemein anerkannt, daß sich kaum in den gebildeten Kreisen Jemand mehr finden wird, der nicht von dem Nutzen eines sachgemäß betriebenen Turnens überzeugt ist. Hervorgehoben mag aber doch werden, daß gerade das Turnen mit seinen mannigfachen Bewegungen und Uebunzsformen für junge Damen mit sitzenderBeschäftigung von großem Nutzen zur Vermeidung von Blutarmuth, Schw'äche und ähnlichen derartigen weitverbreiteten Mädchenkrankhciten ist.
hl i Am Barren. Welche Verbreitung das Frauenturnen in Deutschland bereits gefunden hat, geht schon aus der Anzahl der weiblichen Mitglieder hervor, die z. B. die Berliner Turnvereine zählen. Nachdem im April des Jahres 1890 die Berliner Turngenossenschaft- ihre erste Frauenabtheilung gründete, haben , fast alle größeren Turnvereine Berlins das Damenturnen mit in ihren Betrieb aufgenommen, so daß jetzt über 1500 Damen in Berlin turnen. Auch Mädchenturnen wird von einigen Turnvereinen geleitet. Das Damenturnen hat in der Zeit seines Bestehens schon mehrfache Veränderungen durchgemacht. Während zuerst beinahe alle Vereine die Leitung Turnlebrerinnen übertragen hatten ist man jetzt dahin gekommen, sast überall Turnlehrern oder befähigten TurnKeulenschwingen. warten der Vereine den Unterricht zu übertragen. Ohne der Vornahme allzu männlicher Uebungen das Wort zu reden, wird das Hauptgewicht jetzt auf das Geräthturnen gelegt, dabei Freiübungen und Turnen mit Handgeräthen, wie Hanteln, Stäben 'lnd Keulen, nicht vernachlässigt, ReigenÜbungen jedoch als zeitraubend und weniger vortheilhaft für die Körperausbildung sehr eingeschränkt. Auch Turnspiele im Freien werden von den Vereinen eifrig gepflegt. Die Turnkleidung ist augenblicklich in Form und Farbe noch recht verschieden; es wird viel grau:s Leinen und leichtes blaues Tuch mit verschiedenen Garnirungen getragen, sogenannte Hänger oder Bluse und Rock mitBeinkleidern darunter. In neuester Zeit werden auch für das Turnen vielfach sogenannte Pumphosen benutzt, die sich als äußerst praktisch und aligenehm bei den Freiübungen bewährt haben; nur muß man wie bei den ?urnkleidern allzu große Weite vermeiden. Aus der guten alten Zeit. Hauptmann: Melde gehorsamst: mit unseren Leuten ist heute nichts an zufangen, die Kerls sind alle bcsof fen!- . Major (nach längerem Besinnen): Besaufen wir uns auch! Leichte Wahl. O Wirth: Stoppelbauer, soll i Dei Alte holen lassen oder willst lieber außi geschmisse werden?"
IIJPIJ! I,
X J t '
G o
Ia
.Manch erlist schon an seinen Vorzügen zu Grunde gegangen. M oerne KinÄer. Mut: ter: Spielst Du auch schon mit dem Hans?" 'Kind: O, wir spielen nicht, wir flirten blos." Modern. A.: Es ist mch zu beschreiben, wie glücklich der Kommer zienrat X. mit seiner Frau lebt!" B.: Kein Wunder, die sind auch schsn eii mal geschieden gewesen!"
