Indiana Tribüne, Volume 23, Number 137, Indianapolis, Marion County, 4 February 1900 — Page 7

All Kind. ! Bübchen spielte im Sande. Neben ihm saß noch in Bübchen, ws spielte auch im Sande. Sie hatten beide ernste, zufriedene, kleine Gesichter mit wichtiaen. aroßen Auaen und einer

übeiwältigenden Masse wirrer Locken. Und mit ihren kleinen, geschickten H'äntan schufen sie die herrlichsten Sache us dem Sande, Thürme und Berge und Schlösser! Ueber. Brezeln und Zuckerhüte waren sie ja längst erhaben! Man bedenk. - sie trugen ja . schon längst HoseL und hatten jeder ein Taschenmesser mit zwei Klingen! Es ließ sich allerdings nichts schneiden mit ihnen, aber das schadete ja nichts. Sie .arbeiteten" eigentlich nie zusammen, jeder baute ganz privat und unabhängig nach .seinem eigenen Geschmück und zerstörte ganz nach Belieben zu der ihm geeigner dünkendenZeit. Sie sprachen auch halbe Stunden lang kein Wort miteinander, denn es waren zwei ernste, kleine Menschenkinder, die das Leben im Allgemeinen und die große Verantwortlichkeit eines Bauunternehmers im besonderen durchaus nicht leicht nahmen, und doch hatten sie entschieden das Gefühl, daß srt zusammen spielten. Und wenn einer von ihnen etwas früher am Sandhausen 'erschien als der andere, dann saß er trübselig und Jhimm im Sande, die fömt in die Höh' gezogen und die IUU nen, braunen Hände um die zerschrammten, braunen Beine geschlunHM, und hatte das dumpfeGefühl. daß s noch keinen Zweck hätte, anzufangen znit dem Ban. Die Borilbergehenden ans der Strandpromenade belustigten sich über dieses treue, Heine Paar. Als eines .Äages das tmt Bübchen einen Augen !blick allein saß, weil das andere gerade -einer Eidechse nachgelaufen war, fragren sie: fta, wo ist denn heut' 'Dein Freund?" Er sah 'sie groß und ruhig nn mit -sonnendurchflutheten braunen Augen "Und .schwieg. Aber als sie zusammen zum Essen ,zogen oder vielmehr gezogen wurden, ander Hand ihrer vielgeduldigenWärterinnen, 'ba sagte das braunäugige Bübchen plötzlich zu seinem Kameraden: , Also, Tu bist anein Freund! 'Gelt?". sagte der andere ernst, mnd dann hatten sie sich A)eiter nichts zu 'sagen. MuW! Ich hab' -einen Freund!" 'rief am anderen Morgen das braunäugige Bübchen, als s zum Spiel:psatz wollte und an den Strandkörben .der. Großen" vorbeikam. Aber Mutti" lächelte nur schwach ? und faß blaß und milde in ihrem großen. Korbstuhl. .Mutti war überhaupt immer -blaß iund müde in der letzten Zeit das Bübchen grübelte ann zog es weiter! Als es-am nächsten Tage wieder an 'Muttis Korbstuhl vorbeikam, rief es .ihr jubelnd zu: Mutti, heut' bau sch einen Leuchtthurm, einen großen, großen, großen, :so. aroßen", er reckte seinelllrme so.weit .auseinander, daß sie .beinahe hinter "seinem Rücken wieder zusammenstie--;en, aber es genügte noch -immer nicht, ,zu zeigen, wie groß er es meinte. Er .wollte weiter stürmen, aber die Mutter streckt? plötzlich die Arme aus .und sagte leidenschaftlich: Komm. 'Bübchen, komm zu mir!" Ei .trottete heran uiü lehnte sich an 'sie, .in seiner weichen, schweren Art und .ließ sich von ihren Armen fest umschlingen. 'Ko?nm, Bübchen, bH&' bei Deiner Mutter und. tröste sie! 'Es lani ihr selbstsüchtig vor, das Kind, J&as zum Spiel hatte stürmen wollen, festzuhalten bei .ihr, aber es war doch ihr Kind, ihr Kleinod, und sie verlnate so nach ihmJ Sie zoz ihn höher hinauf, daß er auf ihrem Schooß saß und sie ihre Wange auf seine goldene Haarfluth legen konnte. Sie murmelte schmerzvoll liebevolle Worte und drückte die Lippen immer wieder in die Einigen, weichen Haare: Bist Du mein, Bübchen? Mein kleiner Schatz? Hast Du Deine Mutti sehr, sehr lieb?" " : Er schlang die Arme ungeschickt um ihren Hals, daß ?h? Krägen-grausam ' zerdrückt wurde, und seufzte tief auf: Ach. Mutti, ich bab' Dich doch so feoll, voll, doll lieb! . .Bei jedem doll" wurde ihr der Hals beinahe eingeschnürt, und der steife Leinenkragen schnitt .schmerzhast in das Fleisch, aber diese Schmerzen waren ihr süß. ', - Dann ließ sie ihn los, und er baute seinen Leuchtthurm. Als das Bübchen . an dem Abend wieder an ibren Korbstubl kam . . m -, 1 , . .... sie zum Heimgehen abzuholen, waren seine Augen thränenschwer und sein kleiner, weicher Mund zuckte. Ganz blaß sah auch das Bübchen aus. Was ist Dir denn, mein Liebling?" fragte die Mutter erschrocken. Ach, Mutti er kämpfte mit den Thränen und wandte den Kopf und zwinkerte mit den Augen, mein Freund" mit welchem Stolz hatte er das Wort gestern noch gesagt wir heute so greulich zu mir; ich kann doch nichts dafür und ich hatte es doch nicht so gemeint und und er hat mich so ausgelacht!" Und dann zwinkerte er wieder mit den Augen und zog die Mutter mit sich fort. Als er am nächsten Morgen bei ihr vorbeikam auf dem Wege zum Spielplatz, sah er bekümmert und bedrückt aus. . Die Mutter schlang den Angina

ihn: Willst Du wieder zum Spiel, platz, mein Liebling?" Ja, Mutti!"

Aber nicht wieder zu dem kleinen j Jungen, der Dich gestern geärgert hat?" Er stutzte einen Augenblick Ja. Mutti", sagte er dann einfach. Aber, Bübchen", sagte sie erstaunt, ich denke, er hat Dich so geärgert, da wirst Du doch nicht wieder zurückgehen zu ihm!" Er sah seine Mutter hilflos an er verstand sie nicht! Ein gequälter Ausdruck trat in die Kinderaugen. Mutti, er ist doch mein Freund!" sagte er halb weinerlich, halb ungeduldig, und dann ging er langsain dem Sandhaufen zu. Die Mutter sah ihm lange nach, mit einem Ausdruck in den Augen, als wäre ihr eine große Offenbarung geworden, dann stand sie plötzlich auf und ging in's Haus. Sie wollte an ihren Freund" schreiben. Verzeih mir." schrieb 'sie, mir ist eine große, heiligeLehre geworden. Als mir .mein Freund' weh that, hätte ich liebend vergeben sollen und denken: Er ist doch Dein Freund, der Dich liebt und den Deine Seele liebt. Ich aber vergaß das große, heilige Gesetz der Liebe, das Miteinandertragen, das Verste'hen und Vergeben, und setzte das erste, lieblose Wort, das Du je zu, mir gesagt, als unüberbrückbare Schranke zwischen Dich und mich. Verzeih mir und komm zu mir!" Lübchen. Papa kommt heutAbend sagte sie den Abend mit schimmernden Augen. Ach, der herzliebe Papa!" jubelte das Bübchen und fing an aufgeregt im Zimmer umherzutanzen. Mutti, Mutti, ich bleib' auf! Ich muß aufbleiben!" Dann stürmte er in den Garten und pflückte große, ungefüge Blätter und band sie mit viel Mühe und Plage zu einem großen Willkommkranz für Papa zusammen. Dann kauerte er sich auf's Fensterbrett und wartete auf die Sterne, und starrte in die Höh' und meinte, die Sterne wären lauter Löcher, die der liebe Gott in den Himmel geschnitten habe, damit die Menschen sehen sollten, wie schön hell es bei ihm drin wäre! Schließlich schlich er sich zu seinem Mutterchen, lehnte sich etwas müde an sie. murmelte: Jetzt kommt er wohl bald?" und versuchte nicht zu gähnen. . . Sie nahm ihn lächelnd auf den Schooß, legte sein müdes Köpfchen an ihre Brust und fing an, leise, mit weichen Händen über sein Goldhaar zu streichen. Erzähl' mir was. Mutterchen!" flüsterte er. Dann tauchte sie mit ihm in das Märchenland und erzählte mit halblauter Stimme von schönen Prinzen und der jüngsten Königstochter mit dem Stern auf der Stirn, aber sie brauchte nicht lange zu erzählen, noch lang eh' der schöne Prinz seine Prinzessin gefunden hatte, war das Bübchen eingeschlafen. Sein Kopf war zurückaesunken, schwer und breit lagen V die Wimpern auf der Wange und sein warmer Athem streifte lhre Hand. ' Sie erhob sich leise und legte ihn behutsam nieder, bettete das Köpfchen weich und deckte ihn zu. Dann trat sie an das offene Fenster und blickte hinaus in die Nacht. Wie friedlich, wie ruhig lag die Welt im Schlaf. Fern am Horizont ein paar Lichter kalt und trübe die werden bald erlöschen, aber am Himmel die Sterne, die der Mensch so liebt! Und das irdische Licht weich verbunden durch den zarten Nebelschleier, der duftig über der Ebene lag. j VSo friedlich! So friedlich! So friedevoll wie in einem Herzen, das sich selbst überwunden hat und zurückgelehrt ist zu'dem Weg der Pflicht. Sie bog sich weit hinaus in die Nachtluft O. Du. tiefer, tiefer, blauer Himmel!" Sie faltete dieHände und schaute in die Höh'. Fern ein leises Wagenrollen, so klar und plötzlich in der stillen Nacht! Sie schloß die Augen einen-Augen-blick, dann schritt sie mit zartem Lächeln der Thür entgegen. Und dann sahen sie. sich in die Augen, stumm und tief und als er sie wortlos im die Arme schloß und ihr Herz seine Heimath wiedergefunden hatte, sagte sie leise: Das haben wir unserem Bübchen zu verdanken, wir wollen ihn doppelt lieb haben dafür, unseren kleinen Schutzengel!" Und sie schritten zusammen an sein Lager, jeder an eine Seite, und beugten sich über die goldene Haarfluth. Aber Bübchen war müde und schlafumfangen. Die Augen blinkerten einen Augenblick linier den schweren Lidern in das Licht und erkannten gerade noch den herzlieben" Papa, dann murmelte er: . Gut, daß du da bist, Papa, sonst wär' ich beinah womöglich noch eingeschlafen!" , Aber er wunderte sich doch noch, wie lang und warm und wie besonders innig sie ihn küßten, auf seine beiden weichen Wangen zugleich, die Lider wollten gar nicht mehr in die Höh', aber er war ein dankbarer kleiner Mensch und hob die müden Aermchen noch einmal, um sie Papa und M'snu um den Halszu legen, und murmele: Ich hab' Euch doll lieb!" Guter Beweis. Schneidermeisier: Denk' nur, Frau, derLicutenant von Puttelwitz hat sich verheirathet. er war hier und " Sie: hat Dir's mitgetheilt, das istaber nett von ihm!" Er: Nee, nee, as nicht xräei er hat seine Rechnung bezahlt."

Schweigende Kranm. Hinter der stolzen Allee, die die Aussicht auf das Meer und eine reiche Villencolonie eröffnet., liegt auf dem Wege von Bayonne nach Biarritz eine mäßige Anhöhe. Im Schatten des kleinen Wäldchens erhebt sich hier weltabgeschieden ein schloßähnlicher Bau, den eine hohe Mauer' umschließt. Tiefe Ruche lagert über diesem Orte, jene friedvolle, geheimnißreiche Ruhe, die an den Tod und das Ende mahnt, als Würde die Mauer alles zurückdrängen wollen, was draußen an das Sein mahnt, das, sich hier vor den Augen des Beschauers so reich und schön entfaltet. Ein Zauberreich ist es. das die Natur geschaffen, und dessen weihevolle Ruhe fast nie durch das Geräusch des Alltags unterbrochen wird. Nicht einmal durch jene merkwürdigen, dermummten Gestalten, die man von Zeit zu Zeit hier antreffen-kann Frauen, die ihr Haupt in schwarze Schleier hüllen, und denen die Trauer anzuhaften scheint. Arme und Schultern deckt ein faltenreiches, grobes, härenes Gewand, das in der Mitte ein großes, schwarzes Kreuz trägt. Die Gestalt scheint unbeweglich, man mag sich ihr auch nähern. Das grobe, weiße Kleid hüllt sie völlig ein, auch das Gesicht ist verhüllt, nur der Mund und die Augen sind frei. Oefters, wenn man dem merkwür digen Hause näher kommt, kann man die leisen Gesänge der Bewohnerinnen vernehmen, langgedehnte, ersterbende Accorde, die hinauszittern in die Welt wie ein Gebet. Dann fällt der Klang der Glocke ein, und sein verhallendes Echo trägt auch die Wünsche jener Unglücklichen, die nichts mehr von den Menschen verlangen, nichts unter ihnen mehr suchen. Im Bannkreis der hohen Mauer kann man sie dann alle sehen, wie sie schweigend zu einer langen Reihe sich ordnen, eine hinter der anderen, verhüllt und vermummt, die Arme über die Brust gekreuzt und daö Haupt tief gesenkt. Und stumm, automatisch fast bewegen sie sich fort, eine hinter der anderen in ganz bestimmten Abständen, daß kein freundliches Wort hinüberflattere, kein Gruß denn alle diese Frauen sind für die Welt und ihre Bedürfnisse längst todt. Sie sind Bernardinerinnen, deren schweres und hartes Loos ihnen verbietet, unter einander je ein Wort zu wechseln, einander auch nur zu kennen. Mit dem Eintritte in das Kloster wird alle Vergangenheit in Vergessen getaucht, versinkt alles, was an die Außenwelt erinnert. Sie kennen sich gegenseitig nicht, keine weiß -den Namen der anderen, er ist ein starres Geheimniß der einzelnen; keine weiß von der anderen, woher sie komme,- wer sie einst gewesen und wo und wie sie bis zu 'ihrem Eintritte in das Kloster auf dieser weiten, schönen Welt gelebt. Wer irgend welche Auskünfte oder Aufklärungen wünscht, wendet sich an die Vorsteherin, die zu gewissen Zeiten Fremde zu empfangen pflegt. . Ste zeigt dann dem Gast auch den Garte und das Feld des Klosters, beide werden von den schweigenden Schwestern bestellt. Außerdem kann man auch, wenn dies gewünscht wird, eine genaue Beschreibung mit der Geschichte des Klosters erhalten. Jeden Tag." erklärt sie, werden einige Schwestern zur Feldarbeit abcommandirt; sie verlassen dann das Kloster und treten hinaus in das Leben, ohne es aber wieder auf' sich zu nehmen. Es ist ihnen nicht gestattet, mit einander zu sprechen, ebenso wenig kümmern sie sich um sonstige Vorgänge der Außenwelt sie verrichten schweigend ihre Arbeit und kehren schweigend in ihr Grab zurück. - Vor langen Zeiten hatte das Kloster für jede Schwester eine eigene Zelle, die sehr bescheiden war; denn sie enthielt nur ein einfaches Bett, an dessenHaupt ein Kreuz mit der Inschrift Gott über allen" angebracht, war. Zwei Brände aber, die in kurzer Zeit und rascher Folge uns heimgesucht haben, haben einen, großen Theil des Klosters zerstört, wir mußten daher die übrig gebliebenen Zellen auftheilen und durch Wände so weit repariren, daß die Büßerinnen untergebracht werden konnten. Da? Refectorium ist ein niederes eigenes Häuschen für sich, überaus einfach und bescheiden. An den' Wänden laufen Holzbänke und stehen einige Holzsessel, in der Mitte ein unbedeckter Tisch. Hier speisen die Büßerinnen sechs Mal in der Woche; Freitags gibt es nur ein einfaches Abendmahl, das knieend eingenommen wird. Jede Schwester hat ihren eigenen Teller und ihr hölzernes Eßbesteck das Menu besteht nur aus Früchten und Brot. Man sollte glauben," erzählt die Priorin weiter, daß dieser Orden mit seinen harten Anforderungen es einzelnen Büßerinnen schwer macht, längere Zeit in diesem Grabe für Lebende zuzubringen, um so mehr, als es jeder einzelnen freisteht, zu jeder Zeit das Kloster zu verlassen, wie sie gekommen: ohne Angabe von Gründen, ohne den Namen zu nennen und ohne zu sagen, woher sie gekommen, wer sie sei Trotzdem ist bis heute noch keine ausgetreten, hat jede auf ihre Erlösung gewartet, die ihr endlich durch den Tod wird " ' Und selbst der Tod lüftet nicht das Geheimniß der Büßerin, deckt nicht ihren Namen auf. J.'d? todt? Schwester wird von den übrigkn Schwestern in's Grab gebettet, und keine weiß, wen sie da versenkt haben. ftcrftc einst gewesen und. was sie in ihre Kutte, getrieben. Ja, nicht einmal ihr ganzes Antlitz hat je eine gesehen. -Dunkle Cypresscn neigen sich über dem Grabe und wiegen t.3 schlummernde Herz in den ewigen Frieden, in die schweigende,' ergreifende Trauer endlicher Verzeihung....

befangen. Humoreske von Ernst Murr. Man trank den Nachmittagskaffee. Wie schade", sagte Papa Schmitt. daß man die Balkonthüre nach dem Garten nicht mehr geöffnet halten oder gleich sein Schälchen außen auf dem Balkon selbst schlürfen kann aber es ist sehr kühl heute!" Ach, ich finde es .himmlisch, schwärmte seine Tochter, die kaum vier Monate an Assessor Elbmann verheirathet war. wenn jetzt so der Winter kommt es schneit außen still und feierlich und Robert und ich, wir sitzen an unserem lauschigen Ofen oder bei Euch hier oben um den freundlichen Familientisch nicht wahr. Robert?" Sie lehnte sich mit einer Hingebung an ihren Gatten, der ihr verliebt in die Augen schaute, daß Vetter Gustav Hagedorn, der Junggeselle, unwillkürlich äufknurrte, da war er ja schön hereingefallen. Hatte gedacht, heute Nachmittag den Vetter Schmitt allein zu treffen vielleicht wußte der was von einer angenehmen, behaglichen Junggesellenwohnung seine alte paßte ihm schon garnicht mehr finstere Treppe, zugige Fenster, schlechte Oesen. Und nun kam er so an. Nicht nur das jungverheirathete Paar aus der Parterrewo'hnung war hier oben und man mußte dieses unausstehliche Süßholzgeraspel der Beiden mit anhören auch Lilly war zu Hause Lilly, die jüngere Schwester der jungen Frau Lilly, der Mldfang. Vor ihr hatte Hagedorn ein geheimes Grauen. Alle Anderen ließen seine Junggesellenwllrde gelten, behandelten ihn mit Respect und traten ihm nicht' zu nahe. Aber dieser kleine Teufel kannte keine Ehrfurcht. Sie neckte ihn, wo sie konnte. Sie warf ihm Kußhände zu, verdrehte die Augen, wenn er kam und ging, hing sich ihm an den Arm, ehe er daran dachte kurz, vor ihr war er keine Minute sicher. Und daß sie reizend, daß sie allerliebst war, erhöhte die Gefahr. Seine heiligsten Prinzipien kamen in's Wanken, wenn er zufällig in ihre feurigen Augen sah; denn mit Absicht geschah's nie, da wich er ihr aus, wo er konnte diese Hexe. Plötzlich erhob sich an der Balkonthüre ein lauter Jubel. Papa, Mama, Schwager, Vetter", rief Lilly, seht nur seht es schneit der erste Schnee, der erste Schnee!" . Sie öffnete rasch die Thür und trat hinaus. Wirklich! Unschlüssig noch, aber doch neugierig, wie's denn da unten eigentlich sei, tänzelten die Flocken vom grauen Himmel herab und setzten sich hier und dort zu kurzem, behaglichem Ausruhen nieder; denn dann gings an ein rasches Schmelzen bei den ersten wenigstens. Lilly sprang, während die übrigen unter die Thüre traten, vergnügt auf dem Balkon - umher Wunderbar!" jauchzte sie. Wunderbar!" die kecken Burschen setzten sich ihr auf die krausen Locken, auf die Wimpern, auf die Stirn; nun versuchte es einer gar auf der kleinen rosigen Zunge, die sie ihm verlockend entgegenstreckte. Schmeckt entzückend!" lachte sie und schluckte den Kobold mit dem Behagen eines Gourmands, der eine Auster verzehrt. Es scheint wirklich gleich Ernst machen zu wollen," meinte Papa Schmitt und deutete nach oben. Der ganze Himmel grau in grau und nun setzt's schon gehörig ein! Seht nur, seht, das Wirbeln und Flocken!" Komm, Ulrike", rief Lilly, wir wollen Schneeballen werfen komm, Schwager Robert, wir wollen hinunter Vetter Gustav. Du wirst ja wahrscheinlich nicht mit von der Partie sein wollen, Deine . steifen Beine könnten sich erkälten o o bewahre, daß ich so etwas auf mein Gewissen nehmen wollte!" Damit eilten die drei jungen Leute in den Garten. Ein Wildfang ein Bösewicht!" lächelte Mama Schmitt und Hagedorn sah mit seinem brummigsten Gesicht hinunter, wie sie mit raschen Händen die dünne Schneeschicht zusammenschoben, ballten und sich -tüchtig mit jubelnder Heiterkeit bombardirten. Lillys Gesicht glühte vor Vergnügen. Ihre Augen blitzten muthwillig. , Sie formte einen Ball. Fang' mal, Vetter!" rief sie. 'Hagedorn wollte noch darnach greifen und auf die Seite spring: da patschte auch schon die kleine Bombe auf seinem Knopfe auf und zersprllhte nach allen Seiten. Die unten brachen in stürmisches Gelächter aus und auch . die , Eltern Schmitt schmunzelten. Hurrah!" rief Lilly triumphirend. Mitten auf die Glatze!"Was Glatze!" Ein durchkältender Schauer rieselte dem Vetter vom Kopfe her durchs Gedein. Nun . wirds mir aber zu bunt, kleiner Satan", rief er' zornig, ich werde Dir zeigen ob ich eine Glatze habe!" Mit einer Behendigkeit, die. man nicht an ihm vermuthet hätte, sprang er hinaus, hinunter. . , . Sie hat ihn an seiner wundesten tl'.lle getroffen!" lachte Papa schmitt. Nun freu' Dich, Unband, er kommt!" 4 Herrje er kommt!" Einen Moment stand Lilly wie er starrt. Sie war blutroth geworden. Dann sah. sie ihn und floh mit einem Schrei er aber hinterdrein den Kiesweg entlang ums Haus herum. ' Bravo Vetter", rief der Assessor, schlag sie nur mal in die Flucht- sie hat's schon lang um Dich verdient!" Rückwärts an der hohen Garten-

mauer, wohin Niemand' sah, stand eine kleine Laube. , Vor dieser hielt Lilly athemlos an. 'Ich kann nicht mehr weiter," keuchte sie, ich ergebe mich!" So." antwortete Hagedorn , grimmig, Du ergiebst Dich Du Du, habe ich eine Glatze,' sag das noch einmal!" Er stand dicht Dor ihr und sah sie zornig an. Aber kaum, daß sein Blick ein paar Sekunden auf ihr geruht, verschwand aller und jeder Groll daraus. Es zuckte ihm seltsam umMund und Augen und eine gewisse Angst lag in seiner Stimme, als er dringend wiederholte: Hab' ich denn wirklich schon eine Glatze. Lilly?" Me", sagte sie ernsthaft, la& mal sehen!" Gehorsam beugte er den Kopf. Sie fuhr ihm leicht mit der kleinen kalten Hand darüber. Keine Spur", sagte sie dabei eifrig, keine Spur, Du bildest Dir das nur ein Du hast noch sehr schöne Haare einen etwas dünnen Haarwuchs hast Du j, aber das haben' Tausende!" ' Hm", meinte er noch nicht beruhigt, ich spürte den Schneeball sofort so kalt oben wenn ich Haare 'genug, hätte, dann hätte ich ihn doch nicht gleich so so erkältend spüren können!" Ach," seuszte Lilly,, es war ja recht ungezogen von mir ich seh's ja jetzt ein vergieb mir doch!" Sie streckte ihm die Hand hin. Er ergriff sie in Gedanken und hielt sie auch so fest. Nein, nein," sagte er, es war nicht das es war kein körperlicher Schmerz mehr ein seelischer! Ich spürte da plötzlich so das Alter der erste Schnee, verstehst Du!" Aber Du bist ja gar noch nicht alt! Du giebst Dich nur so und siehst Du," fuhr sie eifrig fort, das ist es auch, was mich zu all den kleinenBcsheiten -gegen Dich reizt! Warum willst Du immer so klug und alt sein uns Anderen gegenüber? Warum bist Du immer so reservirt und hältst nicht auch mit bei uns Jungen?" Er schaute vor sich hin. -, Ja, siehst Du. Lilly". . sagte er. wenn ich nun auch mithielte, plötzlich würde is sich eben doch zeigen, daß ich nicht mehr unter Euch gehöre daß ich kein Recht mehr habe, mich unter Euch zu stellen "" . Wie meinst Du denn! das?" fragte sie. Aber komm", sagte sie gleichzeitig besorgt und zog ihn in die Laube, es-fängt doch zu stark zu schneien an setzen wir uns hier es ist wegen Deiner wegen 'Deinem " Er lächelte bitter. Da hast.Du's ja wieder, Lilly!" sagte er. Ich gehöre nicht mehr zn Euch" 'Aber freilich gehörst Du zu uns!" rief sie eifrig. Sie saßen sich an dem kleinen Tische gegenüber. Ihre Stirnen berührten sich fast. Ihn durchschauerte ein köstliches Wohlbehagen, ein noch nie gekannter, wagetoller, seliger Uebermuth. beweise!" sagte er halblaut. Welche Beweise?" murmelte sie und schlug schüchtern die muthwilligen Augen nieder. . Wenn Du mir beweisen willst, daß ich noch zu Euch gehöre, daß ich daß ich kurz und gut, dann Heirath' mich!" stieß er hastig heraus. Ich Dich " , Lilly wurde purpurroth. Dann sprang sie auf. Ja, Gustav sagte sie ernst, das will ich! Ich hab' Dich auch wirklich lieb!" - Du hast mich lieb?" jauchzte er. Du hast mich lieb? Aber nicht so wie ich Dich! Kannst's ja nicht so haben! Wildfan Herzensschatz!" , Das junge Ehepaar, das doch endlich auf Umschau ausgezogen war, kam gerade recht, um mit anzusehen, was nun erfolgte. Herrje", murmelte Ulrike, sieh den Duckmäuser an!" Und den kleinen Satan, wie" er zahm ist!" flüsterte Robert. Wir gratuliren!" rief er dann plötzlich laut. Da ließen sich die Beiden erschreckt los. Einen Moment starres Staunen. Dann jubelndes Eingestehen. .Im Triumph führte man sie ums Haus. Ein Kriegsgefangener!" lachte Ulrike zu den Eltern hinauf. Als diese die Beichte vernommen und vergnügt ihren Segen gegeben hatten, sagtePapa Schmitt: Da sieht man's wiederi Wehr sich Einer gegen die Weiber, so lange er will, plötzlich ist er auch dahin!" ,

Cli'mitas. von Jose Echegaray. Chinitas.war ein armer Kleiner oder ein kleiner Armer, wie man ihn nennen will, das ist ja gleich. 1 Er war elf Jahre alt, aber so klein, so schwächlich, ein solcher Knirps, daß man ihm nicht- einmal acht Jahre gab, so unansehnlich, so ein winziges Nichts vzcx er. . - ' Gut erzogen gut gekleidet und gut gewaschen, wäre er gar nicht so haßlich gewesen, vor Allem aber wäre er eines gewesen: ein guter, neinein ganz vortrefflicher Junge. Da ihn das Schicksal aber zu einem armen Kerl gemacht hatte, so war er nichts als ein Häuflein von Schmutz, von Lumpen knd Elend, aus dem zwei große, treuherzige, melancholische Augen blickten. Von allen Schönheiten des Leibes ist die der Augen die dauerndste. Weshalb? Wer kann das wissen. Chinitas war im Grunde seines! Herzens ein ausgezeichneter Junge, ein '

Edelstein, möchte ich sagen, wenn' der Vergleich nicht gar so abgebraucht wäre, der in den Schmutz gefallen war und darin unterging, wenn nicht irgend eine liebreiche Hand ihn daraus rettete. Es giebt Philosophen, die behaupten, daß es Menschen giebt, die gut, und Menschen, die schlecht auf die Welt kommen, und später im Leben nur gut oder schlecht sein können. Nun denn, einer der guten war unser Chinitas. Zu gut. Denn die Schlechtigkeit wagt sich immer heraus, die Güte aber hält sich meist ganz verschüchtert zurück, als passe sie gar nicht hinein in die Welt, in das Leben. Und Chinitas war schüchtern. Schrecklich. Er war Keiner von Denen, die jemals das Recht aufs Leben proklamirt hatten. Nein, im Gegentheil, er fühlte das Leben wie eine Gnade, die man ihm zu Theil werden ließ, wie ein Almosen, das die Menschen in ihrer Güte" ihm gaben. Und thatsächlich lebte er ja von Almosen. Aber um ein solches zu bitten, nein, dazu verstand er sich nicht. Dazu war er zu scheu, zu furchtsam, zu schüchtern. Eltern mußte er' wohl einmal gehabt haben, aber er erinnerte sich nicht, wann, noch wo und wer sie waren. Er stand eines Tages mit einem alten Vettelweib auf der Straße und sollte betteln. Das war Alles, was er wußte. Und er verstand schon damals nicht zu betteln, so daß die Alte ihn schlug bis auf's Blut, und ihn schließlich ärgerlich weggab, weil er viel zu dumm war zum Betteln. Aber viel! Damals war er vier Jahre alt geWesen und für eine Weile verschwand er wieder von der Straße. Vier Jahre später stellte er sich wieder dem Publikum vor; da war er acht Jahre alt. Ein alter Taschendieb hatte ihn liebevoll in die Lehre genommen, denn in allen Schichten findet man liebevolle Menschen. Jawohl. Aber Chinitas war zu furchtsam, zu ungeschickt, zu scheu, um zu stehlen. Schläge helfen da nach. Auch ließ der Lehrer, sich keine Mühe verdrießen; kein Wunder, daß Chinitas endlich mit einer gewissen Fertigkeit stehlen konnte. Geldbörsen und Taschentücher zog" er schon glänzend. Er ging hinter einem Herrn her. Ganz unauffällig, aber doch klopfenden Herzens. Langsam streckte er die Hand vor. Rein damit in die Rocktasche des Herrn, nun schnell wieder 'raus, und das Taschentuch war in seinen Händen. Bravo Chinitas! Aber in diesem Augenblicke diebischen Erfolges, der das Entzücken eines Künstlers von seinem Fache hätte sein müssen, fiel die Angst, nein, die Scham auf Chinitas Herz, und was that er? Pfui, Chinitas! Er schwenkte das Taschentuch, lief hinter dem Herrn her und Herr,' Herr," rief er, haben Sie nicht das Taschentuch verloren?" . Der Herr dreht sich um, giebt dem Kleinen ein paar Pfennige und geht. Was soll nun ein Lehrer, der seine ganze Zeit, seine ganze Mühe auf so einen dämligen Kerl verwendet hat, thun? ' DaS, was der Lehrer Chinitas gethan hat. Ihm das Geld wegnehmen, ihm ein Paar um die Löffel schlagen und sich mit einem Tritt von ihm lossagen. Und wieder verschwand Chinitas auf längere Zeit von der Bildfläche. Plötzlich tauchte er wieder auf. Nach drei Jahren, so, daß er jetzt schon elf Jahre alt war. Armer Kerl! Wo hatte er die drei Jahre denn gelebt? Wie lebt er denn jetzt? .Wer weiß das. Wahrscheinlich wie die Spatzen in der Luft, oder wie die herrenlosen Hunde auf der Straße. Nicht, weil er nicht arbeitet, nein, er arbeitet ja auf seine Art. Er verkauft Reibsand, Fkiegenstöcke, wäscht Weinkrüge und Gläser, aber er verdient nichts. Er ist zu schüchtern, zu furchtsam, zu scheu. In seinen Mußestunden und die dauerten den ganzen Tag stand er meist imRetiro", am großen Teiche. Was er dort that? Er warf Steine in den Teich und freute sich über das Aufplätschern des Wassers, über die wunderhübschen, prachtvollen Kreise, die es zog und war dankbar dafür. Dankbar? . Jawohl, dankbar. Denn es war doch zu lieb und zu gut . von dem armen, großen Teiche, daß er sich die Mübe nahm, für ihn. den armen, zerryienen, fchmutzigen Jungen, ebenso schöne Kreise zu ziehen wie für den jungen Herrn" dort in Sammethosen und Sammetrock mit dem Spitzenkragen und den schön gepflegten Locken. Ja, er war wirklich zu gut, und er war dem Teiche so dankbar dafür. So unsäglich dankbar. Eines Nachts es war eme bitterkalte Winternach', in der es gottsjämmerlich goß zog sich Chinitas -zum Schlafen in seinen Alkoven zurück. Er war ziemlich hungrig, denn er hatte den ganzen'Tag über nichts gegessen, und der Hunger erleichtert, wie man weiß, das Gewissen recht seh? und die Kälte schläfert es ein. Der Alkoven Chinitas war ek.t ziemlich tiefes Portal mit einer Steinstufe, die zum Hausflur emporführte. Auf dieser Stufe pflegte Chinitas zu schlafen. Beim Niederlassen aber, um Gottes willen, was war das?! stieß seine Hand auf einen kleinen. runden, flachen Gegenstand: Sollte das ein Geldstück sein? Eine Kupfermünze? Ja? Nein. Sie war nicht klein und nicht groß genug dazu, das hatte er schon im Griff. Eine Silberschtidemünze vielleicht! Und bei diesem Gedanken leuchteten seine Augen förmlich auf und sein Hungergefühl schwand, wie weggeblasen. Die schade, wie schade, daß es so dunkel war und er die Farbe nicht erkennen konnte. .In diesem .Augenblick aber, gerade

als'er die Münze' dicht vor die Augerr hielt, fuhr ein Wagen vorbei, eineEquipage. Der Lichtstrahl, der ausden Laternen kam, glitt auch über seine Hand weg und ... ja. wahrhastig. tZ wurde ihm schlecht in dem Augenblick. Es wurde ihm schwindlig, er müßte sich halten, er .. . Denn es war Gold, was er in-den Händen hatte. Gold war es, Gold! ), er kannte das Gold. Er hatte einmal ein Goldstück gesehen, das seiw Lehrer gestohlen hatte, und es sah ganz so aus. ganz so mit dem Kopse der Jsabella. Jawohl, ja ... ja ... ganz genau so. Und er fuhr sich mit der Hand über die Stirn und durch das Haar. Gold." Hatte er sich denn nicht getäuscht? War es denn möglich? Der Lichte schein glitt so schnell drüber weg. ES war ja möglich .... aber nein . . . nein. . Und er schlich sich zu einer Straßenlaterne hin. denn schlafen nein, denn vom Schlafen war dochkeine Rede. Erst sehen, erst sich überzeugen. Laternen gab es damals nicht viele. Er hatte ein ganzes Stück also noch zu gehen. Und dabei drehte er die Münze fortwährend in seinen Fingern. Wenn es wirklich Gold war!!' Dann war er ja reich, reich .. still, das brauchte Keiner zu hören. Nun war die Laterne da. Aber dieFlamme flickerte durch den Wind undja, es schien Gold zu sein, aber gewiß konnte er noch nicht sein. Erwollte es noch car nicht glauben, ehe ernicht ganz gewiß davon war. Trotzdem ging er wie Fieber durch di? Nacht, durch die Straßen von Laterne zu Laterne. Suchend prüfend . nein, er konnte nicht dararr. glauben! Der Himmel aber, dort, ganz toi mit Goldstücken besäet. Großer Gott! Wenn es jetzt doch keines war! Und so ging er. vonr Licht in's Dunkel, vom Dunkel in'sLicht, fürchtend und hoffend und ban--gend. Und bei Licht besehen, geht auch derMensch durch diese Welt nur vom hu ben Dunkel zu Lichtpunkten, die ihm. strahlend herüberleuchten und wieder zum Dunkel und Licht zurück. Da5 Dunkel, das sind die Enttäuschungen die Lichtpunkte die Illusionen! Endlich wurde es Tag. Endlich war es hell genug, um zu sehen. Und ja es war ein Jsabellendukaten und Chinitas war reich, reich, reich. . Das Bewußtsein seines Reichthums gab ihm einen Halt, wurde ihm zum Rückgrat. Einen Dukaten kann marr ja gar nicht erschöpfen. Da konnte man ja sein ganzes Leben lang davon, zehren. Jetzt jetzt war er Jemand Eine Persönlichkeit, mit der man rech--nen mußte. Und am liebsten wäre er zu Jedem, dem er begegnete gegangen und hätte ihn gefragt: Können Sie: mir einen Dukaten wechseln?" Aber er that es nicht. Nicht aus Schüchternheit. Nein, die kannte er jetzt nicht, mehr. Aber er hatte es nicht nöthige Ihm genügte sein eigenes Bewußtsein. Und er trat viel sicherer auf und bot seine Sachen und Sächelchen viel sicherer feil und verkaufte viel mehr und allerlei, und genoß bald ein Riesenansehen bei seinen Kameraden, bei denensich's sehr bald herumsprach, daß er ein Kapitalist" sei, wenn sie auch nicht wußten woher. Und viele Jahre vergingen, und Chinitas klomm die soziale Leiter im-, mer höher und höher hinan. Er hatte Talent, glänzenden Geschäftsgeist, wa? angesehen und hatte noch eins seine Goldmünze die er immer bei sich trug, wie einerr Talisman. Und thatsächlich war sie ihm das ge--wesen. Sie hatte ihm das einzige ge-" geben, wodurch man den Kampf um'S Leben bestehen kann: das Selbstvertrauen und mit dem Selbstvertrauen den Charakter. - Chinitas ist schon ein .älterer Mann.. Er heißt jetzt Seine Excellenz Senor Soundso. Er ist geliebt, geschätzt, geehrt. Eines Tages erzählte er einenr freunde die Geschichte von der Münze Da ist sie," und er zog sie hervor. Der Freund nahm sie und sah sieehrfurchtsvoll an. Plötzlich aber machtekr ein halb erstauntes und halb iurn mes Gesicht. Dann lachte er auf. Die?! Aber die ist ja falsch!" Ja. Das habe ich auch erst spater entdeckt. Aber ich danke ihr dennoch alles, obwohl sie nicht echt war. Nicht. Eine Illusion. Aber, mein Freund, die Illusionen haben der Welt schon größeren Nutzen gebracht als die echte sten Wahrheiten, das merke Dir Und'die Münze wieder einsteckend setzte er hinzu: Und Du siehst, ich trenne mich nicht von ihr. Ja, sie kommt sogar mit mir hinab in'S Grab."

Dttrch ein Lied. 1 von ffrida Schanz. Es geschieht und ist geschehen, , xc i m?ik,tk2 vmf h JU) Ufc ußiuut wMMf. Frieden kommt und sanftes Wehere Durch ein Lied voll süßer Macht, , Daß sich alles Dunkel lichtet, ' Daß sich alles Müde strafft. Daß sich Tiefverworr'nes schlichtet : Durch der Worte stille Kraft, ! . . ' Daß sich alle Lasten heben Wie auf himmlisches Gebot Und verschwimmen und verschweben Wie ein seliges Abendroth. i - - Aufrichtig. Dame (zu ei- ! ner sich eben vorstellenden böhmischen Köchin): Wenn Sie einen Liebhaber haben, können Sie mir's ganz ruhig sagen." . Köchin: Ich kann ich auch sein ganz ruhig Gnäddige, ich hob ich zwaa." . .